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Die Hausfrau am Scheidewege

Deutschland bezog 1929 aus dem Auslande täglich:

132 000 rm. Bananen

ans Ais-Land.

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1220 OOORw Weizen.

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Woher kommt die deutsche Arbeitslosigkeit? Jede deuis Frau und Mutter wird sich diese Frage in sorgenvoller Stu Ni schon einmal vorgelegt haben. Auch dann, wenn sie selbst d Glück hat» das; ihr eigener Mann noch Arbeit und Verdien findet, so wird und kann sie nicht die Angen verschließen vo der Not nur zu zahlreicher.Bekannter. Selten aber führt diese Frage zu der Erkenntnis, das; die Ha usfrau se lb st in hohem Maße es in der Hand hat, die deutsche Wirtschaft krisis und Arbeitslosigkeit c i u z u d ä m in e n.

80 v. H. des deutschen Volkseinkommens gehen, bevor sie ausgegeben werden, durch die Hände der Hausfrau. Das deutsche Volk aber gibt jährlich etwa 4 Milliarden für land wirtschaftliche Erzeugnisse, und fast 3 Milliarden für Ind. strieerzeugniffe aus, die aus dem Auslande bezogen werden. 5,6 Milliarden entfallen davon auf das, Konto der deutschen Hausfrau. Um die Bedeutung dieser Zahlen dem Verstand nis näherzurücken, zeigt unser Bild, was das deutsche Volk ; Jahre 1929 täglich aus dem Auslande an Waren bezog, hat, die zum Teil einen überflüssigen Luxus, zuvi andern Tei n gleicher Güte in Deutschland selbst hergestellt werden od doch zum mindesten durch Waren, die denselben Zweck c füllen, ersetzt werden können. Was das deutsche Volk für Dir1

Wieviel Studenten gibt es?

Die Gesamtzahl der an den wissenschaftlichen Hochschulen in Deutschland Studierenden betrug im Wintersemester 1929/30 122 391. Das sind zwar 1,1 o. H. weniger als in dem voran­gegangenen Sommersemester, aber gegen das Wintersemester 1928/29 beträgt die Steigerung 8,3 v. H. Von den Studieren­den im Wintersemester 1929/30 waren 115 452 oder 94,3 v. H. deutsche Reichsangehörige und 6 939 Ausländer. Die Zahl der im ersten Semester Studierenden, also der erstmalig die Uni­versität Besuchenden, betrug für die Reichsdeutschen allein 7 016, das sind 13,6 v. H. weniger als im Wintersemester 1928/29. Es scheint also, daß der allzu starke Andrang der letzten Jahre einer rückläufigen Bewegung Platz zu machen beginnt. Da­gegen ist die Zahl der weiblichen Studierenden von 13 359 im Wintersemester 1928/29 und 16 286 im Sommersemester 1929 auf 16 348 gestiegen. Das sind vom Wintersemester 1928/29 zum Wintersemester 1929/30 22,4 v. H.

Kirchliche Nachrichten

Evangelischer Gottesdienst.

Sonntag, 2. November (Reformationsfest). Fulda. 9.30 Uhr Predigtgotresdienst, Pfarrer Hattendorff. 11 Uhr Kinderqottes- dienft. 6 Uhr abends Predigtgottesdienst, Kreispfarrer Weber, s Uhr abends Jungmädchenverein im Schwesternhause. Der Jünglingsverein beteiligt sich Samstag und Sonntag abend an der Reformationsseier des Evangelischen Bundes im Gemeinde- Hause. Amtswoche: Pfarrer Hattendorff. Schloß Bieberstein. 9.15 Uhr vorm. Predigtgottesdienst, Pfarrer Dr. Heckmann. Bad Salzschlirf. 10 Uhr vorm. Predigtgottesdienst, Kreis­pfarrer Weber. Fulda. Montag 8 Uhr abends Bibelkreis der Schüler höherer Lehranstalten im Pfarrhause. Dienstag 8 Uhr abends Probe des Kirchenchors im Gemeindehaufe. Bfittwoch 8 Uhr abends Bibelstunde im Schwesternhause. Donnerstag 8 Uhr abends Mütterverein im Schwesternhause.

Evangelische, landeskirchliche Gemeinschaft, Buttlarstraße 17.

Sonntag, 2. November, abends 8 Uhr: Evangelisationsver- fammlung (Ernte-Dankfest).

Freitag abend 8.15 Uhr: Bibel- und Esbetstunde.

Jedermann ist herzlich eingeladen.

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iren an einem Tage ans Ausland ausgibt, kommt d e . h r l i ch e n L o h n s u m m e von etwa 2800 A r eitern gleich. Trotz der steigenden Arbeitslosigkeit im ' ähre 1930 hat aber das deutsche Bolt diese überflüssigen Ausgaben keineswegs eingeschränkt, sondern sogar noch w" .hru zum Teil verdoppelt und verdreifacht.

Diese Tatsache feststelley, heißt zugleich auf die wichtigste Queltè deutscher Arbeitslosigkeit Hinweisen. Wann endlüt mirb das deutsche Volk daraus lernen? Die deutsche Fran und Mutter ist von jeher die beste Lehrmeisterin ihres Volkes eweseu. Das deutsche Volk wird nie an der richtigen Stelle Tiaren, wird nie richtig wirtschaften lernen, wenn es nicht in der deutschen Frau belehrt wird. Die Hausfrau, die ja meist Finanzminister des Haushaltes ist, hat, mit dem Wirt­schaftsgeld in der Hand, die beste Gelegenheit, mit gutem Beispiel voran zugehen. Das gute Beispiel ist aber och immer das bewährteste Erziehungsmittel gewesen. Die Tu des deutschen Volkes, deren drohendes Mahnzeichen die "jche Arbeitslosigkeit ist stellt die deutsche Hausfrau täglich J den Scheideweg. Mit ihr aber marschiert a8 gaNzc deutsche Vnsk!

Katholischer Gottesdienst.

Samstag, den 1. November 1930 (Allerheiligen). Fulda. Dom. Beichtgelegenheit: Freitag nachm^ von 4457 Uhr und von >28 Uhr an für die Erwachsenen, Samstag morgens von 446 Uhr an. Gottesdienste: 446, 6, 447 und 7 Uhr hl. Messen mit Kommunion-Austeilung. 8 Uhr Pfarramt mit Aussetzung und Predigt. 1410 Uhr Pontifikalamt. Danach Erteilung des päpstlichen Segens. 1412 Uhr letzte hl. Messe mit Predigt. 142 Uhr Andacht zu Ehren aller Heiligen. 3 Uhr nachm. Bischöfl. Vesper. Danach Beichtgelegenheit. 7 Uhr abends feierlicher Schluß der Rosenkranzandacht mit Tedeum und Segen. Stadt- psarrUrche. Beichtgelegenheit: Freitag nachmittag 37, 7% 8/4 Uhr, Samstag früh 67 Uhr. Fe'sttagsgottesdienste: 6 Uhr hl. Messe. 6% Uhr hl. Messe. 8 Uhr erster Kindergottesdienst, Predigt und Kommunion der Schulkinder. 9/4 Uhr feierliches Hochamt mit Festpredigt und Chorgesang. 11 Uhr zweiter Kin­dergottesdienst mit Predigt. 2/4 Uhr Rosenkranzandacht. 4 Uhr Beichtgelegenheit. Des Abends keine Andacht. Die hl. Komm, wird von 6714 Uhr jede halbe Stunde gespendet, außerdem noch um 8/4 und 944 Uhr vorm. Pfarrkirche zum hl. Geist. Freitag nachmittag Beichtgelegenheit von 4614 Uhr abends. 7 Uhr Frühmesse und Ansprache. 8 Uhr Hochamt und Predigt. % 11 Uhr Kindergottesdienst und Ansprache. Von 4644 Uhr nachmittags Beichtgeleenheit. 8 Uhr abends Rosenkranzandacht. Sodalität. Um 6 Uhr morgens Generalkommunion. St. Jofephskirche. Gottesdienst wie an Sonntagen. St. Stur­mius-Pfarrkirche. 148 Uhr Austeilung der hl. Kommunion. 448 Uhr Frühmesse mit Ansprache. 1410 Uhr morgens Hochamt mit Predigt. 442 Uhr nachmittag Rosenkranzandacht. Nachher Gelegenheit zur hl. Beichte. Herz-Jesu-Heim. 8 Uhr Hochamt. 2 Uhr Segensandacht. Frauenberg. Generalabsolution für die Terziaren. Hl. Messen von 57 Uhr. 8 Uhr Rosenkranzmesse mit Predigt. 9 Uhr Levitenamt mit Predigt und s-akram. Segen. Nachmittags 7 Uhr Predigt, Andacht und Umgang für die An­tonius-Bruderschaft.

Sonntag, den 2. November 1930 (Kirchweihsanntag). Fulda. Dom. Beichtgelegenheit: Sonntag morgens von 146 Uhr an. Gottesdienste: 446, 6, 147 und 7 Uhr hl. Messen mit Gelegenheit zum Empfang der hl. Kommunion. In der 447 Uhr Messe Gene- ralkommunion des Männerapostolates. 8 Uhr Pfarramt mit Pxedigt und Kommunion des 7. und 8. Schuljahres. 1410 Uhr Bischöfl. Hochamt. 1412 Uhr letzte hl. Messe mit Predigt. 142 Uhr Herz-Jeju-Andacht. 3 Uhr Bischöfl. Vesper. Danach Beicht- gelegenheit. 448 Uhr abends Allerseelen-Predigt und Andacht für die armen Seelen. Stadtpsarrkirche. (Kirchweihfest.)

Beichtgelegenheit: Samstag nachm. 47 Uhr, 714814 Sonntag früh 67 Uhr. ' Sonntagsgottesdrenste: 6 B Messe. 6% Uhr hl. Messe und Kommunion des Männeranetc lates. 8 Uhr erster Kindergottesdienst, Predigt und Komm nion des 8. Schuljahres. 914 Uhr feierliches Hochamt mit Ä predigt und Chorgesang. 11 Uhr zweiter Kindergottesdienu Predigt. 214 Uhr feierlicher Schluß der Rosenkranzandacht Te Deum und Segen. 8 Uhr Allerseelenpredigt und Andaâ (Von Sonntag mittag bis Montag abend kann der Totm ' quoties-Ablaß für die Verstorbenen gewonnen werden.) hl. Kommunion wird zu den selben Zeiten wie an den Ubrio« Sonntagen gespendet. Von 4 Uhr an ist BeichtgelegenheitW Pfarrkirche zum hl. Geist. 7 Uhr Frühmesse und Ausprâ 8 Uhr Hochamt und Predigt. Kommunion des MännerauoftT lates und des 7. und 8. Schuljahres. % 11 Uhr Kinderqott/' dienst und Ansprache. 1412 Uhr Christenlehre für die Jünglinae 214 Uhr feierlicher Schluß der Rosenkranzandacht. Nach der An­dacht Veichtgelegenheit bis 6 Uhr abends. 148 Uhr abends Alle/ feelenpredigt und Andacht. St. Josephskirche. 147 Uhr Beicht' gelegenheit. 448 Uhr Frühmesse mit Predigt und Kommunion- Austeilung. >410 Uhr Hochümt mit Predigt und Kommunion- Austeilung. Beichtgelegenheit: Samstag von 23 Uhr für die Kinder und 1457 Uhr abends für Erwachsene, Sonntag mor­gens von 447 Uhr ab. Kommunion-Austeilung vor und nach der Frühmesse und 914 Uhr. Werktags 7 Uhr Schulgottesdienst St. Sturmius-Pfarrkirche. Eemeinsch. hl. Kommunion für die Männer und Kinder des 8. Schuljahres. 744 Uhr Frühmesse mit Ansprache. 944 Uhr Hochamt mit Predigt. 442 Uhr feierlicher Schluß des Rosenkranzmonats. Nachher Deichtqeleaenb>/ Abends 148 Uhr .Allerseelenandacht. Abteikirche der Benedik­tinerinnen. Sonntag 614 Uhr Konventamt, 3 Uhr Vesper' Werktags 6%. Uhr Konventamt, 3 Uhr Vesper. Herz-Irmj Heim. Sonntags 8 Uhr Hochamt und Predigt. Um 2 Segensandacht. Werktags 447 Uhr hl. Messe. Donnerstag abends ist um 8/4 Uhr Segensandacht. Friedhofskapelle am Frau­zofenwäldchen. Sonntag 6 % Uhr hl. Messe mit Ansprache und Kommunion-Austeilung. An den Werktagen 714 Uhr hl. Messe mit Kommunion-Austeilung. Lioba-Siechenhaus. Ewiges Gebot. 6 Uhr HI. Messe mit Aussetzuiig des Allerheiligsten s Uhr feierl. Amt. Schluß 56 Uhr. Frauenberg. Kirchweih- sest. Hl. Messen von 57 Uhr. 8 Uhr Bruderschastsmesse mit Predigt und liturg. Gebeten. 9 Uhr Levitenamt mit Predigt und sakram. Segen. Nachm. 2 Uhr feierl. Vesper mit kurzer 'Andacht und sakram. Segen. Donnerstag, den 6. November Gegen 447 Uhr Requiem für die verstorbenen Beförderer und Mitglieder des Franziskaner-Missionsvereins.

Neuenberg. 149 Uhr Amt mit Predigt. Lehnerz. 1419 Uhr Amt mit Predigt. Dietershan. 8 Uhr Amt mit Predigt.

Montag, den 3. November 1930 (Allerseelen). Fulda. Dom. Von 5 Uhr ab hl. Messen mit Kommunion-Austeilung, s Uhr feierliches Requiem für alle Verstorbenen der Dompfar'rei. 9 Uhr vormittags Pontifikak-Requiem. 5 Uhr nachmittags Allerseelen- andacht. Stadtpsarrkirche. Um 514, 6, 644, 7 Uhr hl. Messen. 8 Uhr feierliches Requiem. 9 Uhr letzte hl. Messe. Die hl' Kommunion wird von 5% an jede halbe Stunde gespendet. - An den Freitagen ist von jetzt an die Segensandacht um 5 Uhr nachm. Pfarrkirche zum hl. Geist. Von 67 Uhr früh hl. Messen mit Austeilung der hl. Kommunion vor und nach den Messen. 8 Uhr feierl. Requiem für alle Verstorbenen. Von 12 Uhr nachm. am 2. November bis Ende des 3. Novembers kann der übliche vollk. Ablaß gewonnen werden für die armen Seelen. St. Sturmius-Pfarrkirche. 447 Uhr und 7 Uhr mor­gens heilige Messe. %8 Uhr Amt für die armen Seelen. - St. Michaelskirche. 644 , 7 , 7 44 Uhr hl. Messen. Austeilung der HI. Komm. 444 Uhr Predigt und Andacht für die armen Seelen. Frauenberg. Gedächtnisfeier aller abgeschiedenen Chriftgläubigen. Voll komm. Ablaß so oft man die Kirche be- jucht und etwas nach der Meirrung des hl. Vaters betet, und zwar in der Zeit von mittags 12 Uhr des 2. bis Mitternacht des 3. November. Um 8 Uhr feierliches Requiem, danach ^ro Zession zur Klostergruft. Nachmittags 145 Uhr Schluß der Nosen- kranzandachten mit Te Deum.

Dienstag, den 4. November. Fulda. Dom. 8 Uhr vor­mittags feierliches Requiem für die Verstorbenen der Tom- pfarrei. Stadtpfarrkirchq. Um 8 Uhr feierliches Requiem für die Verstorbenen der Stadtpfarrei. M

Freitag, den 7. November. Fulda. Dom. Donnerstag nach­mittags von 4457 Uhr und Freitag früh von 446 Uhr Veicht­gelegenheit wegen des Herz-Jesu-Freitags. Am Freitag abend 148 Uhr Herz-Zèfu-Andachtz Frauenberg. Herz-Jefu-Freitag. Aussetzung des Ällerheiligßen von 5 Uhr morgens bis 5 Uhr abends zur Anbetung des göttlichen Herzens Jesu. 9 Ayr Levitenamt.

Israelitischer Gottesdienst.

Samstag, den 1. November 1430. Vorabends 1.50 Uhr. mor­gens 8 Uhr, nachmittags 4 Uhr, Sabbatausgang 5.50 Uhr.

Wochengottesdienst: Morgens 6.30 Uhr, nachm. 4.15 Uhr.

Evangelische Kirchengemeinden Tann, Neuswarts, Habel und Hilders.

Sonntag, den 2. November (20. Sonntag nach Trinitatis).

Tann: 10 Uhr Predigtgottesdienst (Reformationsfest) Pfarrer Güttel.

Habel: 8.45 Uhr Predigtgottesdienst (Reformationsfest) Pfarrer Güttel. ..

Neuswarts: 11.30 Uhr Predigtgottesdienst (Reformationsfest) Pfarrer Güttel.

Pfarrer Bäumler ist vom 24. Oktober bis 7. Noobr. beurlaubt

Gedanken zur Kindererziehung von heute.

Wieder und wieder kann man in unsern Tagen beobachten, daß es Eltern gibt, die allen, aber auch allen Forderungen ihrer Kinder nachzukommen suchen. Jeder Wunsch und wäre er noch so anspruchsvoll muß eben erfüllt werden. Ein Kind einfacher Leute hat Geburtstag. Der Gabentisch bricht fast unter der Last. Aber die Mutter versichert jedem Besucher:Das ist ja nur von uns, der Weihnachtsmann bringt nächstens noch viel mehr!" Dieses Trachten nach demViel", nach demMehr" wird in den Kinderherzen geradezu großge­zogen durch die Unvernunft der Eltern. Ein wirkliches Kind ist an wenigen Dingen froh. Kinderhand ist so leicht zu füllen. Ein Bild, eine farbige Schachtel kann Kinderaugen glänzen maxien.

Unsere Kinder werden vielfach überschüttet mit Leckereien aller Art. Die Bobontüte, die Schokoladentafel sind Alltäglich­keiten und Selbstverständlichkeiten geworden. Und darum sind es keine wirklichen Kinderfreuden mehr. Als ich noch ein klei­ner Wicht war, da tat es noch ein Dreipfennigsweck. Wehe wenn heute Besuch kommt und er hat weiter nichts als eine Tafel Schokolade, nichts dahinter, nichts davor! Der Weih­nachtsmann fängt 4 Wochen vor dem Fest an, jeden, aber auch jeden Abend etwas Süßes in den bereitgestellten Schuh zu legen. Und der gute Osterhase müht sich bereits, es ihm nach- zutun. So wirds bem Kinde Gewohnheit, und das eigentliche Lustgefühl für das Fest wird nur angeschürt durch das:Wie­viel?" So manches Mal hab' ich das bemerkt bei meinen Kindern in der Schule.

Vergnügungen aller Art sind für unsere Jugend da. Kino- vorführungen, Theater, Jugendfeste und viel anderes mehr. All das Hastende, Erregende, der ganze bunte, wirre Taumel unserer modernen Zeit wird in das Kindesgemüt hineingetra­gen und wirkt da zerfetzend, zerstörend. Schön im zarten Alter macht sich eine Uebersättigung bemerkbar, andererseits wieder ein stetes, ungesundes Verlangen nach Neuem. Oberflächlich­keit, Genußsucht und Leichtsinn wachsen in erschreckendem Maße und überwuchern alles Stille, Sinnige und Tiefe, alle köst­lichen Blüten in der Kindesseele.

Und so treten die jungen Menschen später aus ihrem Kinder­land in die große unbekannte, lockende Weite des Lebens hin­ein und erwarten, daß es ihnen mit vollen Händen spende, wie die Eltern es bisher taten. Sie stellen höchste Ansprüche und werden enttäuscht, verbittert, unglücklich, wenn sie erfah­ren, daß an der Tafel gar mancher hungrig aufstehen muß. Weil ihre Hand immer nur nach den leuchtenden, dunkelroten Rosen hascht, werden sie nicht gewahr der kleinen bescheidenen, lieblichen Blumen, die an jedem Wege blühen.

O laßt uns achthaben auf unsere Kinder, laßt sie schlicht und fröhlich und unbefangen heranwachsen, soweit es nur irgend geht. Es gibt nichts Köstlicheres als ein rechtes Kindergemüt. Und es giot nichts Traurigeres als eine junge Menschenknospe, die erblühen möchte und im Innern schon zu kränkeln beginnt.

Kirmesbräuche im Vogelsberg.

Es ist Herbst geworden. Die Ernte ist unter Dach und Fach. Nun feiert der Vogelsberger seine Kirmes. Interessant ist es für den Nichteingeweihten, welche alten Gebräuche man dabei noch vorfindet. Eines Abends kommen die ledigen Burschen des Dorfes zusammen, um die Kirmes bzw. den Tag festzulegen. Hat man sich über diesen Punkt geeinigt, so wird die Kirmes angetrunken; d. h. man trinkt auf gemeinsame Rechnung und zwar auf den zu erhoffenden Kirmesüberschuß. Am nächsten Tage geht es wie ein Lauffeuer durch den Ort, da und da ist Kirmes. Und nun geht es an die Vorbereitungen. Während der Hausvater am nächsten Sonntag seinen Knotenstock nimmt, um über Land zu gehen, denn die gesamte Verwandtschaft muß eingeladen werden, überprüft indessen die Hausmutter ihre Vor­räte, damit alles Notwendige rechtzeitig zur Hand ist. Die Bur­schen, auch Jungen genannt, pflegen währenddessen Unterhand­lungen mit einem Kapellmeister wegen der Musik und dem Wirt wegen des Saales. Einige Abende vor der Kirmes wer­den die Mädchen versteigert. Auf dem Tisch liegt eine Liste mit den Dorfschönen, und die Versteigerung beginnt. Wer sein Mädchen absolut haben will, muß bezahlen. Manchnral werden ganz anständige Preise erzielt; gibt es dock; manchen neidischen Nachbarn, der gerne dasselbe Mädchen will. Eine große Ehre ist es, wenn dieamre recht teuer bezahlt werden muß. Wer von den Mädchen nicht versteigert wird, kommt in den Pferch. Manchem Burschen macht es Spaß, diesen Pferch am Schluß für ein paar Pfennige zu steigern Das ersteigerte Mädchen muß am Kirmestag seinem Burschen ein buntes Taschentuch ver­ehren, und zwar wird dasselbe an der Schulter angeheftet. Der Bursche muß mit seinem Mädchen die drei ersten Tänze tanzen und außerdem eine Flasche Wein bezahlen. Auch müssen Bursche und Mädchen im Kirmeszug Arm in Arm gehen. Nun beginnt für die Mutter die Arbeit im Backhaus. Eine Unmenge Kuchen wird zugerichtet, und jede Hausfrau setzt ihren Stolz daran, ba^ sie auch ordentlich geraten sind. Vor allen Dingen müssen sie schön hochrein, und wenn es auch gelegentlichMaulsperre" dabei gibt. Indessen fährt der Vater ins nahe Städtchen und holt den Kirmesbraten; man will sich doch nicht lumpen lassen.

Nun beginnt die Kirmes. Eingeleitet wird die Feier in den meisten Orten noch durch einen Gottesdienst. Nachmittags

um 3 Uhr ziehen die Kirmesburschen und -mädchen unter Vor­antritt der Kapelle durchs Dorf vor das Haus des Bürger­meisters. Nachdem die Kapelle ein Ständchen gebracht hat, gern es im Zug zurück in den Saal. Dort wird nun zwei Tage ge­tanzt. Es ist nicht uninteressant, einen Blick in diesen Saal zu werfen. Rund an der Wand entlang sitzen auf Bänken die älteren Frauen. Mit scharfem Blick werden die jungen MädaM gemustert, ihre Kleider und ihre Tanzburschen bekrittelt um nicht eher gewichen, als bis der Saal sich wieder leert. Abenm etwa um sieben Uhr geht alles nach Hause; denn jetzt gibt s Kirmesbraten. Der abendliche Tanz wird nur noch emma« unterbrochen durch eine Kaffeepause um 12 Uhr.

Am nächsten Morgen schon ziemlich früh werden die geweckt durch das sogen.Aufspielen!". Die Musikkapelle zu'y nun durch das ganze Dorf und zwar von Haus zu Haus^u" weckt die Langschläfer durch ein oder mehrere Musikstücke. Glend- zeitig bedeutet dies für alle eine erneute Einladung zum Kirmestag. Begleitet wird die Musik von den jungen VurM»' die die Musik noch verstärken durch ihren, wenn auch nid?t schönen, so doch lauten Gesang. Dabei schwenken sie gewöhn > eine Branntweinflasche, aus der jeder Hausbesitzer mrttrlnn muß. Für dieses Ständchen muß natürlich jeder ein nein finanzielles Entgegenkommen zeigen. Den Erlös behalt weder die Kapelle, oder er wird zwischen dieser und den scheu geteilt. An diesem Morgen verlassen meist auch, die ' geladenen Verwandten das Dorf wieder, natürlich mast 00 ihr Paket mit Kirmeskuchen, den die Hausmutter schon vory^ fein säuberlich in ein großes, weißes Tuch eingepackt, Nachmittag beginnt wieder der Tanz, und da die meinen den schon wieder fort sind, feiert heute die Dorfgememsch.ast ter sich. Gegen Morgen macht sich dann allmählich !o enie genehme Müdigkeit bemerkbar, und wenn man nach Tag bruch durch das Dorf geht, sieht man fast niemand; vor >- Dingen ist von der Jugend nichts zu erblicken. Erst gegen mittag gibt es wieder Leben; denn jetzt kommen Die zusammen, um die Kirmes zu beerdigens Dieses SchausM» meist noch einmal viele Zuschauer und Nachläufer ZUstm Fast in jedem Dorf wird dieses Beerdigen anders geyan v .je Meist bilden die Burschen einen Zug, in der Mitte trag eine Strohpuppe, ihnen voran geht ein markierter ' Unter Heulen und Zähneklappern wird die Puppe nahen Acker getragen und dort begraben. In manchen begräbt man auch eine leere Schnapsflasche. Aus du - ||UIt wege schließen sich den Burschen die Mädchen wieder an, w tanzt man noch einige Stunden nach den Klängen Harmonika. ~