Zul-aer Anzeiger ZulSo J Statt 2
Nr 52 Montag 3. März 1930
Die Beratungen der Generalsynode.
Wahlen zum Kirchensenat.
Die Generalsynode der Allpreußischen Union nahm die Wahlen sum Kirchensenat vor, der die oberste Instanz der altpreußlschen Landeskirche darstellt und die Generalsynode außerhalb ihrer Tagungen, die nur alle vier Jahre stattfinden, vertritt. Die einstimmige Wahl entfiel aus folgende Abgeordnete: Superintendent Dr. Schäfer-Remscheid, Arbeitersekretär Hartwig-Berlin, Fabrikant Siebel-Westfalen, Professor Dr. Kähler-Greifswald, Rittergutsbesitzer Blohmeyer-Schlesten, Senior D. Fischer- Erfurt, Senatspräsident Preiser - Berlin, Oberbürger- mecster Snay-Görlitz, von Arnim-Kröchlendorf, Justizrat Hallensleben-Berlin und Rektor Bohnenkamp-Minden (Westfalen). Außerdem gehören dem Kirchensenat krast ihres Amtes an der Präsident der Generalsynode D. Winckler und seine beiden Stellvertreter D. Wolff und Gras von Seydlitz-Sandreczky, ferner die Vorsitzenden der Provinzialkirchenräte, der Präsident, die Vizepräsidenten und zwei Mitglieder des Evangelischen Ober- tirchenrates und die Vorsitzenden der Konsistorien in den einzelnen Kirchenprovinzen.
Die Generalsvnode beriet ferner über das Kirchen- gesetz, über die Verwendung der Kandidaten des Pfarramtes im Hilfsdien st der Kirche. Der vom Kirchensenat vorgeschlagene Entwurf bestimmt, daß die Kandidaten des Pfarramtes für die Dauer eines Jahres zum Hilfsdienst in der Kirche verpflichtet sind; erst nach Absolvierung dieses Jahres können sie in einem ordentlichen Pfarramt angestellt werden. Der Zweck des Gesetz ist, eine gewisse praktische Ausbildung der Kandidaten vor ihrem Eintritt in das Pfarramt zu gewährleisten und außerdem eine größere Beweglichkeit in dem Einsatz der geistigen Kräfte herbei- zusühren, wie dies die ständig wachsenden Aufgaben der Kirche erfordern.
Der Berichterstatter des Ausschuffes, Generalsuper- intendent Schian-Breslau, betonte, daß durch die Einführung des Pflichliahres der Kirche ein „fliegender Trupp" von Kandidaten zur Verfügung gestellt werde. Auf diese Weise werde es möglich sein, die Versorgung unbesetzter Pfarrstellen insbesondere in den Grenzgebieten und in den schnell wachsenden Siedlungsgebieten der Großstädte durchzuführen.
Nach einer kurzen Aussprache, in der u. a. Präsident v. Burghart für den Evangelischen Oberkirchenrat das Wort ergriff, wurde der Gesetzentwurf nach den Ausschuß- beschlüssen angenommen.
Törichte Gerüchte über den Berliner Dom.
Keinerlei Grundlage.
Ein Blatt in Magdeburg hatte eine Meldung verbreitet, nach der ernsthafte Bestrebungen im Gange sein sollten, den Berliner Dom an die katholische Kirche ab- -«treten. Da der Berliner Dom Staats- und nicht Kirchen- eigentum sei, liege die letzte Entscheidung in dieser Sache bei der preußischen Regierung.
In Wirklichkeit ist schon die Rechtslage anders, wie auS ver Mitteilung einer maßgebenden Persönlichkeit an den „Evangelischen Pressedienst" hervorgeht, daß solche Gerüchte jeder Grundlage entbehren. Selbst wenn überhaupt der Gedanke einer Übertragung des Berliner DomS an die katholische Kirche in gewissen Kreisen erwogen sein sollte, so würde für seine Ausführung jede Rechtsgrundlage fehlen. Der Berliner Dom ist nicht Staatseigentum, sondern im Besitz einer Stiftung, deren Organ das Domkirchenkollegium ist, dem die Verwaltung deS Doms in völliger Selbständigkeit zusteht.
Ganz abgesehen von diesen Tatsachen ist wohl anzunehmen, auf katholischer Seite bestehe überhaupt kein Wunsch nach dem Besitz des Doms, da die in der Minderzahl in Berlin befindlichen Katholiken die repräsentative HedwigS-Bafilika in der Reichshauptstadt zur Verfügung haben.
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Segen den Unglauben des Bolschewismus.
Kardinal Schulte über die Religionsverfolgungen.
Am Schluß seines diesjährigen Fastenhirtenbriefes geht der Erzbischof von Köln, Kardinal Schulte, auf die Religionsverfolgungen in Sowjetrußland ein. Er sagt darüber u. a.: In dem gewaltigen Ruffenreiche ist der Unglaube des Bolschewismus bereits daran gegangen, einen planmäßigen Vernichtungskampf mit unglaublicher Grausamkeit gegen Kirche und Christentum ru führen und überhaupt gegen alle und jede Religion. Der Kardinal erinnert sodann an den Protest des Papstes und sagt weiter: Alle Zeichen der Zeit deuten darauf, daß die Stunde nahe ist, wo die Völker sich entscheiden müssen, ob aer Unglaube oder der christliche Glaube ihnen die maßgebende Antwort auf die Frage aller Fragen nach dem Tinne des Lebens geben soll. Der Unglaube, der euch heute bekämpft, ist der Geist vom Geiste der gottlosen Führer in Rußland.
»Esche Schlägerei bei einer Beerdigung.
In Berlin fand die Beerdigung des ermordeten na- uonalsozialistischen Studenten Wessel statt. Infolge
großen Anteilnahme persönlicher und politischer Leid- aagender geriet der Trauerzug ins Stocken, besonders in- l°lge der bedeutenden Anzahl politischer Gegner, oie sich versammelt hatten. Plötzlich begannen die Demon- lranten den Trauerzug mit Gejohle anzugreifen, versuch- len die Studentenvertreter aus den Autodroschken zu reißen und sangen die Internationale. Die Nationalsozia-
- fetzten sich zur Wehr. Es entstand eine große l^.^gelei, bei der es um so gefährlicher herging, als ^,^°e Parteien größtenteils in Zivil erschienen waren, so Freund und Feind sich gegenseitig kaum erkennen L , Auch die Polizei konnte die Parteien nicht aus- galten. Als daraufhin eine Anzahl Schüsse r eu wurden, ging die Polizei mit dem Gummi- Segen die Streitenden vor. Eine große Anzahl cu.J®nc? „^urbe in verletztem Zustande in verschiedene
Die Polizei nahm mehrere
Beginn des indischen Freiheitskrieges?
„Ein in der Weltgeschichte noch nicht dagewesener Kampf."
Einer Meldung aus Ahmedabad zufolge sind dort Vater und Sohn Nehru zu einer Besprechung mit Ghandi eingetroffen. Ghandis Hauptstütze in seinem Kampf für die Freiheit Indiens, Patel, erklärte, daß ein bisher in der Weltgeschichte noch nicht dagewesener Kampf in den nächsten Tagen einsetzen werde. Diejenigen, die den Tod fürchteten und die Reichen, die um ihr Vermögen besorgt seien, sollten auswandern. Wie verlautet, wird das letzte Ultimatum Ghandis an den Vizekönig Lord Irvin nur mit dessen Genehmigung veröffentlicht werden. Im übrigen rechnet man englischerseits mit dem Beginn des „Ungehorsamkerts- feldzuges" innerhalb der nächsten vierzehn Tage.
Der neue Herr der preußischen Giaatsiheater.
Tietjen, Generalintendant von Berlin, Kassel und Wiesbaden.
Der preußische Minister für Wiffenschaft, Kunst und Volksbildung hat dem Generalintendanten Tietjen die Verwaltung sämtlicher preußischer Staatstheater in B e r l i n, Ka s s e l und W i e s b a d e n übertragen. Die künstlerische Selbständigkeit der einzelnen Institute bleibt bestehen. _ ,
Der Generalintendant ist ferner mit der Wahrnehmung der Angelegenheiten der preußischen Staatstheater im Ministerium in der gleichen Weise betraut worden, wie dort seit mehreren Jahren der Generaldirektor der Museen tätig ist
Oie Eröffnung der Leipziger Messe.
Hoffnung auf Segen.
In Leipzig fand unter großer Beteiligung des Auslandes, sowohl als Aussteller wie Besucher, die feierliche Eröffnung der Frühjahrsmesse statt. Die Messe bietet in allen ihren Teilen eine gewaltige Schau, besonders des deutschen Gewerbefleißes. Der Auftakt der Veranstaltung und der erste Gang der Besichtigung läßt hoffen, daß trotz der mißlichen Wirtschaftsverhältnisse der Erfolg für die zahlreichen Aussteller zufriedenstellend sein wird.
Zu der Eröffnung hatte Reichspräsident» an Hindenburg ein Telegramm gesandt, in dem er sein großes Interesse für die Veranstaltung betont und ihr viel Glück und guten Erfolg wünscht.
Das Urteil gegen Regierungsrat Fabricius
Dienstentlassung mit teilweiser Pension.
Der Vorsitzende der Reichsdisziplinarkammer Berlin I, Senatspräsident Großmann, verkündete gegen den Regierungsrat Dr. Fabricius, gegen den das Verfahren wegen Entfernung eines offiziellen Plakats gegen das Volksbegehren eingeleitet war, folgenden Spruch:
„Der Angeschuldigte ist des Dienstvergehens schuldig und wird deshalb mit Dienstentlassung bestraft. Auch hat er die baren Auslagen des Verfahrens zu tragen. Es werden ihm jedoch neun Zehntel seines gesetzlichen Ruhegehaltes auf ein Jahr und drei Fünftel auf weitere drei Jahre zugesprochen."
In der B e g r ü n d u n g führte der Vorsitzende u. a. aus: Die Meinungsfreiheit des Beamten finde eine Schranke nicht nur durch die allgemeinen Gesetze, sondern auch durch die Beamtengesetze. Kein Staat der Welt könne es sich gefallen lassen, wenn seine Beamten gegen die Autorität des Staates verstießen. Der Angeklagte habe die Republik in gehässiger Weise verächtlich gemacht und die Reichsflagge herabgesetzt. Bei Beurteilung des Gesamtverhaltens ständen dem Angeschul- digten auch eine Anzahl Milderungsgründe zur Seite: fein einwandfreies Verhalten im Felde und im Dienste, seine Motive, die nicht aus Mangel an Anstand entsprungen, sonder« durch Fanatismus geleitet worden seien. Aber ein Verbleiben im Reichsdienste sei doch unmöglich.
Vor der Anklage in der Sprengstoffaffäre.
27 Angeschuldigte.
Die Voruntersuchung gegen die Sprengstoffattentäter ist im wesentlichen abgeschlossen. Es ist die Aufklärung der Sprengstoffanschläge in Winsen, Beidenfleth, Wesfelburen, Itzehoe, Oldenburg, Niebüll, Schleswig sowie der drei Lüneburger Attentate gelungen. Nicht vollständig geklärt ist bisher das Sprengstoffattentat aus den Reichstag sowie kleinere Anschläge in Schleswig-Holstein. Hinsichtlich der Vorgänge in den Bezirken Schleswig-Holstein, Oldenburg und Hannover ist die Sache — im besonderen infolge der von der Mehrzahl der Angeschuldigten abgelehnten richterlichen Geständnisse — abschlußreif. Es dürfte mit einer Anklageerhebung gegen etwa 27 Angeschuldigte wegen Verbrechens gegen die Paragraphen 5, 6 und 7 und wegen Vergehens gegen Paragraph 13 des Sprengstoffgesetzes bzw. wegen Begünstigung, Beihilfe und Diebstahls zu rechnen sei.
Das Siamantenhalsband der Erzherzogin
Ei» gestohlener Millionenschmuck wiedergefunden.
Das kostbare Diamantenhalsband der Erzherzogin Maria Theresia, das vor einigen Jahren auf unerklärliche Weise gestohlen wurde, ist nunmehr bei einem bekannten Newyorker Juwelier gefunden worden. Der, Schmuck, der 214 Millionen Mark wert ist, ist, wie der Juwelier erklärte, für 60 000 Dollar vom englischen Oberst Townsend verkauft worden, der sich als Treuhänder der Erzherzogin ausgab.
Brandstifter am Werk.
82 Rinder verbrannt.
Auf der Domäne Klein Memerow bei Burg Stargard entstand in dem strohgedeckten Viehhause des Gutes ein Brand, der sich mit rasender Schnelligkeit über das ganze Gebäude ausbreitete. Trotz der sofort von allen Seiten herbeieilenden Hilfsmannschaften war es nicht möglich, alles in den Ställen stehende Vieh zu retten, es gelang nur, 42 Stück Jungvieh und Kälber zu bergen. 8 2 S t ü ck Rindvieh, wertvolle Milchkühe und einige Bullen fielen den Flammen zum Opfer. Außerdem sind erhebliche Futtervorräte und auch landwirtschaftliche Maschinen verbrannt. Als Entstehungsursache des Feuers wird Brandstiftung vermutet.
Der amerikanische prof.Snook Hingerichiet
Der Mörder seiner Geliebten.
Unter ungewöhnlicher Anteilnahme der Allgemeinheit wurde in Newyork der Professor Jarncs H. Snook auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Seit vielen Tagen schon wurde ganz Amerika über alle Einzelheiten, die der Hinrichtung vorangingen, unterrichtet. In aller Ausführlichkeit wurde erzählt, was Snook bei seinen letzten Mahlzeiten verzehrt, wie er geschlafen hatte, und daß der tödliche Strom, der seinem Leben ein Ende setzen würde, 1950 Volt stark wäre.
Professor Snook, verheiratet und Vater mehrerer Kinder, hatte ein Verhältnis gehabt und hatte dann während einer Autofahrt seine Geliebte, ein Fräulein Hix, getötet. Das Mädchen, sagte er, habe ihn veranlassen wollen, seine Frau zu verlassen, und er habe sich der wütenden Eifersucht der Geliebten, die in tödliche Bedrohung ausgeartet sei, nicht mehr erwehren können. Das Todesurteil wurde auf Grund eines Indizienbeweises gefällt und trotz aller Gnadengesuche von allen Instanzen bestätigt. Die Hinrichtung hat vor allem wegen der gesellschaftlichen Stellung des Verurteilten ein ungewöhnliches Aufsehen erregt.
Doppelmord und Postraub.
In der in der Nähe von Fünskirchen in Ungarn gelegenen Ortschaft Szabanta haben bisher unbekannte Täter die 54jährige Postmeisterin Ileana Bodenlos und ihre bei ihr wohnende 72jährige verwitwete Schwester mit Beilhieben ermordet. Die Täter hatten vermutlich unter dem Vorwande, telephonieren zu wollen, Einlaß erhalten und dann die Tat begangen Aus der Postkaffe sind von den Mördern 3200 Pengö geraubt worden.
7tah und Zern
O Der frühere Großherzog von Mecklenburg-Schwerin will keine Zeitung herausgeben. Bei der Zwangsversteigerung des Gebäudes und der Druckerei der früheren Kommanditgesellschaft Dietzsch u. Co., Schwerin, des Verlages der früheren deutschnationalen Tageszeitung Mecklenburger Nachrichten hat, wie berichtet wurde, die Vermögensverwaltung des früheren Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin das Meistgebot abgegeben. Jetzt wird mitgeteilt, daß der frühere Großherzog nicht die Absicht habe, eine Zeitung zu übernehmen. Die Vermögensverwaltung habe sich an der Zwangsversteigerung nur deshalb beteiligt, weil sie finanziell an dem Unternehmen interessiert gewesen sei.
O Brandstiftungsepidemie. In der Rotthaler Gegend (Niederbayern) ist eine Brandstiftungsepidemie ausgebrochen. Innerhalb einer Woche sind allein in der Umgegend von Pfarrkirchen sechs Großfeuer ausgebrochen. Alle diese Feuersbrünste sind auf Brandstiftung zurückzuführen.
O Bombenexplosion in einem amerikanischen Nachtlokal. In einem Nachtklublokal in Chikago explodierte unter dem Orchesterpodium ein Bombe. Da die Explosion während einer Tanzpause erfolgte, wurde nur ein Musiker verletzt. Der Saal, das darunterliegende Stockwerk und ein anstoßendes Hotel wurden beschädigt. Der Anschlag steht im Zusammenhang mit dem Streik unter den Spirituosenhändlern.
0 Wassen aus der Luft für eine Sträflingsrevolte. Ein Flugzeug, das längere Zeit in geringer Höhe über dem Staatsgefängnis Auburn im Staate Newyork, in dem im letzten Jahre wiederholt Gefangenenaufstände erfolgt waren, kreiste, verursachte eine erhebliche Aufregung, da man vermutete, daß aus dem Flugzeug Waffen für die Sträflinge abgeworfen werden sollten. Als 60 Polizisten mit Maschinengewehren Feuer auf das Flugzeug eröffneten, verschwand es. Zum Schutze des Gefängnisses wurde Staatsmiliz mobilisiert.
0 Erdrutsche in der Umgebung von Palermo. In der Umgebung von Palermo haben Erdrutsche großen Schaden angerichtet. Außer Weinbergen und Obstgärten sind auch zahlreiche Häuser zerstört oder beschädigt worden. Durch die abstürzenden Erd- und Steinmassen wurden an drei Stellen Gebirgsflüsse verschüttet. Infolgedessen staut sich das Wasser und wird zur Gefahr für die weiter talwärts liegenden Siedlungen und besonders für die Brücken der Flüsse.
Bunte Tageschronik
Witten. Die Seilsabrik Schulte-Bellinghausen ist durch ein Feuer vollständig zerstört worden. Große Mengen Hans und Teer fielen den Flammen zum Opfer.
Rengsdorf i. Westerwald. Im Alter von fast 82 Jahren starb auf seinem Landsitz Kommerzienrat Friedrich Henckel, der Begründer der Henckel-Werke.
Glücksnummer 2*12188.
Das Große Los der Preußisch-Süddeutschen Lotterie.
Viele, nein, die meisten von uns sind wieder um eine schöne Hoffnung ärmer: es find das alle diejenigen, welche seit langer, längerer oder kürzerer Zeit mit heißem Bemühen an der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie als Mitspieler beteiligt sind und bei jeder Ziehung der berühmten 5. Klasse besagter Lotterie auf das nicht minder berühmte, aber beinahe schon sagenhafte „Große Los" rechnen. „Diesmal gewinne ich's bestimmt!" denkt jeder bei Beginn der Ziehung. — „So eine Gemeinheit! — nicht einmal ein Freilos habe ich gewonnen!" sagen die meisten nach Schluß der Ziehung. So ist das Leben!
Bei der jetzt im Gang befindlichen Ziehung der, Preußisch-Süddeutschen hat das Große Los ziemlich lange auf sich warten lassen: die Spieler mußten drei Wochen „in schwebender Pein langen und bangen" oder hangen und bangen, ehe sie über ihr trauriges Schicksal — das Schicksal, das Große Los nicht gewonnen zu haben — Sicheres erfuhren. Jetzt aber ist es endgültig heraus, das Große: auf die Nummer 217 188 ist es gefallen. Eigentlich sind es ja zwei Große Lose von je 500 000 Mark, denn in der Preußisch-Süddeutschen wird jede Losnummer in zwei Abteilungen gespielt, so daß es eine Nummer 217 188 A und eine Nummer 217 188 B gibt. In der ersten Abteilung fiel das Große Los nach I e n a, in der zweiten nach Bremen. In Jena wird die Glücksnummer in Achteln gespielt, so daß jeder der acht Spieler 50 000 Mark ausgezahlt erhält. Für „Lotterielaien" ist hier zu bemerken, daß von jedem Gewinn von vornherein 20 Prozent abgezogen werden, so daß statt der nominellen 500 000 Mark in Wirklichkeit nur 400 000 Mark ausgezahlt werden. Aber 50 000 Mark sind schließlich auch eine runde, nette Summe. InBremen aber wurde die Glücksnummer in Halben gespielt, so daß cs dort nur zwei Gewinner gibt, von denen jeder 200 000 Mark bekommt, was noch erfreulicher ist als „nur" 50 000 Mark.
Allen anderen Spielern aber, denen das „Große" in so schmählicher Weise durch die Lappen gegangen ist, bleibt jetzt noch die Hoffnung auf die Schlußprämie, die je gleichfalls 500 000 Mark beträgt und gleichfalls in zwe: Abteilungen zu gewinnen ist. Hoffen wir also das Beste lieber Leser!