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Frankfurt a. M., 28. Jan. (Aus dem Frankfurter Stadt« Parlament: Theaterdebatte Rathaus-Bannmerle Die hohen Direktorengehälter.) Die heutige Stadtoerordnetenver- sammlung war die erste des neuen Jahres, die einen verhalt- nismäßig ruhigen Verlauf nahm. Nur der kommunistische Stadtverordnete Konrad Lang verursachte einen Zwischenfall, indem er dem Stadtrat Dr. Langer Unverfrorenbeit vorwarf, was ihm nicht nur einen Ordnungsruf des Vorsitzenden, son­dern auch eine scharfe Entgegen Dr. Langers eintrug der zum Ausdruck brachte, daß er stolz sei, das Mißtrauen der Kommuni­sten zu besitzen. Eine längere Debatte entspann sich wieder einmal über die Frage des Zuschusses für die städtische Bühnen, der im abgelaufenen Etatsjahr um rund 400 000 Mark über­schritten worden ist. Die Redner der Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei, des Zentrums, der Nationalsozialisten und des Christlichen Volksdienstes wandten sich mit aller Schärfe gegen die Spielplangestaltung des Schauspielhauses, namentlich gegen Stücke wieCyankali", während der sozial­demokratische Redner es begrüßte, daß das frühere repräsen­tative Theater immer mehr zu einem Volkstheater geworden sei. Der Kulturdezernent Stadtrat Dr. Michel wies gegenüber dem Vorschlag, das Theater zu schließen, darauf hin, daß beide Büh­nen ungefähr 1100 Personen beschäftigten, die bei einer voll­ständigen Schließung der Stadt vertraglich außerordentlich hohe Lasten auferlegen mürben. Seine Verteidigung des Stückes Cyankali" fand allerdings lebhaften Widerspruch auf verschie­denen Seiten des Hauses. Außerordentlich lebhaft gestaltete sich die Debatte über den Antrag, die hohen Gehälter der Direk­toren der städtischen Gesellschaften abzubauen, der von allen Seiten Billigung fand, wohl aber kaum eine praktische Aus­wirkung finden wird. Noch stärker wurden die Leidenschaften entfacht, als der Antrag auf Festlegung einer Bannmeile um das Rathaus verhandelt wurde. Nationalsozialisten, Kommu­nisten und Sozialdemokraten richteten die heftigsten Angriffe gegeneinander und zwei Kommunisten mußten schließlich auf Anordnung des Vorsitzenden den Sitzungssaal verlassen. Erst zu später Nachtstunde konnte die Sitzung nach Erledigung einer Reihe weiterer Fragen geschloffen werden.

Frankfurt a. M., 29. Ian. (Gerüchte um den neuen Frank­furter Oberlandesgerichtspräsident ) Von unterrichteter Stelle wird uns mitgeteilt, daß alle Pressemeldungen dieser Tage über den Nachfolger des Frankfurter Oberlandesgerichtsprast- denten Dr. Dronke vorerst nur Kombinationen seien, da das preußische Kabinett sich mit dieser Frage noch nicht befaßt habe. Vor Freitag sei nichts Definitives zu erwarten.

Frankfurt a. M^ 29. Jan. (Wer wird Oberpräsident in Hessen-Naffau?) Die Nachricht, daß ein Mitglied der Deutschen Volkspartci Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau werden wird wird von der sozialdemokratischen FrankfurterVolks­stimme" als nicht den Tatsachen entsprechend bezeichnet. Nach ihren Informationen soll ein Sozialdemokrat zum Oberpräfi- denten in Kassel ernannt werden. Die Personenfrage sei aller­dings noch nicht gelöst.

Darmstadt, 29. Jan. (Die Silberne Hochzeit des ehemaligen hessischen Großherzogspaares.) Die Silberne Hochzeit des ehe­maligen hessischen Großherzogspaares wird, dem Ernste der Zeit entsprechend, in aller Stille als einfache Familienfeier begangen werden. Nur die allernächsten Verwandten werden anwesend sein, um den festlichen Tag mit dem Silberpaar zu begehen. Dementsprechend ist von allen größeren festlichen Ver­anstaltungen abgesehen. Der Vormittag des 2. Februar ist den Beglückwünschungen der B""ntenschaft und denen der Vorstände der verschiedenen Wohlfahrt e-eine und Anstalten, die dem Großherzogspaar seit vielen . en nahe stehen, vorbehalten. Für den Abend ist ein Empfang vorgesehen, zu dem die Freunde und Bekannten des Hauses geladen sind, um auch Gelegenheit zu haben, ihre Glückwünsche darzubringen.

Heidelberg, 29. Jan. (Präsident Hoovers deutsche Abstam­mung.) DasHeidelb. Tagebl." s^eibt: Die Abstammung des derzeitigen Präsidenten der Vereinigten Staaten, Herbert Hoover, wird auf einen um die Mitte des 18. Jahrhunderts aus Ellerstadt (Pfalz) nach Amerika ausgewanderten Andreas Huber zurückgeführt. Auf Wunsch von Colonel Emerson, eines Freundes des Präsidenten, hat der als Pfalzforscher bekannte Profeffor Dr. Häberle im letzten Helbst im Interesse des Deutsch­

tums in den Vereinigten Staaten, das großen Wert auf die Feststellung legt, daß Hoover der erste Präsident deutscher Ab­stammung ist, in Ellerstadt mit Unterstützung von Bürgermeister Weilbrenner, Pfarrer Lenz und Obervostinspektor Merk Nach­forschungen angestellt. Deren Ergebnisse wurden dann, ergänzt durch Nachrichten aus gedruckten Quellen, in einer Niederschrift festgelegt und diese mit einer Abbildung der früheren, jetzt um­gebauten protestantischen Kirche, in welcher der am 29. Januar 1723 geborene Andreas Huber am 7. Februar 1723 durch den damaligen lutherischen Pfarrer Johann Georg Kall getauft worden ist, sowie mit Angaben über dessen noch vorhandenes Geburtshaus an Colonel Emerson abgegeben. Dieser Tage ist nun Profeffor Dr. Häberle aus dem Weißen Haus ein eigen­händiges Schreiben des Präsidenten Hoover zugegangen, in dem er für die für seine Familiengeschichte wertvollen Mitteilungen seinen wärmsten Dank ausspricht.

Ludwigshafen, 29. Jan. (Ein Spionagèprozeß.) Das Er­weitere Schöffengericht Ludwigshafen verurteilte heute den be­reits vorbestraften Handlungsreisenden Anton Riehl aus Viern­heim (Hessen) wegen Vergehens gegen § 6 Absatz 1 des Spionagegesetzes (Verrat militärischer Geheimnisse) unter Aus­schluß der Oeffentlichkeit zu einem Jahr Gefängnis. Der Haft­befehl wird aufrecht erhalten. Eine große Anzahl Zeugen be­stätigte die in der Voruntersuchung festgestellten Verfehlungen Riehl hatte im Jahre 1929 Anschluß an die französische Geheim­polizei in der Pfalz (Surété) gesucht und die Verbindung mit ihr längere Zeit aufrecht erhalten.

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