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Zul-aer Anzeiger

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Fulda, Donnerstag, 11. Dezember

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7. Jahrgang

Seiet Irina ans Jen NMM-M.

Oer Filmkrieg in Berlin.

Zusammentritt der OberfilmprüfungSstelle.

Der Kampf für und Wider den FilmIm Westen nichts Neues" ist allmählich zu einer großen politischen Sensation angewachsen. Links und rechts wird ein heißer Kampf für und wider den Film geführt. Während auf -er Linken behauptet wird, daß es sich bei dem Film um ein Werk handele, das den Krieg in seiner rauhen Wirk­lichkeit vorführe, betont die rechtsstehende Presse, daß in dem Film deutsche Ehre und deutsches Ansehen beleidigt würden, daß vor allem aber die im Auslande in etwas anderer Fassung laufenden Filme dem deutschen National- gefühl hohnsprächen. Beachtenswert ist übrigens eine Meinung des Berliner Zentrumsorgans, der Germania, Vic erklärt:

Der Film ist in der jetzigen Fassung insofern als deutschfeindlich zu bezeichnen, als er ein unvollständiges Teilwerk ist. Im Auslande geht eine Originalfassung durch die Welt, die deutschfeindliche, zum mindesten aber deutsch- beleidigende Szenen enthält. Man möge sich bei der Nach­prüfung aber das echte Original vorlegen lassen. Es gibt auch im Auslande schon Abweichungen. Unsere Motivie­rung der Ablehnung gründet auch in diesen Motiven, geht aber weit darüber hinaus in das Fundament einer christ­lichen Ethik und Staatsausfassung. Man könnte manchen Kreisen, die sich in der Ablehnung des Films hervortun, sagen, es wäre logisch und auch sehr klug gewesen, wen» ihr schon dem Roman gegenüber eine entsprechende Schärfe gezeigt hättet. Inzwischen nahm das Übel seinen rein ge­schäftlichen Verlauf und ist nun schon etwas schwieriger auszumer^cn. Was soll geschehen?

Mit großer Spannung sieht man der Sitzung der Filmoberprüsungsstelle entgegen, die am Don- i-.erstag Zusammentritt, um sich mit den Einsprüchen mehrerer Landesregierungen gegen die Zulassung deS Films zu beschäftigen. Von dem Urteil dieser Stelle, die ihre Entschlüsse vollkommen selbständig und unabhängig trifft, wird es abhängen, ob der FilmIm Westen nichts Neues" verboten werden wird oder ob seine Ausführungen weiter gestattet werden fal^L -ÄSMMGâââjws Innenministerium Mitglieder nderReichSregir r u n g, u. a. auch Sem Rcichsinnenmtnister, sowie Ver­tretern der preussischen StaatSregierung, zahlreichen Staatssekretären und höheren Beamten der Reichs- und preussischen Behörden der Film vorgesührt worden, damit sich diese höchsten Beamten einmal ein eigene» Urteil über den Film bilden können.

Auch das Auswärtige Amt hat sich noch einmal mit der ganzen Angelegenheit beschäftigt. Bei der ersten Prüfung ist dem Vertreter des Auswärtigen Amtes, der lediglich als Sachverständiger auf tritt, die Frage vorgelegt worden, ob Berichte aus dem Auslande den Film als deutschfeindlich hingestellt hätten. Diese Frage hat der Vertreter des Auswärtigen Amtes damals verneint, ohne sich weiter zu der Frage gutachtlich zu äußern. Dem­gegenüber hat der Vertreter des Reichswehrministeriums der Prüfstelle ein 15 Seiten umfassendes Gutachten vor­gelegt. Die neue Stellungnahme des Auswärtigen Amtes zu dem Film dürfte den ersten Standpunkt revidieren.

Immer mehr Proteste.

Die Proteste, die bisher gegen die Aufführung des Films laut geworden sind, verstärken sich immer mehr. So teilt das Bundesamt des Stahlhelms B. d. F. mit:Der entgegen dem Gutachten des KWhswehrminiftertums von der Filmoberprüf­stelle freigegebene amerikanische Kriegs filmIm Westen nichts Neues" stellt nicht nur in der englischen und französischen, sondern auch in der aus geschäftlichen Rücksichten gemilderten deutschen Fassung eine karikierende Entstellung deutschen Frontsoldatentilms und damit eine schwere Beleidigung auch der deutschen Armee, ihrer zwei Millionen im Weltkriege Ge­fallenen und darüber hinaus des ganzen deutschen Volkes dar. Der Stahlhelm als der Bund der deutschen Frontsoldaten, die vom Kriege nicht zerbrochen wurden, erhebt schärf st en P r o t e st gegen diese Beleidigung und verlangt, daß die Vor­führung des FilmsIm Westen nichts Neues" in ganz Deutschland alsbald verboten wird. Es handelt sich hier nicht um Fragen des Geschmacks, sondern um eine Angelegen­heit deutscher Ehre und Würde.Den Dank des Vaterlandes", den man uns einst versprochen hat, erwarten wir längst nicht mehr. Wir werden uns aber mit allem Nachdruck dagegen wehren, daß unser Kampf und das Sterben unserer Kameraden pir Deutschlands Bestand heute unter dem Polizeischutz marxi- äischer Gewalthaber in Deutschland öffentlich in Ton und Bild

AevolveranWag auf den dänischen Sozialminifier.

Der Täter verhaftet.

Bei der Behandlung der Sozialgesetzvorlage der Re Perung wurde auf den Sozialminister Steinke im Folke- chink, dem dänischen Reichstag, ein Revolsierattentat ver übt. Unter dem RufIm Namen der Arbeitslosen" wurde von einem Tribüncubesuchcr ein Revolverschuss abgegeben, der zweifellos den Minister hätte treffen sollen, aber in die Decke des Hauses ging, weil zwei Detektive sich sofort auf den Attentäter stürzten, ihm den Arm in die Höhe schlugen und ihn überwältigten. Der Mann wurde sofort abgeführt.

Der Polizei war seit langem bekannt, daß ein Attentat geplant war, so daß sie zahlreiche Kriminalbeamte in das Parlament entsandt hatte, die namentlich auf den Tribünen "»uffällig verteilt Wren. Der Minister unterbrach seine Rede nach bem Schuß für kurze Zeit und nahm dann seine Aus- Ghrungen mit einem Witzwort wieder auf. An der Decke des Parlaments befindet sich eine größere Schußöffnung.

verhöhnt und verächtlich gemacht werden darf. Mr «uuoe»- sührung des Stahlhelms wird unter Betonung dieser Auf­fassung bei den zuständigen Stellen im Reiche Schritte unter­nehmen, um ein rasches Verbot des amerikanischen Schmäh- silms herbeizuführen."

'Xiub der Kyffhaus erbund hat in einem Schreiben an ben Reichsaußenminister nochmals dringenden Einspruch gegen die Aufführung des Films^m Westen nichts Neues" erhoben. Gleiwueitia bat der Kvishäuserbund den ReichS-

Der nntisnalsoziatiftifche Abgeordnete Dr. Fabricius, der bei Kundgebungen gegen den FilmI» Westen «iâs Neues" zwangsgesteklt und dem Schnellrichter »»rgesnyrt wurde.

Präsidenten gebeten, den Protest der alten Kameraden mit dem ganzen Gewicht seiner Persönlichkeit zu unterstützen.

Im Namen der Toten von Langemarck" erhebt die Nt- gemeine Studentenschaft der Universität Berlin Protest gegen die Filmvorführung und auch der Schutzverband Deutscher Filmtheater bedauert das Erscheinen des Films. In einer Entschließung wird vor der Herstellung von Filmen mit ein» ginger politischer Tendenz mit Rücksicht auf die Zusammen­setzung des Kmopublikums gewarnt.

DemonstratiousUsrhoi in Berlin.

Der Berliner Polizeipräsident hat einen Erlass -e- kauntgegeben, wonach aus Anlass der Prstestdemonftra- tionen gegen den Remarque-Film und der damit zu­sammenhängenden Vorfälle sämtliche öffentlichen Kund­gebungen in Gross Berlin bis auf weitere» verboten werden.

*

Im Preußischen Landtag hat die deutschnationale Frak­tion einen Antrag zur Absetzung deS Berliner Polizeiprä­sidenten rinaebracht, daihm jedes Verständnis für daS mora­lische Recht deS Volkes, sich gegen Pcrnn-limpsxn- »»n fetten des R«sl«ndes z« wehren, fehlt".

Fabricius vor dem Schnellgericht.

Geldstrafen wegen Übertretung und Beamtenbeleidigung.

Bei den Verhandlungen vor dem Schnellrichter geaen den bei den Demonstrationen gegen den Remarque-Film fest- genommenen nationalsozialistischen ReichStagsabgeordneten Fabricius wurde auch der Kommandeur der Berliner Schutzpolizei, Heimannsberg, als Zeuge vernommen. Wegen Nichtbefolgung polizeilicher Anordnungen beantragte der Staatsanwalt drei Tage Haft und wegen Beleidigung der Schupobeamten einen Monat Gefängnis. DaS Gericht fällte folgendes Urteil:

Der Angeklagte FabriciuS wird wegen Übertretung der Berliner Strassenordnung zu 30 Mark Geldstrafe und wegen Bcamtenbeleidigung zu 150 Mark Geldstrafe verurteilt. ~

Die Verteidiger werden gegen das Urteil deS Schnell­gerichts Berufung einlegen.

Hindenburg Chrenprotekior

der Michshandwerks-Woche.

Als Ehrenmeister des deutschen Handwerks.

Der Reichsverband des deutschen Hand­werks hatte Reichspräsident von Hindenburg, Ehren- meister des deutschen Handwerks, gebeten, das Ehren­protektorat zu der vom 15. vis 22. März nächsten Jahres stattfindenden Reichshandwerks-Woche anzu­nehmen. Diese Reichshandwerks-Woche betrachtet es als ihre Aufgabe, die Öffentlichkeit auf die Bedeutung des Handwerks und auf seinen Wert für den Zusammenhalt der Volksgemeinschaft hinzuweisen.

Von dem Bureau des Reichspräsidcnren ist dieser Tage dem Reichsverband die Mitteilung zugegangen, daß der Reichspräsident gern bereit i st, das Ehrcn- protektorat über die Reichshandwerks-Woche zu über­nehmen.

Außenpolitik.

Man muß es seufzend seststellen: gleichgültig, ob in England die Konservativen, die Liberalen oder die Arbeiterpartei regieren, in Fragen der englischen Außenpolitik kommt es wohl nie z« erheblichen partei­politischen Differenzen. Sicherlich niemals, wenn es sich darum handelt, Entscheidungen in wesentlichen Punkten z« treffen oder gar, wenn irgendwo in der Welt England» Würde angeblich oder tatsächlich verletzt wird oder auch nur ein englisches Lebensintereffe. Dann steht das eng­lische Parlament geschlossen hinter Baldwin, Lloyd Ge­orge oder Macdonald. Seufzend denkt man daran, wenn im deutschen Parlament es wieder zu erbitterten Kämpfen, ja zu persönlichen Beschimpfungen gekommen ist, als man sich über das Für und Wider auseinandersetzte, ob nu» eine ausgiebige Debatte über unsere Außenpolitik und ihre Handhabung, besonders Polen gegenüber, stattsinde« sollte oder nicht. Und melancholisch sprach ein Redner die Ansicht aus, daß im Reichstag eine einheitliche Willens­kundgebung namens des deutschen Volsses doch nicht z» erwarten sei.

Natürlich spielten hinter den Kulissen noch einige andere innenpolitische Pläne und Absichten, Wider­stände und Gegenmaßnahmen eine recht bedeutsame Rolle. Sollte die außenpolitische Debatte vor sich gehen, so war damit zu rechnen, daß von der Opposition ein Sturm gegen den jetzigen Außenminister um so nachdrücklicher unter­nommen worden wäre, da Dr. Curtius sich ziemlich deutlich gegen die politische Einstellung und die bekannten weit­gehenden Entschließungen des Auswärtigen Ausschusses ge­wandt hatte. Von manchen Teilen der aus innenpolitischen Gründen hinter der Regierung stehenden Parteien wäre der Außenminister eher bekämpft als unterstützt worden und ein Mißtrauensvotum gegen ihn konnte daher im Reichstage leicht eine Mehrheit finden. Das hätte aber zur offenen Kabinettskrise schon deswegen ge­führt, weil ja letzten Endes für die Richtlinien der deut­schen Außenpolitik der Reichskanzler die Leitung und die Verantwortung hat; der Stoß gegen Dr. Eurttus hätte also auch Dr. Brüning getroffen. Andererseits ist frei­lich auch das taktische Verhalten des Außenministers in einigen wichtigen Fragen, wo er selbst die persönliche Ver­antwortung zu tragen hat, Gegenstand der schärfste« Kritik geworden und dies nicht nur in den Kreisen der Rechtsopposition, sondern weit darüber hinaus.

DieGefahr einer Störung" der internationalen Verhandlungen namentlich über die deutsch-polni­schen Streitfragen, dieUnübersehbarkeit einer außenpolitischen Debatte hinsichtlich ihres Verlaufs, Aus­gangs und ihrer Folgewirkungen" wurden von der dem Kabinett nahestehenden Seite des Reichstages als Grund für politische Unzweckmäßigkeit einer solchen Debatte inS Feld geführt. Natürlich kam es darüber zu sehr scharfen Auseinandersetzungen, weil die Gegenseite nun aufs Heftigste verlangte, daß besonders für unsere Volks­genossen jenseits der Ostgrenze der Deutsche Reichstag ein wirksames und eindrucksvolles Wort finden müsse. Er solle sich durch eine große Willenskundgebung an die Seite der verfolgten Deutsche« in Polen stellen und ihnen damit zu Hilse kommen. Die lange, er­regte Debatte war nun allerdings auch nicht gerade ein Auftakt für eine solche Willenskundgebung und sie schloß dann mit einer Entscheidung deS Reichstages, die außenpolitischen AnSeinandersetzungeu auf eine spätere Zeit zu vertage«. Bei der Abstimmung stand eine Minderheit der Nationalsozia­listen, der Deutschnationalen «nd der Kommunisten einer aus allen anderen Parteien gebildeten Mehrheit gegen­über, die wohl hauptsächlich durch die Absicht zusammen- gebracht war, im gegenwärtigen Augenblick eine Regie­rungskrise zu vermeiden; auch die meisten Christuch- sozialen und ein Teil der Landvolkpartei waren bei der Mehrheit.

So hat sich denn der Deutsche Reichstag auch über diese außenpolitische Not nicht zu einem einigen Entschluß zwingen können. Die Regierung überließ ihm die Stellung­nahme ganz allein. Zu stark sprachen die innenpolitischen Erwägungen, allzu laut rauschten die Wasser der partei­politischen Auseinandersetzungen. Dabei ist man sich letzten Endes über Ausgangspunkt und Ziel vollkommen einig! Einig in bet schärfsten Entrüstung, in oderndem Zorn gegen die Deutschenverfolgungen in Polen und im Memelland, einig auch darin, dâß hier mdlich ein Eingreifen des Völkerbundes herbeigeführt werden muß, da wir selbst ja nicht helfen und unsere Volks­genossen schützen können. Uneins nur sind sich die Parteien n der Frage der Methode, der Art und Weise also, wie enes Ziel zu erreichen ist. Hätte man nun nicht in den Vordergrund stellen sollen, was eint, und nicht das, was scheidet?!

Konferenz potenLitauen.

Wegen des Grenzverkehrs. Tagung in Berlin.

Die polnisch-litauischen Verhandlungen zur Regelung deS sogenannten kleinen Grenzverkehrs zwischen Litauen und Polen sind für den 15. Dezember in Berlin endgültig festgesetzt worden. Von polnischer Seite tft der Direktor im Außen­ministerium, Szumlakowski, betraut, Litauen dürfte der Ber- liner Gesandte Sidzikauskas vertteten.

Meine Zeitung für eilige Leser.

* Reichspräsident von Hindenburg hat das Ehrevprotettorat über die Reichshandwerkswoche übernommen.

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