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Tageblatt für Rhön unö Vogelsberg

Zulöa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt

Reöaktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernsprech-slnschluß Ur. 989

NachSruck der mit * versehenen Brösel nur mit «vueUenangab« .-ul-aer Bnpitftr'urflkittM.

N^M-- 1930

Fulda, Dienstag, 11. November

Anzeigenpreis: Kür Behörden, Genossen schäf­ten,Dmrkeu usw. beträgt die Kleinzeil, OJO Mk., für auswärtig« Auftraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezelle 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezell« 0.60 Mark Bef Rechnungsstel­lung hat Zahlung innerhalb 8 klagen zu erfoU etn klag- und Platzvorschriften unverbindlich.

7. Jahrgang

Die Preissenkung beginnt!

Das bisherige Ergebnis der Verhandlungen im Ernährungs- Ministerium mit den Vertretern der Lebensmittel-Gewerbe: Brot wird 8 Prozent und Schweinefleisch 4,5 Proz. billiger.

Erregung über den Schiedsspruch.

Die radikalen (kommunistischen) Arveitervereinignn- gen hielten bereits eine gehet in e Beratung über die gegenüber dem Schiedsspruch einzuschlagenden Schritte ab. Jedenfalls fordern sie zu einem neuen Streik auf. Der Deutsche M e t a l l a r b e i t e r v e r band hat für Dienstag eine außerordentliche Sitzung einberufen, um Stellung zu nehmen. Am Mittwoch wird eine er- luciterte Beiratstagung des Gesamtverbandes stattfinden, in der etwa hundert führende Verbandsmitglieder die nötigen Beschlüsse fassen werden. Die Erregung über den Schiedsspruch, berichtet die V 0 s s i s ch e Zeitung, kam am Montag deutlich zum Ausdruck. Die Forderungen der Arbeiterschaft konzentrierten sich jetzt auf eine Senkung der Lebensmittelprei.se. Der Deutsche Metattarbeiterver- vand werde sich an den Allgemeinen Deutschen Gewerk­schaftsbund, die Dachorganisation der Freien Gewerkschaf­ten, wenden, um diesen zu einer Aktion bei der Reichs- regierung zu veranlassen, lind die Deutsche Allge- meine Zeitung meldet, es schweben gegenwärtig Pläne, durch Verkauf in den Betrieben dem Arbeiter die Möglichkeit zu geben, Gegenstände des täglichen Bedarfes oder Lebensmittel tu billigsten Preisen kaufen tu könnet

Anpassung der Preise an den Lohnabbau.

Der Schiedsspruch in der Berliner Metall­industrie, der einen gestaffelten Lohnabbau vorsieht, hat grundsätzliche Bedeutung und dürfte ähnliche Ent­scheidungen bei Lohnkonflikten nach sich ziehen. Die Forde­rungen der Arbeiterschaft gehen jetzt natürlich vor allem auf eine entsprechende

Senkung der Lebensmittels r um dem geminderten Lohn wenigstens die Kaufkraft des alten höheren Lohnes zu geben. Man wird ins­besondere durch die Spitzenorganisationen bei der Reichs regierung Forderungen auf Reduktion der Handelsspanne der Lebensmittelpreise stellen.

Die Verhandlungen, die das Rèichsernährungs Ministerium seit einigen Tagen mit den Vertretern des Einzelhandels über die Herabsetzung der wichtigsten Lebensmittelpreise führt, sollen dein Vernehmen nach in einigen wesentlichen Teilen bereits von Erfolg gewesen sein.

Eine Preissenkung für Brot und Fleisch soll unmittel­bar bcvorsteheu.

Nachrichten aus Kleinhandelskreisen zufolge soll die Preis­senkung sogar beträchtlicher a u s f a l l e n, als man bisher günstigstenfalls erwartet hat. Auch die Verhand­lungen über die

Senkung der Milchpreise sollen günstig stehen. Jedenfalls setzt die Reichsregierung ihre Bemühungen weiter fort und hofft, ohne Z w a n q s- maßregeln auf Grund freiwilliger Vereinbarungen weitere Preissenkungen und damit die Grundlage zu einer allgemeinen Belebung der Wirtschaft zu erreichen.

Die ersten Preissenkungen.

Die Verhandlungen im Reichsernährungsministerium ben Vertretern der Lebensmittelgewerbe, in erster Linie des Backer- und Fleischerhandwerks, haben bisher folgen­des Ergebnis gehabt: ' J

Es wurden bindende Zusagen gegeben, daß der k"? "« Normalbrot von 1250 Gramm von ÄS S Pfemnrge gesenkt werden soll. Die Senkung wurde also 8 Prozent betragen.

Ferner wird der Preis für Schweinefleisch Dualität um 5 Pfennige gesenkt werden. Unter ^ubelegung eines Durchschnittspreises von 1,30 Mark das eine Senkung von etwa 4^ Prozent bedeuten.

Forderungen des Reichslanddundes.

Sofortige Maßnahmen verlangt.

Präsidenten des Reichslandbundes werden in ^"gabe an die Reichsregierung umfassende Forde m 3en zur Rettung der Landwirtschaft, die in der letzteil überreifeeinstimmig beschlossen wurden,

As wird darin betont, daß die Verzweiflung und da -" die Radikalisierung aus dem Lande immer schärfere Formen annimmt. Nur durch Abstellung der Ursachen der 'igrarnot mittels grundlegender Maßnahmen, die soso.« ^Durchführung gelangen, könne die Ruhe aus Dem wiedcrhcrgestellt werden. Dann werden die Forde umgen aufgeführt, an deren Spitze die Forderung einer weitgehenden Steuer- und kreditpolitischen Entlastung der Landwirtschaft im Zusammenhang mit der zu erweitern» ^on Umschuldungsaktion steht. Gleichzeitig wird die zwingende Notwendigkeit einer Beseitigung der T r i b u l gasten betont. Weiterhin wird die umgehende Erhöhung vor Zollsätze für Vieh und Fleisch, für Milch, Butter sonstige Molkereierzeugnisse verlangt. Sofortige Schutzmaßnahmen werden auch für die heimische Holz- ^eugung für dringend erachtet. Schädigungen durch die ^arifpolitik der Reichsbahn müssen durch Änderung der Parise schleunigst behoben werden.

Die deutsche Ernte 1930.

Endgültige Schätzung des Landwirtschaftsrates.

Die Pretsberichtstelle beim Deutschen Landwirt­schaft s ra t hat gemeinsam mit den Landwirtschafts- t a in m ern am 15. Oktober 1930 bei ihren Berichterstattern eine endgültige Ernteerhebung unter Zugrundelegung der Druschergebnifse durchgeführt. Im allgemeinen kann festgestellt werden, daß die Erhebung der Pretsberichtstelle die Erntevor­schätzung des Statistischen Reichsamtes vom Anfang Septem­ber d. I. bestätigt.

Beim Winterweizen wurden im Reichsdurchschnitt je Hektar 21 Doppelzentner ge erntet. Nach der Preisberichtstellenschätzung dürfte sich dem­nach unter Zugrundelegung der Anbauflächen dieses Jahres die Winterweizenernte auf etwa 3.39 Millionen Tonnen be.

Die österreichischen Wahlen

Oesterreichs Parlament kaum geändert.

Versagen der bürgerlichen Mitte.

Man hatte stärkere Verschiebungen der Parteien nach dem erbitterten Wahlkampf, der dem Entscheèdnngstag vorausgegaugen war, erwartet. Unter dem früheren Bundeskanzler Dr. Schober war zwar eine neue Gruppe Oti litiüfi bclt)et, lößl^^c die gemäMgwn bürgernden Elemente unser dem RamenNationaler Wrrtschaftsdloo und Landbund" zusammensnffen sollte. Es gelang ihm aber nicht, mehr als 19 Mandate zu erringen. Zu seiner Fahne stießen die im früheren Parlament mit zwölf Ab­geordneten tätigen Großdeutschcu und die neuen Vertreter des Landbttttdes, die ehemals im allgemeinen mit den Christlichsozialen gingen. Die Christlichsozèalcn sanken von 73 aus 66 Mandate, einschließlich Heim- und Heimat­wehr, ferner erhielt der Heimatblock acht Mandate. Die Sozialdemokraten errangen 72 Mandate gegen 71 vorher. Die Nationalsozialisten und die Kommunisten sowie andere Splitterparteien fallen gemäß dem besonderen österreichischen Wahlrecht ganz aus.

Ein Vergleich der Gesamtzisfern der österreichischen Wahlen mit denen der letzten Wahlen ergibt: Insgesamt wurden sozialistische Stimmen abgegeben 1 623 070 gegen­über rund 1 550 000 im Jahre 1927, bürgerliche Stimmen 1 645 881 aeaen rund 1 980 000 im Jabre 1927. Das er-

SOZIALDEMOKRATEN

CM

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u. HEIMWEHR

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^ SCHOBERBLOCK LflNDBUND

°° HEiMflTBLOCK

Das Ergebnis der Wahlen zum Österreichischen Nationalrat, verglichen mit den bisherigen Fraktionsstärken. tSchwarz gleich bisherige, weiß gleich neue Fraktionsstäxken, Ziffern gleich Mandatszahlen.)

gibt für die Sozialisten eine Zunahme von etwa 73 00U, für die Bürgerlichen eine Abnahme von etwa 335 O(N Stimmen. Die starke Abnahme der bürgerlichen Stimmen wird mit der geringeren Wahlbeteiligung und der größeren Anzahl ungültiger Stimmen erkläri. Wahl­berechtigt war jeder, der in der mit dem Stichtag von: 30. Juni 1930 abgeschlossenen Bürgerliste verzeichnet war. Nach diesem Zeitpunkt wurden lediglich die seither ver­storbenen Personen und solche, die mittlerweile ihr Wahl­recht verloren haben, gestrichen.

Von den Parteien, die keine Mandate erhielten, ent­fielen auf die Nationalsozialisten in ganz Österreich 99 356, auf die Kommunisten 20 691, aus die Österreichische Volkspartei 14 987, auf die Demokratische Mittelparte! 6719, auf die Jüdische Partei 2134, auf die Kaisertreue Volkspartei 157 und auf die Nationaldemokraten 54 Stimmen.

laufen. Ter G e s a m t z u s ch u ß b'e d a r s an Weizen wird unter Berücksichtigung des Sommerweizenbetrages von etwa 330 000 Tonnen im ganzen Wirtschaftsjahr demnach nur etwa 700 000800 000 Tonnen betragen.

Der Wintcrroggenhektarcrtrag

wird von der Preisberichtstelle mit 16,2 Doppelzentnern mittelt. Das bedeutet, daß die diesjährige Roggenernte um etwa 500 000 Tonnen geringer ist als die des Vorjahres und um etwa 900 000 Tonnen kleiner als die Ernte des Jahres 1928.

Die Wintergerstenernte

ist mit einem Hektarenrag von 24 Doppelzentnern nach der Schätzung der Preisberichtstelle günstig ausgefallen. Auch die Sommergerstenernte ergab bet der Erhebung am 15. Oktober 1930 mit 18,2 Doppelzentnern ein günstigeres Ergebnis, als das Reichsami Anfang September mit 17,0 Doppelzentnern feststellen konnte. Tie Sommergerstenernte dürfte in dteseni Jahre um 400 000600 000 Tonnen geringer sein als in den Vorjahren.

Die Haferernte brachte einen Hektarenrag von 16,6 Doppelzentnern gegenüber einem Vorjahrsertrag von 20,7 Doppelzentnern. Der Hafer- mindercrtrag dürfte sich in diesem Jahre demnach auf etwa 1,7 Millionen Tonnen belaufen.

Die Kartoffelernte wurde von der Preisberichtstelle am 15. Oktober 1930 bei einem Hektarertrag von 167,3 Doppelzentnern je Hektar «gegenüber 124,6 Doppelzentnern je Hektar zur gleichen Zeit des Vor­jahres) auf ungefähr 46,78 Millionen Tonnen geschätzt.

Oer neue Nationalrat.

Nach der Verfassung muß der neugewählte National­rat innerhalb dreißig Tagen nach dem Wahltag zu­sammentreten. Ein bestimmter Tag kann jetzt noch nicht genannt werden. Nach dem Zusammentreten des neuen Nationalrates muß auch die Frage des neuen B u n d e s- präsidenten entschieden werden, der nach der Ver­fassung zehn Wochen nach dem Zusammentritt des Nalio- nalrates vom Volke gewählt wird. Die Wahl des neuen Bundespräsidenten wird voraussichtlich Ende Februar oder Anfang März 1931 erfolgen.

Durchweg wird die Ansicht geäußert, der neue Natio­nalrat werde ebensowenig bei den bestehenden Verhält­nissen regieren können wie der alte, so daß die Auflösung gar keinen Zweck gehabt hätte. Der zweifellosen bürger­lichen Mehrheit, die aber in sich gespalten ist, stehen 72 Sozialdemokraten gegenüber. Als Ausweg komme eine Koalitionsregierung in Betracht, die aber schwer'zu erreichen ist.

Das endgültige Ergebnis.

Nach der jetzt vorliegenden genauen Uebersicht über die bei den Nationalratswahlen am Sonntag abgegebenen Stimmen erhielten von den Parteien, welche Mandate er­rungen haben: Die Christlichsozialen 1306 121, der Scho­berblock 422141, der Heimatblock 228 229, die Sozialdemo­kraten 1 509 755. Die Gesamtzahl der bürgerlichen Stim­men betrug 2 128 737, der marxistischen Stimmen 1 529 434 gegen 2 085 772 bezw. 1 555 754 im Jahre 1927.

Fürst Starhemberg gewählt.

Nach Mitteilung der Verbandswahlbehörde wird aus den Reststimmen des Heimatblocks im dritten Wahlkreis­verband der jetzige Innenminister Starhemberg (Nieder­österreich) ein Mandat, ein zweites Justizminister Hueber (Salzburg) erhalten. Das einzige Grundmandat des Heimatblocks erhielt der Arbeiter der Alpinen Montan- gesellschaft Langauer-Donawitz.

Rückgang des O-^hschwaffers.

Der Schaden noch nicht zu überleben.

Das Hochwasser am Unterlauf der Oder hat seinen Höhepunkt erreicht. In den Städten Garz, Greifen­hagen und Schwedt wurden die Bollwerke überflutet, ebenso die niedriggelegenen Stadtteile. Weite Strecken an den Oderwiesen und den Polderanlagen wurden ebenfalls überschwemmt. ,

Am Sonntag ging das Hochwasser zurück, in erster Linie infolge der günstigen Windverhältnisse, die das Wasser schnell in der Richtung nach dem Stettiner Haff abtrieben. In der Stadt Stettin besteht keine Hochwasser­gefahr. Der durch das Hochwasser am Unterlauf der Oder angerichtete landwirtschaftliche Schaden ist noch nicht zu übersehen.

Meine Zeitung für -ilige Leser.

* Die Besprechung der Reichsreaiernug mit den Ver­tretern des Einzelhandels über Senkung der Lebensmittel­preise haben Erfolg gehabt.

* Als neuer Reichswirtschaftsminister soll der volkspartei­liche Abgeordnete von Raumer in Aussicht genommen sein, der das Amt schon früher bekleidete.

* Die Wahlen zu den Gemeindeparlamenten in Oldenburg haben einen Ruck nach rechts gebracht.

* Das FlugbootDo. X ist von Amsterdam nach England gestartet und dort glücklich gelandet.

* Die Wahlen zum Oesterreichischen Nationalrat haben keine erheblichen Aenderungen gebracht, so daß sowohl die Zukunft des neugewählten Parlaments wie bet zu bildenden Regierung ungewiß ist.