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Zul-aer Änzeiser
Jutta / 61a« 2
Nr. 222
Dienstag, 23. September
1930
potiiische Rundschau
Deutsches Reich
Ozcanflieger bei Hindenburg.
Reichspräsident von Hindenburg hat Montag Vormittag den Ozeanflieger vonGronau und seine Kameraden empfangen und sich über den Flug Bericht erstatten lassen. Zum Zeichen seiner Anerkennung überreichte der Reichspräsident den Fliegern sein Bild mit Unterschrift. Bei dem Empfang war auch der Vater des Ozeanfliegers, Exzellenz von Gronau, anwesend.
Gedenkfeiern für Steuben.
Unter dem Ehrenprotektorat des Reichspräsidenten von Hindenburg sollen aus Anlaß des 200. Geburtstages des Generals von Steuben große öffentliche Kundgebungen stattfinden. Der zur Vorbereitung und Durchführung dieser Veranstaltungen aus verschiedenen Organisationen gebildete Ausschuß wendet sich nunmehr mit der Bitte an die Öffentlichkeit, solche Gedenkfeiern möglichst in vielen Orten Deutschlands und unter stärkster Beteiligung aller Bevölkerungsschichten stattfinden zu lassen. Die Kundgebungen sollen in der Woche vom 15. bis 22. Oktober durchgeführt werden.
Schweden.
Wahlen zur Ersten Kammer.
In Schweden fanden die Provinziallandtagswahlen statt, denen insofern besondere Bedeutung zukommt, als die Erste Kammer des Schwedischen Reichstages indirekt aus den Reihen der Landtagsabgeordneten ergänzt wird. Obwohl noch einige Wahlkreise ausstehen, läßt sich das Hauptergebnis schon jetzt übersehen. Die Mittelparteien haben einen großen Teil ihrer Mandate verloren, während die Sozialdemokraten und die Rechtsparteien einen Stimmenzuwachs zu verzeichnen hatten.
Schiele geht nicht in den Reichstag.
Reichsminister Schiele hat sich entschlossen, weder in einem der vier Wahlkreise, in denen er gewählt ist, noch auf der Reichsliste ein Mandat der Christlichen Bauern- und Landvolkpartei anzunehmen. Er begründet seinen Entschluß in gleicher Weise wie bei der Niederlegung seines Mandats aus Anlaß der Übernahme des Reichs- ernährungsministeriums damit, daß er sich und seinen politischen Freunden die notwendige gegenseitige £Sanb= lungsfreiheit in dem Kampfe für die Landwirtschaft bewahren wolle.
Aus In- und Ausland
„».Berlin. Im Preußischen Landtag ist eine nationalsozia- Ilstlschc Anfrage eingegangen, in der unter Hinweis auf das Ergebnis der Reichstagswahlen das Staatsministertum ge- zulöseiwird' ^ e^ bereit fei, den Preußischen Landtag auf-
Hamburg. Die nationalsozialistische Bürgerschastsver- tretung hat einen Antrag eingebracht, in dem cs u. a heißt daß nach dem Ergebnis der Reichstagswahlen der Hamburger Senat und die Bürgerschaft in ihrer . jetzigen Zusammensetzung nicht mehr von dem Willen der Hamburger Bevölkerung getragen werden. Der Senat wird gefragt, ob er gewillt sei, sofort die hieraus allein möglichen Folgerungen zu ziehen.
München. In einer Münchener Klinik ist der frühere Kommandierende General des Dritten Armeekorps. General der Kavallerie Freiherr Ludwig von Gebsattel, an den Folgen einer Operation gestorben. General von Gebsattel stand im 74. Lebensjahr.
Die vom Rauhen Grund
Roman von Paul Erabein.
(Nachdruck verboten.)
Minutenlang stand diese gigantische Rauchwolke in der Lust und verdunkelte die Sonne. Zum Grausen unheimlich. Dann senkte sie sich langsam nieder, ein ungeheurer Aschenregen, und nun zerslatterten die letzten grauen Schleier — das Werk der Zerstörung ward dem^ Auge offenbar. Und Eke sah: wo eben noch das Dorf gestanden, all die menschlichen Wohnstätten — nrchts mehr, nichts! Ein einziges weites Trümmer-
AZU, schwarz, trostlos. Bloß hier und da spür-, nche Mauerreste, noch ein Stückchen Wand mit dem erkennbaren Rest einer Fensteröffnung. Nur abseits, oruben am Adligen Hause, ragte es noch aufrecht, der Stumpf des Turmes. Mitten durchgerissen von der Ge- walt^ der Explosion, war die eine Hälfte des unteren Stockwerks stehengeblieben. Wie ein schrecklich verstüm- mettes Glied - ein grausiger Anblick.« ^^so'mgslos stand Eke und blickte nieder auf die iinh Zerstörung. Ein Bild ihres eigenen Innern, diesem m„r^^ Verlassenheit ward ihr von «^^ wie noch nie in all der Zeit hinein Hfil & ^ auf der Bank nieder. Sie sah
war -s'hingesunI-^V Ä^1^ ^fk 3*" die nun zu raüi^» Wasser wurden es decken, sie Ji« «hr. Ab-r ZUNm SÄ?”* ^ totowta^ wie bisher in ihrem
Sie war keiner teuer Z™ Notbehelf gewesen,
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Endlich blickte sie wieder auf brüben aus den Berghang über dem ObÄrf^ Schwer undrnastg lagen da die Werkanlagen von^ glück. Gefeiert wurde heute auch dort droben Die Förderrader standen still. Die Auszüge an dm
Aber aus den Röstöfen, aus den Essen wo die Feuer nicht erkalten durften ! . lc^ und immerwährend der Dampf und floß eâw warmen, feuchten Brodem ' fIan9ba§ puffen und Schüttern der Maschi- Hochöke? Rauschen der Kühlwasser von den dase'i^ Arbeitstier lag lerernde Werk da. Wie ein Grsant, der von feiner,
Die Tötung des Studenten Wessel
Achtzehn Personen auf der Anklagebank
Vor dem Schwurgericht beim Landgericht l in B c r l i n be- gann der Prozeß gegen den Tischler „Ali" Höhler und Genossen. Die Hauptangcklagtcn, die beschuldigt werden, den Studenten H 0 r st Wessel getötet zu haben, sind „A l i" H ö h l e r, Rücke und K a n d u l s k i. Den übrigen Angeklagten, unter denen sich vier Frauen befinden, wird teils Beihilfe zu dem Verbrechen, teils unbefugter Waffenbesitz zur Last gelegt.
Wessel, der in der N. S. D. A. P. eine Rolle spielte, wurde am 14. Januar in seinem Zimmer von Höhler erschossen. Zwischen Wessel und seiner Wirtin Frau S a l m , die sich unter den Angeklagten befindet, waren Streitigkeiten entstanden, da es Frau Salm nicht recht war, daß die Braut des Wessel bei diesem wohnte. Nach einer Auseinandersetzung soll Frau Salm in ein kommunistisches Lokal gegangen fein und dort erzählt haben, daß Wessel kommunistische Mitgliederlisten bei sich h Darauf beschloß man. eine Ervedition nach der Wobnuna
iabe.
Die Angeklagten im Wessel-Prozeß.
Das Bild gibt einen Blick aufdie Anklagebank, an deren Ende Frau Salm, die Wirtin Wessels, steht. Neben ihr der Angeklagte I 0 n c k, dahinter (halbverdeckt) der Hauptangeklagte Höhler. Vor den Angeklagten die Verteidiger, darunter die erste Frau, die als Anwalt in einem politischen Prozeß auftritt, Frau Benjamin. — Im Ausschnitt: der getötete Horst Wessel.
Wessels zu unternehmen. Die Täter begaben sich in die Küchè der Frau Salm, wo sie, wie es heißt,
ihre Pistolen luden.
Die Tür zu Wessels Zimmer fanden sie verriegelt. Auf n-thr- maliges Klopsen öffnete Wessel die Tür. Höhler gab sofort Feuer und traf Wessel in das Gesicht. Ali Höhlers Komplicen sollen sich dann Informationen von kommunistischen Funktionären aus dem Karl-Liebknecht-Hause geholt haben. Man riet Höhler, wenn er verhaftet werden sollte, nicht die Partei zu belasten, sondern die Tat als Eifersuchtshandlung hinzustellen. Mit Geldmitteln der Roten Hilfe brachte man ihn in einem Kraftwagen zur tschechischen Grenze. Als ihm drüben sein Geld ausging, kehrte er nach Berlin zurück und wurde in der Wohnung eines Gesinnungsgenossen verhaftet. Der Prozeß dürfte mehrere Tage dauern.
Die Vernehmung der Frau Salm.
Die Angeklagte Salm erklärte bei ihrer Vernehmung, daß sie nicht Wessel, sondern dessen Braut, die sich ohne ihre Erlaubnis polizeilich als bei ihr wohnend angemeldet habe, aus der Wohnung hätte heraushabcn wollen. Außerdem habe sie keine Lust mehr gehabt, die von Wessel veranstalteten politischen Versamnilungcn in ihrer Wohnung zu dulden. Man habe ihr geraten, sich an Max Jambrowski zu wenden, und man sei übereingefommen, daß mehrere Gesinnungsgenossen Jam- browskis in die Wohnung kommen sollten, damit Wessel merke, daß sie auf Hilfe rechnen könne. Frau Salm gab dann eine ausführliche Schilderung der Vorgänge, bestritt jedoch, daß in der Küche Revolver geladen worden feien. Auf die Frage eines Verteidigers, ob ihr Wessel nicht deshalb besonders lästig geworden sei, weil er ihr Papiere gezeigt habe mit Notizen über die Polizei und die Kommunisten, die sich auf einen kommenden Umsturz bezogen, antwortete die Angeklagte mit ja.
Mühe ermattet am Boden ruht. Aber noch fliegen ihm mit dumpfem Keuchen die Flanken, und über seinem schweißrauchenden Leib zittert heiß die Luft.
Festigkeit kam da allmählich wieder in Ekes Seele. Arbeit im Dienste anderer, der Armen und Schwachen, der hilflosen Kleinen — war das nicht auch ihre Losung? Sie allein vermochte ihr wohl noch Heilung zu bringen. War es freilich auch nur ein Ersatz für ein anderes, stärkeres Sehnen in den Tiefen ihrer Weibesnatur, es würde immerhin ihrem Leben wieder ein Ziel geben. Und Eke erhob sich. Mit einem letzten, langen Blick nahm sie Abschied von der versinkenden Heimat.
Dann wandte sie sich langsam nach der Richtung der Talsperre hin. Es war inzwischen still dort geworden. Die Feier schien vorüber. Ob er nun wohl kommen würde?
In den Wald hineinlauschend, stand sie. Noch einmal fragte sie sich: War es richtig gewesen, daß sie ihm diese Zeilen geschrieben, ihn um diese Unter- rebitng gebeten hatte?
Gewissenhaft prüfte sie und entschied: Vielleicht war es etwas Ungewöhnliches, aber sicher nichts Unrechtes. Der Ernst der Absicht gab ihr das Recht zu solchem Schritt.
So sah sie mit Ruhe seinem Erscheinen entgegen. Denn sie fühlte, er würde kommen. Und er ließ auch nicht lange mehr auf sich warten. Bald schallten aus dem Wald hinter ihr nahende Schritte, dann rauschten die Ziveige auseinander — Gerhard Bertsch stand vor ihr.
Nun sie sich ihm gegenüber fand, so nahe und in tiefer Einsamkeit, fühlte sie doch ihre Sicherheit etwas weichen. Und mehr noch, wi^ sie jetzt in seine Züge sah. Sie verbargen bei aller Beherrschtheit nur schlecht die innere Erregung. In seinen Augen bebte es, wie ein Hoffen, das noch nicht hervorzubrechen wagte. Es schwang auch aus seiner Stimme, wie er sie begrüßte, stockend und noch unsicher ihr gegenüber.
»Verzeihung — daß ich auf mich warten ließ. Aber
Oing, sobald ich irgend abkommen konnte. Eke, Ihre Zeilen — nein, das ist ja Unsinn so! Sprich mir nachher mein Urteil, wie du willst, aber in dieser Stunde,. der einzigen und letzten vielleicht, die mir noch mit dir vergönnt ist, will ich reden, wie mir ums Herz ist. Du weißt ja nicht —"
, Doch nun hatte sie sich wieder. Doll sah sie ihn ân. Aber eine große, abgeklärte Ruhe war in dem Blick, der ihn suchte. Und leise bewegte sie das Haupt. Ein Abwehren, bei aller Sanftheit fest und bestimmt.
»Gerhardt — versteh' meinen Brief nicht falsch. Knüpf' daran nicht Hoffnungen, die ich gleich wieder enttäuschen müßte. Wenn iw dich rief, so geschah es nur, um dir zu sagen, was sich in mir durchgerungen hat in Stunden voll tiefer Bitternis. Das Leben hat sein Werk getan auch an mir. Heute denke ich anders
Widerspruchsvolle Aussagen der Angeklagten.
Nach der Pause wird der Angeklagte Jon neck vernommen, der den völlig Ahnungslosen spielt. Jonneck, der früher Reichsbannermann war und dann zur K P, D. übergegangen ist, sagt aus,Wessel sollte eine proletarischeAbreibung bekommen. Davon, daß Jambrowski gesagt haben soll: „Wer etwas verrät, wird erschossen", sei ihm nichts bekannt. Sodann wird der Angeklagte Max Jambrowski vernommen. Jam- browsti, der bereits wegen Betruges und Unterschlagungen vorbestraft ist, war Funktionär in dèr K. P D. und hatte, als Frau Salm zu ihm kam, gerade eine Funktionärsitzung. Die ganze Sache sei eine kopflose Angelegenheit gewesen, ein besonderer Plan habe dazu nicht bestanden.
Zum Schluß der Vernehmung ergeben sich starke Widersprüche zwischen Jambrowski und Frau Salm. Der Angeklagte Walter Jambrowski bezeichnet sich als völlig unschuldig.
- s»2 m^n^^— was er eigentlich in der
Aus die Frage des Vorsitzenden, Wessel'schen Wohnung gesucht habe,
was er eigentlich , antwortet der Am
Wessel'schen Wohnung gesucht habe, antwortet der Angeklagte: „Na, wir wollten den Kerl aus der Wohnung heraussetzen." Der Vorsitzende fragt, ob er, wie früher behauptet wurde, daß zwei von diesen Männern Revolver bei sich gehabt hätten, worauf er erwidert: „Nee, det war bloß eener? Hier lachen einige Angeklagte, worauf Jambrowski zu ihnen sagt: „Jebt nich so an, ick kann mir doch ooch mal verquasseln." Zum Schluß meint der Angeklagte: „Hätte ick alles vorher genau gesehen, dann hätte ick mir verduftet."
Tann wird die Arbeiterin Else Cohn vernommen, die erklärt, daß sie zu Frau Salm nur deswegen gegangen sei, weil diese Hilfe gebraucht habe. Die drei von ihr heraufgeholten Männer sollten Wessel nur zur Rede stellen Trotz des wieder-, holten Vorhaltens des Vorsitzenden, diese Ansicht sei doch kindlich und naiv, bleibt die Angeklagte bei ihren Be- bauvtunaen.
Die verschiedenen Richtnngen
in der Landvollbewegung.
Immer mehr Zeugen im Bombenlegerprozeß.
Im weiteren Verlauf des Bombenlegerprozesses wurden Zeugen über den Komplex von Salomon-Johnsen- Weschke vernommen. Amtsgerichtsrat Gerdes aus Itzehoe erklärte, Weschke sei auf das ZeugnisverweigerllngSrecht Hingewiesen worden. Er soll unter Eid erklärt haben: „Ich weiß nicht, wer der Täter ist. Ich selbst bin es nicht gewesen." Nach der Meinung des Zeugen habe Weschke Zeit genug gehabt, sich die Sache zu überlegen. Der Zeuge Kaufmann Wolters aus Itzehoe, der mit dem
Angeklagten von Salomon
at
in dem gleichen Hause wohnt, sagte aus, nach dem Knall vor dem Landratsamte habe von Salomon halb bekleidet am geöffneten Fenster gestanden. Der Zeuge sei dann zum Tato: gegangen, wohin ihm von Salomon gefolgt sei. Letzterer habe sich beim Bürgermeister danach erkundigt, was denn eigentlich los sei. Ter Zeuge habe den Eindruck gehabt, daß von Salomon keineswegs beteiligt gewesen sei. Zeuge Hauptschriftleiter Kühl aus Itzehoe sagt sodann über die verschiedenen Richtungen in der Landvolkbewegung aus. Er hält es für ausgeschlossen, daß von Salomon an dèm Itzehoer Anschlag beteiligt gewesen sei. Die Staatsanwaltschaft und
Rechtsanwalt Dr. Buhlmanns beantragen dann die Vernehmung weiterer Zeugen. Der nächste Zeuge, der frühere Gutsbesitzer Braasch aus Hamburg, führt aus, daß er alle Angaben, wonach er von den Anschlägen gewußt haben soll, nur auf Racheakte eines noch zu vernehmenden Zeugen Gla- mann zurückführe.
Beweisanträge der Verteidigung.
Nach der Mittagspause wurde der Kaufmann G l a m a n n aus Ratzeburg vernommen. Er habe an einer kleinen Zu- sammenkunft in einem Hamburger Lokal teilgenommen, bei der von Salomon sich dahin geäußert haben soll, wie er sich eine kommende Revolution denke. Der Zeuge Landwirt Fehr aus Drage erinnert sich dieser Äußerung des Angeklagten von Salomon. Er habe Salomon zur Rede gestellt und dann dessen Äußerungen nicht mehr ernst genommen. Sodann stellt die Verteidigung einen Beweisantrag, nach dem zur Kennzeichnung der Notlage, aus der heraus die Bombenanschläge erfolgten, Dr. Peters-Berlin als Sachverständiger vernommen werden soll. Ein weiterer Beweisantrag geht dahin, daß die tiefere Ursache der als letzte Notstandsaktion gewollten Anschläge in der Notlage der Landwirtschaft liege, die mangels Gegenmaßnahmen zur Unterordnung des freien Bauerntums führen mußte. Das Gericht beschloß, den Beweisanträgen stattzugeben. Die Weiterverhandlung wurde darauf vertagt.
über manches, und ich weiß: ich handelte töricht, damals in jener Stunde, die uns trennte." I
Ein Aufzucken in feiner Rechten, als wollte sich ihr entgegenstrecken. Doch sie sprach weiter: )
»Es ist nun einmal geschehen und nicht mehr gut- zumachen. Aber vielleicht hilft es auch dir leichter hinweg, wenn ich dir sage, Gerhard: ich sehe nur noch Verhängnis, wo ich früher Schuld bei dir sah. Ich weiß, du leidest unter deinem Irren und zerquälst dich in innerer Zerrissenheit. So verlierst du dein Bestes, deine kostbaren, schönen Jahre, die dir Freude brin*. gen sollten und Glück. Das jammert midj, Gerhards helfen möchte ich dir, wieder mit hellen Augen ins Leben zu blicken, und darum rief ich dich noch einmal. Komm, gib mir deine Hand. Laß mit dieser Stunde alles vergessen sein, was dich quält. Nichts, von Schuld und Verzichten. Du hast dir nichts mehr vorzuwerfen. Blick' wieder frei ins Leben, voll frischer Zuversicht, und nimm dir deinen Anteil ant Glück — solange es noch Zeit ist." /
Leiser ward ihre Stimme und ein wenig' dunkelt Aber nur für einen Augenblick. Dann tönte sie wieder fest und klar. ? t
«So, das war's, was ich dir sagen wollte. Und wo es geschehen, ist mir selber leichter ums Herz. Nuw kann ich ruhig weg von hier. Und damit laß uns denw «un jeder fortab seinen Weg gehen. Allein, aber ohne Bitterkeit gegen den andern." s
Sie wollte mit einem leisen Druck ihrer Hand^ von ihm scheiden, doch er ließ sie nicht.
„Eke!"
Ein Ton war es, der klang fernher, aus sel'gèr! Zeit. Die Farbe wich da von ihren Wangen. Doch' abwehrend schüttelte sie das Haupt.
Aber seine beiden Hände hielten sie, und es strömte von ihnen wieder die alte, siegesfrohe Kraft aus.!
„Wenn es so ist — warum dann allein unsere Wege gehen?" /
»Zu viel steht zwischen uns —" im Erinnern daran kam ein wehes Schüttern in ihre Stimme — „bei dir wie mir."
„Aber nichts, das nicht vergessen werden könnte, das nicht zusammenbräche wie die morschen Trümmer da drunten, wenn wir nur wollen!"
„Eke! Muß ich es jetzt umgekehrt dir zurufen? Kraft und Wille überwinden alles! Was steht denn in Wahrheit noch zwischen uns, wenn wir beide uns jvieder frei ins Auge sehen können, Hand in Hand? Nichts, Eke, nichts! Blasse Sckatten, die uns nicht schrecken können. Llllcs andere aber, was wir selber uns angetan, es ist ausgelöscht in dieser Stunde, nach unserm festen, ehrlichen Wollen. Nur das eine gilt: wir lieben uns! Nein, leugne es nicht. Dein Auge spricht wahrer als jedes Wort: du liebst mich — trotz allem. Und ich? Ich liebe dich, wie einst, wie immer. Eke —