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W Hesses ÄüchL«8èöièLen.

«Neustadt. Kr. Kirchhain. (Ein Heimatmuseum in «Neustadt) Dank der Bemühungen des Bürgermeisters Dr.

ist jetzt auch in Neustadt ein Heimatmuseum eröffnet ^"Ln Dasselbe ist im Rathaus, in den früheren Schul- anmen' untergebracht. Die im Besitze der Stadt vorhandene dër Schuhmacherzunft von 1793 sowie die Lade der «âeiderzunft von 1770 sind dem Museum übergeben worden. Wertvoller jedoch ist die vorhandene silberne Schützenkette der trüberen Schützengilde. Diese Schützenkette wurde von den trüberen Schützenkönigen bei festlichen Anlässen getragen. Zur Aufbewahrung dient ein Kästchen aus Eichenholz, geschmückt mit dem Sta-dtwappen St. Martinus und der Jahreszahl 1688, inmie dem Namen des Künstlers Martinus Hofmann. Weiter finden sich alte Dokumente über Aufnahme von Gesellen und Meister in die Zünfte, Erzeugnisse des Töpferhandwerks, das TV. E Jahre 1866 noch mit neun Meistern vertreten war, und der Steinmetzzunft. Auch von der alten Bürgergarde, die bis 1818 bestand, findet sich die Trommel vor, Schilder von Feuer- meldern und Feuerreiter, sowie eine Anzahl alte Waffen ver­vollständigen die Sammlung.

Beltheim, 12. Nov. (Fährbootsunglück i n Velt- heim) Auf der hiesigen Fähre, wo sich bekanntlich seinerzeit das furchtbare Unglück mit den Reichswehrpionieren zugetragen hat ereignete sich ein gefährlicher Unfall, der leicht zu einer Katastrophe hätte führen können. Als der Fährmann eine grö­bere Herde Kühe unter Anwendung der gebotenen Sicherheits- matznahmen übersetzte, drängten die Tiere plötzlich auf die Seite, um zu trinken. Dadurch legte sich das Fährboot auf die Seite. Versuche, die Tiere wieder in Die Mitte der Fähre zu treiben, mißlangen. Es entstand ein wüstes Durcheinander, und da der Wasserstand der Weser zur Zeit sehr hochist, kenterte die Fähre und verschwand vollkommen unter dem Wasserspiegel. Die auf der Fähre befindlichen Menschen konnten sich unter Aufbietung aller Kräfte in den Beibooten retten. Die Tiere erreichten schwimmend das jenseitige Ufer. Der Fährmann Huck, der sich bei dem Reichswehrungluck hervorragende Verdienste erworben hat, vermochte auch diesmal wieder durch feine Geistesgegen­wart eine sonst unausbleibliche Katastrophe abzuwenden. Die Fähre liegt auf Grund und konnte noch nicht geborgen werden.

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Kassel, 12. Nov. (Der Kasseler Fahrkartenfäl­scher in München verhaftet.) In einem Warenhaus in München wurden der aus Kasiel stammende Buchdrucker Landau und dessen Ehefrau bei einem Diebstahl ertappt und verhaftet, Die Durchsuchung des Ehemannes förderte verschie­dene noch unbenutzte Reichsbahnfahrkarten zu Tage, die man als Fälschung erkannte. Auch der Apparat, mit dem diese Fäl­schungen hergestellt worden waren, wurde bei ihm gefunden. Vermutlich hat der Buchdrucker die gefälschten Fahrkarten zu dem Zweck angefertigt, mit ihnen weite Reisen machen zu kön­nen, Die er dann zusammen mit seiner Frau zu Diebstählen benutzte. Es verlautet, daß eine Haussuchung in der Kasseler Wohnung des Landau verschiedenes belastendes Material zu Tage brachte. Der verhaftete Buchdrucker Landau ist bereits vor einigen Jahren wegen Fahrkarlenfälschung zu einer erheb­lichen Geldstrafe verurteilt worden. Vor dem Kriege war Landau Fahrkartendrucker auf dem Bahnhof in Karlsruhe, und auch dort war er bereits einmal wegen des gleichen Delikts bestraft.

Frankfurt a. M., 12. Nov. (W inter-Notopfer der Frankfurter Beamten gefordert.) Ein sozialdemo­kratischer Antrag für die Stadtverordnetenversammlung for­dert, daß die Beamten und Angestellten der Stadt bzw. der städtischen Gesellschaften und die Pensionäre, die ein höheres Einkommen haben, ein persönliches Opfer bringen und sich frei­willig verpflichten, auf einen Teil ihrer Bezüge zu Gunsten einer Winterbeihilfe für Erwerbslose und Wohlfahrtspfleg­linge etc. zu verzichten. Es wird erwartet, daß die Beamten und Angestellten mit einem monatlichen Grundgehalt von mehr als 500 M auf 6 bis 25 %, je nach der Höhe des Einkommens, ab 1. Dezember 1930 bis zunächst 31. März 1931 freiwillig verzichten. Der Stadtverordnetenversammlung sollen die Namen derjenigen Beamten und Angestellten mitgeteilt wer­den, die sich weigern, diese Verpflichtung einzugehen. Die reichsgesetzliche Kürzung soll auf den Verzicht angerechnet wer­den. Auch von den in gleicher wirtschaftlicher Lage befindlichen Angestellten, Beamten und sonstigen Persönlichkeiten, die in Franlfukt Wohnsitz und Beschäftigung haben," wird eine frei­willige Leistung zu Gunsten des Winterhilfswerks erwartet.

Frankfurt a. M., 12. Nov. (Eröffnung des Groß- Senders Mühlacker.) Wie die Oberpostdirektion Frank­furt mitteilt, ist die Indienststellung des Erotzrundfunktsenders

Mühlacker nunmehr auf Freitag, den 21. Novmcher, in A»r< sicht genommen. Der Eroßrundfunksender ist sowohl für den Bezirk der Süddeutschen als auch der Südwestdeutschen Rund­funk A.-E. bestimmt. Ueber ihn wird das Gemeinschaftspro- gramm des süd- und südwestdeutschen Rundfunks gehen. Da der Großsender in der ersten Zeit seines Versuchsbetriebs tags­über zu Betriebsmessungen und Beobachtungen genötigt wird, wird zunächst nur die abendliche Sendefolge über den Groß; sender gehen. Der Eroßrundfunksender Mühlacker arbeitet auf der Stuttgarterwelle 833 Kilohertz, 360 Meter.

Bad Ems, 12. Nov. (Beim Fußballspiel lebens­gefährlich verletzt.) Nach dem am Sonntag stattgefun­denen Fußballspiel zwischen den Sportvereinen von Bad Ems und Montabaur mußte ein Emser Spieler, der anscheinend einen Stoß in den Rücken bekommen hatte, aber trotzdem im ganzen Spiel noch mitwirkte, sich wegen starken Unwohlseins ins Krankenhaus begeben, wo eine schwere Nierenverletzung festge­stellt wurde. Bei einer sofortigen Operation mußte die eine Niere herausgenommen werden, und da auch die andere Niere angegriffen ist, schwebt der Bedauernswerte immer noch in Lebensgefahr. Er hatte vor etwa acht Wochen bereits einmal eine ernstliche Verletzung, und zwar einen Kieferbruch, erlitten.

Mainz, 12. Nov. (Keine B r otpr e i sse n ku n g im Rhe i n-Ma in-N ache- G e b i e t.) Der Bäcker-Jnnungs- verband Rhein-Main-Nahe, zu dem die Kreise Mainz, Oppen­heim, Worms, Alzey, Bingen, Er.-Gerau, Kreuznach, Simmern, Stromberg, Sobernheim, Kirn, Meisenheim u. Büdesheim a. d. Nahe sowie die Brotfabriken u. Konsumvereine des Rhein-Main- Nahe-Eebietes gehören, erklärt, daß mit einem Abbau des Brot­preises in den genannten Bezirken des Bäcker-Jnnungsoerban- des vorerst nicht zu rechnen ist. Der Bäcker-Jnnungsverband begründet seine Haltung damit, daß der Durchichnittsbrotpreis im südwestdeutschen Wirtschaftsgebiet erheblich unter dem Durch­schnitt des in Berlin und München errechneten Preises liegt und daß die seiner Preisberechnung zugrunde gelegte Kalkulation nur eine Verdienstspanne ermöglicht, die das Minimum der Verdienstgrenze darstelle. Nach der Erklärung des Bäcker-Jn- nungsverbandes ist die Prüfung der Möglichkeit des Brotpreis- abbâues in gemeinschaftlicher Aussprache mit den Brotfabriken und Konsumvereinen erfolgt.

Zur Unterhaltung.

Es fehlen 3000 Mark.

Skizze von Ernst Otto N e i d h a r d.

Ernst Sauerland stand vor dem Kassenschrank. Er war im Begriff, Mittag zu machen, und das tat er in seiner Gewissen­haftigkeit nie, ohne vorher seinen Bestand noch einmal nach- geprüst zu haben.

Seit mehr denn 20 Jahren war er nun Vorstand der kleinen Filiale, welche die Vereinsbank zur Bequemlichkeit ihrer Kunden in dem stillen Vorort errichtet hatte, und versah dieses verantwortungsreiche Amt zur Zufriedenheit seiner hohen Vorgesetzten und gegen ein lächerliches Gehalt.

Was er hier verdiente, langte zur Not. Für die be­scheidene Dreizimmerwohnung, die kaum zweihundert Schritte von hier entfernt in einer Seitenstraße lag. Für feine eigenen Bedürfnisse und die seiner Frau, die sich eben, wenn auch widerwillig, in die Verhältnisse zu schicken hatte, und schließlich auch noch für die Erziehung seines einzigen Sohnes Ralph, der nun freilich flügge zu werden begann.

In Geldfragen war Sauerlands Wille eisern, so nach­giebig er sich auch auf allen anderen Gebieten zeigte. Und dieser eiserne Wille hatte es fertig gebracht, daß auch heute wieder trotz aller Ereignisse d?r Zeit ein rundes Sümmchen für den Fall der Not ans der hohen" Kante lag. Er hatte es zu- Ëst^lnengehamstert, Zehnmarkschein zu Zehnmarkschein, dem Widerspruch seiner eigenen Frau, dem Lächeln seines Jungen und dem Geist der Zeit, der vom Sparen nichts mehr wissen wollte, zum Trotz.

Säuerland griff sich an den schon stark ergrauten Kopf. Schon zum vierten Male rechnete er jetzt nach. Das stimmte doch nicht.

Da fehlten glatte 3000 Mark. Er mochte es drehen und wenden, wie er wollte. Ein Päckchen von dreißig Hunderten war ihm abhanden gekommen. Noch einmal machte sich Sauer­land auf die Suche. Zuerst fieberhaft, mit zitternden Händen. Dann aber sich mit aller Gewalt zur Ruhe zwingend, sorgsam und bedächtig. Vergeblich. Die 3000 Mark fehlten. Das stand unweigerlich fest.

Und da flutete eine Glutwelle über das Gesicht des Kas­sierers. War denn so etwas möglich? Der Unglückselige! Kur; zuvor war ja Ralph hier gewesen. Kein anderer Mensch außer ihm batte den Kassenraum betreten. Waren die Scheine ent­wendet worden und sie fehlten, dann mußte sein ein­ziger Sohn Ralph der Dieb sein. Unausdenkbar!

Sauerland befand sich allein im Büro. Die anderen waren samt und sonders gegangen. So ließ er sich auf einen Stuhl niederfallen und vergrub das Gesicht in bethe Hände. Er schluchzte: Ralph! Ralph! Ralph! Und dabei stand das Bild des auch von ihm vergötterten Achtzehnjährigen vor ihm. Ein schmucker, stets elegant gekleideter Bengel, nach dem die Mädels sich die Köpfe verdrehten und an dem die Mutter mit einer wahren Affenliebe hing.

Der schlägt erfreulicherweise nicht nach seinem Vater", hieß es daheim immer voll Bosheit.

Und nun? Sauerland raffte sich empor. Wenn er gerecht sein wollte, dann traf ja nicht Ralph allein alle Schuld. Auch er selbst trug sein gut Teil daran.

Warum hatte er den Bengel so verzogen? Warum hatte er Ralph nicht in die Lehre gesteckt, sondern es geschehen lassen, daß her Junge zuerst an der Universität bummelte und dann plötz­lich auf Geschäfte verfiel, für die der Vater nicht das geringste Verständnis aufbrachte?Vermitteln" nannte das Ralph. Eine Tätigkeit, die Bars und Kaffeeehäuser zum Schauplatz hatte und nach den Aeußerungen seines Sohnes heute in der Plazierung eines Filmbuches und morgen in dem Abschluß eines Bauauftrags oder der Tätigung eines Warengeschäftes bestand. Aus solcherlei Quellen, die Sauerland zeit seines Le­bens verschlossen geblieben waren, flossen die Gelder. Die Summen, auf welche die Mutter voll Stolz hinzuweisen pflegte, indem sie boshaft Vergleiche mit dem Monats­einkommen des Kassierers zog. Von ihnen wurden die Spesen bestritten. Das elegante Auftreten, die Mahlzeiten in den Re­staurants, die Ausgaben in den Kaffeehäusern und Likörstuben, die Kraftdroschken, das Wochenende, das Ralph in Gesellschaft feiner Freunde verbrachte.

Und nun! Wenn er sich das alles reiflich überlegte, dann war das Fehlen dieser 3000 Mark nur allzu begreiflich!

Aber aus der Welt muffte das geschafft werden noch fünfte ja kein Mensch etwas von diesem Fehlbetrag außer ihm. sollte auch der letzte Spargroschen draufgehen. Sein Ralph bar den Augen der Welt ein Dieb? Nie und nimmermehr.

Sauerland fuhr auf. Mit einer Elastizität und Ent­schlossenheit, deren er sich selbst gar nicht mehr für fähig ge­halten hätte, erhob er sich und knöpfte den Rock zu.

Sogleich würde er sich nach Hause begeben und die Sache in Ordnung bringen.

Und noch in dieser Stunde fing für Ralph ein neues --eben an. Das seinen Händen entglittene Hauszeptcr würde er, der Vater, koste es, was es wolle, wieder an sich reißen und Frau und Sohn zeigen, wer Herr im Hause war! Der feste Wille, diesen Vorsatz ungesäumt zur Ausführung zu brummt, beflügelte Sauerlands Schritte.

Den kurzen Weg, der Büro und Wohnung trennte, hatte der Kassierer rasch hinter sich. Kein Wunder also, daß er schwer atmend, die Stirn mit Schweiß bedeckt, vor der Tür seiner Wohnung stand.

Zunächst mußte er sich einmal sammeln und fassen, auf­atmen und seine Gedanken ordnen. Denn so leicht, wie er sich das unterwegs vorgestellt hatte, war die Wiedereroberung seines Hausherrnpostens angesichts der seiner harrenden Widerstände nicht.

Es tropfte von seiner Stirn.- Seine Hand fuhr in die Tasche, dik Stirn mit dem Tuche zu trocknen.

Und was war denn das? Was hielt er da zwischen seinen Fingern?

Aufjubeln hätte er könnet,. Und doch! Wermutbitter stieg es in seinem Innersten auf.

Er hatte seinem Ralph unrecht getan.

Das wai ja das Päckchen, die dreißig Hunderter, die er also in feinet Zerstreutheit an Stelle, des offensichtlich .auf seinem Pulte liegen gebliebenen Taschentuches eingesteckt hatte und die ihm nun den Beweis für seine verkehrte Beurteilung von Welt und Menschen gaben.

Ganz kleinlaut geworden, huschte Sauerland in die Woh­nung. Triumphierend, trat ihm hier seine Frau entgegen und sagte: ,/Senfe Dir' Ralph ist wieder ein glänzender Abschluß geglückt. Wir fahren zum Wochenende in die Ferne! So was hast Du in Deinem ganzen Leben nicht fertig gebracht, Sauerland. Das Kind schlägt nach der Mutter."

Der arme Teufel war zu keiner Erwiderung fähig. Wie ein begossener Pudel schlich sich der Hausherr an seinen Platz und löffelte die wieder einmal versalzene Suppe.

Mutter hatte sich heute keine allzu große Mühe mit deren Zubereitung gegeben, denn Ralph hatte telephoniert, daß er von feinem Geschäftsfreund zum Essen imExzelsior" gleich da behalten worden sei.

Wie Daniel Hitchen zu zwei Frauen kam.

Eine vorbildliche Schwiegermutter und ein idyllischer Haus­halt. Zwei Rivalinnen lieben sich. Der Mann, der feine Frau nochmals heiraten must.

Von Harry Wilkins -Milwaukee.

Jedem, der die Psyche des Weibes ein wenig kennt, muß nachfolgende Geschichte fast unglaubhaft erscheinen. Deshalb sei hier von vornherein bemerkt, daß zu der Wahrheit nichts hinzugedichtet wurde.

Als Daniel Hitchen aus Omaha (Nebraska) vor nunmehr vier Jahren Fräulein Mary Loftus, eine durchaus intelligente junge Dame von neunzehn Lenzen, heiratete, ließ nichts daraus schließen, daß die Ehe einmal das Tagesgespräch der Stadt werden sollte. Das Pärchen lebte glücklich und zufrieden in dem kleinen, vier Räume fassenden Hause der alten Frau Hitchen. Daniel war Hahn im Korbe, und wenn er abends von feinen Fahrten als Geschäftsreisender zurückkam, so fühlte er sich zwischen seinen beiden Weiblein recht geborgen.

Da der Storch stets an . Haus Hitchen vorüberflog, so nahm die junge Frau nach einiger Zeit eine Stellung als Filmschneiderin an, die ihr sehr zusagte. So sehr, daß sie mit nach Chicago zog, als die Filmgesellschaft ihren Sitz dort­hin verlegte. Domel war über die Trennung ein wenig betrübt, aber schließlich tröstete er sich mit der Aussicht auf häufigen Briefwechsel.

Aus bem wurde leider nicht viel, denn kurz darauf schrieb die bessere Hälfte:Es tut mir ja leid, wenn ich es Dir sagen muß: Ich liebe Dich nicht mehr und werde mich falls Du nichts dagegen einzuwenden hast von Dir scheiden lassen." Daniel war nun einmal ein guter Kerl, und so mochte er seiner Frau keinen Kummer bereiten: Bitte, erledige alles, und wenn Du einen Scheidungsgrund brauchst, dann schiebe mir alles in die Schuhe, was Dir nur einfällt." Womit Daniel die Sache für erledigt und sich für geschieden hielt. Der Mitwelt soweit sie neugierig war teilte er dies mit.

Einige Zeit darauf lernte Mister Hitchen ein junges Mädchen kennen. Geschäftsreisende sind als Schwadroneure bekannt. Deshalb sagte die junge Dame, bevor sie sich auf irgend welche Annäherung einließ:Entweder oder!" Daniel entschied sich für das Entweder, und Fraulein Naomi Bowles, einundzwanzigjährig, wurde Frau Daniel Hitchen.

Kaum hatte sich oft Jungvermählte in der Wohnung ihrer Vorgängerin häuslich eingerichtet, da traf Daniel eines schönen Tages seine erste Frau auf der Straße:Hallo, Mädel, wie'geht's?" Man sprach freundschaftlich über dieses und jenes, und schließlich fragte Daniel so ganz nebenbei:An welchem Tag ist nun eigentlich unsere Scheidung ausge­sprochen worden?"Unsere Scheidung? Ach, weißt Du, ich habe mir die Sache anders überlegt. Ich will zu Dir zurückkommen." , , _ .... _.. .

Nun hätte man erwarten sollen, daß Daniel die Hande gen Himmel gerungen hätte:Unglückselige, was hast Du heran!" Er führte aber keinerlei derartige dramatische Szene auf, sondern sagte nur:Komm. Schätz!" Und dann Lina

er mit ihr nach Hause. Dort machte er seine Mutter rasch mit der neuen Sachlage bekannt, und dann kniff er schleunigst aus, weil er der Ansicht war, die alte Dame könne die pein­liche Angelegenheit am besten regeln.

Er sollte sich nicht geirrt haben. Als er nach einiger Zeit zurückkam und seine Nase vorsichtig durch den Türspalt steckte, roch es drinnen so gut, daß er sich scharfsinnig sagte:Dort bereiten sie das Versöhnungsmahl." Das stimmte. Und als Daniel sich noch tiefer in die Löwengrube hineinwagte, scholl es ihm fröhlich entgegen:Halloh, da ist er ja. Komm her, Du Sultan!" Dann erfuhr Mister Hitchen, daß sich die jungen Damen ohne irgend welchen Verlust an Blut, Haaren oder Zähnen freundlich ausgesprochen und beschlossen hatten, sich sowohl in die Pflichten als auch in die Rechte einer Frau Daniel Hitchen zu teilen. Damit aber die Nachbarschaft keinen unnötigen Lärm machte, sollte Frau Mary als die Geschiedene gelten, die zu einem rein freundschaftlichen Besuch eingetroffen war.

Idyllischer Friede herrschte im Hause Hitchen. Daniel war Hahn im Korbe, die jungen Frauen vertrugen sich wie die besten Freundinnen, und Wunder über Wunder beide liebten ihre Schwiegermutter. Letztere führte den Haushalt, und das junge Volk sorgte für den Verdienst, da alle drei Stellungen hatten. Abends durfte Daniel Mary und Naomi ausführen, entweder zum Tanzen oder ins Kino. Oft kam es auch vor, daß die eine zum Ausgehen keine Lust hatte und ohne die mindeste Eifersucht am häuslichen Herd und bei der Schwiegermutter zurückblieb, während Daniel mit oer an­deren sein junges Leben genoß.

Das Jdyä hätte noch lange dauern können, wäre nicht plötzlich Naomi Frau Hitchen Nummer 2 auf deuZEin- fall geraten, mit einem anderen jungen Manne einen Tanz­abend zu besuchen. Darüber regte sich Mary Frau Hir- chen Nummer 1 gewaltig auf. Gehörte sich wohl so etwas von einer verheirateten Frau?Nein", sagte die Mutter empört.Es war doch gar nicht so schlimm gemeint", ver­teidigte sich Naomi. Daniel sollte entscheiden.Du hättest vielleicht ...", kratzte er sich tapfer den Kopf. Na, kurz und gut, Naomi wurde für schuldig befunden, den heiligen Frie­den des Hauses Hitchens gestört zu haben, und mit Sack und Pack an die frische Luft aesebt.

Das ließ sie sich natürlich nicht gefallen. Sie lief zur nächsten Wache:Meine Schwiegermutter hat mich aus meiner eigenen Wohnung gesetzt!"So etwas gibt cs ja gar nicht", beruhigte die Polizei und ging mit ihr zur Villa Hitchens. Tort dauerte es leioer nicht lange, dis der Schutz­mann aus der Unterhaltung mit den drei Damen merkte, daß etwas nicht stimmte, weshalb er die ganze Familie aus die Wache bat.

Dort sollte der merkwürdige Fall gerade durch den Polizeihauptmann geklärt werden, als ein Herr aus Chicago sich anmelden ließ: Er such« seine Frau Mary Friedburg, ge­schiedene Hitchen, geborene Loftus, und habe gehört, daß die ganze Familie Hitchen sich auf der Wache befinde. Dieser Herr wurde schleunigst zugelassen, sah sich stumm ringsum und stellte sich dann vor der verwirrten Mary in jener Pose auf, die besagt:Kehre zurück! Alles vergeben."

Soweit "kam es freilich vorläufig nicht. Denn Mary Friedburg-Hitchen mußte der Polizei erst einmal gestehen, daß Herr Friedburg während ihres Chicagoer Aufenthaltes ihr Herz erobert und daß sie ihn geheiratet hatte, obwohl sie noch gar nicht von Daniel geschieden war. So etwas kann man in der Aufregung der Verliebtheit leicht vergessen.

Herr Friedburg war erschlagen. Daniel nicht minder. Der Polizeihauptmann am meisten. Die drei Frauen taten das Gescheiteste, was in dieser Lage möglich war, sie heulten. Dann raffte sich Herr Friedburg zu der Frage auf:Warum bist Du von Deinem Ausflug nach Omaha nicht zu mir zu­rück gekehrt?"Ich mochte Daniel den Kummer iticht an- tun und ihn verlassen; außerdem waren Naomi und seine Mutter so nett zu mir."Was soll nun werden?"O, jetzt lasse ich die Scheidung nachholen, und dann heirate ich Dich richtig, denn Du bist doch der Einzige, ben ich so recht liebe."

Worauf Naomi ihre Tränen trocknete, den Hinauswurf von vornhin vergaß und sagte:Tue das liebe Mary! Dann werde ich meinen Daniel auch richtig heiraten, und wir alle sind glücklich." So weit war es freilich im Augenblick noch nicht, denn die Polizei sperrte erst einmal Mister Daniel ein. Die Frauen durften ihn bis zu seiner Zelle begleiten, und dort fielen sie einander in die Arme; jede weinte ihren Schmerz über die Trennung vom Vielgeliebten am Halse der anderen aiis. Auch der Mutter Tränen tropften leise. Dann zogen sich die Damen mit Herrn Friedburg friedlich zurück, unb der Hauptmann atmete erleichtert auf, weil die salzige Flut endlich verebbt war.

Daniel wird cs wahrscheinlich nicht schlimm ergehen. Allgemein erwartet man seine Freisprechung. Gegen Mary ist noch nicht einmal ein Verfahren eingeleitet worden. Wo­raus man wieder einmal ersieht, daß die Amerikaner Frauen gegenüber sehr galant sind. Oder sollte sich der Unter­suchungsrichter vor der bei seinem Eingreifen zu erwartenden neuen Träuenilut furchten?