Schmerzlose Behandlung.
Skizze von Alois Brunner.
Der Wirt vom „Schwarzen Schwan" war Zeuge, wie die beiden Herren einander kennen lernten. Eine umständliche Vorstellung erfolgte freilich nicht. Dies lag wohl einesteils daran, daß sich das Publikum des „Schwarzen Schwans" über solche Aeußerlichkeiten hinwegsetzte, anderenteils aber am augenblicklichen Zustand des einen. Der hatte nämlich einen Schal um das Gesicht gebunden, hielt sich noch dazu die Backe und saß reichlich trübsinnig vor seinem geleerten Schnapsglas.
„Nanu, Zahnweh?" sagte der Neuankömmling und setzte sich, ohne sich erst dazu auffordern zu lasten. Er hätte auch sicher umsonst auf die Einladung gewartet, denn der mit dem umwickelten Gesicht schien nicht' im geringsten zu Gesprächen aufgelegt zu sein. Sein kranker Zahn nahm ihn wohl ganz in Anspruch. „Sie müssen noch ein paar Schnäpse hinter die Binde gießen", riet ihm deshalb sein Gegenüber voller Nächstenliebe.
Letztere wurde leider schlecht belohnt. „Seien Sie ruhig!" brüllte nämlich der Kranke mit erstaunlicher Stimmkraft und hieb die Fällst auf den Tisch. „Wenn Sie mir sonst keinen Rat geben können, sollten Sie den Mund halten." Dann ging ein schmerzliches Zucken durch sein. zerwühltes Gesicht, und er faßte sich so eindrucksvoll an die Backe, daß der Wirt beruhigt wieder hinter dem Tresen verschwand: „Der schlägt vorläufig keinen Krach."
Nun hätte man annehmen sollen, der Gesunde wäre angesichts der unhöflichen Behandlung gekränkt gewesen. Nichts von dem! Er legte nur den Kopf bedauernd auf die eine Schulter und sah sein stöhnendes Gegenüber mitleidig an: „Kann Ihnen denn niemand helfen?" Ein chinestscher Straßenräuber hätte durch den Tonfall der wenigen Worte besänftigt werden müssen. So widerstand ihm auch der Mann mit dem kranken Zahn nicht länger. „Doch", wimmerte er, „der Zahnarzt! Aber ich habe ja solche Angst." — „Warum denn nur?" beruhigte ihn der Gesunde. „Heute wird man doch schmerzlos behandelt." — „Ja", stöhnte der Kranke, „das ist alles schön und gut, aber ich bin ja so bange. Wenn mir wenigstens einer den Kopf dabei halten wollte, damit ich nicht weglaufe."
Da huschte ein Schimmer selbstloser Nächstenliebe über das Gesicht des Geduldigen: „Wenn das alles ist, gehe ich mit Ihnen und halte Ihnen den Kopf. Einverstanden?" Natürlich war der Kranke damit einverstanden. „Wissen Sie denn einen Zahnarzt?" fragte der Hilfsbereite. Der Mann mit dem Schal zog einen Zettel aus der Tasche: „Hier ... au! ... da habe ich einen in der Zeitung gefunden. Da steht's geschrieben: ,Schmerzlose Behandlung garantiert? Au ..." Er wimmerte, daß sich dem Wirt das Herz im Leibe zusammen krampfte. „Au ... er wohnt hier gleich in der Nähe."
„Komischer Kauz", dachte der Budiker, als der Kranke, vom Gesunden ein wenig gestützt, sein Lokal verließ. Und dann freute er sich, daß er für die Unterhaltung mit seinen nächsten Kunden einen etwas interessanteren Gesprächsstoff gefunden hatte als die üblichen Bemerkungen über das Wetter.
Ter Zahnarzt Dr. Schöps war ein wenig erstaunt, als aus sein „Der Nächste, bitte" hin zwei Männer aufstanden, der eine von ihnen freilich ein wenig zögernd und mit schlotternden Knien. „Wer war zuerst hier?" fragte er deshalb. Da zeigte der eine der Männer auf den anderen, der außer dem Schal auch noch die Hand zum Schutz gegen die Backe preßte: „Wir gehören zusammen. Allein traut er sich nicht zu Ihnen. Ich soll ihm den Kopf halten."
Der Arzt lächelte: Ein putziger Patient. Er lächelte noch, als der Kranke sich stöhnend in den Drehsessel setzte: „Bitte, halten Sie mir ja den Kopf fest, Herr Nachbar, wqnn der Doktor mit der Spritze kommen sollte!" Dann wickelte der Aengstliche den Schal ab und sperrte zögernd den Mund auf.
„Ja", meinte der Arzt nach kurzer Prüfung, „da ist freilich nichts mehr zu retten. Der muß heraus. Ist aber nicht schlimm. Ruhe, Ruhe! Ziehen wir schmerzlos. Stillhalten! Von der Nadel spüren Sie garnichts. Stillhalten! Na, also. Das war doch nicht schlimm. Bitte, draußen warten! Ich rufe Sie wieder herein." — „Aaach!" Der Kranke erhob sich wimmernd und wankte am Arm des frei« willigen Helfers aus dem Zimmer-
Als er eine Viertelstunde später wieder herein gebeten wurde, stand ihm der AnaftlckwM auf der Stirn. Er war
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Mit Buschmännern im Mankettiwäld.
Zwerge mit Giftpfeilen, die Orgien des Fressens feiern.
Von A n to n E. Z i s ch k a - Paris.
Die Buschmänner hat nicht das Auto vertrieben, das immer mehr den dunklen Erdteil erobert, nicht die Zivilisation, die den Afrikanern Bedürfnisse beibringt und sie in die Diamantgruben und die Minen treibt. Die kleinen, scheuen Buschmänner wurden vor Jahrhunderten schon von möhzüchtenden Bantustämmen in die Berge und Schlupf- Winkel der Kalahari, der großen Sandwüste, verjagt.
Zwischen Ovambo und Omurambo dehnen sich 70 000 Hektar des Mankettiwaldes, eines Vorkommens von Nußbäumen. Die Früchte sind reich an Oel und bilden eine beliebte Buschmannkost, die sonst kleine Zwiebelgewächse, Feldnüsse, geröstete Termiten und Heuschrecken essen, manchmal einen Leguan, Ratten oder Ochsensrösche.
In diesem Wald also hatten wir unser Camp ausgeschlagen, unb ein Buschmann-Boy, einst von einem Holländer abgerichtet, begann mit seinen Stammesbrüdern Fühlung zu nehmen.
Nach ein paar Stunden tauchten zwei fettglänzende, kleine, nackte Männer auf. Sie trugen Bögen und Pfeile, und ihre Bauchhaut tag in Falten übereinander. Das bedeutete, daß sie hungrig waren. Denn durch die wenig nahrhaften Speisen, die sie finden, leiden alle Buschmänner an einem krankhaft vergrößerten Wagen. Phantastisch ist, was sie zu fressen vermögen.
Scheu umschlichen die beiden zuerst das'Lager, entfernt Weggelegte Fleischstücke, Zucker und Tabak lockten sie immer wieder an. Und bann brannte plötzlich ein Feuer, und die zwei brieten, und dann fraßen sie, unglaubliche Mengen stopften sie hinunter, ihre Bäuche schwollen auf.
Das Versprechen vieler solcher Mahlzeiten brachte am nächsten Morgen eine ganze Horde der Buschmänner herbei. Frauen kamen dazu, Kinder, schließlich war die ganze Werft, die ganze Gemeinschaft versammelt und faute an Fleischtrümmern, schlug Knochen auf und sog das Mark aus.
Die Buschmänner sind heute noch ebenso gefürchtet wie einst. Ihre Giftpfeile treffen manchen einsamen Ovambo, der von den Diamantfeldern heimkehrt und durch die Kalahari marschieren muß. Manches Zuchttier wird gestohlen und sofort ausgesressen, und mancher Farnier starb am Starrkrampf, weil er die Räuber störte.
käsebleich und setzte sich in den Drehsessel wie ein Todeskandidat auf den elektrischen Stuhl. „Bitte, den Mund öffnen." Zögernd trennten sich die Kiefer, das Kinn wackelte, die Augen würben stier. „Donnerwetter!" war der Zahnarzt ein wenig gekränkt. „Wenn auch kein Mensch aus lauter Vergnügen am Zahnziehen zu uns kommt, so brauchen Sie doch nicht solche Angst zu haben." Dann packte er die Zange und zielte nach dem hohlen Zahn. „Cccch", jammerte der Aengstliche und fuhr mit dem Kopf in die Höhe, daß die Zange auf den gesunden Zähnen klirrte.
Der Arzt ließ sich nicht aus der Fassung bringen. „Sie müssen ihm den Kopf noch fester halten", mahnte er den freiwilligen Assistenten und zielte von neuem. „Klirr", sagte die Zange und glitt wieder ab, weil der Kranke den Kopf schaudernd zur Seite riß. „So geht das nicht", entschied der Arzt. „Halten Sie ihm die Hände, das übrige besorge ich."
Der Aengstliche wollte sich wehren, dem Helfer lag sichtlich ein Wort des Widerspruches auf der Zunge. Doch schon im nächsten Augenblick umschlang der linke Arm des Arztes den Kopf des Kranken, preßte ihn gegen seine Brust, und die Zange suchte ihr Opfer, packte es. Im Kiefer krachte es, dem Armen traten die Augen aus den Höhlen. Arzt, Patient und Helfer bildeten einen Augenblick ein kämpfendes Knäuel. Und dann war der hohle Zahn da!
„Endlich!" seufzte der Arzt erleichtert aus, brachte seinen etwas durcheinander geratenen Kittel wieder in Ordnung, steckte den Taler Honorar in die Hosentasche, wunderte sich, daß der Kurierte ihn fast haßerfüllt ansah, ließ die beiden abtreten und schenkte sich zur Erholung einen Schnaps ein, bevor er, noch sichtlich ermattet, die Tür zum Warteraum öffnete: „Der Nächste, bitte."
Merkwürdigerweise trennten sich die beiden Männer nicht auf der Straße. Sie fuhren vielmehr gemeinsam und in verkniffenem Schweigen, das der Kurierte nur ab und zu durch schmerzliches Ausspucken unterbrach, eine Viertelstunde weit mit der Straßenbahn, bevor sie ausstiegen.
Dann sagte der barmherzige Helfer, als er sich ohne Zeugen sah: „Du Rindvieh! Den letzten hohlen Zahn host Du Dir ziehen lassen, anstatt Dich besser zu wehren ^und vorher wegzulaufen, wie Du es sonst immer gemacht hast! Was fangen wir jetzt an?" — „Ach", schüttelte der andere traurig den Kopf, „ich konnte doch nicht anders. Der Mensch hielt meinen Kopf zu fest. Wir müssen uns eben etwas anderes ausdenken, bis ich wieder einen kranken Zahn habe. Aber nun sieh doch nach, was in seiner Brieftasche ist."
Der brummige Helfer zückte die Beute, schlug die Tasche auf, zog einen Packen Papiere heraus, durchblätterte sie und fluchte: „Der Teufel soll diesen Zahnarzt holen! Ein Zehnmarkschein und sonst nur unbezahlte Rechnungen! Verstehst Du das? Von einem Zahnarzt. Bei dem Honorar!" — „Nein", ließ der andere den Kops hängen. „Wegen der zehn Mark hätten wir die ganze Komödie nicht zu spielen brauchen." Und dann verzog sich sein Gesicht schmerzlich, denn letzt kam es chm vor, als ob sein ausgezogener hohler Zahn fürchterlich weh tat. —
„Ja", sagte der Wirt vom „Schwarzen Schwan", „haben Sie schon so etwas gehört? Treffen sich hier zwei Unbekannte, und dann gehen sie zusammen zum Zahnarzt,, weü der eine dem anderen den Kopf halten muß!"
Grüner Papagei.
Skizze von Harry Wien.
Als die Studentin Else Schöller das Parterrezimmer, das sie bei den Verwandten bewohnte, betrat, saß auf dem einfachen Tisch, den sie sich zum Schreibtisch hergerichtet hatte, thronend auf einem Bücherstapel ein kleiner, grüner Papagei.
Die Studentin dachte, er würde durch das offene Fenster, durch das er unzweifelhaft herein gekommen, wieder davon fliegen, wenn sie sich ihm näherte. Aber dies geschah nicht. Er ließ sich ruhig von ihr streicheln, legte den Kopf schief, sah sie mit schwarzen Augen an und schnarrte: „Wo bleibt Tom?"
Else Schöller ging in das Nebenzimmer, in dem ihre Kusine Emma Plate, die sich zur Pianistin ausbilden wollte, Klavier übte. „Ein Papagei ist uns zugeflogen", sagte sie. „Was fangen wir mit ihm an?"
Emma warf einen kurzen Blick auf den Bücherstapel, den sich der grüne Vogel als Sitz erkoren. „Warten, bis sich
Vor den Weißen aber haben die Buschmänner eine seltsame Scheu, und wenn sie einmal gesehen haben, daß lerne Waffen ihnen Fleisch verschaffen unb daß sie an seinen Lagerfeuern satt werden rönnen, dann sind sie die treuesten Diener und besten Jägdgenosseu.
Nachdem also die ganze Gesellschaft mit aufgedunsenen Bäuchen auf den Fellen lag, die all ihren Besitz bergen, die ausgehöhlte Melone für das Wasser, den Köcher aus Tierhaut, die Tasche aus Fell, — während dieses Verdauungsdösens also begann das Palaver. Denn der Reichtum dieses einsamen Waldes sollte ja gehoben, die 60 Prozent Oel in den Früchten des Mankettiwaldes sollten verwertet werden. Man brauchie Weiber, die sie sammelten.
Manche Polizeitruppe schien schon hinter diesen Buschmännern hergewesen zu sein. Der Viehdiebstähle wegen, vielleicht auch wegen ein paar ermordeter Ovambos.
Jedenfalls schienen sie geneigt, ihren Wald auszuliefern, wenn sie nur Fleisch genug erhielten. Und das Geschäft kam zustande.
Im Verlauf dieses Unternehmens mußte dann ein Bote nach Tsumeb, das 130 Kilometer entfernt liegt. Keiner der Leute war zu dem Abenteuer zu bewegen. Dann aber fanden wir einen alten Wann, der bisher von dem Fleischsegen nichts gehört hatte und dessen Bauch noch in Falten lag. Dieser Buschmann ging.
Er bekam eine Ziege und fünf Kilo Reis als Proviant mit. Da? Tier hatte wohl sieben Kilo Fleisch. Und natürlich briet er sie schon — so wie sie War — in der Asche unseres Lagerfeuers, lieh sich einen Topf, kochte eine Unmenge Reis und fraß all dies im Verlaufe von drei Stunden auf. Auf den dürren Beinest saß nun ein aufgedunsener Bauch, alles an dem Ritten atmete Wohlbefinden, das Fett schien durch die Haut zu bringen. Er hüllte sich in Rauchwolken und entschlief.
Niemand hatte mehr die Hoffnung, diesen vollgesressenen Buschmann als Boten zu sehen.
Morgens aber saß er schon wieder bei seinem Reistopf, frass er schon wieder und nahm den Stock in Empfang, in dessen eingeschnittener Spitze der Bestellbrief und der Ausweis, das „Pampier" des Boten, verwahrt wird. Langsam watschelnd ging er los, eine kaum 150 Zentimeter hohe Kugel auf Dünnsten Beinchen. Und war am Abend des dritten Tages wieder im Lager, hatte in 60 Stunden mehr als 250 Kilometer zurückgelegt und die eine Hälfte des Wegs mit ziemlich schwerer Last.
der Eigentümer meldet oder der Polizei ausliesern", sprach sie gleichmütig, wandte sich um und griff wieder in die Tasten.
Die Studentin fütterte den Vogel. Er pickte am Zucker, drehte den Kopf zu ihr und rief: „Sei munter! Sei munter!"
Während sie das Brot zerpflückte und zusah, wie er ihr die Brocken aus der Hand pickte, empfand sie bereits, daß sie dieses beschwingte Wesen, das aus einer ihr unbekannten Ferne den Weg zu ihr gefunden hatte, innig lieben werde. Sie war entschlossen, es niemals der Polizei auszuliesern. Dem Eigentümer allerdings würde sie den Vogel zurück geben müssen. Aber der optimistische Glaube, daß dieser sich nicht einstellen würde, erfüllte sie ganz.
Der Bücherstapel aus ihrem Arbeitstisch blieb der bevorzugte Platz des Vogels. Während sie las oder schrieb, sah er aufmerksam zu ihr hinab. Dieses grüne Geschöpf, dessen Herz sie unter dem weichen Federkleid pochen fühlte, wenn sie es in die Hand nahm, besaß die Kraft, ihr die Einsamkeit des Zimmers — denn einsam war sie trotz der Nähe der Verwandten, mit denen sie keine Wesensgemeinschaft verband — freundlich zu beleben.
Es war mehrere Monate nach dem Erscheinen des grünen Papageis, als der junge Dr. Hollander beim Durchschreiten einer ihm unbekannten Straße aus einem offenen Parterre- fenster plötzlich den Ruf vernahm: „Wo bleibt Tom?"
Er stutzte, blieb stehen, lauschte und begab sich dann in die Wohnung, aus der er den Ruf vernommen. Emma Plate, die zukünftige Pianistin, öffnete ihm, da die Studentin nicht anwesend war. Während er ihr im Zimmer gegenüber saß und ihr erklärte, daß er der Tom sei, nach dem der entflogene Vogel rufe, betrachtete sie ihn kritisch und mit mancherlei Erwägungen. Sie bemerkte, daß sie es mit einem reichen, völlig unabhängigen, etwas phantastischen Wanne (Wie wunderbar erschien ihm der Flug des Vogels aus seiner Behausung nach Dieser Matte!) aus sehr guter Familie zu tun habe, der nie im harten Lebenskampf gestanden und der sich daher Wesenszüge idealistischer Weltanschauung bewahren konnte, die jene oft aufgeben müssen, die bis zur Erschöpfung mit dem bitteren Dasein an jedem Tage zu ringen haben.
Es schien ihr nicht schwer, diesen Menschen, der ohne Falsch und Mißtrauen war, für sich zu gewinnen. Sie merkte, daß er in dem Flug seines grünen Papageis, der ihn zu einem ganz unbekannten schönen Mädchen führte, eine Vorbedeutung sah. War es doch, als ob der grüne Vogel, an dem sein Herz hing, ihm sagen wollte: „Hier ist die Frau, die Dein Glück sein wird. Ich habe Euch zusammengeführt."
Emma Plate wußte, was sie wollte. Ohne Zögern gab sie in dieser Stunde die Zukunft ihrer Pianistinnenlaufbahn preis. Sie hatte sich ohne Bedauern zu dem Beruf einer Ehefrau entschlossen, die mit Geldmitteln nicht zu geizen brauchte.
Sie war klug genug, den Irrtum des Doktor Hollander, der sie für die Pflegerin des zugeflogenen Vogels hielt, nicht aufzuklären.
AIs die Studentin nach Hause kam, war der Papagei verschwunden. Die Kusine sagte nur, der Eigentümer habe sich eingefunden und den Vogel gleich mitgenommen. Von dem übrigen Verlaufe des Gesprächs, in dem der Doktor Hollander bescheiden den Wunsch geäußert, dann und wann die Pflegerin des Bogels besuchen zu dürfen, berichtete sie nichts.
Die Studentin trat in ihr Zimmer. Wie kalt und freudlos erschien es ihr, da der Papagei nicht mehr darin lebte. Sie war wieder allein. Das Wesen, das ihre Einsamkeit geteilt, hatte sie verlassen. Ein anderer Mensch war es nuy, der sich an seiner Zutraulichkeit, seiner Klugheit freuen durfte, dem es entgegenschmetterte: „Sei munter! Sei munter!" —
Im Sommer desselben Jahres vermählte sich Doktor Tom Hollander mit Emma Plate. Eigentlich gefiel ihm ihre Kusine, die sanfte und stille Else Schöller, viel besser. Er ließ sie diese Neigung nicht merken. Nur einmal sagte er, selbstvergessen: „Wie schade, Else, daß damals mein grüner Papagei nicht Ihnen zugeflogen ist! Ich hatte nun einmal den Glauben, daß die Frau, die ihn ausgenommen und gepflegt, mir bom Schicksal als mein Lebenskamerad vorbestimmt sein sollte."
Diq, Studentin lächelte. Es war ein schmerzliches Lächeln. Er sah es wohl, aber er wußte es sich nicht zu deuten.
Wirb für Deine Heimatzeitung!
Er kam, gab die Sachen ab, fachte sein Feuer an und begann zu braten. Und verschlang diesmal ein Zicklein, dessen Fleisch wir wogen und das neun Kilo gehabt hatte ...
Aerzte bestätigen dieses unglaubhafte Freßvermögen, erklären es damit, daß durch Generationen schon der Magen erweitert ist, weil die Wurzeln und Früchte, welche die gewöhnliche Nahrung bilden, so große Volumen erfordern. Dem Fleisch gilt hier die große Sehnsucht, Speise, die nur schwer selber zu erjagen ist.
Ein riesiger Bulle, ein Kudu, brach einmal unweit unseres Lagers nieder, mit hervorquellenden Augen und zerschundenem Fell, allen Anzeichen tiefster Erschöpfung.
Unser Schuß war noch nicht verhallt, als schon ein Trupp Buschmänner erschien, die das Tier verlangten. Und das mit gutem Recht, denn drei Tage und drei Nächte hatten sie in gleichmäßigem Abstand die Spur des Tieres verfolgt, ihm keinen Augenblick Ruhe gegönnt, es zu Tode gehetzt. In wenigen Minuten war der Bulle zerlegt, schon prasselten Feuer auf, und wenig später begann die Orgie des Fressens.
Mit den Giftpfeilen darf man wenig Tiere töten. Nur große Stücke sind genießbar, wenn man gleich nach dem Niederbrechen die Ädern öffnet, die Stelle mit dem Pfeil ansschneidet, das Fleisch auswalkt und so von allem Blut und allem Gift befreit.
Niedere Sträucher mit violetten Blüten liefern dieses Gift, das wenig wert ist, weil es die Beute meist ungenießbar macht, nicht wie die Südamerikanischen Gifte für den Menschen ungefährlich ist. —
Mit unfehlbarer Sicherheit entdecken die Buschmänner die winzigen Büschelchen radieschenartiger Blätter im Sano, welche die Wasserwurzeln verraten. Vorsichtig werden Sand und Erde außen abgegraben, der Kopf einer Rübe von etwa zehn Zentimeter Durchmesser fandst auf, ein Gewächs, das manchmal einen halben Meter tief in die Erde reicht. Behutsam wird die Spitze abgeschnitten, ein Loch in den Kops gebohrt; dann beginnt reinstes, kühles Wasser in hellen Tropfen aus bet' Pflanze zu quellen Monate nach „der Regenzeit liefert sie noch einen halben Liter Getraut. Rettung oft für Halbverdurstete.
Der Buschmann kennt all die kleinsten Zeichen bc-> verborgenen Lebens. Immer weiter wird er zurückgedraugu immer mehr wächst sein Hunger, nur dem Hunger vergleichbar, den alle Nationen Europas nach ben Schätzen haben, die Afrika noch immer birgt.