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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- und Haunetal ^Zulöaer Kreisblatt

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Nr. 15 1930

Fulda, Samstag, 18. Januar

7. Jahrgang

Anleihefreiheit für Deutschland.

Endspiel auf der Haager Konferenz.

Förmlicher Vertragsschluß beabsichtigt.

Mit der Überprüfung der juristischen Formulierung für den Abschluß der ganzen Haager Arbeiten beschäftigte sich die Sitzung der sechs einladenden Mächte am Freitag. Für das Gefamtabkommen wird voraussichtlich nicht nur, wie anfänglich beabsichtigt eine Protokollierung gewählt, sondern ein vollständiger vertraglicher Akt. Damit soll erreicht werden, daß den nicht an allen Teilen des Abkommens interessierten Mächten, also der S chwe iz und Amerika, die Mitwirkung ermöglicht wird. Ent­sprechend dem deutschen Standpunkt soll in der Mobili­sierungsfrage eine allgemeine Einschränkung des Rechts zur Ausgabe deutscher Anleihen nicht gemacht werden. Es besteht vielmehr die Absicht einer Verständigung in der Weise, daß für den ersten Abschnitt der Mobilisicrungs- anleihe das Feld für Deutschland frei gelassen wird. Dies soll geschehen bis zu einem äußersten Termin, der sich bei früherer Durchführung der Anleihebegebung entsprechend nach vorn verschiebt. In Erörterung ist ein Verfahren, nach dem die Anleihebedürfnisse der Reichsbahn und der Reichspost im Zusammenhang mit der Mobili­sierung einer Reparationsanleihe befriedigt werden sollen. In irgendeiner geeigneten Form will man diese Bedürfnisse zusammenfassen und sie möglichst gleichzeitig und in Übereinstimmung dem Anleihemarkt zuführen. An den Erwägungen über die notwendige Form nehmen die Vertreter der Reichsbank, Reichsminister Schätzel und Generaldirektor Dorpmüller, die im Haag ein- getroffcu sind, teil. Für den Abend war eine neue Sitzung der Mächte angesagt.

und

Die Frage der

Liquidation der Vergangenheit ist, wie offiziös mitgeteilt wird, in befriedigender Weise geregelt. Bezüglich des deutsch-polnischen Liquidations­abkommens war durch Hinterlegung des bezüglichen Teils des deutsch-polnischen Abkommens im Haag der Wunsch be­kundet worden, es zu einem Teil des Haager Vertrags­werks zu machen. Polen hat auf diesen Wunsch verzichtet. Das zunächst sehr zweifelhafte Abkommen mit Neuseeland und dasjenige mit Italien sind in einer Besprechung zwischen Reichsminister Dr. Curtius und den italienischen Delegierten Mosconi und Pirelli zu einem Abschluß ge­kommen. Von italienischer Seite wird noch ein kleiner Überschuß (fünf Millionen Lire) ausgezahlt wer­den. Der Wegfall der besonderen Verzichtsklausel hat zwar keine große materielle Bedeutung, ist aber für die Liquidationsgeschädigten selbst wertvoll, deren Wunsch nach Aufrechterhaltung der Möglichkeiten, die ihnen durch einen Geueralverzichl abgeschnitten worden wären, damit erfüllt wird.

Von dein weiteren Verlauf der Verhandlungen hängt es ab, ob die Konferenz am Sonnabend bereits zu Ende geht oder ob eine Wetterführung noch notwendig wird. Die letzten Vorschläge der französischen Delegation in der Mobilisierungsfrage wurden auch zwischen Reichsfinanz­minister Moldenhauer und dem französischen Finanzminister C h ö r o n persönlich durchgesprochen.

Die Internationale Bank.

Die Beratungen des Organisationsausschusses werden fortgeführt und sollen ebenfalls möglichst Sonn- abend zu Ende gehen. Reichsbankpräsident Dr. Schacht! beteiligt sich an den Besprechungen, ferner auch Präsident B Schröder von der Preitßischen Staatsbank und Direktöl B Rietschel von der Reichskreditgesellschaft.

Oie Frage der Ostreparationen 8 stand vorläufig noch unverändert. Man befürchtete nod M immer, daß die Vertreter der kleineren Mächte Schwierig- M kerten im letzten Augenblick machen könnten. Schon heut« W behaupten diese Vertreter, bei dem schnellen Verlauf der W Haager Konferenz sei nicht die nötige Rücksicht auf die W Interessen ihrer Länder genommen worden. Sie müßten W bessere Garantien erwarten, um den neuen Plan gegen- W zelchnen zu können. Der französische Arbeitsminister W Loucheur äußerte sich aber bereits dahin, daß auch für W die kleineren Mächte eine Beruhigungsformel gefunden sei W mit der Aussicht auf allseitige Zustimmung.

Finanzmanner im Haag. /

Konferenz des Zündholzkönigs mit dem französischen Ministerpräsidenten. - Um die Unterbringung der deutschen Reparationsbonds.

Der bekannte schwedische Finanzmann Jwar Kreuger ist im Haag eingetroffen und hatte bereits eine Unter­redung mit Tardieu. Wie bereits gemeldet, ist in den Verhandlungen von französischer Seite an die dentschen Vertreter die Frage gerichtet worden, ob das zwischen Kreuger imb der deutschen Regierung geschlossene Finanz- abkommen nicht die Unterbringung der deutschen Repara- tionsbonds auf dem intcruationalen Kapitalmarkt beein­trächtigen könne.

Finanzminister Moldenhauer hat daraufhin ausdrücklich fcstgestcllt, daß die Aulcihe auf Grund des Zündholzmonopols ausschließlich aus den Fonds der Kreuger-Konzerne bestritten würde und daß für die Ausgabe dieser Bonds auf dem inter­nationalen Kapitalmarkt eine Sperrfrist von drei Jahren ver­einbart worden sei. -Die wenigen Konzcrngcscllschaften, die einen Teil dieser BondS übernommen hätten, seien gleichfalls auf die dreijährige Sperrfrist verpflichtet worden.

Von unterrichteter Seite verlautet, daß die Franzosen Wert darauf legen, diesen Tatbestand auch in direkten Ver­handlungen mit Kreuger festzulegen. Frankreich besitze

selbst weitgehende Finanzabkommen mit dem Kreuger- Konzern, so daß in der Besprechung zwischen Tardieu und Kreuger in erster Linie die direkten Frankreich berühren­den Finanzfragen erörtert worden seien.

Die Anwesenheit von Vertretern des Otto-Wolf-Kon­zerns im Haag, die auch während der Ersten Haager Kon­ferenz im August im Haag waren, wird mit den Verhand­lungen über die endgültige Regelung der Sachlei­stung e n in Zusammenhang gebracht, an denen der Otto- Wolf-Konzern interessiert ist.

Nochmals die Sankiionsfrage!

Die umstrittene Äußerung Dr. Wirths.

Vor Beginn der Nachmittagskonferenz gab Reichs­minister Dr. W i r t h im Einvernehmen mit der englischen Delegation folgende Erklärung ab: Durch die deutsche Presse liefen Äußerungen über angeblicheAusfüh- r u n g e n des englischen Pressechefs Stewart über Be­merkungen, die Reichsminister Dr. Wirth anläßlich der Besprechung der Sanktionsfrage im Kreise der sechs einladenden Mächte getan haben soll. Die Äußerungen, die in einem Teil der deutschen Presse wiedergegeben sind, sind n i ch t g e f a l l e n.

Bei der damaligen Besprechung handelte es sich um die Beantwortung der vom Schatzkanzler Snowden gestell­ten Frage, ob bei einer etwaigen Diskriminierung einer einzelnen Nation durch Deutschland auch diese ein­zelne Nation in dem gegebenen Falle vor dem Ständi­gen Internationalen Gerichtshof Klage er­heben könne. Diese Frage wurde dem Vertragstext ent­sprechend heute wie damals bejaht.

Im übrigen betonte am Freitag abend Reichsminister Dr. Wirth, daß eine solche Diskriminierung praktisch nicht in Frage kommen könne, da ja Deutschland nicht die einzelnen Glâubigermächte auszahle, sondern dies Ausgabe der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sei. Snowden schloß sich der Feststellung des Dr. Wirth in der Abendsitzung auf das entschiedenste an.

Oie Konferenz tagt bis Montag.

In der Freitagabendsitzung der sechs einladenden Mächte gelangte man nach kurzer Verhandlung zu der Überzeugung, daß eine Durcharbeitung des vorliegenden umfangreichen Materials bis Sonnabend abend ausgeschlossen sei. Es wurde daher be­schlossen, auf Montag vormittag eine Voll­sitzung der Konferenz- einzuberufen.

Times" über das Abkommen mit Deutschland.

London, 18. Jan.Times" meldet aus dem Haag über das Abkommen mit Deutschland": Die physische Arbeit der Fertig­stellung des Dokuments allein ist sehr groß, und es scheint, daß das Dokument frühestens am Montag unterzeichnet wird. Die ausstehenden Punkte im Zusammenhang mit den deutschen Re­parationen sind sämtlich geklärt worden. DieLiquidierung der Vergangenheit" ist vollbracht. Die Eigentumsabkommen mit den Dominien sind im großen und ganzen von der Art des mit Großbritannien abgeschlossenen. Bisher nicht liquidiertes Ei­gentum wird freigegeben. Was Kanada betreffe, so werde dem Korrespondenten zufolge die in Betracht kommende Summe von den Deutschen als äußerst befriedigend angesehen. Im Falle Australien übersteige sie 250 000 Pfund. Der von Neuseeland übernommene Besitz in Samoa verbleibe Neuseeland. Das ita­lienische Abkommen bringe Deutschland eine Summe von etwa 5 Millionen Lire ein.

Oie neue Heimat der deutfch-ruffifchen Bauernflüchtlinge

ist die deutsche Kolonie H a m m o n i a in Brasilien, wohin ein erster Transport von 190 Flüchtlingen von Hamburg aus die Reise angelretcn hat. Da in dieser Kolonie noch Raun» für 2500 Familien ist, so dürften noch weitere Flüchtlingstransporte dort ihre neue Heimat finden. Die Auswanderer merbeu ihr neues Leben unter ähnlichen Umständen beginnen müssen wie die in unserem Bilde gc- zeigten deutsche,» Einwanderer, die in einer der mitten im broNUanischen Urwalde geschaffenen deutschen Kolonien sich ihre erste primitive Unterkunft bauten.

Pertinax über die Beschränkung der deutschen Anleihepolitik.

London, 18. Jan. Pertinax meldet dem .^Daily Telegraph" aus dem Haag, Tardieu habe nach bstündiger ununterbrochenen Erörterung ein UeLereinkommen von höchster Bedeutung mit Deutschland über die Beschränkungen erzielt, die der deutschen Anleihepolitik zur Erleichterung der Ausgabe der ersten Repa­rationsanleihe auserlegt werden solle. Tardieu unterbreitete den Entwurf des Abkommens den Delegationen Großbritanni­ens und der übrigen Länder zur Billigung. Pertinax führt die auch von anderen Seiten gemeldeten Einzelheiten des Ent­wurfs an und bemerkt, um Geld im-Ausland aufzunehmen, müsse Deutschland notwendigerweise durch die Internationale Bank handeln, die die 1. Reparationsânleihe ausgegeben hat. Später wird, wie man hofft, Deutschland freiwillig durch dis Internationale Bank handeln, um bessere Bedingungen von den Darlehens-Gebern zu erhalten.

Italien will seine Flotte abj-fassen, wenn ...

London, 18. Jan.Daily Herald" berichtet aus Genf, bei der Eröffnung der Fünf-Mächte-Konferenz werde der italienische Außenminister Grandi mitteilen, daß Italien bereit ist, seine gesamte Flotte abzuschaffen, wenn die anderen Nationen diesem Beispiel folgen. Bei diesem Entschluß geht Mussolini von der Erkenntnis aus, daß jeder Plan, den die Konferenz auch an­nehmen könnte, Italien zu einer endgültigen Unterlegenheit verurteilen würde. Bei einer praktischen Verminderung aller Flotten habe Italien nichts zu verlieren, aber viel zu gewinnen.

Die Frage der Abschaffung der U-Boote.

Paris, 18. Jan. Nach einer Meldung desEcho de Paris" aus London, die auf die bevorstehende Unterredung des ita­lienischen Außenministers Grandi mit Macdonald und Stimson Bezug nimmt, ist damit zu rechnen, daß die amerikanische Dele­gation auf der Londoner Seeabrüstungskonferenz in sehr energi­scher Weise und keineswegs nur platonisch für die grundsätz­liche Abschaffung der Unterseeboote eintreten wird.

Wiedereröffnung der Französischen Kammer.

Die übliche Vertrauensfrage.

Die Französische Kammer hielt ihre erste Arbeits - s i tz u n g in der neuen Sitzungsperiode ab. Zum Präsidenten wurde zum fünftenmal B o u i s s o n gewähli Ein kommu­nistischer Antrag auf sofortige Freilassung von zwei verhaf­teten Kommunisten gab der Regierung gleich am ersten Sitzungstage wieder SelegenMt zur V e r i: »ueusfraae. Der Antrag wurde zu ihren Gunsten mu 3u9 gegen 256 Stim­men abgelehnt.

Raiffeisen und Landbundaenoffenschast.

Kredite der Preußenkasse.

Der Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages, der die Prüfung der Raiffeisenkredite abgeschlossen hat, begann mit der Nachprüfung der Kreditgewährung der Preußenkafle an die Genossenschaften des Reichslandbunves.

Direktor Siedersleben von der Preußenkasse betont« in seinem Bericht, die Kontrolle der recht zersplitterten Land­bundgenoffenschaft sei ziemlich schwierig gewesen. Der Buch­wert bestimmter Forderungen sei höher eingesetzt worden alS vorher. Damit habe man die Konkursanmeldung vermeiden wollen. Der Gesamtverlust habe 6,64 Millionen Mark betragen. Er sei übernommen worden zu je ein Viertel von der Reichs­regierung, von der Preußenkaffe, von der Deutschen Spar- und Kreditanstalt und vom Reichslandbund. Direktor SiederS- leben ging sodann auf die Zusammenbrüche einzelner Ge­nossenschaften ein. Verluste habe die Landbundbank auch durch die Finanzierung deS Stahlhelms und anderer Organisationen erlitten.

Der frühere Präsident Semper der Preußenkasse er­gänzte diesen Bericht. Er kam zu dem Schluß, daß die Zentral- kaffe des Reichslandbundes keine Geschäfte gemacht habe, die außerhalb des genoffenschastlichen Aufgabenkreises lagen. Die entstandenen Verluste seien vielmehr daraus zurückzuführen, daß gewifle Kreditüberspannungen in einer Reihe von unter­geordneten Einzelgenoffenschaften stattgefunden hätten.

* Die nächsten Zeugen, der frühere Präsident deS RetchS- landbundes, Graf von Kalckreuth, und ReichStagsabgeordneter Stubbendorf, der Aufsichtsratsvorsitzender der ReichSland- bund-A.-G. war, führten die Verluste des ReichSlandbundeS darauf zurück, daß dieser im Jahre 1924 mit unzureichenden Mitteln versucht habe, die Getreidepreise, die damals schon eine stark abgleitende Tendenz gehabt hatten, zu stützen. So-, wohl Graf von Kalckreuth als auch Abgeordneter Stubben- dorf stellten es entschieden in Abrede, daß der Reichslandbund, wie Direktor Siedersleben behauptete, durch Unterstützungen an Organisationen, wie z. B. den Stahchelm, Verluste gehabt hätte. An solch« Organisationen seien niemals Unterstützung« gegeben worden.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Die weiteren Arbeiten der Haager Konferenz sollen dahin gediehen sein, daß Deutschland eine gewisse Freiheit für die Anleihebedürfnisse der Reichsbahn und der Reichspost gegeben wird.

* 3m Raisscisemlutcrsuchungsausschuß des Preußischen Land, tage» wurde behauptet, die Verluste seien zum Teil durch Zn, Wendungen an bcn Stahlhelm und ähnliche Organisationen ent­standen. Bon beii Leitern der Landbundgenoffenschafte« wurde entschieden bestritten, daß jemals derartige Zuwendungen ge­macht worden seien.

* Der amerikanische Handelsattache in Berlin berichtete nach Washington, die deutsche Wirtschaftslage fei im wesentliche« gesund und zukunftsreich, wenn auch die Klagen der Geschäfts­welt über hohe Steuern, Kreditmangel, Abnahme des War««, Verbrauchs und der Ausfuhr berechtigt erschienen.

* Einer der Bergarbeiter, die auf der Heinikgrube bei Beuthen verschüttet worden sind, ist, nachdem er 30 Stunden lang unter den Kohlenmassen gelegen hatte, von den Rettung-, Mannschaften lebend geborgen worden.

Betrifft: Auszahlung der Winterbeihilfe.