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Zul-aer Anzeiger

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Slr. 27 - 1930

Fulda, Samstag, 1. Februar

7. Jahrgang

Die Fünfte Grüne Woche.

und neue

LandwirischMmeihodell.

Eine Niesenschau in Berlin.

$ie Sehenswürdigkeiten der Grünen Woche, die ab Sonn­abend zum fünftenmal in Berlin abgehaltcn und sicher wieder ein Anziehungspunkt für alle landwirtschaftlich interessierten Kreise und alle Naturfreunde sein wird, wurden vor der offi­ziellen Eröffnung Pressevertretern nach einer kurzen Feier vorgeführt. Schon der erste, natürlich nur flüchtige Überblick,

Der Kopf eines Kaffernbüffels, der in Deutsch-Ostafrika erlegt wurde und jetzt auf der Jagdausstellung während der Grünen Woche gezeigt wird.

der durch einen stundenlangen Marsch errungen werden muß, ist überwältigend. Alles, was die deutsche Landwirtschaft in jahrzehntelanger fleißiger Arbeit geschafft und geschaffen hat, ist lehrhaft zur Schau gestellt. Zu ihrer weiteren Forderung dient eine

groß angelegte Landeskulturausstellung,

die vom Altertum bis zur Neuzeit die Entwicklung des Melio­rationswesens zur Hebung der deutschen Boden­erträge zeigt und das Ernährungsproblem zu fördern bestimmt und geeignet ist. Nicht nur die einzelnen Staaten und Provinzen, sondern auch Städte und Landkreise zeigen, was auf diesem Gebiete bisher geleistet worden ist. Dem­selben Zweck dient die Ausstellung Kulturtechnik und Wasser­wirtschaft. Ihrer Bedeutung in der Volkswirtschaft ent­sprechend ist auch dem

Gartenbau und der Fischerei

je eine Abteilung gewidmet. Für die Reichhaltigkeit dieser Ausstellung spricht auch die Tatsache, daß der Wassersport in Modellen alle Fahrzeuge, vom größten Kreuzer bis zum winzigen Paddelboot, mit allem Zubehör zeigt und ebenso auch

der Angelsport

^"^Een ist. Er zeigt in mehreren Kojen die ber« ichiebensten Fangarten mit den neuesten Geräten, nicht nur die Grundangelei, sondern auch den Fang des Hechtes, des Lachses und der Forelle. Die Industrie veranschau­licht dabei in einem Zeltlager, welche Ausrüstungsgegenstände für diesen gesunden Sport erforderlich sind. Viel Interesse dürfte auch die Darstellung der Fischregionen eines F l u s s e s von der Quelle bis zur Mündung finden.

In einer besonderen Halle ist eine G e f l ü g e l s ch a u, die Imkerei und der Seidenbau untergebracht. Einen prächtigen Eindruck macht

die Jagdausstellung,

Die Vehandlmig der Nsung-Gesehe.

Reichstag er st am 7. Februar?

Der Reichsrat hat mit der Behandlung der zum In­krafttreten des Young-Plans notwendigen Gesetze be­gonnen. Vorläufig nahmen die Ausschüsse des Reichsrats ihre Arbeit auf, man hofft aber, daß Sonnabend die Voll­versammlung unter Umständen zu entscheidenden Be­schlüssen gelangen könnte. Wenn in vielen Kreisen auch eine größere Mehrheit für Annahme der Young-Gesetze vorausgesagt wird, hält man doch an der Auffassung fest, vor Mittwoch, den 5. Februar, sei an eine Verabschiedung im Reichsrat nicht zu denken. Dann könnte natürlich uo* Reichstag an dem gleichen Tage nicht in Funktion treten, ^an rechnet deshalb in parlamentarischen Kreisen mit der Möglichkeit, daß die Einberufung des Reichstages auf H-rcitag, den 7. Februar, verschoben wird.

die in reizvollem, anziehendem Rahmen die Jagd auf außer- deutsches Wild zeigt. Sic dürfte für viele Besucher den Hauptanziehungspunkt bilden. Aus erklärlichen Gründen hat sie darauf verzichtet, die deutschen Trophäen des vergangenen Jahres auszustellen. Um so interessanter ist bte Übersicht über die Jagd im Auslande und über das jagdbare Wild unserer ganzen Erde. In sieben Räumen ist Die exotische Trophäenschau untergebracht. Dazu kommen noch die Darstellungen der Forschungsreisen von Dr. Heck und Hagen- beck und anderer Forschungsfahrten mit Ausrüstung und Ausbeute. Das

Reit- und Fahrturnier

vereinigt ein auserlesenes Pferde material des deutschen Warmbluts, das in seinen hervorragenden Leistungen erprobt werden soll. Den drolligen Gegensatz dazu bilden die winzigen Ponns, auf denen einige noch sehr jugendliche Reiter ihre Künste zeigen werden.

Da kann man wohl zustimmen, wenn die Ausstellungs­leitung behauptet:Daß eine derartige, alles umfassende und geschlossene landwirtschaftliche Ausstellung noch nie in Berlin geboten wurde, ja, daß ein Besuch dieser Veranstaltung zu den elementarsten Erfordernissen aller im Berufsleben Stehenden gehört." Dr. Fritz Skowronnek.

Llnrsniâe Kulturpflanzen.

Neue Getreidearten durch Kreuzung.

Über die Anbaumöglichkeiten neuer rentabler Kultur­pflanzen in Deutschland sprach auf der 12. Hauptversamne- lung der Preußischen Hauptlandwirtschafts- k a ni m e r Prof. Dr. Baur, Berlin-Dahlem. Er wies darauf hin, daß eine Reihe unserer wichtigsten Agrarerzeugnisse vom Ausland so billig geliefert werde, daß sich ein Anbau vieler Kulturpflanzen kaum mehr lohne. Hierher gehörten vor allen Dingen die meisten Faser- und Ölpflanzen. Auch der Bau von Roggen und Kartoffeln sei nicht einträglich, weil der Markt davon überschwemmt sei. Man müsse ver- suchen, neue Kulturen einzuführen. Zunächst die Lupine, dann die T o p i n a m b u r k n o l l e n , die das beste Auslands­material für Insulin und Fruchtzucker seien. Noch nichtiger als diese beiden Kulturpflanzen wären Getreidearten, die die Aiispruchslosigkeit des Roggens aufweisen und ein Mehl wie Weizenmehl lieferten. Eine Reihe von Stämmen aus der­artigen Züchtungen stehe bereits im Kaiser-Wilhelm-Jnstitut für Züchtungsforschung in starker Vermehrung Außerdem seien die Versuche, aus der K r e u z u n g von Roggen und Weizen und aus der Kreuzung von Weizen mit Wildgräsern (Ägilopsarten) neue Getreidearten herzustellen fortzusetzen. Wichtig sei ferner die Hebung der Konkurrenzfähigkeit des Obst- und Gemüsebaues durch Einführung neuer Rassen und Arten. Ein letztes großes Problem bestehe im Ersatz unserer von Meltau und Reblaus schwer geschädigten Weinreben durch gegen Meltau und Reblaus unempfindliche neue Vitisarten Durch die Kreuzung von amerikanischen und deutschen Reben könne man jährlich 50 Millionen Mark sparen.

Ferner sand in der Hauptversammlung eine Entsch ietzung einstimmig Annahme, in der nach einem Hinweis auf die schwere Krise der Landwirtschaft erneut ein großzügiges landwirtschaftliches Rentabilitätsprogramm ge­fordert wird. An alle verantwortlichen Stellen im Reiche und in Preußen wird die Mahnung gerichtet, unverzüglich alle Maßnahmen zu treffen die den Zusammenbruch der heimischen Erzeugung verhüten könnten.

Eine afrikanische Aegerhütte,

die auf der großen Landwirtschafts- uno Jagdausstellung während der Grünen Woche in Berlin gezeigt wird.

Deutsch-tschechoslowakischer Gebietsaustausch.

Vertrag zur Bereinigung der Grenze abgeschlossen. "

Die seit längerer Zeit schwebenden Verhandlungen wegen Des Abschlusses eines Vertrages über Grenzwasserläufe und Gebietsaustausch an der preußischen Strecke der deutsch­tschechoslowakischen Grenze sind am 31. d. M. in Berlin zum Abschluß gebracht worden. Der Vertrag ist deutscherseits von dem Gesandten Dr. Eckhardt und tschecho- uowakischerseits von dem Kommissar für Grenzangelegenheiten, Roubik, unterzeichnet worden. Der Vertrag bedarf wegen des darin vorgesehenen Gebietsaustausches an der Grenze, ^er außer einer Reihe unbewohnter Grundstücksteile auch einige kleine Anwei en auf deutscher und auf tschechoslo- waklscher Seite umfaßt, nach der Reichsverfassung der 3 u " ft immunst Preußens. Er wird, wenn diese erfolgt ist den gesetzgebenden Körperschaften des Reiches vorgelegt wer­den.

polens Außenpolitik.

Die polnischen Schweine sollen unbedingt nach Deutschland kommen.

Der polnische Außenminister Zaleski hielt im Sejm- ausschuß für auswärtige Angelegenheiten eine Rede über die polnische Außenpolitik. Der Minister betonte denfriedlichen Charakter" dieser Politik.

Polen und Frankreich

seien durch enge Zusammenarbeit verbunden. Der Wunsch des französischen Volkes, das Verhältnis zu Deutschland zu normalisieren, könne Polen nicht beunruhigen, das seinerseits den Wunsch nach Normalisierung der deutsch-polnischen Be­ziehungen durch Abschluß des Liquidationsvertra» aes zum Ausdruck gebracht habe Die deutsch polnischen Ver- Handlungen seien bekantlich so weit fortgeschritten, daß nur eine Frage von prinzipieller Bedeutung zu lösen ubrig- geblieben sei. Es ist dies die Frage des Absatzes der

polnisclzcn Schweine

auf den deutschen Märkten. In dieser Frage würde von deut­scher Seite eine bestimmte Auffassung übermittelt, die von den allgemein angenommenen Handclsvertragsprinztpien abweiche. Die Verhandlungen hätten sich zu lange hingezogen. Die nächsten Tage würden wahrscheinlich die Entscheidung brin­gen. Entweder werde der Vertrag zum Abschluß gebracht oder die Verhandlungen würden für zwecklos erachtet und die Dele­gationen aufgelöst.

politische Jlun^au

Deutsches Reich

Privatgeschäfte von Ministern.

Bei der Beratung des Niinistergesetzes faßte nach längeren Beratungen der Haushallsausschuß des Reichs­tages die Bestimmung ijber Privatbeschäftigung von Ministern neben ihrem Amt wie folgt zusammen:Dis Reichsminister dürfen dem Vorstand, dem Verwaltungs­rat oder dem Aufsichtsrat eines auf Erwerb gerichteten Unternehmens nicht angehören, auch neben dem Minister- amt keine Beschäftigung berufsmäßig ausüben. Die Reichsregierung kann Ausnahmen zulassen, wenn amtliche Rücksichten nicht entgegenstehen und Jnteressenkonflikre zwischen der amtlichen und der privaten Tätigkeit des Reichsministers nicht zu befürchten sind.«

Die Dollarsälschungcn.

Nach einer Mitteilung des Berliner Polizeipräsi­denten haben die bisherigen Ergebnisse der Untersuchung in der Dollarsälschungssache keine tatsächlichen Anhalts­punkte für eine Verbindung einer fremden Regierung, ins­besondere der Union der Sowjetrepubliken, mit den Dollarfälschery ergeben. Auch aus der Vergangenheit liegt der Berliner Polizei kein Tatsachenmaterial vor, das eine Verbindung der russischen Regierung mit der Fälschung ausländischer Banknoten beweisen oder nur wahrscheinlich machen könnte.

Thüringens Negierung gegen Young-Plan.

Im Landtag machte die neue Regierung auf eine Anfrage des sozialdemokratischen Abgeordneten Frölich hin die Mitteilung, daß die thüringische Regierung in ihrer letzten Kabinettssitzung gegen eine Stimme be­schlossen habe, den Bevollmächtigten Thüringens zum Neichsrat zu beauftragen, gegen die Annahme des Young- Planes zu stimmen. Gegen den Beschluß stimmte Staats­rat Bauer (Deutsche Volkspartei).

Aus Zn- und Ausland

Berlin. Mitte der nächsten Woche findet die seit längerer Zeit vorgesehene Konferenz der Finanzminister der deutschen Länder beim Reichssinanzminister Dr. Molden­bauer statt.

Stettin. Der Stahlhelm (Landesverband Pommern- Grenzmark) hat den Reichstagsabgeordnrten Schlange- Schöningen ausgeschlossen, weil er als Mitglied des Stahlhelms im Reichstage gegen das Freiheitsgesetz stimmte und sein Reichstagsmandat nach dem Austritt aus der Deutsch­nationalen Volkspartei nicht niedergelegt habe.

Weimar. Von der neuen thüringischen Rechtsregierung wurde gegen den Vorsitzenden des Gaues Groß-Thüringen des Reichsbannes Schwarz-Rot-Gold, den Ministerialsekretär im thüringischen Wirtschaftsministerium Paul Seele-Weimar, ein Dienststrafverfahren wegen eines mitunterzeichneten Auf­rufs eingeleitet.

Eisleben. Das Schöffengericht verurteilte den zweiten Bundesführer des Stahlhelms, Düsterberg, wegen Be­leidigung des preußischen Innenministers Grzesinski zu 500 Mark Geldstrafe

Oppeln. Der hiesige Oberbürgermeister Dr. Berger, gegen den ein Disziplinarverfahren schwebt, ist jetzt auf un­bestimmte Zett beurlaubt worden. Es werden gegen ihn als Aufsichtsratsvorsitzenden der Wohnungssürsorae Oppeln wegen der Geschäftsführung der Gesellschaft Vorwürfe erhoben.

Paris. Der Präsident der Nationalversammlung in Madrid, Professor Yanguas, hat seinen Abschied eingereicht. Es wird allgemein angenommen, daß das Auflösungs- dekret für die Nationalversammlung demnächst veröffentlicht werden wird.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

Landtag kam es infolge des überraschen­den Wechsels im Kultusministerium zu lebhafte» Auseinander­setzungen, bei denen der Oppositionsantrag auf Herbeirufung des Ministerpräsidenten mit nur 138 gegen 127 Stimmen ab­gelehnt wurde.

* Aus den Vereinigten Staaten kommt die aufsehenerregende Meldung, man erwäge dort den Plan, größere Mengen von unverzinsbar lagernden Goldbeständen nach Europa zu über- führen.

. * Wegen der zeitraubenden Behandlung der Aoung-Gesetze wrrd sich die auf den 5. Februar angesetzte Einberufung des Reichstages vielleicht um einen oder zwei Tage verzögern.

* Zn Berlin wurde die fünfteGrüne Woche« unter Teil, nähme der Regierung und zahlreicher sonstiger interessierter Kreise eröffnet.