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Vom Tanz.

Die Schlacht ist wiedereinmal geschlagen, der Feind, die Ar­beit, liegt für den Landmann besiegt am Boden. Wenn auch während des Winters der Bauersmann die Hände nicht gerade in den Schoß legt, so kann man die anbrechende Zeit doch als eine Zeit der Entspannung bezeichnen. Er hat jetzt eher einmal einige Stunden am Tage oder Abend Muße, auch einmal an andere Bedürfnisse zu denken und wir wollen ihm diese ruhige­ren Tage von Herzen gönnen; denn jeder, der zur rechten Zeit seine Schuldigkeit getan, hat solche verdient. Besonders die Dorfjugend pflegt nun wieder mehr die Geselligkeit, ja, das Leben hat auch einige recht schöne Seiten. Gleichsam den Auf­takt für die ländlichen Wintervergnügungen bildet die Kirmes. Das Tanzen ist ja. wie das Turnen, Schwimmen, Laufen usw. eine die Gesundheit, den Stoffwechsel, Blutumlauf und die Hauttätigkeit fördernder Sport. Mit dem unvernünftigen, schrankenlosen Tanzen im niedrigen, staubigen- Tanzsaal, in Schweiß, Zugluft und übermäßigem Genuß von Alkohol hören natürlich diese Vorzüge auf und große gesundheitliche Nachteile treten in den Vordergrund. Darum, liebe Jugend, tanze weise und mit Maß, in abwechslungsreichen, kurzen Touren. Wer Schwindel fühlt, setze ja sofort aus! Meidet die Zugluft, das offene Fenster, den Aufenthalt im kühlem Raum, das Stehen in einer offenen Türe. Trinket nicht in erhitztem Zustand, laßt erst den raschen Atem zur Ruhe kommen. Setzt euch mit erhitztem Körper nicht gleich nieder, sondern geht im Saale ein Weilchen auf und ab! '.Hüllt euch vor dem Nachhausegehen vor­sichtig ein, geht nicht mit naßgeschwitzter Leibwäsche nach einem Tanze sofort weg. Lungen- und Herzleidende sollen das Tanzen fürsorglich ganz unterlassen. M.

Haftprüfungstermin im Verfahren gegen Ritz jun.

Im Zusammenhang mit der Neuhöfer Darlehnskassenvereins- Affäre ist vor einigen Monaten R i tz jun. in Untersuchungshaft genommen worden. Am 10. November findet vor der zuständigen Kammer des Landgerichts Hanau ein Haftprüfungstermin statt.

Die Gießkanne als Lebensretter.

Wie ist das möglich, so wird man sich zweifelnd fragen und doch hat der sel. Pfarrer Kneipp nicht nur einmal, sondern mehr als tausendmal dieses Kunststück bewiesen. Dtzch war ihm ein dornenvoller Schicksalsweg beschieden, bis er die endliche Anerkennung erleben durfte. Hierüber werden wir in dem heu­tigen Lichtbilder-Vortrag, den der Naturheilverein abends 8 Uhr im Harmonie-Saal veranstaltet, Näheres erfahren. Auch das Lebensschicksal des weltberühmten Entdeckers des Prießnitz- Umschlags wird eine eingehende Würdigung erfahren. Der Refe­rent des Abends, Wilh. Kochendörfer aus Baden-Baden bietet die Gewähr für einen hochinteressanten und belehrenden Abend. Daher sollte sich niemand diesen einmaligen und fesseln­den Vortragsabend entgehen lassen. Nicht nur unsere Mitglieder, sondern auch Gäste, sind willkommen.

Die Schneegans zieht....

Am Samstag mittag überflogen mehrere Züge Schneegänse unsere Stadt. Diese Vorboten des Winters mahnen uns daran, daß mir' bald mit Schnee und Eis rechnen müssen.

Unfall eines Pferdegespanns.

Heute vormittag gegen 10 Uhr scheute das Pferd eines hie­sigen Flaschenbierhändlers, das vor der Tür eines Eeschäfts- Hauses am Wirtsheim stand. Das Pferd raste die abschüssige Brauhausstraße hinunter über die Straßenkreuzung an der Windmühle und stürzte gegen die Haustür der Firma Zwenger in der Mittelstraße. Dabei zog sich das Tier einen Bruch des Hinterbeines zu, so daß es zwecks Abschlachtung abtransportiert werden mußte. Der Wagen des Gespannes wurde schwer beschä­digt. Glücklicherweise würden Personen bei dem Unfall, der sich an verkehrsreicher Stelle abspielte, nicht verletzt. Eine grüße Menschenmenge hatte sich schnell an der Unglücksstelle ein- gefunden.

Autobrand in der Rhabanusstraße. _

Am vergangenen Samstag gegen 18 Uhr wurde die Feuer­wehr nach der Rhabanusstraße gerufen. Dort war ein in einer Scheune stehender Kraftwagen in Brand geraten. Das Feuer konnte jedoch schon im Entstehen gelöscht werden, so daß die Wehr nicht mehr einzugreisen brauchte.

* Hopsmannsfeld/Dirlammen. (31. Oktober kirch­licher Feiertag.) Einer Anregung des Landeskirchen­amtes folgend, beschloßen die Kirchenvorstände von Hopfmanns­feld und Dirlammen, den 31. Oktober als kirchlichen Feiertag einführen. Vorläufig will man ihn als halben Feiertag halten, bis er sich feiner Bedeutung entsprechend als ganzer Feiertag durchsetzt. Die Gottesdienste waren auf 12 Uhr in Hopfmanns­feld und um %2 Uhr in Dirlameneu festgesetzt. Sie waren als eine Vorfeier für das Reformationsfest gedacht und waren auch in beiden Gemeinden verhältnismäßig gut besucht. Im Vorder­grund der Feier stand nicht eine Predigt über irgend ein wich­tiges Eotteswort, sondern Worte des Geistlichen wechselten mit Gesängen der Gemeinde und Deklamationen der Schulkinder ab. Die kurze Ansprache wollte der Gemeinde vor allem die große Bedeutung der Reformation zum Bewußtsein bringen.

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Nidda, 2. Nov. (V c t r ie bsei n schränkungen in den H i in m e l s b a ch s ch e n Sägewerken in O b e r h e s s e n.) Unter der Einwirkung der rückläufigen Baukonjunktur nach dem Anschluß der Bauperiode wurden in dem hiesigen Himmelsbach- jdjen Sägewerk, des ob er hessischen Teilbetriebs der großen Holz­firma, vorläufig 40 Arbeiter entlassen, jedoch sollen weitere Ent­lassungen in der nächsten Zeit noch folgen. Das hiesige Himmels- bach-Sägewerk ist das größte Unternehmen dieser Branche in Oberheßen und beschäftigte im verflossenen Sommer eine große Anzahl Arbeiter.

Gießen, 2. Nov. (Todesopfer einer Kohlenoxyd­gas-Vergiftung.) Am Donnerstag, früh wurden, wie von uns berichtet, in dem benachbarten Dorfe Alten-Buseck der 39 Jahre alte Landwirt Kaspar Rabenau und seine Frau durch Kohlenoxydgase vergiftet bewußtlos in ihren Betten aufgefun­den. Beide wurden sofort nach der Medizinischen Klinik in Gie­ßen verbracht, wo sich die Frau allmählich wieder erholte, wäh­rend der Mann gestern nachmittag an der schweren Vergiftung gestorben ist.

Frankfurt a. M., 3. Nov. (V e r s u cht e s S i t t l ich k e i t s - verbreche n.) Am Samstag nachmittag wurde ein 4-jähriges Mädchen von Paßanten am Frankfurter Stadtwald mit einer Halswunde aufgefunden. Wie die eingeleitete Untersuchung ergeben hat, wurde das Kind von einem Mann in der Stadt an­gesprochen, der ihm Bonbons und Geld versprach, wenn es ihm folge. Das Kind ging mit dem Manne, der mit ihm auf der Straßenbahn bis zum Sachsenhäuser Berg fuhr, von wo es zum Stadtwald ging. Dort versetzte der Unhold dem Mädchen einen Stich in die linke Halsseite, ist dann aber durch irgendeine Ur­sache gestört worden und fortgegangen. Das verletzte Kind wurde später von einem Spaziergänger aufgegriffen und in das Heilig­geisthospital überführt. Ein Zufall scheint hier ein schweres Verbrechen verhütet zu haben. Die Polizei fahndet eifrig nach dem Täter.

Hanau, 1. Nov. (Verworfene Revision.) Mit dem Zusammenbruch der Fränkisch-Hessischen landwirtschaftlichen Ein­und Verkaufsgenoßenschaft eEmbH. Gelnhausen hatten sich in langwierigen Verhandlungen in Hanau das Erweiterte Echöffen- gericht und dann als Berufungsinstanz auch die Große Straf­kammer beschäftigt. Der Zusammenbruch hatte sich insofern kata­strophal ausgewirkt, als die Summe der nichtbevorrechtigten Forderungen rund 123 000 Mark betrug und die haftpflichtigen Genoßen in der Mehlzahl nicht in der Lage waren, die für voll­streckbar erklärte Teilhaftsumme von 1500 Mark aufzubringen. Eng verknüpft mit dem Zusammenbruch der Fränkisch-Hessischen Genoßenschaft war auch der Konkurs der Landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank in Gelnhausen. Der in beiden gerichtlichen Instanzen wegen Betrugs, Konkursvergehens und Vergehens gegen das Genoßenschaftsgesetz zu einem Jahr zehn Monaten Gefängnis verurteilte Mitdirektor und Mitbegründer beider Genossenschaften, Kaufmann H. Rieth, hatte gegen das Urteil Revision eingelegt, die vom Reichsgericht verworfen wurde.

Weisbach (Rhön). (Mutter begräbt ihr lebendiges Kind.) Die von ihrem Manne seit Jahren getrennt lebende Klara Korb hatte vor etwa 14 Tagen Zwillinge geboren. Um die Geburt vor den anderen Ortseinwohnern zu verheimlichen, vergrub sie nachts die beiden Neugeborenen auf dem Friedhof in dem Grab eines Verwandten. Eines der beiden Kinder, so gab die Rabenmutter selbst an, soll noch am Leben gewesen sein. Eine Eerichtskommission von Bischofsheim hat bereits den Tatbestand festgestellt.

Die Religion in Amerika.

Unter den vier wichtigsten Religionsgemeinschaften der Vereinigten Staaten haben die Mitglieder der Christian Science" und die Mormonen ihren Mitglieder­bestand im Lauf der letzten zwanzig Jahre mehr als ver­doppeln können. Die Mormonen machen neun Zehntel aller religiösen Gemeinschaften des Staates Utah und die Hälfte derer von Idahos aus Sie zählten insgesamt 40 300 000 Mitglieder. Unbeeinflußt von den Zeitströmun­gen haben die Bekenntnisse mit der Zahl der Bevölkerung wachsen können; nur die großen Städte machen dabei eine Ausnahme. Bedeutenden Zuwachs haben die römi­schen Katholiken erhalten, die heute 13 Millionen er­wachsene Bekenner ihrer Lehre zählen; weit hinter ihnen kommt die Methodistenkirche mit ihren 3 700 000 Mit­gliedern. Die Juden und die Anhänger derChristian Science" leben fast ausschließlich in den Städten. Eine genaue Untersuchung der Religionsverhältnisse in den Vereinigten Staaten hat ergeben, daß die Mehrzahl der Geistlichen keine Universitätsbildung genossen hat, gleich­gültig, ob es sich nun um weiße oder um schwarze Priester handelt. Drei Achtel der weißen und drei Viertel der schwarzen Prediger besitzen nicht einmal Mittelschul­bildung.

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Vermischtes

Hundert Jahre zu spät gekommen. Viele Zeitungen veröffentlichen laufend Erinnerungen aus alter Zeit, darzutun, wie sich die Zeiten geändert haben. So findet man zum Beispiel jetzt hier und da Zeitungsnachrichten aus dem Jahre 1830, und der Leser von heute schmunzelt vergnügt, wenn er erfährt, wie das so vor hundert Jahren in deutschen Landen geivefen ist. Kürzlich nun brachte ein in Thüringen erscheinendes Blatt eine magistratliche Be­kanntmachung aus dem Jahre 1830, in der für dieLife- rung der Talglichte für die Wachtstube und die Nacht­wächter" Angebote gefordert wurden. In der betreffen­den Zeitung stand das klar und deutlich unter der Über­schriftVor hundert Jahren". In einem thüringischen Dorfe aber saß und las ein Leser, der die Überschrift wohl übersehen haben mochte und, nachdem er alles gründlich durchgenommen hatte, zu der Überzeugung gelangte, daß der Magistrat von S. die Lieferung von Talglichten aus­geschrieben habe. Worauf der Mann sich auf den Weg machte, um im Rathause zu S. sein Angebot abzugeben: er wollte die Talglichte zu annehmbaren Preisen liefern. Nicht wenig erstaunt und betrübt war er, als er den Be­scheid erhielt, daß er hundert Jahre zu spät gekommen sei; man sei inzwischen bei der elektrischen Beleuchtung an­gelangt, und selbst die Nachtwächter wachten jetzt elektrisch. Eine Wachtstube aber gebe es überhaupt nicht mehr. Kopf­schüttelnd ging der Mann mit seinen Talglichtmustern zu Fuß nach seinem Dorfe zurück.

Die Preissenkung fängt an. Endlich scheint die schon seit langem angekündigte Preissenkung Wirklichkeit werden zu sollen: die Sportflugzeuge werden billiger! Der Deutsche Luftfahrtverband empfiehlt seinen Vereinen und deren Mitgliedern, also auch Privatpersonen, das Klemm- Kleinsportflugzeug mit 20-Pferdestärken-Mercedes-Motor zu einem verbilligten Preise von 3450 Mark zum Ankauf. Der bisherige Verkaufspreis für diesen Flugzeugtyp be­trug etwa 7500 Mark. Durch die Verbilligung hofft der D L. V. allen denen, welche noch nicht Flugsport betreiben, den Entschluß zur Anschaffung einesEigenflugzeuges" zu erleichtern. Also selbstverständlich, das ist das Nächst­liegende oder vielmehr das Nächstfliegende, was wir zu kaufen haben, damit wir, wenn uns die andern Preise zu sehr drücken sollten, rasch davonfliegen können. 3450 Mark - Kleinigkeit und Spaß! Das zahlen wir mit einer Hand. Und vielleicht geht es sogarauf Stottern"!

Die Feuerwehr begleitet einen Ehemann in sein trautes Heim. In Berlin geschah dieses: Ein Glaser­meister war nicht mehr ganz fest auf den Beinen, als er unter dem Schutze der Nacht in sein Heim zuruckkehren wollte. Die Gattin wollte ihn nicht in die Wohnung lassen, aber der Glasermeister dachte gar nicht daran, in der rauhen Herbstnacht draußen zu bleiben, und alarmierte ganz einfach die Feuerwehr, die in Berlin alsMäd­chen für alles" gilt und in den schwierigsten Lebenslagen zu helfen weiß. Und sie kam und half auch diesmal, indem sie den Meister unter ihre Fittiche nahm und getreulich an die Gattin ablieferte. Die Motorspritze brauchte nicht in Aktion zu treten, aber der Glaser hat jetzt einen Straf­befehl wegen groben Unfugs zu erwarten und wird außer­demden ganzen Kitt" bezahlen müssen. Ganz billig wird es nicht werden!

Aus dem Gerichissaal

§ Revision im Nachterstedter Prozeß. Die Staatsanwalt­schaft Halberstadt hat gegen das Urteil, das den Heilgehilfen Otto Koch freisprach, Revision beim Reichsgericht eingelegt. Koch war bekanntlich beschuldigt, den Bergwerksdirektor Kramer erschossen zu haben. Der Staatsanwalt hatte gegen ihn die Todesstrafe beantragt.

§ August Nogens zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Der im sogenannten Jakubowski-Prozeß zum Tode verurteilte Landarbeiter August Nogens ist auf Beschluß des Mecklenburg- strclitzschcn Staatsministeriums zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt worden.

Heiteres.

Irrtum. Sie:Gib mir den Brief, den du eben erhalten hast. Ich sah, daß der Umschlag von einer Frau geschrieben sein muß; außerdem bist du beim Lesen blaß geworden!" Er: Ja, lies ihn nur; es ist eine Mahnung der Putzmacherin, die Rechnung zu bezahlen!"

Worauf es ankommt.Haben Sie im Theater einen guten Platz erwischt?"Im Gegenteil! Kein Mensch hat u n v sehen können!"

Vortragsvereinigung.

II. Vortrag

am 4. November abens 8 Uhr spricht im Bürgerverei» Herr Prof. Dr. phil. Julius Hülsen aus Frankfurt a. M.

über das Thema:

Das Geheimnis der Form im künstlerischen Schassen".

(Umwelt und Innenwelt als Ursprung künstlerischen Schassens) mit Lichtbildern.

Karten sind in der Reinhardtschen Vuchhandlsmx M haben. Stammkarten für die fünf folgenden Vorträge zu 6 RM., Veikarten zu 3,50 RM., Einzelkarten zu 4,50 RM., Schüler- stammkarten zu 2,00 RM., Schülerkarten zu 0,50 RM.

P-S- Herr Prof. Dr. Hülsen wird einem großen Kreis des Fuldaer Publikums durch seine hervorragenden Vorträge in der Vorkriegszeit über antike Kunst in Aegypten, Troja und auf den griechischen Inseln bestens bekannt sein.

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