Der Ausbruch des Giromboli.
Fünf Tote und 28 Verwundete.
über den neuen Ausbruch des Stromboli liegen nur spärliche Meldungen vor. Die Blätter melden, daß sich der Vulkan wieder beruhigt hat. Fast alle Häuser von St. Bartolomeo und Ginostra sollen zerstört sein. Dre Bevölkerung soll aber genügend Zeit gehabt haben, sich in Sicherheit zu bringen. Das „Popolo di Roma" meldet fünf Tote und 20 Verwundete aus Ginostra und acht Verwundete aus Stromboli. Hilfsschisse sind vor der Insel eingetroffen. Für die Unterbringung der Obdachlosen sind alle Maßnahmen eingeleitet worden.
Ausbrüche des Stromboli sind nicht selten, da der Vulkan der Insel fast dauernd in Tätigkeit ist. Der Stromboli befindet sich auf der Insel gleichen Namens, die zu den Liparischen oder Äolischen Inseln gehört. Diese Inselgruppe, die der Nordküste Siziliens vorgelagert ist, besteht aus sieben größeren und mehreren unbewohnten kleinen Eilanden. Es sind lauter vulkanische Gebilde, die sich als kegelförmige Masten von 300 bis 966 Meter Höhe aus dem Meere erheben. Außer der Insel Stromboli (921 Meter) besitzen auch die Inseln Vulcano und Lipari noch tätige Vulkane. Alle Inseln sind gut angebaut, wenn auch wasserarm, und liefern namentlich Wein, Rosinen, Feigen, Ol und Bimsstein.
Oie „Prämie".
Das Ende einer Illusion.
Nun ist auch dieser Schmerz vorüber . . . Am 12. September ist die „Prämie" der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie herausgekommen, und da der Freitag von jeher ein Unglückstag ist, haben sie natürlich die meisten von uns, sogar die allermeistes, nicht gewonnen. „Prämie* heißt bekanntlich „Belohnung", und wenn diese Prämie eine Belohnung für längeres Ausharren und Hangen und Bangen in schwebender Pein bedeuten soll — was ja wohl ihr tieferer Sinn ist —, hätten wir sie alle, die wir da mitspielten, ehrlich verdient, denn ausgeharrt haben wir bis Dort hinaus. Auf die ach! so schöne Losnummer 222 815 ist sie gefallen, die Prämie, aber kein Mensch, außer den Lotterieeinnehmern und den Gewinnern, weiß, wer diese Losnummer in der Brieftasche hatte; denn seitdem den Lotterieeinnehmern von der Lotterieverwaltung der Mund mit sieben Siegeln verschlossen worden ist, kennt sich kein sterblicher Mensch mehr mit Prämien und Großen Losen aus.
Aber nun beginnt ein neues Lotteriekapitel: die für Oktober angesetzte Ziehung der ersten Klasse der neuen Preußisch-Süddeutschen steht zum großen Leidwesen aller Lotteriespieler im Zeichen der Lospreiserhöhung. Der Preis des so begehrten Achtelloses ist von drei auf fünf Mark für jede der fünf Klassen hinaufgeschnellt und dementsprechend sind auch die andern Lospreise gestiegen, was uns in dieser Zeit des mindestens angekündigten Preisabbaues besonders tief erschüttern muß. Es gibt zwar auch eine ganze Anzahl Gewinne mehr als bisher, aber die kriegen wir wahrscheinlich doch nicht, und außerdem besteht ein sehr großer Teil dieser neuen Gewinne in sogenannten „Freilosen", so daß man günstigenfalls sein eigenes eingesetztes Geld wiederkriegt. Die Lotterieeinnehmer sind mit dieser neuen Regelung der Dinge ebensowenig zufrieden wie die Spieler, denn sie fürchten — und vielleicht nicht ganz ohne Grund — eine Abkehr der Spieler oder mindestens doch ein Hinuntergleiten eines großen Teiles der Spielerwelt in die unteren Losanteile: wer ein halbes Los spielte, wird sich künftighin vielleicht mit einem Viertellos begnügen, die Viertellosinhaber werden in die Achtellosklasse abwandern, und die aus der Achtellosabteilung werden sich möglicherweise zu einer G. m. b. H. zusammentun, um weiterspielen zu können. Und dann werden wir alle wieder auf die „Prämie" warten, wenn wir nicht vorher schon das Große Los gewonnen haben sollten . . .
Nah und Fern
O Fünf Wohnhäuser niedergebrmmt. In Pünderich bei Trier brach in einem der ältesten Häuser Feuer aus, das sich rasch auf die benachbarten Häuser ausbreitete, so daß in kurzer Zeit fünf Wohnhäuser und eine Scheune in Flammen standen. Bei den Löscharbeiten erlitt ein Feuerwehrmann schwere Verletzungen. Die Entstchungsursache des Brandes ist noch nicht bekannt.
O SelbstgesteÜung eines Lohngeldräubers. Der Lohn- geldrüuber Thiemann, der vor einiger Zeit mit 19 000 Mark Lobngeldern der Braunkohlengrube „Stadt Görlitz" aus Kohlfurt verschwand. Hat sich der Görlitzer Kriminalpolizei freiwillig gestellt. Er wurde sofort verhaftet. Thiemann gab an, mittellos zu sein. Nach einer früheren Mit- teilung an seine Frau will er 18 000 Mark in der Görlitzer Heide und bei Frankfurt a. d. O. vergraben haben.
O Zwei Dicvenowcr Fischer ertrunken. Auf der Heimfahrt von Bornholm nach Berg-Dievenow geriet ein von Dievenower Fischern auf Bornholm neugekaufter Hoch- seekuttcr in einen schweren Nordoststurm und ging unter. Der 45jährige Fischer Haack und der 30jährige Fischer Krakow fanden den Tod in der Ostsee.
O Schweres Straßenbahnunglück in Odessa. Wie auk Moskau gemeldet wird, ereignete sich in Odessa ein folgenschweres Straßenbahnunglück. Ein vollbesetzter Straßenbahnwagen, dessen Bremsen nicht in Ordnung waren, fuhr in großer Geschwindigkeit eine stark abschüssige Straße hinab und entgleiste. Fünf Fahrgäste wurden getötet und 53 schwer verletzt.
O Rußland will ein Luftschiff bauen. Wie aus Moskau amtlich gemeldet wird, hat der Rat der Volkskommissare Sammlungen von Geldern für den Bau eines großen Luftschiffes nach dem Muster des „Graf Zeppelin" gestattet. Das Luftschiff soll noch Ende dieses Jahres in Leningrad gebaut werden und den Namen „Lenin" er- galteii.
O Unwetterverwüstungen bei Marseille. In der Gegend von Marseille hielt ein Gewitter nicht weniger als sieben Stunden in unverminderter Stärke an. In vielen Straßen stand das Wasser anderthalb Meter hoch. Gleichzeitig trat ein Wirbelsturm auf, der die Gegend in 200 Meter Brette vollkommen verwüstete. Häuser wurden abgedeckt, die Dächer Hunderte von Metern weit fortgetragen. Der Verkehr ist zum Teil unterbrochen, die Strom- und Lichtleitungen sind zerstört.
Bunte Tageschronif
Berlin. Auf Veranlassung der Gesundheitsbehördc wurden vier Berliner Schulen wegen Diphtheriegefahr geschlossen. Sieben Kinder sind erkrankt.
Berlin. Der angebliche Freiherr Ludwig von Egloffstein- Ortel, wegen dessen Namensführung vor den Berliner Gerichten zahlreiche Prozesse schweben, ist von der Kriminalpolizei wegen neuer Betrügereien verhaftet worden.
Köln. Der Kassenbote einer Fabrik, der 1800 Mark Lohngelder bei sich führte, wurde auf offener Straße von zwei Motorradfahrern erschossen und beraubt. Ein d;r Tat verdächtiger junger Mann wurde festgenommen.
Börse und Handel.
Frankfurter Börse vom 12. September. Tendenz: freundlich. Auch heute stand die Börse im Zeichen der bevorstehenden Wahl, so daß sich das Geschäft wiederum in kleinstem Rahmen bewegte, zumal der Auftragseingang keine Vermehrung erfahren hatte. Die Erunostimmung war aber auch heute wieder eher freundlicher, und es ergaben sich gegenüber der gestrigen Abendbörse überwiegend kleine Kursbesserungen. Die matte gestrige Newyorker Börse konnte sich nicht nachteilig auswirken, da auf der anderen Seite neue Aufträge im Rahmen des Arbeitsbeschaffungsprogramms stimulierend wirkten. — An der Abendbörse stagnierte das Geschäft fast vollkommen; die Kurse waren überwiegend behauptet.
Berliner Cssektenisrühverkehr vom 13. September. Auch zum Wochenschluß änderte sich heute am letzten Tag vor der Wahl an der abwartenden Haltung der Börse nichts. Das Geschäft hielt sich wieder in engsten Grenzen und zuverlässige Kurse waren noch nicht zu hören. Am Devisenmarkt nannte
man London-Paris 123.77%, -Mailand 92.80, «Spanien 44.60 bis 65, -Kabel 485.98, -Berlin 20.40%, Kabel-Berlin 4.19.88 bis 90.
♦ Berliner Schlachtviehmarkt. (Amtlicher Bericht.) Bezahlt wurden für 50 Kilogramm in Mark: zz 9 9. 9.
Ochsen: 1. vollst, ausgemäst. Höchst. Schlachtw., sg. 59—60 61-63 ältere — —
2 sonstige vollfletschige jüng. 55—57 57—60 ältere _ —
3 fleischige
4. gering genährte
Bullen: 1. jüngere, vollst., höchst. Schlachtwertes
2. sonstige vollfletschige oder auss»mästete
3. fleischige
4. gering genährte
Kühe: 1. jüngere, fleischige, höchsten Schlachtw
2. sonstige vollfleischige oder ausgemästete
3. fleischige
4. gering genährte
Färsen: 1. vollfl., ausgemäst., höchst. Schlachtw
2. vollfletschige
3. fleischige
Fresser: 1. mäßig genährtes Jungvieh
Kälber: 1. Doppellender bester Mast beste Mast- und Saugkälber
2. mittlere Mast- und Saugkälber
3. geringe Kälber
Schafe: 1. Mastlämmer u ja Masth. (Weidemast)
2 Mastlämmer und junge Masthim. (Stallmast)
3 . mittlere Mastlämmer, ältere Masthammcl und gut genährte Schafe
52—54
54—56
46—50
49-52
57—58
58-60
54—56
55—57
51-53
53—55
47—50
51—52
43—50
44—50
87—41
38—42
31—85
82—36
26—28
26—28
55—68
56—60
50—53
51—54
44—48
45—49
43—49
—
—
72-81
75-84
70—81
72-84
58—65
60—68
54-58
60-68
65-69
68—71
60—64
62—67
56—58
62
58—61
63—64
60—62
63—65
59—61
62—64
57—59
60-62
■ ——
52
55
Schweine: 1. Fetischweine über 300 Pfd. 2. vollst. Schweine v etwa 240—300 Pfd. 3 vollst. Schweine v. etwa 200—240 Pfd. 4. vollst. Schweine v. etwa 160—200 Pfd. 5. fleisch Schweine v etwa 120—160 Pfd.
6 fleischige Schweine unter 129 Pfd
7 Sauen
Zeitgemäße Betrachtungen.
(Nachdruck verboten.)
Zum Wahltag!
Sonst pflegt man überall in Ruh — den Sonntag zu verleben, — doch heute trifft dies wenig zu, — viel Aufregung wird's geben. — Der heut'ge Tag zählt allgemein — wohl zu den Schicksalstagen, — in Kampffront stehen die Partei'n, — die Wahlschlacht wird geschlagen.--*
Der ruh'ge Bürger geht zur Wahl, — er muß zur Urne schreiten, — doch wer die Wahl hat, hat die Qual, — das gilt zu allen Zeiten, — und manchen wird auch dieses Mal — der bange Zweifel quälen: — Wie treffe ich die rechte Wahl, — welch' Liste soll ich wählen?--
Es gibt ja gar zu viel Partei'n — und gar zu viel Erbitt'- rung, — doch kann uns niemals heilsam sein — die leidige Zersplitt'rung, — und wen der bange Zweifel quält — bei dieser Wahl-Erscheinung, — der prüfe sorgsam, eh' er wählt — und folg’ der eignen Meinung. — —
Run gibt es auch noch die Partei — der Leute, die nicht wählen, — man sagt, daß es die größte sei, — und ihre Stimmen fehlen; — gleichgültig sieht der Lauen Zahl — auf unsres Reichs Gestaltung, — die größte Sünde bei der Wahl — bleibt doch die Stimm-Enthaltung.---
Doch wer das Wahlgesetz gemacht, — der ist galant gewesen, — er hat der Damen auch gedacht — und sie zur Wähl erlesen; — drum sieht man heut' im Wahllokals IugenbsissonhM^ glänzen, — denn fröhlich geht zur Danâwahl — die. Maid mit 20 Lenzen.--
Run, Wähler, tue Deine Pflicht — in dieser Zeit, der trüben, — verträume nicht, versäume nicht, — Dein Wahlrecht auszuüben, — und auch Du, deutsche Wählerin, — wirk' mit, die Rot zu heben, — eil' pflichtgemäß zur Urne hin, — die Stimme abzugeben.--
Ja, wählt Ihr Wähler allzumal — in alter Bürgertreue, — und wählet so, daß n a ch der Wahl — die Wahl Euch nicht gereue, — dann geht beruhigt Ihr nach Haus — und hoffet fröhlich weiter — und stärket Euch und ruht Euch aus — zur nächsten Wahl. Ern st Heiter.
Die vom Rauhen Grund
Roman von Paul Erabein.
53) (Nachdruck verboten.)
Die Mittel der Baugenossenschaft waren erschöpft, der Kredit überspannt, und es galt doch, noch über eine ganze Weile hinwegzukommen, bis mit der Eröffnung der Talsperre das hier festgelegte große Kapital endlich einmal anfangen würde, auch zu arbeiten.
Nach dem Festmahl waren Steinsiefens von Reuschfelde aus mit ihrem Auto herübergekommen nach Rödig. Um die Großmutter zu besuchen, sagte Marga. Aber es war ihr mehr darum zu tun, sich einmal den Neidern zu zeigen, in all ihrem Luxus. Mit Chauffeur und Diener auf dem Bock, und sie, mit dem kostbaren Seidenkleid unter dem hellen Staubmantel. Auch ihr Mann war nicht unberührt geblieben von dem Wandel der Dinge, seitdem er das Glück ihres Besitzes errungen. Sein einstmals herausfordernder wehender Husarenbart hatte der modischen, diskreten, englischen Bartform weichen müssen, und er durfte sich selbst bei seinen geschäftlichen Ausgängen nie anders zeigen, als im distinguierten Cutaway. Heute trug er den Frack eines ersten Modeateliers.
So machte er in der Tat, äußerlich, eine ganz gute Figur, und war, wie Marga es erwartet, der stets willfährige Sklave ihrer Wünsche. Aber er langweilte sie auch, wie erwartet, ja reizte sie geradezu mit seiner ewigen Dienstbeflissenheit.
Schrecklich gelangweilt fühlte sich Marga Steinsiefen auch heute. Erst das Festessen da unten, zwischen all den Bauern, mit den törichten Redereien, dann die Fahrt allein mit ihrem Mann, der etwas redselig war vom Wein, bis sie ihn anherrschte und er betreten verstummte, dann die Stunde bei der blinden Großmutter, beim alten Onkel Manskops — mehr als lang- weilig war das wahrhaftig gewesen. Unglücklicherweise hatte Steinsiefen nun auch noch einmal zum Basaltbruch hinaufgemußt, so daß sie also noch gut zwei Stunden sich hier unterbringen mußte. Aber die Armeleuteluft bei der Großmutter ertrug sie nicht länger, Lieber dann draußen im Freien bleiben. So machte sie denn einen Waldspazieraang, obschon das durchaus nicht ihre Passion und ihr Anzug heute erst recht nicht danach war.
Still war es um sie her und einsam. Kein Mensch begegnete ihr. Nur einmal kreuzte ihren Weg ein Jäger mit seinem Hund. Ziemlich weit von ihr, so daß sie 1 seine Gesichtszüge nicht zu erkennen vermochte.
Anfangs glaubte sie, es sei Bertsch. Aber nein, der war breitschultriger von Gestalt. Nun, ganz gleich auch — selbst wenn er es gewesen wäre, sie hätte ihren Weg darum doch ruhig fortgesetzt. Sein Anblick
erregte sie nicht mehr. Seit Eke von Grund einen anderen geheiratet, war ihr Haß gegen Gerhard Bertsch erloschen. Kalt und geringschätzig dachte sie nur noch an ihn. Ein Mensch ohne Kultur. Es lohnte sich nicht, irgendein Gefühl an ihn zu verschwenden. Nicht einmal den Haß. Ja, sie war jetzt sogar froh, daß damals alles so gekommen. Wie hätte es wohl mit ihrer Freiheit ausgesehen an der Seite dieses brutalen Tyrannen.
So war sie denn eigentlich ganz zufrieden mit ihrem Los, wenn nur eben die Langeweile nicht gewesen wäre, diese schreckliche Langeweile, seit sie wieder zurück waren von der großen Auslandsreise. Hierzulande gab es ja keine Kavaliere, alles nur Männer der Arbeit, die von einem verfeinerten Genußleben nichts wußten. Was sollte eine Frau wie sie hier anfangen? In ihre Gedanken versunken, war Marga Steinsiefen weitergewandert, bis sich plötzlich der Wald lichtete. 3ans unerwartet. Sie sah auf. Das war doch früher zier nicht so gewesen?
Auf einer Rodung gewahrte sie Erdanschüttungen, oahngleise und dahinter allerlei Schuppen und Ba- acken. Offenbar irgendwelche Bauanlagen, die mit der Talsperre zusammenhingen. Sie blieb unwillkürlich stehen und hielt Umschau. Ihr Blick wurde schließlich 'estgehalten von einem bestimmten Punkte. Vor einer >er Baracken saßen ein paar Weiber, von fremdartigem Aussehen, schmutzig und verwildert, schälten Kartoffeln und schnitten Speckwürfel in riesige Kessel. Eine Kantine mochte es wohl sein für die ausländischen Bau-! arbeitet. Nun hatten die Frauen sie bemerkt. Die^ ^ände hielten an mit ihrer Arbeit. Neugierig und! idisch funkelten die schwarzen Augen her zu ihr, : ihrer kostbaren Toilette.
Ein unbehagliches Gefühl beschlich Marga. Das hatte ' ja nicht gedacht, daß es jetzt hier oben solch Volk
Und sie kehrte rasch um. Schnelleren Schritts eilte! sie zurück. Sie war indessen noch nicht allzu lange gegangen, als mist einem Male rauhe Laute von vorn an ihr Ohr schollen, von Menschen, die ihr entgegenkamen. Rdhes Lachen, Stimmen in einer fremben Sprache, und nun wurden vor ihr drei Männer sichtbar. Wenig anheimelnde Gesellen in verschlissenen Anzügen, auf dem Kopfe hohe Lammfellmützen, über den Schultern Schaufeln mit einem Kleiderbündel daran. Offenbar ausländische Arbeiter drunten von der Talsperre. Von neuem sprang da der Schreck in Marga auf. Sie schutzlos hier mit diesen wüsten Gesellen — und angetrunken schienen sie obenein auch noch!
Unwillkürlich blieb Marga stehen und blickte ängstlich auf die Ankömmlinge. Die wurden nun auch ihrer ansichtig und verstummten. Ihre stechenden, unstäten Augen hefteten sich auf sie., Erst staunend, dann begehrlich. Eine Frau, und gar eine reiche, schöne — ganz allein hier im Walde!
Schweigend blickten sie einander an. Ein unheimliches Glühen entbrannte in ihren Augen, und langsam kamen sie näher.
Voller Entsetzen durchfuhr es Marga. Sie warf sich herum und wollte den Weg, den sie gekommen, zurücklaufen. Aber gleich beim ersten Schritt schrak sie jäh zurück. Auch dort drohte ja gleiche Gefahr. Also ein Entrinnen unmöglich, und hinter ihr jetzt das höhnische Auflachen der Unholde!
Die Angst der Verzweiflung entpreßte ihr einen schrillen Schrei. Aber als Antwort nur wieder jenes grauenhafte Lachen, ganz nahe schon. Und jetzt griff eine Hand nach ihr, eine ekle, schmutz starrende Hand, tierisch behaart.
Wie eine Irrsinnige gellte sie da noch einmal aur daß selbst der Angreifer hinter ihr unwillkürlich ablietz
Doch diesmal kam eine andere Antwort. Das laute Aufbellen eines Hundes, nun der Zuruf einer Mannes- ftimme, und jetzt brach es seitlich neben ihr durch den Wald. Erst ein brauner, hochläufiger Jagdhund, dann sein Herr — der Jäger von vornhin — und nun erkannte sie ihn: der Neffe des alten Herrn von Grund.
„Was geht hier vor?"
„Schützen Sie mich, um Gottes willen!" Dicht drängte sich Marga an ihren Retter.
Eberhard von Selbach kehrte sich gegen ihre Bedränger.
„Zurück! Auf der Stelle — oder!"
Und er erhob drohend die Büchse.
Da wichen die drei langsam zurück, murmelten ein paar unverständliche Worte und verschwanden alsbald im Walde.
„Gesindel!"
Verächtlich sah Selbach ihnen nach. Dann wandte er sich Marga zu.
.Ich freue mich, meine gnädige Frau, daß ich Ihnen einen kleinen Dienst erweisen konnte. Allerdings nur ein glücklicher Zufall. Wäre ich nicht gerade dort oben im Eichenschlag gewesen '—"
Marga schüttelte noch einmal ein Grauen. Aufgeregt streckte sie ihm beide Hände entgegen.
„Wie soll ich Ihnen nur danken!"
Selbach führte ihre Linke an seine Lippen.
„Wie gesagt, ich schätze mich glücklich — aufrichtig glücklich."
Sein Blick streifte ihr schönes Antlitz, in der Erre- C doppelt reizvoll, und seine Hand preßte leise die ehe er sie wieder freigab. Doch dann glitt fern Äuge verwundert an ihrer kostbaren Robe hinunter.
„Aber wie kommen Sie auch nur hierher, meine gnädigste Frau?" ,
Sie klärte ihm alles auf. Dabei schritt sie langsam an seiner Seite den Weg nach Rödia zurück.
(Fortsetzung folgt.)