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Nr. 182 1930

Fulda, Mittwoch, 6. August

7. Jahrgang

Reichsregierung für verminderte preise.

Kartellpreise sollen sinken.

Lebensnotwendigkeit des Volkes."

Im Anschluß an die Besprechung des Reichskanzlers Brüning mit den Vertretern des Reichsverbandes der Deutschen Industrie über die Gestaltung der Warenpreise im Rahmen des Arbeètsbeschasfungsprogramms trat der wirtschaftspolitische Ausschuß des vorläufigen Reichswirt- schastsrates in Berlin zusammen. Der Ausschuß beschäf­tigte sich mit Beratungen über die Frage der Kartellpreise. Das bekannte für die Preissenkung eintretende Schreiben des Reich»sfinanzministers hatte dazu den Anlaß gegeben.

Zweifellos spielt in die Auseinandersetzungen auch der Umstand hinein, daß die Reichsregierung neuer­dings bekundete, sie werde die im Arbeitsbeschaffungs­programm geplanten zusätzlichen Aufträge nur an solche Firmen leiten, die den Wünschen nach einer Preissenkung entsprechen. In der letzten Zeit wurde mehrfach von einer Zehnprozentigen Senkung gesprochen. Auch die Anord­nung des Reichsarbeitsministers ist in Betracht zu ziehen, nach der öffentliche Aufträge nicht au Firmen vergeben werden sollen, die gegenüber ihren Arbeitnehmern ein unsoziales Verhalten an den Tag legen.

Staatssekretär Dr. Trendelenburg,

der das Reichswirtschaftsministerium gegenwärtig ver­tretungsweise verwaltet, begründete im Reichswirtschafts­rat die Notwendigkeit beschleunigter Maßnahmen auf dem Kartellgebiet. Er wies auf die große Spanne in der Preisentwicklung der industriellen Rohstoffe und landwirtschaftlichen Erzeugnisse einer­seits und der industriellen Fertigwaren andererseits hin. Hierin sei eine wesentliche Ursache für die in den meisten Industrieländern beobachtete starke Unterbeschäfti­gung zu suchen. Die Auswirkungen dieser Weltkrise auf Deutschland seien um so tiefer und nachhaltiger, als sie mit einer

Entfesselte

Amerika in Hitzenot.

Ein Glas Wasser f o ft e t 2 0 Pfennig.

Eine neue HiUcwellc ist über mehrere Mittel- und Südstaaten der Union hereingebrochen. In der Umgebung von Chikago sind in den letzten 48 Stunden 6 3 Per­sonen an Hitzschlag gestorben. In Cansas- City erreichte das Thermometer 45 Grad und in Nebraska sogar 47,2 Grad.

Nach einer Schätzung des Wetterbureaus sind durch die verschiedenen Hitzewellen in den Staaten des mittleren Westens erneut

Schäden von etwa 500 Millionen Dollar verursacht worden. Besonders im mittleren Westen und im Süden droht eine schwere Mißernte.

Die Landwirte drängen auf staatliche Hilfe und haben vielfach um Notstaudsarbeiten ersucht. Die Mais­ernte dürfte zum größten Teil auf den Halmen verdorren und auch die Heuernte ist so schlecht, daß die Landwirte ihr Vieh in Riesen Herden zu den Schlacht­höfe n treiben müssen. Dadurch ist ein scharfer Preis­sturz für Schlachtvieh eingetreten und

die Milchversorgung der Großstädte ist bereits bedroht. Das Farmamt empfiehlt den Land­wirten. sich auf die Verfütterung von Weizen umzustellen.

Wassersnot und Oammbruch.

Nach in Karachi vorliegenden amtlichen Berichten über Überschwemmungen in dem oberen Sindgebiet (Indien) bedecken die Fluten ein Gebiet von mehreren hun­dert Quadratkilometern. Das Wasser stergt noch stündlich. Im Nordwesten des Nberschwemmungs- gebietes ist ein Kanaldamm gebrochen. Die Stadt Quetta ist abgeschnitten. Die Arbeiten für die Wieder­herstellung der Verbindungen werden einen Neonat dauern.

Windhosen und Hagelschlag.

Ein Zyklon richtete in Nordbrabant außerordent­lichen Schaden an. Zahlreiche Häuser, Gewächshäuser und Scheunen wurden zerstört und

riesige Mengen Getreide vernichtet.

In Oudgastel, wo gerade Kirmes stattfand, entlud sich ein furchtbares .Hagelunwetter. Die Straßen waren mit Menschen überfüllt, von denen eine große Anzahl durch die schweren Hagelkörner verletzt wurde. Ein Schulkind wurde sogar feines Augenlichtes beraubt. Kaum war der Hagelschlag zu Ende, als sich eine

schwarze, trichterartige Wolke

mit Zischen auf das Dorf nicderließ und ein furchtbarer Wind zahlreiche Dächer und Fenster zerstörte. In Heen- vliet wütete der Sturm eine Viertelstunde lang. Dächer und Trümmer wurden senkrecht in die Höhe gerissen und in Wirbelkreisen

bis drei Kilometer weit davongetragen.

Auch einige Personen wurden von dem Zyklon erfaßt und bis zehn Meter weit fortgefchleuderi. Der entstandene Gesamtf chaden ist vorläufig nicht zu berechnen.

Krise der öffentlichen Kinanzwirtschast verbunden seien. Zur Behebung der Finanzkrise seien die Maßregeln eingeleitet worden, die sich vor allem im ersten Teil der Notverordnung befänden. Darüber hinaus halte die Reichsregierung auf wirtschaftlichem Gebiete in erster Linie eine Senkung des Selbstkosten- und Preisniveaus für notwendig. In die Maßregeln zur Erreichung dieses Zieles müsse das Beschaffungsprogramm eingeordnet werden.

Die Reichsregierung sei entschloffen, mit allem Nach­druck dafür zu sorgen, daß dieses Programm, das für die Beteiligten als ein zusätzliches gelten sollte, zu einem Ein­bruch in das bestehende Preissystem führe. Das Reichs­wirtschaftsministerium habe in dieser Beziehung bereits Schritte unternommen.

Darüber hinaus sei die Reichsregierung von der Not­wendigkeit überzeugt, daß gewisse Hemmungen beseitigt werden müßten, die noch der freien Auswirkung der natür­lichen wirtschaftlichen Tendenz im Wege stünden. In diesem Zusammenhänge trete das Problem der kartell- mäßig gebundenen Preise in den Vordergrund.

Die Verordnung des Reichspräsidenten biete der Reichsregierung die rechtliche Möglichkeit, solche Bindun­gen aufzuheben, die die Wirtschaftlichkeit der Erzeugung oder des Verkehrs mit Waren oder Leistungen beeinträch­tige oder die wirtschaftliche Handlungsfreiheit in volks­wirtschaftlich nicht gerechtfertigter Weise einschränke.

Ein nachhaltiger Erfolg der Bemühungen der Reichs­regierung sei erst dann gewährleistet, wenn die beteiligten Wirtschaftskreise mit ihr vertrauensvoll zusammenarbei­teten mit dem festen Willen, die

Lebenönotwendigkeiien der deutschen Volks­

wirtschaft gegenüber Einzelintereffen durchzusetzen. Das sei der Grund, warum sie den Reichs­wirtschaftsrat, in dem alle Faktoren des Wirtschaftslebens vertreten sind, um ein Gutachten ersucht habe

Elemente.

Verwüstungen durch eine Windhose.

Unwetterkatastrophe in Dithmarschen.

Eine schwere Windhose, verbunden mit Wolkenbrüchen und Hagelschlägen hat die Umgebung von Meldorf heimgesucht und schwere Schäden angerichtet. Eine große Zahl von Bauern­höfen wurde stark mitgenommen. Die Dächer wurden abge­deckt und zahlreiche landwirtschaftliche Maschinen zerstört. Durch das eindringende Wasser wurden im Innern der Häuser große Verwüstungen angerichtet. Allerbäume wurden wie Streichhölzer umgeknickt.

eine Bild von der Taisuulatastrophc in Japan, die die Insel Kiuschiu und besonders die Hafenstadt Nagasaki heimsuchte: die im Hafen von Nagasaki ge­sunkenen Schiffe.

Reue Panik im Erdbebengebiei.

Leichte Erdstöße in Melfi und Rionero.

Aus Potenza wird gemeldet, daß in Melfi und in Rionero ein neues wellenförmiges Erdbeben verspürt wurde. Unter der Bevölkerung, die noch unter dem Ein­druck des letzten, großen Erdbebens steht, hat das Beben eine Panik hervorgerufen. In Rionero wurde das Stadt­haus beschädiat.

Vier Todesopfer eines Schiffszusammenstoßes.

S t o ck h o l m. Der 600 Tonnen große schwedische Dampfer «entern" wurde in der Nacht unweit Skagen bei dichtem Nebel von dein großen amerikanischen DampferEhickasaw aus Philadelphia gerammt. Der Zusammenprall war so heftig, daß der schwedische Dampfer m »wet Seile zerschnitte« wurde und das Vorderschiff fast augenblicklich sank. Vier schlafende Angehörige der Mannschaft zwei Herzer, ein Matrose und ein Schiffsjunge, gingen mit unter. Der übrige Teil der Besatzung ist gerettet worden.

Arbeitsbeschaffung.

Notstandsarbeiten das Wort, diese Ankündigung bestimmter Absichten der Reichsregierung läßt den Blick zurückwenden auf die gleiche Aktion in einer Zeit schlechter Wirtschaftslage, auf die Jahre 1925 und 1926, als damals auch die Reichsregierung Mittel im Betrage von etwa 400 Millionen als Kredite den Kommunen zur Verfügung stellte:wert sch affende Erwerbslosenfür­sorge" sollte an die Stelle wirtschaftlich verlorengehen­der Arbeitslosenunterstützung treten. Ausgegeben wurden die Millionen und die Kommunen haben sie ganz ordent­lich verzinst, aber damals verfügte das Reich in seinen Kassen über so erhebliche Summen, daß es selbst diese Mittel zur Verfügung stellen konnte. Und ob immer und überall dasWertschaffende" im Vordergrund stand, nicht dasFürsorge" lediglich durch Arbeitsbeschaffung, muß man einigermaßen bezweifeln.

Jetzt steht Deutschland in noch viel tiefererArbeits­not" als damals. Aber in den Reichskassen haust nur das Defizit und jene 400 Millionen sindeingefroren". Was Anders bleibt übrig, als sie mit Hilfe des Auslandes auf­zutauen? Damals half uns auch das Ausland, allerdings recht unfreiwillig: der englische Bergarbeiterstreik brachte uns goldene Früchte. Darauf, daß uns ein solcher Glücks­zufall wieder in den Schoß fällt, ist nicht zu rechnen. Viel­mehr ist unsere finanzielle Zukunft überaus dunkel, weiß man heute noch nicht, wie hohe Anforde­rungen die Reformpläne für den Herbst und die unerfreu­liche Entwicklung der Reichseinnahmen dann an die Reichskassen stellen werden. Trotzdem hat sich ja die Reichs­regierung zwecks Arbeitsbeschaffung zu einer gewaltigen und fast gewaltsamen «Anspannung ihres Kredits im Jn- und Auslande entschlossen, und sehr bald schon wird es sich zeigen, ob das Reich noch Kredit hat.

Die finanzielle Lage ist also schwierig und verworren; daher hat es einiger Zeit und vieler Ruhe bedurft, um die Wege zu ebnen. Die Reichsbahn konnte veranlaßt werden allerdings nur, weil das Reich als Zinsgarant eintritt, schon jetzt in größerem Umfang Aufträge zu begeben, die man eigentlich noch hinausgeschoben hatte. Das Reich zahlt für 250 Millionen flüssig zu machender Eisenbahnobligationen die Zinsen. Ebenso garantiert das Reich jeneeingefrorenen" und nun in dieGesell­schaft für öffentliche Arbeiten" hineingebrach­ten, jetzt auf 255 Millionen abgeschriebenen Kommunal­kredite von einst. Die Gesellschaft geht nun mit diesen Unterlagen, zugleich aber auch mit der Reichsgarantie be­waffnet ins Ausland, um sich diese Forderungen beleihen zu lassen. Natürlich nicht gleich in voller Höhe, sondern man hört von einer Bereitwilligkeit des Auslandes, vor­läufig erst einmal etwa 20 Millionen Dollar herzugeben. Das wären auch wieder 80 Millionen Mark, und hier­von muß man dann aber jene Gelder der Arbeitslosen­unterstützung abrechnen, die ja in Fortfall kommen bei den künftighin mit den Notstandsarbeiten Beschäftigten. Des weiteren darf man hier noch erinnern an die recht erheb­lichen Mittel, die von der R e i ch s p o st für die Arbeits­beschaffung bereitgestellt sind, und an jene, die im Rahmen des Ost Hilfeprogramms gleichfalls derartigen Zwecken direkt oder indirekt dienen sollen. Hier erfolgt also eine gewaltige, fast verzweifelte Kraftan­strengung des Reiches, um durchArbeitsbeschaffung den großen Schwierigkeiten der Wirtschaft, vor allem aber da­mit der furchtbaren Arbeitslosigkeit zu steuern.

Daß auf diese Weise überaus umfangreiche Aufträge in die Wirtschaft geleitet werden zu einer Zeit, da auf nor­malem Wege Aufträge zu erhalten ihr fast unmöglich ge­worden ist, macht das Verlangen der Reichsregierung auf Entgegenkommen in der Preisfrage ab­gesehen von den bekannten sozialpolitischen Forderungen durchaus verständlich. Es kommt ihr ja in erster Linie darauf an, möglichst viele arbeitslos Gewordene wieder in den Wirtschaftsprozeß einzugliedern, ohne freilich das Wertschaffende" als wichtigsten Gesichtspunkt aufzugeben. Infolgedessen hat in dieser Frage eine Besprechung von Vertretern des Reichsverbandes der Deutschen In­dustrie mit dem Reichskanzler und dem Reichswirtschafts­ministerium stattgefunden; denn wertschaffend kann natür­lich diese Arbeitsbeschaffung nur dann wirken, wenn nicht Preise verlangt werden, die morgen oder übermorgen durch die Entwicklung bereits überholt sind, sich also als zu hoch herausstellen. Im Hintergrund besitzt übrigens die Regierung ja auch immer noch das Recht, gegen Preis­bindungen vorzugehen, die sich der Entwicklungstendenz nach unten unberechtigt entgegenstemmen.

Angesichts der tiefen Wirtschaftsnot, der fast drei Millionen Arbeitslosen und des ganzen Elends, das dieses Wort umspannt, möchte man nur eines wünschen, eines erhoffen: Taten!

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* 3m Vorläufigen Reichswirtschaftsrat bezeichnete Staats­sekretär Dr. Trendelenburg die Preissenkung durch die Kartelle als unbedingte Notwendigkeit zur Durchführung aller wirt­schaftlichen Maßnahmen der Reichsregierung.

* Die bayerische Staatsregierung ordnete für den Ver- fassungstag das Flaggen in den Landesfarben an.

* Die Herbstübungcn der Reichswehr finden vom 15. bis 18. September im Raume BambergKoburgMeiningen Kissingcn statt.

* Die Vereinigten Staaten leiden unter den katastrophalen Folgen einer ganz ungewöhnlichen Hitzewelle.

* Trotz der Verurteilung des französischen Schwimmers Cu- setHet jserhe* die Franzosen an den Schwimm^ettkäMPien rn Nürnberg terlaehwen.