Zuldaer Anzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal-Zul-aer Kreisblatt
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Nr. 265 — 193V
Fulda, Mittwoch, 12. November
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7. Jahrgang
Die Genfer Abrüstungskomödie
Keine Verkürzung her Dienstzeit in Genf.
Widerspruch des deutschen Vertreters.
Die Genfer Abrüstungsverhandlungcn brachten eine »luscinandersetzung zwischen den Militärstaaten darüber, ob cs in einem künftigen Rüstungsabkommen jedem rinzelnen Staat selbst überlassen bleiben soll, die Gesamt- dienstdauer in Heer, Marine und Luftarmee sestzulegen oder ob durch das Abkommen für die Länder mit alb gemeiner Wehrpflicht eine Höchstgrenze vorgeschricben werden soll. .
Polen, Rutttänen und Engländer waren für, Franzosen, Belgier und Jugoslawen gegen die Festlegung einer allgemeinen Höchstdienstdauer. Frankreich lehnte eine allgemeine Begrenzung ab, weil es bei seinen Kolonial- 11 tippen die Dienstzeit auf drei und vier Jahre erhöht und außerdenl im Mutterlaude beabsichtigt, vom Jahre 1933 an seine Dienstzeit wieder aus 18 Monate oder zwei Jahre herailfzusetzen, um zwei oder drei Jahrgänge unter den Waffen halten zu können.
Der Ausschuß entschloß sich gegen die Stimme des deutschen Grafen Bernstorfs dahin, jedem Staate selbst die Festsetzung seiner Dienstzeit 31t überlassen, jedoch mit der Einschränkung, daß diese Dienstzeit nicht eine gewisse Höchstgrenze überschreiten dürfe, die auf der Abrüstungskonferenz festgesetzt werden soll.
Waffenftittftandsseier.
Der Vorsitzende des Vorbereitenden Abrüstungsausschusses uuterbrad) am Dienstag um 11 Uhr die Verhandlungen und erklärte:
„Es ist heute der 11. November und 11 Uhr. Zu Ehren und zunt Gedächtnis aller Zoten des Weltkrieges bitte ich Sic, sich zu erheben und eine Minute andächtigen Schweigens den Toten zu widmen."
Die Teilnehmer kamen dieser Aufforderung nach. Die
, wo am 11. November
deuten könne. Er zweifle aber daran, ob die direkte Erfassung des Kriegsmaterials wirklich durchführbar sei. Ihm erscheine am zweckmäßigsten eine Herab setzung der Rüstungen durch eine Beschränkung der Heeres- Haushalte.
Sodann gab der amerikanische Botschafter Gibson die Erklärung ab, die amerikanische Regierung trete nach wie vor für die gerechte Herabsetzung des Kriegsmaterials ein. Graf Bernstorff gab sodann seinerseits eine Erklärung ab, in der er zunächst feststellte, daß in der ' Vereinbarung zwischen den fünf Seemächten
der neue deutsche Kreuzer „Ersatz Preußen" unter der Kategorie der Kreuzer aufgezählt würde, während es sich tatsächlich um ein Linienschiff handele
Die Deutschland durch den Versailler Vertrag mit Gewalt auferlegte Entwaffnung sei auf der direkten Methode aufgebaut, ebenso sei Deutschland eine Beseitigung der..allgemeinen Dienstpflicht auferlegt wor-
den. Ein gleiches System der allgemeinen Abrüstung könnte und müßte daher auch sämtlichen übrigen Mächten auferlegt werden.
Zum Schluß wies der Präsident des Ausschusses Loudon darauf hin, daß der englische Antrag eine weitgehende Überraschung gewesen sei und eine neue Lage geschaffen habe, weshalb er die Aussprache vertage.
Frankreichs verschleierte Rüstungsausgaben.
Ein Militärhaushalt von über 19 Milliarden.
Im „Populaire", dem Organ der französischen Sozialisten, wird der Beweis geführt, daß sich der französische Militär- haushalt nicht, wie amtlich angegeben wird, auf 12 232 Millionen Frank, sondern auf 19 019 Millionen Frank beläuft.
Das Blatt erhebt gegen die Regierung den Vorwurf, daß durch Verschleierung der Rüstungsausgaben sowohl für das Kriegsministerium wie für das Marine-, Luftfahrt- und Kolonialministerium noch ganz erhebliche Beträge in Betracht kämen, die verdeckt unter anderen Haushaltsposten oder in Form von Sonderkrediten geführt würden.
Schwierige Preissenkung
nnnentna
_______ die Beendigung des Weltkrieges und zum Gedächtnis der Toten kurze Gedächtnisfeiern in Form einet Verkehrspause und einer Schweigeminute stattfindeu. Die deutschen, türkischen und bulgarischen Vertreter in der Kommission haben bereits am Vortage den Vorsitzender« Loudon darauf aufmerksam gemacht, daß sie an einem solchen Gedächtnisakt nur tcilnchmen würben, wenn er ausschließlich bett Charakter einer Erinnerung an die Toten des Weltkrieges habe und wenn aus diesem Anlaß feine Reden gehalten würden. Dieser Forderung hat der Präsident entsprochen und in seiner kurzen Erklärung das Wort „Waffenstillstand" weggelassen.
*
Hoover über den Wettfrieden.
Anläßlich des Wassenstillstondstages hielt der Präsident der Vereinigten Staaten, Hoover, vor einer Versammlung des Weltbundes für internationale Freundschaft in Washington eine Rede, der angesichts der Gerlier Abrüstungsberatungen ■ besondere Bedeutung zukommt
. Wenn man der Opfer des Weltkrieges gedenke, so führte Hoover aus, dann müßten die Lebenden immer wieder nach neuen roeitergreifenben Möglichkeiten zur Sicherung des Friedens suchen Wenn auch der Ausblick zurzeit vielleicht , ermutigender sei als vor fünfzig Jahren, so dürfe doch nicht ' übersehen werden, daß die Völker in Wirklichkeit ständig im
Verbilligung mit Bremse.
Neue Verhandlungen über Kartoffeln, Obst und Gemüse.
Die Preissenkung für B r 01, F l e i s ch und Milch, die eine amtliche Mitteilung des Reichsernährungsministeriums ankündigte, scheint sich doch nicht so ganz reibungslos durchsetzen zu lassen. Es stellt sich jetzt heraus, daß lediglich die Berliner Bäcker i n n u n g e u sich bereit erklärt haben,
den Preis für ein Normalbrot
von 1250 Gramm von 50 auf 46 Pfennig zu ermäßigen. Dxe MMMüug è^ BâoM u i i U a n fe h Groß- Berlins teilt dagegen mit, es entspreche nicht den Tatsachen, daß die B r 0 t fa b r i ka n te n sich dem Reichsernährungsminister gegenüber zu einer Senkung des Brotpreises von 50 auf 46 Pfennig bereit erklärt hätten. Die Zusage der Brotfabrikanten gehe lediglich dahin, den Brotpreis von 5 0 auf 4 8 Pfennig herabzusetzen, und zwar
auf die Dauer von zwei Monaten.
Träte innerhalb dieser Zeit die vom Reichsernährungs- minifterium in Aussicht gestellte Produktionsverbilligung nicht ein, so behielten die Brotfabrikanten sich vor, ihre Preise entsprechend zu ändern.
Indessen gehen die Verhandlungen der Regierung mit der Händlerschaft weiter und cs finden Besprechungen statt über die Preisgestaltung auf dem Kartoffelmarkt. Ebenso sind die O b st - u n d G e m ü s e h ä n dl e r in das Reichscruirbrunasminisicrium neladen worben. um die
DIE SENKUNG DER LEBENiMiTTEbPREiSE
Preis für Schweinefleisch vis zum yrutnapr ganz eryeo- lich sinken würde. Die Regierung beabsichtigt, wöchentlich die Spanne zwischen Groß- und
Kleinhandelspreis für Schweinefleisch bekanntzugeben, damit jeder Verbraucher die Preise des Schlächters genau kontrollieren könne.
auch der Ausblick zurzeit vielleicht fünfzig Jahren, so dürfe doch nichr ------- --------, —u _.e Völker in Wirklichkeit ständig im Streit miteinander lebten. Hoover pries den Kellogg-Pakt als ein machtvolles Friedensinstrumem. Dieser Pakt werde eines Tages in einer Weise erweitert werden, daß zum mindesten die Mobilisierung der Weltmeinung gegen vcrtrags- bruchige Völker gewährleistet fei. Im weiteren Verlaus seiner .ncdc verteidigte der Präsident alsdann seine vorjährige Anregung. die
BISHERIGER DREß:
NEUER PREIS:
125OGR.BROT ® ® ® = 50a; ®®
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1L MILCH
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Lebcnsmittcitransporte
in Kriegszeiten sicherzustellen. Als eine Nation deren Un- avhanglgkeit, Freiheit und Sicherheit aus Krieg geboren sei, ^"k^Amerika nicht behaupten, daß niemals ein gerechter rund jür Kriege gegeben sei oder sein werde. Seit der Er- Weltkrieges könne niemand die Gefahren leugnen, 0e an Amerikas Gestade getragen werden könnten. ' 'N Amerika am Frieden in aller Welt interessiert. Die Regierung Iverde, ohne vorher den Charakter Maßnahmen verbindlich sestzulegen, vermittelnd ihre anbieten, falls die Völker ihrer Verpflichtung, aus- .1 vrochei« Streitigkeiten friedlich zu regeln, nicht nachkommen «Xr1 Amerika werde ohne Gewalt von der Möglichkeit machen, durch freundschaftliche Vermitltung für die
1 Schaltung des Weltfriedens zu arbeiten.
Das KriegsmaSerm!
soll vermindert werden.
Die Abrüstungsaussprache in Genf.
„ Die Reuaufrollung der Kriegsmaterialfrage im genfer Abrüstungsausschuß führte zu außerordentlich be= oeutungsvollen Erklärungen der Vertreter Italiens, Englands, Amerikas und Deutschlands. Die italienische Re- Berung stellte zunächst durch den General de Marinis die Forderung auf direkte weitgehende Herabsetzung des gesamten Kriegsmaterials. Ferner tritt sic für den Eintrag der englischen Regierung ein, einen ständigen Kontrollausschuß beim Völkerbund zur Überwachung der Durchführung des künftigen ÄbrüstuNgsabkommeus 311 schaffen.
In einer großen Rede erklärte sodann Lord Cecil, die Herabsetzung der Rüstungen einen entscheidenden «chritt auf dem Wetze der allgemeinen Abrüstung be
frage des Preisabbaus für Obst und Gemüse zu besprechen. e .
Wo liegen dre Schwiengkeiten?
3u den Besprechungen mit den Vertretern des Nah rungsmittclgewerbcs im Reichsernährungsministerlum ivird von zuständiger Stelle folgendes mitgeteilt: Die Besprechungen hätten sich sehr schwierig gestaltet. Lie Regierung habe keine gesetzliche Handhabe gehabt, einen Druck auf die Gewerbe auszuüben, da
keine Zwangswirtschaft
mehr bestehe und es in Deutschland keine Wuchergesetz- gebung gebe. Die Regierung sei also auf gütliche Verhandlungen angewiesen gewesen. Besonders schwierig seien die Besprechungen mit dem B ä ck e r - und dem Fleischergewerbe gewesen. Es habe sich der den Verhandlungen um Vertreter der Gewerbe für ganz Deutschland gehandelt. Die Gesaintverbände hätten nach langwierigen Verhandlungen zugesagt, ihren Einfluß bei ihren Innungen dahin geltend zu machen, die im Renys- ernährungsministerium gefaßten Beschlüsse über dre Preissenkung anzunehmen. In Berlin müsse von heute ab das Pfund Schweinefleisch um 5 Pfennig billiger werden. Was die Senkung des Brotpreises angehe, so sei zu bedenken, daß in großen Teilen Deutschlands das Brot n a cb Gewicht verkauft werde, während in Berlin und etwa zwanzig anderen Städten der Preis feststehe und es den Bäckern aber überlassen sei, das Gewicht zu ändern. Nun mehr sei erreicht worden, daß in Berlin und in den zwanzig anderen Städten das
Brot nach Gewicht
verkauft werde. Besondere Schwierigkeiten habe bei den Verhandlungen der Umstand gemacht, daß sowohl die M e h l p r e i s e wie die S ch w e i n e p r e i s e in letzter Zeit augezogen hätten. Trotzdem sei zu hoffen, daß der
Das Experiment des Preisabbaues.
Rückwirkung auf die Neparationsfrage.
Mit großem Interesse hat die englische Öffentlichkeit von dem Schiedsspruch für die Berliner Metallindustrie Kenntnis genommen,, der eine Herabsetzung der Löhne vorsieht und gleichzeitig eine Verminderung der Kleinhandelspreise für notwendig erachtet, um den Lebensstandard des deutschen Arbeiters nicht herab- zudrücken. Bekanntlich sind in England ähnliche Bestrebungen im Gange. Die Entscheidung ist nach Ansicht der „Financial Times" ein wirtschaftliches Experiment von größter Bedeutung. Welche Rückwirkungen sie auf die Welt und auf Deutschland haben werde, lasse sich zurzeit noch nicht voraussehen. Möglicherweise könnte sie dazu dienen, die Überproduktion in der Welt noch weiterhin zu verstärken, da sich die Her- ibsetzung der Kleinhandelspreise und dementsprechend die Erhöhung der Kaufkraft der Konsumenten nur langsam entwickeln werde. Immerhin zeige auch diese Frage, daß die Zeit immer näher rücke, in der eine Änderung der Reparationen und wenn möglich auch der Zolltarife in den verschiedenen Ländern unausbleiblich werde.
Brotpreisermäßigung für Erwerbslose.
In einer Versammlung der Dresdener Bäckerinnung
wurde beschlossen, ab 17. November das Zweikilog brot an Erwerbslose für den verbilligten Preis
30 Pfennig abzugeben.
ramm»
3 von
Die besteuerte Krankenhilfe.
Stundung und Niederschlagung.
Die Notverordnung sieh' bekanntlich für die Mitglieder der Krankenkassen die Entrichtung einer Krankenschein- gebühr von 50 Pfennig und einen R e z ep ' k 0 st e n - beitrag in gleicher Höhe vor. In besonderen Fällen kann die Kasse die Gebühr auf 25 Pfennig ermäßigen Die Inanspruchnahme der Kassen und Ärzte hat sich infolge dieser Be- stimmungen stark vermindert. Viele Ärzte beziffern ihren Ausfall auf 30—50 Prozent. Von den Ärztevereinigungc» ist auf die Gefahr der Benachteiligung der Krankenbehandlung und der Vernachlässigung der Gesundheitspflege hingewiesen worden. In der Tat wäre die etwaige Verschleppung notwendiger Behandlung bedenklich, falls der Erkrankte, vielleicht erwcrbs- und mittellos, nicht imstande wäre, die verlangten Gebühren zu zahlen. Deshalb wird aus ein
Rundschreiben des Reichsarbeitsministeriums hingcwicscn, wonach die Kasse die Gebühr „im Fall" erster augenblicklicher Not" stunden und „bei Uneinbringlichkeit" ganz niederschlagen kann. Ein solches Verfahren — heißt es — milder« Härten, die sich im Einzelfallc ergeben können, ohne daß dadurch der Zweck des Gesetzes gefährdet wirb. Die Gebühr für das Rezept, die bei bir Abnahme von Arznei, Heil- und Stärkungsmitteln fällig wird, kann von« Apotheker aber der sonst zuständigen Abgabestelle erlassen werden, wenn der Patient auf dem Rezept unterschriftlich bescheinigt, daß er nicht zahlungsfähig ist.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* 3m Reichsernährungsministerium werden die Verhandlungen mit dem Lebensmittelhandel wegen Senkung der Lebensmittelpreife fortgesetzt.
* In dem Spionageprozeß gegen den Obermusikmeister Adam aus Minden und feine Ehefrau, fällte das Reichsgericht hohe Zuchthausstrafen.
* Bei der Vorbereitenden Abrüstungskonferenz in Genf fand am Waffenstillstandstage eine kurze Gedenkfeier für alle Gefallenen des Weltkriege» statt.