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Zul-aer Anzeiger Ö8S «Tageblatt für Rhön und »ogetobery BSSSSBSSfiSt FSXÄ §ul»°-uaSY°un°I°l. Suldaet «°°!-bI°« ^B=S !*%Ä£JKÄ KS »W.M« >m» eeWIMWItt SWenlM« 1» Wp^nJW IM» ta# Ä?ÄÄÄ leger. Postscheckkonto. Zrankfurt a. m. Je. 1OOP? Nachdruck der mit versehenen Artikel nur mit Quellenangabe .ZulSaer flnzeiger'gestacket. gen Tag- und plahvorschrlsteu unverblnölich.

Nr. 96 1930

Fulda, Freitag, 25. April

7. Jahrgang

Vie Organisation der ReparationrbanK.

Ein Deutscher zum stellvertretenden Generaldirektor der B.J.Z. ernannt.

Als Stellvertreter des französischen Generaldirektors Quesnay der in Basel begründeten B. I. Z., der Internationalen Reparationsbank, wurde in der Mitt- Wochsitzung der deutsche Reichsbankdirektor Dr. Hülse gewählt. Offenbar sollte mit dieser Wahl der unangenehme Eindruck verwischt werden, den gerade die Ernennung eines Franzosen zum General­direktor gemacht hatte.

Tie Verteilung der Arbeiten soll so stattfinden, daß dem Generaldirektor Quesnay das Generalsekretariat untersteht, das wiederum in drei Abteilungen zerfällt: 1. die Bankabteilung, 2. Trusteeabteilung, der die Besorgung der Reparatiou^.ugelegenheiten obliegt, 3. die Abteilung Buchhaltung.

Dem stellvertretenden Generaldirektor Dr. Hülse werden unterstehen die Jnvestmentabteilung, die die Frage der Kapitalanlage regeln und der die Belegung von etwa 800 Millionen Reichsmark anvertraut wird Diese Abteilung wird besetzt mit dem Belgier Marcel van Zeeland, dem Bruder des Mitglieds des Organisations­komitees Paul van Zeeland. Zweitens untersteht Dr. Hülse die Wechselabteilung, die die täglichen Wechsel- geschäfte in fremden Devisen besorgt.

Reichsbankdirektor Hülse hat bereits an den Young- Plan-Verhandlungen in Paris und Baden-Baden teil­genommen. Ihm unterstehen bei der Reichsbank vor allem die volkswirtschaftlichen Angelegenheiten und diese Fragen werden ihn auch bei seiner neuen Tätigkeit in Basel weiter beschäftigen. Hülse ist 1881 geboren und seit 1906 im Dienste der Reichsbank.

Die Mitglieder des Verwaltungsrats der B. I. Z. haben Basel wieder verlassen.

Die Aktienausgabe.

Über die Aktienausgabe verlautet noch im einzelnen, daß die Unterbringung der 200 000 Aktien im Nennwert von je 2500 Frank in drei Abschnitte« erfolgen soll. den sieben Hauptemissionsbanken zur Verfügung stehen­den 112 000 Stück werden acht Tage nach der Ratifikation des Do ung-Planes begeben werden. Die nächsten 12 000 Stück werden unter die Notenbanken der Schweiz, der Niederlande und Schwedens aufgeteilt, die restlichen

76 000 Stück werden später an diejenigen Notenbanken begeben werden, die sich darum bewerben.

Die Mobilisierung der Reparationsobliga­tionen liegt einem besonderen Ausschuß ob, der aus dem Präsidenten Mac Garrah und dem Generaldirektor Quesnay besteht und dem noch die Verwaltungsratsmit­glieder Reichsbankpräsident Dr. Luther, Montagu Nor­man, Franqui und Brincard angehören. Der Ausschuß wird bis zur endgültigen Beschlußfassung die ganze An­gelegenheit in Verbindung mit verschiedenen Banken­gruppen prüfen.

Von der Reparationskommission zur V.J.Z.

Paris, 25. April. Das Ende der Reparationskommis« sion steht bevor. Heute tritt im Außenministerium das im Schlußprotokoll der Haager Konferenz vorgesehene Sonder­komitee für die Ueberleitung der Funktionen der bestehen­den Organismen des Dawesplanes auf die Internationale Zahlungsbank zusammen. Es handelt sich darum, die juw stischen, verwaltungstechnischen u. finanziellen Bedingungen festzulegen, unter denen diese Ueberleitung vorgenommen werden wird. Das Sonderkomitee wird also als Aufgabe haben, 1. die Rechnungslegung des Generalagenten für die Reparation^ahlungen während der Uebergangsperiode vom 31. August 1929 bis 1. Mai 1930 zu billigen, 2. die früheren Schuldverschreibungen Deutschlands (Bons A, B, C, usw.) zu vernichten, 3. die Bestimmungen für den Uebergang der Befugnisse der Reparationskommission auf die Internationale Zahlungsbank festzusetzen. Diese Ar­beiten werden voraussichtlich eine oder zwei Wochen in Anspruch nehmen. Inzwischen wird, wie derExcelsior" ausführt, die Ratifizierung des Youngplans durch die noch ausstehenden Regierungen (England und Italien) es der Internationalen Bank gestatten, offiziell in Tätigkeit zu treten und die Stelle der Reparationskommission für die Verwaltung der deutschen SÄâeu einzunehmen. Die - Delegierten der Mächte in der Reparationskommission wer­den voraussichtlich Mitte Mai zu einer Vollsitzung zusam­mentreten, um die Auflösung der Reparationskommission zu beschließen und einen Liquidator zur Regelung der in­ternen Fragen der Reparationskommission zu ernennen.

Die nächsten Ausgaden der Regierung.

Minister Treviranus über das Kabinett Brüning.

In Detmold sprach Reichsminister r e v i " ranus über das Kabinett Brüning. Der jetzige Reichskanzler habe sich wirklich bis zur letzten Stunde für die Mitverantwortlichkeit der Sozialdemokratie eingesetzt, weil das seiner innenpolitischen Auffassung ent­spreche. Er werde andererseits in weiten Kreisen als der ausgesprochene Vertreter sachlicher Arbeit bewertet und von den Frontsoldaten mit Recht als einer der ihren in Anspruch genommen. Die nichtsozialistischen Schichten unseres Volkes müssen unter dem Druck einer sozialdemo­kratischen Opposition regieren lernen. Sie werden zu beweisen haben, daß ein machtpolitischer Anspruch nicht nur Selbstbehauptungswillen, sondern auch schöpferische Kraft vorauösetzt. Dann wird die Sozialdemokratie für die Zukunft einen Gegenspieler haben, der ihr selbst förder­lich sein wird und unserem politischen Leben für die nächsten Jahre neuen Auftrieb geben kann. Treviranus sprach dann über die nächsten Aufgaben der Regierung, besonders über die Ost Hilfe. Auch der Westen werde ohne planmäßig langjährige Förderung der geschädigten Wirtschaft nicht bestehen können. Die Reichsregierung werde mindestens einen Fünfjahrplan ins Auge zu fassen haben, um voreiligen Hoffnungen und planloser Vergeudung von Reichs- und Staatsmitteln vorzubeugen. Ohne die Mitarbeit des gesamten Volkes werde das Ge­sundungswerk nicht gelingen können.

Aufrechterhaltung des SOprozentigen Bermahlungszwanges für Inlandsweizen.

Die Reichsregierung beabsichtigt, wie von zuständiger Seite verlautet, den Vermahlungszwang für Inlands- Weizen in Höhe von 50 Prozent auch für den Monat Mai aufrechtzuerhalten.

Entspannung Reich-Thüringen.

Das Reich erwidert den Besuch.

Amtlich wird mitgeteilt, daß Staatssekretär Zweigert vom Reichsinnenministerium voraussichtlich am Mittwoch, den 30. April, nach Weimar kommen wird, um den Ber- liner Besuch des Vorsitzenden des thüringischen Staats- ministeriums zur Beilegung der zwischen dem Reiche und Thüringen bestehenden Spannungen zu erwidern.

Der Fragebogen Briands.

Zur Paneu^opa-Jdee.

Pariser Blätter erzählen, daß gegenwärtig im fran­zösischen Außenministerium die letzte Hand an den Frage­bogen gelegt werde, den Briand den Regierungen bezüg­lich einer Vereinigung der europäischen Staaten über­reichen will. Es handele sich keineswegs, wie man tett- iveise behauptet habe, um eine neue internationale Orga­nisation, die an die Stelle des Völkerbundes treten solle. Auch sei keine Rede davon, den Weg für die Bereinigten Staaten von Europa vorzubereiten, die in Gegensatz zu den Vereinigten Staaten von Amerika treten könnten. . . ,

Die europäische Vereinigung, so wie sie Briand sich vorstelle, habe viel realistischere Ziele. Erstes Ziel wurde sein, die W i r t s ch a f t s i n 1 e r e s s e n der Machte in Einklang zu bringen, um etappenweise zur Beseitigung der Zollschranken zu gelangen, die noch den Wirt­schaftsverkehr behindern. Aus einer besseren Zusammen­arbeit auf wirtschaftlichem Gebiet würde sich notwendiger- iveise ein größerer Wohlstand ergeben, der es sämtlichen Ländern Europas gestatten würde, schneller auf dem Wege ihrer s o z i a l e n ^R e f o r m e n voranzuschreiten. Aus diese Weise würde der Friede sämtlichen Regierungen als die notwendige und ausreichende Bedingung des mate­riellen Wohlergehens und der intellektuellen und mora­lischen Entwicklung der Völker erscheinen.

Wenn man's hört, klingt's gut. Aber einige .Hinder­nisse bürsten sich bei näherer Betrachtung des Plans leicht herausstellen. Siehe den ziemlich kläglichen Ausgang der jüngsten Flottenabrüstungskonferenz in London.

Der Friedenssederhaller von Locarno verschwunden.

Holland sucht ihn.

Der goldene Füllfederhalter, mit dem seinerzeit der Locarnovertrag unterzeichnet wurde, ist spurlos ver­schwunden. Der Halter, der die Form einer Ganjeseder hatte, blieb in Verwahrung der Stadtverwaltung von Locarno. Er wurde jedoch gelegentlich Der Irledensaus- stellung im Haag im Februar v. I. der AuSjtellungv- leitung geliehen und ist nicht mehr in den Besitz der Stadt Locarno zurückgekehrt. Die holländische Polizei hat bereits bei allen Goldwarenhändlern Amsterdams und in den übrigen größeren Städten Hollands Nachforschung 9en eingeleitet die aber bisher ergebnislos geblieben sind. Man nimmt an, daß der historische Halter entweder -.gestohlen worden oder beim Auspacken der zahlreichen Ausstellungsgegenstände abhanden gekommen ist.

Die Unruhen in Indien.

London, 25. April.Times" berichtet aus Bombay: Zn Peschawar ist eine amtliche Verfügung erlassen worden, durch die allen Europäern der Zutritt zur Stadt verboten wird, außer wenn sie dienstlich dort zu tun haben. Bei den Unruhen vom 23. April wurden die Fensterscheiben des Telegraphenamtes zertrümmert und an verschiedenen Stellen die Telegraphen­drähte zerschnitten. Die Unruhen wurden durch ein Bataillon britischer Infanterie, Eurkhas Und eine Compagnie Panzer­wagen unterdrückt.

Einer anderen Meldung zufolge hatten die Truppen drei Tote und acht Verwundete. Die Geschäfte ruhen in der Stadt. In den Eingeborenenvierteln sind die britischen Truppen jetzt von Eurkhas abgelöst worden.

Zensur in Indien.

London, 25. April.Daily Expreß" berichtet aus Lon­don, daß nach Nachrichten aus den Pundschab und von der indischen Nordwestgrenze die Zensur eingeführt worden ist.

Gandhi gegen den Alkohol.

In einer Versammlung bei dem Dorfe Bodali for­derte der Führer der Bewegung, Gandhi, in einer Rede seine Zuhörer auf, kein Kino und keinen Zirkus zu be­suchen, sondern vor den Alkoholschenken Posten zu stehen. Er sagte, selbst Trunkenbolde gäben zu, daß das Trinken ein Laster sei. In einer großen Versammlung von Mohammedanern sprach der mohammedanische Führer Mohammed Ali entschieden gegen Gandhi. Die Versamm­lung nahm eine Entschließung an, in der die Mohamme­daner ausgefordert werden, sich der Bewegung der bürger­lichen Ungehorsams nicht anzuschließen.

Gandhi und die mohammedanische Minderheit.

Die Blätter melden aus Bombay: In Erwiderung auf den von mohammedanischer Seite erhobenen Vorwurf, Gandhi wolle die mohammedanische Minderheit unter die Herrschaft der Hindus bringen, erklärte Gandhi in seiner ZeitungJungindien": Ich würde nicht zögern, den Min­derheiten die Regierung Indiens zu übdrlassen".

10 Jahre Internationales Arbeitsamt.

Die Verwaltungsratstagung in Paris.

Auf der Eröffnungssitzung des Verwaltungsrates des Internationalen Arbeitsamtes in Paris ergriff auch der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, Albert T h o m a s , das Wort. Thomas skizzierte die zehnjährige Geschichte des Arbeitsamtes und erinnerte an die erste Sitzung des Perwaltungsrates in Paris vor zehn Jahren. Inzwischen habe das Amt eine große Enttvicklung durch­gemacht, es sei stets geleitet gewesen vom Willen zur Klar­heit und von der Sorge um das Recht.

Die nächstenFahrten desGras Zeppelin"

Beginn der Südamerikafahrt am 15. Mai.

Die Mittelmeerfahrt desGraf Zeppelin- ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Am 30. April sowie zwischen dem 5. und 7. Mai wird das Luftschiff je eine Schweizer Fahrt ausführen. Eine Fahrt nach Oberammergau und München ist zwischen dem 4. und 11. Mai vorgesehen. Der Beginn der Süd- n m e r i k a f a h rt ist auf den 15. Mai verlegt worden.

Vorbereitungen für die Landung des Graf Zeppelin" auf Kuba.

Dr. Eckener ist, aus Newyork kommend, in England eingetroffen. In Beantwortung einer Begrüßungs­ansprache des stellvertretenden Bürgermeisters von South­ampton erklärte er:Ich habe diesen Besuch schon seit einiger Zeit geplant, da das britische Lustministerium mich eingeladen hat, die LuftschiffeR 100" undR 101" zu besichtigen. Ich habe viel über sie gehört und bin sicher, daß es ausgezeichnete Fahrzeuge sind." Eckener will mit demGraf Zeppelin", der Sonnabend nach England fliegen soll, von Cardington nach Deutschland zurück­fahren. Er erklärte, daß er bezüglich der Zukunft der Luft­schiffahrt sehr optimistisch fei, und daß für eine Luftschiff- Verbindung zwischen Europa und Amerika große Möglich, leiten bestanden.

Nach einer Meldung aus Havanna hat der deutsche Gesandte die kubanische Regierung um die Erlaubnis für die Landung desGraf Zeppelin" in der Nähe der Stadt Havanna ersucht. Die zuständige, Behörde erklärte, die Erlaubnis werde erteilt werden. Das Kriegsamt von Kuba hat seine Hilfeleistung in Aussicht gestellt und einen* Landungsplatz sowie Betriebsstoff und Ergänzungs- ausrüstüngen angeboten, falls dieser benötigt würde.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Zum stellvertretenden Generaldirektor der Reparations­bank in Basel ist der deutsche Reichsbankdirektor Hülse gewählt worden.

* In Rom fand i die Vermählung der Eesandtschastssekretär

* Der Damofer Bremen" stieß bei dichtem Nebel im Kanal mit einem Oeltankschlff zusammen.

* Zn Der Französischen Kammer wurde nach einer aus­gedehnten Nachtsttzung die Sozialversicherungsvorlage anae- nommen, nach der jeder über 60 Jahre alte Arbeitsunfähige eine Pension von 500 Frank erhält. 0

nter großer Teilnahme der Bevölkerung ältesten Tochter Mussolinis mit dem Grafen Galeazzo Ciano di Cortellazzo