die gewünschte Ankurbelung des Arbeitsmarktes ohne Zweifel bringen.
Die Vertreter begrüßen die Absicht der Regierung, zur Behebung der Not der Arbeitslosen ein Notopfer in Form der geplanten Reichshilse von all denen zu erheben die durch die Sicherung ihrer Stellung von der schweren Bedrohung der Arbeitslosigkeit verschont sind.
Der Eautag fordert von der Reichsregierung und voll allen führenden Kreisen die Belebung eines Geschäftsgeistes der die Linderung der größten Not unseres Volkes erwirkt. Von den Ortsgruppen waren zu den verschiedensten Fragen zahlreiche Anträge eingegangen, die sich mit sozialpolitischen Fragen und dem Ausbau der Bundeseinrichtungen beschäftigten. Diese Anträge fanden durch die angenommenen Entschließungen Erledigung. Ueber die übrigen Anträge erfolgte ebenfalls eine Verftändnigung.
Die Gruppen der weiblichen Angestellten, sowie die Reichsvereinigung der Reisenden und Vertreter im EDA. hielten gut besuchte Sondertagungen ab, in denen die besonderen Belange dieser Gruppe behandelt wurden.
Die Tagung, die auch von zahlreichen Ehrengästen besucht war, nahm einen einmütigen stimmungsvollen Verlauf.
Die drei Entschließungen besassen sich mit der wirtschaftlichen Lage der Angestellten, ferner mit den Forderungen der Angestellten an den Richstag und schließlich mit der Sozialpolitik. 6s wird gegen eine Einschränkung der Sozialversicherung protestiert.
Um einen gerechten Finanzausgleich.
Ausgabensenkung selbst unter Opfern. — Kontrolle der kommunalen Wirtschaft.
Der Vorstand des Preußischen Landkreistages beschäftigte sich eingehend mit den Auswirkungen des im Preußischen Landtag zur Beratung stehenden Finanzausgleichsgesetzes. Er begrüßte die in diesem Gesetz enthaltenen Erleichterungen aus dem Gebiete des Volksschullastenausgleichs, die besonders den schwer bedrängten Gemeinden des flachen Landes zugutekommen.
Der zukünftige Finanzausgleich ist auch für die Landkreise, bei denen die Lastensteigerung seit 1913 230 Prozent beträgt, von außerordentlicher Bedeutung. Seine Gestaltung muß dieser Belastung Rechnung tragen. Für die außerordentlich drük- kenden Lasten der Wegeunterhaltung und der Fürsorge müssen entsprechende Mittel zur Verfügung gestellt werden.
Wenn in absehbarer Zeit die Gemeinden und Gemeindever- bânde unter der Last der Wohlfahrtserwerblosen, die vor allem in den Jndustriekreisen genau so drück städten, nicht zusammenbrechen sollen,
in den Jndustriekreisen genau so drückend ist wie in den Großstädten, nicht zusammenbrechen sollen, muß die Aufbringung dieser Mittel auf breiteste Schultern gelegt werden.
Die Landkreise erkennen die katastrophale Lage des Reichs, der Länder und zahlreicher Großstädte in finanz- und wirt- schatfspolitifcher Beziehung voll an. Sie sind bereit, auch unter Opfern an dem großen Problem der Lastensenkung tätig mitzuarbeiten, müssen jedoch verlangen, daß das Reich und auch das Land Preußen auf diesem Gebiete gleichen Schritt halten und in der Gesetzgebung diesem Gedanken Rechnung tragen.
Die Landkreise haben sich in ihrer Finanzgebahrung bisher große Zurückhaltung und Sparsamkeit auferlegt, eine Tatsache, die ihren Ausdruck in der durchaus normalen Verschuldung findet. ^Sie beobachten mit großer Sorge die Notlage, in der sich vor allen Dingen die großen Städte befinden. Sie sind durchaus bereit, bei der Ausgestaltung des kommunalen Revisionswesens mitzuarbeiten, verlangen jedoch, daß dieser Ausbau auf die einfachste und billigste Art vorgenommen wird.
Oeffentliche Impfung.
Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß die diesjährige öffentliche Erstimpfung am Freitag, den 20. Juni, von 9—12 Uhr und von 14—16 Uhr im „Roten Saal" des Stadtsaales stattfindet. Die Eltern der Erftimpflinge werden gebeten, die ihnen durch besondere Aufforderung mitgeteilte Uhrzeit einzuhalten. Gleichzeitig wird gebeten, die Aufforderungen im Jmpflokal dem Listenführer vorzulegen.
Ein tödlicher Unglücksfall
ereignete sich am Montagabend im Haufe Zieherserweg 51. Der dort wohnende etwa 55 Jahre alte Arbeiter Otto M ö l f l e stürzte, als er etwas aus dem Keller holen wollte, so unglücklich die Kellertreppe herunter, daß er einen Schädelbruch erlitt. An dessen Folgen ist der Verunglückte am Dienstag verschieden.
Autobrand.
Ein dem Bäckermeister Wertmöller am Petersberg gehöriger Lieferwagen geriet gestern auf dem Hofe infolge einer Explosion in Brand. Da es unmöglich war, das heftige Feuer zu löschen, verbrannte das Auto vollständig.
Festnahme eines llnterftützungsfchwindlers.
Am 12. Juni 1930 wurde in Naumburg der 25jährige Zeichner Kurt Mehner aus Leipzig festgenommen. Mehner ist ge- werbs- und gewohnheitsmäßiger Betrüger. Er hat nach eigener Angabe seit seiner am 10. Februar 1930 erfolgten Entlassung aus der Strafanstalt in zahlreichen Städten u. a. auch in Fulda Betrügereien verübt. Mit Vorliebe sucht er Pfarrhäuser auf, und läßt sich dort unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Unterstützung geben. Näheres, insbesondere Namen der Geschädigten, kann Mehner nicht angeben. Sachdienliche Mitteilungen sind an die Kriminalpolizei in Fulda zu richten.
Konkurs Wwe. Otto Müller, Weingroßhandlung, Fulda.
Zu unserer gestrigen Notiz wird uns mitgeteilt, daß der Geschäftsbetrieb der Weingroßhandlung August Müller auch während des Konkurses ständig aufrecht erhalten wurde und daß bie Gläubiger-Versammlung einstimmig die Fortführung des Geschäftes beschlossen hat.
Steuererhöhungen im Kreise Hersfeld.
Der Haushaltsplan genehmigt.
Hersfeld, 18. Juni.
. Die Junisitzung des Hersfelder Kreistages stand im Zeichen der Etatsberatung. Der neue Haushaltsvoranschlag schließt tn , der Ausgabe mit 1 219 657 RM., was gegen das Voriahr eine Erhöhung um rund 150 000 RM. bedeutet. Unter Abzug der Elnirahrne verbleibt ein ungedeckter Fehlbetrag von 381 bSa Reichsmark der durch die allgemeinen Kreissteuern aufgebracht Herden soll. Während im vorigen Jahre 37 Prozent der Realneuern und 40,5 Prozent der Einkommen- und Korperschafts- sieueruberweisungen erhoben wurden, wozu sich noch eine Ipr^ Astige Nachtragsumlage gesellte, sollen in diesem Jahre 49,.) Dozent auf alle Maßstabssteuern gleichmäßig erhoben werden.
Landrat betonte, daß der Voranschlag mit bem -b e |t r e = n größtmöglicher Sparsamkeit ausgestellt sei. Er Achube auch, daß es besser sei, wenn die Wirtschaft mit einem bestimmten Steuersatz rechnen müsse, als wenn sich wieder die -Notwendigkeit einer Nachtragsumlage ergeben sollte treter der Rechten vertrat die Ansicht, daß jebc Eteuererhohung Wirtschaft neue Schwierigkeiten schaffe. Es )ct bei den lec- bestehenden schlechten Wirtschaftsverhältnißen sehr wohl zu erantworten, wenn man an einigen Positionen noch Abstriche fachte. Er empfahl insbesondere Abstriche beim Wegebauetat und beim Autobetrieb, insgesamt etwa 25 000 RM., wodurch möglich wäre, die Steuersätze auf 48 Prozent der Ankom-
-»und Körperschaftssteuerüberweisungen und ^ Prozent L-Realsteuern zu senken. Die eingehend begründeten Bor- ö.e der Rechten fanden aber bei der linken Mehrheit kem Mandnis, so daß der Haushaltsvoranschlag von dieser allein Vorlage von der durchschnittlich um in Pro,zent erhöhten auf alle Maßstabssteuern gegen die Rechte, die Natco- uWahjten und die Mitte angenommen wurde.
b W den übrigen Beschlüssen sind zu erwähnen die Er he - Wer allgemeinen We rtzuwach s4e ue die nUr^DOn, d" Linken angenommen wurde. Die Rechte hatte Durchberatung der Vorlage durch eine Kom- erw °^ beantragt. Die Erhebung von Zuschlägen zur Erund- Weuet soll bis zur gesetzlich zulässigen Höchstgrenze er-
Schlitzerländer Missionsfest in Queck
großer Beliebtheit das Schlitzerländer Missionsfest sich erfreut, war daraus zu ersehen, daß trotz schwerster Erntearbeit Hunderte von Besuchern und Besucherinnen aus dem ganzen Schlitzerland und auch den nahen preußischen Dörfern sich am conntag in unserer Gemeinde zur Feier dieses Festes zusammenfanden. Der Festtag begann vormittags mit einem sehr gut besuchten Jugendgottesdienst. Als um 12% Uhr die Esocken zum Festgottesdienst riefen, erwies sich unsere sehr ge- raumige Kirche fast als zu klein, um die gewaltige Schar der Kirchgänger zu fassen, die das Gotteshaus bis zum letzten Plätzchen dicht gedrängt füllten, auch die gräfliche Patronats- herrsckfaft aus Schlitz hatte sich zu unserer Freude eingefunden. Machtvoll klangen, vom Posaunenchor begleitet, die alten Misstonslieder, aufrüttelnd und aufmunternd klang es uns aus der Festpredigt, die Missionsinspektor H a m i t s ch aus Leipzig über ^W IV 83—36, hielt, entgegen, daß Gott der Herr die deutsche Heidenmission in große Tiefen hineingeführt habe, daß aber auch darin Gottes Weisheit offenkundig verborgen gewesen sei. So habe es den Anschein gehabt, als sei durch den Weltkrieg die deutsche Heidenmission für immer erledigt. Es sei nach Vertreibung sämtlicher deutscher Missionare von ihren Arbeitsgebieten, nach den Plänen der feindlichen Regierungen eine Missionstiefe entstanden, aus der es nach menschlichem Meinen scheinbar keine Hilfe gab; und heute seien nach Gottes Ratschluß und Weisheit wieder die deutschen Missionare auf all' ihren früheren Arbeitsfeldern. Dann habe man von feindlicher Seite den ganzen Krieg hindurch die Deutschen vor aller Welt, auch bei den Heiden, als Inbegriff alles Teuflischen und Bösen hingestellt, aber die Missionsgemeinden draußen hätten die Sache durchschaut und von dem Lügengeist sich nicht beeinflussen lassen, sondern den deutschen Missionaren Vertrauen und Zuneigung bewahrt. Ferner sei das deutsche Volk durch den verlorenen Krieg in die Tiefe der Knechtschaft und der Armut hineingeraten, wovon auch die Mission aufs empfindlichste betroffen worden sein; doch habe auch gerade hierin, in dieser Missions- tiefe Gottes Weisheit sich offenbart, indem unsere Missionare als Angehörige eines geknechteten und verarmten Volkes den durch unsere Feinde ebenfalls unterjochten und ausgebeuteten Heidenvölkern gleichsam als Brüder am willkommensten seien. Aber hinter den Missionaren, den Kämpfern an der Front fürs Evangelium müßte mit ihrer Teilnahme, ihren Gebeten, ihren Opfern die deutsche Heimat stehen. Die packenden Ausführungen des Predigers verfehlten nicht ihren tiefen Eindruck auf die vielhundertköpfige Missionsgemeinde. —
folgen. Um den Fachunterricht in den gewerblichen Berufsschulen in Heringen, Philippsthal und Schenklengsfeld noch ergiebiger zu gestalten, soll ein hauptamtlicher Gewerbelehrer, vorerst auf zwei Jahre Probezeit, angestellt werden. Der Geschäftsanteil bei der Hessischen Heimstätte wurde von 15 000 auf 22 000 RM erhöht.
Tagung des Hessen-Kasseler Hauptvereins der Gustav-Adolf-Stiftung.
Rinteln, 17. Juni.
In den Tagen vom 14. bis 16. Juni sand in der Grafschaft Schaumburg anläßlich der Tagung des Hessen-Kasseler Hauptvereins der Eusiav-Adolf-Stitfung das diesjährige Hesiiscbe Eustav-Adolf-Fest statt. Rinteln, die alte Hauptstadt der Grafschaft. in der Josua Stegmann in der Not des Dreißigjährigen Krieges das unvergängliche evangelische Trostlied „Ach bleib mit deiner Gnade" der ganzen Christenheit schenkte, entbot den Gästen aus dem Hessenlande einen herzlichen Empfang. Fahnen wehten von den Giebeln der alten rotbedachten Fachwerk- bäuser und die beiden evangelischen Gotteshäuser trugen reichen Blumenschmuck, vom Turm der Nikolaikirche grüßte die Fahne mit dem Buletten Kreuz int Mißen.Felde weit hinaus ins Wesertal.
Das Jahresfest wurde eingeleitet mit einer öffentlichen Kundgebung, die am Sonnabend auf dem Marktplatz stattfand.
Anschließend fand in der festlich geschmückten Nikolaikirche die Begrüßungsfeier statt. Die Reihe der Ansprachen eröffnete Pfarrer N o l t e n i u s-Rinteln, der den Gästen im Namen des Schaumburger Kreisvereins der Gustao-Adolf-Stif- tung und im Namen der beiden evangelischen Kirchengemeinden Rintelns und ihrer Kirchenvorstände ein herzliches Willkommen entbot. Nach einem weihevollen, von der Orgel begleiteten Cellovortrag des Herrn Fr. Krüger-Rinteln entbot Landrat Dr. Moe wes den Gruß der Grafschaft Schaumburg; er wünschte der Tagung den Erfolg, daß sie das Interesse für die Arbeit des GAV. in weitere Bevölkerungskreise trage. Der Redner Meß mit dem WunM. daß Gottes Segen auf der Arbeit des GAV. ruhen möge. Bürgermeister Dr. Wachsmuth begrüßte die Gäste aus dem Hessenland im Namen der Stadt Rinteln. Die Arbeit des GAV. liege in der Diaspora. Rinteln sei für Hessen auch eine Diaspora, wenn auch in anderem Sinne. Fast 300 Jahre bestehe das Band zwischen Rinten und dem Hessenland, das beweise auch diesmal wieder der herzliche Empfang. Konsistorialrat Scheumann-Detmold überbrachte herzliche Grüße des Lippischen Hauptvereins der GAV.-Stcf- tung und wünschte dem Hessischen Hauptverein den Gewinn einer recht großen Zahl neuer Mitstreiter.
Nachdem ein Chorvortrag verklungen war. nahm Landes- pfarrer Eenernlsuperintendcnt D. Fuchs -Kassel, der Vorsitzende des Hessen-Kasselschen Hauptvereins der Eustav-Adolf- Stiftung, das Wort Erinnernd an die große Tagung in Königsberg in Ostpreußen, das durch die polnische Umklammerung zu einer Insel geworden sei, verglich er die Grafschaft Schaumburg mit einer Insel Hessen-Nassaus, die aber kein polnischer Korridor von der Heimatprovinz trenne und deren Bewohner miteinander verbunden seien nicht nur durch die geschichtliche Vergangenheit und die politische Zugehörigkeit, sondern auch, soweit sie evangelische Glaubensgenollen seien, aud) durch die gemeinsame Liebe zur evangelischen Kirche und ihrer Sache. Redner erinnerte an Rintelns glanzvolle Vergangenheit, insbesondere an seine Universität. Mit einem gemeinsamen Gesang erreichte die Feier ihr Ende.
Am Sonntagvormittag fanden in sämtlichen Kirchen der Grafschaft Festgottesdienste statt. Die Predigten wurden von Pfarrern aus der hessischen Heimatprovinz gehalten. Im Festgottesdienst in der Rintelner Nikolaikirche predigte Landespfarrer v. Fuchs. i „
Nachmittags 3 Uhr erfolgte in Heß.-Oldendorf vor der Kirche die Erstaufführung eines von Pfarrer Theodor Korff verfaßten Reformationsfestipiels „Eberhard Poppelbaum". Das Festspiel fand großen Beifall, es wird voraussichtlich noch eine ganze Reihe von Aufführungen erleben.
Nach den festlichen Veranstaltungen des Sonnabends und Sonntags trat der Hauptverein am Montag in die geschäftlichen Verhandlungen der Jahresversammlungen ein. Aus dem Jahresbericht, den der Vorsitzende erstattete, sei hervorgehoben. daß die Arbeit des Vereins 1929 sowohl finanziell als sachlich Fortschritte gemacht hat. , ,
Pfarrer Noltenius-Rinteln konnte als Liebesgabe der Grafschaft Schaumburg mit dem Ertrag der FestkoÜekte von 4200 Mark überreichen. Generalsuperintendent D. Fuchs dankte in herzlichen Worten, cs sei dies die weitaus größte Gabe, bie der Hessische Hauptverein bei seinen Jahresfesten von den hessischen Kreisen erhalten habe. Die Festgabe selbst wurde zu einigen Mehrbewilligungen verwendet. Darauf wurde von dem Vorsitzenden die Tagung geschlossen.
»Gersfeld, 18. Juni. (Vorleistungsbeträge für die Wege unter Haltung.) Der Krecsausschuß hat be- chlossen daß die Voraiisleistungsbeiträge für die Wegeunter- Haltung' im Rechnungsjahre 1930 wie bisher nach einem Einheitssatz von 4 Pfennigen für einen Bruttotonnenkilometer zu entrichten sind. (§ 4 der Verordnung vom 28. April 1927.)
Gersfeld, 18. Juni. (Das Bleichen kostet Geld.) Der Magistrat erlaßt foloende Bekanntmachung: Das Bleichen auf dem städtischen Bleichplatz im Sparbroder Grund ist nur nach vorheriger Anmeldung auf dem Bürgermeisteramt und Zahlung einer Gebühr gestattet.
Am Nachmittag sammelte sich nach einer Kaffeepause eine gewaltige Zuhörerschaft auf dem freien Platz an der Kirche. Pfarrer Bohn entbot der Versammlung einen herzlick;en Will- kommengruß, erwähnte, daß das Schlitzerländer Missionsfest diesmal sein 75. Jubiläum feiern dürfe. Er mahnte, dem großen, gottgewollten Werk der Heidenmission auch weiterhin die Treue zu halten. Oberpfarer Bückn er sprach sodann über weltgeschichtliche Entscheidungsstunden in der Heidenmission und legte dar, wie auch heute wieder die Missionsarbeit vor einer Zeitenwende draußen stünde, und wie es hier gelte, für die Missionsaesellschaften und die Missionsgemcinde die Zeichen der Zeit rechtzeitig zu erfassen. — Darauf hielt dec Mrssions- inspcktor, welcher lange Jahre in Indien als Missionar tätig war, einen hochinteressanten Vortrag über das Thema: „Wie wird Indien frei?" Der Kampf der Inder um die Erringung der politischen Freiheit, vom Joch der Engländer, ist nach seiner Meinung z. Z. völlig aussichtslos, da sie keinerlei Waffen besäßen, gegenüber den kriegserfahrenen, bis an die Zähne bewaffneten Engländern. Die Mission wolle aber bem in Kastengeist und entsetzlichem Aberglauben gebundenen indischen Volk die innere Freiheit bringen durch das Evangelium. Außerordentlich tiefe Einblicke bekam man dann in das kulturelle, religiöse Leben und Treiben der Inder. Unter der Glutsonne Indiens lebe ein Volk, das in allen Stücken zu phantastischen Anschauungen geneigt sei; es verehre Millionen von Gottheiten, genieße kaum irgendetwas Fleisch, hüte sich davor, Tiere, auch die gefährlichst und schädliebsten zu töten, da vielleicht darin die Seele eines ihnen einst nahestehenden Verstorbenen wohne; es suche auf die abergläubischste Weise, böse Geister, von denen es sich überall umgeben glaube, sich rom Hals zu halten usw. Während die englischen und amerikanischen Missionare unter dem erwachenden Nationalismus der Inder sehr zu leiden hätten, dürften dort die deutschen Missionare ungestört ihre Arbeit tun. Hier an ihrem Teil mitzuhelfen, sei Pflicht der Missionsgemeinde in der Heimat! In höchster Spannung folgte die große Zuhörerschaft den fesselnden Ausführungen. — Die Feier wurde verschönt und umrahmt von Eemeindege- sang von vorzüglichen Darbietungen des Wallenröder Posaunenchors und von stimmungsvollen Liedern unseres Gesangvereins unter Leitung von Lehrer Feick. — Mit einem eindringlichen Schlußwort und Gebet des Ortsgeistlichen schloß die Feier, die eine wohlgelungene und ohne Zweifel auch eine reich gesegnete gewesen ist.
In einer Lehmgrube verschüttet.
2 Lehrlinge erstickt, 1 verletzt.
* Bebra, 18. Juni.
In große Erregung wurde die Bevölkerung unseres Ortes durch die Kunde von einem schweren Unglück versetzt, das sich in der nahen Lehmgrube der Gemeinde zugetragen hat. Dort waren drei Lehrlinge eines hiesigen Baunternehmers mit dem Aufladen von Lehm beschäftigt, als die Erbmassen plötzlich nachgaben und alle drei verschütteten. Einer der Lehrlinge konnte sich etwas frei machen und um Hilfe rufen. Diese kam auch bald von den auf den Feldern arbeitenden Landleuten. Als die drei Lehrlinge ausgegraben waren, waren zwei bereits erstickt. Der dritte hatte einen Armbruch banongetragen. Er wurde ärztlicher Behandlung übergeben. Ueber die Ursache des Unglücks ist eine amtliche Untersuchung eingeleitet.
Gersfeld, 18. Juni. (Jeder kehre vor seiner Tür.) Die Polizei macht bekannt: Es wird darauf hingewiesen, daß die Straßen hiesiger Stadt wöchentlich zweimal gelehrt werden müssen. Die Polizeiorgane sind angewiesen, darauf zu sehen, daß diese Bestimmungen genau beachtet werden. Zuwiderhandlungen werden unnachsichtlich bestrast,
Gersfeld, 18. Juni. (Termine für Schutzpockenimpfuna.) Der Landrat macht bekannt: Zur Ausführung der öffentlichen Schutzpockenimpfung der Erst- und Wiederimpflinge sind folgende Termine festgesetzt: Jmpfbezirk R e u l- b a ch-E ck w e i s b a ch: Für die Gemeinden Brand, Reulbach, Dietges und Wickers: Montag, den 23. Juni, 16 Uhr; Nachschau Montag, den 30. Juni, 16 Uhr. Jmpslokal: Gastwirtschaft Gensler. Brand. Für die Gemeinden Eckweisbach. Rupsroth, Liebhards und Dörmbach außer Langenberg: Montag, den 23. Juni, 14.30 Uhr; Nachschau: Montag, den 30. Juni, 14.30 Uhr. Jmpflokal: Schule Eckweisbach. - Jmpfbezirk Lahrbach: Für die Gemeinden Habel, Hundsbach, Lahrbach und Neuschwambach: Donnerstag, den 26. Juni, 15 Uhr, Nachschau: Donnerstag, den 3. Juli, 15 Uhr. Jmpflokal: Gastwirtschaft Gärtner, Lahrbach. —। Jmpfbezirk Schmalnau : Für die Gemeinden Schmalnau und Ried: Mittwoch, den 25. Juni, 16 Uhr; Nachschau: Mittwoch den 2. Juli, 16 Uhr. Jmpflokal: Gastwirtschaft Becker, Schmalnau. — Jmpfbezirk Hettenhausen: Für die Gemeinden Hettenhausen, Altenfeld und Gichenbach: Mittwoch, den 25. Juni, 17 Uhr; Nachschau: Mittwoch, den 2. Juli, 17 Uhr. Jmpflokal: Schule Hettenhausen. — Jmpfbezirk Weyhers: Mittwoch, den 25. Juni, 14 Uhr; Nachschau: Mittwoch, den 2. Juli, 14 Uhr. Jmpflokal: Gastwirtschaft Benno Müller, Weyhers. — Jmpfbezirk Lütter: Für die Gemeinde Lütter: Mittwoch, den 25. Juni. 15 Uhr; Nachschau: Mittwoch, den 2. Juli, 15 Uhr. Jmpflokal: Gastwirtschaft Rehberg, Lütter. Die Herren Bürgermeister der betreffenden Gemeinden werden um ortsübliche Bekanntmachung ersucht.
Kassel, 16. Juni. (Folgenschwerer Unfall eines K r a f t w a g e n s.) Heute abend gegen %21 Ubr ereignete sich auf dein beschrankten Bahnübergang bei Giesèlverg auf der Strecke Kassel- Marburg Gießen in der Nähe des Ortes Niederweimar bei Marburg ein folgenschwerer Unfall. Ein kleiner Kraftwagen, der mit zwei Personen besetzt war und von dem Kaufmann Brandts aus Marburg gesteuert wurde, geriet bei nicht geschlossener Schranke unter den durchfahrenden Personenzug 778, von dem er etwa 200 Meter weit mitgc- Meift wurde. Der Kaufmann Brandts kam glücklicherweise mit leichteren Verletzungen davon, während seine Begleiterin, ein Fräulein Bonn aus Marburg, einen linken Armbruch und anscheinend schwere Sch-ulterverletzungen erlitt. Der Kraftwagen wurde vollständig zertrümmert. Die beiden Verletzten wurden sofort in die Chirurgische Klinik nach Marburg über-- führt, wo die Schwerverletzte einer Operation unterzogen we>» den mußte. Eine Untersuchung ist sofort eingeleitet worden.
Gießen, 17. Juni. (Rindermarkt in Gießen.) Der heutige Gießener Rindermarkt war mit 1222 Stück Großvieh und 187 Kälbern zum Verkauf beschickt. Nach anfänglich regem, dann aber abflauendem Handel verzeichnete der Markt am • Schluß Ueberstand. Man bezahlte für Kühe erster Qualität 800-700 RM., zweiter Qualität 450 -550 RM., driter Qualität 250—350 RM, Schlachtkühe 150 450 RM., dreivierteljährige Rinder 150—250 RM., X—1 ^jährige Rinder 150 350 Reichsmark, Kälber 60 Pfennig je Pfund Lebendgewicht, bessere Tiere brachten Preise über Notiz.
Gießen, 17. Juni. (Mieder ein Opfer der Cahn) Nachdem erst am Sonntagnachmittag ein junger Mensch beim Baden in der Lckhn den Tod gefunden hatte, ist gestern schon wieder ein blühendes Menschenleben dem Flusse zum Opfer ae- sallen. Der Monteur Hans Luch von hier versank an der gleichen Stelle, wie der am Sonntag Verunglückte, beim Baden plötzlich in den Fluten und ertrank, ehe ihm Rettung gebracht werden konnte. Seine Leiche wurde bald darauf gelänbet während man die Leiche des am Sonntag ertrunkenen jungen'Man- ges immer noch nicht gefunden hat.
Gießen 17. Juni (Beim Pferde baden in der Lahn ertrunken.) Der Verwalter des Hofgutes Friedci-
Sestern ein Pferd zum Baden in die Lahn, obwohl er nicht schwimmen konnte. Das Tier kam dn- an eine tiefe Stelle des Flusses, wobei der Mann abstürüe und sofort von den Wellen in den freien Strom abgetrieben wurde. Er versank, ehe man ihm zur Hilfe eilen konnte Nao aclang es schließlich, die Leiche an