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Nr. 251 1930

Fulda, Montag, 27. Oktober

7. Jahrgang

Eine Kette von Verhängnissen:

Schwere Schlagwetterexplosion im Saargebiet

Am Samstag-Nachmittag ereignete sich auf dem Maybach-Schacht bei FriedrichsthaL (unweit Saarbrücken) eine schwere Schlagwetter- Explosion, bei der etwa 115 Bergleute den Tod fanden.

Eine der schwersten Katastrophen, die sich je im Saargebiet ereigneten.

Kaum hatte sich die Erde über den Opfern von Als­dorf geschlossen, als die Welt von neuem mit der Nachricht von einer neuen Grubenkatastrophe in Schrecken und Er­regung versetzt wurde. Aus dem Maybach-Schacht bei Friedenthal, etwa 15 Kilometer nördlich von Saarbrücken, hat sich eine schwere Schlagwetterexplosion aus der vierten Sohle ereignet. Diese Schlagwetterexplosion ist eine der größten Grubenkata st ro phen , die sich jemals im Saargebiet ereignet haben. Die Grube zählt eine Belegschaft von 3000 Mann; zur Zeit des Unglücks waren 778 Bergleute eingefahren, von denen kurz nach dem Unglück 640 ausgcsahrcn sind. Man muß leider damit rechnen, daß etwa 115 Bergleute bei der Explosion den Tod gefunden haben.

Bis Sonntag vormittag befanden sich 85 Tote über Tage. Etwa 30 Mann waren noch in der Tiefe und lagen auf dem letzten Bremsberg, der kaum befahren werden kann. Die Hitze und die Schlagwetterschwaden an dieser Stelle machen die Arbeiten der Rettungsmannschaften außerordentlich schwer, die mit ihren Apparaten nur lang­sam vorwärtsdringen können. Es ist so gut wie ausge­schlossen. auch nur einen lebend zu bergen.

Sämtliche im Saargebiet befindlichen Bergwerke sind durchs Mn Versailler Vertrag bis auf weiteres in den Besitz des Französischen Staates übergegangen. Doch gelten die deutschen Bergbaubestimmungen nach wie vor, wenigstens nach dem Stande vom 11 Oktober 1918.

Deutschland hat im Falle einer günstigen Volksabstim­mung, die im Fahre 1935 stattfinden soll, und an deren Ausgang niemand zweifelt, das Recht, die Bergwerke samt und sonders zurückzukaufen. Der Rückkaufpreis wird durch ein gemischtes deutsch-französisches Expertenkomitee unter dem Vorsitz eines Unparteiischen, den der Völker- vnndrai ernennen soll, festgesetzt.

gedruckt. Zur Linderung der bittersten Not hat die Negierungskommission 200 000 Frank bewilligt. Bei der Grubenverwaltung sind zahlreiche Beileidskund- gebungen eingetroffen.

Reichspräsident von .Hindenburg Hai an die Direktion der Maybach-Grube in Friedrichsthal folgendes Telegramm gerichtet-

In die tiefe Trauer, die ganz Deutschland um die Opfer der Bergwerkskalastrophe von Alsdorf erfüllt, fällt soeben die Nachricht von dem Unglück auf der GrubeMaybach*. Ties erschüttert durch diese neue Heimsuchung bitte ich Sie, den Hinterbliebenen der verunglückten Bergleute den Aus­druck meiner herzlichen Anteilnahme und den Verletzten meine innigen Wünsche für baldige Wiederherstellung zu übermitteln. Gon gebe, daß es gelingt, die noch vermißten Bergleute zu retten."

Desgleichen hat Reichsaußenminister Dr. Curtius namens der Reichsregierung dem Präsidenten der Regie­rungskommission des Saargebietes die aufrichtigste Teil­nahme ausgesprochen.

im Namen der Regierung der Republik, die sich in Ehrfurcht vor den Opfern der Katastrophe auf der Grube Maybach verneige, den Verunglückten und den betroffenen Familien die innigste Anteilnahme und den am Rettungswerk Beteiligten seine Aner­kennung ausdrückte.

Desgleichen sprach der Minister für öffentliche Arbeiten Pernot den Familien der Verunglückten und den Verwundeten seine Anteilnahme aus.

Der Regierungspräsident von Trier Dr. Saassen übersandte ebenfalls ein Beileidstelegramm.

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Karte des Schauplatzes der Grubenkatastrophe auf der Schachianlage Maybach bei Friedrichschal iSaargcbict).

Di? Bergungsarbeiten auf Grube Maybach.

Die Bergungsarbeiten auf Grube Maybach sind im Laufe der Nacht fortgesetzt worden. Bis setzt pnd 86 Leichen zu Tage gebracht worden. Zwei Tote liegen noch unter Tage, 3 Berg­leute werden vermißt. Von den Verletzten find 4 schwer ver­wundet, 4 gestorben, 16 leicht verletzt und einer bereits ent­lassen. Ueber die Ursache des Unglücks kann nunmehr als festehend angesehen werden, daß es sich um eine Schlagwetter- und Kohlenstaub-Explosion handelt, die dann durch Gesteins- Rieselung lokalisiert worden ist.

Das Beileid ausländischer Staatsoberhäupter zum Alsdorfer Unglück.

Die Königin der Niederlande, der König von Spanien und der Präsident der Tschechoslowakischen Republik haben dem Reichspräsidenten aus Anlaß der Katastrophe von Alsdorf telegraphisch ihre Teilnahme und ihr herzliches Mitempfinden für die Hinterbliebenen der Opfer zum Ausdruck gebracht. Ferner haben ihre Anteilnahme aus- gedrückt: der französische Außenminister Briand, der italie­nische Botschafter, der japanische Geschäftsträger, der mexi­kanische Gesandte, der brasilianische Gesandte und die Ge­sandtschaft von Ekuador.

Aufstellung genauer Totenlisten für Alsdorf.

Wie wir erfahren, hat sich die Zahl der Toten, die entgegen anders lautenden Meldungen mit 259 angegeben wird, nicht weiter geändert. Wohl aber muß damit gerechnet werden, daß unter den Eefteinseinbrllchen unter Tage und den Trümmern des Verwaltungsgebäudes vonAnna II" noch weitere Tote ge-

Die Beisetzung der Alsdorfer Opfer: der Trauerzug in den Stragen von Alsdorf.

Schwere sReitungsarbeiten.

Die Schilderungen von zur Ruhe gezwungenen Ber- Mngsmannfchaften geben ein Bild von der heldenhaften '"deit, die von diesen braven Knappen geleistet werden Miß und von dem furchtbaren Anblick, der ihnen in der ^efe begegnet. Dauernd befinden sie sich im harten Kampf m i t d e n S ch w a d e n und trotz aller Anstren- Mngen begegnen sie nur Toten, Toten, Toten. Schauerlich der Anblick verbrannter und erstickter Menschen.

Hunderte von Menschen stehen an den Gittern der ^lngangstore. Diejenigen, die über das grausige Schicksal Angehörigen, Ehemänner, Väter, Brüder, Söhne, Gewißheit erlangten, haben sich nach Hause begeben. Auf Strassen begegnet man überall weinenden Frauen, die, °n Kameraden ihrer getöteten Angehörigen gestützt, nur finh m de" Weg durch den dunklen Wald in ihr Heim Hoffnung hat niemand mehr und trotzdem ver- 'uan die ganze Nacht bis zum frühen Morgen hin- müu nm Gitter der Eingangstore. Sanitätsmannschaften fortwährend eingreifen, um sich der ohnmächtig zu- '»ensinkenden Frauen anzunehmen.

Beileidsbezeugungen.

Regierungskommission des Saargebietes hat in allen ^rauersiyring der Toten von Maybach gedacht und -9" der RenüngsarbeU Beteiligten ihren Dank aus-

Die Untersuchung des Unglücks.

Das PariserPetit Journal" läßt sich von seinem nach Grube Maybach entsandten Sonderberichterstatter melden, die An­nahme, daß die Grubenkatastrophe auf die Explosion einer Ben­zol-Lokomotive zurückzuführen sei, treffe nicht zu. Technische Sachverständige betonten übereinstimmend, daß es sich um nichts anderes als um Schlagwetter handele. Erft im Augenblick der Explosion fei eine Preßluft-Lokomotive, die sich in dem betref­fenden Schacht befand, aus den Weichen gesprungen und gegen die Wand geschleudert worden. Im Verlaufe des gestrigen Nachmittags seien an einer Stelle neue Schlagwetter aufge­treten, doch scheine der neue Zwischenfall verhältnismäßig gering­fügig gewesen zu sein. Die an den Rettungsarbeiten Beteiligten seien durch Elockenschläge gewarnt worden, sofort auszusahren. Drei von ihnen hätten leichte Gasvergiftungen erlitten.Petit Journal" zufolge hat auch die Saargrubenverwaltung in Paris bestätigt, daß es sich bei dem Unglück auf GrubeMaybach" um Schlagwetter handeln müsse, da keine Benzollokomotive in Ge­brauch gewesen sei.

Das Beileid der französischen Regierung an die Saarkommission.

Der französische Außenminister Briand sandte dem Präsiden­ten Der Regierungskommlssion ein Beileidstelegramm, in dem et

borgen werden. Zur Zeit ist die Verwaltung damit beschäf­tigt, genaue Totenlisten aufzustellen. Zur Stunde tagt wieder die llntersuchungskommission. Die Aufräumungsarbeiten gehen weiter. Beschlüsse über Wiederaufbau der GrubeAnna II" sind bisher noch nicht,gefaßt.

Der Papst spendet 10 000 Mark.

Wie wir erfahren, hat S. H. Papst Pius XI. durch den apostolischen Nuntius in Berlin den Familien der verunglück­ten Bergleute von Aachen eine Spende von 10 000 RM. über­weisen lassen.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Am Sonntag nachmittag ereignete sich im Saargebiet in der Nähe von Saarbrücken eine schwere Schlagwetter-Explosion, bei der nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen etwa 115 Bergleute den Tod landen.

* Der Reichspräsident sandte zur Königshochzeit in Assisi ein Glückwunschtelegramm.

* Das Reichskabinett stimmte den Vorschlägen des Reichs­ministers für Ernährung und Landwirtschaft zur Behebung der Agrarnot zu.

* Bei der erfolgreichen brasilianischen Revolution wurde in Rio de Janeiro der deutsche DampfeBaden" beschosst«, «äi 27 Menschen getötet worden.