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Lulöaer Anzeiger

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§7Ä0 1930

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- un- Haunetal-Zul-aer Kreisblatt

Re-aktion un- Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernsprech-Mnfchluß Hr. 989 Nachdruck Ser mit * versehrneu Artis el nur mit Quellenangabe .kulSarr Mnretger'geaa«^. § Fulda, Montag, 1. Dezember ^^^^

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7. Jahrgang

Feuer auf Ds. X.

Am Samstag nachmittag ist das Flugschiff Do. 10 in Lissabon in Brand geraten. Der linke Flügel ist dabei stark beschädigt worden. Nur dem schnellen Eingreifen der Besatzung ist es zu verdanken, daß Do. 10 nicht völlig vernichtet wurde. Nach Ausbesserung der Schäden Fortsetzung des Fluges.

Kurzschluß als Brandursache.

Auf dem deutschen FlugschiffDo X, das seit einigen Tage- aus dem Tejo in Lissabon vor Anker liegt und am Sonntag nach Cadiz fliegen sollte, brach ein Brand aus, durch den einer der Flügel desDo X" zerstört wurde. Das Feuer war so heftig, daß man zuerst den Eindruck hatte, als ob das ganze riesige Flugschiss in Brand stände. Ader nur die empfindliche Verkleidung am linken Flügel war in Brand geraten. Dieser Teil ist verbrannt, so daß von ihm nur noch das Gerippe übriggeblieben ist. Der übrige Teil des Flugschiffes blieb dank der Aufmerksam­keit der Besatzung unbeschädigt.

Der Flug wird nach Ausbesserung der Schäden fort­gesetzt werden. Der Unfall hat aus den geplanten Ozeanflug keinerlei Einfluß.

Wie ein Vertreter der Dornier-Werke mitteilt, ist die Ursache des Brandes im linken Flügel ddsDo X" darin zu suchen, daß in einem Motor im Hilfsmaschinen­raum beim Ausladen der Batterien Kurzschluß entstand.

Lloyddampfer in Flammen.

N e w y 0 r k, 1. Dezember.

Die Mackay Radio Co. fing gestern früh einen Funk- spruch aus Colon auf, wonach der LloyddampferLud­wigshafen" 30 Meilen südöstlich von Kap Mala (Peru) Feuer an Bord meldete. DieLudwigshafen" befindet sich von der Westküste Südamerikas auf der Heimreise.

DieLudwigshafen" setzt ihre Fahrt mit eigener Kraft fort.

Die Radio-Corporation in San Franzisca berichtete um 5.20 Uhr nachmittags, die Mannschaft des Lloyd- dampfersLudwigshafen" habe sich an Bord der Ludwigs­hafen zurückbegeben nachdem sie das Schiff anfangs vor­sichtshalber verlassen hatte. Der englische DampferBen- horvich" begleitet dieLudwigshafen", um nötigenfalls Hilfe zu leisten.

Die Newyorker Agentur des Norddeutschen Lloyd gab um 9 Uhr abends folgendes Kabeltelegramm des Lloyd- Agenten in Christobale bekannt: Das Feuer an Bord der

Deutsche Protestnote übergeben.

SeWwerde über Polen in Genf.

Auf der Januartagung des Rates Verhandlung.

Die dem Generalsekretär des Völkerbundes über­mittelte deutsche Note besteht aus vier Teilen: 1. einer kurzen Mantelnote, in welcher der Reichsaußenminister Dr. Curtius beantragt, den Inhalt der deutschen Note auf die Tagesordnung der kommenden Ratstagung am 19. Januar zu setzen; 2. einer eingehenden Darstellung der Vorgänge in Oberschlesien tauf Grund des Tatsachen­materials; 3. der Stellungnahme der deutschen Regierung zu diesen Vorgängen; 4. einem umfangreichen Material. Zwischen dem Generalkonsul und dem Generalsekretär des Völkerbundes ist vereinbart worden, daß die deutsche Note in Gens am Mittwoch veröffentlicht werden wird. Der Generalsekretär des Völkerbundes wird nunmehr unverzüglich die Vorgänge in Oberschlesien auf die Tages­ordnung der Januartagung des Rates setzen. Die deutsche Regierung hat den Ratsmächten insgesamt die Note ebenfalls übermittelt.

In der Note werden an Hand umfangreichen Tat­sachenmaterials die Gewaltmaßnahmen gegen die deut­schen Minderheiten in Oberschlesien dargestellt sowie auf die Beeinträchtigung der Wahlfreiheit und Ungültigkerts- erklärungen der deutschen Wahllisten durch die polnischen Behörden hingewiesen.

Aus dem Wortlaut.

In der deutschen Note ivirb 11. a. ausgcsührt, daß große £eilc der deutschen Minderheit durch willkürliche Maßnahmen

Der Noung-Plan wird korrigiert werden.

Eine Rede des preußischen Ministerpräsidenten.

In einer republikanischen Kundgebung in Essen sprach Ministerpräsident Braun zunächst über die drückende Wirt­schaftslage. Die im Young-Plan festgesetzte Last sei immer noch eine ganz ungeheuerliche und niemand wisse, ob sie getragen werden könne. Beim Fortdauern der gegen­wärtigen Verhältnisse werde der Young-Plan von der Ent­wicklung der Dinge schnell korrigiert werden.

Wenn der Reichstag den schweren Ausgaben der Gegen- wart gegenüber versage, dann dürfe inan sich nicht wundern, wenn letzten Endes die Reichsregierung auch mit gewissen diktatorischen Mitteln vorgehe, um die im Interesse des Volks- llanzcn bringenb notwendigen Maßnahmen durchführen zu können.

Ludwigshafen" brach 9 Uhr morgens aus und war um 8 Uhr morgens auf den Herd beschränkt. Der Dampfer fährt nach Kap Mala mit eigener Kraft.

Aus Panama wird gemeldet, daß der Marineschlepper Sciota" und der Panama-Kanal-DampferEorgona" gestern abend dieLudwigshafen" erreicht hätten. Beide Schiffe hielten sich bereit, die Ludwigshafen ins Schlepp­tau zu nehmen.

Der Weg des Südamek-èkafluges desDo X",

der mit seiner Landung in Lissabon das Ziel seines Europafluges erreicht hat. Nach der Wiederherstellung des durch das Feuer zerstörten Flügels und einer gründlichen Ueberholung der ganzen Maschine, soll der Weiterflug über die Kanarischen Inseln, die Kapverdischen Inseln, die Insel Fernando Noronha, die brasi­lianische Hasenstadt Natal nach R-i0 de I aneir 0 an­angetreten werden. An den vier Zwischenlandestellen werden Vrennstofflager errichtet, die eine glatte Durch­führung des Fluges gewährleisten sollen.

von der Ausübung des Wahlrechts ausgeschlossen worden seien. In etwa 30 000 Füllen sei Angehörigen der deutschen Minderheit wegen angeblicher Unklarheit in der Frage der Staatsangehörigkeit die Ausübung des Wahlrechtes überhaupt untersagt worden. Zur Klärung der Frage der Staatsange­hörigkeit sei eine Frist von drei Tagen gesetzt worden, inner« halb deren alle möglichen Unterlagen, die in den meisten Fallen als unzureichend erklärt wurden, bcigebracht werden mußten. Durch die von polnischer Seite betriebene Propaganda lur eine offene Abgabe der Stimmzettel sei die deutsche Minderheit in der Ausübung des Wahlrechtes stark behindert worden.

Es sei erwiesen, daß ein seit Jahren bestehender folge­richtiger Plan durchaesührt worden sei, der von den polnischen Behörden zum mindesten geduldet wurde. Im Mittel­punkt habe der Ailsständischcnverband gestanden. Bezeichnend für das enge Zusammengehen des Aufständischenverbandes mit den amtlichen Stellen sei die Tatsache, daß in Ostober- scillcsicu der Woiwode Vorsitzender dieses Verbandes se». Be, den Terrorakten der Aufständischen sei entweder überhaupt nicht eingegriffen worden oder so spät, daß der Zweck nicht mehr erreicht werden konnte.

In dem die Terrorakte behandelnden Teil der deutschen Note sind nur die besonders krassen Beispiele Herausgegrisfen worden, darunter die Vorfälle in N i k 0 l a i, m S 0 r a u , in O b e r w i l t s ch c n und H 0 h e n b i r k e n. In der deutschen Note nicht erwähnt ist die unendlich llroße Zahl von Fallen, in denen Drohbriefe an Mitglieder der deutschen Wahlgemcin- schaft versandt wurden, die zum Teil portofrei mit dem Stempel des Ausständischcnverbandes emtrafen. Die deutsche Regierung protestiert zum Schluß nicht nur lm Namen de^ Rechtes, sondern auch der Menschlichkeit und bittet, der -wlker- bund möge dafür Sorge tragen, daß die entsprechenden Minderhensfchutzbestimnlungen auch in der Weise durchgesuyrt würden, wie das vorgesehen sei.

Das Ergebnis der Bremer Bürgerschafts-Wahlen.

Das Endergebnis der Wahlen im ganzen Bremer Staatsgebiet lautet wie folgt: Sozialdemokraten 40 Sitze, Deutschnationale 5, Zentrum 2, Kommunisten 12, Deutsche Volkspartei 15, Deutsche Staatspartei 4, Wirtschaftspartei 2, Haus- und Grundbesitzer 5, Nationalsozialisten 32, Kon­servative Volkspartei 1, Nationale Einheitsliste 1. Die übrigen Listen erhalten keine Sitze. Die Wahlbeteiligung betrug etwa 80 Prozent.

Dingeldey zum Parteiführer der Deutschen Volkspartei gewählt.

Auf der Tagung des Zentralvorstandes der Deutschen Bolks- r-artei in Berlin wurde auf Vorschlag von Geheimrat Kahl der Reichstaasabgeordnete Eduard Dingel bey einstimmig zum Führer der Deutschen Volkspartei gewählt.

Finanzreform durch Aoiverordnung!

Baldiger Erlaß bevorstehend.

Reichskanzler Brüning teilte in seinen Besprechungen mit den Parteiführern, dem preußischen Ministerprä­sidenten Braun und dem Führer der preußischen Land­tagsfraktion des Zentrums, Dr. Heß, diesen mit, daß er nunmehr die Absicht habe, die Finanzresorm durch Not­verordnung in Kraft zu setzen. Mit dem baldigen Erlaß der Notverordnung kann also jetzt gerechnet werden.

Die Beschlüsse des Reichskabinetts.

Die Zusammenfassung in eine Notverordnung.

Berlin, 1. Dezember.

(Eigene Funkmeldung.)

Die Nachtsitzung des Reichskabinetts war erst nach drei Uhr morgens zu Ende. Das Kabinett hat den ganzen Fragenkomplex, der durch Notverordnung geregelt werden soll, durchgearbeitet, so daß jetzt nur noch die redaktionelle Fassung durch die Ressorts zu erledigen ist. Man rechnet damit, daß diese Arbeiten im Laufe des Tages beendet werden, so daß der Kanzler noch heute abend zum Reichs­präsidenten gehen kann, um seine Unterschrift zu erbit­ten. Es muß besonders betont werden, daß die Frage, ob ein Notstand gegeben ist, nach der Verfassung als möglich vom Reichspräsidenten entschieden wird. Die Veröffent­lichung ist für heute abend oder morgen früh zu erwarten.

Während man in politischen Kreisen noch gestern mit zwei Notverordnungen rechnete,

hat das Kabinett beschlossen, alles in eine Verordnung zusammen zufassen.

Die Gründe, die dafür ausschlaggebend sind, sollen techni­scher Natur sein. Die Abänderungen der alten Notverord­nung erfolgen unter dem Gesichtspunkt, daß Härten herab­gemindert werden sollen. Einer der wesentlichsten Punkte, ist der Beschluß, die Gebühr für den Kranken­schein nicht mehr bestimmten Kategorien, sondern al­len Erwerbslosen und den Jnvalidenrent- nern zu erlassen, Man glaubt auch dafür die Zu­stimmung der Deutschen Volkspartei zu erreichen, da die letzten Berechnungen ergeben haben, daß diese Regelung einen Ausfall von 810 Millionen bedeutet, während die Ersparnisse, die durch Einführung der Gebühr überhaupt erzielt werden, 420 Millionen ausmachen. Bei der Bür­gerabgabe ist noch interessant, daß die zunächst vorgesehene Ermäßigung des untersten Satzes nicht erfolgt. Die mitt­leren Sätze werden dagegen in der Staffelung weiter aus­einander gezogen; dazu kommt noch eine stärkere Belastung der großen Einkommen.

Die Gehaltskürzung für die Beamten der Länder und Gemeinden wird besonders geregelt und ebenso alle übri­gen verfassungsändernden Vorlagen auf den ordentlichen Weg gebracht.

Kürzung der Löhne in Italien.

Ab 1. Dezember.

Die Vorsitzenden der Arbeitgeber- und Arbeitnehmer- organisationen der Industrie haben der Regierung ein Lohnabkommen vorgeschlagen, das ab 1. Dezember eine Kürzung der Arbeiterlöhne um 8 Prozent Vorsicht. Diese Kürzung soll jedoch nicht angewandt werden bet Arbeitern, die nicht mehr als drei Tage in der Woche beschäftigt sind oder weniger als zwölf Lire täglich in Städten über 200 000 Einwohner und weniger als 8 Lire täglich in anderen Orten verdienen. Für die Angestellten sind fol­gende Gehaltskürzungen vorgesehen: 8 Prozent für Be­züge von 300 bis 1000 Lire im Monat, 10 Prozent für Bezüge von über 1000 Lire im Monat.

Die Arbeitnehmerverbände sind keine Gewerkschaften im Sinne der in anderen Ländern bestehenden Arbeit­nehmervereinigungen. Es handelt sich vielmehr um vom Staate abhängige und beeinflußte Einrichtungen. Die nebenstaatlichesi Betriebe verzeichnen ein Defizit von sieben Milliarden Lire in den sieben Jahren der Musso-- lini-Regierung. Infolgedessen sind neue Einrichtungen dringend erforderlich. Soweit die Zeitungen bei ihrem gebundenen Charakter überhaupt in der Lage sind, zu polemisieren, erheben sie Einspruch gegen die jetzige Lohnsenkungsaktion. Die staatlichen Stellen kämpfen für Senkung der Lebenshaltungskosten. Jetzt haben auch die Jndnstrieführer beschlossen, die Gewinnbeteiligungs- quote ihrer Aufsichtsratsmitglieder um 25 Prozent zu senken. Im Verlauf der Preissenkungsaktion ist eine Senkung der Abgeordnetendiäten um 12 und der Gehälter der Direktoren in der Privatwirtschaft um 12 Prozent be­schlossen worden.

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Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Die Protestnote Deutschlands an den Völkerbund wegen der Vergewaltigung der deutschen Minderheit in Ostoberschlesien während der Wahlen ist in Genf überreicht worden.

* Das Reichswehrministerium erläßt eine Erklärung zur Angelegenheit bzw. der Anzeige des thüringischen Innen­ministeriums gegen das Reichsbanner.

* In der englischen Kohlenindustrie droht ein großer Streik der Bergarbeiter über Fragen der Arbeitszeit auszubrechen.

* In Italien soll eine allgemeine Kürzung der Löhne und Gehälter durchgesührt werden.