Aas Sessen-Akssm und Aachbargebieten.
Merkblatt für den 20. Dezember.
Sonnenaufgang 8.02 Uhr, Sonnenuntergang 15.53 Uhr. — Mondaufgang 9.03 Uhr, Monduntergang 15.3y Uhr.
1552: Katharina von Bora, die Gattin Luthers, in Torgau gest. — 17y5: Der Geschichtsschreiber L. v. Ranke geb.
Das Wahre ist immer schlicht, einfach, haarscharf. Es ver» trägt »ein ausgebauschtes Gewand. Zwei und zwei ist vier.
Wetterbericht.
Während in Osteuropa die Schneefälle sich noch fortsetzen, ist bei uns im Bereich eines zentralen Hochdruckgebiets Äufheite- rung eingetreten. Trotzdem die Wirbeltätigkeit in Nordeuropa sehr stark zugenommen hat, wird unser Gebiet unter dem überwiegenden Einfluß des hohen Drucks bleiben. Zn Mittel- und Ostdeutschland wird infolge der dort vorhandenen Schneedecke stärkere Frostverschärfung auftreten. — Vorhersage bis Freitag abend: Nach kalter Nacht vielfach neblig, vorübergehend Bewölkungszunahme, Tagestemperaturen bei Null Grad, meist trocken, schwache in Richtung veränderliche Winde. — Witte- rungsaussichten für Samstag: Meist heiter und trocken, kalt, nachts mäßiger Frost.
Wintersport-Wetterbericht vom 19. Dezember.
Rhön (W a s! e r k u p p e): Nebel, 6 Grad Kälte, Schneehöhe 20 cm, Pulverschnee. Sportmöglichkeit für Ski und Rodel sehr gut.
Vogelsberg (Hoherodskops): Nebel, 4 Grad Kälte, Schneehöhe 10 cm, Schneedecke verharrscht. Sportmöglichkeit für Ski und Rodel noch vorhanden. — Herchenhainer Höhe: Nebel, 3 Grad Kälte Schneehöhe 5 vm, Schneedecke verharrscht, keine Sportmöglichkeiten.
* Fulda, den 19. Dezember 1930.
Weihnachtsheimlichkeiten.
Es gehört 3um Wesen der Weihnacht, daß am Heiligen Abend .Überraschungen" bereitet werden Tas geschieht durch Gaben, die aus den Wünschen der zu Beschenkenden erraten wurden Niemand weiß so recht, was ihm das Christkind bringen wird, es soll auch niemand es vorzeitig erfahren. Und diese Erwartung und Spannung bis zum Heiligen Abend möch« ten wir nicht missen. Wer im Dienste des Christkindes steht, muh also ebenso heimlich sein wie es selbst. Kein Wunder, wenn das Haus in den Tagen vor Weihnachten an Heimlichkeiten und Geheimnissen reicher wird: man weih es, man spürt es und fühlt es, dah Heimlichkeiten da sind. Es sind aber keine schlimmen, nein, es sind nur gute So manche Schublade wird in den Tagen vor Weihnachten gewissenhafter als je abgeschlossen, so manches Paket wird verstohlen in die Wohnung eingeschmuggelt, und es ist nicht zuviel gejagt, wenn man behauptet, man müsse icyt, wo es gilt, Dinge zu verbergen, etwas von der Geräuschlosigkeit geschickter Diebe haben Bor den Kindern, die alles wissen wollen und nach allem fragen und auch sonst, in begreiflicher Spannung, neugieriger sind als zuvor, hat man ost seine liebe Not mit dem Heimlichtun. Inzwischen vergeht aber die Zeit Das Fest rückt näher und damit auch die Stunde, wo diese Heimlichkeiten aufhören, wo unter dem Glanze des Christbaumes alle verborgenen Dinge eine frohe Erweckung erleben.
„Weh dem, der lügt!"
Gastspiel der Mitteldeutschen Bühne.
Grillparzer ist kein Lustspieldichter, und man sollte deshalb auch nicht versuchen, ihn dazu zu machen. Ihm fehlt zum Lust- spieldichter das, was man am besten mit „esprit" bezeichnet. Was bietet er uns schon in seinem so oft gerühmten Stück „Weh dem, der lügt " Auf der einen Seite statt sprudelnden Humors gewiß tiefsinnige aber trotzdem furchtbar langatmige moralische Betrachtungen und auf der anderen Seite billige Groteske. Das Lustspiel verlangt Handlung, und zwar keine x-beliebige Handlung, sondern wer den Zuschauer fesseln will, muß Spannung erzeugen. In diesem Stück aber ist die Handlung völlig vernachlässigt, und von Spannung findet sich nicht die Spur. Mit einem Hinweis auf Shakespeare ist auch hier nichts zu re: ten, im Gegenteil, wenn man an ihn erinn.rt, so wird man sich desto mehr des großen Gegensatzes zwischen Grillparzer und dem großen englischen Dramatiker bewußt. Die Shakespeare schen Lustspiele besitzen nämlich das, was wir bei Grillparzer vermissen, den genialen Wurf.
Wenn auch anerkannt werden muß, daß sich die Mitteldeutsche Bühne recht viel Mühe gab, das Stück dem Publikum schmackhaft zu machen, den festen Kontakt zwischen Bühne und Auschauer^aum konnte auch sie nicht herstellen Auch eine noch so gute Darstellung konnte über die grundsätzlichen Mängel nicht hinweg . i.n. Bon den M rgl Ubern des Ensembles ist in erster Linie Herber: A s m i s als Leon zu nennem der in seinem blitzsauberen temperamentvollen Spi.l, das im Wort und Geste gleich stark und lebendig zum Ausdruck kam, einen vorwitzigen und hitzigen Küchenjungen auf die Bühne stellte, dem man unbedingt gewogen sein mußte. Cila Otto kann indessen sicher sein, daß ihre üppige Edrita trotz flachsgelben Haares und barbarischer Herkunft eine sehr sympathische Dame war, die sich ebenfalls allgemeiner Zuneigung erfreute. Gustav Bartel- m u s nahm sich als der wilde Graf Kattwald ebenfalls recht gut aus. und Willy Moll spielte einen Galomir — eine der dankbarsten Rollen des Stückes — so daß dieser edlen Recken- gestalt auch nicht das geringste Kriterium eines Vollidioten fehlte. Heinz Friedrich als Atalus und Bruno Klock- m a n n als Bischof Gregor wurden ebenfalls ihrer Aufgabe durchaus gerecht. In den übrigen Rollen wirkten mit: Bernhard Körner, Hermann Schober und Rolf Fischler.
Sehr störend wirkte die Bühnenausstattung. Hatte schon Ernst Hummel dieses Mal keine sehr glückliche Hand gehabt, so wirkte der Bühnenmechanismus, mit dem man sogar Verwandlungen bei offener Szene vornahm, in seiner blutigen Primitivität einfach grausam.
Das Publikum, dâs nicht so zahlreich wie sonst erschienen war, stand der Aufführung mit gemischten Gefühlen gegenüber. Der Beifall galt wohl in der Hauptsache den Darstellern und mag zum Teil auch dem „Namen" Grillparzer gegolten haben. my.
30 Jahre als Gemeindeschöffe tätig.
Vom Verband der Preußischen Landgemeinden wurde dem Gemeindeschöffen Balthasar Heil in Dassen, Kreis Fulda für 30jährige Dienstzeit eine Ehrenurkunde verliehen.
Auf die richtige Marke kommt es an!
Wie in vielen Lebenslagen gilt das vor allem auch im Weihnachtsmonat, bei der Wahl vielfacher Geschenke. Es gilt im besonderen aber auch bei den Marken im eigentlichen Sinne, bei den Postwertzeichen. Für die schwere Notzeit, in der Deutschland sich befindet, ist die richtige Marke nur die Wohlfahrtsbriefmarke, zumal in bi. Jen Wochen, wo jeder, der überhaupt noch über Mittel verfügt, noch mehr als sonst sich des Elends seiner notleidenden Mitbürger erbarmen müßte. Der Wohlsahrtsaufschlaa der Marken in ihrer diesjährigen besonders hübschen Ausführung mit Städtebildern wird durch die anerkannten Wohlfahrtsorganisationen dem großen Hilfswerk „Für unsere Mütter — für unsere Jugend"' zugeführt. Die Marken (8 Pfg.-Marke zum Preis von 12 Psg., 15 Pfg.-Preis 20 Pfg., 25 Pfg.-Preis 35 Pfg., 50 Pfg.-Preis 90 Pfg., sowie die Postkarte mit eingedruckter 8 Pfg.-Marke zum Preis von 12 Pfg. und Markenheftchen zum Preis von 2 R-N) sind bei der Wohlfahrtsstelle zu haben.
Steuerkarte 1931.
Wir werden gebeten, darauf hinzuweisen, daß die jetzt ausgehändigten Steuerkarten unverzüglich den die Bezüge (Gehalt, Pension, Vergütung) zahlenden Kasten zuzustellen sind.
6 Zahre Zuchthaus für
Ein schwerer Junge vor dem Fuldaer Schöffengericht.
In der Kleidung des Zuchthäuslers stand gestern ein schwerer Junge vor dem großen Schöffengericht Fulda. Es handelt sich um den schon vielfach vorbestraften 52jährigen Maschinenbauer Christian Astrott, der in Frankfurt a. M. das Lich: der Welt erblickte. Es wurde ihm zur Last gelegt, im Jahre 1920 mit einigen bereits abgeurteilten Komplizen, nämlich Hunst 0 ck, Kremer und Gemein, auf einer der damals üblichen Hamsterfahrten schwere Raubüberfälle ausgeführt zu haben. Derlei Verbrechen sollte er am 24. November 1920 bei einem Müller in Großburschla, am 7. Dezember bei einem Müller in Zahmen (O b e r h e s s e n), um die gleiche Zeit in einem Rhöndorf bei Jossa und am 10. Dezember bei einem Müller in Ern st Hausen bei Marburg a. L. gemeinsam mit den genannten Komplizen verübt haben. Die Raubüberfälle wurden regelmäßig in der Nacht ausgeführt. Die Kerle schlichen sich in die Wohnungen und drangen mit Blendlaternen in das Schlafzimmer ein. Zwei Verbrecher pflegten die aus dem Schlaf geschreckten Bewohner in Schach zu halten, während die beiden anderen die Wohnung nach Geld und Wertsachen durchsuchten und mit der Beute verschwanden. Aeußerst rabiat benahmen sich die Einbrecher, die bei ihren Taten Masken trugen, bei dem lleberfall in Ernsthaufen. Dort schlugen sie den Müller, der ihnen Widerstand leistete mit einem Hammer auf den Kopf. Die Schläge, sollte der jetzige Angeklagte getan haben.
Seit dieser Zeit hat dex Angeklagte ein wechselvolles Leben geführt. Im Jahre 1924 befand er sich in Hanau in Untersuchungshaft. Es gelang ihm hier, die Tür seiner Zelle auf nicht geklärte Weise zu öffnen und auszubrechen. Er flüchtete über Frankfurt nach Holland, wo er sich wegen Geldfälschungen strafbar machte und auch verurteilt wurde. Während er in Holland seine Strafe verbüßte, stellte die Staatsanwaltschaft in Hanau einen Auslieferungsantrag, dem auch stattgegeben wurde.
In der gestrigen Verhandlung bestritt A., an den Räubereien beteiligt gewesen zu sein und behauptete, noch nie in der fraglichen Gegend gewesen zu sein. Dagegen bekundete der als Zeuge vernommene Untersuchungsrichter Thomas vom Landgericht Hanau, daß der Angeklagte wiederholt bei Vernehmungen, die jetzt sechs Jahre zurückliegen, zugegeben hat, bei verschiedenen Einbrüchen mitgewirkt zu haben. Auch hat er damals einzelne Vorgänge geschildert. Ferner ist er durch die Aussagen seiner Komplizen belastet worden.
Der Vertreter der Staatsanwaltschaft sah die Schuld des Angeklagten als erwiesen an und beantragte 6 Jahre Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Nach längerer Beratung verurteilte das Gericht den Angeklagten, für den sich auch noch andere Gerichte interessieren, zu der beantragten Strafe.
Weihnachtsgeschenke
find in der jetzigen Notzeit doppelt willkommen, sind doch gerade sie geeignet, die bitteren Sorgen des Alltags vergessen zu lasten. Es gibt jedoch auch Weihnachtsgeschenke, die alles andere als Freude bereiten. Hierzu gehört die Steuerkarte, die die Stadtkaste Fulda in diesen Tagen den Einwohnern zustellen läßt.
Die Dienststunden des Zollamts I in Fulda
sind am 24. und 31. b. Mts. auf die Zeit von 8—13 Uhr festgesetzt. Am 25. und 26. b. Mts. sowie am 1. 1. 31. bleiben die Diensträume geschlossen. Nur für die Ausgabe ausländischer Postsendungen (Paket- und Briefsendungen) ist die Postzollabfertigungsstelle des Zollamts (Zimmer Nr. 3) am 25. De- z e m b e r 1 9 3 0 in der Zeit von 10—11 Uhr vormittags für den Publikumverkehr geöffnet.
Aufführung des Evangelischen Kirchenchors.
Am 21. Dez., ab nds 8 Uhr, wird der Evang. Kirchenchor in der Evang. Kirche ein Werk zur Aufführung bringen, das überall wo es aufgeführt wurde, einen großen Erfolg bedeutete. Ueber die Aufführung in der Lorenzkirche in Nürnberg wurde geschrieben' „Ein verdienstvoll e und fruchtbarer Gedanke, eine Weihnachtsfeier in solch großem Stil sollte von nun an jährlich
'er! 0 ! werden. Den Hauvtteil des Programms nahm die Weihnachtskantate ein, die der Königl. Musikdireklor C. Hirsch nach Worten der heiligen Schrift und mit Verwendung alter Kirchengesänge komponiert hat. Sie birgt eine Fülle des Schönen und ist auf sehr geschickte Art zusammengestellt. Zwischen Textstellen aus der Bibel hat der Komponist schöne, alte Lieder eingeschaltet lz. B. „Es ist ein Ros' entsprungen", „Wie schön leuchtet der Morgenstern", das älteste Kirchenlied „Nun sei willkommen, Herre Christ", aus dem 11. Jahrhundert, „Joseph. lieber Joseph mein" u. a. m.). Und das alles ergibt eine feinsinnige, musikalische Erzählung der Geburt des Heilandes. Eine größere Anzahl Schulkinder wirkten mit, und das gab den einzelnen Stellen Wirkungen von geradezu elementarer Gewalt." Der Evang. Kirchenchor lädt zu der Aufführung herzlich ein. Ter Eintrittspreis ist so niedrig gehalten, daß allen Gemeindegliedern der Besuch ermöglicht wird.
Weißweine......von Mk. 0.75 an
Rotweine.......von Mk. 0.85 an
Süßweine.......von Mk. 1.10 an
Weinbrand - Liköre ~ Punsche ebenfalls gut und billig,
Bruno Dietrich,
Weinhandlung Fernruf Nr. 851
Pfandhausstr. 5.
Fortbildungslehrgang für Standesbeamte.
Auf Einladung des Herrn Regierungspräsidenten wurde kürzlich in der Harmonie wieder ein Fortbildungslehrgana für die Standesbeamten der Kreise Fulda, Gersfeld und Hünfeld abgehalten. Hierzu waren 61 Standesbeamte aus diesey. Kreisen erschienen. Nach Hervorhebung der Bedeutung dieser Fortbildungskurse fanden sachwissenschaftliche Vorträge durch Regierungsoberinspektor Stiller aus Kassel sowie Bürgermeister a. D. und Standesbeamten Führer aus Harleshausen statt. An diese Vorträge, denen die Standesbeamten große Aufmerksamkeit schenkten, schloß sich eine rege Aussprache an. Das Bestreben der Regierung in Kassel, den Standesbeamten für ihre verantwortungsvolle Tätigkeit das notwendige geistige Rüstzeug zu vermitteln und ihnen Gelegenheit zu geben, mit den Sachbearbeitern der Aufsichtsbehörden Erfahrungen auf dem Gebiete des Standesamtswesens auszutauschen, wurde dankbar anerkannt. Der nächste Lehrgang findet am 6. März 1931 in der Harmonie zu Fulda statt.
einen Schwerverbrecher.
Ein leichtsinniger Schuh.
Zwischen den Familien Kr. und Pa. in Veit ft ei n b 0 besteht schon lange ein sehr gespanntes Verhältnis, so bas bereits häufig ernste Auseinandersetzungen gegeben hat miss 15. Juli kam es beim Viehhüten auf der Weide wieder einmn zu einem Konflikt zwischen den Angehörigen beider Familien Durch Schimpfen und Schreien der aneinandergeratenen Parteien wurde neben anderen Personen auch der Ehemann K der nicht weit von der Weide an einem Neubau arbeitete aufmerksam gemacht. Er kam hinzu und rief seinem 25jäb’riQen Söhne zu: „Los, das Ding in die Tasche und nichts wie druff" Der Sohn eilte darauf in die Baubude und holte von hier einen Revolver. Alsbald hörte man einen Schuß fallen der wie sich gleich darauf herausstellte, den O. P. in den linken Unterarm traf. Die Sache hatte jetzt ein gerichtliches Nachspiel und zwar war der Vater der Anstiftung zur schweren Körperverletzung angeklagt. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte gegen den Angeklagten drei Monate Gefängnis Das Gericht billigte ihm jedoch noch einmal mildernde Umstände zu und verurteilt ihn zu 150 R-N Geldstrafe oder zu 30 Tagen Gefängnis.
Der widerspenstige Zuckerwarenverkäufer.
Auf einem Sportfest am 6. Juli in Neuhof verkaufte der schon vorbestrafte 30jähriAe Schuhmacher I. D. aus Neuhof Zuckerwaren. Als er von einem Oberlandjäger revidiert wurde stellte es sich heraus, daß D. keinen gültigen Gewerbeschein hatte, so daß ihm der weitere Verkauf versagt wurde. Hierüber geriet D. in große Aufregung, und bald darauf suchte er den Beamten in seiner Wohnung auf, um Rücksprache mit ihm zu nehmen. Da er sich nicht so benahm. wie es sich gehörte mußte er mit Gewalt aus der Wohnung entfernt werden. Hierbei leistete er Widerstand. Als der Beamte des Abends noch einmal auf dem Festplatz erschien, beleidigte ihn D. mit Schimpfworten. Das kleine Schöffengericht verurteilte D wegen Hausfriedensbruchs und Körperverletzung zu 50 R-il und wegen Beleidigung zu 20 R-K Geldstrafe.
Des versuchten Versicherungsbetruges angeklagt.
Im Sommer brannte das Haus des 58jährigen Landwirts K. Kr. in V e i t st e i n b a ch ab, wobei zahlreiche Gegenstände ein Raub der Flammen wurden. Ursprünglich nahm man Brandstiftung an, es konnte jedoch trotz eingehender Untersuchung nicht festgestellt werden, wer als Täter in Betracht kam. Bei der Aufstellung der angeblich verbrannten Gegenstände führte Kr. viele Artikel auf, die überhaupt nicht vorhanden waren. Auf wiederholtes Zureden des Beamten der Feuerversicherung, der Kr. auf zahlreiche Widersprüche hinwies, stellte Kr. ein neues Verzeichnis der Brandschäden auf, das auf etwa 2 600 R-N niedriger lautete. Ferner wurde festgestellt, daß Kr. zu der Anfertigung des ersten Verzeichnisses von seinem 25jährigen Sohne angestistet worden war. Vater und Sohn hatten sich nunmehr vor dem Richter zu verantworten. Das Schöffengricht verurteilte den Vater wegen versuchten Betruges zu zwei Wochen und den Sohn wegen Anstiftung zu der Tat zu einer Woche Gefängnis. Beiden wurde Strafaufschub gewährt.
Neustadt, 16. Dez. (Passendes W e i h n ach t sge« scheu t.) Beim Ausrotten von Hecken in der Nachbargemeinde Momberg, welche im Zusammenlegungsverfahren steht, fand ein Arbeiter in einer Tiefe von 60 Zentimeter eine gut erhaltene silberne Taschenuhr. Für den Finder bedeutet der Fund ein ganz annehmbares Weihnachtsgeschenk.
* Altenschlirf, 19. Dez. („S e I b st ist der Mann !“) Er hiesiger Arbeitsloser hat es verstanden, seine freie Zeit nützliâ zu verwenden. Aus Abfall-Baumaterial von einem Bekannte: erbaute er sich selbst im Spätherbst dieses Jahres ein kleiner Häuschen, bei dem auch Ziegen- uno Kaninchenstall nicht fehlen Das „Eigenheim" befindet sich auf dem kleinen Landbesitz einet Wiese mit Grabgarten des Erbauers unterhalb des Wasserwerks Altenschlirf, und wird im Orte allgemein das „Hippenheim" genannt.
* Mittel-Seemen, 18. Dez. (U n g l ü ck s f a l l.) Gestern geriet das neunjährige Töchterchen des Landwirts Funk ballier in der nachbarlichen Hofreite mit der linken Hand in die Räder der Brockelmühle. Dabei wurde dem Kinde das letzte Glied des linken Ringfingers abgerissen. Die Verunglückte fand Aufnahme im Gederner Krankenhaus.
Billertshausen, 17. Dez. (D i e Axt im Haus erspart den Zimmermann.) Nach diesem geflügelten Worte handelt auch ein hiesiger unernehmungslustiger Landwirt.' Er hatte ein Rindchen, das unter Blähungen sehr litt. Bei Benutzung des Blährohrs passierte nun d'em Landwirt das Mißgeschick. daß der daran befindliche Gummischlauch plötzlich im Bauche des Tieres verschwand. Alles Bemühen, d s „Durchgängers" wieder habhaft zu werden, scheiterte zunächst. Da dachte unser biederer Landwirt, für was er denn Scheere und Messer habe. Unter Assistenz von 2 getreuen Nachbarn wurde das Tier gefesselt und auf den „Operationstisch" gelegt. Vorsichtig wurden auf der zuständigen Bauchseite mittelst des Rassiermessers die Haare feinsäüberlich entfernt und zunächst die Haut ausgeschnitten, so daß der Magen frei lag. Nun wurde auch dieser mit einem „kunstgerechten" Schnitt geöffnet, und nach vieler Mühe kam der verschluckte Schlauch' wieder ans Tageslicht. Mit Lappenschuhzwirn wurden die Oeffnungen dann „regelrecht" wieder zugenäht. Die Operation war gelungen^ und der Patient —• nicht tot, er freut sich vielmehr des besten Wohlbefindens und der operative Eingriff fand bereits vor einigen Wochen statt — wächst, blüht und gedeiht- Der Landwirt hat mit Auszeichnung seine erste „Doktorarbeit gemacht. Unsere Gemeinde ist nun' so glücklich, ihren eigenen „Doktor" zu haben, der gewiß auch getreuen Nachbarn und dergl. stets zur Verfügung steht. (Alsf. Oberhesi. Ztg.)
Gießen, 16. Dez. (Weihnachtsgeschenk für Gießens V iir gerscha f t.) Große Beunruhigung ist wegen der Prers- erhöhung für Gas, Wasser und Elektrizität unter der Einwohnerschaft entstanden. Laut Beschluß der letzten Stadtratssitzung wurde die Elektrizität um 2 Pfennig, Eas um 2 Pfennig und Wasser um 5 Pfennig im Preise erhöht. Die Stadt will dadurm eine Mehreinahme von rund 50 000 Mark erzielen.
Dillenburg. (Der Tod im Schacht.) Auf der Braun- kohlengrube Phönix „Glück auf" bei Breitscheid im Dlllkrms wurde der verheiratete 30jährige Bergmann Ernst Kolb aus Breit'scheid von plötzlich in den Schacht hereinbrechenden sermassen erfaßt und durch einen Stollen getrieben. Erst dem sich das Wasser verlaufen hatte, konnte Kolb tot auf oe Halde geborgen werden. Drei weiteren Bergleuten, die ‘ gleich großer Gefahr waren, gelang es im letzten Augenblick, / in den Lustschacht vor dem Tod zu retten. .
Hanau. (Sturm im Stadtparlament.) eige Etadtverordnetensitzung verlief teilweise sehr sturnln
Galerie beteiligte sich durch Zwischenrufe, so daß l1“).. Stadtoerordnetenvorsteher veranlaßt sah, sie räumen zu la' ' Der Antrag auf Einführung der Gemeindegetränkesteuer w abgelehnt. Dagegen wurde ein kommunistischer Antrag, Wohlfahrtsetat um 40 000 Mark zu überschreiten, angenoini• Angenommen wurde auch ein kommunistischer Antrag, hie i tische Tariferhöhung wieder rückgängig zu machen. Heftige A einander'etzungen ergaben sich bei dem Antrag ^r ^ ^er- Linken bezüglich der Aufwandsentschädigung des, Obere b Meisters von 2700 Mark. Dr. Blaum bittet darauf ^^“fhnnas* daß die Aufwandsentschädigung einen Teil der ihm bejow . mäßig zustehenden Gebührnisse darstelle. innren
ckerfabriken nicht mehr in dem c diesem Jahr. Während früher bet1
Eroß-Eerau, 16. Dez. (Viel Süß Zeiten.) Seit Jahrzehnten hatten d Gerau befindlichen Zuckerfabriken nich: Beschäftigung, wie in Liefern Jahr. Wuyrcav i^-/:- , jn Zeit die Kampagne ziemlich beendet war, lagern lem ^ Fabrikanlagen und auf anschließenden Geländen um: Berge von Tausenden von Zentnern Zuckerrüben, verarbeitet sind, wirb es diesmal Ende Januar sein.