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Wir können den Wechsel, der sich in den Beziehungen der Geschlechter untereinander vollzogen hat, weder in seiner ganzen Bedeutung erkennen noch verstehen, wenn wir nicht der Rolle gedenken, die die Frau heutzutage auch im sportlichen Leben spielt.
Während im alten Griechenland, der heute noch für uns vorbildlichen Pflegestätte körperlicher Kultur, die Frauen bei den Olympischen Wettkämpfen nicht einmal zuschauen durften, haben wir sie auf unserer letzten Olympiade in Amsterdam gar als Wettkämpferinnen und Siegerinnen auftreten sehen. Gegensätze, wie sie stärker kaum auszudenken sind!
Heutzutage sind „Frau" und „Sport" Begriffe geworden, die keinerlei Widerspruch mehr enthalten, voneinander nicht mehr zu trennen sind. Die Zusammensetzung der europäischen Turn- und Sportvereine beweist uns dies am klarsten, da bereits mehr als ein Drittel aller Mitglieder dem weiblichen Geschlecht angehört. Bald wird es, dem Frauenüberschuß entsprechend, sogar in der Majorität sein. Waren doch, um nur ein Beispiel herauszugreifen, schon im Jahre 1928 unter zwei Millionen Jugendlichen, die in Deutschland regelmäßig Körperübungcn trieben, 984 414 Mädchen.
Die gesundheitlichen Vorteile regelmäßiger Leibesübungen für unsere Frauen selbst, damit aber auch für unsere Gesamtbevölkerung und deren Arbeitskraft, sind allgemein bekannt und unbestritten. Darauf braucht deshalb hier nicht weiter eingegangen zu werden. Gegensätzliche Anschauungen bestehen nur hinsichtlich der TeilnahmevonFrauen an Wett - kämpfen. Und daß die Gründe für die Ablehnung der Frau als Wettkämpferin doch sehr schwerwiegende sein müssen, mag man daraus ersehen, daß die olympischen Führer augenblicklich nicht nur die Liste der Sportarten und der sportlichen Wettkämpfe für Frauen auf eine stark beschränkte Zahl herabsetzen wollen, sondern daß beachtliche Stimmen gefordert haben, die Frauenwettbewcrbe wieder
ganz zu streichen, d. h., zu den Verhältnissen zurückzugehen, die für die Frauen vor 1924 galten.
Die Probleme, um die es sich hier handelt, sind von weittragendster Bedeutung. In vielen sportlich besonders interessierten Ländern fühlt man daher die Notwendigkeit, sie öffent-
Dr. Heinz Franzmeyer. I
Der Srauenfport soll die Körperanmut fördern. ♦. lich zur Diskussion zu stellen. So hat sich im Rahmen der letzten Berliner Turn- und Sportwoche eine Frauenturn- und Sporttagung damit beschäftigt, ohne indessen noch Klarheit zu erzielen. Aber der Meinungsaustausch ist durch diese Erörterung endlich in Gang gekommen und wird jetzt nicht mehr abreißen, ehe eine endgültige Entscheidung gefallen ist. Wie sie ausfallen wird, kann — wenn die Vernunft siegt! — dem Sportarzt, ebenso wie iebem andern Arzt, nicht zweifelhaft sein.
Nicht lange vor seinem Tode hat Stresemann mit anerken- censwerter Offenheit das Wort von der übertriebenen Bizeps- ultur geprägt, mit dem er sich gegen Auswüchse des Sports vandte, besonders gegen Rekordjägerei und einseitige Überschätzung der Spitzenleistungen. Jeder Einsichtige vermag ihm nur beizupslichten. Besonders der Arzt aber muß Widerspruch erheben, wenn der Wert der Leibesübungen unter Hinweis auf Spitzenleistungen einiger weniger,die sportlich besonders begabt und erfolgreich sind, begründet wird. Vom Standpunkt der Gesundheitsfürsorge spielt nur die Erhöhung der Durchschnittsleistung eine Rolle; und alle Leibesübungen sind nur dann von Wert, wenn sie sich dieses Ziel setzen und diesem Zwecke dienen. Das gilt aber in erhöhtem Maße für den Sport der Frau!
Wie haben wir uns nun, unter diesem Gesichtspunkt, zur Frage einzustellen, ob die Frau als sportliche Wettkämpferin auftreten soll oder nicht?
In Deutschland, auf das man in sportlichen Dingen immer mehr zu hören beginnt, hat es sehr starken Eindruck gemacht, daß die einzige Goldmedaille für Leichtathletik, die es bei den Olympischen Spielen in Amsterdam zu erringen vermochte, einer Frau zu verdanken war und daß deutsche Frauen insgesamt drei große Siege erkämpften. Ich war selbst in Amsterdam und habe diese Stunden der Spannung und der Begeisterung an Ort und Stelle^miterlebt. Doch darf eine Frage, wie die Beteiligung einer Frau am sportlichen Wettkampf nicht einfach im Hinblick auf solche Erfolge, überhaupt nicht gefühlsmäßig gelöst werden. Nur rein sachliche Erwägungen können da allen Entschließungen zugrunde liegen.
All denen, die sich tatkräftig, zum Teil sogar leidenschaftlich, für eine weitere Teilnahme der Frauen an Wettkämpfen ein
Eine Frage, die von entscheidender Bedeutung für den ganzen Frauensport ist, steht gegenwärtig zur Erörterung: Beweisen die bisherigen Erfahrungen, daß die Frauen sich als Wettkämpferinnen eignen oder ist das Gegenteil der Fall? Der Sportarzt nimmt hier, sicherlich im Sinne aller seiner Kollegen, sehr entschieden Stellung dazu.
„Ich wünschte," so schreibt der Sportarzt, „secier hätte in Amsterdam gesehen, wie die beiden Vertreterinnen Kanadas nach dem SOV-Meter-Lauf völlig zusammengebrochen am Boden lagen. Es war ein entsetzlicher Hnbiich!" (Nach einer auf Veranlassung des Verfassers bei der letzten Olympiade ausgenommenen Griginalphotographie.)
setzen, sei immer wieder die Tatsache vor Augen gehalten, daß in körperlicher Beziehung zwischen Mann und Frau Unterschiede bestehen, die für jede sportliche Betätigung der Frau eine Rolle spielen, aber besondere Beachtung verdienen, wenn Höchstleistungen in Frage stehen. Die Organe, auf die es hierbei in erster Linie ankommt, sind Herz und Lunge. Diese aber sind bei der Frau von Natur aus viel weniger leistungsfähig als beim Mann. Das Herz der Frau ist nicht nur absolut, es ist auch im Vergleich zum Körpergewicht, also relativ, kleiner; das Fassungsvermögen der weiblichen Lungen ist um ein Drittel geringer als das der männlichen. Dagegen ist der Bauchraum der Frau verhältnismäßig wesentlich größer; alles natürlich in Anpassung an die anders gearteten Aufgaben des weiblichen Körpers. Die roten Blutkörperchen sind die Wagen, auf denen Sauerstoff und Nährstoffe den einzelnen Zellen zugeführt werden. Während im Kubikmillimeter Blut beim Manne fünf Millionen rote Blutkörperchen vorhanden sind, zählt man bei der Frau nur vier Millionen. Auch die Blutmenge ist bei der Frau geringer als
...uns aber nicht solchen kinblick bescheren! beim Mann. Zieht man weiter in Betracht, daß das breite Becken der Frau, ihre kürzeren Beine, die damit verbundene stärkere X-Betnstellung und die hiermit wieder zusammenhängende Neigung zu Plattfuß für sportliche Leistungen nicht gerade sehr vorteilhaft sind, so wird man zur Erkenntnis kommen, daß man die Befähigung zu Höchstleistungen, wie sie jeder Wettkampf in unbarmherzigster Weise fordert, der Frau jedenfalls nicht so ohne weiteres zuzuerkennen vermag. Man verzeihe mir, wenn ich mich an dieser Stelle eines recht drastischen Vergleichsbeispiels bediene, aber Deutlichkeit tut not: In Hunderennen läßt man Windhunde laufen und keine Dackel; dagegen schickt man keinen Windhund in den Fuchsbau. Dieser Vergleich kennzeichnet, natürlich übertrieben, das, worauf es ankommt, recht genau. Es entkräftigt gleichzeitig aber auch den Einwand, daß ja Frauen gegeneinander kämpfen und nicht das eine Geschlecht gegen das andere.
Ich wünschte, jeder, der in dieser Frage Stellung nimmt, hätte gleich mir in Amsterdam gesehen, wie doch schon bestens bewährte Sportlerinnen, nämlich die beiden Vertreterinnen Kanadas, nach dem 800-Meter-Lauf völlig zusammengebrochen am Boden lagen! Wahrhaftig, ein entsetzlicher Anblick! Auch ich will der damaligen Siegerin, Frau Radtke, meine Achtung vor ihrer Leistung durchaus nicht versagen. Ihr Erfolg wieg' hinsichtlich der aufgewandten Energie — um so schwerer, wenn
man bedenkt, daß nach Professor Schenk der 400- und der 800- Meter-Wettlauf die stärkste Anstrengung im Laufsport überhaupt bedeuten.
Bei Männern, die nicht einmal die von Frau Radtke benötigte Bestzeit erreichten, betrug der Milchsäuregehalt im Blut, der im allgemeinen weniger als zehn Milligrammprozent ausmacht: eine Minute nach der Leistung 78,6 Milligrammprozent, fünf Minuten nach der Leistung 115,4 Milligrammprozent, neun Minuten nach der Leistung sogar 143 Milligrammprozent! Dagegen fand man, gleichfalls bei Männern, eine Minute nach einem 10 000-Meter-Dauerlauf nur 49,7 Milligrammprozent im Blut. Schon dies beweist die ungeheure Belastung, die besonders Herz und Lungen beim 800 - Meter - Lauf zugemutet wird. Und das sollte Frauen zuträglich sein? Ich möchte in diesem Zusammenhangs auch noch darauf hinweisen, daß mir meine sportärztlichen Untersuchungen an dergroßen Zahl von Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts — darunter nicht wenige mit anerkannten Spitzenleistungen — gezeigt haben, daß gerade unter den letzteren sehr viele sind, die den sog. virilen, den männlichen Typ darstellen; wir sind deshalb gar nicht berechtigt, derartige Leistungen für den wirklich weiblichen Durchschnittstyp geltend zu machen.
Ob ein für Wettkämpfe nicht zu entbehrendes Übermaß von Kraftanstrengung schließlich auch dem Schönhettsbedürf- n t s der Frau entspricht, sollte gleichfalls hier erwogen werden. Geheimrat Bier weist darauf hin, daß schwere körperliche Arbeit — und Leibesübungen müssen als solche aufgefaßt werden — die Frau unweiblich, ja fogar häßlich mache; auch darum sollte für die Frau die sportliche Betätigung nach Menge und Auswahl besonders vorsichtig bemessen werden.
Sicherlich hat auch die Frau das Be« dürfnis, ihr sportliches Können mit dem anderer zu messen. Soll ihr dies nun
ganz verwehrt sein? Auf diese schwerwiegende Frage läßt sich nur antworten, daß die bisher vorliegenden Erfahrungen zu einer ganz eindeutigen Stellungnahme noch nicht ausreichen. Fest steht aber, daß die Sportbetätigung für die Frau eine ganz andere sein muß als für den Mann. Eine einfache Übertragung der für die Leibesübungen des Mannes geltenden Grundsätze ist jedenfalls nicht angängig.
Die Gefahren falscher Einstellung hinsichtlich des Frauensportes sind aber besonders bedenklich, wenn sie Schulkinder und Jugendliche bedrohen. Denn gerade hier vermögen Übertreibungen einen nicht wiedergutzumachenden Schaden anzurichten. Welche Leibesübungen soll die Frau also treiben? Und wie? Alles, was ihr Freude bereitet! Sind doch Leibesübungen weiter nichts als Arbeit im Gewände der Freude! Und gegen keine Sportart sei etwas eingewendet, solange sie nicht in Rekordjagd auszuarten beginnt.
Die Grundlage jeder Leibesübung der Frau wird mit Rücksicht auf die Eigenart des weiblichen Körpers immer eine Gymnastik sein müssen, die eine systematische Kräftigung der Rücken- und Bauchmuskulatur, vor allem aber der Lendengegend, vermittelt. Spiele und Schwimmen sind dazu das beste Mittel; Paddeln und Rudern sind ebenfalls herrliche Leibesübungen für die Frau. Wandern und Eislauf sind für sie höchst gesundheitsfördernd; ebenso Tanz, Tennis und Gymnastik. Springen dagegen kann infolge starker Erschütterungen schädigend wirken; für Gewaltanstrengungen ist der Körper der Frau nicht geschaffen. Ringen, Boxen, Wasserballspiele, manche Geräteübungen und ähnliches sind deshalb nicht zu empfehlen.
Nicht Kraft soll bei der Frau im Vordergründe ihrer Körperkultur stehen, sondernAnmut! Mit dem Wettkampf" gedanken aber verträgt sich diese Forderung nicht. ।
D^ efte Ergebnis mißverstandenen $rauenfports:
weiblicher Torhüter beim Lishockeysptel. _
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