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Mr kurzem erfuhr die Oeffentlichkeit, daß das preußische Kultusministerium die Forderung des Finanzministers, den Lebraang der höheren Schulen von 9 Jahren auf 8 Jahre zu verkürzen, aufgeariffen hat und ernstliche Erwägungen über die irllaemeinpolitischen, finanzpolittschen und sachlichen Folgen der Verkürzung der Dauer der höheren Schule anstellt. Diese Nach­richt hat in weitesten Kreisen stärkstes Aufsehen erregt. Die preußischen Pläne müssen mit Recht heftige Kritik und scharfe Zurückweisung erfahren. Ihre Durchführung würde zu einer er­heblichen Senkung der Leistungshöhe der höheren Schulen und der Hochschulen und damit zu einem Rückgang der Vildungs- böhe des gesamten Volkes führen Eine Zunahme der Ueberfül- lunq der Hochschulen und des Arbeitsmarktes eine bedenkliche Ueberbürdung der Schüler, eine unsoziale Verlängerung und damit Verteuerung des Studiums und die Vernichtung der durch die Schulreform geleisteten kulturellen Aufbauarbeit wä­ren die weiteren unheilvollen Folgen. Dabei würde diese kul­turelle Selbstverstümmelung dem Staat noch nicht einmal eine finanzielle Entlastung bringen. Der Abbau der untersten Klasse der höheren Schule und die Ueberweisung ihrer Schüler in die Volksschule verursachte infolge des Wegfalls des Schulgeldes dem Staat sogar Mehrkosten. Wollte man aber kurzerhand die Oberstufe um eine Klasse kürzen, so würde auch diese vermern-t- liche Ersparnis durch den Ausfall an Schulgeld, durch die Not­wendigkeit der Zahlung von Wartegeldern an die überflüssig gewordenen Stellenanwärter und vor allem durch die Einrich­tung von Vorkursen an den Hochschulen wieder aufgehoben.

Der Aufruf zum deutschen Sängerbundesfest

Frankfurt a. M. 1932.

Der Deutsche Sängerbund und der Festausschuß für das 11. Deutsche Sängerbundesfest 1932 in Frankfurt a. M. veröf­fentlichen jetzt den früher gemeldeten Aufruf an alle Bünde, Gaue, Vereine und Sangesbrüder. In dem Aufruf heißt es u. a.:Heute ergeht an Euch der erste Aufruf zur Beteiligung an dem 11. Deutschen Sängerbundesfest. Nach dem Beschlusse des Wiener Sängertages vom 23. Juli 1928 wird es in der Zeit vom 21. bis 24. Juli des Eoethejahres 1932 in der alten Reichs­und Krönungsstadt Frankfurt a. M. stattfinden. Der Festaus­schuß und die Leitung des Deutschen Sängerbundes sind sich der ernsten Verantwortung vollauf bewußt, gerade in der Zeit schwerster wirtschaftlicher Not ein Fest von dem Ausmaße eines Deutschen Sängerbundesfestes vorzubereiten und die deutsche Sängerschaft aus allen Tauen, aus allen Ländern, in denen deutsches Lied erklingt, zur Beteiligung aufzurufen. Mit dem Gefühl hoher Freude entbieten wir Euch, liebwerte Sanges­brüder, heute den ersten Fest- und Sängergruß. Wie die letzte gewaltige Sängerschau im Zeichen des Liederfürsten Franz Schubert stand, so soll die kommende ihre Weihe durch das Ge­denken an den Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe er­halten. 1932 wollen wir in der Stadt, die seinen Eintritt in das Menschendasein sah und die den Boden für sein allumfassen­des dichterisches Schassen bereitete, das Hochfest des deutschen Lieders feiern. Auch wir Sänger sind ihm in unauslöschlichem Dank verbunden dafür, daß er den Schatz des deutschen Liedes mit hohen, dauernden Werten bereichert hat. Die Stadt Frankfurt a. M und der Festausschuß für das 11. Deutsche Sängerbundesfest rüsten sich, ihre Gäste würdig zu empfangen und gastlich aufzunehmen. Erfüllt von der hohen Verantwor­tung/ die uns die Lösung der im Hinblick auf das glänzende Wiener Fest besonders schweren Aufgabe auferlegt, erfüllt aber auch von tiefer Freude, unseren Sangesbrüdern dienen zu dür­fen, richten wir an alle Bünde, Gau^ Vereine, an jeden einzel­nen Sänger, wo immer er deutsches Lied und Wesen pflegt, den herzlichen Ruf: Kommt im Eoetbejahr 1932 zum 11. Deutschen Sängerbundesfest in die Goethestadt Frankfurt a. M. Ihr sollt uns alle von Herzen willkommen sein." Mit dem Aufruf ist gleichzeitig ein Rundschreiben verbunden, in dem organisato­rische Fragen aller Art behandelt werden.

Das gefälschte Zeugnis.

r. Hanau, 8. Dezember.

Der jetzt 57 Jahre alte Landwirt Theodor Fleck aus Geisa lebte früher in guten Verhältnissen, geriet aber, nachdem sein Grundstück ihm verloren ging, auf die schiefe Bahn des Lebens. Fast ausschließlich unter der Anklage der Unterschlagung und des Betrugs stehend, ist er wohl etwa zwanzigmal vor­bestraft. Zuletzt hatte er eine Gefängnisstrafe von 9 Mona­ten erhalten, deren Verbüßung er jedoch verhindern oder doch wenigstens aufschieben wollte. Als er zum Antritt dieser Strafe aufgefordert wurde, lief in Hanau ein Schreiben der Ehefrau bei der Staatsanwaltschaft ein, das, auf ein Zeugnis des Vachaer Kreisarztes Bezug nehmend, die Haftunfähigkeit ihres Mannes bescheinigen sollte. Dieses Zeugnis erwies sich jedoch als von dem Ehemann gefälscht, der vom Schöffengericht Fulda wegen Urkundenfälschung 1 Woche Ge­fängnis erhalten hatte. Gegen dieses Urteil legte er Berufung ein. Die große Strafkammer Hanau verwarf jedoch seine Berufung.

k. Dalherda, 8. Dez. (Tagung d er Raiffeisenver­eine.) Am Mittwoch fand hier die Unterverbandstagung der Spar- u. Darlehenskassenvereine des Kreises Gersfeld statt. Es waren Vertreter sämtlicher Vereine erschienen. Herr Pfar­rer E o l b e t t -Simmershaun begrüßte die Versammlung, und sodann ergriff Verbandsanwalt Schmidt das Wort zu einem Referat über den gegenwärtigen Stand der Genossenschaften, und über die Verhältnisse des neuen Einheitsverbandes. Fer­ner legte er die Verhältnisse der kurhessischen Zentralgenossen­schaftsbank dar, deren Bestand trotz aller Erschütterungen und trotz der schlechten Witschastslage stark und fest sei. Hierauf,be­richtete Direktor Hennings über die Arbeit der Warengesell­schaftHessenland". An die beiden Vorträge schloß sich eine rege Aussprache an, die sich bis in die Mittagsstunden hinzog. Am Nachmittag fand die Hauptversammlung statt, zu der auch Herr Landrat Dr. W i ech e n s erschienen war. Es sprachen dieselben Redner wie am Vormittag. Den Referaten war zu entnehmen, daß jetzt 40 000 Genossenschaften mit 4 Millionen Mitgliedern im Einheitsverband zusammengeschlossen sind. Im zweiten Teil der Versammlung hielt Landwirtschaftslehrer Sieland- Fulda einen belehrenden Vortrag über die wichtigsten landwirt­schaftlichen Erzeugnisse Deutschlands. Eine rege Aussprache schloß sich an. Am Abend vereinte die Teilnehmer ein gemüt­licher F a m i l i e n a b e n d, der durch Vorträge des Gesangver­eins Dalherda verschönt wurde.

m. Tann (Rhön), 8. Dez. (Landb undversamm- l u n g.) Im Saale des Gasthauses zur Krone hielt die hiesige Ortsgruppe des Landbundes eine gute besuchte Versammlung ab, zu der auch alle nicht zum Landbund gehörenden Einwohner unserer Stadt und der umgebenden Dörfern geladen waren. Oberförster Marquardt, der Vorsitzende der Ortsgruppe, eröffnete die Versammlung mit eine kuzen Anspache. Dann hielt Keisschulrat Senner einen mehrstündigen sehr interessan­ten Vortrag über das ThemaWie kann dem Kleinlandwirt und dem Kleingewerbetreibenden bei der ungünstigen Wirt­schaftslage durch' Erwerbsobstbau aufgeheholfen werden?" Er stellte vor allen Dingen folgende Lehren heraus: In jeder Ge­meinde oder noch bester in dem Bezirk Tann, dürfen nur wenige Einheitssorten gezogen werden, damit große Mengen von einer Sorte geliefert werden können. Nur so wird der Absatz gesichert. Es dürfen nur Sorten gpflanzt werden, die für Klima und Höhenlage passend sind. Es düsen nur garantiert gute Bäume angepflanzt werden, denn nur sie liefern auch wirklich gutes Obst. Niemand sollte Bäume von Hausierern kaufen. Er kauft dann nicht billig, sondern im Gegenteil sehr teuer, denn die Bäume werden niemals ausgiebig tragen. Die Bäume müssen immer gut gepflegt werden /nur dann werden sie reiche Ernte tragen. Die Obstlieferanten müssen sich im Landbund oder in einem Obstbauverein zusammenschließen, der die Sammlung des Obstes richtige Lagerung, richtige Verpackung und Absatz zu angemessenen ' Preisen besorgt. Kreisschulrat Senner hat selbst seit Jahrzehnten große praktische Erfahrung auf dem Ge­biete des Obstbaues. Er erklärte sich in der Versammlung be­reit, anläßlich seiner Schulbesuche jeden Obstzüchter auf seinen

M^.iH M y^*l M. -MWi DtHÄ «^rflft ^S^^Ka^. daß in den ländlichen Fortoildungsschuken und in den Volks» schulen des Kreises im naturkundlichen Unterricht die Pflege des Obstbaues praktisch gelehrt wird. An den interessanten Bortrag schloß sich eine längere lebhafte Aussprache an, in der noch manche wichtige Frage geklärt wurde.

m. Wendershausen (Rhön), 8. Dez. (Ein Kind von einem Automaten erdrückt.) Als hier ein fünfjäh riges Mädchen sich an einem Auto Süßigkeiten ziehen wollte, zog es diesen um. Der Automat stürzte auf das Kind und dieses wurde durch das Gewicht des Automaten erdrückt, |o daß es sofort tot war.

* Hersfeld, 8. Dez. (Ueber 4000 Unter st ützungs- e^mpfün ger im mittleren Fulda-und Werratal.) L>nt Bereich des Arbeitsamtes Hersfeld werden gegenwärtig 4117 Arbeitslosen- und Krisenunterstützungsempfänger gezählt. Es entfallen davon auf den Kreis Hersfeld 1158, Rotenburg 1014, Eschwege 1847 und Schlitzerland 98. Neuer Zugang steht durch die Niederlsgung der Bauarbeiter- und Zimmer­mannsarbeiten infolge der ungünstigen Wetterlage in Aussicht.

Kassel, 5. Dez., (Villiger Wein.) Ein Fernlastzug kam gestern den sehr stilen Sandershäuser Derg herab, als plötzlich die Bremsen versagten und die Wagen in einer Kurve am Eingang des Dorfes Sandershaufen umstürzten. Von den Insassen wurde niemand verletzt. Der Lastzug hatte volle Wein­fässer geladen, deren Inhalt nun zum größtenTeil auf die Straße floß. Diese günstige Gelegenheit sich gratis mit Wein zu versorgen, wurde von zahlreichen Einwohnern des Dorfes benutzt, die mit allen möglichen Gefäßen das kostbare Naß auf­fingen. Es soll später im Dors eine große Anzahl Animierter gegeben haben. Zwischen einigen Handwerksburschen, die auch von dem Wein gekostet hatten, entspann sich sogar noch ein Streit, der von Khupobeamten geschlichtet werden mußte, und wobei einer der Burschen eine schwere Wunde an der Hand er­hielt.

Marburg, 7. Dez. (Feuer aufdem Neubaugelände der Provinzial-Lungenheilstätte.) Aus dem so­genannten Schröcker Gleichen in den Lahnbergen, wo gegenwär­tig die Provinzial-Tuberkulose-Heilstätte im Bau begriffen ist, brannte in der Nacht zum Samstag die Arbeiterwohnbaracke nebst Baubüro völlig nieder. Die schlafenden Arbeiter konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Als die Marburger Mo­torspritze eintraf, war nichts mehr zu retten. Sämtliches In­ventar, die untergestellten Baugeräte, sowie die Baupläne wur­den ein Raub der Flammen. Wie verlautet, soll der Brand durch Kurzschluß der elektrischen Leitung entstanden sein.

Wetzlar, 6. Dez. (Hochstapler in der Rolle eines Freiherrn.) Die Kriminalpolizei hat einen Hochstapler festgenommen, der sich Freiherr Armin von Wangenheim Leut­nant a. D., nannte und hier abgestiegen war. Bei einer Leibes­visitation fanden sich noch andere Papiere, die auf den Schau­spieler Willi Götschel aus Greppin, Kreis Bitterfeld, lauteten. Die auf den adligen Namen lautenden Papiere und Empfeh­lungen waren sämtlich gefälscht. Mit diesen hat er, wie er selbst zugibt, vornehmlich bei adeligen Gutsbesitzern wegen Erlangung einer Stellung vorgesprochen. In den letzten Wochen lebte er von Unterstützungen, die er von Ortspfarrern aus Wohlfahrts­einrichtungen erhalten hat. Die Polizei hat den Schwindler dem Amtsgericht zugeführt. Sie bemüht sich festzustellen, ob der Name Eötchel richtig ist und ob der Verhaftete nicht noch an­dere Straftaten auf dem Kerbholz hat. Da er nach eigenem Eingeständnis erhebliche Vorstrafen hat, sind ihm solche wohl zuzutrauen.

Gießen, 4. Dez. (Stillegung von Zigarrenfa­briken im Gießener Wirtschaftsbezirk.) Nach einer Meldung desGießener Anzeigers" hat eine ganze An­zahl Gießener Zigarrenfabriken ihren Belegschaften zwecks Stillegung der Betriebe zu Ende Dezember die Arbeit gekün­digt. Mit Ausnahme weniger Leute, die zur Herstellung neuer Muster weiter beschäftigt werden, wird die Betriebseinstel­lung in den meisten Unternehmungen zunächst vollständig sein. Wann und in welchem Umfange die Fabriken wieder geöffnet werden, ist heute noch nicht abzulehen, hängt vielmehr voll­kommen von dem Eingang neuer Bestellungen ab.

Gießen, 4. Dez. (10 I mi Stroh durch einen leichtsinnigen Handwerksburschen vernichtet.) Gestern abend erkor sich ein 23 Jahre alter Handwerksbursche einen großen Strohschober unmittelbar an der Stadtgrenze zum Nachtquartier. Der junge Mann rauchte zunächst gemütlich sein Pfeifchen, trotz der feuergefährlichen Nachbarschaft, und klopfte es vor demZubettgehen" fein säuberlich aus. Dabei achtete er aber nicht darauf, daß ein Teil des Tabaks noch bren­nend aus der Pfeife fiel und allmählich unheilvoll wirkte. Kaum hatte sich der junge Mann umgelegt, als auch schon das Stroh zu brennen anfing und im Handumdrehen der ganze große Strohschober mir etwa 1000 Zentner Stroh ein riesiges Flammenmeer bildete. Die Gießener Feuerwehr mußte sich dar­auf beschränken, eine benachbarte Scheune durch Wasserabgabe aus einem Bachlauf zu schützen, im übrigen mußte sie den großen Strohhaufen seinem Schicksal überlasten. Im Verlaufe der Nacht loderte der Brand mehrmals auf, so daß die gesamte ge­waltige Strohmenge, die einem hiesigen Landwirt gehört, ver­nichtet wurde. Der Handwerksbursche stellte sich der Polizei und wurde in Haft genommen.

Gießen, 6 Dez. (Ein Diebestrio vor Gericht.) Vor dem hiesigen Schöffengericht hatte sich der Spengler Dickel aus Romrod im Kreise Alsfeld und zwei Knechte wegen allerlei Diebstähle zu verantworten. Während die beiden Knechte mangels ausreichender Schuldbeweise freigesprochen wurden, er­hielt Dickel, der seine Straftaten in der Hauptsache einräumte, ein Jahr Gefängnis.

Gießen, 6. Dez. (Studiereise eines japanischen Gelehrten in Deutschland.) Auf Veranlassung der ja­panischen Regierung besucht der Direktor des Botanischen Gar­tens in Taihoku auf Formosa F. Seki zu Studienzwecken das Deutsche Reich. II. a. besucht er dabei die Botanischen Gärten der Universitäten München, Freiburg und Gießen.

Gießen, 6. Dez. (Nächtliche Zusammenstöße poli­tischer Gegner in Gießen.) In der letzten Nacht nach Mitternacht kam es hier im Stadtzentrum zu einem Zusammen­stoß zwischen Kommunisten, Nationalsozialisten und Reichsban­nerleuten, wobei es eine erhebliche Schlägerei gab. Als zu­nächst ein in der Nähe weilender Polizibeamtèr allein ein­schritt, wurde er von den Raufenden so zugerichtet, daß er er­hebliche Kopfverletzungen davontrug. Erst mit polizeilichen Ver­stärkungen war es möglich, der Schlägerei ein Ende zu berei­ten und alle Teilnehmer sämtlich zwischen 18 und 30 Jahren festzunehmen. Nachdem sich ihre Gemüter auf der Polizei­wache beruhigt hatten und ihre Personalien festgestellt waren, wurden sie wieder entlassen. Das letzte Wort wird nun das Gericht sprechen.

Gießen, 7. Dez. (Hessische L a n de s geflü ge l- s ch a u.) Unter dem Protektorat des hessischen Ministers für Arbeit und Wirtschaft Korell fand gestern und heute hier in der Volkshalle die 19. Hessische Landesgeflügelschau statt, die von dem Geflügel- und Vogelzuchtverein Gießen und Umgegend her­gerichtet worden war. In rund 1000 Äusstellungskollektionen der Geflügelzucht aus allen Teilen Heßens und aus den an Oberhessen angrenzenden preußischen Kreisen wurde ein um= fassendes und eindrucksvolles Bild von dem hohen Stand der hessischen Geflügelzucht gezeigt, bei dem man in allen Teilen viel prächtiges Tiermaterial zu sehen bekam. Die Ausstellung, die von der Landwirtschaftskammer für Hessen gefördert worden war, wurde von Tausenden von Interessenten besucht und fand )ie vollste Anerkennung aller Fachleute.

Grünberg, 2. Dez. (Der Wettbewerb um den Grünberger B ü r g e r m e i st e r p o st e n.) Die am Diens­tag stattgehabte zweite Sitzung des Gemeinderats in dieser Woche hatte, wie derGieß. Anz." schreibt, wiederum als wich­tigsten Punkt der Tagesordnung: Vortrag der Bewerbung um die Verufsbürgermeisterstelle. Daß man auch in der Bürger­schaft dieser Frage reges Interesse entgegenbringt, bewies der äußerst starke Besuch der Sitzung, so daß der nicht allzugroße Zuhörerraum des Sitzungssaales dicht gefüllt war. Zunächst beschloß der Gemeinderat einstimmig, Dr. jur. Kurt Mildner (Offenbach) noch als Bewerber für die engere Wahl aufzuneh­men und ihn sprechen zu lassen. In etwa viertel- bis halbstün-

^f^z^^^-z^ ^sWüKikLr SskâLt Dr. ^ Reinhold' Weißer lÄlsfolö) Orerstadcsâetär Karl , NaZe' (Gießen) Diplom-Volkswirt Walter Köhler (Ortenbers) und Dr. jur Kurr Miloner (Offenbach). Eine Aussprache über o>- Vorträge fand nicht statt, wie jedoch oerlauter, soll dies nodf >m Laufe dieser Woche in einer gelernten Sitzung geschehen Eine endgültige Entscheidung wird wohl in dieser Sitzung noch nicht fallen.

Butzbach, 4. Dez. iDr e i Monate Gefängnis j ü r einen Polizeioberwachtmeister.) Vor einiger Zeit hatte ein Oberwachtmeister der hiesigen Schupo zusammen mit zwei Leuten an einem dienstfreien Tage eifrig gezecht und an­schließend daran in der Nähe von Pohl-Göns mit einem seiner Zechkumpanen eine Jagdhütte durch Ueber steigen des Zaunes und gewaltsames Eindringen mit seinem Besuche beehrt. Aus der Jagdhüte ließ er unter Anwendung aller Vorsichtsmaß­nahmen zwecks Vermeidung rum Fingerabdrücken eine ganze Menge wertvoller Eebrauchsgegenstände (Fernglas, Photo­apparat, Revolver, Patronen usw.) mit sich gehen, die er im Walde versteckte. Wegen dieses unbesonnenen Streiches hatten sich der Oberwachtmeister und seine Zechfreunde gestern vor dem Bezirksschöffengericht in Gießen zu verantworten. Der leicht­sinnige Oberwächtmeister wurde wegen einfachen Diebstahls zu drei Monaten Gefängnis, seine beiden Gefährten wegen Bei­hilfe und Begünstigung zu je 100 Mark Geldstrafe verurteilt.

Friedberg, 5. Dez. (Weiblicher Gemeinderechner i n Hesse nj In der letzten Sitzung des Gemeinderats des Kreisortes Büdesheim fand die Wahl des Gemeinderechners statt. Dabei fielen je 7 Stimmen auf Fräulein Elise Schaub und den Schwerkriegsbeschädigten Wilhelm Westphal. Der Bür­germeister gab den Ausschlag zu Gunsten von Frl. Schaub, die somit gewählt ist. Die neue Gemeinderechnerin ist die Tochter des im Februar d. J. verstorbenen sozialdemokratischen Land­tagsabgeordneten Heinrich Schaub, der in Büdesheim seit 1924 das Amt des Gemeinderechners bekleidete.

Vilbel, 5. Dez. (Di e gestohlenen Vilbeler Wert­papiere in Paris.) Vor einigen Tagen wurde, wie seiner­zeit gemeldet, hier in das Amtsgericht ein Einbruch verübt, bei dem den Dieben 2900 EMk. 8prozentige Eoldpfandbriefe, 500 RM. 8prozentige Pfandbriefe und 3 mal 100 GMk. 8proz. Pfandbriefe der Frankfurter Hypothekenbank in die Hände fielen. Die Wertpapiere sind nunmehr in Paris aufgetaucht, wo sie zum Verkauf angeboten wurden. Bis jetzt konnte noch nicht festgestellt werden, ob die Stücke tatsächlich zum Verkauf gelangt sind oder beschlagnahmt werden konnten. Von den Einbrechern weiß man bisher noch immer nichts.

Hanau, 7. Dez. (Schwerer Einbruch in Hanau.) Bei einem Einbruchsdiebstahl, der während der Mittagszeit bei der Firma Kaufe! u. Jacobi ausgeführt wurde, fielen dem Täter Waren, in der Hauptsache Herren- und Damenstrümpfe, im Werte von 1175 Mark sowie 158 Mark in Bar in die Hände. Die geschädigte Firma hat 50 Mark Belohnung für die Ermitt­lung des Täters ausgesetzt.

Gelnhausen, 6. Dez. (Schadenfeuer in Oberndorf.) Im Kreisort Oberndorf brach in der Scheune des Landwirts Michael Röder Feuer aus, das sehr schnell um sich griff und als­bald ein Nachbargehäuse erfaßt hatte. Da mit einem weiteren Ausbreiten des Feuers zu rechnen und insbesondere die Kirche gefährdet war, wurden die Wehren der Umgegend alarmiert. Mit vereinten Kräften gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Der durch Feuer und Master verursachte Scha­den ist sehr erheblich.

Frankfurt a. M 4. Dez. (Tagung der Kommunal­politiker der DV.P. Hessens.) Unter dem Vorsitz des hessischen Landtagsabgeordneten Dr. Niepoth, Bürgermeister von Schlitz, tagte hier imKölner Hof" der kommunalpolitische Ausschuß der Deutschen Volkspartei. Die aus ganz Hessen stark besuchte Vertretertagung nahm nach eingehender und einmü­tiger Aussprache nachstehende Entschließung an:Die volkspar­teilichen Kommunalpolitiker sind der Aufastung, daß bei allen neuen Steueranforderungen in der Jetztzeit zunächst zu prüfen ist, ob nicht durch Verwaltungsmaßnahmen und Abstriche im Etat eine Deckungsmöglichkeit gegeben ist. Denn das Gebot der Stunde ist nicht Steuererhöhung, sondern Lastensenkung. Eine RealfteuererhLhunq muß daher grundsätzlich abgelehnt werden. Von den in der Notverordnung den Gemeinden zugewiesenen Steuern entspricht die Bürgersteuer am ehesten der volkspartei­lichen Grundauffassung. Sie ist daher auch für die Deutsche Volkspartei die Voraussetzung für eine etwaige Einführung der Biersteuer. Die Schankverzehrsteuer ist abzulehnen.

Frankfurt a. M., 6 Dez. (Englischer Protest gegen den Großsender Mühlacker.) Der englische Rundfunk hat bei der Internationalen Radio-Union in Genf Vorstellun­gen wegen angeblicher Störungen durch die neue süddeutsche Groß-Station Mühlacker erhoben. Sie sei so stark, daß der Empfang englischer Stationen gestört werde. Die englische Ge­sellschaft schlägtvor, Mühlacker möge seine Wellenlänge ändern.

Frankfurt a. M^ 6. Dez. (Autoräder stehen still...) Zu den vielen Rädern, die die wirtschaftliche Depression zum Stillstand gebracht hat, kommen auch die Räder einer unver­hältnismäßig hohen Zahl von Kraftfahrzeugen, deren Still­legung nicht mehr und nicht weniger bedeutet als eine Art Steuerstreik, einen Protest gegen die namentlich für Personen- und Lastwagen besonders schwer empfundene Autosteuer. Es ist an sich eine normale Saisonerscheinung, daß während der Win­termonate viele Kraftfahrzeuge vorübergehend abgemeldet wer­den. Diese Saisonerscheinung hat sich in diesem Winter zu einer der Depression entsprechenden Maßenabmeldung ausgewachsen. An unterrichteter amtlicher Stelle schätzt man die Zahl dieser vorübergehenden Abmeldungen, die auf die Höchstdauer von acht Monaten zulässig sind, auf annähernd die Hälfte des von der Steuer am härtesten betroffenen Fahrzeugbestandes, d. i. der Personen- und Lastkraftwagen. Deren Zahl stellt sich in der Stadt Frankfurt auf ca. io 500, so daß derzeit also die Räder von schätzungsweise 5000 Frankfurter Kraftfahrzeugen stillstehen. Bei diesen massenweisen Abmeldungen wird immer wieder vergessen, daß Abmeldungen beim Finanzamt nicht rechtskräftig sind, sondern bei der Zulassungsbehörde erfolgen müßen. Auch verspätete Abmeldung nach Ablauf der Steuer­karte zieht weitere Steuerpflicht nach sich.

Frankfurt a. M^ 7. Dez. (Verhängnisvoller Niko­la u s s ch e r z.) Wie dieFrankf. Nachr." berichten ereignete sich am Freitag abend in Sachsenhausen ein tragischer Todes­fall. Ein als Nikolaus verkleideter Mann verfolgte ein schul­entlassenes vierzehnjähriges Mädchen. Das Mädchen flüchtete in eiligem Lauf angstvoll vor dem Manne und brach vor der elterlichen Wohnung zusammen. Als man es in die Wohnung gebracht hatte, konnte nur noch der Tod festgestellt werden der wahrscheinlich infolge der Angst durch Herzschlag eingetreten ist.

Frankfurt a. M., 7. Dez. (Verstärkung des Frank­furter Senders.) Wie aus einer Mitteilung des Reichs­postministeriums heroorgeht, soll nunmehr nach Fertigstellung des ersten deutschen Großrundfunksenders in Mühlacker der Plan der Errichtung von 9 Großsendern durchgeführt weben. Älßer den bereits fertiggefteßten bzw. in Angriff genommenen Groß­sendern Mühlacker Heilsberg (Ostpr.) und Langenberg sollen mit möglichster Beschleunigung Grogrundfunksender in Breslau Leipzig, Berlin, Hamburg und München errichtet werden. Fer­ner soll der Bezirkssender der Südwestdeutschen Rundfunk A.E Frankfurt a. M. wesentlich verstärkt werden. Die Großsender werden die bisheigen Bezirkssender ersetzen und deren Welle übernehmen,'ihre Aufstellung wird daher in der Nähe der bis­herigen Bezirkssender erfolgen.

Frankfurt a. M^ 6. Dez. (D e m o n st r a t i o n s v e r b ot an den drei Sonntagen vor Weihnachten) Der Frankfurter Polizeipräsident hat aus verkehrspolizeilichen Gründen mit Rücksicht auf den starken Weihnachtsgeschaftsver- tehr sämtliche Auf- und Umzüge auf öffentlichen Wegen Stra­ßen und Plätzen im Stadtbezirk Frankfurt a. M. für die drei oonntage vor Weihnachten in der Zeit von 1320 Uhr ver­boten Gegen Zuwiderhandlungen soll mit allen polizeilichen Mitteln eingegriffen werden.

grants (Dasschwache Geschlecht".)

Eine stattliche Reihe von Kraftwagen fuhr dieser Tage beim Morgengrauen in die Wetterau zu einer großen Treibjagd Die Beute war recht ergiebig. Hasenkönig wurden eine Frank­furter Dame, Kronprinzessin ebenfalls eine Nimrodin Dann