Die deutsche Tributlast als Ursache der Weltwirtschaftskrise.
Unter dem Druck der wirtschaftlichen Notlage Deutschlands und einer ungeheuren Weltwirtschaftskrise, die alle Länder der Welt mit zivei, drei Ausnahmen erfaßt hat, mehren sich sowohl im Inland wie auch erfreulicherweise im Ausland die Stimmen, die eine Revision der Deutschland auferlegten Tributverpflichtungen fordern. Der stärkste Trumpf, den Deutschland dabei in der Hand hat, ist der Hinweis auf den wirtschaftlichen Widersinn der Reparationen, die bereits in den ersten Jahren, in denen sie voll zur Auswirkung kamen, nämlich 1929 und 1930 nach der Drosselung der amerikanischen Kredite, eine Erschütterung des gesamten Gefüges der Weltwirtschaft verursachten. Diese Ansicht, daß die heutigen Kriegsschuldzahlungen die Hauptursache der anhaltenden Weltwirtschaftskrise und somit eine Bedrohung der Zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung der ganzen Welt sind, gewinnt immer mehr an Boden, gerade auch in den sachverständigsten Kreisen; so wurde z. B. erst kürzlich von der größten deutschen Bank der Deutschen Bank und Discontogesellschaft, diese Meinung in ihrem letzten Monatsbericht vertreten und eingehend begründet.
Die Hauptaufgabe der deutschen Reparationsleistungen für die Weltwirtschaft wird allgemein darin erblickt, daß sie die Größe und Richtung des internationalen Waren- und Kapitalverkehrs, der nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten bestimmt werden darf, nachhaltig beeinflussen. Jahr für Jahr müssen wir zwei Milliarden Reichsmark an unsere Gläubigerländer abführen, die ihrerseits wieder den größten Teil zur Bezahlung ihrer Kriegsschulden an Amerika verwenden. Bom deutschen Kapital wird also ständig ein großer Teil abgezogen und auf andere Länder über» tragen. Die Folge ist, daß, wenn dieses Kapital nicht in gleichem Umfang ersetzt werden kann, eine Schwächung der Kaufkraft Deutschlands eintritt, die die Gläubigerstaaten in Gestalt eines verringerten Absatzes ihrer Waren in Deutschland sehr deutlich zu spüren bekommen müssen und in der letzten Zeit auch bekommen haben. .
Solange die Ausländsanleihen unbeschränkt nach Deutschland hineinströmten, konnte diese Wirkung der Reparationen nicht in Erscheinung treten, da der Kaufkraftverlust ständig durch die Kapitalzufuhr mehr als ausgeglichen mürbe. Die dadurch ermöglichte Scheinblüte der deutschen Wirtschaft hat die Welt über die vorhandenen Gefahren hinweggetäuscht. Im Jahre 1929 setzte plötzlich eine rigorose Unterbindung der Aus tandskredite ein, und wenn auch im Jahre 1930 wieder mehr Gelder nach Deutschland hineinkamen, so geschah das doch fast nur in der gefährlichen Form kurzfristiger Kredite, die naturgemäß für den Ausbau unserer Wirtschaftsbeziehungen und zur Schuldenzahlung keine Verwendung finden können. . .
Unter derartigen Verhältnissen ist Deutschland eine Abtragung seiner Verpflichtungen nur aus den Erträgnissen seiner Arbeit möglich. Es genügt dazu nicht, daß wir einfach mehr produzieren als bisher, wozu wir wohl in der Lage wären, denn mit den Erzeugnissen unserer Arbeit können wir ja jetzt nach dem Abbau ber Sachlieferungen nur noch einen geringen Teil unserer Schulden begleichen. Der größere Teil muß in Geld entrichtet inerben, das heißt aber, daß wir unsere Waren e r st einmal imAuslande absetzen müssen. Der erzielte Gegenwert dann durch Steuern zum Teil wieder eingezogen und an daS Ausland als Reparationszahlung wieder abgeführt.
Ist nun die Summe des durch den Verkauf unserer Waren im Ausland nach Deutschland hereinfließenden Geldes nicht groß genug um den Abstrom infolge der Reparationsleistungen aus- zugleichen, so tritt notwendig eine Verringerung des deutschen Kapitals, eine, Verarmung und Kaufkraftschwächung in Deutschland ein. Nicht einmal der vollkommene Ausgleich zwischen Reparationszahlungen und Verkaufserlös mürbe genügen: die Summen aus dem Verkauf deutscher Waren müssen sogar die Höhe
W Sefken-AMair und Mchdargehielen.
Verurteilte Sparkassenbeamte.
Kassel, 11. Oktober.
Vor dem Schöffengericht hatten sich am Freitag die drei Vorsteher der Allgemeinen Spar- und Vorschußkasse e. G. m. b. H. in Kassel zu verantworten, und zwar der erste Vorsitzende des Vorstandes Johannes Jsele, der zweite; Vorsitzende Georg Walther und der Geschäftsführer Franz Siebert. Die 1908 gegründete Genossenschaftskasse hatte 124 Anteile zu je 200 M, die bis zum Zusammenbruch Anfang 1930 noch nicht voll einbezahlt waren. An Spareinlagen wies die letzte Bilanz über 300 000 -N auf. Die Sparer waren zumeist Nichtgenossen. Die Geschäftsführer hatten nun in einer geradezu unverantwortlichen Weise mit dem Gelde der Sparer gewirtschaftet. Ohne Kenntnis des Aufsichtsrates und trotz entgegenstehender Vorschriften des Statuts hatte Jsele einen Kredit von zuletzt 65 000 Mark ausgenommen. Die von ihm gegebenen Sicherheiten erwiesen sich hinterher als so gut wie wertlos. Der Geschäftsführer Siebert hatte sich ebenfalls einen Kredit von 14 000 M zugelegt, mit dem er einen von ihm verfaßten Roman drucken und verbreiten ließ. Das Buch bedeutete einen völligen Versager. Weiterhin hatten die Geschäftsleiter auf ein Grundstück an der Bergstraße in Hessen Kredite von zusammen 131000 Mark gegeben, obwohl sie nur eine Sicherungshypothek von 80 000 M hatten auf ein Grundstück im Schätzungswerte von 77 800 M, belastet mit ersten Hypotheken vo,n 75 000 -M Daß bei einer derartigen frivolen Verschleuderung der Spargelder der Zusammenbruch kommen mußte, liegt auf der Hand. Wie der Konkursverwalter als Sachverständiger in der Verhandlung mitteilte, erhalten die Sparer und sonstigen Gläubiger der Kasse eine Quote von höchstens 10% ihrer Forderungen, jedoch nur unter der Voraussetzung, daß das an sich schwer verkäufliche Grundstück an der Bergstraße schließlich doch noch an den Mann gebracht werden kann. Der Vorsteher Jsele wurde vom Schöffengericht wegen der unzulässigen Inanspruchnahme des Kredits- M sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Der Geschäftsführer s Eiebert erhielt acht Monate Gefängnis. Außer der Ueber- chreitung des Kredits kommt bei ihm eine Fälschung der Bilanz; verspätete Konkursanmeldung in Betracht. Der dritte An- $ nmc Walther wurde freigesprochen, da er nur ganz aus-; uymsweise zu Geldgeschäften herangezogen worden war.
Vereinheitlichung im ländlichen Genossenschaftswesen, tralae^kl Oktober tagten gleichzeitig die Verbände und Zen- tion^^^anjtalten der ländlichen Eenossenschaftsorganlsa- a. M. und Wiesbaden in der Festhalle in ", â. Die vorgelegten Rationalisierungs- und Der- einNi^^^rträge sowie die Satzungen wurden beiderseits Teiir^1® Angenommen. Durch diese Beschlüsse ist bereits eine foMc "^nalisierung im rhein-mainischen Wirtschaftsgebiet er- bm?< vereinigen sich die beiden Verbände (Raiffeisen-Ver- B ™ffurt a? M und Verband der nass, landw. Eenossen- nerh» ^’^abcn) mit der Firma „Ländlicher Genossenschafts- ^^Weifen e. V." unter der Führung des Verbands- W^nten Dr. Nolden. Die Genossenschaftsbank für Hessen- Mau bildet zusammen mit der Genossenschaftsbank-Raiffeisen Rst - -nosseiischaßtliche Zentralkasse" c. G. m. b. H., während die f.^^Üen-Hauptgenossenschaft und die Landwirtschaftliche Zen- Wiesbaden sich zusammenschließen zur „Land- wichen Hauptgenossenschaft" e. E. m. b. H Alle drei n ™ « haben ihren Sitz in Frankfurt a. M. Die gesamte Ionisation umfaßt nunmehr rund 950 Genossenschaften.
>^wei Eisenbahner von einer Lokomotive überfahren
und getötet.
Mainz, 14. Oktober.
p J^m Freitag abend um 9.36 Uhr wurden der 51 Jahre alte ^otomotiüfü'ljrer Konrad Gärtner aus Mainz-Kastel und der Al c e Ev Lokomotivhilssheizer Heinrich Bischel aus Gau- t c’ln ’m Hauptbahnhos Mainz von der Lokomotive des "^en Güterzuges 668 erfaßt und getötet. Serbe nem ^aytetcn tm Güterbahnhof Rangcerocenste uno befanden sich
der Reparationen noch überschreiten, da sonst Deutskylanv inmitten einer sich entwickelnden Weltwirtschaft auf dem alten Stande verharren müßte und konkurrenzunfähig werden würde.
Aber von derartigen Ausfuhrüberschüssen ist gar keine Rede. Unsere Handelsbilanz, weist bis einschließlich 1928 Fehlbeträge von vielen Milliarden Reichsmark auf, die damals freilich einstweilen durch die Kreditgewährung ausgeglichen wurden. Im Jahre 1929 konnten wir nur einen ganz geringfügigen Ausfuhrüberschuß von 50 Millionen RM. erzielen, und auch in diesem Jahre wird der zu erwartende Ausfuhrüberschuß keinesfalls groß genug sein, um die Abzüge durch die Tributleistungen und die enormen Zinsen wett zu machen, die wir für die bisher aufgenommenen Anleihen an das Ausland zu bezahlen haben. Damit wird der Absatzausfall der Gläubigerstaaten in Deutschland sich noch verstärken.
Aber auch , die bisherigen deutschen Ausfuhrmengen, die wie gesagt, noch bei weitem nicht groß genug sind, um uns die Bezahlung der Reparationen ohne schwerste Erschütterungen unserer Wirtschaft zu ermöglichen, haben schon eine ungeheure weltwirtschaftliche Ueberproduktion zur Folge gehabt. Es ist klar, daß, wenn der Güterbedarf der Welt nicht um die Summe der deutschen Revarationsleisinngen zunimmt, eine dem deutschen Export entsprechende Ueberschußproduktion vorhanden ist, sofern nicht etwa die Gläubigerländer sich entschließen, entsprechend weniger im eigenen Lande zu produzieren. Theoretisch wäre eine andere Möglichkeit die, daß wir unsere Ausfuhr nach anderen Ländern steigern könnten Aber beide Möglichkeiten kommen praktisch nicht in Betracht, denn unsere Gläubiger denken gar nicht daran, ihren Produktionsapparat einzuschränken Im Gegenteil, sie haben ihn in vollkommener Berkennung des Reparationsproblems mit leichtfertigem Optimismus noch ausgebaut, so daß sie aus den Auslandsmärkten in schärfster Konkurrenz zu uns stehen ja sogar, wie jeNt die Bereinigten Staaten, dazu übergehen, nnS ihren eigenen Markt durch gewaltige Zallerhöhnngen n verschließen. Eine notwendige Folge davon muß sein, daß Deutschland, um den zu erwartenden Aussuhrrückgana aus-
'Heben, noch mehr als bisher seine Einfuhr einschränken muß
"mß daher seinen Bedarf, vor allem an Nährn ---------' vollkommen durch Produktion im eigenen Lande zu decken suchen. Es besteht fonad) auch reparationspolitisch für Deutschland ein Zwang zum Schutzzoll.
Wenn die Gläubiger bisher vernünftigen Argumenten nicht zugänglich waren, so wird die harte Erfahrung der Wirtschaftskrise sie lehren daß Aufrechterhaltung und Ausdehnung des eigenen ProduktionSumfanges mit gleichzeitigem Empfang von Repara- tionszahlungen seitens Deutschlands unvereinbar ist. Ein Widersinn ist es auch. daß ein Land verarmt, weil ihm sein Kapital entzogen wird, während gleichzeitig das in den anderen Ländern sich anhäufende Kapital infolge der Abfatzkrise keine Beschäftigung findet, wie das namentlich in Amerika und Frankreich der Fall ist. Das bedeutet auf die Dauer einen ungeheuren Produktionsrückgang in der ganzen Welt, der seinen Ausdruck in wachsender Arbeitslosigkeit findet.
Die Revision der Verträge liegt also im I n t e r.e s s e der ganzen Welt. Ein moralisches Recht Deutschlands aus Revision ist ferner daraus herzuleiten, daß sich infolge der auf dem Weltmarkt eingetretenen Preisrückgänge der talsächliche Wertiinserer Geldleistungen enorm erhöht hat, eine völlig ungerechtfertigte Steigerung über das im Boung-Plan festgesetzte und bereits damals von ersten Sachverständigen als untragbar gekennzeichnete Maß! Deutschland muß daraus dringen, daß endlich den Forderungen der wirtschaft- AHen Vernunft und politischen Gerechtigkeit Gebär gegeben wird !^on unserer Regierung aber müssen wir die restlose Äusuntzuns 'ller Revisionsmöglichkeilen »erlangen.
nach erfolgter Ablösung auf dem Wege nach ihrer Dienststelle. Anscheinend haben sie das Herannahen des, Zuges nicht wahrgenommen.
„Die Kirche und der Nationalsozialismus".
Frankfurt a. M., 14. Oktober.
Unter obiger Uebersthrift berichten die „Münchener Neuesten Nachrichten": Die von dem Mainzer Oberhirten verhängten ungewöhnlichen Maßnahmen gegen Nationalsozialisten sind in Zusammenhang gebracht worden mit Besuchen, die der deutsche Zentrumsführer Prälat Dr. Kaas bei dem in Rorschach zum Erholungsurlaub weilenden Kardinalstaatssekretär Pacelli gemacht hat. Man behauptete, den Vorstoß des Mainzer Bischofs als den Beginn einer Aktion Roms gegen den Nationalsozialismus anzusehen. Diesen Gerüchten gegenüber ist zu bemerken, daß ein Vorgehen des Vatikans gegen den Nationalsozialismus im heutigen Stadium als äußerst unwahrscheinlich zu bezeichnen ist. Wenn Rom in dem Parallelfall der übernationalistischen „Action francatse" in Frankreich mit den schärfsten Mitteln eingriff, so lagen doch die Verhältnisse dort wesentlich anders als bei Mussolinis Faschismus und bei Hitlers Parteiprogramm. Es liegt für die Kirche deshalb kein Anlaß und keine Möglichkeit vor, mit Mitteln der Disziplin gegen diese Lehren einzuschreiten. Der Kampf gegen sie wurde daher bis jetzt gewohnheitsgemäß der Seelsorge überlassen. So kennzeichnet sich der Schritt des Mainzer Bischofs als ein aus den lokalen Verhältnissen bedingtes Einschreiten aus seelsorgerischen, nicht aus disziplinären Gründen.
Büdo Luxus macht den Schuh mit wenig Bürstensfrichen glänzend
Hindernisse bei der Bekämpfung des Grotzfeuers in Herborn.
Herborn, 14. Okt.
Ueber das Eroßfeuer bei der Baumaterialien-Grotzhandlung Balzer u. Nassauer ist noch zu berichten, daß dem raschen Einlaß der Feuerwehrtätigkeit verschiedene Hindernisse im Wege gestanden haben, allerdings ohne Verschulden der Herborner Feuerwehr. So kam die große Motorspritze zu spät auf den Brandplatz. Der Grund lag darin, baff die Spritze wegen der vielen Hindernisse, hervorgerusen durch die Umbauten im Rathaus, wo die Spritze untergebracht ist, nicht schnell genug von ihrem Standort gebracht werden konnte. Als man sie dann am Brandplatz hatte, funktionierte sie zuerst nicht. Einen Hydranten konnte man nicht schnell genug in Tätigkeit fetzen, da er vollkommen unter Basaltsplitt vergraben lag. Der Schlüssel zum Haupteingangstor des Schießplatzes war nicht greifbar, um auch von bort' aus Schlauchleitungen von der Dill aus an den Brandherd zu führen. Schließlich trat auch die Lärmsirene nur leise in Tätigkeit, so daß auch die Feuerwehr ihren Ruf kaum vernehmen konnte. Die Entstehungsursache des Großfeuers ist bis jetzt noch unbekannt. Die Brandkommission der Landes- kriminalpolizei in Frankfurt a. M. mit der Aufklärung beauftragt worden.
Butzbach, 10. Oktober. (E i n schwerer Junge festge- II o IN M e n.) Gestern gelang es der hiesigen Polizei, den seit längerer Zeit steckbrieflich verfolgten Wilhelm Meyer hier fest- zunchmcn. Der Mann hat zahlreiche Diebstähle und Schwindeleien auf dem Kerbholz, hier hat er sich bei einem Betrugsversuch in die Hände der Polizei geliefert. Der schwere Junge trieb sich bisher in Hessen, Hessen-Nassau, Bayern und im Rheinland herum, wo er überall Diebstähle und Betrügereien verübte, durch die er sich offenbar ernährte. Dabei hatte er es u. a. auch auf Sport- und Jagdsachen abgesehen, hier hatte er u. a. auch ein Fahrrad in seinem Besitz, das fraglos aus einem Diebstahl herrührt. Bei dem Verhafteten fand man ein längeres AdröffenNsrzeichms: das wahrscheinlich Anhaltspunkte zur Ermittlung weiterer Straftaten geben wird. _............
Offenbach, 12. Okt. (Von einem Wächte r^e rschos- s e n.) In der vergangenen Nacht wurde der 70 Jahre alte Privatnachtwächter Grimm in der Frankfurter Straße von drei hermkehrenden Zechern angerempelt und geschlagen. Grimm geriet darüber so in Erregung, daß er seinen Revolver zog und einige Schüsse auf die drei Männer abgab. Er traf den 36 Jahre alten Buchdrucker Hugo Stapf, der einen Schuß in die Brust erhielt und bald nach der Einlieferung ins Krankenhaus starb.
Frankfurt a. M., 11. Okt. (Böß setzt sich in Hessen zur Ruhe.) Wie aus Berlin gemeldet wird, trifft der bisherige Oberbürgermeister von Berlin, Böß, Anstalten, um alsbald Berlin zu verlassen. Wie verlautet, hat er die Absicht, sich in einer kleinen Stadt in Hessen niederzulassen. Böß ist bekanntlich in Gießen geboren und hat den Wünsch, seine frühzeitig erzwungene Ruhe auch in seiner hessischen Heimat zu genießen.
Frankfurt a. M., 11. Okt. (Verbrennung durch Röntgen strahlen.) Vor einer Zivilkammer schwebte seit etwa Jahresfrist ein interessanter Schadenersatzprozetz, der nunmehr entschieden worden ist. Im Jahre 1924 befand sich im Krankenhaus der israelitischen Gemeinde ein Patient, der dort geröntgt wurde. Nach den Bestrahlungen zeigten sich an !einem Körper Beschädigungen, die auf Verbrennungen durch diese Röntgenbehandlung zurückzuführen waren. Der Patient forderte von der israelitischen Gemeinde Schadenersatz in Höhe von 3800 RM. Die gerichtlichen Feststellungen ergaben, daß eine Ueberdosierung stattgefunden hatte, und zwar betrug die Intensität der Strahlen 130 Piment, während nur 100 Prozent zulässig sind. Das Landgericht kam zur Abweisung der Klage. Es stellt sich dabei auf den Standpunkt, daß zwar eine Ueber- dosieruna vorlag, es sei aber nicht gelungen, darzutun, daß diese Ueberdosierung auf ein Verschulden der Aerzte zurückzusühren sei. Diesen Beweis habe der Patient nicht erbringen können. Die Apparatur, die geprüft wurde, sei vollkommen in Ordnung befunden worden.
Frankfurt a. M^ 13. Okt. (Statistik der Frankfurter Stratzenverkehrsunfälle.) Im dritten Vierteljahr dieses Jahres ereigneten sich im Frankfurter Straßenverkehr 680 Unfälle. Dabei wurden 360 Personen verletzt und 13 getötet. An den Verkehrsunfällen waren 15 Autobuffe, 93 Lastkraftwagen, 30 Autodroschken, 422 Personenkraftwagen, 275 Krafträder, 75 Straßenbahnzüge, 40 Pferdefuhrwerke, 209 Fahrräder und 15 Handkarren beteiligt. Die meisten Unfälle ereigneten sich in den Stunden von 10 bis 15 Uhr, nämlich 262, sowie in der Zeit von 15 bis 20 Uhr mit 235 Unfällen.
Darmstadt, 13. Okt. (Stenographenprüfung.) Die nächste Geschäftsstenographenprüfung des Geschäftsstenographen- Prüfungsausschuffes ist auf Sonntag, den 9. November, vormittags 9 Uhr, in der Mittelschule in Darmstadt, Hermannstraße, festgesetzt. Meldungen müssen bis^ spätestens Dienstag, 4. November, in der vorgeschriebenen Form eingegangen sein. Die Prüfung findet nur in Einheitskurzschrift von 150 Silben aufwärts itatt.
Darmstadt, 13. Okt. (Wegen Unterschlagung im Amte verurteilt.) Der Kreispfandmeister Brunner aus Darmstadt hatte sich heute wegen Unterschlagung im Amte vor Gericht zu verantworten. Er hatte einen Betrag von etwa 1600 Reichsmark unterschlagen. In der Verhandlung behauptete er, das Geld sei ihm gestohlen worden. Das Gericht kam jedoch zu der Auffaffung, daß die Unterschlagung nachgewiesen sei und verurteilte Brunner zu zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis.
Lampertheim, 13. Okt. (Sandblattverkauf im Lampertheimer Tabakgebiet.) Die Gesamternte an Grumpen von über 80 Zentnern wurde hier verkauft. Das Pfund wurde allerdings nur mit 18 Pfennig bezahlt, ein sehr niedriger Preis, da in der Pfalz z. B. bis 41 Pf. und auch in den benachbarten hessischen Tabakorten bedeutend höhere Preise bezahlt wurden. Die Grumpenqualität war meist gut; vielfach wurde jedoch die Behandlung beanstandet, was sich selbstverständlich im Preise auswirkte
Turnen, Sport und Spiel
Landesschlußschieben des Verbandes Hessischer Kleinkaliber- fchützenoereine.
Der dem Reichsverband Deutscher Kleinkaliber-Schützenverbände und dem Deutschen Reichsausschuß für Leibesübungen angeschloffene Verband Hessischer Kleinkaliberschützenvereine hielt kürzlich in Hanau sein diesjähriges Landesschlußschießen ab. Am Vorabend fand die Jahresversammlung der Kreisschießleiter statt, zu der die Vertreter des 50 Kreise umfassenden Gebietes (Hessen-Nassau, Oberhessen und angrenzende Kreise) zusammengekommen waren.
Am Sonntag früh wurden dann auf dem schönen Schießstand des Kleinkaliberschützenvereins „1928“ am Wilhelmsbad die Landesmeisterschaften ausgetragen. Aus den 660 Vereinen des Verbandes waren hierzu etwa 85 Schützen, die bereits dreimal in Ausscheidungskämpfen gesiegt hatten, zusammengezogen. Ein würdiger Feldgottesdienst, den Pfarrer Korff aus Gemünden a. d. Wohra abhielt, leitete den Wettkampf ein. Fünfzehn Schuß in drei Körperlagen waren abzugeben. Leider war der Wettergott wenig günstig. Doch konnte das den flotten Schießbetrieb auf dem Stand nicht beeinträchtigen. Das Schießen, an dem sich auch die Kreisschießleiter mit einer kleinen Sonderkonkurrenz beteiligten, war Mittags beendet. Anschließend fand im Hotel Adler durch den Verbandsvorsitzenden die Verkündung der Sieger und die Ausgabe der wertvollen Ehrenpreise statt.
Die Landesmeisterschaft in der Jugendklasse errang die Jungmannschaft E s ch w e g e mit dem vortrefflichen Ergebnis von 610 Ringen. Es folgten Neuwirtshaus mit 569, Homberg, Bez. Kassel, mit 527, Habel mit 525 und Selters mit 469 Ringen. Die E i n z e l m e i ste r s cha f t der Jungschützen gewann Hermann Kiehl (Eschwege) mit 142 Ringen; dann schlossen sich an: Burkert (Gudensberg) 136, Otto Kötter (Altenstadt) und Willi Jakob (Oberbornhofen) je 134, Füllner (Eschwege) und A. Bode (Homberg) je 133, Rechberg (Hersfeld) und Reuel (Schlierbach) je 129 Ringe.
In der Altersklasse ging der Verein Debra „Treff" mit 669 Ringen als Sieger hervor. Die nächstbesten waren Gelnhausen und Hofbieber (Kreis Fulda) mit je 667, Marburg „Reichsbahnsportverein" 664, Hersfeld 648 und Hofgeismar 600 Ringe. Als Landesmeister der Altschützen erzielte Ambros Hohmann vom Verein Hofbieber (Kreis Fulda) das hervorragende Ergebnis von 152 Ringen. Es folgten: Orth (Hersfeld) und Horn (Bebra) mit je 149, Holzheid (Hann.-Münden) 145, Schröder (Eschwege) und Deucker (Marburg) mit je 144, Lutz (Hofgeismar) 143, Hoffmann (Gelnhausen) und W. Salzmann (Bebra) je 142 Ringe.
Den Kreisschießleiterpreis erschoß Förster Herrberg, Försterei Louisendorf, Kreis Frankenberg.
Sp. In weiser Voraussicht hat der Süddeutsche Fußball- und Leichtathlctikverband eine allgemeine Amnestie erlassen, die sich auf alle Verstöße gegen die Ainateurbestiniinungen bezieht, soweit sich diese vor den Dresdener Beschlüssen ereigneten. Werden die anderen Verbände folgen?
Sp. Eine Tagung der Arbeitsgemeinschaft Turnen—Sport findet am 18./19. Oktober in Berlin statt. Hauptpunkt der Tagesordnung ist die Amakeursrage. Bei der bekannten Stellungnahme anderer Verbände gegen die Dresdener Beschlüsse des D. F. B. wird es wohl kaum ohne Reibereien abgehen.
Sp. Die Boxplcilr macht sich auch in Amerika mehr und mehr bemerkbar. Nachdem erst kürzlich das Treffen Sharkey gegen Campolo abgesagt wurde und der Kampf Earnera— Maloney nur rund 40 000 Dollar cinbrachte, wurde jetzt die Fliegen- gewichtsweltmeisterschaft zwischen Frankie Genaro und Midget Wolgast, die am Freitag in Newyork ausgetragen werden sollte, aus unbestimmte Zeit verschoben.
Sp. Die Ehrennadel des Deutschen Schwimmverbandes er- hielten in Anbetracht ihrer Förderung des europäischen Wasser- balllurniers in Nürnberg die dortigen Oberbürgermeister Dr. Luppe und Stadtrat Dürr.