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Ail-aer Mzeiger

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Nr. 209 1930

Fulda, Montag, 8. September

7. Jahrgang

Santo Domingo fast vollständig vernichtet.

5000 Tote in der Hauptstadt der Dominikanischen Republik.

Santo Domingo, 8. Sept. Die Zahl der bei der Wirbelsturmkatastrophe ums Leben gekommenen Personen wird nunmehr auf insgesamt 5000 geschätzt.

(Eigene Funkmeldung.)

Die Pariser Gesandtschaft der Dominikanischen Republik hat ein offizielles Telegramm erhalten, in dem es heißt: Die Stadt Santo Domingo ist so gut wie vernichtet. Man schätzt die Ver­luste aus mehr als 30 Millionen Dollar. Bisher sind über 1000 Leichen geborgen worden, die zum größten Teil wegen Mangels an Zeit zur Beerdigung eingeäschert worden sind. Zn der Stadt wurden über 2000 Personen verletzt. Es fehlt an Raum in den Krankenhäusern und an Aerzten. Man birgt weitere Leichen und Verletzte aus den Trümmern. Viele Familien sind in den

Kirchen und öffentlichen Gebäuden, soweit sie vom Sturm ver­schont blieben, untergebracht. 1000 Soldaten haben Befehl er­halten, Leben und Eigentum der Geschädigte» zu schützen und ihnen Hilfe zu leisten, lleberall auf den Straßen sind fliegende städtische Küchen aufgefahren, die Essen und Nahrungsmittel verteilen. Von den 10 000 Gebäuden in Santo Domingo sind nur 400 erhalten, der Rest ist entweder ganz oder zum größten Teil zerstört. Das Innere des Landes ist noch immer von der Hauptstadt abgeschnitten. Ueber die Stadt ist der Belagerungs­zustand verhängt worden.

Eröffnung des Völkerbundtages.

Wichtige Fragen in Genf.

Die Tagesordnung.

Unter dem Vorsitz des Vertreters von Venezuela nehmen die Beratungen des Genfer Völkerbundrates mit dem 8. September ihren Anfang. Die Tagesordnung umfasst eine Reihe von bedeutsamen Fragen, die voraus- sichtl-ch im Laufe weiterer Sitzungen während des Sep­tembers zur Sprache kommen werden. Hervorragende Punkte der Tagesordnung betreffen: den Rücktritt des Präsidenten Calonder in Ostoberschlesien, das Gut­achten des Internationalen Haager Gerichtshofes über den Beitritt der Stadt Danzig zum Internationalen Arbeitsamt, die Aushebung des internationalen Bahn­schutzes im Saargebiet, die Klage der litauischen Regierung wegen der polnischen Grenzzwischenfälle, ferner drei oberschlesische Minderheitenbe­schwerden, den Bericht des Mandatsausschusses über die Palästinasrage und eine Reihe von Berichten des Wirtschäfts-, Finanz- und Opiumausschusses. Der deutsche Vertreter im Völkerbundrat ist Berichterstatter für die Arbeiten des Wirtschaftsausschusses über die internatio­nale Konferenz zur Vereistheitlichung des Wechsel- und Scheckrechts.

Vor allen Dingen tritt die Aussprache der Minister von 27 Staaten über die Denkschrift des französischen Außenministers Briand über die Möglichkeit des Pan­europaplanes in den Vordergrund. Im wesentlichen wird man sich mit der Erwägung zweier angeregter Verfahren beschäftigen:

1. Bildung eines Ausschusses der Europäischen Kon­ferenz unabhängig vom Völkerbund, der die Paneuro­päische Konferenz als eine innereuropäische Angelegenheit weiter durcharbeiten und vorbereiten soll.

2. Ausschließliche Behandlung der ganzen Frage im Rahmen des Völkerbundes sowie Einsetzung eines Völkerbundausschusses, der die paneuropäische Frage als eine Einzelfrage des Völkerbundes behandeln soll.

*

Ein Notruf Memels.

Die Beschwerde des Memelgebietes über die Zer­schlagung der memelländischen Autonomie durch die litauische Regierung ist nach Genf abgesandt worden. Sie soll dort den einzelnen zur Völkerbundtagung versammel« len Abordnungen der Ratsmächte zugestcllt werden. Be- wnntlich hat jede Ratsmacht das Recht, Verletzungen der âemellandautvnomie vor dem Rat zur Sprache zu vnngE Die Beschwerde ist ein umfangreiches Schrist-

in beut die Entrechtung des Memelgebietes ge- M/dert und unter Hinweis auf den Ernst der Lage die Abstellung der litauischen RechtsbrÜcke durch den Rat ge­fordert wird.

Sie Durchführung der OsthllseaNion.

Besetzung der,Land stellen".

DieLandstellen", bei denen in erster Linie die Durchfüh­rung der Osthilseaktion liegt, nehmen am 10. September ihre Tätigkeit aus. Jeder Landstelle wird ein Beirat angeglievert. der sich ans dem zuständigen Oberpräsidenten, Landesfinanz- amisv äsidenten, dem Landeshauptmann, dem Vorsitzenden der Landui.nschaftskammer, einem Vertreter der Industrie- und Hand^skammer, einem Vertreter der Handwerkskammer, aus drei l 1, fünf Landwirten, zwei bis vier Vertretern der land- Wirtschastlichen Kreditinstitute und aus etn bis zwei Vertretern der landwirtschaftlichen Arbeitnehmer zusammensetzt. Die Mit­glieder des Beirats werden von dem K o in in i s s a r für - die Osthilfe berufen, wobei die Vorschläge der vertretenen Inter­essengruppen anzuhören sind Der Kommissar für die Osthilse muß den Beirat in regelmäßigen Zeimbständen über die Entwicklung und den Stand der bei der Landstelle an» hängig gewordenen Verfahren unterrichten. In Form von Gutachten äußert sich der Beirat über die gebietsmäßige Ver- tcilung der zur Verfügung stehenden Mittel. Außerdem wird mitgeteilt,, daß jeder Landstelle eine Landwirtschaftlich- b c 1 r i e b s w i r t s ch a i 1 l i ch e Abteilung angegliedert wird. Sie nimmt die im Rahmen der Osthilfe erforderlichen Prüfun- llen der landwirtschaftlichen Betriebe vor.

Die Entscheidung des Völkerbundrates hält man in Memel für um so dringlicher, als die vom litauischen Gouverneur eingesetzte Regierung bereits mit der Durch­führung der ângekündigten Litauisierungsmaßnahmen begonnen hat. Zunächst soll der memelländische Beamten­apparat durch Entlassung aller derjenigen Beamten, die nicht die litauische Sprache beherrschen, zerschlagen werden. Weiter ist beschlossen, die reichsdeutschen Lehrer zu ent­lassen und durch Litauer zu ersetzen.

Die oberschlesischen Beschwerden.

In einer Eingabe aus Oberschlesien an den Völker­bund wird gesagt: In Warschau, Lodz, Kattowitz arten die Kundgebungen gegen Deutschland zu einer wüsten Hetze gegen die deutschen Minderheiten, zu unerhörten Be-

Die Tagungsstätte der 11. Völkerbundversammlung, die am 10. September in Genf zusammentritt, ist zum ersten Male an Stelle des bisher benutzten baulich und akustisch ungünstigen Reformationssaales der Kurfürstenpalast.,

schimpfungen Deutschlands und Preußens aus. Deutsche Konsulate werden gestürmt, deutsche Hoheitszeichen zer­trümmert, deutsche Geschäftslokale beschädigt. Die pol­nischen Forderungen verstoßen gegen die den Minder­heiten durch das Genfer Protokoll gewährten und gar tierten Rechte. Da außerdem bei jeder Gelegenheit von militärischen und zivilen Behördenvertretungen zum Marsch bis an die Oder" aufgefordert wird, ist der Friede in Oberschlesien ernstlich bedroht. Die Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier fordern daher, der Völkerbund wolle den deutschen Minderheiten den feierlichst zugesicherten Schutz gewähren und Polen zwingen, die Hetze gegen die Minderheiten und gegen Deutschland endlich einzustellen.

Miliiäraufstand in Argentinien.

Irigoyen und das Kabinett gestürzt.

Einem Aufstand des Militärs in Buenos Aires unter Führung des Generals Uriburu hat sich auch die Marine «geschlossen. Präsident Irigoyen, der die Amtsgeschäfte dem Vizepräsidenten Martinez übertragen hatte, wurde ausgesordert, sofort zurückzutreten. Irigoyen und das gesamte Kabinett sind darauf zurückgetreten. über das ganze Land ist der K r i c g s z u stand ver­hängt worden. 50 Armccflugzcuge freisten über der Stadt und warfen Flugblätter ab. In einzelnen Teilen der Stadt ist cs bereits zu Zusammenstössen gekommen, bei denen es Tote und Verwundete gab.

Eine Pulverfabrik in die Lust geflogen.

Zehn Tote und zahlreiche Verletzte.

Eine furchtbare Explosion ereignete sich in einer Pulverfabrik bei Nancy. Die gesamte Fabrik flog in die Luft. Zehn Tote und eine grosse Anzahl von Verletzten wurden aus den Trümmern geborgen.

Gès Lappobeivegllng in

In Helsingfors (Finnland) tagen gegenwärtig die Führer der sogenannten Lappobewegung Es wurde beschlossen, Ende Oktober abermals einen großen Bauern­zug in die Hauptstadt marschieren zu lassen. Hierdurch soll ein Druck auf den neuen Reichstag ausgeübt werden, der zu dieser Zeit zusainmentritt. Auch der bekanntlich so großes Aufsehen erregende erste Zug der Lappoleuie hatte den Zweck, aus den Reichstag einzuwirken, um ihn zum Erlaß gegen die Kommunisten gerichteter Gesetze zu bewegen. Dazu gehört eine Zweidrittelmehrheit, die aber nicht vorhanden war. Der Reichstag wurde deshalb auf­gelöst. Dem neuen Reichstag werden die gleichen Gesetz­entwürfe vorgelegt.

Die-Lappobewegung" hat eine innere Streitfrage in Finnland aufgerollt, welche auch die Augen des Aus­landes auf die kleine Republik im Osten Europas gelenkt hat. Die Lappobewegung ist offen antikommunistisch ein­gestellt. Sie hat von ihrer Entstehung ab den Namen L a p p o. Um die Entstehung der Lappobewegung be- urteilen zu können, muß man mehrere Jahre zurück­blicken. Als die jahrhundertelange russische Herrschaft in Finnland verschwand, geschah das durch einen blutigen Bürgerkrieg. Dabei widerstand der kommunistische Teil des finnischen Volkes, der sich mit den mittlerweile bolsche­wistisch gewordenen Russen vereinigte, dank seinem reichen Vorrat an Waffen und Munition hartnäckig dem ebenfalls finnischenWeißen Bauernheer". Dieser Krieg forderte viele und schwere Opfer und hätte sicher noch mehr ge­fordert ohne die Mithilfe des deutschen Armeekorps, das in Finnland im Frühjahr 1918 an Land stieg und mit dem Weißen Bauernheere zusammen den Krieg zu Ende brachte.

Nun nahm Finnland, das den Bolschewismus ge­schlagen hatte, seinen Platz unter den Nationen Europas ein. In dem beendeten Kampfe spielte die Bauern­bevölkerung Osterbottens eine wichtige Rolle. In Oster- botten begann die erste Erhebung gegen die Russen und hier wurde das Weiße Heer unter dem Befehl des Weißen Generals" Mannerheim organisiert.

Dem Kriege folgten einige Jahre politischer Ruhe. Es dauerte jedoch nicht lange, bis der Kommunismus, dessen sämtliche finnische Führer nach der Niederlage von 1918 über die Grenze nach Rußland geflohen waren, wieder festen Fuß in Finnland zu fassen begann. Allmäh­lich erhielten die Kommunisten größeren Einfluß, es wurde eine Kommunistische Partei gegründet.

Wiederholte Verhaftungen folgten und die Ge­fängnisse füllten sich mit Kommunisten. Doch man konnte auf gesetzlichem Wege die kommunistische Bewegung nicht unterdrücken. Auf einer Kommumstenversammlung in Lappo erschienen die Kommunisten in roten Blusen und mit dem Sowjetemblem auf der Brust. In diesem Augenblick wurde die Lappobewegung geboren. Ein­wohner Osterbottens klagten die damalige Agrarregierung großer Unfähigkeit und unverantwortlicher Lässigkeit gegen die Kommunisten an und gingen eigenmächtig vom Wort zur Handlung über. Es erfolgte die Demolierung der kommunistischen Druckerei in Wasa, der größten Stadt Osterbottens. Die offenbare Rechtsverletzung, der sich die Lappomänner durch die Zerstörung der Druckerei schuldig gemacht hatten, wurde km Lande mit gemischten Gefühlen ausgenommen. Zwar war man vielfach gleichen Sinnes, daß die Tätigkeit der Kommunisten verhindert werden mußte, jedoch an verschiedenen Stellen war man bedenklich betreffs der Mittel, der sich die Lappomänner bedient hatten. Das Land war und ist es noch immer in zwei verschiedene Lager geteilt. Die einen wollen den Kommunismus mit gesetzlichen Mitteln vernichten, ver-

Kletne Zeitung für eilige Leser.

* Die Zahl der Todesopfer der Wirbelsturmkatastrophe in Santo Domingo beläuft sich nach den neuesten Meldungen auf 5 000.

Die diesjährige Tagung des Völkerbundrates in Genf be- beginnt mit einer großen Aussprache über die Paneuropafrage.

* Das LuftschiffGraf Zeppelin" will am 9. September zu seinem Fluge nach Moskau starten.

* In Budapest wurde ein Fabrikdirektor verhaftet, der seit längerer Zeit unerkannt als Führer der kommunistischen Orga­nisation tätig gewesen sein soll.