Zul-aer ^n^cigcr
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lstUkK — 1930
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- und Haunetal-Zul-aer Kreisblatt
Rebaktlon und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 ♦ Zernsprech-Rnschluß Nr. 989 Nachdruck der mit * versehene« Artikel nur mit Duellenangab» .Zuldaer N«r«tS»»'a»aatt»t. Fulda, Donnerstag, 13. November
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7. Jahrgang
Aufbau des Preisabbaues.
Ein „Preissenkungsdirektorium".
Das Reichskabinett hat aus einem Teil seiner Mitglieder einen besonderen Ausschuss gebildet, dessen spezielle Aufgabe es sein wird, die Preissenkungsaktion mit noch größerem Nachdruck und vor allem auch auf einer einheitlicheren Linie als bisher durchzuführen.
Dem Ausschuß gedenkt der Reichskanzler persönlich zu präsidieren. Ihm gehören ferner an der Reichs- sinanzminister Dietrich, Reichsernährungsminister Schiele, Reichsarbeitsminister S t e g e r w a l d, Reichs- bankpräsident Dr. Luther, der Leiter des Reichswirtschaftsministeriums, Staatssekretär Trendelenburg, und der preußische Handelsminister Dr. Schreiber. Der neugebildete Ausschuß wird unverzüglich zu seiner ersten Sitzung zusammentreten und in erster Linie auch darüber zu beraten haben, wie man die Preissenkungsaktion besser als bisher systematisieren und den Angriff auf die Preisskala konzentrischer auf einzelne Punkte richten kann.
Die Einsetzung dieses Sonderausschusses beweist, daß die Regierung es als ihre zurzeit
dringendste Aufgabe
betrachtet, den Preisabbau durchzuführen. Wie verlautet, hat die Regierung unter anderen Plänen auch die Absicht, die Pfennigrechnung wieder mehr zur Achtung zu bringen. Die besonders in Norddeutschland verbreitete Gewohnheit, als kleinste Münze das 5-Pfennig-Stück anzusehen, könnte sich in diesen Notzeiten zum mindesten als dem Preisabbau hinderlich erweisen.
Natürlich wird man sich aber nicht damit begnügen dürfen, an einzelnen Kleinigkeiten herumzudoktern, sondern man wird das Problem an den Wurzeln an- vacken müssen.
Zu diesen dürften nicht zum mindesten auch die Tarife der Reichsbahn und der Reichsp 0 st, der G a s - und Elektrizitätswerke und der öffentlichen Verkehrsmittel zu rechnen sein.
Preissenkung auch in der Berliner elektrotechnischen
Industrie.
Die elektrotechnische Industrie hat, wie aus Berlin gemeldet wird, beschlossen, vom 15. November ab die Listenpreise für Maschinen, Motoren, Transformatoren, Zähler, Apparate, Zn- stallationsartikel und Haushaltungsgeräte um 5 Prozent zu knien.
Auch Obst- und Gemüsepreise sollen gesenkt werden
In Fortführung der von der Reichsregierung ein- geleiteten Preissenkungsaktion fand im Reichsernährungs- münsterium eine Besprechung über die Preisbildung für Obst und Gemüse statt, an der u. a. auch Vertrete- r i nn e n d e r H a u s f r a u c n teilnahmen. Die Verbände des Handels, der Waren- und Kaufhäuser sowie der Konsumvereine haben ihre Bereitwilligkeit erklärt, keine Opfer zu scheuen, um die Preise
auch für Obst und Gemüse zu senken, um damit der allgemeinen Notlage zu steuern und zu einer nachhaltigen Besserung unserer allgemeinen wirtschaft- Wn Verhältnisse zu gelangen. Die Verbände haben sich entschlossen, unverzüglich auf ihre Unterverbände und Mitglieder einzuwirken, daß diese unter Berücksichtigung der Einkaufspreise und der auf den Waren ruhenden -asten sowohl im Groß- wie im Kleinhandel schärfstens kalkulieren, um die Handelsspanne beträchtlich zu senken.
Es ist zu erwarten, daß auch auf diesem Gebiete die Senkung der Preise, die nach Behauptung der Verbände bau ihnen schon vor etwa vierzehn Tagen freiwillig ein» gleitet ist, einen weiteren Fortgang nehmen wird.
Senkung der Berliner Kartoffelpreise.
Erhebliche Herabsetzung beschlossen.
~ Die in den letzten Tagen im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit dem kartoffelgroß und -kleinhandel unter Mitwirkung der Erzeuger- und ^erbraucherorganisationen geführten Verhandlungen Pben ergeben, daß auch der Kartoffelhandel bereit ist, ^lncn Abbau der Preise vorzunehmen.
Der KartofscMeinhandcl wird in Berlin im all- »emeinen für Speisekartoffeln bei Abgabe von zehn Pfund wigende Preise berechnen: für weiße Kartoffeln 23, für und blaue Kartoffel« 25 nud für gelbe Kartoffeln
Die Konsumgenossenschaften und Warenhäuser haben Ure Preise für Kartoffeln ebenfalls ermäßigt. Die oben» genannten Preise sind Tagespreise und hängen ab von cn Anfuhren (Erzeugerpreise) und der Entwicklung der ^"Malischen Verhältnisse.
^nn das Handwerk feine Preise abbauen?
ASpitzen Vertretungen des deutschen K®"b Werks, der Deutsche Handwerks- und Gewerbe- mimeriag und der Reichsverband des deutschen Handwerks, u.^'' 111 einer gemeinschaftlichen Borstandssitzung zu deni z.^Swwm der Reichsregierung mit einer Entschüeßung j genommen, tn der über die Beurteilung der Prel.- Ortschaft im Handwerk u. a. folgendes ausgefuhrt
ver Beurtetjung der PreiSwirtsÄaft un Handwerk bars veraetzen werden. Satz unter 1330 OÖO Böttiebeu eine große
Anzahl Klein - oder Alleinbetriebe sind. Diese Betriebe rechtfertigen ihre Existenz durch geringeren Verdienst- anteil und längere Arbeitszeit. Wie die Finanzämter bestätigen können, wird der Verdienst eines vollbeschäftigten Gesellen von derartigen Betriebsinhabern selten erreicht. Die Leute bezahlen also
ihre Selbständigkeit sehr teuer.
Erkundigungen bei den Sparkassen und den Genossenschaftsbanken werden ferner ergeben, wie groß die Kapitalnot heute im Handwerk ist. Sogenannte „Substanz" ist nur noch ausnahmsweise vorhanden. Das Zusammenholen der Löhne nimmt bet der passiven Haltung der Kundschaft immer mehr — sonst produktiv zu verwendende — Arbeitszeit in Anspruch.
Für die Preisbildung
im Handwerk sind M a t e r i a l k 0 st e n, Löhne und Ge - schäftsunkosten die hauptsächlichsten Faktoren. Aus die Preise für R 0 h st 0 s s e und Halbfabrikate hat das Handwerk keinen Einfluß Selbst wenn die Weltmarktpreise gesunken sind, muß cs wohl oder übel abwarten, bis die vorhergehenden, mehr oder weniger kartellierten oder syndizierten Lieferanten für den innendeutschen Markt einen entsprechend billigeren Bezug ermöglichen. Ebenso ist das Handwerk nicht unabhängig in der Lohnbildung Soweit Forderungen der Arbeitnehmer als übertrieben bezeichnet werden müssen, fehlt es den betroffenen Gewerben meist an der Möglichkeit, sich dagegen durchzusetzen, teils wegen der pekuniären Folgen, teils wegen der staatlichen Schlichlungspolitik. Um so mehr hat das Handwerk die Verpflichtung,
die Geschäftsunkosten möglichst niedrig
zu halten. Aber auch hier stößt es überall auf gebundene Verhältnisse. Die Zinsen für Anlage- und Betriebskapital sind nach wie vor hoch, das gleiche gilt von den sozialen Lasten und den Realsteuern. Das Borgunwesen nimmt unerträglich zu, ebenso die Höhe der absoluten Verluste. Eine
Der Rüstungsstand der Nationen
Deutschland verlangt Klarheit in Genf
Das Kriegs material.
Durch den Grafen Bernstorff hat die deutsche Abordnung bei der Vorbereitenden Abrüstungskommission in Genf jetzt den Antrag eingebracht, zur Vorbereitung der kommenden Abrüstungskonferenz eine vollständige, alle Einzelheiten umfassende Übersicht des gegenwärtigen Rüstuugsstaudcs der einzelnen Länder zu veröffentlichen. Das gehöre zur Ausgabe des Abrüstungsausschusses, denn die kommende Konferenz müsse sich ein genaues Bild der Rüstungen der einzelnen Staaten machen können. Die Ausarbeitung eines Abkommensentwurfes allein genüge nicht. Der Erfolg der Londoner Flottenkonserenz sei zum großen Teile daraus zurückzuführen, daß der Konferenz gleich zu Beginn der Verhandlungen eine alle Einzel- heiten wiedergebende Darstellung der Flotten der Konfe- renzmâchtc als Grundlage der gesamten Vorhandlunge, l vorlaa. Während für die Flotten die amtlichen Mitteilun- gen der beteiligten Mächte zur Verfügung standen, fehlten derartige Mitteilungen für die Landrüstungen völlig. Es wird daher beantragt, der Abrüstungsausschuß solle unverzüglich an sämtliche Regierungen das Ersuchen richten, umfassende Aufschlüsse über ihre gegenwärtigen Rüstungen vorzuleaen.
Oer französische Haushaltsvoranschlag
fordert für die Zwecke der Landesverteidigung 12,1 Milliarden
Frank (= 2 Milliarden Mark) an. . , ,
Poincarö: „Meine liebe Marianne, wir überreichen ^hncn
hiermit Ihr Nadelgeld für das nächste Jahr."
Marianne: „Und was bedeutet dieser Beutel mit den 100
Briand: „Die sind für den SG/âf von FriedenSpaltue« bestimmte
Deckung von derartigen Ausfallen durch den dem selbständigen Handwerker zustehenden V e r d i e n st a n t e i l ist unter den heutigen Verhältnissen einfach ausgeschlossen.
Die übergroße Konkurrenz
innerhalb und außerhalb des Handwerks, wie sie durch Warenhäuser, Konsumvereine, Werksverkaufsstellen, Beamten- verlriebsgesellschasten, Hausierhandel öffentliche Hand und Produktivgenossenschasien gekennzeichnet wird, zwingt jeden Unternehmer von vornherein sich mit dem bescheidensten Gewinn zu begnügen. Die Folge ist eine noch nicht dagewcsene
Verarmung im Handwerk
und immer weitere Minderung der Substanz, soweit sie nach der Inflation überhaupt noch vorhanden war. Letzten Endes steht das deutsche Volk vor der Frage, ob es ein wichtiges Glied des M i t t e l st a n d e s überhaupt noch als lebenssähig und existenzberechtigt anerkennen will. Der Handwerker kann nicht zu Fabrikpreisen liefern, weil er keine Massenware liefert und keine Massenproduktion betreibt. Seine individuelle Tätigkeit und seine nur zeitweilige Inanspruchnahme durch die Bevölkerung, seine erhöhten Gestehungskosten die auch durch höhere Löhne für seine Gesellen als für Industriearbeiter beeinflußt werden, bedingen eine andere Beurteilung, als sie zurzeit wieder einmal üblich ist.
Erzwingen läßt sich eine Preissenkung aus den angeführten Gründen überhaupt nicht, sondern sie kann nur aus dem guten Willen aller Beteiligten hervorgehen. Dieser gute Wille ist beim Handwerk unbedingt vorhanden. Man soll aber nicht die Tatsache verkennen, daß die neuzeitlichen Verhältnisse den Handwerker in eine Zwangslage verseht haben, die nicht überall richtig erkannt und beurteilt wird.
Voraussetzung für einen fühlbaren Preisabbau ist daher die Beseitigung jeglicher Zwangswirtschaft.
DeuischSands Kapiialarmui.
Das Urteil eines Unparteiischen.
Der berühmte schwedische Nationalökonom Gustav Cassel erklärte in einem Vortrag über „Kapitalflucht und Weltwirtschaftskrise", man könne schon deshalb nicht von einer deutschen Kapitalflucht sprechen, weil Deutschland so k a p i t a l a r m sei, daß es die Reparationslasten nicht aus eigenen Mitteln tragen, sondern nur auf dem Wege über Ausländsanleihen aufbringen könne. Die Tatsache der Wertsteigerung des Goldes lege die vielbesprochene Frage der Revision und eines Nachlasses der deutschen Tribute nahe.
Der Vertreter Italiens, General de Marinis, hatte ferner den Antrag gestellt, den Bestand des gesamten Kriegsmaterials aller Staaten so weit als möglich herabzitsetzen. Italien weigere sich, ein Abrüstungsabkommen zu unterzeichnen, das die Kriegsmaterialfrage nicht eindeutig löse und das die gegenwärtigen Unterschiede int Rüftungsstand der Staaten nicht in gerechter Weise beseitige. Zu dem italienischen Antrag schreibt die offiziöse „Popolo d'Jtalia" in Rom: „Man sieht also, Italien hat sich einigermaßen dem deutschen Standpunkt genähert, und zwar, weil die militärische Lage sich zu seinem Schaden im Laufe der letzten achtzehn Monate, die seit der letzten Tagung verstrichen sind, so verändert hat."
Aussprache der Mächte
Bei der Auseinandersetzung sprachen sich Vertreter Rumäniens, Polens und Südslawiens e^n heutig für Ablehnung des italienischen Antrages aus. Sie erklärten, daß sie eine Herabsetzung ihrer Kriegsrüstungen nur auf dem indirekten Wege einer Beschränkung der Heeresausgaben zulassen könnten, obwohl bereits fest- gestellt worden ist, daß diese unkontrollierbare Methode weitere Rüstungen ermöglicht. Die russische Abord- nung brachte den Antrag ein, am Tage der Unterzeichnung des Abrüstungsabkommens die Heereshanshalte aller Staaten um einen gleichen Hundertsatz zu kürzen. Litwinow betonte, man suche jetzt zu einer Veröffentlichung der Heeresausgaben Zuflucht zu nehmen, um einer entscheidenden Herabsetzung des Kriegsniaterials aus dem Wege zu gehen. Sowjetrußland fordere die direkte Beschränkung des gesamten Kriegsmaterials.
Der Vertreter Frankreichs lehnte die Bedeutung der modernen Kriegstechnik als entscheidenden Faktor des Krieges ab. Den Ausschlag würde jedoch in künftigen Kriegen nach wie vor die große Masse geben. Er lehnte ausdrücklich die Methode der direkten Beschränkung des Kriegsmaterials ab. Bei den gegenwärtigen politischen Bedingungen sei aber eine internationale Kontrolle über die Herabsctznng des Kriegsmaterials undenkbar, da sich kaum ein Staat einer derartigen Kontrolle unterwerfen würde.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Das Reichskabinett hat einen besonderen Ausschuß eingesetzt, der die Senkung der Preise welterbetreiben und ihre Durchführung überwachen soll.
* Im Reichsrat wurde keine Vorverlegung der Gehaltskürzung für Beamte beschlossen.
* Die deutsche Vertretung bei der Vorbereitenden Abrüstungskommission in Genf beantragte, eine genaue Uebersicht über den Rüstungsstand aller Mächte einzufordern, um endlich zu einem Abkommen über die Abrüstung gelangen zu können.
* Die englisch-indisch« Konferenz in London ist durch den Kâm feierlich eröffnet Worden, Auf ihr soll ein Versuch gemacht werde«, die indischen Streitigkeiten oeizulegen.