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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 135 1930

Fulda, Donnerstag, 12. Juni

7. Jahrgang

Der Start der Young-Anleihe.

Teilmobilisierong der deutschen Noung-Zahlllngen.

Neun Länder zeichnen.

Die Pariser Beratungen über die Emission der ersten Nouug-Anleihe sind zum Abschluß gelangt; die Zeichnungsanteile der einzelnen Län­der sind folgende: Deutschland 36 Millionen Reichsmark, Belgien 35 Millionen Belga (24 Mil­lionen Mark), Vereinigte Staaten 98,25 Millionen Dollar, Frankreich 2,215 Milliarden Frank (etwa 330 Millionen Mark), Großbritannien 12 Millionen Pfund Sterling (240 Millionen Mark), Italien 110 Millionen Lire (22 Mil­lionen Mark), die Niederlande 73 Millionen Gulden (125 Millionen Mark), Schweden 110 Millionen Kronen (123 Millionen Mark), die Schweiz 72 Millionen schweizerische Franken (57 Millionen Mark). Die Emission wird im Lause dieser Woche in den neun in Frage kommenden Ländern erfolgen. Der

Emissionskurs wird 90 Prozent betragen, außer für Frankreich, wo der Emissionskurs wegen der Befreiung des Wertpapiers von der Steuer 98 Prozent betragen wird. Die Emission wird sich auf insgesamt 340 b i s 350 Millionen Dollar belaufen.

Ein Antrag der französischen Vertreter, die Bank­provision auf weniger als vier Prozent festzusetzen, wurde von dem englischen Delegierten Montague Norman dahin entschieden, daß. sie den Schwankungen des Auf­legungskurses der einzelnen Länder angepaßt werden soll. Dr. Luther holte sich sofort telephonisch die Zustimmung des Reichsfinanzministers, worauf die getroffenen Vereinbarungen unterzeichnet wurden. Nur die amerikanischen Emissionsbanken erhalten eine Provi- sun von 4 Prozent. Die Auflegung der Anleihe wird an U neun Hauptbörsenplätzen der genannten Länder noch 'm Laufe dieser Woche stattfinden; den Tag selbst bestimmen gleichfalls diese Länder.

Was sagt man in Oeutschlanv?

'Von zuständiger deutscher Seite wird darauf hin­gewiesen, daß die H a u p t s ch w i c r i g k e i t e n für den Abschluß der Anleihe in ihrer Zweiteilung lagen. Die juristische Konstruktion ist aber schließlich so gelöst worden, daß jede Sondersicherheit für das deutsche Drittel des Gesamtanleihebc- trages entfällt. Deutschland zahlt lediglich für diesen Betrag Zinsen und Amortisationen aus dem ungeschützten Teil der Jahreszahlungen direkt; der ungeschützte Teil der deutschen Jahreszahlungen ver­mindert sich entsprechend um diesen Be­trag; undZahlungsort" ist natürlich dieBank für Internationalen Zahlungsausgleich" (B. I. Z.). Zinsen

Die Rückgabe des Korridors.

Für eine deutsch-französische Entente.

Professor Albert Dauzat, der sich feit längerer Zeit in derVolonte" mit der Frage einer deutsch-französischen Entente beschäftigt, macht in seinen Ausführungen eine Reihe praktischer V 0 rschläge. Er fordert u. a., daß die deutsch französische Annäherung gleichzeitig auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet vor sich gehe. Frankreich müsse von Deutschland den aufrichtigen P e r - zichtanfElsaß-Lothringen verlangen. Deutsch­land müsse auf kolonialem Gebiete entschädigt tvcrden. Frankreich würde sich dem nicht in den Weg stellen. Ferner lei erforderlich eine Angleichung der Rüstungen Frank­reichs und Deutschlands. Die A n s ch l u ß f r a g c würde durch Den Eintritt Österreichs in das Bündnis und durch eine deutsch-französische Zollunion automatisch eine Lösung erfahren.

Die Ansprüche Deutschlands auf den ranziger Korridor, die es niemals aufgeben werde, seien berechtigt. Danzig und der Ks-rridor müßten Deutschland zurückgegeben werden, und zwar im Austausch Segen Polen zu bewilligende wirtschaftliche und politische Kompensationen. Wirtschaftlich durch Pereinbarun- Sen über das Absatzgebiet Danzigs und politisch etwa in Form der Schaffung eines baltischen Staatenbundes. Andererseits würde Polen der deutsch-französischen ^iaatengruppe beitreten und so vor der russischen Gefahr Schutz finden. Schließlich könne man auch an eine k 0 l 0 - » l a l e E n t s ch ä d i g u n g Polens denken.

Sozialpolitische Arbeit in Genf.

Drei Ausschüsse der Genfer Arbeitskonserenz.

®ie Internationale Arbeitskonferenz in Genf hat bw «Übung der Ausschüsse vorgenommen und beschlossen, du Je* aus der Tagesordnung stehenden großen fragen, tue 5"eiiszeii der Angestellten, das Verb 0 t der ^"angsarbeit und die Arbeitszeit im Kohtenberg :.?u ohne die übliche allaemeine Aussprache sofort drei hier gebildeten Ausschüssen zu überweisen. Als Vorsitzender des wichtigsten Ausschusses für die Arbeitszeit im Kohlen- Jetgbau wird der frühere Reichsarbeitsmimster Brauns genannt. Ter vom Bureau des Internationalen Arberts- gelegte Abkommensentwurs sieht bekanntlich em< Miche Arbeitszeit im Kohlenbergbau von 714 Stunden je 9 Unb <5 Stunden in der Woche vor.

und Tilgung der übrigen zwei Drittel werden aus der deutschen Jahreszahlung geleistet.

Die Anleihe soll ab 1931 bis 1965 getilgt werden.

Ab 1935 erhält Deutschland das Recht, die An­leihestücke ganz oder teilweise einzulösen, bzw. eine Einlösung aus dem Tilgungsfonds der B. I. Z. zu verlangen.

Deutscherseits wird das Ergebnis der Verhandlungen als befriedigend bezeichnet, insbesondere da an­erkannt worden sei, daß eine Verpflichtung der deutschen Regierung zur Zahlung besser sei als besondere Sicherheiten. Von dem Ertrag der Anleihe erhält be­kanntlich in Deutschland die R e i ch s p 0 st 16 0 Mil­lionen und die Reichsbahn 240 Millionen Mark. Die Reichspost wird den auf sie entfallenden Be­trag dem Postscheckkonto über weisen. Wie die Reichsbahn ihren Anteil verwenden wird, steht zurzeit noch dahin. Es ist anzunehmen, daß sie angesichts eines Fehlbetrages von 2 5 0 Millionen Mark in den Betriebsergebnissen des laufenden Geschäftsjahres die entfallenden Beträge zumAusgleichder Fehl­beträge verwenden wird.

Besondere Bestellungen für die Industrie dürfte die Reichsbahn aus Grund der ihr zuslictzcnden

Gelder also nicht machen können.

Reichsbankpräsident L u t h e r, der die Verhandlungen für die Reichsregierung in Paris, Basel, Brüssel und London geführt hat, dürfte sofort der Reichsregierung einen eingehenden Bericht über die Verhandlungen er­statten.

Die Auflegung der Anleihe in Deutschland.

Ein Konsortium unter Leitung der Reichsbank hat die deutsche Ausgabe der internationalen 5,50prozentigen Anleihe des Deutschen Reiches 1930 in Höhe von 3 6 Millionen Mark übernommen. Kapital und Zinsen dieser Schuldverschreibimgen sind in Deutschland bei der Reichshank in Reichsmark zahthgr. D.qs , deutsche Kon­sortium wird

die Anleihe am 12. und 13. d. M. zur öffentlichen

Zeichnung zu einem Kurse von 90 Prozent zuzüg­lich Stückzinsen ab 1. Juni d. I. auflegen. Zeichttungsstellen sind die Mitglieder und Unlerbeteiligten des Reichsanleihekonsortiums. Die Bezahlung der zugeteilten Stücke Hai in der Zeit vom 16. bis 25. Juni d. I. zu erfolgen. Die Anleihe ist mit halbjährigen Zinsscheinen, fällig am 1. Juni und 1. Dezember jedes Jahres ausgestattet. Ihre Laufzeit beträgt 3 5 Jahre, jedoch kann das Reich sie ganz oder teilweise vom 1. Juni 1935 ab mit sechsmonatiger Ankündigung zurück- zahlen. Kapital und Zinsen werden ohne Ab­zug irgendwelcher gegenwärtiger oder zukünftiger d c ll t s ch c r Steuern ausgezahlt.

Reichspräsident v. Hindenburg beim Pfingstkirchgang

in Freystadt (Ostpreußen), dessen Kirche er von seinem benachbarten Stammgut Reudeck aus, wo er die Psmgit- feiertage verbrachte, ausgesucht hat.

Oie Räumungsamnestie.

Deutsch-französischeVerhandluugen.

Der französische Rheinlandkommissar hat an den Re i ch s k 0 m m i s s a r für die besetzten Gebiete ein Schreiben gerichtet, in dem von der Ainnesticfrage die Rede war Wie von zuständiger Seite hierzu niitgcteilt wird, sind zurzeit deutsch-französische Besprechungen im Gange, die den Fragen gelten, die nach der am 30. Juni erfolgten Räumung entstehen. Über die Amnestiefraqe ist bereits im Oktober vorigen Jahres mit Frankreich eine Ver­einbarung getroffen worden, die im Januar dahin ergänzt wurde, daß als Stichtag der 20. Januar 1930 für alle für die Amnestie in Frage kommenden Vergehen zu gelten hat.

Welikrafikonferenz 1930.

Die Erforschung aller Energiequellen der Welt.

In Berlin beginnt am 16. Juni eine Konferenz, die zu den bedeutsamsten Tagungen der Nachkriegszeit ge­hören dürfte: die Weltkraftkonferenz 1930. Die Konferenz steht unter dem Ehrenvorsitz des Geheimrats Oskar von Miller. Bis zum 25. Juni soll sie dauern, und ihr Zweck ist die Erforschung aller Energiequellen der Welt und eine internationale Beratung über die Erzeugung, Verteilung und Verwendung der nutzbar zu machenden Kräfte. Es werden etwa 3000 Teilnehmer aus 54 Staaten erwartet, und es sollen im Anschluß an die Konferenz über 200 Betriebs- und Werkbesichtigungen in allen Gegenden Deutschlands stattfindcn. Die erste Weltkraftkonferenz fand 1924 in London statt; damals kam man zu der Über­zeugung, daß gewisse Fragen, die mit der Energiewirt­schaft unserer Erde Zusammenhängen, nur in gemein­samem Einverständnis aller Kulturvölker gelöst werden können.

Wir alle haben schon vonErhalt u n g d e r Energie" oder Erhaltung der Kraft, von Kraftüber­tragung, Kraftleitung, Kraftverteilung, Ferntricb usw. gehört und wissen, daß man darunter den Inbegriff aller Hilfsmittel versteht, durch welche eine technisch verwertbare Kraft vom Orte ihrer Entstehung oder künstlichen Er­zeugung nach dem Orte ihres Verbrauchs geleitet wird. Eine Kraft auf kleine Entfernung findet sich in jeder Fabrikanlage, in der eine in ihrem Bereiche liegende Dampf- oder Wasserkraft, in der elektrischer Strom auf die einzelnen Arbcitsmaschinen verteilt wird. Die billige Be­schaffung, die wirtschaftliche Ausnutzung, die zweckmäßige Fortleitung und Verteilung der Kraft ist eine Hauptauf­gabe der Technik. Die Menschheit braucht immer mehr Kraft oder Energie und die rationelle Ausnutzung der Naturkräfte, der Wind- und Wasserkraft, die der Industrie und dem Verkehrswesen durch Kraftmaschinen oder Mo- toren dienstbar gemacht werden, ist eins der wichtigsten Probleme, die uns beschäftigen. Dazu kommen dann noch die andern großen Kraftquellen der Erde, die Kohlen- und Erdölvorräte zum Beispiel. Die diesen Vorräten inne­wohnende Kraft wird der Menschheit teils direkt, teils auf Umwegen Erzeugung von Gas, von elektrischem Strom usw. nutzbar gemacht. Nun wissen wir, daß der Bedarf der Menschheit an Kraft, Licht und Wärme immer größer wird, daß aber andererseits manche wichtige Energiequelle, wir brauchen nur an die Kohlen­vorräte zu denken eines Tages versiegen wird. Das wird zwar erst in einer fernen Zukunft der Fall sein, aber Wissenschaft und Technik beschäftigen sich heute schon mit der Frage, wie die zu Ende gehenden Kraftvorräte dereinst werden ersetzt werden können. Es wird nicht mehr angèhen, daß die einem bestimmten Polke etwa zur Ver­fügung stehenden Energiequellen von diesem Volke allein ausgebeutet werden nein, es wird für die ganze Welt gesorgt werden müssen.

Damit ungefähr ist der Fragenkreis, mit dem sich die bevorstehende Weltkraftkonferenz zu befassen haben wird, umschrieben. Man wird über die großen Probleme der Energiebewirtschaftung und Energieverteilung sich gegen­seitig zu verständigen suchen, man wird beraten, wie man den 'Energieabsatz verbessern kann, man wird darüber sprechen, wie man die Kraft am zweckmäßigsten erzeugen, und wie man die Erzeugung möglichst billig gestalten kann, und was solcher Lebensfragen mehr sind. Gelehrte von Weltruf wir nennen nur Einstein, Eddington, Daniel Serruys werden lvichtige Vorträge halten, und der Direktor des Amerikanischen Instituts für Bergbau und Metallurgie wird darlegen, >vie lange nach wissen­schaftlichen Berechnungen die Vorräte der Erde au Kohle noch ausreichen werden. So wird sich die Weltkraft- konferenz 1930 gestalten, und ihre Beratungen werden auch den gebildeten Laien, dem Fortschritt und Wissen eine ernste Sache sind, zu fesseln vermögen, selbst wenn es sich um schwierige Materien handeln sollte.

Starke Zunahme der Wohlfahrts­erwerbslosen.

Berlin. Im Mai d. J. ist die Zahl der Wohlfahrts erwerbslosen, d. h. Derjenigen Erwerbslosen, die die Leistun­gen der Arbeitslosenversicherung nicht mehr oder noch nicht erhalten können und infolgedessen von der Gemeinde laufen! unterstützt werden müssen, stark angefttegen. Am 31. Mai wurden, wie der Deutsche Städtetag mitteilt, in den Städten mit mehr als 25 000 Einwohnern, die zusammen 25 Millionen Einwohner haben, 350 000 Wohlfahrtserwerbslose laufend unterstützt. Am 30. April sind dagegen 327 000 und am 31. März 315 000 Wohlfahrtserwerbslose gezählt worden. Die Zunahme im Mai beträgt 7 Prozent gegen den Vornionat. Außerdem wurden am 31. Mat noch 34 000 Arbeitslose, welche die Leistungen der Arbeitslosenversicherung erhalten, von bei gemeindlichen Wohlfahrtspflege laufend zusätzlich unterstützt. Aus diesen Zahlen ist zu ersehen, daß trotz Abnahme bei Arbeitslosen, die von der Reichsanstalt für Arbeitslosenver­sicherung unterstützt werden, die Zahl der langfristig Erwerbs­losen dauernd inib recht erheblich im Steigen begriffen ist.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Die Beratungen über die Begebung der ersten Young- Anleihc sind in Paris zum Abschluß gelangt.

* Der deutsche 36 Millionen betragende Zeichnungsanteil an der Young-Anleihe ist für den 12. und 13. Juni durch die Reichsbank aufgelegt worden.

* Der Reichspräsident und der preußische Ministerpräsident sandten an die Witwe des verstorbenen Professors von Harnack Beileidstelegramme.

- » ^/' ^'nem Schiffszujammenstoß an der amerikanischen Küste sind 40 Personen ums Leben gekommen.