Stahlhelmtage am Rhein.
In der Zeit vom 4. bis 6. Oktober hält der Stahlhelm. Bund der Frontsoldaten, in Koblenz seinen XL Reichsfrontsoldatentag ab, dem als der ersten Kundgebung dieser großen Organisation im befreiten Rheinland eine besondere Bedeutung zukommt. Am Samstag den 4. Oktober, findet am Deutschen Eck eine Stahlhelm-Abendfeier statt, die durch die Teilnahme von etwa 5 000 Fahnen und ebenso vielen Fackelträgern ein eindrucksvolles Bild bieten wird. Im Anschluß an einen Fackelzug durch die Straßen der Stadt klingt der Tag aus mit dem großen Zapfenstreich vor der Säulenhalle des Schlosses. Der Sonntag bringt den Reichsfrontsoldatenappell auf der Karthause, zu dem 100000 Mitglieder des Bundes aus dem Raume zwischen Andernach und Bingen zusammenkommen. Gegen 13 U^r beginnt dann der Vorbeimarsch vor den Bundesführern zu Koblenz, der mehrere Stunden dauern dürfte. Zum XL Reichs- frontsoldatentag wird auch die Stahlhelm-Kraftfahr-Staffel mit mehreren Tausenden von Fahrzeugen in der Stadt am Deutschen Eck eintreffen. Gewiß werden außer den Mitgliedern noch zahlreiche deutsche Volksgenossen an diesen Tagen der Stadt Koblenz einen Besuch abstatten.
Fuldaer Filmschau.
„Skandal um Eva".
Neues Theater.
In Wirklichkeit ist dieser Film, dessen Manuskript nach dem Jlgenstein'schm Lustspiel „Skandal um Olly" von Friedrich Râff und Julius Urgitz verfaßt worden ist, alles andere als ein Skandal. Er ist ein einziger Triumph der deutschen Tonfilmproduktion und kann getrost auf eine Stufe gestellt werden mit den Werken unserer bekanntesten Lustspielaütoren. Glänzend diese Situationskomik und einfach köstlich diese prachtvoll gezeichneten Typen, die sich in dem Film ein Stelldichein geben. Da jagt eine Ueberraschung die andere, und des Lackens ist kein Ende. Das aber, was an diesem Film am meisten überrascht, ist Henny Porten. Henny Proten ist — das ist längst kein Geheimnis mehr — schon eine ganze Reihe von Jahren, sagen wir mal, über das Backfischalter hinaus, aber bei dieser Künstlerin scheint es so zu sein: Je älter sie wird, desto mehr gewinnt sie. Henny Porten spielt wie am ersten Tag und entfaltet in der Rolle des entzückenden skandalumringten Studienassessors Dr. Eva Rüttgers einey Charme, um den sie eine Zwanzigjährige beneiden kann. Man entdeckt immer neue schauspielerische Elemente an ihr. Um sie herum sind Künstler allererster Klasie tätig: Ludwig Stötzel und Karl Ettlinger, die beide ihrem Rufe alle Ebre machen. Autzer- dem sehen wir Paul Henckels, Adele Sandrock, Claus
Clausen, Frigga Braut u. a., die alle sichtlich bemüht sind, ihr Bestes zu geben. Die Regie führt G. W. P a b st. Wer also tüchtig lachen und frohe Stunden erleben will, der sehe und höre sich den „Skandal um Eva" einmal an.
my.
ab 1. Rein-
b Dalherda, 29. Sept. (Lehrerwechsel.) Der Januar d. I. an der hiesigen Schule amtierende Lehrer hard Winter ist ab 1. Oktober d. J. mit der Verwaltung der Lehrerstelle in Mönchhosbach, Kreis Rotenburg a. F., von
der Regierung beauftragt.
b Aus der oberen Rhön. (Reiche Kartoffelernte.) In der oberen Rhön hat die Kartoffelernte in der vergangenen Woche so recht ihren Aniang genommen. Trotz des launigen Wetters mit zeitweisen heftigen Niederschlägen nützt man jeden Augenblick aus, in welchem sich die Regenschauer verziehen, um die Knollen einzudringen Wie man allgemein hört, sind die Landwirte von der diesjährigen Ernte überrascht, da Knollen von schier nie erreichter Größe gebcrgen werden.
* Ulrichstein, 28. Sept. Auf der Straße von Rebgeshain nach Schotten brannte ein Personenauto, bis auf die Vorderräder vollständig nieder. Der Besitzer der auf einer Fahrt nach Schotten begriffen war, konnte sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. — Als Ursache des anhaltenden Regens kann man beobachten, daß die Wiesen nach der zweiten Äberntung, der Erummeternte, wieder in vollem Grün stehen mit mindestens 10 cm hohem Gras, wie dies manchmal vor der Heuernte, etwa im Mai nicht der Fall ist. AIs ein Segen des Jahres 1930 ist auch die überaus reiche Kartoffelernte anzusehen.
Eietzen, 28. Sept. lOberhessische Handwerksfeier.) In Gegenwart von Vertretern der Handwerkskammer und der Behörden von Staat, Reich und Stadt, sowie in Anwesenheit von Altmeistern des Handwerks und mehreren hundert jungen Handwerksmeistern aus ganz Oberhessen fand heute hier die Abschlußfeier der oberhesiischen Jungmeister und Jungmeisterinnen statt, die vor der Meisterprüfungskommitzion der Provinz Oberhessen dieser Tage ihre Meisterprüfung bestanden haben. Rund 300 Jungmeister und Jungmeisterinnen konnten als Abschluß ihrer Prüfungsarbeit das Meisterdiplom in Empfang nehmen, nachdem ihnen heute in den Ansprachen der Handwerkskammer- und Behördenvertreter Glückwünsche zu diesem bedeutsamen Ereignis ihres handwerklichen Schaffens ausgesprochen und ihnen gute Lehren mit auf den Lebensweg gegeben worden waren. Die Feier vereinigte im Anschluß an' den akademischen Teil die Teilnehmer noch einige Stunden in bester Geselligkeit.
Eietzen, 27. Sept. (Gefängnis für eine Milch- p a n t s ch e r i n.) Das hiesige Amtsgericht verurteilte die Landwirtschaftsehefrau Elisabethe Döll von Alten-Buseck wegen Milchverfälschung durch Wasierzusatz bis zu 25 Prozent zu drei Wochen Gefängnis. Das Urteil wurde, um der Strafe Nachdruck zu geben, durch amtliche Bekanntmachung in der Pretze zur Kenntnis der breiten Öffentlichkeit gebracht.
Wetzlar, 27. Sept. (Verhaftung des Wetzlarer Stadtbauinspektors.) Im Zusammenhang mit dem von der Regierung eingeleiteten Disziplinarverfahren gegen den inzwischen aus dem Leben geschiedenen Oberbürgermeister Dr. Kühn ist am Mittwoch der Stadtbauinspektor Hepp wegen Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft genommen worden.
Bad Nauheim, 26. Sept. (Gefängnisstrafen für E l ü ck s s p i e l e r.) Vor dem hiesigen Amtsgericht hatten sich heute vier auswärtige Personen namens Elbert, Weinberg, Neumann und ein angeblicher Major Heide aus Berlin wegen gewerbsmäßigen Glücksspiels zu verantworten. Sämtliche Angeklagten sind bereits einschlägig vorbestraft. Einer wird sogar von Budapest aus steckbrieflich wegen Falschspielerei verfolgt. Die Angeklagten machten sich in hiesigen Hotels an Gäste heran und plünderten sie beim Mauscheln und Pokern aus. In einem Falle erbeuteten sie 110 und beim Revanchespiel nochmals 480 M. Schließlich gelang es der Polizei, die gefährlichen Kartenspieler zu fassen. Ebert, Weinberg und Neumann wurden zu je sechs Monaten Gefängnis und 600 M Geldstrafe verurteilt. Heide mutzte freigesprochen werden, da ihm eine Beteiligung an Glücksspielen nicht nachgewiesen werden konnte. Er hatte nur Skat gespielt, dabei aber gezinkte Karten verwendet. Gegen ihn wird deshalb ein neues Verfahren wegen Falschspielerei eingeleitet werden.
Gelnhausen, 27. Sept. (D i e Erforschung der Barbarossaburg.) Der Staatskonservator Ministerialrat Professor Dr. Hiecke-Berlin besichtigte auf der Durchreise die Fortschritte der Erforschung der Erundzüge der Eelnhäuser Barbarossaburg (Kaiserpfalz) und die Arbeilen am Ausbau der St. Peterskirche. Für die Forschungsarbeiten in der Barbarossaburg, die gegenwärtig von Regierungsbaurat Tuczek-Hanau und dem Frankfurter Kunsthistoriker Dr. Nothnagel betrieben werden, stellte der Staatskonservator jede mögliche Förderung in Aussicht.
Offenbach, 28. Sept. (Erotzfeuer in Offenbach.) Heute nachmittag entstand auf einem Lagerplatz in der Wald- stratze ein Brand, durch den eine Scheune und acht mit Stroh beladene Wagen vernichtet wurden. Durch die starke Rauchentwicklung war es er Feuerwehr sehr erschwert, an die Brandstelle heranzukommen, so daß sie sich in der Hauptsache darauf beschränken mutzte, ein weiteres Umsichgreifen des Feuers zu ver-
Erst nach einstündiger Tätigkeit konnte der Brand auf seinen Herd beschränkt werden. Ueber die Entstehungsursache des Brandes ist noch nichts bekannt.
hüten.
Kroh-Gerau, 26. Sept. (Auffallend billige Fahrräder.) Im benachbarten Dornheim beschlagnahmte die Gendarmerie insgesamt 16 Fahrräder, die wenige Tage zuvor von Unbekannten zu den auffallend niedrigen Preisen von 5 > bis 15 Mark verkauft wurden. Die Käufer setzten sich der Gefahr aus, wegen Hehlerei bestraft zu werden.
Spuren.
Hochheim a. M., 28. Sept. (A uf vorgeschichtlichen Spuren.) Bei Ausschachtungsarbeiten in Weilbach wurde ein Grab aufgedeckt, das ncdf eine Reihe gut erhaltener Knochen barg. Ferner enthielt es eine Menge Scherben von einst reichverzierten Tongefäßen, Feuersteinmetzer, Keile, ein Steinbeil und Schleifsteine. Die Funde weisen darauf hin. daß es sich um eine Bestattungsstätte aus der Steinzeit handelt.
„Die beste und billigste Reklame ist das
Zeitungsinserat"
erklären die Lichtspieltheaterbesitzer.
In einer gut besuchten Tagung der Lichtspieltheaterbesitzer von Hetzen und Hessen-Nassau wurde gegen ein Flugblatt Stellung genommen, das der Deutsche Musikerverband u. a. auch in Frankfurt verbreitete. In diesen Flugblättern wird das Publikum aufgefordert, den Tonfilm zu boykottieren, weil er der Ruin des Musikergewerbes sei. Die Lichtspieltheaterbe- sitzerorganuation in Magdeburg hat gegen das Flugblatt eine einstweilige Verfügung erlassen, in Frankfurt glaubt man von einer derartigen Maßnahme absehen zu können. Eine Aufklärung des Publikums durch die Tagespreise schiene aber am Glatze.
Die Verbandsleitung hat bei der Frankf. Stadt. Reklamestelle eine Ermäßigung der Plakatierungsgebühren herbeizuführen gesucht und erhielt eine grundsätzliche Zusage für den Fall, daß weit mehr Lichtspieltheaterbesitzer wie bisher die Dienste der Städtischen Reklamestellen in Anspruch nehmen würden. Dafür schien aber recht wenig Meinung. Die Versammlung war vielmehr der Ansicht, daß eine Plakatreklame an Litfaßsäulen usw. zwar eine gewisse Bedeutung haben könne,
daß die beste und billigste Reklame aber nach wie vor das Zeitungsinserat in der Tagespretze bedeute.
Durch die Tagespretze werden alle Schichten der Bevölkerung erfaßt, und Tausende greifen am Donnerstag oder Freitag zu ihrem Leibblatt, um die Programmveränderung der Lichtipieltheater festzustellen.
Säuglinge sollen gebrandmarkt werden.
Ein Stück Heftpflaster versetzt Chicago in Aufregung. — Wo selbst Salomonis Weisheit versagen würde. — Ein Kind wird getauft, das nicht geboren ist.
Von Fred Huller- Chicago.
Nachdem der Fall Watkins-Bamberger schon ein Paar Wochen lang die Gemüter aller Eltern — nicht nur in
at-
Wochen lang
Chicago, sondern auch in den gesamten Vereinigten Staaten — beschäftigt hatte, schien es, als sei die Geschichte durch einen gütlichen Vergleich aus der Welt geschafft. Doch jetzt stört plötzlich Vater Watkins das friedliche Einvernehmen und rollt die ganze Frage von neuem auf.
Der Fall ist auch etwas ungewöhnlich. Wurden da kürzlich im Englewood-Hospital in Chicago an einem Tage und im nämlichen Zimmer zwei Knaben geboren. Die eine glückliche Mutter war die auf ihr irisches Blut stolze Frau Wu. kins, die andere die dunkellockige Frau Bamberger. Vierzehn Tage lang lagen die beiden Frauen nach diesem glücklichen Ereignis noch im gleichen Raum. Dann wurden sie am selben Tage entlassen.
Somit wäre, da jede Mutter einen gesunden Schreihals mit nach Hause nahm, alles in schönster Ordnung gewesen, hätte nicht Vater Watkins eine entsetzliche Entdeckung gemacht. Er war interessierter Zeuge des ersten Bades feines Stammhalters im eigenen Heim, als er auf dem Rücken des Kindes ein Stückchen Heftpflaster fand. „Bamberger" stand darauf in roter Tinte. Fast gleichzeitig entdeckte Vater Bamberger in seinem Papierkorbe ein ähnliches Pflaster. Darauf stand „Watkins".
Nun wäre es das Einfachste gewesen, die beiden Mütter hätten sich miteinander in Verbindung gesetzt und die Kinder ausgetauscht, denn allem Anschein nach lag nur eine Verwechslung durch das Pflegepersonal des Krankenhauses vor. Doch eine Mutter trennt sich nicht so ohne weiteres von dem Kinde, das an ihrer Brust gelegen hat. Außerdem glaubte Vater Bamberger, sein getreues Ebenbild blicke ihm aus dem Gesicht des als Watkins plakatierten Knaben entgegen. Vater Watkins freilich war anderer Ansicht und strengte einen Prozeß an. Er wollte das Kind haben, das augenblicklich in Frau Bambergers Armen lag. Ein ganzes Regiment von Medizinern wurde mobil gemacht. Für die beiden Säuglinge begann eine schlechte Zeit. Alles an ihnen wurde untersucht, die Augen, die Haut, das Blut. Man nahm Singer- und Zehenabdrücke und hielt das Haar unter das ergrößerungsglas. Den gleichen Prüfungen mußten sich alle vier Eltern unterwerfen.
Inzwischen leistete sich das städtische Gesundheitsamt aus eigene Faust einen Spaß. Es strich die Namen der beiden Kinder aus den Geburtsregistern und glaubte damit, in diesem schwierigen Falle seine Pflicht getan zu haben. Demnach waren die Kinder von amtswegen gar nicht geboren. Um den Fehler, den die Natur somit der Behörde gegenüber begangen batte, wieder gut zu machen, hätten die Eltern
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den beiden "Kindern den Hals" abschneiben muffen. Dazu der, spürten sie aber keine Lust, und Bambergers setzten sich lt0(i dazu über die behördliche Weisheit hinweg, indem sie j[)tcit „ungeborenen" Jungen George Edward taufen ließen.
Nun hatte sich die wissenschaftliche Kommission imfoi, schen zu einem Entschlusse durchgerungen. Sie erklärte, der junge Bamberger müsse als Watkins Kind betrachtet wer- den, der noch ungetanste Säugling gehöre der Familie Bamberger. Letztere wollte natürlich nichts davon wissen, und schließlich einigte man sich nunmehr dahin, eine nette Kommission, aus sechs Aerzten bestehend, solle sich nochmals mit der Sache besassen. Die Vertreter der Wissenschaft unterwarfen also die armen Säuglinge einer zweiten Hochnotpest, lichen Untersuchung und kamen zu dem Schluß: Alles m Ordnung. George Edward ist wirklich ein Bamberger, und der Ungetaufte ein echter Watkins.
Hiermit waren wieder die Watkins nicht einverstanden und der betrübte Vater klagte weiter. Er wollte außerdem vom Krankenhause 100 000 Dollar Schadenersatz für die „vertauschte Identität" des von ihm beanspruchten Säuglings haben und den gleichen Betrag als Schmerzensgeld für überstandene Aufregung.
Inzwischen befaßten sich alle möglichen Müttervereine mit der Sache und veranstalteten große Protestkundgebungen gegen das in den Krankenhäusern befolgte System der Kinder- identifizierung, das einen derartig bedauerlichen Notfall überhaupt möglich machte. Ein Bund wurde gegründet, her dafür eintreten sollte, daß die Staatslegislatur und der Bum deskongreß gesetzliche Maßnahmen zur Vermeidung weiterer Verwechslungen von Neugeborenen ergriffen und daß jenes bisher in den großen Wochnerinnenheimen befolgte System der Kennzeichnung der Kinder durch auf Heftpflaster geschriebene Namen abgeschafft werde. Auch die in Zweifelsfällen, wie hier, zur Anwendung gelangte Blutprobe wurde ebenfalls verdammt, weil sie da, wo die Eltern der gleichen Blutgruppe angehörten, erfolglos war. Viel mehr Anklang fand dagegen die Lösung, die der Vorstand des Städtischen Gesundheitsamtes in Chicago Vorschlag: Sofort nach der Ge- Vurl foltert die Kinder tm wahrsten Sinne des Wortes ge- brandmarkt werden. Dieses hätte dadurch zu geschehen, dah ihnen eine Schablone auf den Rücken gelegt und dieser dann mit ultravioletten Strahlen beschienen würde, so daß auf der Haut in hellem Rahmen der dunkle Name des Kindes sichtbar werden müßte. Diese Brandmarkung soll ungefähr zwei Monate lang deutlich zu sehen sein, eine Zeit, die unter allen Umständen genügt, um die Mutter mit allen Eigenarten und kleinen Merkmalen ihres Kindes bekannt werden zu lassen. Allem Anschein nach dürfte diese Brandmarkung auch zur Einführung gelangen.
Der Prozeß der Familie Watkins gegen das Krankenhaus kam aber nicht zur Verhandlung, da unerwartet ein Vergleich zwischen beiden Elternpaaren erfolgte, der den ganzen Streitfall aus der Welt zu schaffen schien. Bambergers waren doch wohl zu der Ueberzeugung gelangt, daß ihr George Edward das Watkinssche Kind sei, und so wurden die Knaben eines schönen Tages unter reichlichem Tränenerguß von fetten der beiden Mütter und in Gegenwart des Herrn Bamberger senior ausgetauscht.
Aber die liebe Mitwelt kam doch nicht um die ersehnte Sensation. Ein paar Tage später nämlich erschien Watkins bei seinem Anwalt und erklärte, der Austausch sei ohne seinen Willen und in seiner Abwesenheit erfolgt. Er müsse ihm nun seine Genehmigung versagen. Demnach wird es noch einen recht interessanten Prozeß geben. Eine pikante Note hat Mister Watkins besonders dadurch in den Streit gebracht, daß er jetzt behauptet, Bambergers hätten bei der Verwechslung mit dem Krankenhauspersonal unter einer Decke gesteckt. Aber die Geschichte ist ja jetzt so verwickelt, daß man annehmen sollte, Mister Watkins wisse selbst nicht mehr recht, was er eigentlich will.
Von Weisen und Narren.
Von den vielen Entschuldigungen, die für Fehler irgendwelcher Art bereit liegen, hat das Bekenntnis, ba^ „Irren menschlich ist" viel für sich. Der sonst so protzig austretende Mensch, der am liebsten behauptet, die ganze Schöpfung sei von A bis Z verkehrt und voller Fehler, gesteht endlich einmal, daß ihm^ der ja nur Mensch sei, selbstverständlich Fehler unterlaufen. Womit aber keinesfalls die These: „Je mehr man sich irrt, desto mehr Mensch ist man", als Maßstab für eine besondere menschliche Sorte von Menschen gelten soll. Fehler — Irrtümer — kommen überall vor, und schließlich sind sie dazu da, um gemacht zu werden, nur — man muß aus den begangenen Fehlern lernen, mutz es daraus schöpfen, was man Klugheit nennt. Die wenigsten, die daraus lernen, sind die Klügeren, weil sie verstehen werden, vielen im Leben aus dem Wege zu gehen, was ihnen schadet. Allerdings ist es für Hartkopie besonders schwer, einen Irrtum anzuerkennen. Ein ganz dummer Stolz, sagen ir Trotz, hindert sie daran, sich einer besseren Einsicht zu fügen und wie, um noch einmal recht zu betonen, wie wenig sie geneigt sind, von ihrem Fehler abzubieM machen sie dieselben Taten noch einmal. . . . Irren ist menjch lich, und weil es menschlich ist, ist es auch sterblich, d. h man kann es, jeder in sich, abtöten. Man kann es als Kranksiu behandeln, aus der heraus der Weg zur Klarheit fuhrt. M sagt doch unser Dichter Rückert: ., „Das sind die Weisen, die durch den Irrtum zur Wahrheir reisen, — die beim Irrtum verharren, das sind die Narren.
Verantwort!. für die Schriftleitung: Dr. phil. Paul Meyer. Für den Anzeigenteil: Christian Seipel.
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Dienstag, den 30. ds. Mts., abends 8 Uhr Bürgervereinshaus
Referent: Herr R. Keilitz
Der grobe Erfolg dieser Vorträge, die Heilberidife, sollten allen Kranken Veranlassung geben, sich über ihr Leiden aufkiSren zu lassen.
Keiner versäume diesen hochinteressanten Vortrag 1