M-aer Anzeiger
Erscheint fe-en Werttag.Dezugapreis: monatllch SL0 RM. Bel Tlefemngrbehmöerungen -urch höhere Gewalten", Streiks, /luvsperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Krieörich Ehrenklau, Zulda, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver. leger. Postscheckkonto: Zrankstlrt a. M. Ht. 16009 5/292 — 1930
Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg Zul-a- un- Haunetal-Zul-aer Kreisblatt
Re-aktton un- Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 ♦ Zernfprech^nschluß Nr. 989 Nachdruck der mit* versehene« drittel nur mit Ehzellenangab» «guldarr ^«-atA»»^ »«Naâet.
Fulda, Montag, 15. Dezember
Rn-elgeupret«: Zür LchSrde«, Genossenschas. trn, Banken usw. beträgt die Klein zeile OJO Mk., für auswärtige Kustraggeber 0.25 Mk^ für die Reklame-elle 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk^ Reklame-elle 0.60 Mark ♦ Bel Rechaungsstel. hing hat Zahlung innerhalb 8 Tagen -u erfol* gen ♦ Tag- und Platz Vorschriften unverbindlich.
7. Jahrgang
Die Militärrevolte in Jaca.
_ ; "we VsweMng
in ganz Spanien.
Vorläufer einer Revolution.
Ein plötzliches, auffälliges Verbot der spanischen Regierung, telephonische, telegraphische oder Rundfuntmittcilun gen ans Ausland zu geben, liest aus besondere politische ÜMfomniniffe in Spanien schließen. Nach der später - Icrhergcstellten Verbindung wurde denn auch bekannt, M in der nordfpanischen kleinen Festung Jaca eine SKu .ärrevoltc ausgebrochen sei. Die Regierung mußte sie Tatsache des Ausstandes zugeben. Sie trat sofort zu Utter Beratung zusammen. Die Meuterer sollen die Tele- Mpheuleitungen und die Eisenbahnverbindunaen unter- drochen haben.
Die Regierung gab eine beruhigende offiziöse Erklä- titng aus, in der gesagt wird, daß direkte Nachrichten aus zaca vorliegen, nach denen die Ereignisse weniger ernst ieim, als man zunächst angenommen habe. Ein Teil der ^rnison setzte seinen Widerstand gegen die Rebellen fort. Zu die Bewegung beschränkt sei, wäre sicher, daß bei un- Kickliche Zwischenfall bald veigelegt sei.
L Nach in Madrid umlaufenden Gerüchten hat die Zivil- Kölkerung in Jaca sich den revoltierenden Truppen an Mlossen. Die Ansicht gewinnt an Boden, daß der Putsch dtr Vorläufer einer allgemeinen republikanischen Bewegung in ganz Spanien ist. Es scheint, daß ber Führer der Revolte der frühere Hauptmann Galen ist, der in Jahre 1926 wegen betrügerischer Umtriebe aus der Ämee ausgestoßen worden war. Auch der Ozanflieger Major Franco, der kürzlich aus dem Gefängnis in Madrid miwichen ist, sott an der Bewegung beteiligt sein.
I Ernste Nachrichten.
Später würde in Madrid verbreitet, das Regiment, das put Freitag von Huesca gegen Jaca auSrüâte, sei zu ieu Ktusstäudischeu übergegnußeu. Der Führer, der be= lantite Marokkogeneral Dolla, ist gefangen. Der Bischof von Jaca ist als Geisel festgenommen. Die bekannten
„Wie ein wilder Esel."
Der temperamentvolle Schtmpfmarschall.
In einer Unterredung sprach der polnische Staats- Präsident M a r s ch a l l P t l s u d s k i von den Befug- niten des Staatspräsidenten: Die polnische Verfassung habe das Verhältnis zwischen den drei wichtigsten Faktoren des Staates, dem Staatspräsidenten, der Regierung und dem Parlament sehr mangelhaft fieregelt; daher könne von einer ersprießlichen Zusammen- «rbeit keine Rede sein. Die Verfassung müsse dahingehend geändert werden, daß dem Staatspräsidenten als dem höchsten Vertreter des Staates das Recht zuerkannt werde, durch unmittelbaren Zugriff und persönliche Entscheidung die ganze Staalsmaschinc in ihrer Tätigkeit zu regulieren Vor allen Dingen müsse ihm das Recht einer eigenen Entscheidung wohl hinsichtlich der Ernennung der Minister, als gegenüber Sejm und Senat zu- ltèben. Er, Pilsudski, habe als Staatsoberhaupt und zugleich oberster Heerführer oft furchtbare innere Kämpfe und Zweifel zu überwinden gehabt, vbwop! er, wie er hervorhob, zu den besonders starken Menschen gehöre, die mit ausnehmender Kraft des Charkters und der Macht der Entscheidung ausgestattet feie«. Oft sei er in innerem Ringen um die Entscheidung wieein wilder Esel durch mehrere Zimmer auf itnb ab gelaufen und Mem mit den Fäusten ins G e j i ch l g e s a h t e n, "er ihn dabei gestört habe.
totoWer Staalsral zur Wirtichastslage
W i e d e r h e r si e l l u n g der R e n t a b i l i i ü t.
Der Preußische Staatsrat beendete die Beratung des preußischen Staatshaushaltsplanes für 1931. Das Gutachten fes Hauptausschusses, das eine Reihe von Vorschlägen enthält, so auch den der Wiedereinstellung des Grenzsonds in den Haushalt, fand Annahme. Die Ansicht des Staatsrates zur Finanz- hnd Wirtschaftslage sand ihren Ausdruck in einer Entschließung, 'n der es heißt: „Die Notlage der öffentlichen Wirtschaft ist wie Auswirkung der allgemeinen Wirtschaftskrise Die Gesundheit der össentlichen Finanzen beruht auf der Erhaltung und Stärkung der wirtschaftlichen Kräfte. Die Pflege dieser »raste unter voller Berücksichtigung der arbeitenden Stande toirb daher zur dringendsten Aufgabe. Die bisherigen Methoden der Einzelhilfe und Subventionen erweisen sich den allgemeinen Zusammenbruchserscheinungen gegenüber immer mehr als Wirkungslos. Das Ziel aller Maßnahmen muß die Wiederherstellung der Rentabilität der Wirtschaft sein. Ganz besonders gilt dies für die Landwirtschaft." Ein sozialdemokratlicher Antrag, an Stelle der Getreidezölle ein Reichsmonopol furEm- und Ausfuhr von Getreide und Mühlcnerzcugnisscn zu setzen, wurde in namentlicher Abstimmung mit 47 gegen 17 Stimmen der Antragsteller und der Kommunisten abgelehnt.
1 Die nächste Sitzung des Staatsrates findet am 13. Januar ™31 statt.
Wieder preußischer Landtag.
Am Sonnabend Wethnochlsserien.
Der Preußische Landtag tritt am Montag den ^^^niber, wieder zusammen. In der
^/den kleinere Vorlagen beraten werden. Am vienstag fol »> ech" Bratung des neuen preußischen Haushaltesbe- 'N Am Sonnabend wird der Landtag voraussichtlich in N hnachisserten geben.
Republikaner und Sozialisteusührcr sind aus Madrid ver- schwunden. Sie sollen an den für den Fall einer Revolution für sie vorgesehenen Posten angelangt sein.
In der Nacht soll die Regierung an die Flieger herangetreten sein, um sie für den Kampf gegen die Aufständischen von Jaca zu gewinnen. Sie sollen sich aber geweigert haben, etwas zu unternehmen. In Salamanca sollen die Truppen in den Kasernen mit ihren Offizieren beraten.
Wie aus Madrid weiter gemeldet wird, verurteilte das Kriegsgericht zwei Hauptleute wegen Teilnahme an dem Aufruhr in Jaca zum Tode. Beide sind alsbald standrechtlich erschossen worden. Mehrere andere Offiziere wurden zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. — Ueber Jaca und Huesca wurde der Belagerungszustand verhängt.
Generalstreik in Saragossa.
Blutiger Kampf zwischen Regierung und Aufständischen.
In Saragossa ist der Generalstreik ausgerusen worden, nachdem es vorher zu Schießereien zwischen den regierungstreuen Elementen und Republikanern gekommen war. Diese Tatsache dürfte für die Arbeiterschaft das Signal sein, sich dem Ausruhr von Jaca anzuschlietzen. In Madrid wurden mehrere republikanische Abgeordnete und führende linksstehende Journalisten verhaftet.
Der spanische Ministerpräsident teilte mit, daß die von der Regierung entsandten Truppen aus Saragossa etwa 30 Kilometer von Huesca entfernt auf die Aufständischen gestoßen sind, wobei es zum Kampf zwischen den beiden Parteien kam. Im Verlaufe des Gefechts, bet dem von den Regierungstruppen auch Artillerie eingesetzt wurde, konnten 100 Gefangene gemacht werden, darunter einige Offiziere. Die V e r l u st e betragen nach amtlicher Angabe aus feiten der Rebellen drei Tote und elf Schwerverletzte. Die gefangenen Offiziere werden vom Kriegsgericht abgeurteilt und voraussichtlich erschossen werden. Die Negierung hält damit den Aufstand für ntebe r- geschlag e n. Im Gegensatz hierzu herrscht auf repuM- kanischer Seite die Überzeugung, daß die Bewegung noch Weiler um sich greifen wird.
Die neue französische Regierung.
Nach längeren hin- und herschwankenden Verhandlungen ist an Stelle des gestürzten Tardieu ein neuer Ministerpräsident ernannt worden. Es ist das der Senator Steeg, der dem Präsidenten der Republik bereits die Ministerliste vorgelegt und Bestätigung dafür erhalten hat. Bezeichnend ist die Erhaltung B r Lands für die auswärtige Politik, auch die radikalen Politiker Sarraut,
Aus der bereits am Samstag veröffentlichen Ministerliste geht hervor, daß auch eine Anzahl radikaler Politiker dem Kabinett Steeg angehören.
Ministerpräsident Steeg.
Dazu tritt eine Anzahl von Unterstaaissekretären. Alle Minister sind entweder Senatoren ober Abgeordnete. P 0 incarö , der eine Zeitlang selbst in Betracht kam, begünstigte die Wahl Steegs und dachte in zweiter Linie an Briand. Tardieu, der bisherige Ministerpräsident, der während seiner Regierungszeit unverhohlene Neigungen nach rechts befunbete und bekanntlich scharf gegen Deutschland und dessen Abrüstungsverlangcn auftrat, hatte seine Stützen bei der Rechten verloren, wird allem Anschein nach entschieden gegen Steeg auftreten, obwohl dessen Kabinett eine Reihe von Tardieus Mitarbeitern wieder angehört.
Nach links gerichtet?
Im allgemeinen herrscht die Ansicht vor, Steegs Kabinett bedeute eine deutliche Wendung nach links, obwohl es den Charakter eines erneuten Konzentrationsministeriums, das den Ausgleich zwischen den Parteien verkörpern soll, nicht verloren hat. Sein Schicksal wird abhängen vom Vertrauensvotum der Kammer, der sich das Kabinett am nächsten Donnerstag vorstellen will. Während die Anhänger Tardieus ihm sicher einen schweren Stand bereiten werden, sollen aus der anderen Seite die Sozialisten gesonnen sein, für Steeg zu stimmen.
Neichstagsferien.
Acht Tage früher, als wohl selbst die Regierung es angenommen und als Grenze gesetzt hatte, ist der Reichstag in die Ferien gegangen. Und zwar gleich für sieben Wochen* Auch jetzt besteht ein formeller Beschluß, daß sein Wiederzusammentritt an einem bestimmten Tage erfolgen soll, so daß die Opposition nicht die Möglichkeit besitzt, die Einberufung des Reichstages zu einem früheren Termin herbeizuführen. Das war — allerdings erfolglos — während der letzten Ferien des Reichstages versucht worden. Natürlich wird in den nächsten sieben Wochen der „Walloibau" nicht verödet dastehen, sondern dort wird nun die vielleicht wichtigste Arbeit des Reichstages beginnen: die Beratung des Reichshaushalts für 1931 im Schoße des Haushaltsausschusses. Vom Reichsrat ist der „Haushaltsentwurf 1931/32“ bereits angenommen worden. Dann ist der Reichskanzler von seinem ursprünglichen Vorhaben, auch diesem Entwurf durch die Notverordniurg Gesetzeskraft zu geben, doch wieder abgekommen und läßt ihn durch die parlamentarische Mühle gehen. Da Wirb wohl manches zermahlen werben; denn die Deutsche Volkspariei z. B. hat ankündigen lassen, daß sie eine weitere Senkung der Ausgaben um 300 Millionen verlange. Nun ist der Haushalt mit 10,6 Milliarden ausgeglichen und so wäre die deutschvolksparteiliche Forderung ein Abstrich von 2,5 Prozent an den vorläufig vorgesehenen Ausgaben. Ihre Erhöhung ist ja — erfreulicherweise — durch die Notverordnung unmöglich gemacht worden und künftig sind auch solche Anträge wie der in der letzten Sitzung des Reichstages verhandelte, etwa 400 Millionen für eine große Winterbeihilfe an sozial Notleidende zu bewilligen, nicht bloß deswegen überflüssig, weil keine Deckung da ist, sondern weil diè Ausgaben über die im Haushaltsentwurf festgesetzten überhaupt nicht binausgehen dürfen.
Der Reichsfinanzminister hat zwar recht optimistisch geäußert, der Haushalt sei ausgeglichen und die „Gefahrenmomente" seien aus ihm ausgeschaltet, aber Vorsicht ist besser als — Nachtragsetats, und das deutsche Volk, der hochbelastete Steuerzahler, ist dem Reichstag für jede Million dankbar, die an den Ausgaben gestrichen wird. Andererseits hat aber der Reichstag noch schnell eine ganze Reihe von Avändernngsanträgen zur Notverordnung gleichfalls dem Hauslialtsausschuß überwiesen, die vielfach das Gleichgewicht des Reichshaushalts in Einnahmen und Ausgaben zu bedrohen scheinen.
Auch die von der Mehrheit des Reichstages als unzeitgemäß abgelehnte Auseinandersetzung über die deutsche Außenpolitik wird wenigstens in einem seitdem spruchreif gewordenen Punkt nachgeholt: im Auswärtigen Ausschuß wird man sich sehr ausgiebig über die nun zu Ende gegangenen „Abrüstungs"verhandlungen in Genf unterhalten und damit etwas berühren, über das in Deutschland ja nur eine einzige Meinung besteht. Daß wir uns in dem Prorest gegen das Ergebnis dieser Konferenz auch auf zustimmende Erklärungen im angelsächsischen Ausland beziehen können, kann freilich nichts daran ändern, daß Wir machtlos einer Front der „Siegerstaatengegenüberstehen, die über alle deutschen, ungarischen usw. Forderungen zur Tagesordnung übergegangen ist und auch künftig übergehen wird. Mehr als ein neuer Protest bleibt uns' und dem Auswärtigen Ausschuß auch nicht übrig. Außerdem wird in die Reichstagsferien auch noch die Sitzung des Völkerbundrats fallen, auf der die deutsche Beschwerde über Polen verhandelt wird, so daß der Reichstag nach feinem Wiederzusammentritt auch über genügend außenpolitischen Beratungsstoff verfügen wird.
Ehrenmeister Hindenburgs Dank.
An den scheidenden Handwerkskanimerpräsidenten Plate.
Im Verlauf der Venrecerversaininlung des Deutschen Handwerks- und G e w e r b e k a in m e r t a g e s dankte Ministerialrat Dr. Hoppe dem zum Ehrcnpiäs identen ernannten bisherigen Präsiden ien Pla'e namens der Reichsregierung für Die dem Handwerk und dem gesamten deutschen Volk geleistete Dienste und überreichte hierbei nachstehendes Schreiben des Reichspräsidenicn:
„Sehr geehrter und lieber Herr Plate! Am 12. d. M. sollen Sie, wie ich höre, von dem Amt des Präsidenten des Deutschen Handwerks- und Geiverbekammertages, das Sie über ein Menschenalter als vorbildlicher Führer des deutschen Handwerks innegehabi haben zurücktreten. Es ist mir ein Bedürfnis, bei Ihrem Scheiden aus dem Amte meinen Dank und meine volle Anerkennung zu wiederholen, die ich durch Verleihung der A d l e r p l a k e t t e bereits vor fünf Jahren zum Ausdruck bringen tonnte. Möge es Ihnen nach einem langen und ehrenvollen Leben im Dienste des deutschen Handwerks vergönnt sein noch viele Jahre sich rückschauend der reichen Arbeit, die Sie geleistet haben, zu erfreuen. Mit freundlichen Grüßen von Hindenburg, Ehrenmeister des Deutschen Handwerks."
Ministerialdirektor Schindler machte Davon Mitteilung, daß Die preußische Staatsregierung Herrn Plate die silberne Medaille verliehen habe.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Reichspräsident von Hindenburg richtete an den aus seinem Amte scheidenden Präsidenten per deutschen Handwerksund Eewerbekammer, Plate, ein sehr herzlich gehaltenes Dank- schrerben.
* Der Reichsgesundheitsrat beschäftigte sich mit dem Lübecker Sauglingssterben und kam zu dem Ergebnis, daß die Krank- hetts- und Todesfälle nicht auf das Calmettefchc Verfahren zurilckzufuhren seien. ' ■
' Schwere militärische Ausstände Werden aus der kleinen spanrschen Feitung Jaca gemeldet. Nach einigen Angaben soll eine revolutionäre Bewegung durch das ganze Land gehe«.