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Aah und Kern.

O Der Blindenhund auf der Diebesjagd. In Berlin wurde ein Kriegsblinder, der von einem Hunde geführt wird, auf der Straße von einem Händler seiner Brief- lasche, in der sich ein paar Geldscheine befanden, beraubt. Der Blinde, der den Diebstahl sofort bemerkt hatte, ließ seinen Hund los und dieser hatte nach wenigen Minuten den Dieb gestellt und am Beine gepackt. Eine berittene Polizeistreife befreite den von dem treuen Hunde arg bedrohten Dieb und nahm ihn fest.

0 Weltrekord einer 18jährigen Fliegerin. Einen neuen Weltrekord für Fliegerinnen stellte die 18jährige amerika­nische Fliegerin Ellinor Smith mit rund 9000 Meter Höhe auf. Die kühne Fliegerin hätte diesen neuen Rekord beinahe mit dem Leben bezahlen müssen, denn sie verlor infolge Versagens ihres Sauerstoffapparates die Besin­nung. Das führerlose Flugzeug stürzte ab. Glücklicher­weise kam die Fliegerin jedoch nach einem Sturz von etwa 2000 Meter Tiefe zur Besinnung und vermochte den Apparat wieder in ihre Gewalt zu bringen. Ellinoy Smith ist feit ihrem 16. Lebensjahr Fliegerin.

O Großer Mühlenbrand int Ostharz. In Welbsleben bei Aschersleben brannte die Fachsche Mühle nieder. Das im ganzen Ostharz bekannte Mühlengebäude wurde voll­ständig vernichtet. Es gelang lediglich, die Nebengebäude zu retten. Man vermutet, daß in einem Lüftungsrohr ein Windflügel, der die staubige Luft von den Maschinen ab­gesaugt hat, durch Anschlägen Funken bildete und dadurch den Mehlstaub zur Entzündung und Explosion brachte.

0 Brandstiftungscpidemie in Nordböhmen. Das nörd­liche Böhmen ist in den letzten Wochen von Brandstiftern so häufig heimgesucht worden, daß sich der Bevölkerung eine wahre Angstpsychose bemächtigt hatte. Bei der Reichenberger Polizeidirektion hat sich nun ein Land­streicher mit der Selbstbeschuldigung gestellt, daß er diese Brände gelegt habe. Es ist dies ein 35 Jahre alter, wiederholt vorbestrafter Heinrich Goth aus Krombach, der erst kürzlich aus der Haft entlassen worden war. Nach seinen Angaben hat er die Brände gelegt, weil seine Bette­leien abgewiesen worden seien.

0 62 Bergleute aus dem brennenden Kohlenbergwerk in Ohio gerettet. Wie aus Steubenville in Ohio ge­meldet wird, ist es nach sehr schwierigen Rettungs­arbeiten gelungen, 62 von den in dem brennenden Kohlen­bergwerk der Warner Colleries-Gesellschast eingeschlosse- nen Bergleuten zu bergen. Sie haben zum Teil schwere Brandwunden erlitten. Man hofft, daß auch die übrigen Verschütteten noch lebend angetroffen werden.

Börse und Handel

Aus dem Gerichtssaal

§ Haftentlassungsantrag der Brüder Sklarek. Auf Antrag der Verteidiger der Gebrüder Sklarek hat die fünfte Straf­kammer des Landgerichts I in Berlin einen neuen Haft­prüfungstermin anberaumt. Für jeden der drei Brüder wird einzeln verhandelt werden. Zwei der Brüder sind seit län­gerer Zeit bettlägerig. Die Verteidiger wollen erklären, daß sie Max Sklarek für geisteskrank halten.

§ Der Zusammenbruch der Kieler Bank vor Gericht. Dor dem Kieler Schöffengericht begann der Strafprozeß gegen die früheren Direktoren der Kieler Bank Glahn und Jacobsen. Die Anklage lautet aus Bilanzverschleierung, Konkursder- schleierung, Untreue und Betrug. Die Kieler Bank war am 24. Oktober v. I. infolge der großen Spekulationen der Di­rektoren und einiger Angestellten zusammengebrochen. Gbahn und Jacobsen wurden unter dem Verdacht der Bilanz­verschleierung sestgenommen. Was die wirtschaftliche Seite des Zusammenbruchs betrifft, so ist inzwischen ein Vergleich mit den Gläubigern zustande gekommen. Im der) jetzigen Ver­handlung bezeichnete der Vorsitzende die von den Direktoren vorgenommenen Spekulationen als die Hauptursache des Zu­sammenbruchs. Die Verluste waren auf 1149 000 Mark ge­stiegen.

§ Zum Tode verurteilt. Das Schwurgericht in Schwäbisch Hall hat den 25jährigen Dienstknecht Leppkes aus Hütten wegen Ermordung und Beraubung der 22jährtgen Frieda Schick aus Hütten zum Tode verurteilt.

§ Geständnis Tetzners. Der des Mordes und des Mord­versuches beschuldigte Kaufmann Tetzner hat bei einer zweiten Vernehmung in Regensburg ein Geständnis abgelegt. Da­nach hat er, um eine große Versicherungssumme zu erlangen, einen Unbekannten, den er zwischen Leipzig und Hos zur Mit- sahrt eingeladen hatte, mit Benzin übergossen und das Benzin entzündet, so daß Der Unglückliche bei vollem Bewußtsein ver­brannte. Tetzner hat auch den zuerst abgeleugneten Mord­versuch an dem Mechaniker Ortner zugegeben. Seine Frau, so wird von ihm versichert, habe von dem Plan gewußt und ihn gebilligt; dagegen werden die Verdachtsmomente gegen die ebenfalls verhaftete Kassiererin Nagel aus Regensburg, die der Mitwisserschaft beschuldigt wird, immer mehr entkräftet, so daß ihre Haftentlassung bevorftebt.

Frankfurter Börse vom 11. März. Tendenz: freundlich. Die Mark konnte sich heute weiter erholen und im Zusammenhang mit der festen gestrigen Newyorker Börse war der Erundton der heutigen Börje nichl unfreundlich, obwohl die innerpoliti­sche Lage immer noch sehr unklar liegt. Man wartet mit Span­nung auf das Ergebnis der heutigen Sitzung des Zentralaus- schusses der Reichsbank und hofft, daß Dr. Luther als Nachfol­ger für den ausscheidenden Reichsbankpräsidenten Dr, Schacht gewählt werden wird. Das Geschäft war aber nicht umfang­reich, da der Auftragseingang sehr bescheiden blieb. Gegen­über der gestrigen Abendbörse traten zumeist kleine Besserungen ein. Material kam nicht an den Markt und bei etwas mehr Zuversicht schritt die Kulisse zu Deckungen, so daß in einigen Spezialaktien eine etwas lebhaftere Umsatztätigkeit sestzustellen war. Die günstigen internationalen Eeldmarktverhältnisse stimmten optimistischer. Etwas mehr hervortreten konnten von Zellstoffakticn Waldhof, die 2% % gewannen. Aschaffenburger jedoch waren eher angeboten und leicht nachgebend. Am Elektro­markt zogen Siemens, Eesfürel und A.E.E. bis zu 1% % an. Am Chemiemarkt waren I. G. Farben und Rütgerswerke bei kleinem Geschäft nur geringfügig höher. Kunstseideaktien gut behauptet. Von Warenhauswerlen verloren Leonh. Tietz 2 %. Auch heute fanden Montanaktien wenig Beachtung; nur Gel­senkirchen traten mit plus 1% % etwas hervor. Banken neig­ten eher zur Schwäche. Barmer Bank behauptet. Renten still, jedoch gut gehalten. Im Verlaufe konnte sich die Stimmung weiter etwas bessern; vornehmlich Gerüchte, wonach eine Kavi- talertragssteuer nicht mehr in Frage käme, stimmte zuversicht­lich, und das Geschäft konnte in einzelnen Werten etwas leb­haftere Formen annehmen. Aufträge lagen aber nicht vor, doch genügte kleinste Nachfrage, um weüerc Erhöhungen zu verur­sachen. Siemens gewannen ca. 3 % und J. E. Farben 1 % % gegen Anfang. Die Nebenmärkte lagen still. Am Geldmarkt wâr Tagesgeld mit 6 % unverändert. Am Devisenmarkt war die Mark etwas fester. Mark gegen Dollar 4.1982, gegen Pfunde 20.415. London-Kabel 4.8625, -Paris 124.27, -Mailand 92.82, -Madrid 39.40, -Schweiz 25.12, -Holland 12.12%.

Frankfurter Abendbörse vom 11. März. Tendenz: freundlich. An der Abendbörse war die Stimmung weiter freundlich auf ' die Annahme der Poung-Gesetze im Reichstag. Da jedoch neue Orders fehlten und das Ergebnis der Wahl des Nachfolgers von Dr. Schacht noch ausstand, blieb die Umsatztätigkeit gering. Einige Nachfrage bestand vor allem nach J. G. Farben, die 1% % gewannen, und nach Kaliaktien, die 1% % höher lagen. Stärker anziehen konnten Zellstoff Waldhof mit plus 3 %. Im Verlaufe wurde das Gejchäft etwas lebhafter, und unter Bevorzugung von I. E. Farben und Elektrowerten ergaben sich neue Kürsbesserungen von etwa 1 %. Neubesitzanleihe 8.45, Schutzgebiete 2.80, Barmer Bank 128. Commerzbank 154%, Danatbank 231%, Dresdner Bank 147, Reichsbank 283, Buderus 75, Gelsenkirchen 139, Aschersleben 214, Westeregeln 216%, Mannesmann 105%, Phönix 101%, Rhein. Braunkohlen 232, Rheinstahl 115, Stahlverein 95%, Aku 104%., A.E.G. 163, Berg­mann 200, Daimler 38%, Deutsche Linoleum 244, Licht u. Kraft 168%, I. E. Farben 163%164%, Felten 125, Eesfürel 171%, Holzmann 96, Metallgesellschaft 107, Rütgerswerke 76, Schuckert 188, Siemens 250, Aschaffenburger Zellstoff 153^4, Waldhof 209, Hapag 104%, Norddeutscher Lloyd 106.

Rindermarkt in Gießen vom 11. März. Auftrieb: 1013 Stück Groß- und Jungvieh und 185 Kälber. Lebhafter Handel, glat­ter Absatz. Kühe 1. Qualität 600700 97dl, Kühe 2. Qualität 400500 R-N, Kühe 3. Qualität 250350 R.R, Schlachtkühe 100400 R-st, %%jähtge Rinder 100220 R-N. %1%* jährige Rinder 200350 fRJl je Stück, Kälber 5560 Pfg. je Pfund Lebendgewicht.

Amtliche Berliner Notierungen vom 11. März.

* Börsenbericht. Tendenz: Leicht erholt. Die Stimmung bei der Börse war etwas freundlicher. Trotzdem sind die Rückwirkungen des Aus und Nieder des politischen Baro­meters an der Börse nicht ausgeblieden. Der ewige Tendenz­wechsel im Reichstag hat in seinen Rückwirkungen auf die Börse einen weiteren Engagementsabbau zur Folge gehabt. Da die kurzfristigen Spekulationsgeschäfte kaum die Spesen decken, hält sich die Spekulation weiter zurück. Die Provinz hatte einzelne kleine Kaufaufträge gesandt, doch blieb das Geschäft durchaus gering. Eine große Anzahl erster Werte wurden infolge mangelnden Interesses nicht notiert. Am Geldmarkt ging der Tagesgeldsatz aus 4 bis 6 Prozent zurück, Monatsgeld 6,75 bis 8,50, Warenwechsel 5,50 Prozent. Im weiteren Verlaus machte die Erholung Fortschritte.

* Devisenbörse. Dollar 4,194,20; engl. Pfund 20,39 bis 20,43; holl. Gulden 168,26168,60; Danz. 81,5281,68; franz. Frank 16,4016,44; schweiz. 81,1581,31; Belg. 58,4258,54; Italien 21,9722,01; schwed. Krone 112,54112,76; dän. 112,23 bis 112,45; vorweg. 112,19112,41; tschech. 12,4212,44; osterr. Schilling 59,0659,18; Argentinien 1,561,57; Spanien 52,15 bis 52,25.

* Produktenbörse. Die Weizenpreise waren unter dem Einfluß matterer überseeischer Berichte billiger. Prompt wie­der gestützt durch Mühlennachsrage. Notiz eine Mark billiger. Roggen wieder nicht stark angeboren. Deckungsbedars nahm Ware auf. Greife für vromvte Ware nur wenig billiger.

Lieferungspreise stärker ^drückt. Hafer gleichfalls matter. Für Mehl besteht zu sehr gedrückten Preisen allerkleinstes

Bedarssgcschäft.

Getreide und Olsaaten per 100 Kilogramm

Wetz., mârk pommersch

2togg.. märt Braugerste Futtergerste Sommergste. Wintergerste Hafer, märt.

pommersch. westpreutz. Weizenmehl

p. 100 kg fr. Brl.br.inkl. Sacklseinst. Mrk.ü.Not. Roggenmehl

p. 100 kg fr. Berlin br.

11 3.

232 235

139 144 160-170. 140-150

119-129

10 3. 232-235

141-145

160-170

140-150

120-130

26 7-34.0 27,0-34.2

ins I Sack 20 0-23 5 20.2-23.5

1000 Kilogramm, sonst in Reichsmark.

I 11 3

Weizkl. f.®ln. Sogfl. f. Bln. Raps Leinsaat Vikt.-Erbsen kl. Speiseerbs. Futtererbsen Peluschken Ackerbohnen Wicken

Lupin blaue Lupine, gelbe Seradella Rapskuchen Leinkuchen Trockenschtzl Sova-Schrol Torsml 30/70 Kartofselslck

8,0-8,5 7.27.7

20,025,0 18.0-20.0 160-17.0 16.0-18,0 16,0-18,0 18,0-23,0

per

10 8

8.08.6

20,0-25.0

18.0-20,0

16.017,0

16,0-18,0

16.0-18.0

18,0-23,0

12,5-140

12,5 14,0

16.0-17.5116.017,5

25,0-29,5 25,0-29,5 12,5 13 5 13.2-14,2 16,5-17.5'17 0-18.0 6.5 6.7 ! 6,5 6,7

13 3 14 3113,0 14.5

25,0-29,5

11.5-12.0 11,5-12,0

* Heu- und Strohnotierungcn. Roggenstroh (drahtgepreßis 1,101,30; Weizenstroh (drahtgepretzt) 1,051,20; Haserstroh (drahtgcpreßi) 0,901,00; Gcrstenstroh 0,951,05; Roggen­langstroh 1,151,35; Roggenstroh (bindfadengepreßt) 0,95 bis 1,15; Weizenstroh (bindsadengepreßt) 0,851,00; Häcksel 1,70 bis 1,90; Heu, handelsüblich 1,802,10; Heu, gutes 2,502,90; Timothy 3,604,00; Kleeheu, lose 3,604,00; Mielizyeu, Havel 1,701,90. Drahtgepreßtes Heu 40 Psennig über Notiz.

Berliner Schlachlviehmartt. (Amtlicher Bericht.) Bezahl! wurden für 50 Kilogramm in Mark: | n. 3. 7.3

Ochsen: 1 vollfl ausgemäsi höchst. Schlachiw., jg 5658 56 -58

2 sonstige vollfleischige

ältere

jung. 53-55 52

ältere -

55

3. jletschrge

i 4852 ; 48-51

4. gering genährte 40-46

Bullen: t jüngere, vollfl., höchst Schlachtwertes' 5854 2, sonstige vollfleischige oder ausgemästete : 5052

3 fleischige

4. gering genährte

I 48-49 : 43-47

Kühe: 1. jüngere, fleischige, höchsten Schlacytw ! 40 46 2. sonstige vollsleischige oder ausgemästele ; 8239 3 fleischige ! 28.-31

4 gering genährte 2327

Färsen: 1 vollst., ausgemäst., höchst Schlachiw 5054

2. vollfteischige

3. fleischige

Fresser: 1 mäßig genährtes Jungvieh

Kälber: 1 Doppellender bester Mast beste Mast- und Saugkälber

2. mittlere Mast- und Saugkälber

3 geringe Källier

46-48

39-45

38-46

. 75-81 60-75 4358

36-45 5254 50-52

48-49 4447

42-47 34-40

29-32 23-28 50-54 46-48

3745

37-46

73-80

6072

45-58

Schafe: 1. Mastlämmer u. ig Masih iWeidcmasti' ~

2 Mastlämmer und junge Mastham (Stallmast ' »86^ '>0-64 3 mittlere Mastlämmer, ältere Mastbammel

"^'5360

74

74 72-74 70-72 68-70

und gur genährte Schafe

Schweine: 1 Fettschweine über 300 Psd etwa 240300 Pfd

2. vollst Schweine v

3 vollst Schweine v.

4. vollst Schweine v.

5. fleisch Schweine

6 fleischige Schweine

7. Sauen

B.

etwa 200240 Psd etwa 160200 Psv etwa 120160 Psd unter 120 Pfd

8

52-58

71 70-71 7071 6770

s 6166 e> -

: 64

68

Auftrieb: 1326 Rinder, darunter 207 Ochsen, 414 Bullen,

Aunrreb: 1326 Rrnder, darunter 2U< ^apen, 414 «uu 705 Kühe und Färsen; 3115 Kälber, 3314 Schaff 602 dir

Schkachthos, 13 513 Schweine, 2012' feil. Dem

zum Schkachthos, 13513 Schweine, 2012 seit oem-tzHM"Dteh markt direkt zum Schlachthof, 985 Auslandsschweine. Ver­lauf: bei Rindern ruhig, in guter Ware ziemlich glatt, bei Kälbern ziemlich glatt, bei Schafen langsam, bleibt überstand, bei Schweinen ruhig, Schluß flau.

Berliner Butternotierungen. 1. Qualität 148, 2. Qualität 133, abfallende 117 Mark per Zentner.

Berliner Effektenfrühverkehr vom 12. März. Nachdem es schon gestern abend nach Annahme der Pounggesetze in zweiter Lesung allgemein lebhafter und fester geworden war, blieb die Stimmung auch im heutigen Frühverkehr recht zuversichtlich. Man nannte Geldkurse, die mehrprozentig über den gestrigen Schlußnotierungen lagen. So waren Schuckert 187 Geld, Sie­mens 251 Geld, Farben 164% Geld, Reichsbank 286 usw. Auch für den restlichen Markt ist in Erwartung des Fortfalles der Kapitalsertragssteuer am 1. 10. d. J. mit zunehmendem In­teresse zu rechnen. Am Devisenmarkt nannte man London-Paris 124.2325, -Mailand 92.83, -Spanien 39.7075, -Buenos 42.05, -Kabel 486.2025, -Berlin 20.38%39%, Kabel-Berlin 4.19.3040.

BI

steckt liegender Zuaven getroffen, ins Gras beißen. Schon seit 24 Stunden hatten wir nichts mehr genossen, und so war es be­greiflich, daß wir uns über die Tornister der Toten hermachten, um den aufkommenden Hunger zu stillen. Meistens juchten wir uns die Tornister der Zuaven aus, in denen reichlich Zwieback, Schokolade und Konserven zu finden waren. Als es daher nach Mitternacht hieß, die Feldküchen ständen in der Nähe von Beaumont, antreten zum Essenholen, da waren es nur einige, die davon Gebrauch machten. Kaum waren die paar Essenholer zur Stelle, kam auch schon Befehl zum Vorrü^n Èis an den Südwestrand des Waldes von Louvemont, um uns rechts von unserem 3. Bataillon einzuschanzen. Durch dichtes Unterholz ging es nun im Gänsemarsch Mann hinter Mann es war noch stockdunkel, so daß man kaum die Hand vor den Augen sehen konnte über die Höhe hinunter'in die Fossesschlucht. Als wir die Schlucht etwa 120 m in nordwestlichen Richtung passiert hatten, voran der Bataillonsführer, Hauptmann Penz, mit seinem Adjutanten und Leutnant Röhr ihnen folgend unsere 4. Kompanie, hörten wir zur Rechten fürchterliches Jammern. Hauptmann Penz wollte die Ursache festgestellt wissen und gab, sich umwendend, den Befehl, nachzusehën, was da los sei. Ich, an der Spitze des etwa noch 100 bis 120 Mann starken Bataillons gehend, lief sogleich nach rechts auf die andere Seite der Schlucht zu, wo ich einen Lichtschimmer sah, und stand gleich darauf vor dem Eingang eines Unterstandes. Wie aber war ich erschrocken, als ich, die Tür aufßtoßend, vor mir einen himmellangen Zuaven mit aufgepflanzbem Seiten­gewehr stehen sah. Ihm mag es wohl ebenso ergangen sein; denn er warf sogleich das Gewehr weg, streckte die Arme in die Höhe und riefPardon, Kamerad". Ich rief aus Leibeskräften dem in etwa 50 bis 60 m Entfernung marschierenden Bataillon zu: Das ganze Regiment hierher!", weil ich sah, daß der Unter­stand von französischen Truppen wimmelte. Es mögen etliche hundert Mann gewesen sein, darunter ein Zivilgeistlicher, die wir gefangennehmen konnten. Das Jammern rührte von den im Unterstand auf Holzpritschen liegenden Verwundeten her. Hätten diese nun gefangenen Franzosen gewußt, daß sie sich im Rücken einer dünnen, zum Teil nicht geschossenen deutschen Schützenlinie befanden, sie wären sicher durchgebrochen und hät­ten einen Teil der Unsrigen mitgenommen. Das unübersicht­liche Waldgelände aber, durchzogen von Schluchten, und der Umstand, daß tagszuvor der Kampf bis in die Nacht hinein ge­wütet hatte, brachten es mit sich, daß man hüben wie drüben nicht recht wußte, wie weit die Schützenlinien vorgedrungen waren. Mittlerweile kroch dunstig und grau der Morgen her­auf. und wir konnten rechts vom 2. Bataillon die uns zuge-- wiesene Stellung besetzen. Soweit es das Würzelwerk zuließ» wurde nun am Waldesrand ein Deckungsgraben ausgehoben Musketier Still, ein Westfale, und ich gingen hinunter in die Fossesschlucht, um uns nach- und Trinkbarem umzusehen. Welch ein grauenerregendes Bild in dieser Schlucht! Stapel-

Umstand, daß tagsai wütet hatte, bracht'

weise hatten die Franzosen ihre Toten aufgeschichtet., von Flam­menwerfern halb verbrannte, aufgedunsene Pferdeleiber lagen herum, Geschütze und sonstiges Material, zum Teil zerschossen, standen umher. Ueberall, wohin man blickte, das von einem wüsten Kampf zeugende Schauspiel. Es gehören wahrlich stählerne Nerven dazu, ein solches Bild ohne heftigen Ekel zu beschauen. Zunächst untersuchten wir die verlassenen, in den felsigen Ostabbana eingehauenen Unterstände und holten aus den haufenweise heiumliegenden Tornistern Konserven, Weiß­brot, Schokolade und sonstiges Eßbare. In einem Unterstand fanden wir eine Küche eingerichtet, da war Kaffee und Zucker in Hülle und Fülle. Sogleich wurde in einem transportablen Kessel ein starker Bohnenkaffee gebraut mit einer gehörigen Portion Zucker darin und den steilen Hang hinauf zu unseren grabenaushebenden Kaineraden geschafft. Mit drei Mann gingen wir dann noch einmal zurück, um das übrige Eßbare zu holen und entdeckten zu unserem Erstaunen noch einen Unterstand, der voll mit neuer Wäsche und Schuhen war. Daß wir da angesichts der neuen Eroberung unsere Unterwäsche wech­selten. war ganz selbstverständlich. Ich verpaßte mir noch ein Paar Schuhe. die ich nachher im Tornister verstaute, und gerade diese Schuhe haben mir am Nachmittag, als wir das Dorf Louvemont stürmten, wenn nicht das Leben gerettet, so doch vor einer weiteren Verwundung mich bewahrt. Es gibt eine alte Weisheit, die sagt, wenn der Mensch satt ist. dann ist er zufrieden; auch wir hätten es sein können, wenn nicht der Krieg in Form von schweren feindlichen Granaten unb_ Feuerüber­fällen dauernd zwischen unser Dasein gefunkt hätte. Selbst unsere Artillerie, die wahrscheinlich von dem Stand unserer Schützenlinien nicht richtig unterrichtet war schoß in unsere Reihen, in der Hauptsache war es der linke Flügel, der durch die eigene Artillerie starke Verluste erlitt.

Gegen Mittag wurde das 2. Bataillon, das bisher als Reserve in Merles lag, herangezogen und zwischen dem Erena- dierregiment 8 und dem 3. Bataillon eingeschoben. Durch die Stellung ging dann der Befehl zum Angriff auf Louvemont für 2 Uhr. Pünktlich um 2 Uhr verließen die ersten Wellen den Graben, nachdem unsere wackere Artillerie in vier­stündigem Trommelfeuer das Dorf und die feindlichen Gräben vor und seitlich davon mit Granaten allen Kalibers belegt hatte. Wir hatten erst etwa 300 m ansteigendes Gelände zu überwinden, das nach dem Dorf zu dann wieder abfiel. Kaum «aber hatten wir unsere Stellung verlassen, als ein mörderisches Sperrfeuer seitens der Franzosen einsetzte, unterstützt von hefti­gem Maschinengewehrfeuer aus dem Dorf und der seitlich lie­genden Höhe. Unter ungeheuren Verlusten gewannen wir die Höhe vor uns. Hinter und vor uns liegt das Sperrfeuer, an ein Weiterkommen ist vorerst nicht zu denken; wir sind den feindlichen Salven und Maschinengewehren ausgesetzt. Was nicht tot oder verwundet ist. versucht zurückzulaufen; aber auch dabei ereilt viele das Schicksal. Ich war mit noch einigen

Mann der vorderen Welle heil über die Höhe weggekommen und versuchte im Dorwärtslaufen ein schützendes Eranatloch zu erreichen. Leider hatte ich nicht das Glück und warf mich daher in einer kleinen Bodensenkung nieder, meinen Tornister als Deckung gegen das auf mich gerichtete Gewehr- und Mascha nengewehrseuer benutzend. Kaum hatte ich einige Schuß auf die im Graben norm Dorf stehenden aus einem Maschinenge­wehr feuernden Gegner abgegeben, als ich einen Streifschuß unter der rechten Achselhöhle und gleich darauf einen Schuß durch die rechte Brustseite erhielt. Ein Glück für mich waren die am Morgen in den Tornister gepackten französischen Schuhe; denn diese hatten noch zwei Schuß, die vielleicht die linke Brust hätten treffen können, ausgehalten. An ein Zurück war nicht zu denken, und es wäre auch der sichere Tod gewesen; ich blieb liegen und mußte mit zusehen, wie die Franzosen auf der ganzen Linie zum Gegenangriff einsetzten. Doch verheerend schlugen unsere Granaten in die vorbrechenden feindlichen Linien und die dahinter folgenden Kolonnen ein. Der Angriff kam ins Stocken, und in wilden Chaos flutete der Gegner zurück. Diese Situation benutzten die Unseren, um nachzustoßen, und nach vierstündigem bèißem Kampf war das Dorf Louvemont in deut­schem Besitz. Das 2. Bataillon hatte besonders große Verluste erlitten. 627 Mann an Toten, Verwundeten und Vermißten hat das Regiment an diesem denkwürdigen Tag eingebüßt.> schleppte mich zurück bis an ein verlassenes Grabenstück, wo ich von 2 Mann unserer Kompanie, die eben unseren Zugführer Vizefeldwebel Schmidt verbanden, verbunden werden konnte. Mit 2 Sanitätern, die in einer Zeltbahn einen Schwerverwun­deten trugen, ging ich über Beaumont zurück, bis auf die Straße, die nach Ville führt. Am Straßenrand bin ich, wahrschein­lich infolge des Blutverlustes, zusammengebrochen. Eine Train­kolonne, die Munition nach vorne geschafft hatte, nahm mich später mit zum Hauptverbandsplatz.

Wenn ich hier meine Abhandlung beende, so habe ich damit nur einen ganz kleinen Ausschnitt aus dem gewaltigen Ringen von Verdun gegeben und nur insoweit, als es mir noch erin­nerlich ist und ich an Hand von Aufzeichnungen nachzusehen im Stande bin. Die weiteren Kämpfe, besonders um die Forts und deren feste Besitzergreifung, müssen noch viel schlimmer ge­wesen sein, wenn man bedenkt, daß das Kampfgebiet von Verdun Hunderttausenden das Leben gekostet hat.

Selbst die anfänglich teuer erkauften Erfolge können nicht darüber hinwegtäuschen, daß Verdun für uns eine Niederlage war, die mit ausschlaggebend war für den Ausgang des Krieges überhaupt. Wohl kein Kampfabschnitt forderte von Führer wie Mann soviel Aufopferung und Mut. als die Kämpfe um Verdun. Auch das Regiment 116 hat erheblichen Anteil an dem Heldentum, das noch von sväteren Geschlechtern mit Bewunde­rung anerkannt werden wird. N.