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Der Advokat.

Skizze von Richard Euringer.

Und wenn die Herrschaften alles besichtigt hatten, die Kunstdenkmäler und Museen, das weiland furftbtfchofhche Palais die Stelle, wo die Jungfrau emaemauert worden ist, und den Marktplatz mit der Staupsaule dann zog der Führer die Uhr und sagte:So, jetzt schlagt s gleich vier. Wenn Sie setzt noch mitkommen ins Cafe Kandler, dann können Sie den Mann sehen, der dort seit vierundzwanzig Jahren sitzt und Schach spielt..." .

.. vierundzwanzig Jahren? ...

',Vierundzwanzig Jahren sechsundsiebzig Tagen. Heute ist der siebenundsiebzigste."

Dann sahen sich die Fremden an, als wüssten sie nicht recht ob er sie nun veralbere oder ob er bloß noch freigehalten werden wolle mit Kuchen, ^Zigaretten und Kaffee im Cafe Kand­ler Aber wenn sie dann etwas herdenmäßig durch die Spiegel- tür drängten, war ihr Blick sogleich von der kleinen Szene aefesselt, die mit unverrückbarer Pünktlichkeit jeden Tag seit einem Menschenalter dort Schlag vier sich wiederholte:

Winter einer Barriere, auf einem niederen Podium, wie es Musiker benutzen, stand ein richtiger Kaffeehaustisch, mar- moriert, davor ein Sessel und dahinter auch einer.

Dann bewegte sich der Vorhang, der die Tür nach den Hofgebäuden zu verhängt, und herein trat ein Mann in hoch­geschlossenem Gehrock, einem Zwischending von Kaftan und Talar, langärmelig, von ergrautem Schwarz, einem fürchter­lichen Kleidungsstück, das die untersetzte, nur zu ahnende Ge­stalt bis an die Fingerspitzen einmummte utib nichts offen­barte als den stark geröteten Biertrinkerkopf eines Selbst­zufriedenen, der sich immerzu die Hände rieb unter seineu lan­gen Aermelu.

Lebhaft begrüßte ihn der Cafetier, dann entnahm er dem Büfett ein Schachbrett, staubte es sorgfältig ab, geleitete den Stammgast an sein Tischchen, mit betonter Andacht ihm sein Brett zurecht rückend.

Nur schön langsam!... Mit dem Zeigefingerspètzchen an der Nase überlegte sich der Spieler erst einmal die Situation.

Weitz kam zum Zug. Sehr richtig.

Und wer wird gewinnen? Kellner, Wirt und Pikkolo lasen in dem scharfbebrillten Tiefblick ihres Stammgastes.

Mit einer Handbewegung, die ebenso ein unsichtbares Gegenüber zum Platznehmen bittet, wie dem Kellner gelten konnte, der die Virginia, die Zwetschgenwässer, die zwei schwarzen Kaffees samt den Untersatzblechen servierte, nahm der Spieler Platz und überlegte.

Lautlos schloß der Cafetier die Barriere, und das Spiel begann, Nein, das Spiel begann nicht, sondern fing an, fortzu­fahren.' Fing dort an, wo es aufgehört hatte, tags zuvor nachmittags halb sechs; denn bis pünktlich auf Minute und Schlag halb sechs spielte Herr Malina jeden Tag. Dann blieb alles liegen und stehen wie es stand. Morgen ist auch noch ein Tag. Nämlich, man muß wissen: es war noch immer dieselbe Partie. Seit vierundzwanzig Jahren. Eine wunderbar kon­zentrierte, interessante, entscheidende, sehr fragliche Partie.

Weitz zieht und wer gewinnt? Der unsichtbare Fremde? Das unsichtbare Gegenüber?

Die Gäste erzählen sich darüber die verwegensten Geschich- ien. Das sei so gekommen: Der damals zwanzigjährige Malina habe hier im Cafe Kandler vor vierundzwanzig Jahren einem Italiener zu einer Partie Schach den anderen Mann gemacht, wobei der Italiener zum Aufsetzen der Figuren und zur Ver­ständigung über die Spielregeln allein eine halbe Stunde Zeit, eine Schachtel Zigaretten, vier Zwetschgenwässer und zwei schwarze Kaffees konsumiert habe. Dann sei er durch den braunen Vorhang in den Hof hinausgetreten und nicht mehr erschienen. Neferendarius, oder was er war. Malina habe den Wirt beruhigt, der Herr werde, wenn er seine Zeche nicht berappt habe, jedenfalls zurückkommen, das Spiel sei noch gar nicht eröffnet, er solle ihn jetzt nicht mehr stören; denn er müsse seinen Kopf zusammennehmen.

Dann habe er sich derart gründlich in die Situation ver­tieft, daß er den Partner weiter nicht vermißt habe, der ja nicht zum Zuge kam. Weiß eröffnet, und Malina hatte Weiß.

Andere Gäste erzählten den Fall so: Das Spiel sei bis in ein kritisches Stadium gediehen gewesen, und da des Italie­ners Zeche auf dem Spiel stand, habe der vorsichtige Malina sich so endlos auf den Zug besonnen, daß dem Italiener die Geduld riß und er sich heimlich auf die Socken machte und den glücklichen Gewinner den Preis, den er verdient, bezahlen ließ.

Der Wirt freilich erklärte alles dies für baren Unsinn und erläuterte die Sache so: Herr Malina sei ein Genie im Kombi­nieren, ein Mann von solchem Weitblick, daß er mit dem ersten Zug nicht nur den dritten, vierten, fünften, nein den letzten, das Schachmatt, vorausrechue, und zwar nicht irgendein Schach­matt, vielmehr den denkbar unfehlbarsten Weg dazu in mög­lichst wenigen Zügen. Da er aber dabei jede denkbare Varia­tion von Gegenzug in Rücksicht ziehe und für jede seiner Lösun­gen bei jeder Art Eröffnungsspiel das Gegenspiel vorweg- verechnc, der Gegner aber gleich stark sei wie er und, so lange er sich nicht durch irgend einen Schachzug festgelegt, im Be­sitz unzählbar vieler Möglichkeiten, so sei ein Ende, also auch ein Anfang unwahrscheinlich; denn der erste werde schon der letzte Zug sein.

Der Kellner aber meinte: Da Herr Malina die Partie jeden Tag nach anderthalb Stunden abbricht, um in sein Büro zurück zu kehren, und mindestens so lange braucht, sich der bisher schon geprüften Möglichkeiten zu erinnern und sie über­schlägig auszuscheiden, so werde er jeden Tag ein bißchen län­ger brauchen, sich die Lage zu vergegenwärtigen, also nach un­endlich vielen Tagen vom Eröffnungszug unendlich weit ent­fernt sein.

Der Pikkolo aber, der nichts von unfruchtbaren Trug­schlüssen hielt, sah soviel klar, daß Herr Malina, um den Zaun­gästen das Kiebitzen zu verleiden, hinter der Barriere sich ver- Ichanzt hatte, und als auch dies nichts half, die Figuren nicht f^ehr aufsetzte, da er sie ja deutlich genug im Kopse hatte. Und so war es Tatsache, daß er auf dem blanken Brett ohne Zug, ohne Gegner, ohne sichtbare Figur seit vierundzwanzig Jah- ren einen Kampf kämpfte, von dem kein Mensch wissen konnte, wieweit er eigentlich gediehen sei. Nur die ungezählten ö^btschgenwässer, Virginias und schwarzen Kaffees, die der Sonderling bei dem. Geschäft verkonsumierte und, tief in Ge­danken, jedesmal zu bezahlen vergaß, standen in Kreide. Doch der Wirt verrechnete sie gern und stillschweigend als Gegen- i|tung für die Attraktion, vermöge deren sein Lokal zu einer Kuriosität geworden war.

Eines Tages nun, eben an jenem siebenundsiebzigsten, ge­schah das Folgende: Der Spieler wurde plötzlich unruhig, stand wiederholt aus, verließ das Lokal, trank mehr Zwetschgen- wässer als je, trat Wieoer an den Tisch, beugte sich über eine unsichtbare Schulter, schloß von Zeit zu Zeit die Augen, blickte zur Decke auf, schnippte mit den Fingern und saß daun wie erstarrt.

Im Saal regte sich kein Fliegenbein, kein Kaffee- ioffel und kein Schneuztuch. Die Damen in der Küche stellten das Klappern ein, das Klirren unb Klimpern, und drängten m die Türfüllung. Den Reisenden entsank ihr Kopierbuch. Kleine Liebespaare vergaßen, sich zu streicheln. Der Wirt schickte ins Hinterhaus und ließ bitten, jetzt nicht Klavier zu üben. Dann hielt er den Standuhrpendel an.

. Mit überhitztem Kopf saß Malina in fiebernder Reglosig- , die Finger in die Tischkanten verkrallt, die Augen ins Spielbrett verbohrt, dann legte er die Hände auf das Brett, in wunderbarer Ruhe, ganz flach und feierlich, stützte sich lang- sam hoch, stand stramm und sagte:Matt. Gewonnen."

..Wer?!" schrien, andrängend, Publikum und Personal.

Werden die Frauen schöner?

Das Recht der Frau, nicht tugendsam auszusehen.

Disharmonie der Pariser Schönheiten.

Von Aldous Huxleh

(dem bekannten englischen Romanschriftsteller).

Mit Automobil, Film und Alkohol beschäftigen sich bis drei wichtigsten Zweige der amerikanischen Industrie. Danach dürfte die Schönheit kommen.

", Man blicke in den Inseratenteil eines beliebten amerika­nischen Magazins; der dritte Teil handelt von der Schönheits­pflege. Seifen, Hautpasten, Mittel zur Förderung und zur Be­seitigung des Haarwuchses, Pillen zur innerlichen, Badesalze zur äußerlichen Entsettung, Punktroller, Elektrisierapparate, Muskelspanner werden angepriesen. Die Zahl der Schönheits­institute ist Legion.

In Europa gibt es keine derartig entwickelte Schönheits­industrie. Nicht weil hier die Frauen für die Pflege ihres Aeußeren keinen Sinn hätten, sondern weil Europa ärmer ist.

Aber der heutige Schönheitskult geht noch auf andere Ur­sachen zurück. Die Frau der Gegenwart ist freier als die der vorigen Generation. Nicht nur in Bezug auf die weniger beneidenswerten Obliegenheiten der Männer, sondern auch in dem natürlichen weiblichen Vorrecht dem Vorrecht, an­ziehend zu wirken. Sie dürfen, wenn nicht weniger tugendhaft s e i n , so doch auf jeden Fall weniger tugendhaft a u s's e h e n.

Aber das ist eben nur Schein. Wir geben nur freimütiger als unsere Väter zu, daß der Körper seine Rechte hat. Nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Er hat die Pflicht, ein Höchstmaß von Kraft und Schönheit zu erreichen.

Welches sind nun die praktischen Ergebnisse dieses Schön- heitskults? Sind die Frauen heute schöner als früher?

Die Beantwortung dieser Fragen ist schwierig. Denn die Tatsachen scheinen sich zu widersprechen. Es sieht so aus, als habe der Kampf um eine gesteigerte physische Schönheit gleich­zeitig einen riesigen Erfolg und einen jämmerlichen Fehl­schlag gezeitigt.

Bon einem Erfolge kann man insoweit sprechen, als nun die Frauen das Jugendliche ihrer Erscheinung bis in ein höheres Alter bewahren, als sie es früher vermochten.Alte Damen" werden immer seltener. Die Ursachen für diese be­grüßenswerte Wandlung dürften sein: Schönheitspflege, Besse­rung des Gesundheitszustandes und eine vernünftigere Lebens­weise. Häßlichkeit wird bald zu den Krankheitssymptomen ge­hören, Schönheit ein Zeichen von Gesundheit bedeuten. In­sofern ist der zur Steigerung der Schönheit begonnene Feld­zug ein bewundernswerter Erfolg gewesen.

Eine Schönheit, die nur ein künstlich erzeugter Schein von Gesundheit ist, hat natürlich nicht den Wert der wirklichen Gesundheit. Doch werden diese Gesundheitssymptome zuweilen so gut nachgeahmt, daß man sie irrtümlich als wirklich vor­handen ausieht. Die zu dieser Vortäuschung geschaffenen Mittel

I ch", lächelte der Advokat,ich, der ich Schwarz ver­teidigt habe gegen Weiß, und Weiß verteidigt habe gegen Schwarz." Und, vergessend, wo er war, stand er wie der An­walt im Gerichtssaal hinter Schranken und Tribüne, der nach fünfundzwanzig Jahren ewiger Vertagung den Prozeß gewonnen hat, den Prozeß gegen sich selbst, wobei noch immer ein Dritter die Zeche bezahlt. Denn er war wirklich einer von denen, die immer gewinnen, welche Partei die Partie auch verliert: Malina, der Advokat.

SonderbareEvangelisten".

WieEntführungen" der Reklame dienen. In Amerika kann auch das Sektengründen ein Geschäft sein. Kinder­geschrei und Halleluja im Gerichtssaal.

Von G. W. Hammer- Jersey City.

DieEvangelistin " Aimee McPherson macht wieder einmal von sich reden. Das ist bei dieser typischen Ameri­kanerin kein seltener Fall. Reklame gehört zu jedem Ge­schäft, und das Sektengründen ist in den Staaten oft nichts anderes als einbusineß". Filmdiven lassen sich dann und wann kostbaren Schmuck stehlen, damit sich das Publikum an sie erinnert, und Aimee verdankte ihren plötzlichen Er­folg einer merkwürdigen Geschichte, bei der von ihrerEnt­führung" durch einen Radivoperateur die Rede war. Das Geschäft blühte daraufhin derartig, daß dieEvangelistin" dank der Freigebigkeit ihrer Anhänger reich wurde. Kürzlich unternahm sie mit einem Stabe von siebzig Auserwählten eine Wallfahrt nach Palästina. Nach ihrer Rückkehr erfuhr man, daß die sonderbare Heilige mit den Behörden ihrer Hei­mat wegen einer kleinen Zollhinterziehung in Konflikt ge­raten war, und nun soll dieEvangelistin", die sich nach der letzten Mode kleidet, erblindet sein. Freilich darf man hosten, daß dieseHeimsuchung" zum Segen der Menschheit nur eine vorübergehende sein wird.

In neuester Zeit hat Aimee einen Kollegen erhalten, der sein plötzliches irdisches Glück einem ähnlichen Erlebnis verdankt. Vor einem Jahre noch kannten nur ein paar Menschen denReverend" A. L. Shoemaker als den Prediger der Pentekostalkirche in Alton, Illinois. Kirche ist hier frei­lich zu viel gesagt, denn der Versammlungsort der Pente- kostalisten war nur ein besserer Schuppen. Das kann auch nicht wundernehmen, denn nach einer amtlichen amerikani­schen Statistik besitzt diese Sekte bei rund 8000 Anhängern 252Kirchen". Zu einem Dom reicht es unter solchen Um­ständen nicht.

Das Gehalt unseres Predigers war dementsprechend mager. Es bestand nur aus dem, was sich im Klingelbeutel vorfand. Natürlich konnten die Pentekostalisten unter diesen ' Umständen von ihrem Prediger nicht allzu viel verlangen. ' Shoemakers Worte waren aber so saft- und kraftlos, daß ein Sektierer nach dem anderen fortblieb. DerReverend" ver­suchte nun alles Mögliche, um neue Anhänger zu werben, jedoch selbst das von "ihm eingeführte Saxophonkirchenquar- tett, das aus ihm und drei jungen Damen bestand, wollte nicht ziehen. Schließlich setzte die Gemeinde ihrem Prediger den Stuhl vor die Tür.

Die Zukunft sah demnach für Shoemaker recht trübe aus. Doch dann kam noch ein Schlag. Eine Strafanzeige lief gegen ihn ein. Er sollte ein junges Mädchen entführt haben, das früher Solistin in feinem Kirchenchor gewesen war. Am Verhandlungstage reichte der Zuhörerraum nicht aus, um die Masse der Neugierigen zu fasten. Denn plötzlich sah sich Shoemaker mehr Pentekostalisten gegenüber, als je zu seinen Predigten erschienen waren. Sie wollten sich alle an seinem Unglück weiden. Meistens waren es natürlich Frauen, und alle hatten ihren Nachwuchs mitgebracht, soweit sie ihn nicht unbeaufsichtigt zu Hause lassen konnten. Einem Baby den nötigen Respekt vor der Würde des Gerichtshofes beibringen zu wollen, ist natürlich ein nutzloses Unterfangen, und so gingen die Verlesung der Anklage, die Feststellung der Per­sonalien und die ersten Aeußerungen des Beschuldigten in Geschrei und Weinen unter, dem gegenüber auch der Vor­sitzende inachtlos war.

Doch plötzlich veränderte sich das Bild. Die Haupt- zeugiu, das entführte Fräulein Bernice Ford, wurde zur Aussage aufgefordert. Die mußte natürlich sehr interessant werden, und niemand wollte sich ein Wort davon entgehen lasten, aus welchem Grunde die Mütter das Geplärr ihrer

sind für jeden erreichbar, der über einen mäßigen Wohlstand verfügt. Die Kenntnis von ihrer Benutzung verbreitet sich immer mehr und dürfte zweifellos in einiger Zeit allgemein zur Anwendung gelangen. Wenn nun jener erfreuliche Zu­stand eintritt, werden dann alle Frauen schön sein?

Sie Antwort lautet: Nein. Denn die Schönheit ist ebenso sehr eine Angelegenheit des inneren wie des äußeren Menschen. Die Schönheit eines Porzellankruges bezieht sich auf die Form und die Farbe. Ob das Gefäß leer oder mit wohlriechenden Essenzen oder mit eklem Unrat angefüllt ist, hat auf Die Schönheit des Porzellankrugs keinen Einfluß.

Aber eine Frau ist ein lebendes Wesen und ihre Schön­heit daher nicht auf ihren Körper beschränkt.

Die äußere Erscheinung des Menschen wird durch seinen inneren Gehalt beeinflußt. Ich habe Frauen gesehen, deren Figur, Gesichtsfarbe usw. entzückend waren. Und dennoch konnte man sie nicht als schön bezeichnen. Die Leere oder Häß­lichkeit ihres Innern waren deutlich erkennbar. Und umge­kehrt ein inneres Leuchten kann Formen verschönen, Die der Aesthet als unvollkommen oder häßlich bezeichnen würde.

Die psychologische Häßlichkeit weist zahlreiche verschiedene Formen auf, wie die des Stumpfsinns, des Geizes und der Lasterhaftigkeit. Auf einem niedlichen Antlitz sieht man oft den Ausdruck der Verdrießlichkeit, der den ganzen Reiz zerstört.

Noch häufiger und nicht weniger abstoßend ist die Härte, die so manches hübsche Gesicht entstellt. Oft beruht sie" nicht auf psychologischen Ursachen, sondern der jetzt grassierenden Mode der Gesichtsbemalung. In Paris, wo sie am beliebtesten ist, haben viele Frauen überhaupt jeden menschlichen Gesichts­ausdruck verloren und scheinen Masken zu tragen.

Aber oft kommen die Härte und die totenahnliche Starr­heit des Gesichts aus dem Innern. Das sind die sichtbaren Anzeichen einer Disharmonie des Gemüts, die zum dauernden Bestandteil des Wesens überhaupt geworden ist.

Solange solche inneren Disharmonien bestehen, solange es stumpfe Langeweile gibt, solange die Menschen von Lastern und Verkehrtheiten geplagt werden, solange muß der Schön­heitskult unwirksam bleiben.

Erfolgreich in der Erhaltung des jugendlichen Aussehens und der wirklichen oder scheinbaren Gesundheit, ist dieser Schönheitskult doch im Grunde zum Mißlingen verurteilt. Er gelangt nicht bis zur Quelle der Schönheit zur füh­lenden Seele. Nicht durch Gesichtspuder und Punktroller kann die Schönheit des Menschengeschlechts erhöht werden. Es kommt darauf an, daß die religiösen und wirtschaftlich-sozialen Vorbedingungen gegeben sind, um ein ausgeglichenes und har­monisches Dasein zu ermöglichen, daß ferner weder Umgebung noch erbliche Veranlagung zu Verkehrtheiten und Lastern reizt. Mit anderen Worten: Niemals werden alle Männer und Frauen schön sein. Aber es läßt sich erreichen, daß die Zahl der Häßlichen vermindert wird. Wir müssen uns mit bescheidenen Hoffnungen begnügen.

Babies erbarmungslos mit Händen und Taschentüchern er­stickten. Leider wurde die Aussage nicht so sensationell, wie die lieben Mitmenschen erhofft hatten. Jungfrau Bernice erklärte, wie sie als Kirchensängerin den Prediger kennen gelernt hatte und eines Tages seiner freundlichen Aufforde­rung, sie zu einem mehrtägigen Ausflug zu begleiten, nach­gekommen war. Man besuchte ein paar Hotels und kehrte dann vergnügt zurück. Somit wäre alles schön und gut gewesen, hätten die Eltern der jungen Dame diesen Ausflug nicht als ungehörig betrachtet und den Prediger wegen Ent- führung angezeigt." Nachträglich tat dies der armen Bernice natürlich leid. Denn sie hatte sich ganz gernentführen" lassen. So war sie auch bereit gewesen, dem Verlangen ihres armen Predigers zu entsprechen, als dieser sie bat, ihin schrift­lich zu bestätigen, sie habe ihn auf dem bewußten Ausflug gar nicht begleitet. Sie tat dies um so lieber, als Shoe­maker sie zur Belohnung zu heiraten versprach, sobald er von der lästigen Ehefessel mit einer anderen befreit sein würde.

Stimmt die Aussage?" wurde der ehemalige Prediger gefragt.Ja", mußte er erklären,aber die Zeugin ist nach­her aus eigenem Antrieb zu mir gekommen und hat mich angefleht, ihr die Anzeige zu verzeihen und für sie zu beten. Ich betete für sie."

Der Zufall wollte es, daß derjenige Pentekostalist der Verhandlung beiwohnte, der sonst in der Kirche den Schluß der Predigt mit einemAmen, Bruder, Halleluja" begleitete und damit den anderen Sektierern das Zeichen zum Beginn der Liturgie gab. Dieser Brave dachte wohl im Augenblick nicht daran, daß er im Gerichtssaale saß, und rief laut und inbrünstig:Amen, Bruder, Halleluja." Gewohnheitsmäßig fuhren die Pentekostalisten hoch und begannen vor Gericht ihre Liturgie. Sie ließen sich darin auch nicht durch die wütenden Ordnungsrufe des Vorsitzenden stören. Leider machte aber dieses gläubige Gemurmel auf den Gerichtshof nicht den nötigen Eindruck, und der durch Fräulein Bernices reuige Aussage mit dem Glorienschein des Märtyrers Ge­krönte wurde verurteilt.

Diese bedauerliche Tatsache nahm die Pentekostalisten wieder vollkommen für ihn ein. Alles Frühere war ver­gessen, und die ganze Gemeinde trat wie ein Mann für ihren ehemaligen Prediger ein. Innerhalb eines Tages war die zu seiner Haftentlassung erforderliche Bürgschaft von zehn­taufend Dollar durch freiwillige Sammlung aufgebracht.

Nun kann sich Mister Shoemaker vor lauter Glück kaum fassen. Die Gerichtsverhandlung hat ihn in den Augen seiner vorurteilslosen neuen Anhänger zumRevivalisten", zum Wiedererwecker des Glaubens", gemacht, der nur einem Bruchteil aller Einladungen zu opulenten Esten Folge leisten kann. Der Hunger blickt ihm längst nicht mehr aus dem Gesicht, und der "nächsten Verhandlung in seiner Sache sicht er zuversichtlich entgegen. Mag das Urteil auch ausfallen, wie es will, es samt nicht lange dauern, dann wird der Evangelist" Shoemaker seiner Kollegin Aimee McPherson scharfe" Konkurrenz machen. Dafür lebt er ja auch in den Vereinigten Staaten.

Vermischtes

Blinddarmopcration mit Salatmesser und Schnaps. Der Arzt Dr. David Robins aus Los Angeles hatte auf dem DampferNoorderdyk" eine Reise nach Deutschland angetreten. Drei Tage nach Beginn der Fahrt fing die Noorderdyk" S.-O.-S.-Rufc des kleinen DampfersCor- vus" auf. An Bord desCorvus" rang ein an Blind­darmentzündung erkrankter Matrose mit dem Tode, und der Kapitän des Schiffes bat dringend um Hilfe für den Schwerkranken. DieNoorderdvk" übernahm den Ma­lrosen, und Dr. Robins wurde ersucht, ihn zu operieren. Obwohl er keinerlei Instrumente bei sich hatte, erklärte Robins sich nach einigem Zögern bereit, die Operation vorzunehmen. Selten wohl dürfte eine Operation mit so primitiven Hilfsmitteln ausgeführt worden sein wie diese Blinddarmoperation an Bord derNoorderdvk". Der Schiffskoch hatte dazu ein Salatmester und der Schiffs- zimmermann eine Zange zur Verfügung gestellt. Vernäht wurde die Wunde mit Nadel und Faden, die die Gattin des Arztes hergegeben hatte, und zur Desinfektion diente Schnaps. Merkwürdigerweise überstand der Patient diese etwas derbe Operation. Er befindet sich auf dem Wege der. Besserung.