Zul-aer ^njciger
Erscheint jeden werktag.Bezugspreis: monatlich 2.20 RM. Bei Lieferutigsbehinöerungen öurch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Zrieörich Ehrenklau, Zulöa, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver- leger. Postscheckkonto: Zranksurt a. M. Hr.16009
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Iulöa- und Haunetal * Iulöaer Kreisblatt
Redaktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 * Zernfprech-Rnfthluß Nr.-S-
Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit «DpsUenangab» »ZulSaer Fuzelg»r' arslo ttet.
Rozelgenprels: Zur Schörden, Genossenschaften,Banken usw. beträgt die ttletazetlr 0.30 Mk., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark ♦ Bei Rechnungsstel- lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfolgen ♦ Tag- und Platzvorschrlsten unverbindlich.
Nr. 238 — 1930
Fulda, Samstag, 11. Oktober
Jahrgang
Vater des Vaterlandes.
Die zweite Rheinlandfahrt unseres greisen Reichspräsidenten.
Der Herr Reichspräsident hat nunmehr den Städten Aachen und Trier seinen Besuch anläßlich der Befreiung der Rheinlande abgestattet. Bekanntlich konnte er bei seiner ersten Rheinlandfahrt diese Städte nicht mehr besuchen, da das furchtbare Koblenzer Brückeneinsturz-Unglück in der Nacht zum 23. Juli so jäh die Freude in tiefe Trauer wandelte.
Hindenburg in Aachen.
Festlicher Empfang.
Reichspräsident von Hindenburg traf Freitag kurz nach 10 Uhr in Aachen ein, in seiner Begleitung befanden sich nur Staatssekretär Meißner und Major von der Schulenburg. Die Spitzen der Behörden begrüßten den Reichspräsidenten und schlossen sich der Rundfahrt durch die Stadt an, die vor der Technischen Hochschule durch eine Begrü- smilg seitens des Rektors, des Senats und der Studentenschaft unterbrochen wurde. Auf der Fahrt nach Aachen war der Reichspräsident auf den Bahnhöfen Gladbach- Rheydt und Erkelenz von Schuljugend, Stadtbehörden und großen Menschenmengen begrüßt worden. In dem geschmückten Aachen läuteten alle Kirchenglocken. Lportflugzeuge führten bei prächtigem Sonnenschein Geschwaderflüge aus. Die Hauptstraßen waren schon viele Stunden vor Beginn der Fahrt von dichten Menschenmengen umsäumt, überall wurde der Reichspräsident mit Hochrufen empfangen.
Im Rathause wurde sodann ein Festmahl abgehalten, M dem sich eine auserwählte Gesellschaft an Behördenvertretern und Ehrengästen um den Reichspräsidenten, seine Begleitung und den Oberpräsidenten der Rhein- Provinz Dr. Fuchs versammelte. Die erste Begrüßungsrede hielt der
Aachener Regierungspräsident Stieler.
Er führte u. a. aus:
Große Freude herrscht heute in den ärmsten Gebirgs- dörsern der Eisel wie in den Städten und Dörfern der Wurm- und Rürniederung. Ihr Besuch füllt leider in eine Zeit besonders schwieriger politischer und wirtschaftlicher Verhältnisse Deutschlands. Die große wirtschaftspolitische Depression mit ihren schweren wirtschaftlichen und sozialen Folgen Hai auch das Aachener Land schwer getroffen. Während die Wohlfahrts- laflen der Gemeinden beängstigend steigen, werden weite Kreise des Mittelstandes durch diè gesunkene Kaufkraft der Masse der Arbeiterschaft tiefer herabgezogen. Um das Maß des Unglücks vollzumachen, wurde der fruchtbarste Landstrich des Bezirks, das Jülicher Land, von einer Mißernte stark betroffen. Groß waren die Leiden, schwer sind die Folgen und doch — wir glauben an Deutschland! Glauben an den Sieg des Rechts, glauben au Deutschlands Macht und Kraft, glauben an Deutschlands Wiederaufstieg, glauben an ein starkes und glückliches Deutschland. Sie, Herr Reichspräsident, gaben und geben dem cholk das schönste Beispiel. Möge unser gemeinsamer Vater im vlmnie! dieses große Beispiel über religiöse Spaltung, Poli- Me Wirrnisse und soziale Zerklüftung hinweg segnen zum -sohle von Staat und Volk!
Oberbürgermeister Dr. Rombach
führte sodann in der zweiten Begrüßungsrede aus: Aachen gegrüßt mit herzlichem Jubel den Repräsentanten des neuen Deutschen Reiches in seinen Mauern. Generalfeldmarschall von Budeuburg weilt als Gast in der Pfalz Karls des Großen, «le ein Bollwerk des Deutschtums hat diese Pfalz mehr d<um Jahrtausend lang die Wacht im Westen gehalten. Mit -vaung und Gewalt hat fremdes Begehren immer wieder j tiefem Kleinod in der Reiches Krone gegriffen' — Aachen deutsch und blieb deutsch allezeit! Unser bestes Hinterland,
. die Kreise Eupen und Malmedh,
Ä ein Viertel des Kreises Monschau, sind uns entrissen beifS' Zahlreiche Wirtschastsbetriebe mit etwa 16 000 Är- ein kamen unter den Stürmen des Ruhrkampfes zum den Die stolzesten Überlieferungen Aachens kreisen um r^i^,!-^nuniwobencn Gründer des ersten germanischen Welt- rer Karl den Großen. Ein Held im Kriege, ein Fuh- . ^cr des Volkes im Frieden — so steht ferne hohe triu 1 ^r Auge und Herz eines jeden Aacheners. Neben thu der mb e für uns in die altersgrauen Mauern seiner Pfalz am "' der auf den Schlachtfeldern des Weltkrieges mte demâ„uerrad des Reichsschiffes sich als die Verkörperung Uud x " Pflicht- und Rechtsgefühls, deutscher Wehrhaftigkeit Rei^^^n Friedenswillens erwiesen hat. Ihnen, >?crr de»n<< "^'"- schlagen in Aachen heute Hnnderttamendc
Cs Herzen entgegen, und Ihnen, dem allzeit getreuen (nn * öc? Reiches, entbieten wir unseren ehrerbietigen Will- UinJ9r^ "" dieser durch die Geschichte geheiligten Stätte, fr-allertiefster Dank gilt den Männern, die für drc Be- des Rheinlandes all ihre Kraft eingesetzt haben, den Sir?/" ""d den Toten, vor allem bem großen Toten Gustav m n n n 1 Er gilt unserem hohen Reichspräsidenten, und sn Potter des Vaterlandes, dem Rufer zur Einigkeit Polksgemeinschaft.
Ehrenbürger der Stadt Aachen.
VerirÄ^" J° tief empfundenen Danke glnubtc die berufene Vcrkih,® der Aachener Bürgerschaft auch äußeren Ausdruck die "Essen. Ich habe den besonderen Vorzug, Ihnen biekr „ ^htng des Ehrenbürgerrechts der Stadt Aachen in überrpin.»» heimischer Künstlerhand gefertigten Urkunde zu rinriii Oberbürgermeister Dr. Rombach schloß dann mit aus den neuen Ehrenbürger der Stadt Aachen.
Reichspräsident von Hindenburg
erhob sich sodann und hielt folgende Ansprache:
„Bei meiner heutigen Fahrt durch Ihre schöne, mir von früher her wohlbekannte Stadt habe ich aus allen Kreisen der Bevölkerung sehr viel freundliche Begrüßung erfahren, so daß cs mir aufrichtiges Bedürfnis ist, allen von ; nzcn gleichfalls dafür zu danken. Ich entnehme aus diesen dgcbungen der Bevölkerung das freudige Bekenntnis, auch in aller Zukunft treu zu Preußen und zum Reich zu stehen, und das hat meinem alten Herzen besonders wohlgetan. Sic, Herr Oberbürgermeister, haben wir soeben meine Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Aachen mitgeteilt. Ich nehme die Ehrung, die mir damit erwiesen wird, mit aufrichtigem Dank entgegen. Ich will in dieser Stunde nicht mehr die vergangenen schweren Jahre harten Leidens in Ihre Erinnerung zurückrufen. Aber eine Zeit lebt gerade in diesem Ihrem altehrwürdigen Rathaus vor unseren Augen wieder auf: jene sorgenschweren Tage, in denen sich Ihr Bürgersinn unerschrocken und opferbereit zur Wehr setzte gegen landesverräterische Umtriebe und tapfere Männer aller Stände waffenlos dies Rathaus stürmten und die üblen Elemente entfernten, die von hier aus ihren
Anschlag auf Abtrennung deutschen
P o d eji4 v e m Mut trrlande durchführen wollten. Ganz Deutschland blickte damals mit stolzer Bewunderung auf Sie: Sie haben sich würdig erwiesen der großen Vergangenheit Ihrer Stadt, der alten Kaiserstadt und einstigen Wiege des Reiches, deren geschichtliche Erinnerungen noch heute machtvoll zu uns sprechen. In alten Zeiten genossen Aachen, „des deutschen heiligen römischen Reiches freie Stadt", und seine Bürger besondere Ehren. In Tagen jüngster Vergangenheit haben Sie, die trotz aller äußeren Bedrückung innerlich freie und unabhängige Bürger von Aachen blieben, das stolze Vorrecht für sich in Anspruch genommen, in treuem Dienste am Vaterlande bem ganzen deutschen Volke ein leuchtendes Vorbild zu sein. Sic haben damir der Stadt Aachen auch einen Ehrenplatz in der neuen deutschen Geschichte er- rungcn! In unauslöschlicher Dankbarkeit gedenken wir in
die Stätte des Festaktes.
dieser Stunde aller, die in der Not der vergangenen Jahre Leben, Freiheit und Heimat aufs Spiel setzten um dem Vater- lande und seiner Ehre nicht untreu zu werden. Lassen Sie uns mit freudigem Mute, allen Schwierigkeiten zum Trotz, die gc- radc Sie im Grenzgebiet noch immer so stark bedrücken, gemeinsam weiter Hand anlegen an den Wiederaufbau des Reiches."
Der Reichspräsident schloß mit einem Hoch auf Deutschland, worauf die Festversammlung das Deutschlandlied sang.
Nach Beethovens Siegesmarsch trat Hindenburg auf die Freitreppe des Rathauses hinaus, wo er von vielen tausend Menschen jubelnd begrüßt wurde. Ein Männer- chor brachte ihm seine Huldigung im Liede dar. Anschließend begab sich der Reichspräsident zu einem Empfang im kleinen Kreise.
Bevor sich der Herr Reichspräsident in das Neue Kurhaus begeben hatte, begrüßte er die ihn in der Säulenhalle erwartenden Veteranen und Kriegsverletzten, unter denen sich einige Mitkämpfer des Feldzuges von 1866 befanden. Auch vor dem neuen Kurhaus grüßte eine riesige Menschenmenge in brausenden Hochrufen den Reichspräsidenten. Am Nachmittag des Aachener Hindenburg- Tages veranstalteten die Aachener Turn- und Sportverbände gemeinsam mit der Aachener Schuljugend eine große Kundgebung zu Ehren des Reichspräsidenten von Hinden- burq 'in dem herrlich gelegenen Aachener Waldstadion. Dann fuhr der Herr Reichspräsident auf der Läuferbahn unter dem Jubel der vieltausendköpfigen Menge um den grünen Plan, um dann die Rückfahrt zur Stadt durch den herbstlich leuchtenden Aachener Stadtwald anzutreten.
Um 17.30 Uhr besichtigte der Reichspräsident unter Führung des Stiftsprobstes Weihbischof Dr. Straeter das jüngst zur Kathedrale erhobene Aachener Münster, in dem die deutschen Kaiser gekrönt wurden.
Nach dem Verlassen des Münsters unternahm der Reichspräsident noch eine Rundfahrt durch die immer noch von dichten Menschenmassen angefüllten Straßen der Stadt, und immer wieder schallten dem Reichsoberhaupt brausende Hochrufe entgegen. Bei Eintritt der Dunkelheit erstrahlten die öffentlichen und privaten Gebäude in hellem Lichterglanz. Lange Reihen von roten Fackeln beleuchteten magisch die Häuserfassaden. Die Rundfahrt endete im neuen Kurhause, wo der Empfang einer Abordnung aus dem Grenzgebiet, verbunden mit einem Vortrag des Regierungspräsidenten Stieler, stattfand.
Abreise Hindenburgs nach Trier.
Der Herr Reichspräsident fetzte heute vormittag um 7.46 Uhr in Begleitung des Staatssekretärs Dr. Meißner und des Oberpräsidenten der Reichsprovinz, Dr. Fuchs, seine Reise durch das befreite Gebiet über Düren und Euskirchen nach Trier fort.
Der Reichspräsident in SentschlandS ältester Stadt.
Hindenburg in Trier.
Auf seiner zweiten Rheinlandfahrt wurde der Reichspräsident, von Aachen kommend, in Trier von einer unübersehbaren Menge begeistert empfangen. Die Straßen prangten im Schmuck von Fahnen und Blumen, Abordnungen, Verbände und Schulen bildeten auf dem Wege vom Bahnhof nach der Sportanlage der Stadt Trier, wo Regierungspräsident Dr. S a a s s e n den Reichspräsidenten begrüßte, Spalier. Der Regierungspräsident führte in seiner Rede folgendes aus:
„Im stolzen Gefühl ber wicdcrgewonncncn Freiheit wollen wir heute
dem Vater unseres Vaterlandes huldigen und jubelnd in seine Hände das Treuebekenntnis zu unserem Reich und seiner Verfassung erneuern. Notzeit liegt hinter uns, Jahre fdpvcrftcr Not, wie sie nur je fremde Besetzung deutschem Lande gebracht hat.
Grenzlandvolt grüßt heute den Vater des Vaterlandes.
Volk der Grenzmark, die aus 1000 Wunden blutet und die Schäden nicht verwinden kann, die das Friedcnsdiktat von Versailles ihm gebracht hat: Grenzen, die Deutsche von Deutschen trennen, Grenzen durch deutsches Land, wo ehedem Handel und Wandel ungehindert ihren Weg gingen.
Hinüber klinge das Echo dieser Stunde zu all unseren Brüdern und Schtvestern an der Saar und werde zum Ausdruck unseres sehnsüchtigsten Wunsches, daß auch ihnen Die Stunde der Befreiung unb der Rückkehr zum Vaterlande bald schlagen möge.
In unserer übergroßen Not wollen wir
Den verdienten Dank
nicht vergessen, den wir Ihnen, hochgeehrter Herr Reichspräsident, und der Reichs- und Staatsregierung für die reiche Hilfe fchulden, die unserem Grenzland in den vergangenen Jahren und gerade jetzt wieder durch die Bereitstellung der Mittel zur Durchführung der Westgrenzhilfc zuteil geworden ist. Mit unserem aufrichtigsten Dank verbinden wir Die Bitte, daß Sic sich aus ber Erkenntnis ber Größe unserer Not für die Fortführung der dringend notwendigen Fürsorge
für bic bedrängten Grenzgebiete im Osten und Westen einsetzen werden.
Möge es Ihnen in ber schweren Zeit, bic vor uns liegt, mit Gottes Hilfe gelingen, das Steuer des Staatsschiffes durch Klippen und Sturm zu führen und unser Volk aus nriiütrr wirtschaftlicher unb nolitischer Not iu erretten."
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Reichspräsident von Hindenburg unternahm die seinerzeit ausgeschobenen Besuche der Städte Aachen und Trier im Rheinland und wurde an beiden Stellen begeistert empfangen.
* Das Gnadengesuch für die im Leipziger Prozeß verurteilten Ulmer Neichswehrossizierc hat Reichspräsident von Hindenburg abgelehnt.
* Der schweizerische Große Rat erhob Einspruch gegen die Verteuerung der Bahntarise durch die deutsche Reichsbahnverwaltung.
* Zn London sand unter großer Anteilnahme der Bevölke- W die Trauerseier für die Opfer der Katastrophe des Luft- jchlffes „R. 181“ statt.