Zul-aer /lnzeiger
Erscheint jeèen Werktag.Bezugspreis: monatlich 2.20 RM. Bei Lieftrungsbehmöerungen öurch „höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Vahnsperrc usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Arieörich Ehrenklau, Zulöa, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver- kßeu. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. fir.16009
Tageblatt für Rhön unö Vogelsberg Zulöa- unö Haunetal * Zulöaer Kreisblatt
Reöaktion unö Geschäftsstelle.: LNühlenstraße 1 ❖ Zernsprech-slnschluß Nr. 989
Nachöruck der mit* versehenen Artikel nur mit S^rellenangabe »ZulSaer -lnzeiger"gestattet.
Mzeigenpreis: Für Behörden, Genossenschaften,Banken usw. beträgt die Kleinzeile o.ZO Mk., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile O.CO Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark ❖ Bei Rechnungsstellung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfolgen ❖ Tag- und Platzvorschristen unverbindlich.
Nr. 191 — 1930
Fulda, Montag, 18. August
7. Jahrgang
Frankreich hat nicht genug Soldaten.
Die „schwache" französische Armee.
Der K r i e g s m i u i st e r will Aufrüstung.
Wenn es nicht deutlich und fast amtlich von Paris nuâ in die Welt gemeldet mürbe, möchte man es saft nicht glauben. Frankreich, das die stärkste Armee in Europa unterhält, das 25 Prozent aller Staatseinnahmen für seine Rüstung ausgibt, ist zu schwach. Der französische Kriegsminister M a g i n 0 1 hat die Entdeämeg uhaudeenv gemacht und läßt sie in dem Pariser Blatt „Journal" verkünden. Nicht einmal zur Sicherung der notwendigen Verteidigung reichen die unzähligen Regimenter aus, ihre Bewaffnung ist unzureichend, es must unbedingt ausgerüstet, die ständigen Formationen müssen vermehrt werden. So Maginot, der von möglichen Überfällen spricht, indem er seine bangenden Blicke nach der jüngst befreiten und entmilitarisierten deutschen Grenze wendet.
Der Kriegsminister Maginot sagt im einzelnen, das Heer sei ausschließlich auf die Verteidigung eingestellt. Deshalb dürfe man keine Schwächung zulassen. Der ehrliche Friedenswille genüge heute nicht, um die Sicherheit zu garantieren. Die Beschränkung der Dienstzeit auf ein Fahr habe die Schlagkraft des Heeres nicht gestärkt. Es sei überaus schwierig geworden, die Sicherheit zu garan- tieren mit einem zahlenmäßig verminderten und zum größten Teil aus neuausgebildeien Rekruten bestehenden Heer. Es sei kein Zweifel, daß der Grenzschutz heute nicht
Reform des Akiienrechis.
Ein Regierungscntwurf.
Das Reichsjustizministerinm hat den Entwurf für eine Reform des deutschen Aktienrechts fertiggestellt. Ihr Hauptzweck ist, das Vertrauen zum deutschen Aktienunter- uehMn wieder zu heben. Veraltete Rechtsbestimmungen ;ollen durch moderne Paragraphen, die den veränderten Wirtschaftsverhältnissen Rechnung tragen, ersetzt werden. Von den gemachten Vorschlägen sind besonders bemerkenswert: die Einschränkung der Pflichten des Aufsichtsrates durch Schaffung einer Pflichtprüfung, Beseitigung der Nachfolgergründung, größerer Schutz der Minderheit im Aufsichtsrat, Erweiterung der Aktionärsrechte, erweiterte Auskunftspflicht, Verbesserungen in bezug auf die Veröffentlichung und die Bilanzlegung.
0er iürkisch-perflsche Konflikt.
Türkischer Botschafter abberufen.
Aus Teheran, der persischen Hauptstadt, kam die Nachricht, die türkische Regierung habe ihren Botschafter in Teheran, Memduh Schefket Bei, abberufen. Es wird aber nicht gesagt, ob die türkische Regierung die Abberufung lediglich vorgenommen habe, um die neu entstandene Lage zwischen Persien und der Türkei mit ihrem Botschafter zu besprechen, oder ob die Abberufung bedeute, daß die Türkei damit die diplomatischen Beziehungen zu Persien abzubrechen gedenke.
Von anderer Seite wird mitgeteilt, der türkische Botschafter in Teheran sei schon vor längerer Zeit seines Postens enthoben worden und sein Nachfolger, der sich in den nächsten Tagen auf seinen Posten begebe, sei bereits ernannt. Es sei daher unberechtigt, aus der Rückkehr des türkischen Botschafters nach Angora den Schluß zu ziehen, daß sich das Verhältnis der Türkei zn Persien noch mehr zugespitzt habe.
Kirchenbeschlüffe in England.
Zur Geburtenbeschränkung.
Die alle zehn Jahre zusammenirctende Konferenz der anglikanischen Kirche hat nach fünfwöchigen Beratungen ihre Arbeiten abgeschlossen. Als Ergebnis der Konferenz, an der 307 Erzbischöfe und Bischöfe der anglikanischen Kirche aus allen Weltteilen teilnahmen, wurde eine Enzyklika erlassen, die zu den Gegenwartsproblemen in 75 Entschließungen Stellung nimmt. Nach Betonung der Notwendigkeit der Erneuerung und Ausgestaltung des kirchlichen Lehramtes befaßt sich die Enzyklika mit der in England besonders umstrittenen Frage der Geburtenkontrolle.
Die Konferenz geht in der Frage der Geburtenkomrolle ans von der Pflicht zur Elternschaft als Krönung des ehelichen Lebens. Dort, wo eine deutlich empfundene sittliche Verpflichtung besteht, die Elternschaft cinzuschränken oder zu verhüten, muß die Methode nach christlichen Grundsätzen bestimmt werden.
Hinsichtlich der Ehescheidung empfiehlt sie, daß die Wicderverheiratung des unschuldig geschiedenen Teils nicht durch grundsätzliche Verweigerung der kirchlichen Kommunion erschwert werden soll. Weiterhin wird die Errichtung einer Schranke gegenüber den farbigen Raffen ans kirchlichem Gebiet in aller Form verworfen. Den Krieg als Mittel zur Lösung internationaler Streitigkeiten zu betrachten, wird als unvereinbar mit den Lehren Christi bezeichnet. An die religiösen Führer aller Völker wird die Aufforderung gerichtet, sich für die Ideale einzusetzen, die der Völkerbund verfolgt. Die Kon- fcrcnz ist der Auffassung, daß in Staaten, die sich zur friedlichen Schlichtung internationaler Streitigkeiten feierlich verpflichtet haben, die aber dennoch, ohne die Streitfrage vorher einem Schiedsgericht unterbreitet zu haben, zur kriegerischen Eutschei- dung greifen, die christlichen Kirchen die Unterstützung dieses Krieges verweigern sollten.
Zum Schluß wendet sich die Enzyklika den kirchlichen Eini- gungsbcstrebungen zu. Gegen das Zugeständnis, daß in gewissen Fällen eine Geburtenregelung zulässig sei, hat sich in konservativen Kreisen jedoch ein Proleststurm erhoben.
über eine genügende Zahl von aktiwen Mannschaften verfüge; ohne die Hilfe der Reservisten könnte er kaum einen plötzlichen Einfall abwchren. Die Umgruppierung der Truppen und eine bessere Ausstattung der Armee mit technischen Hilfsmitteln sei unbedingt notwendig, um die Lücken an Menschen auszufüllen. Dazu brauche man Geld, und so sei er, Maginot, genötigt gewesen, seine Kredit- forderungeu für dâs Budget von 1931 wieder stark zu erhöhen.
Brmuds Einigungsplan.
Die Idee des Kollegen Herrn Maginots, des Außen- ministers Briand, zur Aufrichtung eines friedlichen Zwecken dienenden Bundes der europäischen Staaten wird wahrscheinlich aus der nächsten Tagung des Völkerbundes in Gens eine gewichtige Rolle spielen, wenn sie auch einstweilen noch nicht auf dem offiziellen Programm steht. Will Frankreich wirklich die Pläne Briands, die doch wohl Sicherheit für alle anstreben, so wird der "jetzige Ausruf Maginots bei den Beratungen nicht unberücksichtigt bleiben dürfen. Denn unbeschränkte Sicherheit für Frankreich allein würde nichts anderes bedeuten als die unumschränkte Befestigung der französischen Militärherrschaft mit allen ihren Auswirkungen, Die Oberherrschaft Frankreichs in ganz Europa. Wollen die Staatsmänner an der Seine das, je mögen sie es sagen — mit Redereien von „bedrohter" Sicherheit trotz der Unterhaltung der stärksten und bestausgerüsteten Armee. der Welt kommt man nicht weit.
Der Gireii um die polizeiZuschüffe.
Eine Erklärung des thüringischen Finanzministers.
Das thüringische Kabinett befaßte sich erneut mit der Sperrung der Polizeizuschüsse durch das Reich. Das Reich fordert Rückzahlung zuviel gewährter Polizeigelder. Das thüringische Kabinett will diese- Forderung keine Folge leisten. Finanz minister Baum erklärte, daß Thüringen durch den Einnahmeausfall nicht in finanzielle Schwierigkeiten geraten werde.
Prinz und Prinzessin Takamatsu in Berlin.
Ter Zweitälteste Bruder des Kaisers von Japan, Prinz N u b 0 h i t 0 Takamatsu mit seiner Gemahlin, der Prinzessin Kikuko, trafen zum Besuche in der Reichs- Hauptstaot ein.
Das Waffenverboi in Preußen.
Die A u s f ü h r u n g s b e st i m m u n g e n.
Der preußische Innenminister hat dem Preußischen Staatsrat den seit dem 29. Juli bereits in Kraft befindlichen Entwurf der Ausführungsbestimmungen zu dem auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung erlassenen Waffenverbot zugehen lassen. In dem Entwurf heißt es, daß die behördliche Ermächtigung zum Führen von Hlcb- und Stoßwaffen von der O r t s p 0 l i z e l b e h 0 r d e, in den nichtkreisfreicn Städten vom L a n d r a t erteilt werden soll Hieb- und Stoßwaffen im Sinne der Verordnung seien Waffen, die ihrer Natur nach dazu bestimmt seien durch Hieb-, Stoß und Stich Verletzungen b-lzu- bringen Ausgenommen sollen Paradewaffen sein, wie sie bei Umzügen von Schützengilden, Kriegervereinen, studentischen Verbindungen usw. getragen werden. Im übrigen sollen die zuständigen Behörden nach freiem Ermessen über die Erteilung der Ermächtigung entscheiden.
1000 Mark Geldstrafe für Göbbels.
In zwei Fällen verurteilt.
Das Schöffengericht Berlin-Charlottenburg verurteilte den nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Dr. Göbbels bei der weiteren Verhandlung in dem Prozeß wegen Beleidigung der Reichsregierung zu 600 Mark Geldstrafe oder 30 Tagen Gefängnis. Reichskanzler a. D. Müller wird die Publikationsbefugnis des Urteils zugesprochen. Außerdem fallen die Platten eingezogen und vernichtet werden.
In der Urteilsbegründung heißt es, daß das Gericht den Ausführungen Dr. Göbbels nicht habe folgen können, daß mit den Beleidigungen nur die sozialdemokratischen Minister gemeint gewesen sein können. Worte wie „Landesverräter am Volke", „Überläufer nach Frankreich" seien zweifellos in höchstem Grade beleidigend.
In dem alsbald verhandelten zweiten Prozeß wegen Beleidigung des früheren preußischen Innenministers Grzesinski wurde Dr. Göbbels zu 400 Mark Geldstrafe oder 20 Tagen Gefängnis verurteilt.
60000 Mann in sechs Monaten entlassen.
Die Schwierigkeiten im Ruhrbergbau.
Zu der Kündigung des Lohnabkommens im Ruhrbergbau zum 30. September verlautet ergänzend: Vertreter des Zechenverbandes und der Gewerkschaften werden in der kommenden Woche erstmals zu Verhandlungen zusammentreten. Zurzeit liegen 8,9 Millionen Tonnen auf den Halden bzw. in den Lägern des Syndikats. Weit mehr als eine Monatsförderung ist also gestapelt. Allein die Zinsen für die Haldenbestände — die normale Halden- und Lagermenge ist in der Berechnung abgesetzt — erfordern damit ein Achtel der im letzten Jahre vorgenommenen Gewinnausschüttungen. Die Förderung ist auf etwa 8 Millionen Tonnen im Durchschnitt der beiden letzten Monate zurückgegangen, während im Jahre 1929 durchschnittlich 10 Millionen Tonnen monatlich gefördert wurden. Die Einschränkung der gesamten Betriebe beläuft sich also auf rund 20 Prozent. Im Juli waren schätzungsweise nur 326 000 Mann gegen 335 000 Mann im Juni und gegen 383 000 Mann inv Januar beschäftigt. Falls die beantragten Entlassungen durchgeführt werden, rechnet man für Mitte ÜUtguft mit einer Belegschaft von 322 000 Mann.
Erschreckende Zunahme der Wohrfahriserwerbslosen.
Die wachsende Belastung der Gemeinden.
Am 31. Juli wurden in den Städten mir mehr als 25 000 Einwohnern, die zusammen eine Bevölkerung von 25 Millionen Einwohnern haben, bereits rund 404 000 Wohlfahrtserwerbslose laufend unterstützt; davon waren rund 44 000 gemeindliche Fürsorgearbeiter. Gegenüber dem Stand vom Vormonat (373 000 Wohlfahrtserwerbslose) beträgt Die Zunahme weitere 8,4 Prozent, während Die Zahl sämtlicher Hauptunterstützungsempfänger der Arbeitslosenversicherung und der Krisenfürsorge in der gleichen Zeit eine Steigerung um nur 3,6 Prozent erfahren hat. Daneben mußten die genannten Städte rund 49 000 Arbeitslosen, die von der Reichsanstall für Arbeitslosenversicherung unterstützt wurden, laufende Z u sa tzu nter st ü tzu n g gewähren Das schnelle Wachstum Der Wohlfahrtserwerbslosenzahlen Hal dahin geführt, daß in den Städten mit mehr als 25 000 Einwohnern Die Wohlfahrtserwerbslosen, Die Ende Januar noch 21,4 Prozent sämtlicher in diesen Städten unterstützten Erwerbslosen darstellten, bis Ende Juni in ständiger Steigerung bereits einen Anteil von 26.6 Prozent erreicht haben.
Dr. Th. Lewald 70 Lahre.
Am 18. August d. J. vollendet der Erste Vorsitzende des Reichsausschusscs für Leibesübungen, Seine Exzellenz Staatssekretär a. D. Dr. Th. Lewald, sein 70. Lebensjahr. Seit elf Jahren steht nunmehr Dr. Lewald an der Spitze des Deutschen Reichsausschusses. Er übernahm den Vorsitz zu einer Zeit, als die deutschen Leibesübungen noch vor der später einsetzcn- den aufwärtsschnellendcn Entwicklung standen, zu einer Zeit, in Der sie noch nicht die Anerkennung der Öffentlichkeit und der Behörden gefunden hatten. Der weite Blick des geschulten Staatsmannes und geborenen Führers ließ ihn schon damals die große Bedeutung der Leibesübungen für Volk und Vaterland in den kommenden Jahren erkennen und veranlaßte ihn, zu der schweren Bürde seines hohen Staatsanltes die grosse Arbeit der Führung der deutschen Leibesübungen zu uber- nehmen. Mit stetem Erfolg war er bemüht, die Verbände für Turnen und Sport zusammenzufassen und zufammenzuhalten, die Einmütigkeit in ihnen zu stärken, der deutschen Leibesübung wachsende Anerkennung in der Öffentlichkeit und bei Behörden des In- und Auslandes zu erwerben. Er wuchs so in die Bewegung hinein, daß er nicht nur allen Fragen Interesse und Verständnis entgegenbrachte, nein, als wahrer Führer gab er dem deutschen Sport neue große Ziele, die er mit unvergleichlicher Arbeitskraft und Zähigkeit verfolgt. So sind Die Deutsche Hochschule für Leibesübungen, die Deutschen Kampfspiele, die Beteiligung des deutschen Sports an den olympischen Veranstaltungen, der Bau des Sportforums — um ciniae Beispiele au nennen — nicht zuletzt mit sein Werk.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Die Reichsregierung hat den Entwurf für eine Reform des Aktienrechts fertiggeftellt. Es werden zahlreiche Anpassungen an die zeitgemäße Entwicklung vorgeschlagen.
* Die letzten Ziffern der Außenhandelsbilanz zeigen bei einem Einfuhrüberschuß von 14 Millionen Mark eine wesentliche Erhöhung der Lebensmitteleinfuhr.
* Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen zeigt eine erschrek- kende Zunahme. Die Belastung der Gemeinden wächst ständig durch die llnterstützungszahlungen.
* Der französische Kriegsminister fordert Vermehrung der Armee und ihre bessere Bewaffnung, da das gegenwärtige Heer zu schwach zur Verteidigung des Landes sei.