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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 234 1930

Fulda, Dienstag, 7. Oktober

7. Jahrgang

Revolution in Brasilien.

Die Aufständischen gewinnen die Oberhand!

Die Unruhen in Brasilien nehmen immer größeren Umfang an. Man bezeichnet diese Revolution als die ernsteste Erhebung der letzten Monate. Nach den neuesten Meldungen steht es fest, daß die Rebellen bereits in fünf Staaten die Oberhand haben.

Die Revolution in Brasilien, die vom Süden her ihren Ausgang nahm, greift allmählich auf das ganze Land über. Porto Alegre, die Hauptstadt des Staates Rio Grande do Sul, hat nach mehrstündigem Kampf vor den Rebellen kapituliert. Die gesamte Garni­son wurde gefangengenommen. Vier andere Städte in demselben Staate befinden sich ebenfalls in den Händen der Rebellen, die unter Führung des Generals da Cunha stehen. Die brasilianische Regierung hat den Belagerungszustand bisher über drei Bundesstaaten ver­hängt. In Rio wuden 300 Personen verhaftet. Die Lage ist überaus ernst.

Ausbreitung der Revolution in Brasilien.

NewY 0 rk. Wie aus Montevideo gemeldet wird, breiter sich die Revolutionsbewegung in Brasilien immer weiter aus Der Führer der Aufständischen, General de Souza, beabsichtigt, den Marsch auf Rio de Janeiro mit 40 000 Mann anzutreten um die Zentralregierung zu stürzen.

Der Flug

Sie Wen Minuten vor der

Katastrophe desA. 101".

Les Luftschiffes kurze Lebensdauer.

Der Luftschiffingenieur Leech, der mit schweren Brandwunden an der Hand gerettet werden konnte, gibt eine genaue Schilderung der letzten Minute« vor der Kata­strophe des LuftschiffesR. 101".

Seit Mitternacht," sagt er,schliefen alle Mann­schaften, mit Ausnahme von zwölf Leuten, die den Nacht­dienst versahen und die unter meiner Leitung standen. In den fünf Motorengondeln hatte je ein Offizier die Aufsicht. Der Funker gab alle zehn Minuten Funksprüche ab. Um 1.40 Uhr funkten wir unseren Standort, einen Kilometer südlich von Beauvais. Dieser Funkspruch, der von der Funkstation in Beauvais deutlich vernommen wurde, enthielt folgende Mitteilung:Die Passagiere haben ausgezeichnet gespeist und

zahlreiche Zigarren geraucht.

Sie sind gerade dabei, sich zur Ruhe zu begeben." In den hinteren Kabinen befanden sich außer dem Führer ein Navigator und vier Leute, die innerhalb des Schiffes

Wie Associated Preß berichtet, sind die brasilianischen Bundestruppen an der Grenze des Staates Parana zusam­mengezogen worden, um den von Süden anrückenden Auf­ständischen den Weg zu verlegen. In Rio de Janeiro sind die Lebensmittelpreise zum Teil um 3 00 Prozent gestiegen, da die Zufuhr aus dem Hinterland Minas Geraes abge­schnitten ist. Die Aufständischen erklären, daß nunmehr zehn Staaten zu ihnen übergegangen seien. Es steht zwei­fellos fest, daß sie zumindesten in fünf Staaten die Ober­hand haben.

Amtliche Kreise in Washington sind der Ansicht, daß der Aufstand in Brasilien die ernsteste der revolutionären Erhebungen ist, die in den letzten Monaten in Südamerika stattgefunden haben. Das Staatsdepartement veröffent­licht von den ihm zugegangenen Nachrichten nur die Mel­dung des amerikanischen Konsuls in Porto Alegre, der be­richtet, daß die Sicherheit der amerikanischen Bürger und des amerikanischen Eigentums nicht gefährdet sei.

des Todes.

die Steuerung nicht mehr in meiner Gewalt

waren. Trotz größter Bemühungen gelang es mir nicht das durch den Sturm immer tiefer gedrückte Luftschiff wieder in die Höhe zu bringen. Zweimal war es möglich das Schiff ein wenig hochzureisten, dann aber gab es eine ungeheure Erschütterung. Die Spitze des Luftschiffes hatte den Boden berührt. Im gleichen Augenblick entstand

eine furchtbare Explosion und helle Flammen schossen aus dem Luftschiffskörpei heraus. Ich stürzte mich sofort in eines der Seitenschotts und arbeitete mich durch das Gestänge, um in eine Öff­nung zu gelangen. Im nächsten Augenblick schlugen die Flammen um mich empor. Ich weist dann nicht mehr, wie ich den W^g ins Freie gefunden habe, da ich erst wieder auf dem Felde zur Besinnung kam . . ."

Der Rauchsalon Ursache des Unglücks?

Das Easfassungsvermöaen belief sich auf ungefähr fünf Mil­lionen Kubiksutz, womitR. 101

das größte Luftschiff der Welt

wurde. Die Tragfähigkeit des Luftschiffes betrug etwas mehr als 150 Tonnen, die Länge etwa 217 Meter, der größte Durch­

maßen:Es scheint mit einiger Sicherheit aus den Nachrichten hervorzugehen, daß das Luftschiff in böiges Wetter geriet und durch sehr heftigen Regen gegen den Boden gedrückt und dabei zerstört worden ist. Die nachfolgende Explosion kann vielleicht durch das Herauf- oder Herunterdrücken des Luftschiffes aus- gelöst worden sein. Ich kann es aber nicht verstehen, wie es sich zugetragen haben soll, daß das Luftschiff durch heftige Regenböen gegen den Boden geschleudert worden ist. Wir haben mit dem Zeppelin und das englische Luftschiff ist von gleicher Beschaffenheit eine

dynamische Hubkraft von 15 000 Kilogramm, das heißt, die Regenbelastung des Luftschiffes kann ruhig 15 000 Kilogramm betragen, und trotz dieser Last können wir das Schiff schwimmend halten. Wir haben aber niemals, auch nicht bei stärkstem Regen, eine höhere Belastung gehabt als sechs oder sieben Tonnen. Selbst ein besonders schweres Ge­witter im Rhonetal haben wir ohne Ballastabgabe überwun­den. ein Gewitter, von dem ich selbst sage, daß es uns wohl heftiger nicht mehr heimsuchen wird. Wir haben bewiesen, daß ein Luftschiff auch durch die kräftigsten Regenböen zu bringen ist. Man kann also im Hinblick auf das Unglück des englischen Luftschiffes nicht so verallgemeinern, daß man sagt: in" einem solchen Wetter ist das Luftschiff nicht zu halten. Wir haben gezeigt, daß ein Luftschiff wirklich ein sicheres Verkehrs-, mittel ist."

Das Beileid des deutschen Reichsverkehrsministers.

Reichsverkehrsminister von Guerard hat dem eng­lischen Luftfahrtministerium zugleich im Namen der deutschen Luftfahrt die wärmste Teilnahme aus Anlaß des Luftschiff­unglücks ausgesprochen. Dabei hat er ganz besonders des Luft- fahrtministers Lord Thomson und des Zivilluftmar­schalls Sir Sefton Brancker gedacht. Mit letzterem war Minister von Guërard erst vor kurzem bei den Segelflug­veranstaltungen auf der Wafferkuppe zusammen.

Macdonald ist auf die Nachricht von dem Luftschiffunglück sofort nach London gekommen und hat im Luftfahrtministe­rium vorgesprochen. Er sandte später ein Beileidstelegramm, in dem er erklärte, das Opfer der Verunglückten reihe sich würdig an die glorreiche Liste von Engländern, die ihren Tod als Forscher fanden. Besonders herzliche Worte widmete er dem verunglückten Minister Thomson, der ihm ein uner- setzlicher Freund gewesen sei. Im Luftfahrtministerium sind ungeheuer viel Telegramme aus der ganzen Welt eingegangen, die das tiefste Mitleid, mit der Katastrophe aussprechen. ~

Untersuchungen des britischen Luftfahrtausschusses.

Der Luftfahrtausschuß hielt unter dem Vorsitz des stell­vertretenden Luftfahrtministers Montague zwei Sitzungen ab, die sich mit dem Unglück desR. 101" befaßten. Es wurde die Einsetzung eines Ausschusses beschloffen, der die spätere Unter­suchung in England führen wird. Das Datum für den Beginn der Verhandlungen stebt noch nicht fest. Für den Freitag ist ein Gedenkgottesdienst in der St.-Paul-Kathedrale für die Opfer der Katastrophe angesetzt.

Eine weitere Erklärung Dr. Eckeners.

Nachdem nun weitere Einzelheiten über die Katastrophe in Allonne vorliegen, erklärte Dr. Eckener, wahrscheinlich wäre der Umfang der Katastrophe nicht so fürchterlich geworden, wenn das Luftschiff an Stelle von Wasserstoffgas mit Helium ge­füllt gewesen wäre. Es wäre außerordentlich dankenswert, wenn die amerikanische Regierung in diesem schicksalsschweren Augenblick bekanntgeben würde, daß sie für die Handelslust­schiffahrt Helium zur Verfügung stellen will, das in Amerika in genügendem Maße vorhanden ist. Der Luftschiffbau Zeppelin werde sich durch die Katastrophe des englischen Luftschiffes in der Weiterverfolgung seiner Pläne nicht be­irren lassen.

Das stolze englische Riesenluftschiff »R. 101» einst am Ankermast jetzt ein rauchender Trümmerhaufen.

Das Gerippe des zerstörten Lustriesen.

Blick auf das Heck mit dem Höhen- und dem Seitensteuer.

Wachdienst versahen. Kurz vor Beauvais setzte e i n furchtbares Unwetter e i n. Böen warfen das Schiff hin und her. Trotzdem hatte ich Vertrauen zu der durchaus soliden Bauart und steuerte ohne Beunruhigung meinen Kurs weiter. Als wir über Beauvais waren, zeigte die Uhr genau 1.40 Uhr. Ich haue den Eindruck, daß das Heck des Luftschiffes ungewöhnlich heftig stampfte, und daß wir sehr langsam vorwärtska:nen, da wn dauernd hin- und hergeworfen wurden Um 1.43 Um standen wir mit Le Bourget in fuukentelegraphischer Vor dindung und man teilte uns mit, daß ivir uns zwei Kilometer südlich von Beauvais befänden. Ich suchte diesen Ort, ohne zu wissen, in welcher Höhe ich fuhr, wo bei ich mit aller Gewalt gegen den Wind anzukämpfen bei suchte, der uns immer stärker zu Boden drückte. Von neuem setzte starker Regen ein, der das Gewicht des -Ust schiffes noch vermehrte. ,

, Fast gleichzeitig mußte ich die erschreckende Festsiel- Junn machen, daß die Maschinen sowie_____ . _ --------

Unser rechtes Bild zeigt das

LuftschiffR. 101 an dem

Ankermast in Carding - ton, von wo aus es zu sei­nem Flug nach Indien, der sein letzter werden sollte, gestartet ist. Das Luftschiff wurde in

Cardington auch gebaut und

Ende September 1929 fertig­gestellt, mußte jedoch bekannt lich umgebaut werden.

Messer 39,3 Meter, die Höhe einschließlich Gondel 42 Meter. Dit Tankbehülter konnten nahezu Ä Tonnen Schweröl aufnehmen Ursprünglich sollte dasR. 101 ^ etwa 100 Vassagicre tragen können. Noch während des Baues kam man von diesem Pläne ab, weil man das erheblich billigere Schweröl für das neue Luftschiff verwenden wüte, wodurch man erne große :

Heit gegen Feuers- und Explosionsgefahr zu erreichen hoffte Auch in anderer Hinsicht ist dem Gicherhettsaedünken mancherle geopfert worden. WährendGraf Zeppelin" nach englischen Angaben Böen von höchstens 2 5-St»nden-Kil0metern standhaften kann, wurde die Widerstandsfähigkeit desR. 1 aeaen Vertikalböen mit 72-Stunden-Kilometern an- aeaeben. Für die Erbauer dürfte es besonders tragisch sein daß das Luftschiff gerade in diesem Punkte versagt haben soll, v0raus0elebt daß es wirklich einer Vertikalbö zum Opfer ge- fallen ist Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß die eigentliche Ursache der Katastrophe in dem vielgeruhmten Rauchsalou des Luftschiffes, in dem bis nach Mitternacht geraucht worden war, zu suchen tst.

Was Dr. Eckener sagt.

Dr Eckener, den die Nachricht von der Vernichtung- des R. lOi* in Leipzig erreichte. äußerte sich etwa folgender-

Major Holt über die Luftfchiffkatastrophe.

Gestern spät abends empfing der Leiter der englischen Untersuchungskommission in Allonne Vertreter der Presse, um über die Fortgänge der Nachforschungen über die Ur­sachen des Unglücks Auskunft zu geben. Er bezifferte die Zahl der geborgenen Leichen auf 46 und nicht auf 47, wie erst angenommen wurde; der Irrtum ist darauf zurückzu­führen, daß man eine Leiche, die durch den Brand in zwei Teile zerfallen war, in zwei Särge legte statt in einen. Damit ist die Annahme widerlegt, daß sich ein blinder Paffagier im Luftschiff befunden hätte.

Die geplante kirchliche Trauerfeier fand nicht statt. Die Särge wurden heute vormittag um 11 Uhr auf Laffetten aufgebahrt und nach dem Bahnhof Beauvais übergeführt. In Voulogne werden die Särge um 16 Uhr an Bord von zwei englischen Torpedobootzerstörern ge­bracht und durch diese nach der englischen Heimat überführt.

Nach dem Fortgang der Bergungsarbeiten befragt, weigerte sich Holl Auskunft zu geben; er erklärte aber, daß die Arbeiten sehr langwierig und schwierig sein würden