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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg Zul-a. un- Haunetal >Zu!öaer Kreisblatt

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Fulda, Mittwoch, 10. September

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7. Jahrgang

Der Europaplan bereits erledigt

Unklarheit in Genf

Der Italiener reist ab.

Mit dem besten Willen läßt sich nicht sagen, die erste Besprechung des Paneuropaplanes Briands habe ein überwältigendes Ergebnis gebracht. Die Überweisung von dem Rat an den Völkerbund selbst war eine selbst­verständliche Geste der Höflichkeit, das einstweilige Fehlen jeder Empfehlung spricht für sich selbst. Selbst die Pariser Presse muß zugeben, das Widerstreben der Engländer gegen den Plan entbehre nicht der Logik. England sei kaum zu tadeln, wenn es einstweilen nicht einzusehen ver- möge, warum man gegenüber der Genfer Einrichtung des Vöäcrbundes eine neue schaffen wolle, der schließlich fast dieselben Aufgaben zufallen würden. Briand hätte viel­leicht besser getan, wenn er seine ganze Idee am Montag bereits hätte fallen lassen. Man habe nur ins Leere ge­redet und das Ergebnis wäre nur vollständige Unklarheit gewesen.

Das geringe Interesse Italiens an der Fortführung der Europaaussprache zeigt sich auch darin, daß der italienische Außenminister Grandi bereits am Mitt-

woch früh nach Rom zurückreist. Auf italienischer Seite werden keine Mitteilungen über diese unerwartete Rückkehr Grandis na'

ch Rom gemacht. Jedoch wird auf Bedauern Ausdruck verliehen, daß

englischer Seite dem Bedauern Ausdruck verliehen, daß die Abreise Grandis die allgemein erwartete Wiederauf­nahme der französisch-italienischen Abrüstungsverhand­lungen in Genf zunächst unmöglich mache. Es scheint, daß auch eine Reihe anderer Regierungen, so die von Hol­land, Schweden und der baltischen Staaten, sehr ernste Bedenken gegen den Plan geäußert haben. In Konserenzkreisen soll die Auffassung vorherrschen, daß der französische Europaplan in der ursprünglichen Fassung zunächst als erledigt angesehen werden müsse.

Der Verlauf der LLuropadLbaLLe.

über den Verlauf der dreieinhalbstündigen euro­päischen Konferenz werden folgende Mitteilungen gemacht: Im Anschluß an die Übergabe des Französischen Weiß­buches hielt zunächst der französische Außenminister Briand eine einstündige Rede, in der er die Frage auf­warf, wie und in welcher Form der Völkerbund mit der Angelegenheit befaßt werden solle. Die weitere Erörte­rung spielte sich jedoch hauptsächlich zwischen dem eng­lischen und dem französischen Außenminister ab.

Von französischer Seite wurde in der Aussprache ver- - schiedentlich versucht, zunächst eine vorlâufiaeFesti-

Der neue Sitzungssaal im Kurfürstenpalast, gung der europäischen Konferenz auf dem Grund­gedanken einer europäischen Einigung zu erzielen. Dieser Versuch scheiterte an der Haltung des englischen Außen­ministers. Henderson erklärte von vornherein, daß er seine Zustimmung zu der Anerkennung des Grundsatzes einer europäischen Einigung nicht geben könne, jede sachliche Festlegung ablehnen müsse und die Entscheidung über das weitere Schicksal des Planes allein der V ö l k e r- bundversammlung überlassen müsse.

, In der weiteren Aussprache wurde von verschiedenen Seiten eine ganze Anzahl von Vorbehalten gemacht, wobei die mit Frankreich verbündeten Staaten im großen den Standpunkt Frankreichs vertraten.

Reichsaußenminister Dr. Curtiur verlangte mit Unterstützung einer Reihe anderer Staaten, daß weder eine Feststellung des Grundsatzes einer pan­europäischen Einigung noch irgendeine Art Organisation in noch so loser Form geschaffen würde. Dr. Curtius wies, auf der deutschen Antwortnote fußend, darauf hin, daß alle Möglichkeiten erschöpft wer- den müßten, um den in der heutigen Lage Europas drohenden Gefahren zu begegnen.

Zum Schluß wurde die einstimmige Auffassung fest­gestellt, daß nach der Generaldebatte in der Völkerbund­versammlung ein Studienausschuß eingesetzt wer­den müsse. Völlig offen ist die Frage, welche Zusammen­setzung und welche Zuständigkeiten dieser Ausschuß haben soll. Als Ergebnis wird allgemein festgcstellt, daß eine grundsätzliche Zustimmung der europäischen Konferenz zu dem französischen Paneuropaplan nicht e r f o l g t ist. - ie Konferenz hat selbst ihre eigene Zuständigkeit als für dicht gegeben erklärt und die Vollversammlung des Völkerbundes, in der 54 Regierungen vertreten sind, als die allein zuständige Instanz angesehen.

Oie Danziger Verfassung.

Der Völkerbundrat beschloß, die Stellungnahme des Internationalen Gerichtshofes im Haag zur Frage des Beitritts Danzigs zum Internationalen Arbeitsamt dem Direktor Albert Thomas zur Weiter leitung an den Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes zuzuleiten. Es wird erwartet, daß zwischen Danzig und Polen eine Einigung zustande kommt, die den Beitritt Danzigs ermöglicht.

Aus der Grundlage des Berichts des englischen Außenministers wurde einstimmig eine Entschließung an­genommen, wonach der Völkerbundrat den Oberkommissar in Danzig beauftragt, dem Senat zur Kenntnis zu brin­gen, daß der Völkerbund keinerlei Bedenken gegen Ab­änderungen der Danziger Verfaffung hat, wie sie vom Danziger Volkstag angenommen worden sind

Unterredung CurtiusBriand.

Der deutsche Reichsaußenminister Dr. Curtius yatte eine einstündige Unterredung mit dem französischen Außenminister Briand. Es kann angenommen werden, daß in dieser Unterredung die mit dem deutschen Bot­schafter in Paris bereits, mehrfach erörterten politischen Fragen der letzten Wochen, insbesondere die in der deut­schen Öffentlichkeit vielerörterten Revisionsbestre- b u n g e n, zur Sprache gekommen sind.

Der Bahnschutz im Saargebiei.

, Hie Entscheidung über die Zurückziehung des inter­nationalen Bahnschutzes aus dem Saargebiet ist nach der

Das Meer in Flammen.

Großfeuer im Hafen von pW.

Zehn Tote. Zahlreiche Schiffe verbrannt.

Im Hafen von Piräus, der Hafenstadt Athens, ist ein Großfeuer ausgebrochen, dem zahlreiche Schiffe zum Opfer gefallen sind. Die Gefahr einer Ausdehnung des Ferrers aus die nahen Lager verschiedener großer Olgesellschasten war außerordentlich arok.

über den Riesenbrand liegen folgende Einzelheiten vor: Infolge eines Schadens an der Benzinpumpe des englischen FrachtdampfersDonax" verbreitete sich aus­laufendes Benzin unbemerkt auf der Wasseroberfläche. Am Ufer saß ahnungslos ein Arbeiter, der über einem offenen Feuer sein Essen kochte. Er warf die Feuerreste dann ins Hafenwasser, das

im Nu in hellen Flammen stand.

Gegen zwanzig Segelschiffe und mehrere Dampfer be­fanden sich plötzlich mitten im aufflammenden Meer. Ter Ausbruch einer großen Panik war die unmittelbare Folge. Die Besatzungen der Schiffe flüchteten und überließen die Fahrzeuge ihrem Schicksal.

über dem Wasser entstand ein wahres Höllenfcuer. Der ^rachtdampserDonax" und acht Segelschiffe bildeten schwimmende Feuerfackaln. Sämtliche brennenden Schisse waren mit Benzin beladen, das mit furchtbarem Getöse explodierte. Allenthalben war das Hilsegeschrei gefähr­deter Menschen vernehmbar. In den nahe gelegenen Lagern der Standard Oil und anderer Olgesellschasten, die in äußerster Gefahr waren, vom Feuer ergriffen zu werden.

Reue Rechisbrüche im MemelgebLei.

Wahlbeeinflussung zugunsten Litauens.

Trotz der Beschwerde der Memelländer in Genf setzt die litauische Regierung ihre Übergriffe gegen das Autonomiestatut fort. Vor allem soll die Wahl zum Mcmemlländischen Landtag am 10. Oktober im litauischen Sinne beeinflußt werden.

Im Amtsblatt des Memelgebietes ist eine An­weisung für die Wa h l k r e i s k o m m i s s i o n e n erschienen, in der allen aus Litauen zugezogenen groß- litauischen Staatsangehörigen das Wahlrecht zum Memel­ländischen Landtag zugestanden wird. Nach dem Memel­statut sind aber nur Bürger des Memelgebiets wahl­berechtigt. Es handelt fick also wiederum um einen glatten Bruch des Statuts. Auch die Wahlkreiskommission, die fast ausschließlich aus Litauern besteht, hat eigenmächtige Abänderungen des Wahlgesetzes vorgenommen.

Polen auf dem hohen Pferd.

Scharfe Note an Danzig wegen eines Briefkastens.

Nachts wurde ein polnischer Briefkasten in Danzig durch Auskratzen des polnischen Hoheitszeichens be­schädigt. Darauf hat die polnische Regierung an den Senat der Freien Stadt Danzig eine Note gerichtet, in der es heißt, daß die wiederholten Beschädigungen polnischer Briefkästen auf einesystematische Aktion gewisser Dan­ziger Faktoren" hinzudeuten schienen. In der Note ttnrb gefordert, der polnischen diplomatischen Vertretung über die Ergebnisse der von der Danziger Polizei eingeleiteten Untersuchungen sowie über Vorbeugungsmaßnahmen Mitteilung au machen.

Aussprache zwischen Dr. Curtius und Briand auf eine weitere Sitzung des Völkerbundrates verschoben worden.

Ter italienische Außenminister Grandi erstattete dem Völkerbundrat einen eingehenden Bericht, in dem er einen Überblick über die Entstehung des Saarbahnschutzes gab. Briand erklärte, die Frage sei heute noch nicht reif zur Entscheidung, sie müsse genau geprüft werden.

Dr. Curtius erklärte, daß nach der Räumung des Rheinlandes kein Grund mehr bestehe für die weitere Aufrechterhaltung des internationalen Bahnschutzes. Die deutsche Regierung habe stets gegen den internationalen Bahnschutz im Saargebiet protestiert. Diese Gründe ge­nügten, um einen sofortigen Beschluß über die Zurück­ziehung des Bahnschutzes zu treffen, besonders da der Bahnschutz nur als Sicherung der Verbindungen für die Besatzungstruppen geschaffen worden sei. Die endgültige Entscheidung liege jetzt beim Völkerbundrat.

Briand trat der deutschen Auffassung entgeg n. Er betonte, daß der Bahnschutz nicht nur für die Sicherheit der Truppentransporte, sondern für die Sicherheit und Aufrechterhaltung des Durchgangsverkehrs geschaffen sei. Dr. Curiius erklärte sich bereit, in einem kleinen Komitee die Frage zu prüfen. Der Rat beschloß, eine solche Prüfung unter Teilnahme von Curtius und Briand vornehmen zu lassen.

Deutschlands DerständigungsVille.

Reichsaußenminister Dr. Curtius äußerte sich in Genf vor Vertretern der internationalen Presse über politische Tagesfragen. Er führte aus, die deutsche Politik sei sich bewußt, daß eine nationale Politik nur auf dem Wege der Verständigung möglich sei. Eine paneuro- päische Union müsse den Mitgliedern die Möglichkeit für eine organische Entfaltung geben. Deutschland lege Wert darauf, daß die w i r t s ch a f 1 s p o l i t i i cb e u Sroner in Angriff genommen würden.

entstand gewaltige Aufregung. Der Frachtdampfer Donax", von dem das Unheil ausgegangen war, führte allein 15 000 Tonnen Benzin. Acht Segelschiffe und ein Dampfer sind verbrannt. Nach vorläufigen Nachrichten beläuft sich die Zahl der Opfer aus zehn Tote und viele Verwundete. Der Sachschaden wird auf über zehn Millionen Mark geschätzt. Das bren­nende Meer mit den krachenden und berstenden Seglern und Schiffen, deren Feuerschein weit in die offene See hinausleuchtete, bot ein großartig-schauriges Schauspiel.

Der Hafen von Athen.

Schießereien in Buenos Aires

Irigoyen wieder verhaftet.

In Buenos Aires ist es zu einer neuen schweren Schießerei gekommen, deren Ursache ein überaus tra­gischer Irrtum ist. Demonstrierende Studenten feuerten vom Hauptpostamt Freudcnschüfse ab, die die Wache glauben ließen, eine Gegenrevolution sei im Gange. Sofort wurde ein lebhaftes Maschinengewehrseucr er- öffnet. Ein heilloserWirrwarr entstand. Artillerie beschoß das Postamt, dessen Fassade schwer beschädigt wurde. Die im Regierungsgebäude untergcbrachtcn Truppen feuerten in panischer Erregung aus die Menschen­menge. Zahlreiche Vorübergehende brachen tot oder ver­wundet zusammen. Der blutige Tumult dauerte mehr als zwei Stunden, bis dann endlich der verhängnisvolle Irrtum aufgeklärt werden konnte.

Der ehemalige Präsident Irigoyen, der krank in den Baracken des 7. Infanterieregiments in Buenos Aires lag, ist wieder verhaftet wor' :. Diese Maßnahme ist auf die tragischen Vorgänge am Montag abend zurückzu­führen. Während der Zusammenstöße wurden sechs Per- sonen getötet und 50 verwundet.

Klèine Zeitung für »ilige Leser.

* Der Völkerbundrat vertagte die Frage der Zurückziehung des Bahnschutzes aus dem Saargebiet bis nach einer Prüfung, an der Deutschland und Frankreich beteiligt sind.

* 3m Hafen von Piräus wurden durch einen großen Brand mehrere Schiffe vernichtet. Zehn Personen fanden den Tod in den Flammen.