Zul-an Anzeiger
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Nr. 235 — 1930
Fulda, Mittwoch, 8. Oktober
7. Jahrgang
Spaltung der Staatspartei!
Der Jungdo tritt aus.
In der gestrigen Sitzung des Hauptaktionsausschusses der Deutschen Staatspartei haben der Führer der Volksnationalen Reichsvereinigung (Jungdo) und die übrigen Mitglieder derselben ihren Austritt aus der Deutschen Staatspartei erklärt, da, wie in der Begründung gesagt wird, „weltanschauliche Gegensätze ihnen das weitere Verbleiben in der Staatspartei unmöglich machten".
Der Hauptaktionsausschuß der Deutschen Staatspartei trat zusammen, um über die zukünftige Organisation der Staatspartei zu beraten und die Meinungsverschiedenheiten zu klären, die sich über einige Fragen in der Partei ergeben haben. Es entwickelten sich lebhafte Auseinandersetzungen, die mehrere Stunden dauerten und an deren Schluß eine von den beiden widerstrebenden Flügeln, den früheren Angehörigen der Deutschen Demokratischen Partei und den Anhängern des Jungdeutschen Ordens, gemeinsam verfaßte Entschließung folgenden Inhalts herausgegeben wurde:
„In der Sitzung des Hauptaktionsausschusses der Deutschen Staatspartei am Dienstag wurde ein Antrag, angesichts der hervorgetretenen Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit die verschiedenen politischen Gruppen in ihrer organisatorischen Selbständigkeit zunächst unberührt zu lassen, abgelehnt. Des weiteren wurde der Antrag, die Führung durch Ausschaltung bestimmter Persönlichkeiten zu ändern, abgelchut. Hiernach erklärten Herr Mahraun und die übrigen Mitglieder der Volksnationalen Reichs- Vereinigung (Jungdo) ihren Austritt aus der Deutschen Ltaatspartei mit der Begründung, daß weltanschauliche Gegensätze ihnen das weitere Verbleiben in der Deutschen Ltaatspartei unmöglich machten."
Wie man hört, soll zwar die Staatspartei vorläufig als Zusammenschluß der demokratischen und der volksparteilichen Politiker bestehen bleiben. Aber beide Gruppen, b. h Staatspartei und die ausgeschirdeuen Jungdo- leute, besitzen mit 14 resp, sechs Abgeordneten keine Fraktionsstärke mehr im Reichstag (Mindestzahl 15 Mandate). Im wesentlichen hatte der Jungdeutsche Orden das Ausscheiden des preußischen Finanzministers Dr. H ö p k e r - Aschoff und des Abgeordneten Oskar Meyer aus der Parteileitung verlangt. Auch die demokratischen Abgeordneten Dr. Stolper und Reichssinanzminister Dr. Reinhold sollen vom Jungdeutschen Orden nicht als geeignete Vertreter angesehen werden, da sie zu weit nach links stehen und in knltnrellen Dingen nicht mit dem Orden übereinstimmten.
Die Presse zur Krise in der Deutschen Staatspartei.
Die Berliner Morgenblätter sehen fast alle in dem Austritt der jungdeutschen Gruppe aus der Staatspartei das Ende dieser neuen Parteigruppierung. Der „V ö r s e n - C o u r i e r" bezeichnet die Grundlagen der Staatspartei als zerstört. Die Sammlung müsse aber jetzt erst recht auf anderer Grundlage mit ganz anderer Beherztheit begonnen werden. Das fortschritt- iichè Bürgertum werde aus seinen Fehlern lernen. — Das „Berliner Tageblatt" spricht von dem mangelndem Augenmaß und der politischen Ahnungslosigkeit der Jungdeutschen und bezeichnet es als Erleichterung, daß die demokratischen Abgeordneten künftig keine Verantwortung mehr für diese seltsamen politischen Gefährten zu tragen haben. — Die „V o s s i - sche Zeitung" sagt, der Jungdeutsche Orden, dessen Einsatz Mahraun mit der Not des Vaterlandes begründet habe, habe ie Probe dieses Einsatzes nicht bestanden. —■ Die „Germania"
in dem Zerbrechen dieser politischen Bewegung, die eine.
Erdstöße in Süddeutschland.
Jedoch keine bedeutenden Schäden.
Aus einer ganzen Anzahl von Städten in Süddeutsch- m w ^b ^meldet, daß heute früh gegen halb ein Uhr in ^^fre zu verspüren gewesen seien. So wurden , . in der Frühe um 0.27 Uhr zwei leichte und Aull . Ito später ein ziemlich heftiger Erdstoß verspürt. Würd m .Har"nsch-Partenkirchen und in Oberammergau besa biöße wahrgenommen. Eine weitere Meldung srüb^ ’ Eh 'N Friedrichshafen und in Ravensburg heute sei °'28 ^$r ein heftiger Erdstoß bemerkbar gewesen wenige Minuten später erschütterte das Beben die worl â^enseegegend, sogar in Karlsruhe und Heidelberg ten dw Erdstöße noch zu spüren.
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das in der vergangenen Nacht in ganz Süd- Hii5 be osi nbenommen wurde, war das stärkste bisher bei
2» München fielen in manchen Stadtteilen Schlafende
Nach ej aue den Betten. die Nadels ll^ickeilung der Münchener Sternwarte sprangen ct Leiden dort aufgestellten Seismographen sofort
Mahraun und Bornemann Aber die Gründe.
Die Führer der Volksnationalen Reichsvereinigung entwickelten in einer Pressebesprechung die Gründe, die zum Ausscheiden der Volksnationalen Reichsvereinigung aus der Deutschen Staatspartei geführt haben.
Mahraun erklärte, er und seine Freunde hätten bei der Gründung der Staatspartei das Ziel verfolgt, dem negativen Radikalismus der Nationalsozialisten eine a k t i v i st i s ch e Front der staatsbejahenden positiven Kräfte entgegenzu fetzen und in diefer Front alle zu sammeln, die zwischen Marxismus und negativem Rechtsradikalismus ständen. Die bisherigen Erfahrungen mit der Staatspartei hätten gezeigt, daß mit ihr in ihrer jetzigen Zusammensetzung dieses Ziel nicht zu erreichen sei. Die Trennung habe wegen weltanschaulicher und organisatorischer Gegensätze erfolgen müssen. Dabei hätten aber keineswegs so kindliche Dinge wie Antisemitismus oder Antikapitalismus eine Rolle gespielt.
Der Abgeordnete Bornemann ergänzte diese. Ausführungen. Die Volksnationalen würden ihr altes Ziel nicht aufgeben, sondern jetzt erst recht große Aktivität entfalten. Sie würden rund 10 000 Versammlungen in ganz Deutschland einberufen, um die Sammlung der aktivistischen staatsbejahenden Kräfte herbeizuführen.
Koch-Weser legt den Parteivorsitz nieder.
Reichsminister a^ D. Koch-Weser hat auf Grund der Vorgänge in der Staatspartei den Vorsitz der Deutschen Demokratischen Partei niedergelegt und veröffentlicht folgende Erklärung: „Nachdem die Volksnationalen zu meiner tiefen Enttäuschung den Austritt aus der Staatspartei vollzogen haben, lege ich mein Amt als Vorsitzender der Deutschen Demokratischen Partei nieder. An dem Ziel einer Sammlung der Elemente der Mitte, die auf dem Boden des heutigen Staates und der heutigen Wirtschaftsordnung stehen und die bereit sind, sie nach rechts ebenso wie nach links zu verteidigen, halte ich s e st. Die Zeit für eine solche Entwicklung ist reis, ja überreif. Möchten die Menschen dazu reif werden, ehe es zu spät ist."
Sammlung des Bürgertums sein sollte, zwar innere zwingende Gründe, jedoch sei es nicht ohne eigene Schuld der Beteiligten geschehen. — Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" hält es für notwendig, daß man versuchen solle, eine noch weitergehende Schwächung der Mitte zu verhindern. — Die „Bör - sen-Zeitung" nennt das Ausscheiden der Jungdeutschen einen Fehlschlag Mahraun'scher Politik, der nicht der erste ist, aber der handgreiflichste. Die bündische Bewegung solle die deutsche Jugend erziehen, ihre Führer sollten die Finger von der Parteipolitik lassen. Auch die „Deutsche Tageszeitung" unterstreicht das Interesse der nationalen Erziehung der Jugend und begrüßt die Befreiung des Jungdo von der Umklammerung der Elemente, die für ihn auf die Dauer nach der weltanschaulichen, wie nach der nationalen Seite hin den Ruin hätte bedeuten müssen.
beim Einsetzen des Erdstoßes aus, so daß weitere Aufzeichnungen nicht mehr zustande kamen. Die Erdbebenwarte in Hohenheim bei Stuttgart verzeichnete als genauen Zeitpunkt des Einsetzens des Bebens 0.27 Uhr Minuten 38 Sekunden. Auch dort und bei der Erdbebenwarte in Ravensburg wurden durch die heftige Erschütterung die Geräte ausgeichaltet.
Soweit die bisher vorliegenden Nachrichten erkennen lassen, scheinen die Erdstöße
am heftigsten im Alpengebiet
ausgetreten zu sein. In Ehrwald in Tirol wurden die Betten von der Waiid abgerückt. Dort wurden 3 Stöße von gleicher Dauer wahrgenommen. Leute, die sich auf der Straße befanden, wollen einen starken Lichtschein beobachtet haben, der den Eindruck machte, als ob ein Meteor vom Himmel falle. Der Herd des Bebens dürfte im Alpengebiet liegen. Bedeutender Schaden wurde nirgends «»gerichtet. Vielfach entstanden an den Gebäuden kleine Riffe im Mauerwerk.
G. 38 am Schwarzen Meer.
Die Junkers G. 38 hat in einstündigem Fluge, von Bukarest kommend, Constanza erreicht. Wie von dort gemeldet, wird sie ihren Weiterflug nach Konstantinopel voraussichtlich morgen nachmittag antreten, nachdem ein von der Besatzung angesor- dertor Ersatzmotorenzylinder ringetrofsen sein wird.
Am Beobachiungsstand.
Die zerstörten Körper der 50 Toten werden feierlich zu Grabe geleitet, — aber die Lebenden haben ein Recht darauf, zu erfahren, ob die Katastrophe des „R. 101" wirklich nur ein unvermeidbares Unheil war. Oder ob Fahrlässigkeit, ob ein direktes Verschulden mitsprechen. Gewiß sind viele von jenen, die die Verantwortung für das Luftfchiff und feine Fahrt getragen haben, selbst dem Flammentode zum Opfer gefallen. Sicherlich haben auch jene nicht unrecht, die allein schon im Hinblick auf die fünfjährige Baugeschichte des Luftschiffes ein Unheil nicht für unmöglich erklärten, das allzu leicht durch widrige Elementarereignisse ausgelöst werden könnte, — und ihre Stimmen find jetzt so laut geworden, daß die Kritik hinübergreift auf das ganze Unternehmen einer Fahrt nach Indien. Dorthin sollte das Luftschiff fahren, sollte dann bald wieder umkehren und damit eine doppelte politische Aufgabe lösen: die Gegner des englischen Luftfahrtwesens im eigenen Lande sollten durch den Erfolg sozusagen mundtot gemacht werden, denn auch die Fahrt des „R. 100" nach Kanada hatte die Kritiker nicht verstummen lassen. Und, daß gerade Indien zum Ziel für den „R. 101" gesetzt wurde, hat gleichfalls eine nur allzu durchsichtige politische Bedeutung. Zumal da gerade jetzt in London die allbritische Reichskonferenz tagt, die Probleme des englischen Weltreiches aufgerollt werden. Eine Rekord- und dazu noch eine „politische" Fahrt — über die Verantwortlichen schließt sich das Grab, auch darüber, ob nicht letzten Endes in dieser politischen „Zielsetzung" die Ursache zu suchen ist. Und wenn das der Fall sein sollte, dann ergänzt sich das Unglück zu einem auch politischen Mißerfolg. Hatte man doch gerade wegen der Absicht der Jndienfahrt sogar allerhand Befürchtungen über Attentate u. dgl. gehabt und umfassende Vorsichtsmaßregeln für die Sicherung des Luftschiffes ergriffen. Der Tod der 50 Menschen verbietet es dem Nichtengländer, hier Kritik zu üben, und Diskussionen nützen nichts.
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Internationale Diskussionen pflegen überhaupt sehr selten zu nützen, weil die Grenzen nicht nur eine Scheidung der Länder bedeuten, sondern auch eine solche der Völker. Und selten versteht man hüben, was der dort drüben jenseits der Grenze will und denkt. Nun ist wieder von Frankreich her aus politisch hochangesehener Feder die Erklärung erfolgt: „Wir gehen einem neuen Kriege entgegen!" Warum und wieso? ist die erstaunte Gegenfrage. Weil es „absurd sei, abzuleugnen, daß das Wettrüsten zu einem Kriege führen müsse". Von Logik ist dabei nicht viel zu spüren, aber auf den naheliegenden Einwand, die „drohende Kriegsgefahr" durch allgemeine Abrüstung aus der Welt zu räumen, wird im Gegenteil von Paul-Boncour, also einem wirklich angesehenen Politiker Frankreichs, immer nur geantwortet: „Bewaffnen wir uns!" Neue „internationale Sicherheiten" müßten geschaffen werden. Neue Verträge also? Wenn die bisherigen den Krieg angeblich nicht verhindern können, dann dürften auch neue kaum dazu imstande sein. „Neue und unzweideutige Garantien" werden für die doch wirklich schon durch alle möglichen Maßnahmen garantierte Sicherheit gefordert; man könnte darüber lächeln, wenn es nicht — zu ernsthaft wäre. Die Welt ist erfüllt von schwerster Wirtschaftsnot und in den wichtigeren Industriestaaten sind einer knappen Rechnung zufolge 15 Millionen Menschen arbeitslos. In Frankreich freilich spürt man davon nicht allzuviel und hat darum offenbar auch mehr Zeit, sich mit der „großen Politik" zu beschäftigen. Natürlich auch mit dem Stahl- tz e l m t a g in Koblenz, obwohl dort nicht ein Wort fiel, das jenseits der Grenze zu dem lauten Geschrei der Presse über Deutschland Veranlassung geben konnte. Diese „Angstausbrüche" werden aber so schlecht gespielt, daß ihrer in Deutschland niemand mehr achtet.
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Wir haben ja wirklich unsere eigenen Sorgen! Der Reichskanzler hat allen Parteien — abgesehen von den Kommunisten — fein Programm offiziell vorgelegt und wird von dem Resultat der Verhandlungen nun auch dem Reichspräsidenten Bericht erstatten. Über eine „Sondierung" ist man dabei kaum hinausgekommen, wenn auch hier und da Dr. Brüning wenigstens bei den Mittelparteien auf Zustimmung, aber rechts und links — offiziell wenigstens — auf mehr oder minder scharfe Kritiken, Abänderungs- oder Erwciterungswünsche stieß. Die endgültige Entscheidung liegt ja erst bei den Parteien selbst und hier ist so manches eingetreten, was auf die Lage hier und da ein helleres Licht wirft. So die Ablehnung des nationalsozialistischen Antrages beim Ministerpräsidenten Preußens, den Landtag aufzulösen. Freilich wird es auch hier erst noch einen Parlamentskampf geben; aus alle Fälle schwächt es aber schon jetzt eine etwaige Neigung ab, das politische Schwergewicht durch personelleUmstellungeninder Regierung
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Der Reichskanzler empfing die Vertreter des Landgemeindetages und nahm ihre Forderungen entgegen.
* Bei der Sitzung der Staatspartei erklärten die Vertreter des Jungdeutschen Ordens ihren Austritt aus der Partei. Dadurch sinken die beiden Gruppen (Staatspartei 14, Jungdeutscher Orden 6) unter die Fraktionsstärke herab.
* Bei einem Kinobrand in Astrachan fanden 17 Personen den Tod.
* In Brasilien ist die Revolution pim offenen Ausbruch gekommen. Die Aufständischen marschieren gegen die Hauptstadt.