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Pfingsten.

Von Paul Burg.

Dasliebliche Fest" zur Feier der Ausgießung des Hei­ligen Geistes fällt heuer sehr spät und tief in die längsten Tage des Jahres vielleicht ein günstiges Zeichen dafür, daß die Aufklärung in _ unserer Zeit, die friedliche Durch­dringung der Volksmassen mit dem wahren Geiste immer mehr um sich greist. War Ostern das Fest der Hoffnung und des Werdens, so gibt uns Pfingsten Zuversicht, fast schon Erfüllung ein Fest, so alt wie die Menschheit selber und zumal im Germanischen das Fest des anbrechenden Sommers, an dem der Pfingstkönig sich die Maibraut wählt, wie es schon in einem unserer ältesten literarischen Denkmale, dem Nibelungenliede, bezeugt wird. Die Minne begehrende Maienzeit nennt dort der unbekannte Dichter des Mittelalters die Pfingsten. Ihr Sinnbild ist die sanfte Taube. Sie ver­körpert zugleich den Heiligen Geist in der christlichen Religion. Sinnenfälligeres Symbol der Pfingsten ist uns heute noch die grüne Pfingstmaie vor den Haustüren, ein Jahrtausende alter Germanenbrauch, viel älter als der Weihnachtsbaum und die Ostereier. Und kein Baum ist dafür so begehrt wie die liebliche jMDfräuliche Birke mit ihrem weißen Stamm und jungem Grün.

Maien pflanzte man auch in Frankreich wie in Italien, in England vor dem Hause der heimlich Geliebten, und wenn in manchen Gegenden xugtrich dabei Pferdeknochen verbrannt wurden, so deutet das auf uralte heidnische Gewohnheit, zu Pfingsten bei ausgehender Sonne vor den Ställen der Pferde und Rinder junge, gradwüchsige Birken aufzustellen und mit bunten Bändern zu fchmückèn' die Unholde verscheuchen und «das Vieh vor Seuchen beschirmen sollten. Um den alten «Brauch treu zu wahren, opferte man sogar die Nachtruhe, -holte die Bäumchen Weit aus dem Wald heran und weihte «sie der den Haustieres wohlgesinnten Gottheit. Gern über­nahm die christliche Kirche diesen l>eidnischen Brauch und duldete es, daß die Barschen ihren Bräuten bei Sonnenauf­gang grüne Pfingstmsien vor bt? Türen stellten.

In manchen Gegenden hielten die Bauernknechte ant « Pfingstmorgen Weltteilen nach einem buntbebänderten . Kranze, in anderen Handstrichen wieder ritten am Pfingst­sonntag die Bauernburschen auf buntgeschmückten Pferden in die Nachbarschaft, um ihrPflngstrrcht" zu fordern, froh der -Befreiung vom harten Winter. Am Pfingstdienstag hielt man wieder anderswo den noch aus altheidnifcher Zeit stam­menden Frohntanz unter dem Lindenbaum. Die Stadt Alten­burg kannte sogar einen Frohnball von 25 Paaren Alten­burger Bauern und Bäuerinnen in ihrer bunten Landes­tracht, dem der Herzog beiwohnte. Auch das malerische Rothenburg ob der Taubör kannte diesen malerischen Pfingst­tanz der Hirten auf dem Markte. Handwerker durften nicht daran teilnehmen, Fremde wurden sogar in den Röhrkasten geworfen.

An der Saale zog der Schellenmoritz in seinem Narren- «kleide von Haus zu Haus und sammelte Gaben ein; in Köln -wanderte man am Pfingstdienstag zum Vogelabschießen vors Tor und hielt am Donnerstag feierlichHolzfahrt" mit großen /Festereien in den Wäldern ab. Das Hutreiten am Pfingst­sonntag übte man noch vor dem Weltkriege an vielen Orten. Der Ritter erschien auf weißem Rosse, mit bunten Bändern geschmückt, der Maikönig, dessen Ursprung wir bis in die «Edda zurückverfolgen können, wo Odin das achtfüßige weiße Roß Sleipnir reitet. Der Maikönia eröffnete im alten Deutschland allerorten die Pfinastspiele, an die sich z. B. in Berlin ein großer Markt anschloß, anderswo das Vogel­schießen. Man schoß nach einer hölzernen Taube. Im alten England holten die mit frischem Grün geschmückten Land­leute zu diesem Feste sogar den englischen König und die Königin festlich ein. Die Maifrau und Frau Flora fuhren ihnen in einem von fünf Rossen gezogenen Wagen bis Greenwich entgegen.

. In manchen deutschen Gauen hielt zu Pfingsten der Mai­graf Einzug in die Dörfer, die Jungfrauen empfingen ihn tanzend und schmückten ihn mit Kränzen.

In diesem Jahre fällt Pfingsten auf den Tag des Hei­ligen Medardus, der einmal seinen Fuß auf einen um­strittenen Grenzstein setzte. Sofort prägte sich der Abdruck seines, Fußes tief in den Granit, und auf die streitenden Parteien machte dies Wunder so großen Eindruck, daß sie sich zur Stunde versöhnten. Als er starb, flatterte aus seinem Grabe eine weiße Taube hervor und schwebte mit einer andern Taube eine Weile über der Gruft. Dann erhoben sich alle drei in den Himmel, wie der Chronist berichtet. Eine sinnige und symbolische Sage aus der Zeit vor anderthalb tausend Jahren. In unsern Tagen sind Friedenstauben genug geflogen, ohne daß die Welt befriedet wäre, sie ist parteizerrissener als je. Wenn uns doch Rettung aus ben" dielen Streitigkeiten, aus allem Hader der Parteien erwüchse! Wenn uns doch vollends das neue Werden der christlichen Religion, das man unseren Tagen prophezeit hat, von dem bolschewistischen Teufelspuk befreien wollte, der auch in so vielen umnebelten deutschen Hirnen geistert und vor den gräßlichsten Untaten nicht zurückschreckt.

Nehmen wir die Pfingsten unter dem Zeichen des bet* söhnenden Heiligen Medardus als ein gutes Vorzeichen für eine friedlichere und gedeihlichere deutsche Zukunft! Aller Streit muß ja einmal an sich selber enden, und alles Unglück muß sich letztlich wieder ins Gute wenden, wie alles Vergehen in der Natur bloß neues Werden ist späte Pfingsten 1930 an der Schwelle schon zu sommerlicher Fülle ist das nicht Verheißung genug?

So wollen auch wir das Fest mit Maien schmücken und damit die unguten Geister versöhnen, daß sie unserem Hause und Herde, Vieh und Habe fern bleiben möaen.

Neues Hoffen.

Aus der Himmel blauem Tore Goldner Glanz der Sonne brichta- Alles prangt im Blütenflore, Und die Erde schwelgt im Licht.

Unsre müden Hände feiern, Heit'rer rinnt düs schwere Blut, Seelen wollen sich erneuern, Und das Leben ist uns gut.

Laßt uns diese Tage schlürfen,

Trinken sie wie edlen Wein

Da wir wieder hoffen dürfen, Dürfen wir auch fröhlich sein.

Felder grünen, Wälder rauschen,.

Leise raunt der Quell im Nied.'

Erd' und Himmel Blicke tauschen.

Und die Lerche jauchzt ihr Lied.

Dunkel hat uns nicht bezwungen!

Sieger bleibt der Heil'ge Geist,

Ten in tausend fremden Zungen^ Mensch und Tier und Pflanze preist.

Wolfgang Federau.

Pfingstgöttesdienst.

Skizze von Georg Wagener.

Großmutter horchte. Großmutter schüttelte ein wenig betrübt den grauen Kops:Sie zanken sich wieder."

Aus dem Nebenzimmer klang Ernsts erregte Stimme: ..Elie. Labe ick Dir nickt schon ein paar Mal aesaat, daß ick

die alte häßliche Decke nicht'auf dem Sofa sehen'will? Ant­worte! Rede doch!" ,LLas soll ich denn sagen? Du suchst ja nur Streit, und die belangloseste Kleinigkeit muß Dir zum Vorwand dienen..."Schweig, wenn Du nichts anderes zu erzählen weißt!"

Großmutter horchte. Großmutter schüttelte ein wenig betrübt den grauen Kopf:Nun weint sie, und er würgt den Aerger in sich hinein. Warum können sie sich nicht vertragen? Zwei gute Menschen, die einander lieben r'

Großmutter dachte nach. War es nicht ein wenig ähnlich gewesen in ihrer Ehe? Ein Frühlingstraum schien damals die Zeit der jungen Liebe; doch als das Leben ernste Forde­rungen stellte, als der Alltag kam, waren nicht hier und da Wolken am Himmel aufgezogen? Freilich ballten sie sich nie zum Gewitter zusammen, denn Nachgeben auf beiden Seiten verscheuchte sie.

Ja, der Alltag musste es sein, der nun auch zwischen ihren Kindern stand. Der Alltag, der eintöniger war als einst, dessen Sorgen schwerer lasteten, der Einschränkungen mit sich brachte, die früher niemand kannte. Er fraß an den Nerven. Er hatte Unzufriedenheit im Gefolge, die sich in Streitigkeiten um belanglose Dinge auswirkte. Der Alltag war der Feind, der bekämpft werden mußte.

Als abends die Kinder im Bett lagen, die Erwachsenen rm Tisch saßen und die Zeitung lasen, ging Großmutter zum Angriff vor. Behutsam und vorsichtig.Nein", staunte sie and nahm die Brille ab,seht nur, wie viele Ausflugsorte sich zu Pfingsten in Erinnerung bringen! Sie haben ja anch recht. Warum sollen die Städter an den Feiertagen zu Hause ätzen und Trübsal blasen! Kinder, wenn ich besser auf den Leinen wäre, würde ich auch Humus ins Freie fahren, zwei Lage lang wandern und die Natur genießend"

Du hast recht, Mutter", sagte Else und sah ein wenig »erträumt vor sich hin, als könnte sie in die blaue Ferne »licken, die durch keine Alltags.!,.^ L2grenzt wurde. Ichi möchte das wohl können."Ich auch", brummte chr Mann/ doch woher soll ich das Geld für solche Vergnügen nehmen?; Eisenbahnfahrt, Essen, Uebernachten, wer kann das erschwin­gen?"Ach", meinte Großmutter,das ist nicht so schlimm. Ich könnte Euch ein wenig helfen. Ich habe mir etwas vor» meinem Gelde gespart und würde gern zu den Kosten bei­steuern."

Ernst wurde aufmerksamer:Darüber ließe sich sprechen.' Doch was fangen wir mit den Kindern an? Sie laufen einem bei solcher Gelegenheit nur zwischen den Beinen herum, wer­den müde und wollen schließlich getragen werden."

Da unternahm Großmutter den letzten Angriff:Laßt sie bei mir! Wir werden uns die Zeit schon vertreiben. Wollt Ihr?" Ja, ich möchte schon", sagte Ernst. Else sah die Mutter dankbar an:Ist das Opfer nicht zu groß für Dich?" Nein", lachte Großmutter,Ihr wißt ja gar nicht, ob ich Euch nicht ganz gern einmal für zwei Tage los werde!"

Petrus hatte ein Einsehen mit Großmutters Plan. Nur ein paar Wölkchen schwammen am blauen Frühlingshimmel, als Ernst und Else aus dem Zuge stiegen und in den frischen Morgen hinaus wanderten. Der Tau perlte noch auf den Wiesen, durch die der Weg zu waldigen Bergen hinauf führte. Ein wenig mühsam schien beiden im Anfang das ungewohnte Marschieren, und der Alltag, der weit hinter ihnen in der großen Stadt dort drüben lag, hielt sie noch mit seinen Fang­armen gefesselt, verschloß ihnen den Mund, der noch nichts zu erzählen wußte.

Schweigend wanderten sie nun durch den Wald. Jeden beschäftigten feine Gedanken. Else dachte an die Kinder und an die Mutter. Sie fühlte, wie schwer sich ihr Sinn vom Zu­hause trennen konnte. Sie glaubte, ihr Herz sei bei den Da­heimgebliebenen, und wußte nicht, daß es nur die Gewohn­heit des Alltags war, die sie noch gefangen hielt.

Ernst ging ihr voraus, ein wenig mißtrauisch sich selbst gegenüber, bestrebt, zu vergessen, was er in der Stadt an

Wenn es im Heiligen Lande Pfmgsten wird.

Von Kurt Siemers. ,

Auch wir, die wir Legende und Lehre der Bibel anders; Ulffassen wie die russischen und koptischen Pilger, die nach Ostern Jerusalem wieder verlassen haben, wir unterliegen »em frommen Zauber dieser Stadt, die drei Weltreligionen ils hohes Heiligtum gilt. Orte der Verdammung tote der Ver­leihung werden aus halber Vergessenheit, aus den glücklichen Lagen 'frommer Kindheit herauf beschworen. Patriarchen und Könige, Heilige und Sünder sind durch diese Stadt gewandelt ne sich eng und unregelmäßig über die vier Hügel zieht. ^as hupen der Autos, von tollkühnen Arabern gesteuert, bringt, nur bis zum Jaffator. Dahinter kann kein Wagen oder Auto nehr durch die vielfach getreppten Gassen und Gange fahren.

Hier auf der Via Dolorosa hat der Welterloser blutend jein Kreuz geschleppt. Aus dem Haus des Pilatus bringt letzt )er Lärm arabischer Schulkinder. Dort ist die fünfte Station »es Leidensweges, wo sich jetztnational tailor for gentlemen md ladies" empfiehlt. An der siebenten Station, wo man Lhristus die Dornenkrone aufdrückte, werden große Radieschen md Sellerie feilqeboten. Kameltreiber und Lastträger schieben, sich durch das wirre Treiben der Gassen vorüber an eisen- »eschlagenen Kellergewölben. Auf den Schutthaufen einstiger Paläste wuchern Unkraut und ftachlichte Opuntien.

Am Oelberg wachsen wenige Oliven aus Fels und dürrer grauer Erde. Weit und vielgehügelt areitet sich vondort aus die Stadt mit ihrem grauen Mauerkranze, ^er Blick umfaß eine Menge von Stätten, btè zu Recht und wohl noch öfter 311 Unrecht - als geweiht gelten. Kuppe n Tuimre und Mi- itarette steigen über die flachen orientalischen Dächer hinter dem bunten Schimmer der Omar-Moschee bleibt dasAuge am Schwarzgrün schlanker Zypressen haften. Das Land Moab um­zieht sich mit lilagrauen Schatten. Rotbraune ^el^kamme u Wüstenhügel werden von Schluchten I°h durchbrochen. Das Helle Band des Jordans teilt die braungelbe Ebene, und unter tiefhangenden, rauchweißen Wolken blaut der metallene Spiegel

6 Jni mauerumhegten Garten von Gethsemane begießt ein freundlicher Mönch die Beete mit Rosen und Rosmarin und schenkt mir ein ausgeklebtes Blatt von den knorrigen und immer wieder verjüngten Oelbaumen, unter denen Christus der Ueberlieferung nach gebetet hat Der Baum, unter dem Petrus einschlief, ist mit blühenden Topfgewächsen geschmückt.

Eine Schafherde zieht über die braunen Hügel, und das schmutzige Graugrün der Oliven belebt sich unter dem Strahlenkranz der palästinensischen Sonne. Man steht pch ver­gebens nach Palmen um; fast nur Oliven stehen Pier Ueber Dürre und wasserlose Kahlheit schieben sich Terrassen md Rebengärten. Jerusalem liegt vor uns auf den Hugeln^rnd nngs herum läuft die alte Stadtmauer mit ihren ^urm^

Um Jerusalem in fast 800 Meter Hohe, ist es um Pfingsten ^wch nicht so heiß wie etwa im grünen -ral bes

Jordans, dennoch hat sich der österliche Sckwarm der Fremden langst verlaufen, und in den schlechten und sehr teuren Hotels wohnen um Pfingsten nicht soviele Fremde, wie man glaubt. Der weiße Schleiervorhang, der jedes Bett umhüllt, ist setzt durchaus nicht mehr überflüssig, denn Fliegen, Moskitos oder auch wohl ein vorwitziger Skorpion bedrohen die Nachtruhe.

In den engen Gassen des Araber- und des Judenviertels verbreiten unter der brütenden Mittagshitze die Kehrichthaufen Dünste, die man wahrhastig nicht mitArabiens Wohl- gerüchen" vergleichen kann. In den Straßen erscheinen Häuser mit den vergitterten Haremsfenstern, den Meschrabien, wie Gefängnisse. In den Höfen hört man manchmal Kinder spielen, und dort entdeckt man zuweilen noch Spuren der sonst verschwundenen sarazenischen Architektur.

Vor dem spitzgezinnten Damaskustor haben Handler und Bauern ihre Waren ausgebreitet. Beduinen von Palästinas Wanderstämmen in der Jordanebene sprengen mit flatternden Gewändern auf edlen Pferden vorüber, und um bte lagernden Kamele hinweg geht ein ohrenbetäubendes Feilschen, los, das unter der stechenden Vorpfingstsonne Jerusalems schließlich

Verebbt

1 Um Pfingsten herum werden die Fremden hier spärlicher. Im Februar und im März hat für Wirte und Handler bas Geschäft geblüht. Aber jetzt, wo die Hitze Fliegen und Un­geziefer ausbrütet, ist es selbst im rusiischen Pilgerhaus unter 'der Himmelfahrtskirche mit der Zwiebelkuppel still geworden

In Palästina hat man um diese Zeit schon bte Erntr eingebracht, und im Judenviertel von Jerusalem rüstet mar sich zu einer Art Erntedankfest, aus dem die christliche Pfingst- feier hervorgegangen sein soll.

f Natürlich findet man auch um diese Zeit fromme Pilger die sich durch die Hitze nicht abschrecken lassen und sich zwischen den Tagen von Christi Himmelfahrt und der Ausgießung del Heiligen Geistes an Ort und Stelle fromm erbauen wollen Die frommen Wallfahrer küssen mit entwaffnender Jnbruns! die von unzähligen Pilgerlippen geglättete Stelle, wo Christus auf dem Oelberge im Stein den Eindruck seines Fußes hinter­lassen haben soll, als er gen Himmel fuhr. Aus der Vibe- liest man zwar heraus, daß Christus an einer anderen Stell, gen Himmel gefahren ist, aber gegen den frommen Fanatismus primitiver Gemüter ist gutgemeinter Zweifel nutzlos, weil ei als gotteslästerlich empfunden wird. Bei Lukas heißt es vor «Christus und feigen Jüngern:Er führte sie'hinaus bis ger -Bethanien", trotzdem haben die Russen auf der Ostseite des Oelberges hier ihre Himmelfahrtskapelle gebaut. Sie ist erß 90 Jahre alt und duftët nach Weihrauch, und Pilger knien voi dem durch eine falsche Ueberlieferung geheiligten Himmel- fahrtsfelsen. ., r r

Die zerfallenen Hütten um diese Statte sollen ein arabi­sches Dorf darstelltzn. Feigen- und Granatbäume spenden küm­merlichen Schatten. Mauertrümmer bedeuten die Reste einet Himmelfahrtskirche der Kreuzritter. Sine ärmliche Gebetsstätte der Mohammedaner scheint vom Erdbeben mitgenommen zu

Jein.

Vom Oelberg aus sieht das freie Feld verbrannt und tot aus. Im Süden hügelt sich schroff die graue Wüste des Landes der Moabiter, von lichtblauen Schatten seltsam zart über­haucht. Dort unten bei Jericho sind die Orangen und Bananen lange reif, und daheim in Deutschland kaufen die Leute jetzt ihre Maibäume.

Im Heiligen Lande verlangt uns heim nach dem lieblichen Wunder deutscher Pfingsten...

Christliche Pfingstsymbole.

Von A. Strukat.

Als die Kirche vor mehr als 1500 Jahren das Pfingstfest einführte, fand sie eine Menge heidnischer Bräuche vor, die sie aber nicht aufhob, um den Neubekehrten den Unterschied, zwischen früher und jetzt nicht zu erschweren. So schrieb Papst Gregor der Große um das Jahr 660 dem Bischof ÄugustinllS, welcher die Angelfachsen bekehrte, daß es besser sei, die feier­lichen Stieropfer bestehen zu lassen und ihnen einen christ­lichen Charakter zu geben. Die Opferung unterblieb mit der Zeit, und es blieb nur die in einzelnen Gegenden übliche Be-< kränzung der Weidetiere beim ersten Austrieb, der gewöhnlich^ zu Pfingsten stattfand.

Auch beim Gottesdienst wollte man Pfingstsymbole, die, heute eigenartig wirken dürften, nicht entbehren. So wurde« im späten Mittelalter während der Frühmesse bei der Ver-. lesung von Hesekiel 36,25Ich will reines Wasser über euch- sprengen" von der Kirchendecke aus eine kräftige Menge be3 genannten feuchten Elementes über die andächtige Gemeinde herab gegossen. Große Freude herrschte besonders, wenn einer der Getroffenen sich keines guten Leumundes erfreute. f

Ebenso dramatisch gestaltete sich die Predigt über die Ausgießung des Heiligen Geistes. Sobald der amtierende Priester vor dem Altar erschien, erdröhnten vor der Kirche die Böllerschüsse, oder mutwillige Chorknaben verursachten mit Trommeln, metallenen Becken oder anderen Lärminstru- menten ein fürchterliches Getöse,das Brausen eines gewalti­gen Windes" nachahmend,welcher das ganze Haus erfülltes da sie saßen."

Auch die feurigen Zungen fehlten im mittelalterlichen Pfingstgottesdienste nicht. Gewissenlose jugendliche Kirchen­diener warfen statt der kleinen Funken, die sie im kirchlichen, Himmelsraume erzeugen sollten, ganze Bündel brennenden Werg zwischen die unten sitzenden Besucher. Den Höhepunktz der kirchlichen Feier bildete aber das Erscheinen der Taube^ die den Heiligen Geist verkörperte. Nack den Berickten der Kirchenväter war sie in den ersten christlichen Kirchen im Mittelalter lebendig, während man sich später mit einer künst­lichen von weißer Farbe begnügte. Sobald der Geistliche sein »Veni Sancti Spiritus" (Komm, Heiliger Geist) sang, wurde sie an einer Schnur von der Kirchendecke herab gelassen. So versuchte man in der guten alten Zeit das Evangelium ju erklären,.