Nr. 21 Samstag. 25. Januar 1930
Kämpfer fein.
Röm. 12, 21: Laß dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
Nicht das Böse in der Welt im allgemeinen ist hier gemeint, sondern das Böse, das andere Menschen uns antun. Davon ist die Rede in der ganzen Epistel des heutigen Sonntags, aus der das Wort oben stammt. Es ist ein frohgemutes Kämpferwort. So ganz anders, als man es heute so oft auch in christlichen Kreisen hört; wie oft heißt es da: Ach, dagegen bin ich wehrlos. Oder: dem geh' ich lieber aus dem Wege. Oder: Gott wird es ihnen schon strafen! Von alledem sagt dieser Kämpfer Paulus nichts. Wer so spricht, hat sich vom Bösen schon überwinden lassen, erkennt sich als unterlegen an. Und das ist unrecht. Denn damit gibt man der Bosheit den Weg frei und mehrt ihre Macht. Und das dürfen wir nicht. Wir sollen und diirfen uns nicht von dem Bösen überwinden lassen. Aber die bloße Abwehr ist auch nicht genug. Wer siegen will, muß angreifen. So ruft er uns auch zu: Überwindet das Böse! Nun, das versuchen viele. Aber viele davon — wie machen sie es? Auge um Ange! Scheltwort um Scheltwort! Gleich um gleich. Und das ist nicht recht. So wird das Böse der anderen »roch vermehrt durch das Böse von uns. Für uns heißt es: überwindet das Böse mit dem Guten Und dabei muß es bleiben — mag's uns passen oder nicht und mag es noch so schwer sein. Es ist auch mannhafter und tapferer. Das andere, so groß und sicher et 'M) gebärdet, ist Mangel an Mut, Mangel an Beherr- qchmig, ist Schwäche — gerade gegen das Böse. 2Bt* blicken von den Scheinhelden auf den Helden ohnegleichen: sein Gutsein setzte er gegen die Verleumdung, seine Güte gegen den Haß. Er ist der Sieger und wir sollen und können es mit ihm sein. P. H. P.
Oie Londoner Konferenz.
Jeder Vorschlag wird geprüft.
Freitag fand eine Sitzung der französischen und der vritischen Gesamtdelegation statt. Später wurde eine weitere Konferenz der britischen und der italienischen Delegation ab- gehalten. Nach der Sitzung der britischen und der französischen Delegation wurde ein amtliches Kommunique auS- gegeben, das besagt, daß die beiden Delegationen zusammengetroffen seien, um den Bericht zu erwägen, den der Sachverständigenausschuß vorbereiten sollte.
Der amerikanische Staatssekretär Sttmson hielt an die Presse im St.-James-Palast eine kurze Ansprache, in der er erklärte, der bisher erzielte Fortschritt sei sehr ermutigend. Stimson berichtete weiter, daß er sich wahrscheinlich Freitag nachmittag nach seiner Zusammenkunft mit Grandi, dem Vertreter Italiens, auf das Land begeben werde; er erklärte, er könne nicht im einzelnen über die bisherigen Beratungen sprechen. Was er sagen könne, sei nur, daß jeher Vorschlag, der vorgebracht werde, erörtert werd«.
Verteilung eines Fragebogens an die Seemächte.
Paris, 25. Jan. Der Sonderberichterstatter der Agentur Haoas in London berichtet, daß der Generalsekretär der Seeabrüstungskonferenz gestern abend an die verschiedenen Delegationen ein Memordandum habe verteilen lassen, in dem sie aufgefordert würden, vor Montag auf einen sehr eingehenden Fragebogen zu antworten. Dieser Fragebogen bezieht sich auf das gesamte Programm der Konferenz. Unter den Fragen befindet sich namentlich die nach dem Verhältnis der jeder der 5 Mächte zuzuweisenden Tonnage, der Höhe der Eesamttonnage und ihre Verteilung auf die Schiffskategorien. Durch dieses Verfahren würde das Problem der Einschränkung der Seerüstungen zu Beginn der kommenden Woche in seinem vollen Umfang auf der Konferenz gestellt sein.
Briands Rolle auf der Konferenz
Ueber Briands Rolle auf der Londoner Konferenz schreibt der Außenpolitiker des „Matin": Der französische Außenminister, der Urheber der Verträge von Locarno und vom Haag und einer der verantwortlichen Autoren des Paktes von Frankreich hat hier eine Position, die über die eines Delegierten eines Landes weit hinausgeht. Er ist gewissermaßen ein Ratgeber in allen politischen Problemen seit dem Beginn der Konferenz, und der Beifall, der ihm vorgestern abend bei dem Bankett in der Eildhall zuteil wurde, zeigt, daß die öffentliche Meinung Englands diese besondere Rolle zu schätzen weiß.
( Gerüchte auf der Seemächte-Konferenz.
; Paris, 25. Jan. Der Londoner Berichterstatter des nationalen Blattes „L'Ordre" will von einem englischen Minister die Aeußerung gehört haben, daß Englands maritime Lage in Beziehung zu Frankreich viel wichtiger sei als in Beziehung zu Amerika, daß
Frankreich und England zusammen Europa i vollkommen beherrschen.
DiesexAeußerung findet ihren Reflex in dem von einer ernst zu nehmenden Persönlichkeit verbreiteten Gerücht, falls eine englisch-amerikanische Einigung nicht zustande kommen sollte, werde die künftige englische Regierung das französisch-englische Flottenkompromiß von 1928 wieder ausgraben und zu der alten Formel von der Entente Cordiale zurückkehren, evtl, unter Hinzuziehung Italiens.
Gemeinden und Wirtschaft.
Einschränkung der Konferenzen.
Auf Einladung der kommunalen Spitzenverbände, deS Deutschen Städtetages, des Deutschen Landkreistages, des Reichsstädtebundes, des Verbandes der Preußischen Provinzen und des Deutschen Landgemeindetages, fand in Berlin im Städtehaus eine Besprechung mit Spitzenverbänden der Wirtschaft statt, unter ihnen dem Deutschen Industrie- und Handelstag, der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, dem Deutschen Genossenschaftsverbande, dem Reichsverband des Deutschen Groß- und Überseehandels, dem Reichsverband der Deutschen Industrie, der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels, dem Reichsverband des Deutschen Handwerks, der Vereinigung der Elektrizitätswerke und der Wirtschaftlichen Vereinigung Teutscher Gaswerke. Die Besprechung befaßte sich mit der Frage einer EinschränkungderKon- ferenzen und führte zu einer weitgehenden Übereinstimmung über Häufigkeit, Form und Aufwand der Tagungen. Die' genannten Organisationen werden entsprechende Maßnahmen innerhalb ihrer zuständigen Organe und mit ihren cklnterverbänden vereinbaren, um so der aus den Zeitverhältnissen heraus gebotenen Sparsamkeit Rechnung zu ttagev-
Jeder rechte Landwirt, der Landwirt mit dem Herzen und nicht nur dem Namen nach ist, hängt an seinem Berufe und möchte ihn um nichts in der Welt mit einem anderen vertauschen. Und doch ist es dem deutschen Bauern heute nicht leicht gemacht, auf seiner Scholle auszuharren. Unerträgliche Steuer- und Zinslasten drücken, die Preise der landwirtschaftlichen Produkte stehen in keinem Verhältnis zu ihren Gestehungskosten und der auf sie verwandten Arbeit. In weiten mittel- und westdeutschen Gebieten, in denen die Realteilung herrscht, wird die Wirtschaft durch die unwirtschaftliche Betriebsweise erheblich erschwert, die Betriebe werden mit zunehmender Teilung immer unrentabler, und den Zwergparzellenbesitzern wie den' nachgeborenen Bauernsöhnen bleibt meist nichts übrig als in die Industrie abzuwandern und dort binnen kurzer Frist das Heer der Erwerbslosen noch zü vergrößern und von öffentlicher Unterstützung zu leben oder, schlimmer noch, der alten Heimat den Rücken zu kehren und ins Ausland zu gehen.
Und doch besteht im deutschen Vaterlande für tüchtige Landwirte, die aus irgend einem Grunde in ihrer Heimat nicht mehr voran kommen können, die Möglichkeit, auch unter heutigen Verhältnissen noch ihrem Berufe treu zu bleiben und sich mit eiserner Tüchtigkeit und Zähigkeit, ohne zu große eigene Mittel eine neue auskömmliche Existenz zu schaffen. Im deutschen Osten, bis nach Mecklenburg hinauf, ist in den Eroßguts- bezirken noch Raum genug für viele tausende neuer bäuerlicher Wirtschaften. Reich, Länder und Provinzen stehen der dortigen Siedlungsarbeit mit großem Interesse gegenüber und unterstützen sie ihrerseits durch Hergabe beträchtlicher billiger Kredite. Die Durchführung der ländlichen Siedlung geschieht im allgemeinen durch die gemeinnützigen provinziellen Siedlungsgesellschaften, an denen der Staat beteiligt und somit die Gewähr für sachgemäße Durchführung der Arbeit gegeben ist, doch sind auch Privatgesellschaften, wenn auch in erheblich geringerem Umfang, auf dem Gebiete des Siedlungswesens tätig.
Die Kredite der öffentlichen Körperschaften werden auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen nicht an die Siedler selbst, sondern nur an die Siedlungsunternehmungen gegeben. Gewährt wird einmal der sog. Ankaufskredit, der zum Ankauf von Siedlungsland durch die Siedlungsgesellschaften verwandt wird. Die erforderlichen Bauten und Meliorationen werden mit Hilfe des Nachweisungskredites vorgenommen. In besonders gelagerten Fällen kann der Siedlungsbewerber bei der Jnventarbeschaffung dann noch durch den Einrichtungskredit unterstützt werden. Der Zinsfuß für Ankaufs- und Nachweisungskredit beträgt einschließlich der Tilgung und Verwaltungskosten 5 Prozent je Jahr. Außerdem stellt Preußen seinen Siedlern aus dem Aufkommen der Hauszinssteuer Mittel zur Verfügung, die mit 3 Prozent zu verzinsen und mit 1 Prozent zu tilgen sind. Bis auf weiteres ist die Belastung aus preußischen Krediten auf 1 Prozent je Jahr beschränkt; für die Reichskredite erhält der Siedler ein Freijahr. Die Belastung auf Grund dieser Kredite stellt sich dann je Morgen, je nach der Güte des Bodens auf etwa 17—22 Mark, die im Hinblick auf die erzielten Erträge als durchaus tragbar erscheint. Man darf nicht vergessen, daß bei der heutigen Lage des Gütermarktes den Siedlungsgesellschaften besiedlungsfähiges Land in überreichlichem Maße zum Kauf angeboten wird, so daß sie nur guten Boden kaufen können, auf dem dem Siedler auch wirklich ein Fortkommen gewährleistet ist.
Die von den SieSlungsgesellschaften geschaffenen Stellen übersteigen im allgemeinen nicht die Größe von 60 Morgen. Bei Aufstellung des Besiedlungsplanes wird Wert darauf gelegt, daß das zu einer Stelle gehörige Land möglichst in einem Stück am Hofe liegt, um ein möglichst rentables Wirtschaften zu ermöglichen. Es werden durchschnittlich 6000 Mark Anzah
Die Große Koalition in Preußen.
Grundsätzliche Schwierigkeiten überwunden.
Im Preußischen Landtag hielten am Freitag mittag die Fraktionen der Demokraten, des Zentrums und der Deutschen Volkspartei Sitzungen ab, um sich mit der Erweiterung der Regierungskoalition zur Großen Koalition zu beschäftigen Der springende Punkt dabei ist der Eintritt der Deutschen Bolkspartei in die Regierungskoalition. Die Voltspartei würde dabei einen der beioen Ministersitze erhalten.
Aus unterrichteten parlamentarischen Kreisen hört man, daß die grundsätzlichen Schwierigkeiten überwunden sind und daß bereits in wenigen Tagen die Ernennung der neuen Regierungs Mitglieder durch den Ministerpräsidenten erfolgen wird. Die Personensragc ist allerdings noch nicht geklärt, doch dürfte es dabei bleiben, daß Abgeordneter Leidig (D. Vp.) das Handelsministerium übernimmt. Der jetzige Handelsminister Dr. Schreiber soll ein Oberpräsidium übernehmen. Mit beut Kultusminister Dr. Becker, der ebenfalls aus der Regierung ausscheiden soll, ist bisher offiziell noch nicht Fühlung genommen worden.
Schließt sich Hessen an Preußen an?
Dem Vernehmen nach herrscht in Kreisen der hessischen Demokraten Neigung, das baldige, fast bedingungslose Aufgehen Hessens in Preußen zu fördern. Eine andere einflußreiche Gruppe der Gruppe der Partei wünscht, daß zunächst einmal das Sparprogramm der Regierung durchgeführt und so gezeigt werde, inwieweit es Hessen noch möglich sei, sich selbst über Wasser zu halten. Zu diesen Fragen soll eine Landesausschutzsitzung der Demokratischen Partei Hessens am Sonntag in Frankfurt Stellung nehmen.
■■M—HW fll I ^ I W l' IM ifi " EEm
Ein Volksparteiler Oberpräsident in Hessen-Nassau?
Frankfurt a. M., 24. Januar.
Die „Frankfurter Nachrichten" melden aus Berlin, daß in Verbindung mit den neuen Verhandlungen über die Bildung einer großen Koalition in Preußen die Frage der Neubesetzung der Oberpäsidien Hessen-Nassau und Pommern erst nach der Erweiterung der Koalition erfolgen werde. Der Deutschen Volkspartei seien u. a. diese Ober- prästdentenposten angeboten worden.
*
Statt Parlamentsabend Schullinderspeisung.
Berlin. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mit* teilt, hat das preußische Staatsministerium beschlossen, an» aesichls der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen weite Bevölkerungskreise zu kämpfen haben, den alljährlich veranstalteten großen parlamentarischen Empfangsabend de^ Staatsregierung in diesem Jahre nicht statlfinden zu lassen. Das Staatsministerium wird statt dessen einen Betrag für Speisungen bedürftiger Schulkinder zur Verfügung stellen.
Von Dr. K i f f m e y e r, Kassel.
lung verlangt; für das Inventar kann, wenn der Siedler es nicht mitbringt, ein Betrag von 3—4000, Mark gerechnet werden, so daß zum Ankauf einer Siedlerstelle im allgemeinen 9—10 000 Mark aus eigenen Mitteln erforderlich sein werden. Einige Provinzen gewährend ihren Siedlern für zum Zwecke des Ankaufs von Siedlungen aufgenommene Darlehen Zinsverbilligungszuschüsse und sind auch sonst bei der Beschaffung der Anzahlungssumme weitgehend behilflich. Die Stelle wird mit voller Ernte und guten Gebäuden bebaut übergeben; das erforderliche lebende und tote Inventar kann der Siedler entweder selbst mitbringen oder mit Unterstützung der Siedlungsgesellschaft am Orte der Siedlung kaufen. An Gebäuden wird, bei den verschiedenen Siedlungsgesellschaften unterschiedlich, meist ein halb unterkellertes massives Wohnhaus mit etwa 70 Quadratmeter Wohnfläche erstellt mit der Möglichkeit, dieses im Bedarfsfälle im Obergeschoß ohne große Kosten auszubauen. Dazu kommt die Futterküche sowie ein massiver Stall mit ca. 120 qm Grundfläche und Raum für 2 Pferde, 8 Stück Rindvieh, 6—8 Schweine und Geflügel, sowie eine hart gedeckte Bretterscheune mit Tenne von gut 1000 cbm Inhalt. An Nebenanlagen werden Brunnen, Jauchegrube, Umzäunung und Anschluß an die elektrische Leitung geliefert.
Kleinere, etwa 40 Morgen große Stellen, werden nach Bedarf ausgelegt und sind zu einem entsprechend billigeren Preis zu erwerben. Außerdem werden bei vorliegendem Bedarf Landarbeiterstellen mit etwa 4 Morgeil eigenem und der gleichen Fläche Pachtland errichtet, jedoch nur dort, wo den Inhabern die bestimmte Gewähr geboten ist, durch landwirtschaftliche oder industrielle Lohnarbeit etwas hinzuzuverdienen. Diese Stellen kosten etwa 10 000 RM. und find im allgemeinen mit einem Anzahlungskapital von 12—1500 RM. zu übernehmen.
Die Erwerber von Neusiedlerstellen sind von der Grunderwerbssteuer sowie vom Landesteil der Erundvermögenssteuer auf 5 Jahre befreit. Die Uebernahme der Siedlungen erfolgt dann ebenfalls gebührenfrei.
Die Siedlungsgesellschaften sind bei Anlage von Neusiedlungen verpflichtet, Wege-, Schul- und Kirchenverhältnisse zu ordnen. Im allgemeinen wird das Prinzip der landsmannschaftlichen Siedlung durchgeführt, um, den Gieblern in den schweren Anfangsjahren das Einleben zu erleichtern. Auch eine Trennung nach Konfessionen hat sich als praktisch erwiesen.
Die Siedlungsanwärter tun am besten und sparen viel Zeit und Geld, wenn sie sich zunächst durch die Siedlervermittlungsstelle beraten lassen. Diese auf Veranlassung der Reichsregierung errichtete Stelle, die in engster Verbindung mit den zuständigen Behörden und landwirtschaftlichen Organisationen arbeitet, hat für Mitteldeutschland in Kassel, Scharnhorst- straße 2, Tel. 5124, eine Zweigstelle errichtet. Sie ist zu schriftlichen Auskünften bereit und steht zu aufklürenden Vortrügen jederzeit zur Verfügung. Sprechtag: jeden Dienstag in Kassel, Rathausschänke, Wilhelmstraße 29. Erst nach Klärung aller Einzelfragen dürfte sich eine Reise in das Siedlungsgebiet zur Besichtigung der in Aussicht genommenen Objekte empfehlen. Es wird versucht werden, Gesellschaftsreisen zu veranstalten, um die entstehenden Kosten möglichst niedrig zu halten.
Angesiedelt werden grundsätzlich _ nur Personen, die über gute landwirtschaftliche Kenntnisse sowie über praktische Erfahrung in der bäuerlichen Landwirtschaft verfügen. Die Ansiedlung erfolgt hauptsächlich in den dünn bevölkerten Provinzen des Deutschen Ostens, Ostpreußen, Grenzmark, Ober- und Niederschlesien, Pommern, Brandenburg, Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz. Es ist, wie bereits erwähnt, selbstverständlich, daß die dortigen Siedlungsgesellschaften nur solche Güter besiedeln, auf denen den Siedlern nach Bodengüte und Absatzlage sichere Existenzmöglichkeit gegeben ist.
In Preussen Butzta« — nebenan Vergnügen.
Eine Frage, die besonders im preußisch-hessischen Grenzgebiet von besonderem Interesse ist, berührt ein Urantrag der preußischen Landtagsfraktion der Deutschen Volkspartei, der auf die gesetzlichen Bestimmungen über die Heilighaltung des Bußtags hinweist, denen zufolge der Buß- und Bettag nicht nur volle Sonntagsruhe erhält, sondern die auch ein Verbot für Vergnügen umfassen. Diese Regelung gelte aber nur für Preußen, während in den angrenzenden Ländern andere Termine für den Bußtag beständen. Infolgedessen könnten am preußischen Bußtage in den Städten und Plätzen benachbarter Länder Vergnügungen in größtem Umfange eingerichtet werden, zu denen eine aufdringliche Reklame die preußische Bevölkerung anlocke. Die Reichsbahndirektion stelle dafür sogar Sonderzüge zur Verfügung Das Staatsministerium wird ersucht, mit den angrenzenden Länderregierungen und den Kirchenverwaltungen dahin zu verhandeln, daß eine einheitliche Festlegung dieses gesetzlichen Feiertages erfolge.
Eine Bitte zum diesjährigen Vollstrauertag.
Obwohl uns vom diesjährigen Volkstrauertag am Sonntag, den 16. März, noch rund acht Wochen trennen, so ist es uns doch bereits heute ein aufrichtiges Bedürfnis, an die gesamte Bevölkerung in Stadt und Land mit einen herzlichen Bitte heranzutreten.
Dieser zweite Sonntag in der Passionszeit — als Fasten- sonntag an sich schon zu ernster Einkehr und Besinnlichkeit mahnend — will ja nun, wie bereits sein Name „Reminiscere" andeutet, noch in besonderem Sinne ein Tag des Erinnerns und Gedenkens an unsere im Weltkriege gefallenen Söhne für uns jein. An ihm soll das ganze deutsche Volk unterschiedslos in stiller Trauer sich vereinigen.
Mit solcher Volkstrauer aber will es doch schlecht übereinstimmen, wenn an diesem Tage, sei es aus Unkenntnis, sei es aus Gleichgültigkeit, weite Volkskreise durch lärmende Feste und ausgelassene Fröhlichkeit in ihrer ernsten Trauerstimmung gestört, ja, fast verhöhnt werden. Geschieht dies auch meist wohl ungewollt, so bleibt doch die Wirkung die gleiche.
Und doch soll dieser Sonntag als einzigster im Lauf eines langen Jahres nur ein Tag menschlicher Pietät und Dankbarkeit sein, an dem es allen Volksgenossen zur selbstverständlichen Pflicht werde, alles laute Lärmen und Feiern, alle Zerstreuungen durch Spiel und Tanz zu vermeiden.
Aus diesem Grunde auch dürfen wir wohl auf weitgehendstes Verständnis und Entgegenkommen rechnen, wenn wir an die Gesamtbevölkerung in Stadt und Land die herzliche Bitte richten, den Volkstrauertag so still wie möglich zu verleben, und, wie am Karfreitag und Bußtag, nur an ernsten Veranstaltungen teilzunehmen.
Im Mittelpunkt des Tages aber stehe allerorten — wie hier in Kassel — eine stille Gedenkstunde, die alle in dankbarer Erinnerung an die vereinigt, die einst ihr Leben dahingaben, damit Deutschland und sein Volk das Leben habe. Seien wir dessen eingedenk: Nur ein Volk, das seine Helden rechtzu ehren weiß, ist würdig ihrer Opsertaten.
Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge E. V.
Bezirtsverband Kurhessen.
Die Rentnerversorgung.
Beim Wiederzusammentritt des Reichstages hat sich der Deutsche Rentnerbund erneut an alle Parteien mU der Bitte gewandt, nunmehr das Rentnerproblem einer Lösung entgegenzuführen. Früher bewilligte man hier nnd da Mittel zu Sonderverteilungen. Neuerdings werden diese abgelehnt mit der Begründung, daß man statt der einmaligen Hilse eine brauchbare Dauerregelun«