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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- unö Haunetal* Zulöaer Kreisblatt

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Nr. 99 1930

Fulda, Dienstag, 29. April

7. Jahrgang

Sowjet-Ruhland warnt Polen!

Drohender Abbruch der russisch-polnischen Beziehungen.

Der Bombenanschlag in Warschau.

Suche nach d e n T ä t e r n.

Die Untersuchung der in der Warschauer Sowjet- ^sandtschaft aufgefundenen Höllenmaschine hat ergeben, daß darin etwa fünf Kilogramm Sprengstoff enthalten waren, die wahrscheinlich wenige Stunden nach der Ent­deckung des Anschlages explodiert wären. Die polnischen Polizeibehörden haben über 60 Haussuchungen in den Kreisen der russischen Emigranten vorgenommen, gegen die sich der erste Verdacht der Urheberschaft gelenkt hat. Irgendwelche Ergebnisse hat aber die Untersuchung nicht zutage gefördert. Die meisten Vermutungen laufen darauf hinaus, daß eine neue Störung der polnisch-russischen Be­ziehungen beabsichtigt gewesen sei. Die rechtzeitige Ent­deckung des Attentates ist einem bloßen Zufall zu ver­danken.

Eine russische Note.

Nach einer Meldung der Telegraphen-Agentur der Sowjetunion übergab der Gesandte in Warschau, Antonoff OwssejenEo am Montagmittag im Auftrag der Sowjet­regierung dem polnischen Auhenminister Zaleski eine Rote im Zusammenhang mit dem Sprengstoffanschlag.

Aus dem Inhalt:

Moskau, 29. April. In der Note an Polen lenkt die Sowjetregierung die Aufmerksamkeit der Regierung der polnischen Republik auf den Umstand, daß der Sprengstoff­anschlag auf die Sowjetgesandtschaft in Warschau vom 26. April nur unter Bedingungen erfolgen konnte, die onsgrund der in der letzten Zeit verstärkten sowjetfeind­lichen Tätigkeit gewißer Kreise in Polen und eines mit ihnen in Verbindung stehenden Teiles der polnischen Preße entstanden seien. Diese Tätigkeit habe zum Ziel, eine Lage Zu schaffen, in der der Abbruch der Beziehungen zwischen Polen und der Sowjetunion und die sich daraus ergeben­den Folgen unvermeidlich wären. Diese Tätigkeit, die zweifellos auch mit der Aktion gewißer internationaler

Lestemich sm emopSisihe Wmeiirteit.

Bundeskanzler Schober besucht Paris und London.

»Enge Fühlungnahme aus politischem Gebiet."

Bundeskanzler Dr. Schober ist zu seinen offiziellen Besuchen in Paris und London abgereist. Der dem sranzösischen Ministerpräsidenten Tardieu nahestehende «Petit Parisien" betont ausdrücklich, daß es sich bei den Besuchen Schobers nicht nur um eine Hoflrchkeltstunv- Übung handle, sondern um eine engere Fühlungnahme ^politischem Gebiet. Mit dem gleichen Zuge >me Scho­ber trat auch der französische Gesandte in Wren, Conte de Clauzel, die Reise nach Paris au.

Beim Verlaßen des Pariser Bahnhofes gab Bundes- Puzler Dr. Schober den zahlreich erschienenen französischen, österreichischen und deutschen Journalisten eine kurze Er- tlarung ab, in der er zunächst für den ihm bereiteten über- ?us herzlichen Empfang dankte. Der Bundeskanzler fuhr ort: Ich habe die Einladung der Regierung der franzop- Mn Republik zu einem Besuch in Paris gern angenommen, ^ch schätze diese denkwürdige Einladung um so mehr, als ich ®eib, mit welch' schwierigen Aufgaben die französische Rc- 8'erung sich in diesen Tagen, zu beschäftigen hat. Nach einem vmweis auf das Werk der Verfaßungsreform gedachte der Bundeskanzler der Ergebnisse der Haager Konferenz und

Haltung, die Frankreich bei dieser Gelegenheit gegen­über Oesterreich eingenommen habe, und sagte:HM werde

Gelegenheit meines Besuches in Paris dazu benutzen, M französischen Staatsmännern von neuem den Dank der ^erreichischen Republik für die Unterstützung auszuspre- chen, die sie Oesterreich im Haag hat angedeihen lasiert, "lein Besuch in Paris wird daher nicht nur dem Hntereße

Wann kommt die Aoung-plan-Anleihe?

Verhandlungen über die Bedingungen.

Seit einigen Tagen werden in Paris Verhandlungen über die Auflegung der ersten Y o u n g - P l a n - A n- le^he gepflogen. Nach diesen Beratungen bürste in Wer Woche eine Vollsitzung stattflnden, an der teil- "ehrnen die Mitalieder des Verwaltungsrates der Jnter- uationalen Zahlungsbank, die Delegierten, der Banken, Vertreter der Schatzämter und die Vertreter der inter­nierten Regierungen. Erst während dieser Vollversamm- können durch gemeinschaftliche Absprache die B e - VMungen der Auflegung der ersten Tranche der uug-Dbligationen festgelegt werden. -Hle früheren Nachrichten über die Emissionseinzelhelten können daher "Ur mit größtem Vorbehalt ausgenommen werden.

Faktoren im Zusammenhang stehe, stelle nicht allein für die Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Polen, sondern auch für den Weltfrieden die größte Gefahr dar. Der miß­lungene terroristische Anschlag bedeute eine drohende Mah­nung und veranlaße die Sowjetregierung, nochmals auf die außerordentliche Gefahr der Lage aufmerksam zu

Bon hier aus sollte die Sowjet-Gesandtschaft in Warschau in die Luft gesprengt werden.

Der Schornstein aus dem Dach des Gesandtschaftsgebäudes, in dem an Drähten eine Höllenmaschine in das Innere des Hauses hinabgelassen war. Wenige Stunden vor der Ex­plosion, die durch eine Uhrwerkzündung herbeigeführt werden sollte, wurde der Anschlag zufällig entdeckt.

machen. Die Sowjetregierung sehe sich daher veranlaßt, der polnischen Regierung die Verantwortung für die Er­greifung wirksamer Maßnahmen zur Beseitigung dieser gefährlichen Lage in Polen aufzuerlegen, die immer wie­der zu Angriffen gegen die Sowjetunion provokierenden Aktionen führe.

Oesterreichs, sondern auch der Aufrechterhaltung des euro­päischen Friedens und überdies dem Gedanken der euro­päischen Zusammenarbeit dienen.

Petit Parisien" veröffentlicht ein Interview, das Bundeskanzler Schober einem Vertreter dieses Blattes auf der Fahrt nach Paris im Eisenbahnzeuge gewährt hat. Dr. Schober ging dabei auf den Sinn seiner Auslands­reisen ein. Er erklärte nach der Meldung des Blattes, er habe die Aussicht, die sich nach der Haager Konferenz für Oesterreich eröffnete, dazu benutzt, nach Rom zu fahren und die Mißverständnisse, die diè nachbarlichen Beziehun­gen zwischen Italien und Oesterreich störten, aus dem Wege zu räumen.

Was die Reise nach Berlin betreffe, so habe er sich angesichts der engen, Beziehungen zwischen der österreichischen und der reichsdeutschen Bevölke­rung gefreut, daß diese Reise ihm Gelegenheit geboten habe, sein Einverständnis mit den leiten­den deutschen Staatsmännern sestzustellen.

Ebensogern nehme er jetzt auch mit den französischen Staatsmännern Fühlung, denn wenn er jetzt auch nicht mehr als Bittsteller komme, sondern als Ver­treter eines freien Volkes, so lege er doch angesichts des durchzuführenden Wirtschaftsprogramms größten Wert darauf, daß man im Ausland die Absichten Oesterreichs ganz gerecht und objektiv beurteile und überall die Ueber­zeugung gewinne, daß die Konsolidierung Oesterreichs für den Frieden in Mitteleuropa von hervorragender Bedeu­tung sei.

Russischer Ordenssegen.

Einer für alle.

In Ainabulak wurde die T u r k e st a n - S i b i r i s ch e Eisenbahn feierlich eröffnet. Die Eisenbahiistrecke, die eine Gesamtlänge von 1442 Kilometern hat, ist sieb­zehn Monate vor Ablauf der festgesetzten Frist feriig- gestellt worden. Die Sowjetregierung hat der G e s a m 1- h e i 1 der beim Bau beschäftigt gewesenen Arbeiter, Ingenieure und Techniker in Anerkennung der besonderen Arbeitsleistung den Notbannerorden der Arbeit verliehen, außerdem wurden noch zehn In­genieure und Arbeiter persönlich mit diesem Orden ausgezeichnet.

Am Beobachtungsstanv.

Gipfelpunkt deutscher Leistung. Der Dank an die Gefallenen.Amtsdeutsch."

Zepps über London" das erweckt natürlich Er­innerungen, wenn jetzt derGraf Zeppelin" die Hauptstadt des Englischen Reiches besuchte. Aber diese Erinnerungen, die natürlich auftauchen, die in der englischen Presse ein leises Echo finden, sind doch ein Gespenst, das niemanden mehr schreckt. Aus der Kriegswaffe, die über London Tod und Verderben spie, ist etwas ganz anderes geworden. Es ist derZepp", der die Welt umkreiste. Es ist ein Gipfel­punkt deutscher Leistung trotz der Dinge, die am 11. No­vember 1918 anhoben, dem Tage des Waffenstillstandes. Zepp über London" auch die englische Öffentlichkeit hat so gut wie vergessen, was das einst, vor vierzehn Jahren, bedeutete. Man sieht in ihm nur noch den deut­schen Leistungswillen, begrüßt diesenZepp" als einen Boten des Friedens und der Zivilisa­tion", wie sogar eine konservative Zeitung schreibt. Und man mag einen Augenblick auch daran denken, daß Eng- land ja auch ein paarZepps" gebaut hat. Aber mit dem Bauen allein ist's nicht getan. Man hört wenig von ihnen, sieht sie nicht oder nur selten. Aber der deutscheZepp" fuhr rings um den Erdball. Hat den Ozean überflogen in selbstverständlicher Sicherheit. Und die Fahrt nach London ist für diesenZepp" nur eine Art Besuchstour, Deutschland kann zufrieden sein mit der Art, wie heute dieser Besuch in London ausgenommen worden ist. Jene alten ErinnerungenZepp über London" sind verblaßt, derGras Zeppelin" hat sie besiegt ohne Waffen, ohne Kriegsrüstung, durch die Leistung allein.

*

Auch über Paris war dieserZepp" und wir Deutsche müssen achselzuckend registrieren, daß sich darob ge­wisse Kreiseentrüsteten", daß Proteste losgelassen wurden, die außerordentlich überflüssig sind. Als derselbe Graf Zeppelin" in Not war, fand er in demselben Frank­reich bereitwilligste Hilse. Immer wieder hat er fran­zösisches Gebiet überflogen, wenn er zu einer Weltreise auszog. Und ein wenig dürfen wir Deutsche wohl auch daran erinnern, daß derGraf Zeppelin" nichts anderes ist und sein will als ein Instrument des Frie­dens, eines waffenlosen Deutschlands, das rings um­geben ist von waffenstarrenden Nachbarn und an seiner Westgrenze Frankreichs Rüstungen täglich wachsen sieht. Wir wollen nicht an das Gestern und Vorgestern erinnert werden, wir haben nur an das Morgen zu denken, für dieses Morgen zu arbeiten. Denn jenes Gestern und Vor­gestern lastet mit erdrückender Schwere auf uns. Seit Jahren debattiert - man über den Gedanken des R e i ch s e h r e n m a l s" für die zwei Millionen der deutschen Kriegsopfer. Wir kennen in Deutschland nicht den Kult desUnbekannten Soldaten" und wollen ihn auch nicht nachahmen. Vielleicht ist der Gedanke doch nicht so ganz von der Hand zu weisen, das Gedächtnis der Toten weiterleben zu lassen auch durch die Tat. Im Osten und im Westen ringt das Deutschtum um sein Dasein; hier zu helfen, den Siedlungsgedanken zum Aus­druck des Gedenkens an jene zu machen, die im Kampf für ihr Volk gefallen sind, ist eine Anregung, die praktisches Tun an die Stelle desDenkmals" setzen will.

*

Erst einmal sich auf sich selbst besinnen, auf deutsche Art, auf deutsches Denken auch das kann nicht oft genug verlangt, gefordert und in seiner Notwendigkeit unter­strichen werden. Es ist durchaus nichtnationalistisch", wenn man auch in der Formung dieses Denkens die Grenzen gegenüber dem Internationalen scharf zieht. Wir haben nicht das, was die Franzosen in ihrerAkademie" besitzen, also eine Norm für die Sprache als Ausdruck des Denkens. Um so mehr ist es zu begrüßen wenn die Ämter" bemüht sind, mit demAmtsdeutsch" all­mählich ein Ende zu machen. Ein großes Lob nach dieser Richtung hin hat sich das Neichsarbeitsministerium ver­dient, das ganz bewußt größtes Gewicht darauf legt, in seinen Gesetzentwürfen, Verordnungen, Verfügungen usw. ein Deutsch zur Anwendung zu bringen, das auch von den nicht fachwissenschaftlich Gebildeten zu verstehen ist. Volkstümlich", also gemeinverständlich zu reden ist aber leider noch bei viel zu vielen Behörden fast verpönt und nur langsam ist das etwas besser geworden. Unendlich viel ist noch zu bessern und man möchte so manchem Amt, so mancher Behörde hinsichtlich ihrer Spruchweisheit gern znrufen: Gedenke, daß du ein Deutscher bist!

Tätlicher Angriff aus Korfanty.

... Königshütte. Korfanty, der hier in Begleitung eines sennabgeordneten an einer Wahlversammlung teil nehmen wo.lte, wurde vor dem Wahllokal von Anhängern der Mora» itchen Sanierung" beschinipst und bedrobt

r ^. y!ltU(U von Anhängern derMora- g bc>chlmpft und bedroht. Einer von ihner-- tnem Messer auf Korfanty. Die Polizei vei. '

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stürzte sich mit et_____ _.,lIHHW ....

hinderte jedoch Tätlichkeiten. Während der Wahlversammluna kam^s zu s ch w e reu Tumulten, die von den Anhängern der ^aiiactja verursacht wurden. v H 11

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Im Zusammenhang mit den Sprengstosfanschlag auf die russische Gesandtschaft in Warschau hat die Sowjetregierung Polen eine Note überreicht.

* Die Antwort Deutschlands aus die polnischen Beschwerden wegen der deutschen Agrarzölle ist nach Warschau abgesandt worden.

, * Der Abgeordnete Tangen ist aus der Deutschen Demo­kratischen Partei ausgetreten und hat gleichzeitig sein Reichs­tagsmandat medergelegt.

* Der österreischische Bundeskanzler Dr. Schober ist zu offi­ziellen Besuchen nach Paris und London gereist. 8