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Nr. 225 — 1930
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulba- und Haunetal * Zulbaer Kreisblatt Redaktion und Geschäftsstelle: Nühlenftraße 1 ❖ Zernsprech-slnschluß Nr.-S- Nachdruck der mit* versehenen Artikel nur mit Dgellenangabe.ZulöaerFnzeiger'geftaüet.
Fulda, Freitag, 26. September
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7. Jahrgang
Mühevolle Negierungrberatungen.
Die Kürzung der Beamtengehälter bleibt umstritten.
Das Kabinett prust alle Äel.
Phantastische Gerüchte.
Das Reichskabinett setzte Donnerstag seine in bet vergangenen Nacht abgebrochenen Beratungen über die Rcichssinanzreform fort. Reichskanzler Brüning gab wegen der Dringlichkeit der Beratungen die von ihm geplante Reise nach Dresden auf. wo er der Versammlung des Deutschen Städtetages beiwohnen und eine Rede halten wollte. Abschließende Ergebnisse wird man kaum im Lause des Tages, vielleicht auch morgen noch nicht erwarten können. Immerhin wird die Hoffnung ausgesprochen, das Kabinett werde Sonnabend zu einem bestimmten Resultat gelangen.
Erst dann soll es sich mit Gewißheit herausstellen, ob die angekündigte Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung auf 6% Prozent Tatsache wird. Diese müßte dann wieder auf dem Verordnungswege durchgeführt werden, da im Reichstage schwerlich eine Mehrheit dafür zu finden wäre.
Oie Kürzung der Beamiengehälier
um 5 Prozent in den niedrigen, um 10 Prozent in den mittleren und um 30 Prozent in den höheren Gchalts- klaffen bleibt vorläufig noch umstritten. Zweifellos würde sie starke Einbuße der Kaufkraft bei der Bevölkerung bedeuten. Man hat vorläufig noch gar keine Anhaltspunkte, wohln sich die Entwicklung bewegen wird. Selbst von einem D i r e k t 0 r i u m m i t u n b c s ch r ä n k t e n V ollmach t e n ist jetzt die Rede, dessen Einsetzung von einigen politischen Parteien gefordert werden soll.' Zu solchen phantastischen Gerüchten gibt der weitere starke Sturz aller Papiere bei der Börse Anlaß. Das Kabinett versucht, den bereits angekündigten Umbau des Steuersystems zu fördern, um eine Vereinfachung der Erhebungskosten zu erzielen. In erstr.» ...^. ^.h 4.^ SgWevu, ■^ tMWM der Landwirtschaft ruhe», vereinheitlicht werden. Außerdem geht der Plan des Finanzministcrs dahin, die Real- steucrn zu senken unter gleichzeitiger stärkerer Heranziehung des Hauszinssteueraufkommens für allgemeine Verwaltungszwecke.
Oie Invalidenversicherung.
Der Reichsverband Deutscher Landesversicherungs- anstalten hält zurzeit in Dresden seine diesjährige Tagung ab. Präsident Dr. Schröder (Kassel) erstattete den Ge
Das Kabinett Schober zurückgetreten.
Die alte Regierung führt vorläufig Äie Geschäfte fort.
Bundeskanzler Schober hat dem Bundespräsidenten Millas den Rücktritt der Regierung überreicht. Der Bundespräsident hat sich die endgültige Entscheidung zunächst noch vorbehalten. Der Rücktritt der Regierung erfolgte, nachdem bereits vor einigen Tagen der Vizekanzler Vaugoin und der Landwirtschaftsminister ihre Demission gegeben hatten.
-Nach dem Ministerrat erschien Bundeskanzler Dr. Schober gegen 6 Uhr abends beim Bundespräsidenten und überreichte ihm die Eesamtdemission des Kabinetts. Der ândespräsident nahm die Demission an und beauftragte
> "Ekanzler sowie die übrigen Mitglieder der Bun- -â^^ung mit der einstweiligen Fortführung der Ge- ^ darauf erschien auf Einladung des Bundes- mif s Präsident des Nationalrates Dr. Gürtler, m °ei Bundespräsident längere Zeit konferierte.
Die österreichische Presse zum Rücktritt Schobers, ter Schobers wird in der gesamten Presse UN- reicks bei»»'^ ^"^* Verdienste um den Wiederaufbau Öster-
»«.bei die Blätter mit Ausnahme der Bedau?»» n?^*."^ des „Neuen Wiener Journals" ihrem druck aefi™ ^?“® Ausscheiden des Bundeskanzlers Aus- «-»Ä kä ÄmISV“'”^ 06 “
Kui^w/l'! »Re ichsp 0 st" erklärt ihr Herausgeber. Dr. weil biö Regierungskrise sei nicht ausgebrochen, Wen der Personalfrage auf Widerstünt . die ÄnrrnJ,°L^^ der Führer des Kampfes gegen e ne Vizekanzler Vangoin, durch Handln»» unb vor dem ganzen Volke sichtbare wollt?"' öen bisherigen Verschleppungen ein Ziel setzen
Widerstünde ge-
Ficfi e Reuesten Nachrichten" wenden gen heim ,Nufe: „Schober heraus" an alle diejeni- über Jnteressentum, Volkswohl über
b r ??5-L?E.<"dm6an, das „Neue WienerExtra - dem Run??^'^/ Die Tatsache, daß die Christlichsozialen traue« ^Ä5^"öler Schober ohne Begründung das Ver- n entziehen oder mit Gründen, die der überwältigende
schäftsbericht. Am Schluß wurde eine Entschließung vorgelegt, in der es u. a. heißt: Der Verbandstag hât mit größter Besorgnis davon Kenntnis genommen, daß die Beitragseinnahmen der Träger der Invalidenversicherung infolge des schweren Niederganges des Wirtschaftslebens und der gewaltigen Arbeitslosigkeit in erschreckender Weise zurückgegangen sind. Die Beitragseinnahmen sind nicht nur erheblich hinter den Schätzungen des Reichsarbeitsministeriums zurückgeblieben, sie reichen vielmehr wider alles Erwarten bei vielen Anstalten schon im Jahre 1930 nicht mehr zur Deckung der Rentenlasten, der Kosten der Gesundheitsfürsorge und der sonstigen laufenden Verpflichtungen aus.
Eine weitere Entschließung wendet sich gegen die Belastung der Träger der Invalidenversicherung mit der durch Notverordnung verfügten Reichspostvergütung für Rentenauszahlungen und Verkauf der Jnvalidenmarken. Der Verbandstag beantragt die alsbaldige Wiederaufhebung dieser Notverordnung. Die Verhandlungen dauern fort.
Am die BeamisnaehäSier.
Deutscher Beamtenbund gegen Gehaltskürzungspläne.
Die Zeitschrift des Deutschen Beamtenbundes beschäftigt sich ausführlich mit den Meldungen über die beabsichtigten Gehaltskürzungspläne der Reichsregierung und sieht in einer Belastung der Beamtenschaft nicht nur eine Ungerechtigkeit gegenüber den Betroffenen, sondern auch eine Konzession an die Kräfte, die eine Beseitigung des Berufsbeamtentums wollen. Man könne im Augenblick nichts anderes tun, als dem Reichskabinett zmurufen: »Wir warnen vor neuen ExperimentenI"
âtvl TiLmranus Minister?
Eine Reihe von Blättern berichtete, daß Minister Treviranus nicht die Absicht habe, nach Auflösung des Rheinministeriums, am 30. September d. I., dem Reichs- kabinett weiter als Minister ohne Portefeuille anzugehören. Wie hierzu von zuständiger Stelle verlautet, ist eine Entscheidung darüber, ob Treviranus zum Minister ohne Portefeuille ernannt werden oder ob er künftig lediglich in seiner Eigenschaft als Ostkommissar dem Reichskabinett angehören wird, bisher noch nicht gefallen.
Teil der Bevölkerung niemals verstehen wird, belastet die Christlichsozialen mit der vollen Verantwortung für die kommenden Dinge.
Im „Neuen Wiener Journal" erklärt der Herausgeber Lippowitz: Schober mutzte gehen, weil er keine Gewähr mehr dafür bot, datz er den großen, lebensnotwen-
Der zurürkgetrctene Bundeskanzler Schober hat dem Vernehmen nach geäußert, er wolle nach vollzogenem Rücktritt nicht auf den Wiener Polizeipräsidenten^ Posten zurücktreten, sondern sich auf sein Landgut Perg in Österreich zurückziehen.
digen Kampf gegen die Auswüchse des Austro-Marxismus mit ungebrochener Energie zu Ende führen werde.
In der „A r b e i t e r z e i t u n g" wird die Regierung Schober eine Regierung der legalen Reaktion genannt, welche sich nicht von den Bahnen der beschworenen Verfassung habe abdrüngen lassen. Wenn sie auch durch und durch reaktionär war, so habe sich Schober doch nie von den elementarsten Grundsätzen bürgerlicher Anständigkeit abbringen lassen.
Kinokrieg.
Bisweilen mag man doch — trotz aller Alarmnach- richten und Putschgerüchte — ganz zufrieden damit sein, in dem immerhin recht friedlichen Deutschland sitzen zu können. Denn in P o l e n geht es zurzeit recht merkwürdig zu, ist es zum Schicksal fast jedes oppositionellen Sejim kandidaten geworden, festzustellen, wie Gefängnismauern von innen aussehen, wenn er nicht zu einer militärischen Übung einberufen wird. Eine Art halbasiatischer Despotismus hält sich nicht lange auf bei gewissen Hemmungen, die sich in anderen europäischen Staaten selbst im politischen Kampf einzustellen pflegen. Daß außerdem noch allerhand antideutscheVeranstaltungen nebenher laufen, dürfte in Deutschland kaum noch irgendwelche Beachtung erfahren, weil wir nachgerade daran gewöhnt sind.
Ebenso ist man in der T s ch c ch 0 s l 0 w a k e i wieder einmal erheblich aufgeregt gegen die Deutschen. Das hat dort aber erst eine noch andere Aufregung abgelöst, die sich gegen Italien richtete, weil in der Adria bei einem Schiffszusammenstoß einige aus Jugoslawien stammende Mitglieder von „Sokol"-Vereinen ums Leben kamen und sich daran heftige Auseinandersetzungen zwischen serbischen und italienischen Zeitungen anschlossen. Außerdem auch Silbe Artikel der tschechischen Presse folgten, weil die „Sokol"-Vcreine — wir kennen sie ja in Deutschland auch — überall die Träger des allslawischen Gedankens sind. Aber nun hat sich in Prag wieder einmal — um mit Wippchen zu reden — die Wut der kochenden Volksseele gegen die Deutschen in Prag gewendet. Allerdings ist die sogenannte Veranlassung dazu teils lächerlich, teils verdächtig; aber wie ihre Vorfahren, die Hussiten, dem bekannten Liede zufolge, einstens „zogen vor Naumburg, über Jena her und Kamburg", so führen die Tschechen in Prag heute Krieggegendiedeutschen Tonfilme, ziehen in Scharen vor die Kinotheater, in denen solche Filme vorgeführt werden, und möchten am liebsten die Apparaturen nebst Filmstreifen gerade so zum Fenster hinauswerfen, wie dies 1618 bekanntlich in Prag mit den kaiserlichen Räten geschehen ist. Woraufhin ja bann der Dreißigjährige Krieg ausbrach.
Nun, so furchtbar werden die Folgen der Prager Kino Hetze ja wohl nicht gerade sein, zumal, da die ganze Geschichte eigentlich einem — Konkurrenz- Manöver entsprungen ist. Die deutschen Tonfilme „ziehen" nämlich, und darüber sind die Vertreter und Verleiher der englischen Tonfilme wütend geworden, weil sich die Prager Kinotheater für diese aus „Kassengründen" durchaus nicht begeistern wollten. Da greift man denn zu etwas „schlagenden" und in nationalistifch überhitzten Volksmassen nicht erfolglosen Kampfmitteln. Besonders eigenartig berührt außerdem das „plötzliche" Aufkochen der vielbenutzten tschechischen Volksseele, weil die jetzt so wütend attackierten deutschen Tonfilme bereits eine ganze Zeit hindurch in den Prager Kinotheatern laufen, ohne daß besagtes Aufkochen bisher erfolgte. Es muß also erst und mit ganz besonderen „Mitteln" Feuer unter dem Kessel angemacht worden sein.
Ähnliches widerfuhr ja deutschen Filmvorführungen vor einiger Zeit auch in K a t t 0 w i tz und anderen Städten Ostoberschlesiens, wo der polnische Deutschenhaß erfolgreiche „Triumphe" feiern durfte, weil dort die Gewalttaten irgendwelches Eingreifen der Polizeibehörden nicht veranlaßten, also ungestört und ungestraft erfolgen konnten. Die polnische „Kultur" setzte sich mit Knüppel, Messer und Schlagring durch. So weit ist es in Prag anscheinend noch nicht gekommen, aber vergebens ersuchten die angegriffenen Kinotheater um polizeilichen Schutz für die Ausführung und die Zuschauer. Dafür war die Polizei um so weniger zu haben, als der Prager Oberbürgermeister Dr. Baxa — welch' wohllauten- ver Name gegenüber dem seines Vorgängers Srb, der nicht einen einzigen Vokal vorweisen konnte! — mit dem Kampf und den Kämpfern gegen den deutschen Tonfilm durchaus sympathisiert, überhaupt die Aufführung dieser Filme vom Innenministerium verboten wissen will; ein Bemühen, das vielleicht nicht ohne Erfolg ist. Und weil man nun einmal gerade so schön im Zuge war, den Abbruch der Vorstellungen erzwungen hattet ging man dann gleich noch gegen die deutschen Zeitungen und Cafös sowie gegen das deutsche Theater vor, ohne von der Polizei irgendwelche „Störung" zu erfahren, was sich der bei solchen Vorkommnissen immer beteiligte Mob nicht entgehen ließ. Allerdings — später, als alles vorbei war, nahte die Polizei saufenden Schritts und „stellte fest", so daß ihr die Prager Tschechenblättcr mit gutem Gewissen und in aller Richtigkeit bescheinigen durften, sie habe sich überaus — wohlwollend verhalten!
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Reichskanzler Brüning gab seine geplante Reise nach Dresden wegen der schwierigen Kabinettsberatungen auf.
* Das österreichische Kabinett ist zurückgetreten.
* In den Haager Gerichtshof zur Entscheidung internationaler Streitigkeiten wurde der deutsche Professor Schücking als Mitglied gewählt.
* Jm Prozeß gegen die drei Reichswehroffiziere wurde Hitler als Zeuge über die Ziefe der Nationalsozialistischen Partei vernommen.
* Anfolge der Vernehmung Hitlers vor dem Reichsgericht in LelMg stürzten die Kurse an der Berliner Börse in erheblicher
* In Prag sind die deutschen Filme, deren Slufsühruna Anlaß zu Krawallen gegeben hat, vom Spielplan abgesetzt