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Fulda, Mittwoch, 10. Dezember

Jtagrigtnpref«: Zür BehSröev, Seuossevfcha^ ten,Banken usw. beträgt -te /dein geilt OJO Ulf v für auswärtige Auftraggeber 0.25 OTL, für öle Reklamezelle 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezelle 0.60 Mark Bei Rechnungsftel» hing hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfoU Btn Tag- und Platz Vorschriften unverbindlich.

7. Jahrgang

Sm Westen nichts Neues".

Proteste gegen den Remarque-Kriegsfilm.

Politische Demonstrationen in der Reichshauptstadt. Einspruch der Länder Bayern, Württemberg, Sachsen, Thüringen, Braunschweig. Die Deutschnationalen fordern persönliches Eingreifen des Reichs­präsidenten. Was wird das Reichskabinett über diesen Film sagen?

Gegen Verhöhnung des deutschen Frontsoldaten.

Seit einigen Tagen finden allabendlich im Westen der Reichshauptstadt politische Demonstrationen statt, die |id) gegen die Aufführung des FilmsIm Westen nichts Neues" richten, der nach dem viel gelobten und viel be­fehdeten Roman Remarques gedreht worden ist. Die Filmvorführungen müssen durch dichte Polizei­schutzketten gesichert werden, vor dem Theater ober in seiner Umgebung stoßen Polizei und Demon­stranten, die in der Hauptsache von nationalsozialistischen Politikern geführt werden, auseinander. Der Reichs­propagandachef der Pationalsozialistischen Partei, Neichs- tagsabgeordneter Dr. Göbbels, hielt in den späten Abend­stunden am Montag an die Demonstranten auf dem Wittenbergplatz eine Ansprache, in der er erklärte, daß die Nationalsozialisten nicht rasten würden, als bis sie durch allabendliche Kundgebungen die Absetzung des Films erzwungen hätten, der eine Verhöhnung der deutschen Frontsoldaten bedeute.

Was ist's mit diesem Film? Schon vor seiner öffent­lichen Aufführung scheint es selbst innerhalb der Regie­rungskreise Meinungsverschiedenheiten darüber gegeben zu haben, ob man diese Kriegsbilder über die Leinwand laufen lassen soll oder nicht. Vom Neichswehrministerium wurden Bedenken gegen die Vorführung dieser Bild­streifen geäußert, während das Reichsaußenministerium keinerlei Einwände gegen den F.lm zu machen hatte, nach­dem einige deutschfeindliche Stellen, die sich in der ameri­kanischen Fassung des Films befanden, ausgemerzt worden waren.

Die zuständige Zensurstelle, die über die Aufführung der Filme zu entscheiden hat, hat daraufhin die Auf­führung des FilmsIm Westen nichts Neues" zugelassen. Gegen diese Aufführung nun richten sich die allabendlichen Demonstrationen, deren Teilnehmer in den zur Vorfüh­rung gebrachten Bildern eine Verhöhnung des deutschen Soldaten erblicken. Dieser Auffassung oer Demonstranten haben sich im übrigen auch andere Kreise angeschlossen. So haben die Länder Sachsen, Thü­ringen, Braunschweig bei der Oberprüfstelle für Film­aufführungen einen Widerrufungsantrag gegen die Zu­lassung dieses Filmes eingebracht. Zahlreiche Organisa­tionen, unter ihnen der Deutsche Offizierbund und der Reichsverband Deutscher Lichtspieltheaterbesitzer, haben sich gegen die Aufführung des Remarque-Filmes gewandt, die letzten mit dem Hinweis darauf, daß sie es ablehnen, Filme zu zeigen, die ihre Theater zum Schau­platz politischer Kämpfe machten. Sie sprechen in ihrer Entschließung weite.hin ihr außerordentliches Bedauern darüber aus, daß der Deutschamerikaner Bammle einen Kriegsfilm hergestellt habe, der in Berlin nicht in der gleichen Fassung wie in London und Paris laufen könn-..

Zudem wird einOsse n e r B r i e f" an den Ver­fasser des Romans Remarque bekannt, in dem dieser auf­gefordert wird, eine eindeutige Erklärung abzugeben, daß er die Originalfassung des Films ablehne und seinso geachteter Name nicht weiter dazu mißbraucht werde, die Soldaten verächtlich zu machen, denen er selbst in seinem Buche ein Denkmal setzen wollte". Dieser Offene Brief dürfte vielleicht geeignet sein, einmal die Stellung Re­marques zu dem in Amerika hergestellten ursprünglichen Film kenncnzulernen, der, wie es heißt, die Charakterisie­rung der deutschen Kriegsfreiwilligen ungerecht und un­fair kennzeichnet, was sogar englische Pressestellen fest­gestellt haben.

Die zuständigen Zensurbehörden beschäftigen sich dieser Tage noch einmal mit bem viel umkämpften Film und es wäre zu wünschen, daß hier eine Lösung gefunden lvird, die dem deutschen Ansehen und der deutschen Ehre keinen Abbruch tut.

Oeutschnationaie Brite an den Reichspräsidenten.

Der Führer der Deutschuationalen Volkspartei, Dr. Hugenberg, und Dr. Ob erf 0 h ren , der Vor- Ützende der d e u t s ch n a t i 0 n a l e n Reichstagsfraktion, haben an den Reichspräsidenten von Hindenburg im Namen der Deutschnationalen Volkspartei folgendes Tele­gramm gerichtet: z .

Dem Herrn Reichspräsidenten! Trotz des Em- lpruches des Reichswehrministeriums gegen den Hetzsilm »Jm Westen nichts Neues", trotz der berechtigten Empörung der gesamten nationalen Bevölkerung werden die Aufführungen des Films unter stärkster Jnanspruch "ahme der Polizei fortgesetzt. Wir bitten den Herrn Reichspräsidenten, den Führer der in diesem Film be ^impften Heere des Weltkrieges, den Oberbefehlshaber der jetzigen' Wehrmacht, durch persönliches Ein­greifen diesem öffentlichen Skandal ein Ende zu machen."

Die U f a legt auf die Feststellung Wert, daß sie weder dLU Filmherstellern noch MU den Filmverleihern irgend etwas zu tun hat.

Kyffhäuserbund protestiert bei Hindenburg und Curtius.

Der Kyffhäuserbund erhebt im Namen von Millionen von Weltkriegssoldaten in einem Schreiben an den Reichs­außenminister nochmals dringendsten Einspruch gegen die Verhöhnung deutschen Heldentums. Gleichzeitig hat der Kyffhäuserbund an den Reichspräsidenten von Hindenburg einen Protest gerichtet. Der Stahlhelm erhebt schärf st en Protest gegen die Beleidigung des ganzen deutschen Volkes und verlangt das Filmverbot.

Wie die Berliner AusführuiM des FilmsJm Weste« nichts Neues" geschützt wird.

Vie Kürzung der Beamtenpenfionen.

Das Pensionskürzungsgesetz.

(11. Sitzung.) CB. Berlin, 9. Dezember.

Die Sitzung wird eröffnet mit der Mitteilung des Präsi­denten Löbe, daß mehrere Abgeordnete der Bayerischen Polks­partei ihre Abstimmung vom Sonnabend berichtigt hätten. Infolge der Änderung in der Platzverteiluna waren ver­schiedentlich falsche Stlmtnkarteit an die Abgeordneten gelangt.

Auf der Tagesordnung steht nunmehr

die erste Beratung des Pensionskürzungsgesetzes.

Abg. Rvstmann (Soz.): Die Denkschrift der Reichsregierung über die Größpensionäre beweist, daß die meisten Empfänger von solchen Grotzpensionen bis 19 000 Mark die ernsthaften Feinde der Republik sind. Bei der herrschenden Notlage ist es nicht erträglich, daß

die Grotzpensionärc

auch dann uoch Summen von Reich und Ländern erhalten, wenn sie nebenbei ein bedeutendes Privateinkommen haben. Das Gesetz dürste nicht nur auf Reich, Länder und Gemeinden beschränkt sein, es müßte auch Reichsbahn und Reichsbank um­fassen.

Abg. Sprenger (Nat.-Soz.): Der Verrat von 1918, da gar keine richtige Revolution stattfand, hatte nur das Ziel, Beamtenstellen für die sozialdemokratischen Bonzen frei zu machen. 20 Beamte in der sozialdemokratischen Reichstags­fraktion sind ohne berufliche Vorbildung. «Lärm und Hört! hört! rechts.)

Dort denkt man nur an die Futterkrippe, während Hingabe im Dienst am Volke unbekannt ist. Bei der Agrarabbäuvèrordnung und bei der Gehaltskürzung haben die Sozialdemokraten bewiesen, daß sie das Recht der Beamten mit Füßen treten. Mit der Peusionskürzung werden den Beamten ivieder einseitige Opfer zugemulel, während nichts geschieht gegen die Hochverräter, die ihr Kapital ins Ausland verschieben.

Abg. Laverrenz (Dtn.): Das Gesetz ist

ein typisches Kind des Marxismus.

Die Peusionskürzung beim Vorhandensein eines Privatein­kommens bedeutet Bestrastwerden bei Vorhandensein von Arbeitswillen und Arbeitsfreude. Es handelt sich hierbei um ?m Gesetz, das nicht der Sachlichkeit entspringt, sondern poli- ifeben Stimmungen. Eine künstliche Grundlage für Peupons- tusprüche soll nur geschaffen werden, um Parteibuchbeamten üne möglichst hohe Versorgung zu geben. Die deutschnationale Fraktion kann wesentlichen Bestimiuungcn des Gesetzes nicht juftimmen.

Abg. Torgler (Komm.) meint, die Regierungsvorlage sei inzureichend und zeige nur Fürsorge für die Großpenstonare. Sic Kommunistische Partei verlange die Festsetzung einer Höchstpension von 600t' Mark.

Abg. Krone (Ztr.): In einer Zeit der allgemeinen Volksnot müssen "

von alten Schichten Opfer gebracht werden. Auch an den hohen Pensionen darf man nicht vorbei gehen. Er begrüßt den vorliegenden Gesetzentwurf. Das Aus treten der Nationalsozialisten stehe in starkem Widerspruch zu ihrer Haltung tm Wahlkampf.

Abg. Morath (91t Vp.): Meine Partei wird den vorltcgcn den Gesetzentwurf ablcbnen müssen, da er an den Grundlagen des Berufsbenmtentums rüttelt.

Abg. Rauch'München (Bayer. Vp.): Bei der großen Arbeitslosigkeit ist es nicht angängig, daß die Bezieher von Pensionen und Wartegeld andere vom Arbeitsplatz verdrängen. Der vorliegende Entwurf geht darüber weit hinaus. Seine Traktion werde gegen alle Bestimmungen Stellung nehmen, die über den Zweck yinausgehen, den Doppelverdienern ein Ende zu machen.

Innenminister billigt den Film.

B e r l i n. 10. Dezember.

(Eigene Funkmeldung.)

Der Reichsinnenminister hat sich gestern den FilmIm Westen nichts Neues" in seinem Ministerium vorführen lassen. Wie dieBörsenzeitung" berichtet, hat der Minister es abge­lehnt, den Film zu verbieten. Der Film wirb heute dem Reichskabinett vorgeführt werden.

Die gestrigen Vorführungen des FilmesIm Westen nichts Neues" sind ohne Zwischenfälle zu Ende geführt worden. Auf dem Nollendorsplatz wurden alle geplanten Ansammlungen ver­hindert. Zwischenfalle ereigneten sich nicht. Auf dem Witten­bergplatz hatte sich eine Menge von 4000 Personen ange­sammelt, die sich später in der Richtung Zoologischer Garten Knie entfernte. Insgesamt wurden 13 Personen zwangsgestellt und zwei Polizeibeamte durch Eteinwürfe leicht verletzt.

Gegen 11.30 Uhr nachts traf gestern der nationalfoialiftische Reichstagsabgeordnete Dr. Göbbels am Knie ein. In seiner Ansprache sagte er für den heutigen Mittwoch Kampfpause an und wies darauf hin, daß am Donnerstag die Entscheidung fal­len werde, ob der FilmIm Westen nichts Neues" weiterge- fpielt werde. Werde er weiter gespielt, so werbe man mit noch größerer Energie die Demonstrationen wiederholen. Kurz nach Mitternacht wurde ein Auto des Ueberfallkommandos am Knie mit faulen Eiern und Pflastersteinen bewor­fen, so daß die Polizei mit dem Gummiknüppel vorging und einige Schreckschüße abgab.

Entgegen der Meldung eines Berliner Abendblattes, daß das Auswärtige Amt die weitere Zulassung des FilmesIm We­sten nichts Neues" aus außenpolitischen Gründen befürwortLp habe, erfahren wir, daß bie|e Nachricht nicht zutrifst.

Abstimmungen zur Notverordnung.

Bei den nun folgenden 'Abstimmungen wird ein kommu­nistischer Antrag, in der Notverordnung die Teckungsmaß- nahmen für den Haushalt und die Bestimmungen über die Erschließung von Einnahmen für die Gemeinden zu streichen, mit 294 gegen 202 Stimmen abgelehnt, ebenso der kommu­nistische Antrag, die Höchstgrenze für alle Gehälter in öffent­lichen Körperschaften auf 8000 Mark und für die Pensionen aus 6000 Mark festzusetzen Dieser Antrag wird mit 454 gegen 67 Stimmen abgelehnt Die weiteren kommunistischen An­träge, alle Vermögen über 500 000 Mark, Einkommen über 50 000 Mark, Dividenden und Aussichtsratstantiemen mit einer Sondersteuer von 20 Mark zu belegen, wir» mit 319 gegen 197 Stimmen abgelehnt.

Oie Abendsitzung des Reichstages.

Nächste Sitzung Mittwoch nachmittag.

Mit 354 gegen 162 Stimmen wird die von den Kommu­nisten beantragte Aufhebung der Bestimmungen über die Arbeitslosenversicherung abgelehnt. Hier stimmen die Nationalsozialisten mit den Antragstellern. Mit ähnlichem Stimmenverhältnis werden die Anträge abgelehnt, wonach die bisher der Reichsanstalt gewährten Darlehen niedergeschlagen und im Notfall der Reichsanftalt weitere Zuschüsse gewährt werden sollen.

Gleichfalls gegen die Stimmen der Kommunisten und der Nationalsozialisten werden kommunistische Anträge abgelehnt, wonach den Versicherten keinerlei Kosten für Arznei oder Krankenscheine auferlegt werden dürfen.

Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, des Zentrums, der Staatspartei und einiger christlich-sozialer Abgeordneten wird die Entschließung des Haushaltsausschusses angenommen, wonach die Regierung unverzüglich ein Gesetz über die Außerkraftsetzung der Gemeindegetränke st e u e r vorlegen soll.

Einstimmig angenommen werden Anträge ver Deutsch nationalen und der Deutschen Volkspartei, wonach die Haupt Zollämter angewiesen werden sollen, von den Bestimmungen über die Kontingentierung der Tabaksteuer- Zeichen in der Notverordnung einen weit entgegenkommen­deren Gebrauch zu machen und den Bedarf der Betriebe an Steuerzeichen für Dezember so zu bemessen, daß keine Schädi­gungen des Absatzes und der Beschäftigung eintreten

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Im Reichstag wurde über das Penfionskürzungsgefetz beraten.

* Gegen die Aufführung des Films Im Westen nichts Neues" in Berlin sind zahlreiche Proteste laut geworden. Die Deutschnationalen haben sich an Hindenburg gewandt, der sei­nen Einfluß zum Verbot des Films geltend machen soll.

* Im Genfer Abrüstungsausschuß erklärte die deutsche Dele­gation, daß sie gegen das Abrüstungsabkommen stimmen würde wegen der darin enthaltenen Erneuerung der Versailler Ent- waffnungsbestimmungen.

* Dst Zahl dL- Lewgiftigen Nebel" in Belgien erlegener belauft sich nach een letzten Meldttngen auf naHsx,