Einzelbild herunterladen
 

Erscheint jeden werktag.Vezugspreis: monatlich 2.20 RM. Bei Lieferungsbehènöerungen öurch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Vahnsperrc usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Arieörich Threnklau, $ulda, MitglieS des Vereins Deutscher Zeitungsver- leger. Postscheckkonto: Krankfurt a. M. Hr. 16009

Tageblatt für Rhön und Vogelsbergs Zulöa- und Haunetal »ZulSaer Kreisblatt

Re-aktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernsprech-Anschluß Nr. 989

Nachöruck der mit * versehenen Artikel nur mit Quellenangabe ,Zulüaer Anzeiger"gestattet.

Anzeigenpreis: §ür Behöröen, Genossenschaf­ten,Banken usw. beträgt öie Kleinzeile 0.30 Mk., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark Bei Rechnungsstel­lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag- und Platz Vorschriften unverbindlich.

Nr. 195 1930

Fulda, Freitag, 22. August

7. Jahrgang

M 200 Mim« MsttSze für die MrlsW.

Belebung des Arbeitsmarkles.

Liefer ungen für die Neichspost.

Im Rahmen des Arbettsbeschaffungsprogramms der Neichsregierung sind nach amtlicher Mitteiluna nunmehr die Beratungen über die Lieferungen an die Reichspost zu einem gewissen Abschluß gelangt. Das Ergebnis lässt sich dahin zusammenfassen, daß für 200 Millionen Mark zusätzliche, über den Haushaltsauschlag hinausgehende Aufträge an die deutsche Wirtschaft zur Belebung des Arbeitsmarttes gegeben worden sind, was einer jährlichen Beschäftigung von rund 125 000 Arbeitslosen entspricht, daß ferner fast durchweg eine Preissenkung von 10 Pro­zent, zum Teil darüber hinaus erzielt worden ist.

Von den Aufträgen entfallen rund 132 Millionen Mark auf die Schwachstromindustrie, 23 Millionen Mark auf die Maschinenindustrie, 20 Millionen Mark auf Bauten, der Rest auf übrige laufende Beschaffungen für Betriebszwecke.

Die Preissenkung.

Die Schwachstromindustrie (Telegraphenbau, Fern­sprecheinrichtungen, Kabel- und Rundfunkindustriel, die seit einem Jahre in einer rückläufigen Preisbewegung steht, hat Preisnachlaß bis zu 12 Prozent eingeräumt. Die Kraftsahrzeugindustrie verstand sich zu einer Preissenkung von 10 Prozent. Die Bestellung von Gegenständen des laufenden Betriebsbedarfs wurde von der Gewährung eines Preisnachlasses von 10 Prozent abhängig gemacht, der auch zugestanden wurde. Neue Bauten Äerdeu nur mehr vergeben, wenn ein Preisnachlaß pbn mindestens 10 Prozent gegeben wird. Diese Forderung ist bisher vom beteiligten Baugewerbe fast allgemein angenommen treiben. /

Wechsel im Reichswehrmimsterium.

General Heye soll gehen.

Hammerstein sein Nachfolger.

Trotz aller offiziösen Dementis erhält sich mit großer Hartnäckigkeit das Gerücht, daß der Ches der Heeres­leitung, General Heye, nun doch von seinem Posten scheiden wird. In letzter Zeit waren wiederholt Nach­richten aufgetaucht, daß General Heye seinen Rücktritt nehmen wird. Als Grund für die Amtsmüdigkeit des Generals wurden Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und anderen höheren Offizieren des Reichswehr­ministeriums angegeben. Was an diesen Gerüchten wahr ist, läßt sich natürlich außerordentlich schwer feststellen. Sicher scheint nun zu sein, daß Genera! Heye am Ende des Jahres von seinem Posten scheiden wird.

Generaloberst Heye hat seit dem Jahre 1926 seine jetzige Stellung inne. Er war damals der Nachfolger des Generalobersten von Seeckt und wurde, erst 57jährig, von Reichspräsident Hindenburg mit der militärischen Leitung der Reichswehr betraut. Mit der Berufung des Generals Heye 2;: die Spitze des Reichswehrministeriums wurde mit der bisher üblichen Tradition gebrochen, immer den dienftältesten General an die erste Stelle zu setzen, die die kleine deutsche Reichswehr zu vergeben hat.

. Als Nachfolger des Generalobersten von Heye wird mit aller Bestimmtheit der bisherige Chef des Truppen­amtes vom Neichswehrministerium, Generalmajor Kurt Frhr. v. Hammerstein-Equard, genannt. Generalmajor von Hammerstein gilt als ein sehr befähigter Offizier und soll als intimer Mitarbeiter des Reichswehrministers Gröner bei diesem große Sympathien genießen.

General von Hanimerstein ist dadurch bekannige­worden, daß er während der sogenannten Femevrozesse,

Chriffenium und Leibesübungen. egen die Überbewertung des Sports. der Kongreß für Leibesübungen, Weltbund der Christlichen Jung- diesen Tagen in Berlin ver- ^'/de.auf dem Sportforum der Deutschen * ^eldesubungeu feierlich eröffnet.

Dr. B ö l i tz , der Vorsitzende Ehrenausschusses, entwickelte die Ziele des

75 Christliche Jungmännerbund, der bereits vMhre bestehe und

eine der ältesten internationalen Organisationen der Welt dem Äufnehmen des Turner- f e f besondere Verdienste erworben. Durch die

I 11 M * ^ d»r Bund auch einer der größten e ementa^r e ^- Welt sei, würde die Idee in

We se gefordert werden. Der Europäische ständni? beanspruche ein besonderes inneres Ver- Srunh ^ mit dem modernen Sport von zurzeit Die schweren Schäden, die adten in aller Welt zu bcob- Entwicklunö hauptsächlich auf die ungeheuer rasche Umwicklung des Sports znrückgcfnhrt werden

Schwierigkeiten bei Zement- und Linoleumkartell.

Schwierigkeiten ergaben sich lediglich bei der Ver­gebung der Zementlieferungen. Hier traten indes eine Reihe von Firmen auf, die von sich aus der Deutschen Reichspost Angebote machten, die erheblich unter den Preisen des Zemcntkartells lagen, so daß die In anspruchnahme des Zementkartells bis auf weiteres nicht erforderlich sein wird. Dagegen hält das L i n oleum- kartell an seinen Preisen, die erheblich über den Preisen gleichwertiger Bodenbeläge sich bewegen, fest. Linoleum wird daher bei den neuen Bauten der Deutschen Reichspost bis auf weiteres im allgemeinen nicht mehr verwendet werden.

Der außergewöhnliche Rückgang der Preise auf dem Rohgummimarkt, die zurzeit nur mehr 16 Prozent des Friedenspreises betragen, führte zu Preisverhandlungen mit den Firmen der ©ummireifeninbuftrie, von denen die Mehrzahl bisher einen Preisnachlaß von 10 Prozent zu­gestanden hat. Die Verhandlungen über die weitere Sen­kung der Preise werden von der Deutschen Reichspost mit sämtlichen für ihre Lieferungen in Betracht kommenden Firmen weiter fortgesetzt.

Dapolin bestellt Schiffe.

Die Deursch-AnWikanische Petroleumgesellschaft (Dapolin) in Hamburg, die Vcrteilungsgesettschaft für amerikanische Öle, hat mehreren deutschen Sccschisfswersten den Auftrag zur Erbauung von sechs großen Tankdampfern von je 10 000 Tonnen erteilt. Die Dampfer erhallen Dieselmotoren von je 5000 Pferdekrästen. Der ganze Auftrag beläuft sich auf 30 Millionen Mark.

Durch diese Bestellung, die im Auftrage der Standard Shipping Co., Newyork, geschieht, wird nicht allein Arbeit für die Werften mit tausenden Arbeitern geschafft, sondern auch die Eisen- und Kohlenindustrie profitiert mit davon. Ins­gesamt sind seit 1923 nicht weniger als 30 Tankdampfer mit einem Gesamtlonnengehalt von 345 000 Tonnen von der Da­polin an deutsche Werften in Auftrag gegeben worden.

die in den letzten Jahren sich vor deutschen Gerichten ab­spielten, als Sachverständiger des Reichswehrministeriums fungierte. Hammerstein ist ein Schwiegersohn des Generals Lüttwitz, von dem er zu Beginn des Kapp- Putsches in Haft gesetzt wurde, da er verdächtigt war, mit General Reinhardt, der zu der damaligen Reichsregierung hielt, zu sympathisieren.

Generalmajor von Hammerstein, oer als Nachfolger des Generalobersten Heye genannt wird.

Die Überbewertung des Sports bedeute zweifellos eine Gefahr für die menschliche Kultur. Der Europäische Kongreß für Leibesübungen, so schloß der Redner, stelle als Hauptforderung auf, daß die Leibes­übungen in die G e s a nl t e r z i e h u n g des Menschen eingestellt werden. Auch der Turner brauche eine Welt­anschauung. Dieser Gedanke setze sich in den großen Organisationen in letzter Zeit immer mehr durch.

Die Höllenmaschine im Geiverlschaffshaus

Eine schwere Explosion vermieden.

In Hannover wurde im Gcwcrkschaftshaus ein Paket aufgcfundcn, in dem sich eine Höllenmaschine befand, die sehr sorgsam konstruiert war und als Spreng­körper eine Granate mit einem hochbrisanten Sprengstoff enthielt. Durch einen glücklichen Umftaub hat das auto­matische Werk der Höllenmaschine versagt und die Explo­sion ist unterblieben. Aus der Art der Anlage ist zu schließen, daß die Explosion sehr schwere Verheerungen an gerichtet hätte. Der Täter ist unbekannt.

Ein schlimmes Erntejahr.

Nachdem sich die Wasser der Sintflut zu verlaufen beginnen, gewinnt man einen Überblick über die an­gerichteten Schäden. Am schlimmsten ist das Getreide mitgenommen worden, da der Regen die Erntearbeit unterbrochen hat, nachdem die Dürre vorher in den höher­gelegenen Gebieten die Strohentwicklung behindert und die Körner schwach und notreif hatte ausfallen lassen. Die wochenlang verregneten Garben sind völlig wertlos geworden. Um welche Mengen es sich dabei handelt, geht aus der Tatsache hervor, daß in einzelnen märkischen Kreisen, so im H a v e l l a n d , noch rund ein Viertel, in einzelnen Bezirken der Neumark und der Prignitz aber rund die volle Hälfte der Ernte bis jetzt noch nicht hat eingefahren werden können. Die Körner sind in­zwischen teilweise am Halm zu grünem Filz ausgewachsen, teilweise ist das Stroh schwarz und faulig und lohnt nicht mehr die Einfahrt als Streu Sehr schwer geschädigt ist der Feldgemüsebau und in einem Maße, daß bei dem größten Musterbetriebe in der Berliner Umgebung die dort gebauten Konservenerbsen zu einem Drittel ver­loren und der übrige Ausfall so groß ist, daß die For - führung des Betriebes in Frage gestellt ist. Allgemein schlimm lauten auch die Nachrichten aus Mecklenburg, wie überhaupt aus allen Hauptanbaugebieten für Roggen und Kartoffeln. Bei den letzteren ist dieses Jahr derZwie wuchs" oder dieKind elbild u ng" eine ganz verbreitete Erscheinung. Die zuerst wegen der Dürre im Wachstum stehengebliebenen Knollen wurden dann durch die überreichliche Nässe zu neuem Wachstum angeregt. Dadurch entstehen abnorme Formen, die an Wickelkinder oder allerlei Tiere erinnern und lustig an­zusehen, aber schlecht zu kochen und auch wenig haltbar sind. Im Kreise O st Havelland, dessen südlicher Teil die größten Regenmengen abbekommen hat, stehen mehrere tausend Morgen Kartoffelland aber überhaupt unter Wasser und faulen bereits in der Erde. Hochwassergefahr droht auch im Oderbruch. Infolge der andauernden Regenfälle ist das Wasser der Oder und Warthe in dauerndem Steigen begriffen. Dadurch entsteht die Ge­fahr, daß das Wasser über die Ufer flutet und, wie es in einigen Dörfern der Umgebung schon jetzt der Fall ist, die Wiesen, auf denen das abgemäbte Heu infolge der Regengüsse bisher nicht abgefahren werden konnte, über­flutet. Es genügt nur noch ein ganz geringes Steigen der Flut, um die Heuernte im gesamten Oder- und Warthe­bruch der Vernichtung auszuliefern.

Das diesjährige Wetter ist eine Weltkata­st r 0 p h e für die Landwirtschaft, der Landwirt hat diesmal ein volles Recht zu klagen, was ihm kein vernünftiger Städter bestreiten wird. Immerhin ist die Katastrophe bei uns nicht so groß wie in dem sonst be­neideten Amerika, wo man aus Futtermangel das Vieh bereits massenhaft hat altschlachten müssen. Bei uns ist diesmal die Heuernte sehr verschieden ausgefallen. Ein Teil der Gebiete hat einen sehr schlechten ersten Schnitt zu verzeichnen, hat aber dafür jetzt Aussicht, eine sehr gute Nachmahd zu ernten. Dagegen haben andere Ge­biete eine Rekordheuernte gemacht, die sie einigermaßen darüber trösten kann, daß der zweite Schnitt durch das hohe Wasser verschlammt und fußfaul geworden ist und vielfach nicht das Mähen lohnt.

Eine Zusammenwirkung von Frühsommer­dürre und Spätsommerverregnung wie dies­mal ist im größten Teile Deutschlands in diesem Um­fange zum letzten Male vor 60 Jahren beobachet worden, also in Gedenkzeiten der jetzt wirtschaftenden Generation noch nicht vorgekommen. Sch.

Der SiudenienstreLi in Brüssel.

Die Deutschen verließen den Internationalen Verband.

Dem Präsidenten des Internationalen Studcntcnverban- des, der zurzeit in Brüssel tagt, hat bekanntlich die deutsche Abordnung in einem Schreiben mitgeteilt, sie sehe sich genötigt, die Beziehungen zum Internationalen Studentenverband ab­zubrechen. Die Deutsche Studentenschaft werde in Zukunft weder aus Grund des bisher in Kraft gewesenen Abkommens noch im Wege einer Formel nicht geregelter Zusanimenarbcit irgendeine Verbindung mit dem Internationalen Studenten­verband unterhalten. Gleichzeitig hat der Setter des Amtes für Leibesübungen derDeutschen Studentenschaft", Dr.-Jng. Hinsch-Berlin, sein Amt als ständiger Vizepräsident des Sport­ausschusses der CIE. niedergelegt.

Als Grund für den Abbruch der Beziehungen werden beleidigende Äußerungen angeführt, die von den tschechische» und den polnischen Vertretern während der letzten Sitzung der Brüsseler Ratstagung gegenüber der deutschen Studenten- schaft ausgesprochen worden seien, denen der französische Präsident nicht entgegentrat, zu denen er auch keine Entgeg­nung der Deutschen gestattet habe. Ferner sind aus der In­ternationale die Spanier ausgetreten, die Italiener und Un­garn abgereift. Die Holländer haben wegen der Angriffe auf die Deutschen ein Mißtrauensvotum gegen den Präsidenten eingebracht. Tie Deutschen haben Brüssel verlassen.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* 3m Rahmen des Arbeitsbeschasfungsprogramms der Re­gierung sind für 200 Millionen Mark Aufträge der Deutschen Reichspost zu gesenkten Preisen an die Industrie vereinbart worden.

* Die Deutsch-Amerikanische Petroleumgesellschaft hat für 30 Millionen Mark sechs neue Tankdampscr bei den deutschen Schiffswerften bestellt.

* General Heye, der Ches der Heeresleitung, soll am Ende des Jahres durch General Hammerstein ersetzt werden.

* Ein neuer Bombenanschlag wurde in Hannover gegen das Gebäude des Gewerkschaftshauses versucht. Der Wachter entdeckte das im Eingang des Hauses niedergelegte Paket mit einer Höllmaschine und konnte es unschädlich machen.