Börse und Handel.
Troittfurtcr Börse vom 24. März. Tendenz: freundlich, Ren- , °fert ou Beginn der neuen Woche war die Tendenz an der «zrie freundlich und das Geschäft konnte in Spezialaktien wie- an Bedeutung gewinnen. Einen kräftigen Anstoß erhielt Börse von der Diskontsenkung der Reichsbank von 5% % Da auch die internationalen Geldmarktverhältnisse weiter sehr günstig sind, hatte die Kulisse wieder Grund genug Deckungen zu schreiten, zumal wieder für Spitzenwerte von Ausland^seite Aufträge eingetroffen sein sollen. Aber auch der nabende Ultimo veranlaßte zu Käufen, da anfangs des Monats vielfach noch Leerabgaben vorgenommen wurden. Die zum g^luß schwacher gewordene Newyorker Börse vom Samstag blieb ohne Wirkung. Sehr vorteilhaft wurde die Zusammenarbeit zwischen Hapag und Nordd. Lloyd von der Börse auf- genommen; Hapag und Lloyd konnten bei lebhafterer Nach- riaae bis zu 3% % gewinnen. Mehr in den Vordergrund traten noch Reichsbankanteile, die gegenüber dem Schlutzkurs vom Komstaa 6 % fester eröffneten. Die übrigen Bankaktien lagen big zu l' % höher. Am Elektromarkt waren Ehadeaktien 3 Mark gebessert. A.E.G. nur geringfügig höher. Felten, Eesfürel, Schuckert, Siemens und Lechwerke bis zu 1% % erholt. Von Lbemieaktien waren Z. G. Farben und Scheideanstalt mit je vlus 1% % gesuchter. Rütgerswerke plus 1 %. Am Montan- Eikt war die Umsatztätigkeit geringer; der weitere Rückgang b-s Ruhrkohlenabsatzes verstimmte etwas. Aber trotzdem ergaben sich auch hier mit der besseren Beurteilung der Lage Er- Wungen bis zu 1% %. Auch Bauunternehmungen konnten weiteres Interesse auf sich lenken, doch waren die Gewinne nur bei Waytz u. Freytag etwas größer (plus 1% %). Don Kaliaktien konnten Aschersleben und Westeregeln je 1% % anziehen.
variablen Markt lagen Junghans 1% % höher. Am Rentenmarkt war die Tendenz fest. Altbesitzanleihe eröfs und Neubesitzanleihe % % höher. Auch Ausländer bi .... gebessert. Im Verlaufe wurde das Geschäft ruhiger. Auf Ee- winnmitnahmen traten Schwankungen ein, so datz kleine Rückgänge überwogen, doch konnte später bei weiter freundlicher Stimmung und einiger Nachfrage für Spezialpapiere wieder ein Ausgleich hergestellt werden. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 4 % sehr flüssig. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4.1900, gegen Pfunde 20.3850. London-Kabel 4.8665, -Paris 124.25, -Mailand 92.88, -Madrid 38.90, -Schweiz 25.12%, -Holland 12.12%.
Amtliche Berliner Notierungen vom 24. März.
* Börsenbericht. Tendenz: Freundlich. Nach angeregtem vorbörslichen Freiverkehr eröffnete die Börse wieder in befestigter Haltung. Besonders Spezialitäten waren weiter gesucht, da man hier immer noch Deckungsbedürfnis der Spekulation beobachten will. Die Kulisse nahm auf die erneute deutsche Diskontermäßigung von 5% aus 5 Prozent bei gleichzeitiger Reduzierung des Lombardzinssußes aus 6 % weitere Meinungskc.ufe vor. Auch das Publikum beteiligte sich wieder am Geschäft. Am Geldinarkt machte die Erleichterung Fortschritte. Tagesgeld 3—5 Prozent, auch Monatsgeld mit 6,25—7,25 Prozent wesentlich leichter. Warenwechsel etwa 5,25 Prozent Nach den ersten Kursen machte die Befestigung Fortschritte. Im weiteren Verlauf wurde die Haltung ruhiger, die Tendenz war bei flehten Schwankungen weiter freundlich
* Devisenbörse. Dollar 4,18—4,19; engl. Pfund 20,36 bis 20,40; holl. Gulden 167,91—168,25; Danz. 81,43—81,59; franz Frank 16,39—16,43; schweiz. 81,07—81,23; Belg. 58,37—58,49; Italien 21,92—21,96; schwed. Krone 112,49—112,71; dän. 112,17 bis 112,39; vorweg. 112,09—112,31; tschech. 12,40—12,42; österr Schilling 58,98—59,10; poln. Zloty (nichtamtlich) 46,85 bis 47,05; Argentinien 1,59—1,60; Spanien 52,60—52,70.
* Produktenbörse. Das Ausland kabelte matte Tendenz und ermäßigte Preise. Vom Jnlande ist das ersthändigr Angebot noch weiterhin klein. Hafer wird teilweise drei Mark billiger geboten als am Vortage. Gerste gleichfalls ruhiger
Getreide und Olsaaten per 1000 Kilogramm, sonst per
100 Kilogramm in Reichsmark.
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Frankfurter Abendbörse vom 24. März. Tendenz: behauptet. Die Abendbörse eröffnete ohne nennenswertes Geschäft. Die Kulisse übte Zurückhaltung, da der Auftragseingang minimal war. Gegenüber dem ermäßigten Berliner Schlußniveau blieben die Kurse zumeist behauptet. Leicht gebessert waren lediglich A.E.G. und Conti Gummi. Schuckert und J. E. Farben blieben knapp gehalten. Material kam kaum heraus, so dass die Spekulation später etwas Kaufneigung zeigte, zumal einige Orders eingetroffen sein sollen. Das Kursniveau konnte sich daraufhin allgemein um Bruchteile eines Prozentes heben. Renten stiller. Schutzgebiete etwas gefragt. Neubesitzanleihe 9, Altbesitzanleihe 54.75, Schutzgebietsanleihe 2.82%, Adca 117%, Commerzbank 160%, Dresdner Bank 151%, Gelsenkirchen 142%, Aschersleben 216%, Mannesmann 107%, Phönix 103%, Stahlverein 97, Aku 100, Ä.E.G. 166%, Conti Gummi 152%, Scheideanstalt 150%, Licht u. Kraft 171%, Z. G. Farben 168, Felten 129, Gesfürel 174%, Holzmann 101, Metallgesellschaft 110, Rütgerswerke 79%, Schuckert 191 Siemens 253, Hapag >110%, Norddeutscher Lloyd 111%, Südo. Zucker 159%.
! Frankfurter Produktenmarkt vom 24. März. Trotz der recht schwachen Auslandsmeldungen konnte die Produktenbörse weiter lin etwas festerer Haltung eröffnen und namentlich für Weizen, Gerste, Mehle und Futtermittel bestand etwas mehr Nachfrage. «Es notierten er 100 kg.: Weizen 27.25—27.35, Roggen 17.25, tat 17—17.50, Hafer 16—16.25, Mais 16—16.25, Weizenmehl Add. 38.50—39.50, niederrheinisches 38.25—39.25, Roggenmehl 24.50-25.75, Weizenkleie 8.25—8.40, Roggenkleie 8.75, Erbsen 122—33, Linsen 35—80 Heu 8.50, Weizen- und Roggenstroh draht- Gepreßt und gebündelt 5.00, Treber getrocknet 11.25. Tendenz: Ifflter.
Frankfurter Schlachtviehmarkt vom 24. März. Der Auftrieb des heutigen Hauptmarktes bestand aus 1288 Rindern, darunter 327 Ochsen, 76 Bullen, 513 Kühen, 360 Färsen, ferner 411 Kälbern, 103 Schafen und 4871 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb des Hauptmarktes der vergangenen Woche waren 13 Rinder, 22 Schafe und 138 Schweine mehr angetrieben, während 91 Kälber weniger zum Verkauf standen. Marktverlauf: Rinder, ruhig geringer lleberstand. Schweine langsam geräumt. Kälber und Schafe ruhig ausverkauft. Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht: Ochsen a1. 55—58, 2. 50—54, b1. 46 bis 49; Bullen a 53—55, b 48—52; Kühe a 45—48, b 41—44, c 34—40, d 28—33; Färsen a 56—59, b 52—55, c 48—51. Kälber b 76—80, c 70—75, d 62—69. Schafe waren nicht notiert. Schweine a 65—68, b 66—68, c 66—69, d 66—69, e 63 bis 65. Im Vergleich mit den Notierungen des letzten Hauptmârk- tes waren Rmder unverändert: Schweine gaben 4 Mark nach. Kälber waren gegenüber den Preisen vom letzten Nebenmarkt bis zu 2 Mark teurer. Fleischgroßmarkt: Ochsenfleisch 1. 90—98, 2. 80—90; Kuhfleisch 2. 60—72, 3. 50—50; Kalbfleisch 2. 100 bis 105; Hammelfleisch 100—105; Schweinefleisch 1. 90—95. Gefrierfleisch, Rindfleisch Vorderviertel zollfrei 58 und Hinterviertel 65.
Welz., märt pommersch
Rogg., mârk. Braugerste Futtergerste Sommergste. Wintergerste Hafer, märk.
pommersch. weftpreutz.
Weizenmehl P-100kg fr. Brl.br. inkl. Sack(seinst. Mrk.n.Not.
Roggenmehl p. 100kg fr. Berlin br. inkl Sack
24 3.
247-248
144-147 162-172
142-152
128-138
22 3 249-250
145-149 162-172 142-152
129-139
27 2-35.0 27,2-35.0
20 7-24 0 20.7-24.0
Weizkl f.Blu. »2 8 7
Rogkl. f. StnJ 85 90
Raps -
Leinsaat —
Vikt.-Erbsen kl. Speiseerbs. Futtererbsen Veluscbken Ackerbohnen Wicken Lupin., blaue Lupine, gelbe Seradella Rapskuchen Leinkuchen Trockenschyl Sova-Ichrot
24 3. 22 3
20.0-25,0 18,0^0,0 116,0-17,0 16,6-19,0
i 16.0-17.5 49,0-23.0
3,2-87
8.5 9 0
20,025.€ 18.0-20.€ 16 0-17.€
16,5-19.€ 16,0-17,5 19,0-23,€
13,5-15 0 13,0-14 k 17.5-18,0117.0-18.€ 30,0-34,0'28,0-33.€ 13 0 14,043,0 14 ( 47 4-18,0 17,2-18( i 6.6 6,8 i 6 6 6 8
14.6 15.2 1^4 15 ;
Torsml 30/70 - |
Kartofsclflck 1)3,5-14,0 12.5-13 €
♦ Preisnotierungen für Eier. (Festgestelll von der amtlichen Eiernotierungskommission.) 1. Deutsche Eier: Trinkeiei (vollfrische, gestempelte) über 65 Gramm 11, 60 Gramm 10, 53 Gramm 8,50—9, 48 Gramm 8, frische Eier 53 Gramm 8,50, aussortierte kleine und Schmutzeier 6—6,50. 2. Auslandseier: Dänen 18er 11,25, 17er 10,50, 15%—16er 9,50, Holländer 68 Gramm 11,25, 60—62 Gramm 10—11, Rumänen 7,25, Ungarn 7,25—7,75, Russen, normale 7 kleine, Mittel- und Schmutzeier 6—6,50. 3. In- und ausländische Kühlhauseier: Chinesen und ähnliche 5.50—6.50. Tendenz: Matter.
Berliner Efsekteniruhverreyr vom 25. März. Im heutigen Frühverkehr taxiert man unveränderte Kurse, die Erundstun- mung ist weiter freundlich, das Geschäft aber noch sehr ruhig. Am Devisenmarkt nannte man London-Paris 124.22—24, -Mailand 92.92—95, -Spanien 38.75, -Buenos 42.75—85, -Kabel 486.80—85, -Berlin 20.39, Kabel-Berlin 4.18.85.
Schädliche Tiere.
Von Gotthard Brodt.
Nach den Feststellungen eines französischen Professors wird ein Fünftel der gesamten Welternte von Ratten und Mäusen vertilgt. Der Schaden, den diese gefährlichen Nager in den einzelnen Ländern durchschnittlich in einem einzigen Jahre anrichten, beläuft sich — wenn man dem Statistiker glauben darf — in Amerika auf eine Milliarde Dollar, in Frankreich auf fünf Milliarden Frank, in England auf fünfzehn Millionen Pfund und in Deutschland auf zweihundert Millionen Mark. Unter den deutschen Städten hat Düsseldorf am meisten unter der Rattenplage zu leiden; denn der Schaden, den die Ratten hier anrichten, wird auf ungefähr zwei Millionen Mark pro Jahr geschätzt. In Frankreich wird besonders Paris von den Tieren heimgesucht. Es sollen dort durchschnittlich pro Tag 120 Tonnen Lebensmittel und Getreide von Ratten und Mäusen vernichtet werden. Der Schaden ist also gewaltig.
In Deutschland kennen wir vier Rattenarten, und zwar die 18 Zentimeter lange schwarze und braune Hausratte, die, wie unlängst in Mecklenburg gemachte archäologische Funde beweisen, schon zur Zeit der Pfahlbauten bei uns heimisch war, ferner die 26 Zenti-
Mter Tätig? rvmch^graue W'S" n 511 f 61t e, 5Te TB Zèimr meter lange grau-braune Wasserratte und die erst in den letzten Jahrzehnten aus Böhmen zu uns gekommene Bisamratte. Diese ist die größte von allen vier Arten. Sie erreicht mitunter eine Länge von 45 Zentimetern ohne Schwanz und ist der Schrecken der Fischer und Landwirte.
Die Bisamratte war vor dreißig Jahren in Europa noch wenig bekannt. Erst als im Jahre 1906 die Domänendirektion Döbrich in Böhmen das Tier zur Pelzgewinnuna eingeführt hatte, machte sie sich hier und da bemerkbar. Von Böhmen aus verbreitete sie sich aber schnell über das Main- und Saalegebiet, ohne daß ihr die inzwischen gegen sie aufgenommene Bekämpfung Schaden tat.
Die Wasserratte ähnelt der Bisamratte am meisten, trotzdem sie bei weitem nicht ihre Größe erreicht. Auch sie beraubt die Fisch- und Krebsgewässer, zerstört die Pflanzungen und untergräbt die Ufer von Teichen und ruhigen Flüssen. Im Gegensatz zur Bisamratte geht sie aber niemals in die Häuser der Menschen.
Die Haus- und die Wanderratten liegen in beständigem Krieg miteinander. Die erstere folgte ursprünglich den Menschen überallhin, wurde aber nach und nach in den meisten Gegenden durch die weit größere und stärkere Wanderratte vertrieben und ausgerottet. SSi^ finden sie jetzt bei uns verhältnismäßig selten. Hauptsächlich trifft man sie in den warmen, weniger in den gemäßigten Gegenden der Erde. In den kalten Ländern fehlt sie fast ganz. Die Wanderratten wurden zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus Asien nach Europa eingeschleppt. Pallas berichtet, daß sie um das Jahr 1727 die Wolga durchschwammen und im Jahre 1730 zum erstenmal in Deutschland bemerkt wurden. In Frankreich traten sie genau zwanzig Jahre und in den Vereinigten Staaten von Nordamerika 45 Jahre später auf. Jetzt sind sie über die ganze Erde verbreitet.
Die Bedeutung der Briefverschluh- und Werbemarken des Deutschen KalNyndtkats.
„Hat der Bauer Geld, so hat's die ganze Welt!" Hört man weiter Absatzkrise in der Landwirtschaft", so kann man in diesem Zusammenhänge auch die Notlage der gesamten deutschen Wirtschaft suchen.
Das Ausland hat es im Laufe der Zeit verstanden, dem durch die Kriegs- und Inflationszeit für Lebensmittel besonders kauflustig gewordenen deutschen Verbraucher eine sowohl im Aussehen als auch in der Qualität einheitliche Ware anzu- dieten. Demgegenüber steht der deutsche Landwirt mit seinen meist höheren Erzeugungskosten und seiner nicht auf äußere Ausstattung hergerichteten Ware. Dieser Tatsache ist es zuzuschreiben, dass so viele ausländische Nahrungsmittel gekauft werden und bei einheimischen nicht abzusetzen sind. Die weitere Folge davon ist, dass die durch Steuern und Abgaben an und für sich schon stark belastete Landwirtschaft durch die geringe Nachfrage und schlechten Preise aus ihren Erzeugnissen nicht den Erlös erzielt, um so kaufkräftig zu sein, wie es für unsere Volkswirtschaft erwünscht wäre. Das einzige Mittel der Landwirtschaft, ihre Ware trotzdem zu guten Preisen restlos abzusetzen, ist in der Aufnahme des Konkurrenzkampfes zu suchen. Derartige Maßnahmen sind bereits getroffen. Das deutfche Mar- kenei, die Markenbutter u. a. haben bereits den Anfang gemacht. Aber immer ist noch viel zu tun, und ein nachhaltiger Erfolg wird nur dann zu erzielen sein, wenn der deutsche Käufer diese Bestrebungen durch Versorgung seines Haushaltes mit deutscher Ware wirksam unterstützt. Dadurch wirb der deutsche Landwirt bei genügendem Absatz in die Lage versetzt, seine Ware in jeder Hinsicht ständig zu verbessern, er selbst wird kaufkräftiger und kann so wieder die Wirtschaft von seiner Seite aus unterstützen. Demgegenüber steht fest, daß der Käufer die Ware, an diè er gewöhnt ist, beibehalten will, umsomehr, als er sich gemeinhin über die hier kurz beschriebenen Zusammenhänge keinerlei Gedanken macht. Daher muß man dem deutschen Verbraucher die Notwendigkeit seiner Umstellung täglich vor Augen führen und ihm unausgesetzt einprägen: „Kauf' nur deutsche Ware, nur deutsche Lebensmittel". Durch fortwährenden Hinweis müssen ihm diese Worte „e i n g e h ä m - m e r t" werden, so daß sich schließlich auch die Gleichgültigen ihrer volkswirtschaftlichen Pflichten erinnern und der ausgegebenen Parole folgen.
In dieser Hinsicht können die vom Deutschen Kalisyndikat herausgegebenen Briefverschluß- und Werbemarken eine segensreiche volkswirtschaftliche Aufgabe erfüllen. Die in einem Heftchen unter dem Titel „Helft der deutschen Landwirtschaft" vereinigten, geschmackvoll ausgeführten Marken setzen den deutschen Landwirt in den Stand, seine Reklame in jedes Haus hineinzutragen. Jeder Brief, der in nächster Zeit von einem Landwirt geschrieben wird, sollte eine dieser Marken tragen, denn nur so ist es möglich, alle Volksschichten zu erfassen, sie immer und immer wieder auf die deutsche Ware hinzuweisen und ihnen die Forderung, deutsche Agrarprodukte zu verbrauchen, tatsächlich „einzuhämmern". In der stetigen Wiederholung einer Werbung liegt die Wirkung! Die auf den Brief geklebten, farbenfreudigen Marken werden beachtet werden und damit ihren Zweck erfüllen.
Das Todesurteil.
Roman von Kurt Martin.
(Alle Rechte vorvehalten.)
Vertrieb: Literarisches Büro „Das neue Leben", Bayr. Gmain, Oberbayern.
»Mutter!"
»Nie darf das geschehen! Mese Heirat darf nie und nim- zustande kommen/
Reinhold furchte die Stirn.
. »Ich werde in meiner Liebe keine Standesrücksichten kennen."
»Du willst deine Eltern in der Stadt, in der sie schon als zwanzig Jahre leben, unmöglich machen! — Aller togett der Familie Jordan! — Reinhold, das geht zu weit!" . »Wir wollen jetzt nicht lange streiten, Mutter! Warten wir ab, was die Zeit uns bringt."
Sein Vater blickte ihn warnend an.
„Du wirst aber nicht mit dem Mädchen spielen, Reim- hold! — Wenn du dem Wunsche deiner Mutter Gehör scheuen willst, dann brich jetzt sogleich alle Beziehungen zu der Familie Jordan ab! Dann ist es Schluß mit dem Briefver- Eehr! Ich meinerseits sage nichts gegen deine Verbindung ^it Irmingard Jordan. Nur eine übereilte Ehe will ich vermieden sehen. Kommt es aber so, daß ihr euch nach zwei Jahren noch liebt, daß ihr Mann und Wetb werdet, — ich Dili doch sehen, wer es dann hier wagen wird, mich deshalb chief anzusehen! Einen jeden, der mir ein boshaftes Wort agen würde, wollte ich fragen: Können Sie mir beweisen,
Ulrich Jordan ein Mörder ist? Wollen Sie Ihr Leben >afür verpfänden, daß Ulrich Iordan wahr und wahrhaftig
Mörder war? — Seid versichert: Die Frager werden bald verstummen!"
. „Ich sage nichts mehr. — Aber daß ich weiß, was ich in mnem solchen Falle zu tun habe, das dürst ihr mir glauben!"
Seine Frau wandte sich zur Tür.
13.
. Es war wieder Sommer geworden. Im Gärtchen des oordanschen Hauses in Koserow blühten wieder die Rosen, ünd ihr Duft koste nach der Terrasse hinauf, auf der Frau
Jutta, in einem Sessel zurückgelehnt, saß, Seit Adalberts Tod war sie leidend. Das Herz streikte. Sie klagte oft über Kopfschmerzen.
Irmingard saß neben ihr. Der Frohsinn war auch aus- ihrem Wesen gewichen. Ernst blickten ihre Augen in die Welt. Die Sorge um das Leben der Mutter lastete wie ein böser Alp auf ihr.,. Wenn auch der Arzt nicht von einer augenblicklichen Gefahr für der Leidenden Leben sprach, — dass er den Fall nicht unbedenklich fand, fühlte sie.
Frau Jutta fragte.
»Was hat Reinhold geschrieben?"
„Gubes Muttchen! — Willst du hören?"
„Gern."
Und Irmingard las:
»Habe recht herzlichen Dank für Deinen lieben Brief, den du mir vor vierzehn Tagen sandtest. Wenn mich etwas quält, so ist es das, daß Deine liebe Mutter immer noch nicht wohlauf ist Ich weiß, wo ihr körperliches Leiden zu suchen ist. Das hat feinen Ursprung in der Seele! Man möchte so gern helfen und kann doch nicht. Ja, wenn es noch gelänge, Deines armen Vaters schuldloses Sterben zu beweisen! Immer und immer wieder muß ich an das Gespräch mit der Wilken denken, damals vor zwei Jahren. Aber wie etwas Näheres erfahren! Wie eine Spur finden! Es hat schon Mühe gekostet, festzustellen, daß sie damals in der Nacht des Mordes in Bad Elster weilte. Ist ste aber deshalb der Tat verdächtig? Einmal denke ich es, und dann verwerfe ich auch alles wieder. Wäre sie dann fähig gewesen, Adalbert derart in den Tod zu treiben, wo sie dann doch gewußt hätte, daß sein Vater für die Ermordung seines Bruders unschuldig büßte? Wenn ich mir das Wesen Mary Wilkens vorstelle, bann sage ich mir freilich auch wieder: Ja, ich halte sie eines solchen schändlichen Tuns fähig. — Wenn sie jetzt nicht in Amerika weilte, würde ich längst ihre Nähe gesucht haben. Ich denke eben immer an die Möglichkeit einer Hilfe."
Frau Jutta seufzte.
»Der gute Reinhold! Er möchte so gern helfen. Es wird uns aber kein Mensch helfen können! Nie wird die Menschheit erfahren, daß man damals einen Unschuldigen verurteilte. Nie! Sie werden höchstens uns weiterhin mit ihrem Haß verfolgen, mich und euch! — Adalbert ist tot. Was kommt nun?"
„Sprich nicht so, Muttchen! Jetzt soll Frieden um uns. bleiben."
„Frieden! — Im Leben gibt es für uns keinen Frieden; ich fühle das, Kind! — Es wird auch Günther treffen. — Es wird auch dich treffen."
„Muttchen!"
„Ich sorge mich um dich. Du bist ein Mädchen, stehst hilfloser in der Welt als ein Mann."
»Ich will ja nichts von der Welt wissen."
„Und wenn ich tot bin?"
„Du wirst noch lange leben."
„Wer weiß!"
„Doch! Du mußt nun wieder leben wollen!"
„Am Wollen fehlt es mir nicht, Irmingard. Aber denke, eines Tages bist du hier im Hause ganz allein!"
„Sprich nicht davon!"
„Man soll von allem sprechen! — Doch lies weiter." Irmingard beugte sich wieder über den Brief.
„Günther hat mir auch geschrieben, und ich freue mich, daß er sich nun in Hannover gut eingelebt hat. Ich will ihm bald antworten. Und ich selbst? Mir geht es gut Ich habe hier in der Klinik des Professors Fleck ein großes Arbeitsfeld gefunden. Immer aufs Neue wird es mit offenbar, was es doch für Jammer und Elend in der Welt gibt, und ich kenne nichts Schöneres, als zu helfen, wo ich nur helfen kann. — Zwei Jahre sind dahingegangen. Nur noch wenige Monate, dann bin ich hier frei, und ich komme zu Dir! Ich will mir irgendwo eine Praxis suchen, am liebsten in Norddeutschland, vielleicht in Euerer Nähe. Dann werde ich auch eine Doktorfrau nötig habeiu Willst Du mir da suchen helfen? — Nun leb wohl für heute, schreibe mir recht bald wieder, und grüße Derne liebe Mutter vielmals herzlich von mir. Du aber empfange die schönsten Grüße von Deinem treuen Reinhold."
Sie schwieg. Frau Jutta sann still vor sich hin. Erst nach geraumer Zeit fragte sie: _ . „
„Kannst du dir das vorstellen, Irmingard, bao Reinhold eines Tages nicht mehr an dich schreibt?"
Irmingard hob überrascht den Kopè
„Nein!"
„Und wenn es doch geschieht?"
(Fortsetzung folgt.)