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Aus der Fülle sei nur einiges aufgeführt. Das in den verschiedensten Variationen immer wieder wirksame Thema:Mann Frau" brachte auch gestern abend dem Vortragenden reichen Beifall (Lied non den lugen Madeln, Maikaterlied, Tänze und Ehe). Aehnlich war es mit zahl­reichen Satiren (z. B. gegen Auswüchse des Sportgedan- kens: vom Alter, das nur zu gern wieder jung ,mn mochte: vom Vereinsredner, der nicht enden wollende Satzgebilde baut). Besonderen Beifall fand der unfreiwillige Humor, der in den Aufsätzen einiger Kinder, sowie auch aus Zu­schriften von Eltern an die Lehrer ihrer Kinder zum

Ausdruck kam. ,. . .

Herr Senff-Georgi zeigte sich als routinierter Vor- traaskünstler. Durch Gebrauch aller Register seines Stimm­apparats, durch lebhafte Mimik, aber wohl auch durch manche andere Mittelchen (gehäufter Gebrauch von Hiljs- zeitwörtern, Verwendung einer ganzen Sammlung ver­schiedenfarbiger Taschentücher pp.) sowie durch den rm Stoff liegenden Humor erweckte er immer wieder Beifall und ließ die Sorgen des Alltagslebens einige Stunden vergeßen.

Besonders im ersten Vortragsteil war zuweilen zum Verständnis angestrengte Aufmerksamkeit nötig. Dies mag zum Teil an der Sprechweise des Redners gelegen haben, zum nicht geringen Teil aber auch an der Akustik des nur mäßig besetzten Saales.

Das Ortskartell Fulha des Deutschen Beamtenbundes hatte für Samstag, den 25. Januar 1930 in den roten Saal des Stadtsaales eine Beamtenversammlung einberufen.

In der Begrüßung konnte der Vorsitzende, Stadtober- rentmeister Jung, mit Freude feststellen, daß 120 Beamte dem Ruf gefolgt seien, daß also gegen frühere Veranstal­tungen eine Besserung im Besuche zu verzeichnen sei. Er glaubte aber trotzdem daraufhinweisen zu müssen, daß diese Zahl immerhin erst 1h der in den dem Ortskartell ange­schlossenen Organisationen vorhandenen Mitglieder aus­mache. Bei dem Ernst der Lage, in der gerade jetzt das Be- rufsbeamti-ntum sich wieder befinde, dürfte man doch eigentlich ein weit größeres Interesse an derartig auf­klärenden Versammlungen erwarten. Die Beamtenschaft dürfe die Entwicklung der Dinge um sie nicht fatalistisch als etwas Zwangsläufiges hinnehmen, sie müsse ihr viel­mehr wohlgerüstet begegnen und zumindest den Versuch machen, sie in solche Bahnen zu lenken, wie es ihr eigenes und das Interesse der Volksgesamtheit erheische.

Als Referent des Abends konnte er sodann Herrn Re­gierungsrat Dietrich aus Kassel, den verdienten Vor­sitzenden des Vezirkskartells Hessen-Nassau-Nord begrüßen, der in über l^ftünbigein Vortrag über das ThemaUm das Berufsbeamtentum" sehr aufschlußreiche Ausführun­gen brachte, etwa folgenden Inhalts:

Die außen- und innenpolitische Entwicklung der Dinge unseres Vaterlandes hat in der Nachkriegszeit das Berufs­beamtentum in einem solchen Maße in den Kreis der all­gemeinen Betrachtungen und Kritik gezogen, daß sich die Beamtenschaft nicht mehr wie einst gleichsam wie hinter chinesischen Mauern einschlietzen kann. Sie muß aus sich herausgehen, sie muß zeigen, daß sie nicht alles tatenlos über sich ergehen lassen will, und Anteil nehmen an der Gestaltung auch ihrer Belange, die nicht nur materialisti­scher Art sind.

Wie berechtigt gerade jetzt wieder die- Sorge um das Berufsbeamtentum sei, zeigte der Redner an den Beispie­len bei der Reichsbahn, bei der Reichspost, bei der Preuß. Staatsbank und bei den Kommunalverwaltungen. Hebers all die auf eine Verdrängung des Berufsbeamtentums hinzielende Tendenz. Viel ernster aber würde es um die­ses Problem, âMe der Lânveâilung aus dem Voungplan, der unser Volk noch bis 1988 knechten soll, noch brennender geworden sei.

Bedauerlich sei es, feststellen zu müssen, wie aber auch jetzt schon aus den verschiedensten Lagern die Angriffe kon­zentrisch gegen die Beamtenschaft geschleudert würden. Für berechtigte Kritik habe die Beamtenschaft Verständnis, nickt aber für unsinnige, unsachliche und bewußt entstel­lende, in ihrer Tendenz nicht zu verkennende Angriffe. Wenn immer wieder behauptet würde, auf 10 Einwohner entfiele im Deutschen Reiche ein Beamter, so stimme dies nicht. Das Verhältnis sei vielmehr wie 100 zu 2. Auch die immer wiederkehrende Behauptung, der Behörden- apparat arbeite wegen seiner übergroßen Beamtenzahl in Deutschland viel zu kostspielig, hält den Tatsachen nicht stand. Statistische Ermittlungen, die aber nicht etwa von der Beamtenschaft angestellt sind, haben ergeben, daß aus den Kopf der Bevölkerung an Verwaltungskosten entfallen in Deutschland 180 R-N, in England und Amerika etwa 300 R-1i, in Schweden und Frankreich etwa zwischen 2 bis 300 R-1l und in Polen etwa 150 R-N.

Aber auch die in 1927 den Beamten gewordene Be- soldungserhöhung läßt weite Kreise noch immer nicht zur

kommen und ist immer wieder der Angelpunkt zu gehässigen Angriffen. Dabei zeigt eine Betrachtung der Entwicklung des Lebenshaltungsindex recht deutlich, daß sie ^ur zu berechtigt war, und daß das damalige kleine Mehr den Beamten schon längst wieder abgenommen ist. Ge­genüber den fantastischen Zahlen, die auch immer wieder aufgewärmt und unbefangenen Lesern von einer gewissen vorgeführt werden, muß festgestellt werden, daß die T>^7er Reform für das Reich pro Jahr etwa 330 Millionen

ausmacht. Davon entfallen auf Veamtengehälter aber nur 27 %, auf Ruhegehälter 15,7 % und auf die Grs Mung der Bezüge der wahrlich nicht zu beneidenden Kriegsopfer 50 %.

So erfreulich die Feststellung ist, daß Kleinhandel und Gewerbe, die wie die Landwirtschaft sicher notleidend sind, letzten Endes ja aber auch mit den Festbesoldeten stehen und fallen, sich neuerdings von diesen Hetzereien fernhalten, um so bedauerlicher sei es, feststellen zu müssen, daß leibst gewisse Arbeitnehmerkreise ein Verdienst darin zu suchen scheinen, mit den Kreisen, die sichdie Wirtschaft" nennen, im Kampfe gegen das Berufsbeamtentum in e i n Horn zu blasen. Gewisse Kreise der Wirtschaft schienen fast darauf bedacht zu sein, sich an Unsachlichkeit in den An­griffen gegen das Berufsbeamtentum noch gegenseitig überbieten zu wollen. Wer aber Kritik üben will, der muß sich auch eine solche gefallen lassen. Wieviel Angriffs­punkte aber bietet nicht gerade diese Wirtschaft mit ihrer Kartell-, Konzern- und Trustpolitik mit allen ihren Aus­schutzen. mit ihrer Wirtschaftsbürokratie, mit ihren horren­den Gehältern, gegen die nach einer Auslassung der Frank­furter Zeitung selbst die höchsten Reichsbeamten mit ihren Bezügen nur arme Schlucker seien.

Wenn nun auch noch behauptet wird, die Beamtenschaft wehre sich gegen eine Rationalisierung des Behörden­apparates, so stimmt das auch nicht. Die Beamtenschaft will und verlangt vielmehr nach einer Verwaltungsreform, aber nur einer gesunden. Sie ist sogar bereit, wenn es sein muß, auch ihrerseits Opfer zu bringen. Wogegen sie sich aber im Interesse der Volksgesamtheit wehrt, ist eine -Nationalisierung nur um der Rationalisierung willen, die wie bei so manchen Wirtschaftskörpern fehlschlagen muß und nur auf einen Veamtenabbau unseligen Angedenkens Muauslaufen soll. Bezeichnend sei es aber auch, daß ge- raoe dann, wenn praktische Reformen durchgeführt werden

- die Kreise oftmals schärfsten Widerspruch geltend machen, die sonst am lautesten darnach rufen.

Wie unzutreffend weiter die Behauptung ist, daß An­gestellte billiger arbeiteten als Beamte zeigen recht deut­lich die Ausführungen, die der Herr Reichsfinanzminister beim Nachtragsetat bei der Begründung der Vesoldungs- erhöhung für sein Ressort macht.Außerdem hat der Weg­fall von Beamtenstellen auf Grund des § 40 R.V.E. zur Folge gehabt, daß den Angestellten zum Teil höher zu be­wertende Arbeiten übertragen, und daher nach den tarif­lichen Bestimmungen zahlreiche Angestellte in höhere Ran­gierungsgruppen überführt werden mußten." Dieser Vor­gang ist in der Beamtenbesoldung unbekannt. Hier gibt es unzählige Fälle, in denen Beamte höherwertige Arbei­ten leisten müssen, ohne gleich eine Vesoldungserhöhung oder Beförderung zu erfahren.

Zum Schluß ging dann der Referent noch auf die Steuerresormpläne ein. Es sei zu begrüßen, wenn wieder die Möglichkeit der Kapitalbildung weitgehend eröffnet werden solle. Diese müsse aber allen Volksgenossen und nicht nur einem kleinen Kreise gegeben werden.

Mit der Mahnung aus seinen Ausführungen die Nutz­anwendung zu ziehen, den Organisationsgedanken noch.eif­riger zu pflegen, nicht in Einseitigkeit zu verfallen, sondern stets eingedenk zu sein der Pflichten als Staatsbürger und Glieder unseres Deutschen Volksstaates, schloß der Redner seine lehrreichen Ausführungen, die von lebhaftem Bei­fall gelohnt wurden.

Da der Referent sein Thema sehr eingehend behandelt hatte, so entwickelte sich nur eine kurze Aussprache.

Nach dem Schlußwort dem Redner noch einmal herzlichst dankend, machte der Vorsitzende noch einige geschäftliche Mitteilungen. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß der heutige Abend wieder den Blick geweitet und zu neuer ernster Arbeit im Ortskartell zum Vorteile der Beamten­schaft angeregt haben möge.

Durchschnittliche Jahresmilchleistung der Kühe in Preußen.

Das Preußische Statistische Landesamt gibt eine Ueber­sicht über die Ergebnisse einer im vergangenen Jahre im Rahmen der milchwirtschaftlichen Rationalisierungsbestre­bungen auf Veranlassung des Reichsministeriums für Er­nährung und Landwirtschaft und des Preußischen Land­wirtschaftsministeriums durchgeführten Erhebung über die durchschnittliche Milchleistung der preußischen Kühe. Der durchschnittliche Jahresbetrag je Kuh (Milchkühe über- haupt) beträgt in Preußen 2 423 Liter, das bedeutet eine Tagesleistung je Kuh von rund 8 Liter unter Zugrunde­legung einer Laktionsperiode von 300 Tagen. Die Stadt Berlin fällt mit 4 399 Litern nicht unerheblich aus dem Rahmen dieses Ergebnisses heraus. Die sonst höchste Lei­stung weist Schleswig-Holstein mit 2 921 Liter, die nied­rigste die Hohenzollerischen Lande mit 1 605 Liter auf. Die Leistungen der Milchkühe unter und außerhalb der Lei­stungskontrolle weichen voneinander fast überall um mehr als 1000 Liter ab. Eine nennenswerte Ausnahme macht nur Schleswig-Holstein. Die Milchleistung der Zugkühe ist in den einzelnen Provinzen ganz verschieden. Die in Preußen erzeugte gesamte jährliche Milchmenge betrug rund 13 Milliarden Liter. Die höchste Gesamtmenge weist Hannover und die niedrigste die Hohenzollerischen Lande âuf.

* Tann (Rhön), 3. Febr. Am Sonnabend, 1. Februar hielt im Saale des Hotel Münzel Herr Korvettenkapitän a. D. Mumm einen sehr interessanten Vortrag über die Seeschlacht am Ska- qerak. Mit packenden Worten wußte der Vortragende den ge­spannt Zuhörenden darzulegen, welch einen ungeheuren Sieg die deutsche Flotte damals über die englische erfochten hat. Der nebenhergehende Film brachte anschauliche Bilder der Schlacht und der einzelnen Schiffe. Beide Vorstellungen am Nachmittag wie auch am Abend waren sehr gut besucht.

Bebra. In der Scheune und Stallung des Händlers Abraham Sommer in Heinebach brach Feuer aus. Die Gebäude brannten nieder. Den Wehren gelang cs, zu verhindern, daß das Feuer noch auf die Nachbargebäude Übergriff.

Treysa. Der Vorarbeiter Heinrich Well verunglückte Don­nerstag vormittag beim Holzfällen im Walde dadurch, daß er von einem stürzenden Baum getroffen wurde. Er mußte Zei­ner Wohnung zugeführt werden. Der Arzt stellte Quetschungen fest. Es wird mit der endgültigen Auslösung des Kulturamtes gerechnet, da alle Angestellten des Kulturamtes die Nachricht ihrer Versetzung erhalten haben. Länger als 50 Jahre hat das Amt hier gewirkt. Seine Auflösung bedeutet für die Stadt Trepsa, und insonderheit für die Geschäftswelt einen schweren Verlust, da etwa 20 Familien fortziehen.

Bad Wildungen. Das Glockengeläute der hiesigen evangeli­schen Kirche ist elektrisiert worden.

Kassel, 4. Febr. (Haftentlassung.) Zu der Brandstiftungs- afsäre in Oberkaufungen teilt die Justizpressestelle mit, daß das Gericht nach Vernehmung des Sügewerksbesitzers Wilhelm Hartmann den Erlaß eines Haftbefehls abgelehnt hat.

Kassel, 4. Febr. (Nach mehr als vier Monaten als Leiche gefunden.) Am 22. September 1929 entfernte sich der etwa 18 Jahre alte Sohn Kurt des Kaufmanns Degele in Kassel aus der elterlichen Wohnung, weil er fürchtete, daß er wegen eines nicht ohne Folgen gebliebenen Verhältnisses mit einer I6jäh- rigen Schülerin aus der Schule entlassen werden sollte. Die damals seitens der Polizei und der Mitschüler des Verschwun­denen angestellten umfangreichen Nachforschungen blieben ohne Erfolg, so daß man annehmen mußte, daß der Vermißte Selbst­mord begangen oder sich irgendwo verborgen halte. Diese An­gelegenheit, die lange Zeit das Tagesgespräch von Kassel bil­dete, hat jetzt ihre Aufklärung gefunden. Gestern nachmittag fand ein holzsammelnder Junge in der Nähe des Beamten­erholungsheims im Habichtswald im Dickicht eine stark in Ver­wesung übergegangene Leiche. Er teilte seinen Fund einigen in der Nähe beschäftigten Waldarbeitern mit, die ihrerseits die amtlichen Stellen in Kenntnis fetzten. Diesen Fund brachte man sofort mit dem Verschwinden dès Kurt Degele in Zusam­menhang, und es stellte sich dann auch bei der sehr schwierigen Identifizierung der Leiche heraus, daß es sich um die Ueber- reste des jungen Mannes handelte. Die Todesursache konnte infolge der fortgeschrittenen Verwesung noch nicht festgestellt werden. Es ist jedoch unbedingt Selbstmord anzunehmen.

Gießen, 1. Febr. (Fahrlässige Tötung durch einen Natur­heilkundigen.) Der hier wohnhafte Kaufmann Wilhelm Müller, der lediglich ein Gewerbepatent zum Vertrieb pharmazeutischer Artikel besitzt, betätigte sich nebenher auch als Naturheilkundi- ger. Als solcher hatte er sich im Februar 1929 um die Behand­lung eines plötzlich erkrankten Kapellmeisters bemüht, dem er allerlei Mittel zum Einnehmen brachte, obwohl der Erkrankte und dessen Frau mehrfach die Besorgnis äußerten, ob es nicht besser wäre, einen Arzt zuzuziehen. Der Krankheitszustand ver­schlimmerte sich nämlich zusehends, und der Patient' spuckte viel Blut. Nach acht Tagen starb der Kapellmeister an einem Herz- und nun wurde festgestellt, daß der Verstorbene mit aller scheinlichkeit noch leben würde, wenn er zur rechten Zeit in die richtigen Hände gekommen wäre und herzstärkende Mit­tel verabreicht bekommen hätte. Das Landgericht Gießen ver- urterlte Müller wegen fahrlässiger Tötung zu drei Monaten Gefängnis und außerdem wegen unerlaubter Ueberlassunq von Arzneien (§ 367 St.G.B.) zu 30 Mark Geldstrafe. Auf die Revision des Angeklagten bestätigte nun das Reichsgericht die Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung, hob aber das ergan­gene Urteil, soweit es die Usbertretung nach § 367 betrifft, wegen ungenügender Feststellungen wieder auf. Es müsse er­neut geprüft werden, ob nicht das Eewerbepatenb des Angeklag­ten diesen berechtigt habe, die fraglichen Mittel an den Ver­storbenen abzugeben.

Frankfurt a. M^ 3. Febr. (Sauerbrey wieder in Frankfurt.) Beinahe so sang- und klanglos wie er Frankfurt a. M. verlassen hat, ist Sauerbrey, der frühere Direktor der Südwestdeutschen Bank, am Montag nachmittag 5.02 Uhr wieder in Frankfurt eingetroffen. Am Freitag nachmittag fuhr der Frankfurter Kriminalkommissar Römer, der seinerzeit Sauerbrey in Prag ermittelt und verhaftet hatte, nach Odenbach, holte Sauerbrey ab und transportierte ihn mit noch einem Kriminalbeamten nach Frankfurt. Die Polizei hatte die Ankunftszeit streng ge­heim gehalten, um überflüssige Sensationen zu vermeiden. Nichtsdestoweniger warteten einige Journalisten und Kriminal­beamte auf dem Bahnsteig auf die Ankunft Sauerbreys, dem dieser Empfang offensichtlich peinlich war. Er sieht sehr mitge­nommen und blaß aus. Sauerbrey wurde- gefesselt nach einem Auto gebracht, das ihn nach dem Eerichtsgefüngnis transpor­tierte. Durch das Eintreffen Sauerbreys, von dem man wich­tige Aussagen erhofft, wird die Untersuchung gegen die Fauag- leute voraussichtlich in ein anderes Fahrwasser und vor allem auch in ein schnelleres Tempo gebracht werden.

Frankfurt a. M., 1. Febr. (Zum Wechsel in der Frankfurter Messe-Leitung.) Wie bereits mitgeteilt wurde, hat Direktor Modlinger von der Messe- und Ausstellungs-EmbH. einen Ruf als kaufmännischer Direktor der Preußischen Porzellanmaninak tur in Berlin angenommen. Im Zusammenhang hiermit sei noch mitgeteilt, daß Direktor Modlinger von der ihm vor eini­ger Zeit vom Auffichtsrat der Messe- und Ausstellungs-EmbH. angebotenen Vertragsverlängerung über den 31. Dezember 1929 hinaus keinen Gebrauch gemacht hat. In der Aussichtsrats­sitzung vom 30. Januar hat sich jebod) Direktor Modlinger bereit erklärt, die Geschäftsführung der Gesellschaft noch bis zum 15. Februar 1930 zu übernehmen und bis zum 31. März 1930 die Ueberleitungs- und Abwicklungsarbeiten fortzuführen.

Frankfurt a. M., 1. Febr. (Starke Zunahme der Spielklubs in Frankfurt a. M.) Durch die Entscheidung des Oberverwal­tungsgerichts in Berlin wurde Mitte des vergangenen Jahres das. Verbot der Ecartè-Spielklubs aufgehoben. Seit dieser Zeit haben sich in Frankfurt Ccartë-Svielklubs in einem Ansmaß niedergelassen, das geradezu erstaunlich bei der gegenwärtigen Wirtschaftslage ist. Im Augenblick bestehen bereits mehr als 20 Ecartè-Elübs, und es dürfte damit zu rechnen sein, daß noch weitere gegründet werden. Wie festgestellt wurde, spielen in den Clubs in der Altstadt, wo nur mit geringen Einsätzen ge­spielt wird, zahlreiche Personen, die vom Arbeitsamt und Wohl­fahrtsamt unterstützt werden.

Frankfurt a. M., 1. Febr. (Frankfurt als Verwaltungs- zentrale.) Vor einiger Zeit ist bekanntlich die Disch, Hotel u. Verkehrs AE. aussteuertechnischen" Gründen von Köln nach Frankfurt a. M. übergesiedelt. Es steht nunmehr die lleber- siedlung einer weiteren Verwaltungsgesellschaft von Köln nach Frankfurt a. M. bevor. Wie wir von zuständiger Seite erfah­ren, wird die Westdeutsche Eisenbahngeiellfcbaft AG., jetzt Ver­einigte Kleinbahnen AG., mit dem Sitz in Köln, die eine ganze Reihe von Kleinbahnen im Rbmnnnn betreibt, am 1. April nach Frankfurt a. M. übersiedeln. Das Unternehmen, das zum Kon­zern der AG." Verkehrswesen in Berlin gehört, wird in dem Verwaltungsgebäude der zum gleichen Konzern gehörenden Deutschen Eisenbahngesellschaft AG. untergebracht, das zu die­sem Zweck gegenwärtig ausgebaut wird.

Frankfurt a. M., 2. Febr. (Mit der Kraftpost in den Schwarzwald.) Zu den bei der letzten Tagung des Südwestdeut­schen Verkehrsbundes aus dem Reichspostministerium gegebenen Informationen über eine Kraftpostoerbindung von Frankfurt am Main nach dem Schwarzwald erfahren wir von zuständiger Stelle, daß von der Deutschen Reichspost beabsichtigt ist, wäh­rend der kommenden Reisezeit nach Bedarf Kraftpostsonderfahr­ten von MainzWiesbaden und Frankfurt a. M. nach Heidel­berg und weiter in den Schwarzwald auszuführen. Die Ein­richtung von Linien mit planmäßigem Verkehr ist allerdings nicht geplant. Ueberhaupt befindet sich die Angelegenheit noch im Stadium der Vorbereitung und hat noch keine feste Gestalt angenommen. Nähere Einzelheiten werden daher erst zu. Be­ginn der bevorstehenden Reisezeit über die geplanten Fahrten zu erwarten sein.

Offenbach a. M.. 1. Febr. (Die Urteile im Mieterbaugenos­senschafts-Prozeß.) Am Freitag ist nach einer Verhandlungs­dauer von vier Tagen der Mieterbaugenossenschafts-Prozeß zu Ende gegangen, in dem der Kaufmann Karl Franz Vonrhein angeklagt war, sich bzw. anderen widerrechtlich Vermögensvor- teile verschafft zu haben. Ferner saßen auf der Anklagebank Kaufmann Schmitt-Frankfurt a. M. und Kaufmann Pleines- Frankfurt a. M., die der Beihilfe durch Ausstellung von Schein- quittungen beschuldigt wurden. Michael Schmitt wurde, da er einer strafbaren Handlung nicht überführt werden konnte, frei- gesprochen. Vonrhein erhielt eine Eesamtgefüngnisstrafe von vier Monaten und 400 RM. Geldstrafe Außerdem hat er für seine Straftaten die Prozeßkosten zu übernehmen. Er wurde des Vergehens des Betrugsversuchs in zwei Fällen, des Ver­gehens gegen die Konkursordnung, der Untreue gegen die MG- tsrbaugenosfenschaft und des Vergehens gegen die Bestimmun­gen des Eenoffenschaftsgesetzes schuldig befunden. Otto Pleines wurde zu 1000 RM. Geldstrafe bzw. 20 Tagen Gefängnis und Tragung der Prozehkosten verurteilt.

Griesheim bei Darmstadt, 1. Febr. (Scharlach-Epidemie.) Seit einigen Tagen tritt nach einer Mitteilung der hiesigen Aerzteichaft Scharlach in erhöhtem Maße auf. Glücklicherweise ist es bisher zu keinem beklagenswerten Opfer dieser heim­tückischen Krankheit gekommen. Um aber Ilebertragnngen oder schlimme Folgen dieser Erkrankung zu vermeiden, ist es not­wendig, daß bei Krankheits-Symptomen sofort ein Arzt herbei­gezogen und das betreffende Kind isoliert wird.

Dreieichenhain (Hessen), 1. Febr. (Eigenartiger Unglücks- sall.) Der im 58. Lebensjahr stehende Maurermeister Wilhelm Barbener von hier hatte in Götzenhain zu tun. Als er bei ein- brechender Dunkelheit den Feldweg an der Burg Dreieichenhain passierte, kam er in dem aufgeweichten Boden in eine Fahr­rinne und geriet mit seinem Rad ins Schleudern Er fiel dabei in den an dieser Stelle ziemlich tiefen Vurgteich, wo er leider ertrank, ehe ihm Hilfe gebracht werden konnte. Durch das aus dem Wasser herausragende Fahrrad wurden einige Passanten aufmerksam, die die Polizei benachrichtigten. Es gelang dann schließlich, die Leiche des hier angesehenen Maurermeisters zu bergen.

Nassau (Lahn), 2. Febr. (Sinkende Holzpreise an der Lahn.) In vielen Ortschaften der hiesigen Gegend, in denen zur Zeit Holzversteigerungen stattfinden, kann man die Feststellung machen, daß die Preise zum Teil weif hinter denen des Vor­jahres Zurückbleiben. So wird z. B. aus der Gemeinde Lan­genscheid berichtet, daß trotz größeren Holzeinschlags der Aus­fall für den Eemeindesäckel mehrere Tausend Mark beträgt. Es liegt bies sowohl in der Notlage der Bevölkerung wie auch in bem außerordentlich milden Winter begründet.

Der Ueberfall auf das Postauto.

1Wü Mark Belohnung.

Schlüchtern, 3. Februar.

Die Täter hatten sich in der Spitze des Wäldchens, in dem sie auf der Lauer lagen, eine Hütte aus Kiefernzweigen errich­tet, von der aus sie die Straße beobachten konnten, ohne selbst gesehen zu werden. Etwa eine halbe Stunde vor der Tat war ein Motorradfahrer an der Stelle vorbeigekommen,' zu dieser Zeit waren die Hindernisse noch nicht da. Daß die Täter über alle Einzelheiten des Transportes unterrichtet gewesen sind, unterliegt keinem Zweifel.

Die Verfolgung wird dadurch erschwert, daß auf den Alarm hin eine Streife durch das Gelände veranstaltet worden ist, an der sich mindestens 80 Personen beteiligt haben. Die Streife konnte bei dem Vorsprung der Täter kaum Erfolg haben; an­dererseits hat sie die Spuren verwischt und das Ansetzen eines Polizeihundes unmöglich gemacht. Aus diesem Anlaß kann nur immer wieder gebeten werden, bei schweren Verbrechen die alte Regel zu befolgen:Tatort nicht betreten! Keine Beweisstücke anfassen! Nächste Polizei- oder Landjägereistelle sofort benach­richtigen!"

Auf die Ergreifung der Täter oder Wiederbeschaffung des geraubten Gutes ist eine Belohnung von IM RM. ausgesetzt.