Aus Heffen-Naffau und Rachöargebteien.
Merkblatt für den 15. April.
Sonnenaufgang 5.7, Sonnenuntergang 18.54 Uhr. Mondaufgang 22.12, Monduntergang 5.53 Uhr.
1800: Der britische Seefahrer James Clarke Rotz geb. — 1832: Der Dichter und Zeichner Wilhelm Busch in Wiedensahl geb.
Daß du nicht vergissest, — Wenn du mich issest, — Die sühern Osterkuchen — Bei deinem Jesus zu suchen.
Auf einer Kuchenform.
Wetterbericht.
Das Tiefdruckgebiet hat sich weiter nach dem Festland zu ausgedehnt, und ein erster Ausläufer hat bei seinem Durchzug durch Westdeutschland am Sonntag früh vielfach zu Regenfällen geführt. Die vorher antizyklonale Wetterlage ist damit vollständig umgestaltet. Eine vom Ozean kommende und infolgedessen" ziemlich feuchte und milde Lust überflutet ganz Mitteleuropa und wird auch noch weiterhin Regenfälle verursachen. Ein Uebergang zu beständigerem Wetter ist aber noch nicht wieder zu erkennen. — Vorhersage bis Montag abend: Meist bewölkt, zeitweise leichte Regenfälle, etwas kühler, westliche Winde. — Witterungsaussichten für Dienstag: Anhalten der zu Regenfällen neigenden Witterung.
□ Ohne Umschlag versandte gedruckte einfache Osterkarten, die hinsichtlich der Größe, Form und Papierstärke den Bestimmungen für Postkarten entsprechen müssen, kosten sowohl im Ortsbereich des Aufgabeorts als auch im Fernverkehr 3 Pf. Es dürfen in diesen Karten außer den sogenannten Absenderangaben (Abfendungstag, Name, Stand und Wohnort nebst Wohnung des Absenders) noch weitere fünf Wörter, die mit dem gedruckten Wortlaut im Zusammenhang stehen müssen, handschriftlich hinzugefügt werden. Als solche zulässige Nachtragungen gelten z. B. die üblichen Zusätze „sendet", „Ihre", „Dein Freund" „sendet Dir", „sendet mit besten Grüßen Ihre" usw. Werden solche Karten im offenen Umschlag versandt, so kosten sie sowohl im Ortsbereich des Aufgabeorts als auch nach außerhalb 5 Pf.
* Fulda, den 14. April 1930.
Die evangelische Gemeinde begrüßt ihren neuen Pfarrer.
Feierliche Einführung in der evangelischen Kirche.
Am gestrigen Palmsonntag, den 13. April 1930 fand in der hiesigen evangelischen Kirche die feierliche Einführung des Pfarrers Dr. phil. H e ck m a n n (bisher Frankershausen, Kr. Cschwege) in sein neues Amt als 3. Pfarrer und als Leiter des Privaten Lyzeums statt. Unter dem Klang der Kirchenglocken betrat der festliche Zug des Kirchenvorstandes unter Führung der Geistlichkeit, an deren Spitze Generalsuperintendent D. Fuchs -Kassel, das Gotteshaus. Durch Erheben von den Plätzen begrüßte die Gemeinde ihren Oberhirten und den neuen Pfarrer. Mit feierlicher von Kreispfarrer Weber gehaltener Liturgie begann der Glottes bienst, der durch Mitwirkung des Kirchenchores verschönt wurde. Dann folgte der eigentliche Akt der Einführung, den Landespfarrer D. Fuchs unter Assistenz des Kreispfarrers Weber und des Pfarrers iHattendorff vornahm. In seiner Einführungsansprache "gedachte Eeneralsuperintendent D. Fuchs des Einzuges Jesu am 'Palmsonntag in Jerusalem und des jubelnden Rufes der Mengtz:..„EssegM fei, der ba. kommr im Namen des Herrn!" 'Das jei auch der Willkommgruß der Gemeinde an den neuen ^Pfarrer, der ihm zugleich seine Botschaft und Aufgabe weise eben im Namen Gottes sein verantwortungsschweres Amt zu übernehmen. Nur dann, wenn der Pfarrer mit diesem Auftrag zu seiner Gemeinde komme, könne der Segen Gottes auf seiner Arbeit ruhen. Freilich der Jubel und die Freude der Gemeinde über ihren neuen Hirten sei gedämpft durch die traurige Erinnerung an den Heimgang seiner beiden so verdienten Vorgänger, aber dennoch gemahne die Stunde an die Pflicht der Dankbarkeit gegen Gott, welcher der verwaisten Gemeinde einen neuen Seelsorger geschenkt habe. Darauf sprach Pfarrer Dp, Heckmann in warmer, schlichter und gedankentiefer Weise in seiner Predigt über 2. Korinther 6, 1—10, zum ersten Mal zu seiner neuen Gemeinde. Er schilderte seine und der Gemeinde Aufgabe in der Reich Eottesarbeit Mitthelser zu sein dazu, daß die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangen werde. Für dieses gemeinsame Ziel erbat er sich das Vertrauen der Gemeinde, daß er für seinen neuen, vielseitigen Wirkungskreis als Pfarrer und Erzieher besonders nötig habe. Mit dem freudigen Lobgesang: „Nun danket alle Gott" schloß der feierliche Gottesdienst. In der zahlreich erschienenen Gemeinde sah man als Gäste Landrat Freiherr von Eagern und als Vertreter des Magistrates Syndikus Dr. Weymar. Möge dieser Ehrentag unserer evangelischen Gemeinde zum Anbeginn einer segensreichen, fruchtbaren Zusammenarbeit werden. R.
Oberbürgermeister Dr. Danzebrink bestätigt.
Der kürzlich von den Fuldaer Stadtverordneten gewählte Oberbürgermeister Dr. Danzebrink ist jetzt von der Regierung bestätigt worden. Die Einführung wird wahrscheinlich am 22. April durch Regierungspräsident Dr. Friedensburg -Kassel erfolgen.
„Le Laudi di San Francesco d'Assisi".
Konzert des Mannergesangvereins „Winfridia".
Am gestrigen Sonntag veranstaltete die „Winfridia" ihr großes Konzert im Stadtsaal. Ich kann den Gesangverein nur beglückwünschen zu diesem großen Erfolg. Vor allen Dingen müssen wir dem strebsamen musikalischen Leiter dieses Konzertes, Studienrat Z i l l e k e n , danken für die große Arbeit, die er geleistet hat und auch für die Auswahl des noch jungen Werkes. Ganz besonders soll aber auch betont werden bte mustergültige Begleitung des Werkes durch das verstärkte Sinfonieorchester. Wer einmal die furchtbar schwere Partitur gesehen hat, der weiß, welche Klippen hier zu überwinden waren.
Suters Werk, „Le Laudi di San Francesco d'Assisi" ist im Jahre 1923 entstanden. Ein neuer Schatz der Kirchenmusik i|t uns damit gegeben worden. Wenn, auch, manchmal gewaltige Dissonanzen' die aber in den nächsten Takten wunderbar in wohlklingende Konsonanzen aufgelöst werden, uns manchmal denken lassen, daß wir es mit einem ganz modernen Werk zu tun haben, so möchte ich doch hier an dieser Stelle sagen: In dieser Musikform steckt der Geist des großen Bach, rn der Musik leibst spüren wir oft den Meister Richard Wagner. Eigene bebauten und eigenes Empfinden selbstverständlich haben Sucher weiter geführt; ein kleiner Schritt über Wagner hinaus ist mit dieser Komposition damit gegeben. Inhaltlich ist das Werk mit Haydns „Schöpfung" verwandt. Doch ist es durchaus anders gedacht. „Nicht der Künstler besingt die Werke Gottes nein, die Werke selbst, mit ihren eigenen Stimmen, lobsingen und lobpreisen den Herrn, wie er sie schuf, ein lebet nach seiner Art."
Die Aufführung selbst war ein musikalisches Ereignis für Fulda. Der ausverkaufte Stadtsaal war wohl ein sichtbares Ferchen, mit welcher Spannung man dieses Konzert erwartet hatte. Der große Beifall am Schluß des Konzertes bewies, mit welcher Dankbarkeit und Liebe das Werk beim hiesigen Publikum ausgenommen worden ist. Der Knabenchor und der Ee-
Jeder männliche Einwohner vom 20. bis 45. Lebensjahr zum Feuerwehrdienst verpflichtet.
Der Magistrat macht bekannt: Nach der Ordnung über die Regelung des Feuerlöschwesens ist jeder männliche Einwohner vom 1. April desjenigen Jahres, in welchem er das 20. Lebensjahr erreicht, bis zum 1. April desjenigen Jahres, in welchem er das 45. Lebensjahr vollendet, zum Feuerwehrdienst verpflichtet. Wer an dem praktischen Feuerwehrdienst nicht teilnehmen will, kann sich los kaufen. Für das Jahr 1930 sind Beamte damit beauftragt, die Quittung über das Loskaufgeld den Pflichtigen zur Einlösung vorzulegen. Wer die Quittung nicht einlöst, gibt damit zu erkennen, daß er den Feuer- wehrdienst mitmachen will.
Die Monatsversammlung der Krieger-Kameradschaft Fulda, die am Sonnabendabend im Vereinslokal stattsand, erfreute sich eines regen Besuches. Nach Bekanntgabe der Tagesordnung durch den 1. Vorsitzenden, Kamerad Halbleib,' fand eine rege Aussprache statt über das am 4. Mai stattfindende 41. Stiftungsfest. In Anbetracht der ernsten Zeit und der schweren wirtschaftlichen Verhältnisse ist beschlossen worden, das Stiftungsfest in Form einer kirchlichen Feier zu veranstalten. Morgens um 9 Uhr soll ein Gedächtnisgottesdienst für die gefallenen und verstorbenen Kameraden stattfinden. Am Kriegerdenkmal soll ein Kranz niedergelegt werden. Zum Abschluß soll ein Frühschoppen die Kameraden vereinen. ■— Lebhaft begrüßt wurde es, daß für Ende Mai ein Familien-Aus- f l u g nach dem Rauschenberg geplant ist, wobei auch für die Kinder besondere Belustigungen vorgesehen sind. Zum Schluß der Versammlung wurden 16 Kameraden neu in den Verein ausgenommen.
Filiale Fulda der Deutschen Bank und Diskonto-Gesellschaft.
Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank und Diskonto-Gesellschaft hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, Herrn Franz Ender s zum Direktor und Herrn Ernst Mertz, bisher in Kassel, zum stellvertretenden Direktor der hiesigen Filiale (bisher Pfeiffer-Bank) zu ernennen. Die handelsgerichtliche Eintragung der neuen Firma ist in Kürze zu erwarten.
Mit dem Motorrad gegen ein Fuhrwerk geprallt.
Zu einem schweren Zusammenstoß kam es am Samstagabend gegen % 11 Uhr in der Petersberger Straße. Ein aus der Richtung Petersberg kommendes Motorrad mit Soziusbealeiter wollte ein Fuhrwerk überholen und stieß dabei heftig auf dieses auf. Der Motorradfahrer aus Bronnzell und sein Begleiter flogen von der Maschine und erlitten erhebliche Kopfverletzungen. Mitglieder der freiwilligen Sanitätskolonne leisteten die erste Hilfe und überführten die Verletzten in das Landeskrankenhaus.
Der Turnerkaspar war da.
Im Stadtsaal hatte sich am Samstag nachmittag eine große Gemeinde kleiner und kleinster Freunde des Kasperle-Theaters eingefunden, um dem tapferen und unerschrockenen Kaspar zu lauschen und zuzuschauen. Es war für die Erwachsenen eine große Freude, die in voller Begeisterung strahlenden Kinderge- stchter anzusehen, wie aus jedem das innere Miterleben der Kasparstreiche zu lesen war. Und wenn dann der Kaspar eine Frage an seine kleinen Freunde richtete, dröhnte der Saal: Jeder wollte seine Antwort am deutlichsten zum Ausdruck bringen. Ebenso groß wie die Freude über Kaspars Ueber- legenheit gegenüber Teufel und Tod, war aber auch die Teilnahme an seinem Mißgeschick. Alle Kinderherzen schlugen in banger Sorge schneller, wenn dem guten Kaspar Böses drohte. Es gibt wohl nicht ein besseres Mittel als des Kasperle-Theater, die kindliche Phantasie zu beschäftigen und das kindliche Gemüt zu erziehen. Allen Förderern des Kasperle-Theaters bleibt immer die Genugtuung, wahre Freude gespendet zu haben, für die frohe Kindergesichter bester Dank sind. Auch die T u r n g e m e i n d e 18.4 8, insbesondere ihrer Jugendabteilung, die diese Aufführung veranstaltet hatte, darf die Gewißheit haben, daß sie der Fuldaer Jugend Freude bereitet und ihr einen guten Dienst erwiesen hat. -el.
Kassel, 12. April. (Steuererhöhungen auch in Kassel.) Der Haushaltsausschutz hat in seiner letzten Sitzung den Besoldungsvoranschlag nach dem Vorschlag der Verwaltung verabschiedet und weiter die Voranschläge der Verfügungsvorlage und Steuerverwaltung angenommen. Abschließend stimmte der Haushaltungsausschuß dem von der Verwaltung vorgelegten Hauptvoranschlag, der sich in Einnahme und Ausgabe mit rund 43 Mill. JI ausgleicht, mit übergroßer Mehrheit zu. Dieser Voranschlag enthält eine Erhöhung der Grund- und Eebäudesteuer von 375 auf 425 % und der Zuschläge zu den Gewerbekapitalsteuergrundbeträgen von 1500 auf 1600 %. Ferner wurden die Kanalbenutzungsgebühren um einen geringen Prozentsatz erhöht. Durch die Annahme des Hauptvoranschlags ist die Abdeckung eines Teils des Fehlbetrages des Jahres 1928' in Höhe von 1 Mill. Ji gewährleistet. Der Voranschlag wird am kommenden Montag im Plenum der Stadtverordnetenversammlung beraten.
Gießen, 12. April. 4® ine große A f f e n w e l t f ah r t.) Gestern passierte ein nicht alltäglicher Transport den hiesigen Güterbahnhof. Es handelte sich um den Transport von rund 700 kleinen, lebenden Affen, die aus Indien über Genua kamen und in einem großen Spezialtiertransportwagen nach Hamburg für den Tierpark von Hagenbeck unterwegs sind. Die kleinen und außerordentlich munteren Weltreisenden erregten das Aufsehen einer großen Menschenmenge.
Bad Nauheim, 12. April. (Der Bad Nauheimer Kuraufenthalt des schwedischen Erzbischofs.) Der schwedische evangelische Erzbischof D. Söderblom, der am 8 April hier zur Kur eintreffen wollte, hat wegen der Bei- setzungsfeierlichkeiten für die schwedische Königin seinen Kuraufenthalt verschieben müssen urib wird nunmehr am 16. April hier erwartet. Er wird im Eleonorenhospiz Wohnung nehmen.
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samtchor der „Winfridia" waren in bester Verfassung. Vor allen Dingen muß die deutliche Aussprache und das präzise Einsetzen anerkannt werden. Wie Orgelton rauschte es durch den Saal: „Allmächtiger, gütiger und erhabener Herrscher, alles Lob ist dein." Sehr gut gelang die so großartig angelegte Fuge, die im Satz furchtbar schwer zu singen ist. Es würde zu weit führen, jedes einzelne ausführlich zu besprechen. Ziehen wir aus dem Konzert folgenden Schluß: Studienrat Zille k e n hat die Partitur des Werkes wunderbar ausgearbeitet, hat all ihre Feinheiten erkannt und so uns eine vollendete Aufführung bereitet.
Die Solisten des Abends waren in wenig guter Form. Gut war die Altistin, Fräulein Rode-Osnabrück. Die Sängerin besitzt einen so angenehm bestrickenden Alt, verfügt über, einen wohl sehr großen Stimmumnfang, was bei Altistinnen oft vermißt wird Großartig gelang das Altsolo, dieser wunderbare Adagiogesang. Eine vollendet gelungene Aufgabe. Auch Frau Koch -Kassel verfügt über einen seh^ netten Sopran, allerdings ohne großen Stimmumfang. Ihre Stimme reicht für einen großen Konzertsaal nicht aus. Auch der Tenor, Herr Tobi, war leider nicht stimmlich auf der Höhe, aber seine Einsätze waren sicher und richtig, während Herr Wuzël (Batz) durch falsche Einsätze dem Quartett zu Unstimmigkeiten verhalf Auf vollendeter Höhe waren die beiden anderen Solisten des Abends: Fräulein Seu ring (Klavier) und Herr Dom- organist Krieger. Schlicht und doch so klangschön ihr Spiel — Abgesehen also von diesen Kleinigkeiten im Solistenquartett ein wohlgelungener Abend. Wenn man sich einmal die Schwierigkeiten klar macht, die alle erst hier bei uns zu überwinden waren, dann darf man wohl mit Recht von einer Glanzleistung des Chores, mancher Solisten und vor allen Dingen auch von unserem Sinfonieorchester (es wurde am Anfang schon gesagt) reb^n Alle gaben ihr bestes und halfen mit zum guten Gelingen Dieses schönen Konzertes. Vor allen Dingen nochmals herzlichen Dank Herrn Studienrat Zilleken für diese wunderbare Wiedergabe des herrlichen Werkes „Le Laudi". Blume.
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Butzbach, 12. April. (Streich eines betrunkenen P o l i z e i b e a m t e n.) Vor dem Erweiterten Vczirksschöf- fengericht in Gießen hatte sich ein hiesiger Polizeiwachtmeifter wegen eines Streichs, den er sich in betrunkenem Zustand geleistet hatte, zu verantworten. Nach einer Feier mit starkem Alkoholgenuß ging er — außer Dienst und in Zivil — durch die Straßen dr Stadt, rempelte Bekannte an und bedrohte sie mit Erschießen, wobei er die rechte Hand an eine in der Tasche steckende Selbstladepistole hielt. Als einer der Angerempelten, gegen den er tätlich wurde, ihn zurückstietz und selber die Hand zum Schlage erhob, zog der Angeklagte die Pistole aus der Tasche und schoß diesem aus so kurzer Entfernung, daß der Handteller versengt wurde, eine Kugel durch die Hand. Folgen sind für den Verletzten glücklicherweise nicht entstanden, da die Wunde glatt heilte, Die Strafe für den unüberlegten Streich lautete auf zwei Monate Gefängnis, an deren Stelle eine Geldstrafe von 300 M tritt.
Friedberg, 12. April. (Notlandung eines Flugzeug s.) Gestern nachmittag ging" in der Nähe der Bergkaserne ein Flugzeug, das zur Lufthansa Köln gehört, nieder. Bei der Landung brachen das Fahrgestell und bte Räder ab. Der Vropeller wurde beschädigt. Der Flugzeugführer blieb bei der Landung glücklicherweise unverletzt. Sonst befand sich niemand in dem Flugzeug.
Frankfurt a. M., 12. April. (Decker und Kirschbaum aus der Haft entlassen.) Die beiden Favag-Direktoren Becker und Dr. Kirschbaum sind heute vormittag aus dem Untersuchungsgefängnis entlassen worden, nachdem die von ihnen geforderte Sicherheitsleistung in Höhe von je 100 000 Mark bei der Gerichtskasse deponiert worden war.
Frankfurt a. M^ 12. April. (Fernsprechverkehr mit englischen Ozeandampfern. — 3 Minuten 114 Mark.) Von sofort an wird versuchsweise der Fernsprechverkehr zwischen den Fernsprechnetzen Frankfurt a. M, Berlin, Bremen, Düsseldorf, Hamburg und Köln einerseits und den Schiffen „Majestic" und „Olympic" andererseits während ihrer Nordamerikafahrten zugelassen. Der Verkehr wird über London geleitet, von wo ab er auf dem Funkwege abgewickelt wird. Ein Dreiminutengespräch kostet 114 Mark.
Frankfurt a. M^ 12. April. (Paddelbootunglück auf dem Main. — Ein Polizeiwachtmeifter ertrunken. — Sein Gefährte gerettet.) Heute nachmittag gegen 16 Uhr kenterte auf dem Main in der Nähe des Bootshauses „Friede" ein mit zwei jungen Polizisten besetztes Paddelboot. Die beiden Insassen fielen ins Wasser. Während es dem einen gelang, das Ufer schwimmend zu erreichen, um Hilfe herbeizu- holen^ hielt sich der andere, w 23 J^hre alte Polizeiwachtmeifter Rolf Uhlenhaut, am Boot fest. Er erlitt jedoch nach kurzer Zeit einen Herzschlag und versank in den Fluten. Seine Leiche konnte nach kurzer Zeit dank den Bemühungen des Bootsverleihers Mosler geborgen werden. —Wie wir erfahren, handelt es sich bei dem auf so tragische Weise ums Leben ge- kommenen Polizeiwachtmeister um den einzigen Sohn des Regierungsrats Uhlenhaut, der die Polizeroffiziers-Laufbahn einschlagen wollte. Er stand kurz vor seiner Beförderung zum Oberwachtmeister.
Wiesbaden, ii; April. (Zu dem Flugzeugunglück bei JdsteinJ Der mit dem Flugzeug bei Idstein verunglückte Pilot Oberleutnant a. D. Degener, der im hiesigen Pau- linenstift liegt, befindet sich auf dem Wege der Besserung und kann sich bereits mit seiner Umgebung verständigen.
Mainz, 10. April. (Direktor Hofmann aus der Untersuchungshaft entlassen.) Nachdem es dem Direktor Hofmann von der Getreide- und Kreditbank noch am Montag geglückt war, sichere Bürgschaften im Werte von 20 000 Mark herbeizuschaffen, wurde er, wie erst jetzt bekannt wird, noch am Montagabend aus der Untersuchungshaft entlassen. An die Entlassung wurde die Bedingung geknüpft, daß er jederzeit zur Verfügung der Mainzer Staatsanwaltschaft stehe und sich jede Woche zweimal bei der Polizei seines Wohnortes in Wiesbaden melden muß.
Mainz, 11. April. (In vier Wochen 16 000 Ueber- stunden.) Am zweiten Tage der Etatsberatung gab es im hiesigen Stadtrat abermals eine Sensation. Auf eine Anfrage, ob es wahr sei, daß im Gaswerk über 9000 Ueberstunden gemacht worden feien, teilte Beigeordneter Kraus mit, daß sich bei einer Nachprüfung die Summe von 16 00 J Ueberstunden in vier Wochen bei den städtischen Werken ergeben hätte. Die Folge war ein Verbot der Ueberstunden in den städtischen Betrieben, saus es die Lage nicht dringend erfordere. Zur großen Ueberraschung stellte Beigeordneter Kraus fest, daß mit einem Mal die meisten Werke ohne nennenswerte Ueberstunden aus» kämen. An diese Erklärungen, die von der Versammlung mit lebhaftem Hört! Hört! ausgenommen wurden, schloß sich eine lange Diskussion.
Dingen, 13. April. (Gegen die Sperrung der Hindenburgbrücke bei Bingen.) Die Reichsbahn- verwaltung trägt sich mit der Absicht, im neuen Sommerfahrplan 1930 etwa 25 neue Züge über die Hindenburgbrücke bei Bingen,, um deren kostenlose Freigabe (Aushebung des Vrückm aeldes) bereits seit Jahren gekämpft wird, zu leiten. Tic’s Maßnahme ist einer vollkommenen Sperrung der VUüe - • den Kraftwagen- und Personenverkehr gleichzusetzen. Bürgel meister Dr. Siglitz von Bingen und Syndikus Dr. Wiedu i ü von der Industrie- und Handelskammer Bingen haben bei den zuständigen Stellen in Berlin in diesen Tagen persönlich Beschwerde erhoben. In einer gestern abend abgehaltenen Sitzung der interessierten Körperschaften von Bingen fand eine Entschließung Annahme, in der gefordert wird, durch geeionete Maßnahmen den Kraftwagenverkehr über die Hindenburgbrücke auch in Zukunft zu ermöglichen und die seit Jahren gevfloge- nen Verhandlungen über die Ablösung des Brückengeldes endlich zum Abschluß zu bringen, damit der Verkehr zwischen dem rechten und linken Rheinufer von den jetzt bestehenden Behinderungen befreit werde.
Eine sechsdWge Somilie schwer K MM.
Mainz, 13. April.
Auf der Provinzialstraße Bingen— Mainz, etwa drei K Urmeter oberhalb der Gemeinde Gaulsheim bei Bingen, ereignete sich heute abend kurz vor 7 Uhr ein schwerer Autounfall. Ein aus der Richtung Mainz kommender offener Personenwagen, in dem die sechsköpfige Familie Veit aus Budenheim bei Mainz (das Ehepaar, drei Söhne und die etwa 16 Jahre alte Tochter) Platz genommen hatte, überschlug sich während der Fahrt, so daß alle sechs Personen unter das Auto zu liegen kamen. Wie sich der Unfall zugetragen hat, ist noch nicht einwandfrei aufgeklärt, da die Verletzten nicht vernehmungsfähig und sonstige Zeugen des Unfalls noch nicht ermittelt sind. Es wird angenommen, daß der Wagenlenker einem kurz vorher die Stelle passierenden Motorradfahrer ausweichen wollte. Hierbei kam er mit seinem Auto zu weit nach rechts, streifte die Randsteine, und das Unglück war geschehen. Als die ersten Passanten an der Unfall [teile eintrafen, bot sich ihnen ein grauenhaftes Bild. Alle Insassen waren schwer verletzt und größtenteils bewußtlos. Dazu war noch große Gefahr für die Verletzten vorhanden; in dem Auto muß sich nämlich ein Sack Kupfervitriol befunden haben, das bei dem Unfall auf die Straße gestreut wurde. Da Kupfervitriol, wenn es auf Verletzungen kommt, Vergiftungen hervorruft, so war bei der Bergung der Verunglückten größte Vorsicht zu üben. Durch das in der Nähe gelegene Wasserwerk der Stadt Bingen wurde das Binger Krankenhaus verständigt, in das alle sechs Personen überführt wurden. Die Verletzungen sollen größtenteils sehr schwerer Natur sein. Bei einem der Verunglückten besteht Lebensgefahr. Der Personenwagen selbst ist nicht allzu stark beschädigt.