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Zulöaer /inniger

EMeint jeden WeLktag.BczugsprLis: monatlich 0 20 RM. Bei Lief-rungsbehinderungen durch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche, verleg Friedrich Chcenklau, Fulda, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver- icL-r. Postscheckkonto: Krankfurt a. M. Nr. 16009

Fulda, Freitag, 24. Oktober

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Iulöa- an- Haunetal >§ulöaer Kreisblatt

Redaktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernsprech-flnschluß Nr.-S4 Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit Quellenangabe .Zul-aer Anzeiger^gestottet.

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7. Jahrgang

Unter Schutt und Trümmern

Die Aufräunumasarbeiten in ABsÄ

Noch immer Ungewißheit über die Zahl der Opfer.

Die Aufräumungsarbeitcn über Tage an derUnglücks- stclle in Alsdorf sind in vollem Gange. Langsam schält sich aus dem zusammengestürzten Mauerwerk das Funda­ment des Schachtgerüstes heraus. Das gewaltige Mauer­werk, in dem die eisernen Streben des Förderturms sunda- mentiert waren, ist umgekippt wie eine Schachtel. Von den 250 Toten, die bis Donnerstag früh geborgen waren, konnten 149 identifiziert werden. Die Zahl der Vermißten steht noch immer nicht fest. Die lähmende Ungewißheit wirkt bei den Angehörigen der Opfer furchtbar nieder­schmetternd. Begreiflich ist es, daß unter solchen Umständen die tollsten Gerüchte in Alsdorf umherschwirren. So tauchte immer wieder das Gerücht / auf, es seien auch Rettungsmannschaften in der Grube eingeschlossen. Die Grubenverwaltung versicherte jedoch, daß alle diese Ge­rüchte aus der Luft gegriffen seien.

Die Aufräumungsarbeiten

gehen verhältnismäßig langsam vorwärts, da die Geröll- massen sehr vorsichtig hinweggeschafft werden müssen. Zu­dem müssen die eisernen Träger des Fürderturmgerüstes Stück für Stück anseinandergeschweißt werden. Der Grubensicherheitsausschuß hat mit einem Stabe von Sach­verständigen mehreremal die Grube befahren, um die Ur­sache des Unglücks, über die noch immer Unklarheit herrscht, zu erforschen. Die Ansichten über die Explosions- nrsache gehen sehr weit auseinander, zumal die Dynamitlager unversehrt vorgefunden wurden.

Die am schwersten betroffene Bergmannssiedelung.

Wohl am schwersten von dem Schicksalsschlag betroffen wurde die Bergmannssiedelung Kellersberg II. Hier 'S fast in jedem Hause ein Toter oder Verletzter zu be­klagen: hier wohnt auch der Bergmann Joseph Corr, den man mit zwei anderen noch lebend aus dem Schachte herausgeholt hat. Corr erzählt von dem Un­glück:Wir fuhren in den Schacht hinab und waren ein Viertel nach sieben Uhr an unserer Arbeitsstätte angelangt. Nach mir kamen noch viele andere Bergleute. Die letzten sagten schon, es sei etwas passiert, aber wir hätten nichts davon abbekommen. Dann kam der Steiger P 0 ß und sagte:Wenn die Preßluft wegbleibt, laßt alles stehn und liegen und macht, daß ihr sortkomml." Der Steiger wurde später im Hilfsschacht tot aufgefunden. Dann rief uns ein Mann vom Transport zu, daß wir fortlaufen sollten.

Dick und schwer kamen die Rauchschwaden.

Wir liefen zum Hilfsschacht. Dort steht ein Material­magazin, durch das man nachAnna I hinübergelangen

In Erwartung neuer Nachrichten über Vermißte sicht die Menge schweigend vor dem Bureau der Nachbar­grube Annal, wo die Verlustlisten zusammengestellt werden.

der Reichstagsvizepräsident Esser

und der Reichstagsabgeordnete Joos teil. In einer An­sprache führte Esser u. a. aus, daß man nach Alsdorf gekommen sei, um zu beweisen, daß das gesamte deutsche Volk der Gemeinde Alsdorf die größte Anteilnahme ent­gegenbringe. Er sagte dann weitestgehende Hilfe zu. über die Verteilung der Geldspenden soll ein besonderer Aus­schuß beschließen. Es sind an Geldspenden noch ein­gegangen oder in Aussicht gestellt: eine, die von dem Evangelischen Oberkirchenrat der Alt­preußischen Landeskirche zur Verfügung gestellt wurde, 10000 Mark als Spende des Hamburger Senats und weitere 10 000 Mark als Spende der Stadt Saarbrücken, diese mit der ausdrücklichen Bedingung, daß der Betrag direkt an die Hinterbliebenen der Opfer auszuzahlen sei, da sich bei den Spenden für die Opfer der Katastrophe von N e u r 0 d e sehr unerfreuliche Tatsachen ergeben hätten.

Anmerkung der Schriftleitung:

Durch Gerüchte über eine nicht ordnungsmäßige Verteilung der Spenden für die Opfer des schweren Grubenunglücks bei N e u r 0 d e veranlaßt, haben wir uns vor einiger Zeit an die Deutsche Nothilfe in Berlin gewandt mit dem Ersuchen um Klarstellung. In einem Schreiben vom 23. Oktober übermit-

Hilfe der Landwirtschaft!

^Deutsches Landvolk"

beim Reichspräsidenten.

Die Beunruhigung derLandbevölkeruna.

Der Reichspräsident empfing in Gegenwart des Reichsministers Dr. Schiele die Vertreter der Fraktion Deutsches Landvolk, die Abgeordneten Döbrich, Gereke und Hepp, zu einer längeren Aussprache über die vom Deutschen Landvolk zur Linderung der Notlage der deutschen Landwirtschaft vorgeschlagenen Maßnahmen.

Es wurde noch einmal die Forderung der Landvolk­partei nach sofortiger Einberufung des Reichstages er­örtert. Nachdem dabei festgestellt wurde, daß zurzeit diese Forderung nicht erfüllt wird, betonten die Landvolk­führer unter eingehender Darstellung der Lage der Land­wirtschaft, daß ein weiteres Hinauszögern dringender landwirtschaftlicher Forderungen auf dem Gebiete der Zoll- und Handelspolitik wie bestimmter innenwirlschaft- licher Absatznaßnahmen für die Landbevölkerung und da­mit für die Gesamtwirtschaft unerträglich sei. Die Ab­geordneten wiesen insbesondere darauf hin, daß, wenn nicht in aller Kürze durchgreifende Maßnahmen von feiten der Reichsregierung Platz greifen würden, die bereits in der Landbevölkerung vorhandene außerordentliche Be­unruhigung bis zu einem die Ruhe gefährdenden Ausmaß zwangsläufig gesteigert werden würde. Da zurzeit keine

Aussicht besteht, daß das Parlament vor Dezember sammentritt, so forderten die Landvolkführer die greifung außerparlamentarischer Maßnahmen zur Hebung der dringenden Notstände.

zu- Er- Be-

Dr. Gereke beim Kanzler.

Dr. Brüning zu den Forderungen des Landvolkes.

Reichskanzler Dr. Brüning empfing den Vertreter der Landvolkpartei, Reichstagsabgeordneten Dr. Gereke. Dr. Gereke trug den Wunsch der Landvolksraktion auf beschleunigte Einberufung des Reichs­tages vor, damit dieser zu den von der Landvolkpartei

telt uns heute die Deutsche Nothilse eine Abschrift der Stel­lungnahme des Herrn Preußischen Ministers für Handel und Gewerbe betr. Verwendung der anläßlich des Grubenunglücks bei Neurode gesammelten Spenden, deren Wortlaut anschlie­ßend folgt:

Die Spenden, die aus Anlaß des Grubenunglücks auf dem Kurtschacht bei Hausdorf dem Kreis Neurode zugeflossen sind, werden lediglich für die Unterstützung der von dem Unglück betroffenen Familien verwendet. Dagegen ist ein Teil der Spenden, die aus dem gleichen Anlaß dem ^Verg- mannsfonds für den niederschlesischen Steinkohlenbezirk" zu­gegangen sind, außerdem zur Hebung der Gesundheit der Vergarbeiterbevölkerung dieses Bezirks bestimmt. So dienen die von Reich und Preußen gegebenen Mittel u. a. der Für­sorge für die Bergarbeiterkinder und der Instandsetzung un­gesunder Bergarbeiter-Altwohnungen.

Die beiden Fonds werden durch Ausschüsse verwaltet, die sich aus den beteiligten Behörden und Organisationen zu­sammensetzen. Hierdurch ist gewährleistet, daß die Mittel gemäß ihrer Zweckbestimmung verwaltet werden."

Halbmast aus Anlaß der Beerdigung der Alsdorfer Opfer.

Aus Anlaß der Beisetzung der Opfer des Grubenun­glückes bei Alsdorf setzen nach Anordnung der Reichsregie­rung und der Preußischen Staatsregierung die öffentlichen Gebäude in Preußen am Sonnabend die Flaggen auf Halbmast.

gestellten dringenden agrarpolitischen Anträgen Stellung nehmen könne.

Der Reichskanzler betonte, daß bei aller Anerkennung der Notwendigkeit, der notleidenden Landwirtschaft be- schleuulgle weitere Hilfe zu gewähre», es zurzeit nicht möglich sei, seitens der Reichsregierung den Wiederzu- fammentri.it des Reichstages zu veranlassen. Im Gegen­teil habe sich der Reichstag selbst einer Anregung der Reichsregierung entsprechend bis zum 3. Dezember ver­tagt. Die Reichsregierung habe sich jedoch bekanntlich in ihrer Regierungserklärung vom 16. d. M. für die N 0 t - w e n d i g k e i t w e i t e r e r M a ß n a h m en zur Behe­bung der landwirtschaftlichen Not ausgesprochen, und die hierzu erforderlichen Vorarbeiten seien sofort in Angriff genommen '

worden.

Der Wechsel im Präsidium des Reichslandbundes.

Nach dem früheren Rücktritt des Ernährungsministers Schiele wurde Graf von Kalckreuth (rechts) zum vorsitzführenden Präsidenten des Nelchslandbundes ge­wählt. Daraufhin hat der wiedcrgewähltc Präsident Hepp (links) sein Amt niederaelcat.

kann-, aber die Tür, die uns die Rettung hätte bringen "nneN' war schon verschüttet. Alles war voller Qualm .$ Da sind wir wieder zurückgelaufen. Wieviel nn wir waren, weiß ich nicht. Am Hilfsschacht lag schon rf "ber niemand kümmerte sich um ihn. Jeder hatte »ur den einen Gedanken: Fort, fort! Dann kamen wir an eine alte Bahn, die vor 56 Jahren ausgehauen wor- b^^ar und später wieder zusammengestürzt ist. Es war so viel Raum vorhanden, daß man über die zu- ammengestürzten Steine in die alte Bahn hineinkriechen

Das sollte unsere Rettung sein. Hier verließen ober die Kräfte und wir wurden bewußtlos. Ich war oewußtlos bis abends um 9 Uhr. Es nahte da plötzlich n Kamerad und sagteJupp, gehst du mit?" Ich wäre 1 tn mitgegangen, aber ich konnte nicht, weil meine Kräfte ^"- Dann ging zu allem Überfluß noch die Lampe <5$ lag bei vollem Bewußtsein die ganze Nacht hin- «rcy im Dunklen. Unendliche Stunden später kam ein ?"b^er mir schließlich Hilfe brachte. Nachdem wir noch . -'ige Schwierigkeiten zu überwinden hatten, sah ich end- i u a ch 3 1 Stunden das Licht des Tages wieder."-

Hilfsmaßnahmen.

. An einer Sitzung des GemeinderateS von Alsdorf, in Beschlüsse über die Hilfsmaßnahmen und über die für ^onnabendvormittag vorgesehenen Trauerfeier- lchkeiten, an denen der preußische Handels- 'Ninister und der Reichsarbeitsminister Dr. e. h. e g e r w a l d teilnehmen dürsten, gefaßt werden sollten, nahmen u. a. auch

Nationale Gesinnung.

Ein Erlaß Gröners an die Reichswehroffiziere.

Reichswehrminister Gröner hat unter Bezugnahme auf den Ausgang des Ulmer Reichswehrprozesses an die Offiziere der Reichswehr einen Erlaß gerichtet. Darin heißt es, der Reichswehrminister müsse es als eine Belei­digung zurückweisen, wenn ihm nationale Gesin­nung abgesprochen werde. Im weiteren Inhalt des Erlasses weist der Reichswehrminister die Offiziere nochmals auf die unbedingte Pflicht zum Gehorsam hin.

Oldenburg-Januschau antwortet Gröner.

Tc. cüddjnationale Abg. von Oldenburg-Janu- schau hoi aus den offenen Brief des Reichswehrministers Gröner diesem geantwortet, der Uhrenerlaß bleibe nach wie vor mißverständlich. Ein ehrlicbender Soldat brauche keine Ge­schenke, um seine Pflicht zu tun. Die Verfehlungen der Ulmer Offiziere hätten disziplinarisch erledigt werden können. Die Aufregung in allen nationalen Kreisen war vviauszusehen. Es sei untragbar, daß, im Gegensatz zu Gröners Dar­stellung, Offiziere unter Berufung auf den Reichspräsidenten angesichts der Truppe durch Kriminalbeamte verhaftet wurden. Durch diesen Mißbrauch des Namens Hindenburgs werde die Autorität des Feldmarschalls verdunkelt.

Der Landkreistag zum Negierungsprogramm.

Wohlfahrtserwerbslosenproblem und Kreisfinanzen. Bürger­abgabe und Gemeindegetränkesteuer kein Ausgleich für die

Belastung.

Ebenso wie in den Städten bedroht auch in den Landkreisen das Anwachsen der Wohlfahrtserwerbslosen die Finanzgestal­tung. Eine Reihe von Kreisen sind sehr schwer betroffen. Im Vergleich zur selben Zeit des Vorjahres sind Steigerungen der Wohlfahrtslaften von 900 bis 1000 Prozent nicht selten. Diesen

Kieme Zeitung für eilige Leser.

* Reichspräsident von Hindenburg empfing die Führer der FraktionDeutsches Landvolk" zu einer längeren Aussprache über die Notlage der Landwirtschaft.

* Auf der Bundestagung des Deutschen Veamtcnbundes sprach Reichtzinnenminister Dr. Wirth über politische und Standesfragen der Verussbeamten.

* Der Verband der Kriegsbeschädigten und der Kriegerhinter- bliebenen bat in einer Eingabe den Reichstag, sich der Opfer des Krieges mit Nachdruck anzunehmen.

* Die Zahl der Opfer der Alsdorfer Grubenkatastrophe ist immer noch nicht genau festgestellt; bis Donnerstag früh waren 250 Tote gezählt.

* Der König von Aegypten unterzeichnete die neue Verfas­sung, wodurch gleichzeitig Senat und Kammer aufgelöst werden.