Zulöaer Anzeiger
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Tageblatt für Rhön unö Vogelsberg
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Fulda, Mittwoch, 3. September
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7. Jahrgang
Ministerparlament in Genf.
Paneuropa und Saarschuß.
Die überflüssige Bahnbewachung.
Das deutsche Reichskabinett ist für Mittwoch zu Besprechungen über die Tagung der europäischen Außenminister in Gens einbcrusen, die sich mit der von Brèând vorgelegten Denkschrift zum Paneuropaplan befassen werden. Zur Berliner Kabinettsberatung kehrt der bis zuletzt in Aachen anwesende Reichskanzler Dr. Brüning rechtzeitig zurück. Außenminister Dr. Curtius, der von feinem Unwohlsein völlig wiederhergestellt ist, wird vor dem Kabinett über die Genfer Zusammenkunft sprechen. Auch die Saarangelcgcnhcitcn sollen zur Sprache kommen. Dr. Curtius reist in wenigen Tagen nach Genf ab.
In Genf wird sich die erste Verhandlung über die Annäherung.der europäischen Länder fast zu einem internationalen Ministerparlament gestalten. Es ist nämlich in Aussicht genommen, zu der zweitägigen Europakonferenz nur die Führer der 27 europäischen Delegationen hinzuzuziehen. Da ja fast alle europäischen Staaten mit wenigen Ausnahmen durch ihre Außenminister vertreten sein werden — auch der italienische Außenminister Grandi wird zum erstenmal bei einer Versammlung des Völkerbundes die italienische Deligation führen —, so wird es sich um eine Konferenz der europäischen Außenminister handeln, die sich in geheimer Aussprache über die weitere Behandlung der Angelegenheit schlüssig werden sollen. Wahrscheinlich wird die Frage schließlich der Völkerbundversammlung überwiesen, zu welcher Zeit dann Einzelheiten bekanntwerden dürften.
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Saarregierung an Völkerbund.
Auf die Tagesordnung des Völkerbundrates am 8. September ist in einem Nachtrage auch die Saarfrage gesetzt worden. Der Präsident der Saarregierung hat zwei Schreiben an den Völlerbundrat gerichtet, nach denen der internationale Bahnschutz im Saargebiet sowie die Bahnkommission am 31. August vermindert werden. Die Saarregierung unterbreitet diese Beschlüsse dem Völkerbundrat zur Genehmigung.
Das französische halbamtliche Bureau Havas hat in einer Meldung unmittelbar nach der Rheinlandräumung
Das „Fragezeichen" in Amerika.
Der französische Ozeanflug geglückt.
*Der Ozeanflieger Coste überflog mit seinem Flugzeug „Fragezeichen" in großer Höhe die Inseln St. Pierre et Michelon an der Südwestküste von Neufundland. Demnach befinden sich die Ozeanslieger 540 Kilometer nordöstlich von Halifax.
Der Flug des „Fragezeichen" dürfte hiernach nicht nur programmäßig verlaufen sein, sondern ist offenbar in seiner Durchschnittsdauer sogar noch unter den Berechnungen der Flieger geblieben. Die einzige Unzuträglich- keit scheint das Nichtfunktionieren des Funkapparates gewesen zu sein. — In Newyork wurden große Vorbereitungen für einen feierlichen Empfang der Flieger getroffen.
Funkbild von der Landung Gronaus in Newyork.
Das deutsche Dornier-Wal-Flugboot „D. 1422“ bei seiner flug, den es über Island, Grönland und Kanada bis
Costes und Bellonte haben zu dem gefahrvollen Westfluge über den Ozean knapp 4 Stunden mehr gebraucht als seinerzeit Lindbergh zu seinem Atlantikslug nach Osten.
Der Transozeanflug von Costes und Bellonte.
Auf dem Flugplatz Curtiesfield hielt der Flieger Costes vor dem Mikrophon folgende Ansprache: „Wir sind sehr glücklich,
hervorgehoben, daß der Saarschutz nur als Verbindung zwischen der Besatzungsarmee und ihrem Heimatland gedacht gewesen sei, und daß nun auch die Saartruppen, die den Bahnschutz auszuüben hätten, verschwinden würden. Noch ist aber eine Abberufung des Saarschutzes nicht er- kolgt. Der internationale Bahnschutz war im Saargebiet durch eine Entschließung des Völkerbundrates von 1927 ausdrücklich dazu geschaffen worden, um die rückwärtigen Bahnverbindungen der Besatzungstruppen aus dem Rheinland zu sichern. Gleichzeitig soll auch eine weitere Bestimmung des Völkerbundrates von 1927 beseitigt werden, nach der die französische Regierung in besonderen Fällen das Recht einer Verstärkung des Bahnschutzes erhalten hat.
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Curtius und Treviranus.
In ziemlich auffälliger Weife bringt die Berliner voffifche Zeitung folgende Meldung:
„Zwischen Dr. Curtius und Treviranus hat nach der Rückkehr des Reichsaußenministers aus Baden-Baden eine Auseinandersetzung stattgefunden, deren Anlaß das immer häufigere rednerische und publizistische Hervortreten des Reichsministers Treviranus auf dem Gebiete der auswärtigen Politik war. Dr. C u r t i u s hat seinen konservativen Ministerkollegen daran erinnert, daß er und nicht Treviranus für die auswärtige Politik verantwortlich zeichne, und daß es weder den Gepflogenheiten entspreche noch dem Interesse des Reiches nützlich fei, wenn Mitglieder des Kabinetts öffentlich zu Fragen der auswärtigen Politik Stellung nehmen, ohne stch vorher mit dem Außenminister in Verbindung zu setzen und sich seines Einverständnisses zu versichern. Dr. Curtius hat Treviranus ersucht, sich in Zukunst in dieser Richtung mehr Zurückhaltung aufzuerlegen.^
Ob und inwieweit die von dem genannten Blatt veröffentlichten Behauptungen sich auf Tatsachen stützen, konnte int Augenblick nicht festgestellt werden. Auf Anfrage an z u st ä n d i g e r S t e l l e wurde die Auskunft gegeben, irgendwelches authentisches Material über eine solche Unterredung läge nicht vor. Außerdem weile der Minister Treviranus zurzeit gar nicht in Berlin.
Über die Wahrscheinlichkeit von Vermutungen, daß gelegentlich Wünsche und Anregungen des Außenministers Dr. Curtins auch dem Minister Treviranus nahegebracht worden seien, könne kein Urteil abgegeben werden.
daß wir diese Reise beendet haben, auf die wir uns seit langem vorbereiteten. Trotz der Schwierigkeiten, die wir antrafen, haben die guten Wettermeldungen unsere Reise sehr erleichtert. Wir hatten sehr günstigen Wind. Wir sind über die Aufnahme, die uns das amerikanische Volk bereitet hat, sehr glücklich." Bellonte erklärte: „Wir trafen etwas Rebel und etwas schlechtes Wetter über Neuschottland. Daher trafen wir verspätet ein." Seit Bekanntwerden der Landung werden die Flieger mit Glückwunschtelegrammen überschüttet. So haben u. a. solche gesandt der Präsident der Republik, Doumerque, der Luftfahrtminister, der amerikanische Botschafter in Paris. Unter den Glückwunschkundgebungen findet sich im Journal eine solche von Dr. Eckener, in der es heißt: Dieser Flug ist eine unge-
Landung an der Battey von Newyork nach seinem Ozean- zum Hafen der amerikanischen Metropole ausgeführt hat.
heure Leistung, auf die die Franzosen stolz sein können und der beweist, daß es möglich ist, bei ruhigem Wetter den Atlantischen Ozean mit dem Flugzeug zu überqueren, wenn das Material ebenso auf der Höhe ist, wie die Mannschaft. Ich bewundere den Mut und die Geschicklichkeit der Piloten und teile voll und ganz die große Freude der öffentlichen Meinung in Frankreich.
„Feste" preise.
„Preisabbau" ist das Schlagwort unserer Tage. Wie jedes Schlagwort, so ist auch dieses der Gefahr nicht entgangen, falsch verstanden und falsch angewandt zu werden. Wer gleich nach dem Lautwerden der Forderung mit ihrer sofortigen Verwirklichung rechnete,-der mußte sich enttäuscht sehen. Denn es ist ein weiter Weg vom Rohstoff bis zur fertigen Ware, wie sie über den Ladentisch hinweg dem Kunden gereicht wird, und die verschiedensten preisbildenden Momente gilt es auf diesem Wege zu beeinflussen, um eine Verbilligung in die Wege zu leiten. Von der Industrie wurde zuerst bei den bekannten Oynhausener Verhandlungen der Rus nach Preissenkung erhoben in Verbindung mit Lohn- Herabsetzung. Um die Preise erniedrigen zu können, sollten u. a. auch die Löhne abgebaut werden, denn der L 0 h n a n t e i l ist ja einer der Hauptbestandteile der Herstellungskosten des Erzeugnisses. Dieser Plan begegnete bekanntlich dem Widerstand der Arbeilerorganisationen, die von ihren tarifmäßigen Rechten nicht abgehen wollten. Sie erklärten und erklären noch, daß allein hohe Löhne die daniederliegende Erzeugung ankurbeln können, weil dadurch die Kaufkraft gefördert, die Kauflust angeregt und der Verbrauch gehoben werden kann. Andererseits sagen die Unternehmer, daß sie bei den ihrer Ansicht nach überhöhten Löhnen nicht imstande seien, die Erzeugungskosten zu senken und die Preise zu verbilligen. Der Tendenz fallender Preise kommen nun aber noch die Verhältnisse auf dem Weltmarkt entgegen, wo die Preise einer großen Anzahl von Ro h st 0 f f e n stark gefallen sind.
Weiter gehen die Bestrebungen der Regierung dahin, bei der Vergebung der Reichspostaufträge und der Reichsbahnbestellungen neben einer Produktionsbelebung gleichzeitig eine Preissenkung ohne Lohnabbau zu erreichen. Schließlich soll eine Senkung des Preisstandes erzielt werden durch einen Druck auf die Kartelle, um hier aus einzelnen Marktgebieten ein Weichen der Preise zu veranlassen. Im allgemeinen hat man von einem Erfolg dieser Maßnahmen noch nicht viel gemerkt, und es ist auch sehr fraglich, ob, nachdem der Wahlkampf in seine entscheidende Phase gelangt und in der Entwicklung der Wirtschaft fast ein Stillstand eingetreten ist, zurzeit eine ausschlaggebende Einwirkung überhaupi schon möglich ist. Wie dem auch sei, der Verbraucher jedenfalls wird wohl noch einige Zeit warten müssen, bis er die Verbilligung auch am eigenen Geldbeutel spuren wird. Es kommt dazu, daß der Einzelhändler, der dem letzten Verbraucher die Ware verkauft, vorläufig noch die alte Ware, die er vor einiger Zeit noch ohne Verbilligung gekauft hat, am Lager hat. Er muß also, will er sich nicht schädigen, zunächst diese Ware, die mit höheren Unkosten von vornherein belastet ist, loswerden. Erst dann kann er die eventuell verbilligte Ware neu beziehen, um sie der Kundschaft zu niedrigeren Preisen zuzuführen. Noch vorhandene große Läger zu alten Preisen sind natürlich für die Beschleunigung einer Verbilligung eine gewisse Bremse, aber es ist bemerkenswert, daß aus Kreisen des Einzelhandels über eine fast völlige Räumung der Läger berichtet wird, da die Geschäftsinhaber in Erwartung etwaiger Preisrückgänge Eindeckungen unterlassen. Infolge dieser Tatsache könnte eine Besserung der Konjunktur bei Einsetzen der Abrufe unter Umständen kräftig gefördert werden.
Der Preis ist ein äußerst sprödes Objekt und läßt sich sehr schwer beeinflussen, weil er sich aus so vielen einzelnen Teilen zusammensetzt. Von diesen Bestandteilen sind einige ganz besonders starr, wie z. B. die Mieten, die öffentlichen und sozialen Lasten und auch die Gehälter und Löhne, soweit sie tariflich gebunden sind oder unter dem Einfluß von Tarifen stehen. An jeder Stelle stößt die Forderung, nachzugeben, auf mehr oder weniger Widerstand. Man kann die alten Preise nicht einfach, wie beim Inventurausverkauf, mit dem Blaustift durchstreichen und neue an ihre Stelle setzen. Sie sind gewissermaßen etwas Gewachsenes. Man kann es nicht ohne weiteres schaffen, sondern man muß warren, bis es heranwächst. Aber jeder Beteiligte, und wer wäre es nicht, sei es als Erzeuger, Händler oder als Verbraucher, muß dafür sorgen, daß dieser Neuwuchs beschleunigt und nicht durch Eigensucht eine Maßnahme unterbunden wird, deren Lösung nicht nur eine Lebensfrage der Wirtschaft, sondern unserer ganzen Volksgemeinschaft geworden ist.
Keine Minderung der Veamtenbezüge.
Nach der Meldung einer Korrespondenz soll in Re- gierungskreisen eine Vorlage über Herabsetzung der Besoldungsbezüge der Beamten in der Form eines neuen Beamtenbesoldungsgesetzes fertiggestellt sein, mit dem Ziele, die Beamtenbesoldungsbezüge auf den ungefähren Stand vom Jahre 1926 herabzusetzen. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, entspricht diese Behauptung in keiner Weise den Tatsachen.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Reichsaußenminister Dr. Curtius ist von seinem Unwohlsein wieder hergestellt und wird in den nächsten Tagen nach Genf abreisen.
* Neben dem Paneuropaplan wird auf der bevorstehenden Völkerbundtagung in Genf auch der sogenannte Bahnschutz an der Saar behandelt werden.
* In Hamburg wird der 67. Deutsche Eenosseuschaftstag abgehalten.