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Nr. 14 Freitag, 17. Farmar 1930

politische Rundschau.

BeuLscheS Reich

Einstellung des Kcrntalsperrebaues aus Finanzgründcn.

Den außerordentlich schwierigen Finanzverhältnissen in T h ü r i n g e n ist nunmehr auch der Ausbau der Kern- talwasscrsperre nach amtlicher Mitteilung zum Opfer ge­fallen. Diese Sperre, die im Kerntalgrund bei Oberhof angelegt werden sollte, war dazu bestimmt, die größeren Städte der thüringischen Ebene, wie Erfurt, Arnstadt, Gotha und Weimar, sowie die Reichsbahndirektion Erfurt mit Wasser zu versorgen. Die Kosten der Anlage sind so hoch, daß die Aufbringung der Mittel unüberwindbare Schwierigkeiten bietet.

Das Reichthaler Ländchen.

Am 20. Januar 1920 ging das dem Kreise Namslau seit alters her zugehörige sog. Reichthaler Ländchen auf Grund des Versailler Vertrages in polnischen Besitz über, ebenso wie die anderen entsprechenden, bis dahin deutschen Gebiete. Die wahlberechtigte Bevölkerung des Ländchens hatte sich vorher zu 95 Prozent für Verbleiben bei Deutschland ausgesprochen. Am Gedenktage des be­klagenswerten Übergangs in fremde .Herrschaft faßte der Kreistag Ramslau folgenden Beschluß:Der heute, am .9. Januar 1930, versammelte Kreistag des Kreises Ramslau gedenkt in Trauer und Treue des ihm nach wie vor innerlich verbundenen kerndeutschenReichthaler Ländchens" und benutzt diese Gelegenheit, aufs neue vor aller Welt gegen die abstimmungslose gewaltsame Los- reißung desReichthaler Ländchens" vom deutschen Vater­lande zu protestieren und zu fordern, daß dieses schwere Unrecht wieder gutgemacht werde."

Aus Zn- und Ausland

Berlin. Der Preußische Staatsrat nahm den Entwurf eines Landwirtschaftskammergesetzes in der Ausschußsassung an. Annahme fand auch der Gesetzentwurf über die Aus­hebung der für die Provinzen Hannover, Schleswig-Holstein, Hessen-Nassau und die Stadt Berlin geltenden Vorschriften über die Genehmigung von Ansiedlungen.

Kattowih. Anläßlich der zehnjährigen Wiederkehr des ersten polnischen Aufstandes plante die Korfanty-Partei große Demonstrationen und Feiern in Kattowitz. Diese wurden von der Kattowitzer Polizeidirektion verboten.

Braunschweig. Der Gesamtschlbetrag im braunschwei­gischen Haushaltsplan für 1930 beträgt 7 643 000 Mark.

Marburg. Gelegentlich seiner Anwesenheit in Marburg aus Anlaß der Eröffnung des Forschungsinstituts für Kunst­geschichte übergab Kultusminister Dr. Becker der Marburger Universität, die jetzt diese amtliche Bezeichnung anstatt Philipps-Universität" tragen sott, die neuen Satzungen.

Paris. Die Saarverhandlungen wurden unter dem Vor­sitz des französischen Ministers für öffentliche Arbeiten, Pernot, wieder ausgenommen.

Moskau. Der stellvertretende Handelskommissar Ljubimow ist zum Sowjcthandelsvertreter in Deutschland an Stelle des bisherigen Leiters der Handelsvertretung, Bcgge, ernannt worden.

Hongkong Negierungsfeindliche Truppen haben die wich­tige Hafenstadt Haihau aus der Insel Hainan besetzt. Marine- streitkräfte aus Kanton sind zu ihrer Bekämpfung entsandt worden. Das englische KüstenwachtschiffMagnolia" begibt sich zum Schutz der Fremden nach Haihau.

Grzesinski zur ZnnenpsSiiik.

Die N m g e m e i it b u n g e n.

Im Hauptausschuß des Preußischen Landtages begann die Vorberatung des Haushalts des preußischen ^nnenmtnlste- rinms. Innenminister Gr zes inski betonte u. a., die radi­kale Agitation der Flügelparteien habe im Zusammenwirken mit der wirtschaftlichen Notlage auch in der s?Wu. Zeit zu blutigen Zusammenstößen geführt. Um den staatlichen Organen die notwendige gesetzliche Handhabe zur durchgreifenden Ver­hinderung von Ausschreitungen zu geben, sei die schnelle Ver­abschiedung des , r o

Republikschutzgesetzes

im Reichstag dringend erforderlich. Die Parteien die ihre politischen Ziele gesetzlich verfolgen wollen und Gewalttätig­keiten verurteilen, brauchen scharfe Gesetze nicht zu furchten.

Minister Grzesinski verbreitete sich weiter über die preu­ßischen Uingemeindungsfrage n. Bei der Durchfüh­rung des Umqemeindungsgesetzcs für Rheinland und West­falen hätten sich keine Schwierigkeiten ergeben. Durch die in dieser Angelegenheit gefällte Entscheidung des Staatsgericht^- Hofes soll das Stäatsministerium sich keineswegs zu uferlosen Ein- und Umgemeindungsplänen verleiten lassen. Nur stan­den Umgemeindungsgesetze über Waldenburg, Trier und Merseburg-Leuna bevor.

Die AaiffeisenNKiersuchung.

Weitere Behauptungen Uralzews.

Der Raiffeisennntersuchungsausschuß des Preußischen Landtages setzte die Vernehmung Uralzews in Gegenwart der leitenden Beamten der Raiffeisenbank fort. Zunächst wurde Dr. Wiglow gehört, der nach Rotterdam fuhr, um dort das Farbenlager Uralzews zu versteigern. Der Zeuge erklärte, er habe die Raiffeisenbank von dem Ergebnis seiner Ermittlun­gen unterrichtet und hinzugefügt, er halte die Erklärungen Uralzews, daß er in der Lage sein werde, seine Verbindlich­keiten bei der Raiffeisenbank abzudecken, für unwahrscheinlich.

Im Verlause der weiteren Vernehmung Uralzews kam es zu einem Zusammenstoß zwischen dem Abgeordneten Kuttner und dem Verteidiger Uralzews, Rechtsanwalt Sandhak, als dieser seinen Mandanten wiederholt unterrichtete, ehe Ural­auf die ihm gestellten Fragen antwortete. Uralzew legte dem Ausschuß ein Verzeichnis mehrerer von ihm angeblich ge­tätigter Anzahlungen in Höhe von 2.25 Millionen Mark an die Raiffeisenbank vor, die ihm angeblich nicht gutgeschrieben worden seien:

Sind Uralzews Vermögenswerte verschleudert worden?

Im Raisfeisenunlersuchungsausschuß gab der Vorsitzende in der Nachmittagssitzung einen Bericht der Raiffeisenbank über die Zwangsverwallung der in Radeber g bei Dresden gelegenen FabrikOrion-Werke" des Uralzew bekannt. Weiter wurden die Versteigerungen aus der Uralzewschen Villa Claire" in Berlin-Lichterfelde-West erörtert Bei Bekanntgabe der Ergebnisse der Versteigerungen und bei der Mitteilung, daß ein Tafelaufsatz für 40 Mark versteigert worden sei,

sprang Uralzew erregt auf

und erklärte, dieser Tafelaufsatz habe drei Zentner gewogen lind stamme aus dem Besitz des sächsischen Königshauses. Prominente Museumssachverständige hätten ihn als ein be­sonders wertvolles Stiick bezeichnet. Wenn für 15 Mark eine Vase versteigert worden sei, so könne es sich nur um eine zwei Meter hohe Sevresvase gehandelt haben, die er aus dem Ham­burger Museum für 17 000 Dollar erworben habe. In nicht­öffentlicher Sitzung beschloß der Ausschuß, die Vereidigung der vernommenen Zeugen vorläufig auszusetzen. Am Freitag wird sich die Beweisaufnahme dem KomplexLandbund- ü e n o s s e n s ch a s t" zuwenden.

Eine Lebensfrage für Ostpreußen,

Dr. Steinhoff und der Korridor.

Im Hauptausschuß des Preußischen Landtages äußerte sich Innenminister Grzesinski auch zu der Frage des pol­nischen Korridors nach Ostpreußen und den in dieser Beziehung erhobenen Angriffen gegen den Vizepräsidenten Dr. Stein­hoff beim Oberpräsidium Ostpreußen. Die Angelegenheit stellte sich anders dar, als sie in einem Teil der Presse geschildert worden sei. Dr. Steinhoff habe in einer Unter­redung mit dem Vertreter einer französischen Zeitung sich selbstverständlich auch aus,den Standpunkt gestellt, daß eine Änderung des heutigen Zustandes bezüglich des Korridors eine Lebensfrage für Ostpreußen sei. Die Beseitigung dieses Zustandes werde nicht nur von Ostpreußen, sondern dar­über hinaus auch von ganz Deutschland erstrebt. Dr. Steinhoff habe betont, daß man dabei an eine

friedliche Revision

denke. Wenn die Atniosphäre in Europa zu einer friedlichen Revision noch nicht reif sei, so müsse durch wirtschaftliche Ab- kommen alles getan werden, um den augenblicklichen Zustand zu erleichtern und die Schwierigkeiten zu mildern. Bis zu einer endgültigen Revision der politischen Grenzen müßten eben die wirtschaftlichen Folgen der Grenzziehung durch Handelsverträge und andere wirtschaftliche Vereinbarun­gen nach Möglichkeit beseitigt werden. Diese Erklärung Dr. Steinhoffs läge nach Ansicht des Ministers völlig in ostpreu- kiisckem Sinne.

Die Grundsteinlegung zum Neubau der Universität Heidelberg, der durch die Sammlung des amerikanischen Botschafters in Berlin, Dr. h. c. Schnrman, ermöglicht wurde, wurde durch den Rektor der Universität, Professor Dr. Gotsch- l i ch, feierlich vollzogen.

Der Leberfal! aus denGeorgierKammidse

Gerichtsberichterstatter als Anstifter?

Zu Beginn der Donnerstagsitzung im Tscherwonzen- fälscherprozeß kam der Verteidiger der beiden angeklagten Georgier auf den überfall, der durch zwei Kommunisten auf den Angeklagten K a r u m i d s e vor dem Gerichts­gebäude verübt worden ist, zu sprechen. Der Verteidiger behauptete, daß zwei Berichterstatter der kommunistischen Roten Fahne, die im Saale anwesend seien, zu dem über­fall und zu der Schlägerei aufgemuntert hätten. Der Oberstaatsanwalt erklärte darauf, daß er, so lange keine Namen genannt würden, zu der Bemerkung des Ver­teidigers keine Stellung nehmen könne. Er möchte aber bemerken, daß von ihm aus gegen die beiden Täter ein Verfahren eingeleitet worden fei. Im übrigen sei nun­mehr für die Verhandlung ein besonderer Polizeischutz eingerichtet worden. Dann fuhr das Gericht in der

Zeugenvernehmung

fort und hörte zunächst einige Vorgesetzte der Angeklagten Bell und Dr. Becker, so den Ingenieur Döderlein von den Waffenwerken in München, der über das Verhalten der Angeklagten bei der Firma näheren Aufschluß gab.

Entwicklung des landwirtschaftlichen Schulwesens in Preußen.

Ländliche Fortbildungsschulen.

Obwohl die Anfänge des ländlichen Fortbildnngsschulwcscns in Preußen schon erheblich über fünf Jahrzehnte zurückgreifen, kann man von einer organischen und stetigen Entwicklung dieser Schulart doch erst sprechen, nachdem ihre Förderung im Jahre 1895 dem Preußischen Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten übertragen wurde. Die angegebene Ziffer für 1913 bezieht sich auf den alten preußischen Staatsnmfcmcy Sie umfasst nur die Ziffern der ländlichen Fortbildungsschulen jür^bie männliche Jugend. Die Zahlen, sowohl der Schulen wie der Schüler zeigen dentlich den st a r k e n Aufschwung des länd­lichen F o r t b i l d u n g s s ch u l w e s c n s seit der, Infla­tionszeit. Die Entwicklung zeigt weiterhin, daß die Fort- bildungsschulpflicht einer gesetzlichen Regelung entgegengebt. Hatten doch 1927 von den 11 805 preußischen, ländlichen Fort­bildungsschulen 95,4 v. H. den B e s u ch s z Wang in den be­treffenden Kreisen und Gemeinden eingeführt. Sollte aber die allgemeine ländliche Fortbildungsfchnlpflicht in absehbarer Zeit gesetzlich festgelegt werden, so muß die Unterhaltung dieser Schulen gleichfalls gesetzlich derartig, geregelt werden, daß sie für die Kommunalverbände tragbar ist.

Auf die Kenntnisse, welche die ländliche Volks- und Fort­bildungsschule dem laudwirtschaftlichen Nachwuchs vermittelt hat, baut die landwirtschaftliche W i n t e r s ch u I c auf. Sie ist die eigentliche Fachschnle des Bauernstandes und übertrifft damit an Bedeutung bei weitem alle anderen landwirtschaft­lichen Fachschulen. Der Besuch dieser Winterschulen bat, wie im folgenden das Schaubild zeigt, gegenüber der Vorkriegszeit außerordentlich zugenommen. Allerdings füllt die Besuch- zifser seit dem Jahre 1925, das für Preußen mit 20 696 Schülern für die landwirtschaftlichen Schulen eine Rekordziffer brachte, langsam ab. Trotzdem sich die Zahl der landwirtschaftlichen Schulen, besonders in der Nachkriegszeit, stark gehoben hat, besitzen zur Zeit noch 57 Landkreise keine Schulen, dabei ist in vielen Kreisen mehr als eine Schule not­wendig. Die dringend notwendige Vermehrung der landwirt­schaftlichen Schulen scheitert zur Zeit schon an den Baukosten, die von den interessierten Kreisen nicht aufgebracht werden

Landwirtschaftliche Winterschulen.

Vom Evangelischen Bunde.

Zu Ehren des verstorbenen Präsidenten D. Scholz. Künd« gebung des Zentralvorstandes. Deutsche evangelische Beamtenvereine.

Kassel, 15. Januar.

In der ersten gut besuchten Arbeitsversammlung am Diens­tag abend im Evangelischen Vereinshause, die von Studienrat Dr. Drücke mit einem kurzen Rückblick auf das vergangene Jahr eröffnet wurde, zeichnete der Vorsitzende des Kurheffen-Waldek- kifchen Landesvereins, Professor Hofmann, aus persönlicher Kenntnis heraus das Lebensbild des kurz vor der Jahreswende Heimgegangenen Präsidenten des Bundes, Geheimrat D Scholz, der in mehr als vierzigjähriger Mitarbeit Nestor und getreuer Eckart und zuletzt sein Führer geworden war. Professor Hof­mann zeichnete die Stellung des Präsidenten des Evangelischen Bundes neben der des Präsidenten des Gustav-Adolf-Vereins als die vornehmste und wichtigste freie Warte, die von der evan­gelischen Christenheit in deutschen Landen zu besetzen ist.

Redner lenkte sodann die Aufmerksamkeit der Versammlung, auf die Kundgebung des Zentralvorstandes des Evangelischen Bundes vom 4. Januar d. I., der sich auch der Vorstand des Internationalen Verbandes zur Verteidigung und Förderung des Protestantismus angeschlossen- hat. Sie bezieht sich auf eine päpstliche Ansprache vom 8. Dezember 1929, die im amtlichen Organ der Kurie veröffentlicht ist, derzusolge der Protestantis­mus von Fall zu Fall sinke und die Rückkehr zum Katholizis­mus wachse. Ausweislich der Konsessionsstatistik ist diese im Ton unfreundliche Behauptung in der Sache unzutreffend.

Studienrat A. Ehringhaus berichtete über die evangelische Beamtenbewegung, der in den letzten drei Jahren in West­deutschland über 15 000 Mitglieder beigetreten sind. Sie ist zu verstehen als Reaktion der evangelischen Beamten, die nicht ge­willt sind, durch die wachsende Imparität bei der jetzt partei­mäßig und weltanschauungsmäßig gehandhabten Besetzung der Beamtenstellung sich fortgesetzt und absichtlich zur Seite drängen zu lassen und deshalb zur Gegenwehr nunmehr eine Organisa­tion ausbauen. Das Blatt dieser OrganisationDer evangelische Beamte" erscheint jetzt im vierten Jahrgang. Ihre Festigung hat diese Organisation aus der Erkenntnis empfangen, daß die Klärung und Vertiefung ihres evangelischen Bewußtseins, ihrer Verussarbeit und ihrem Berufsbewußtsein zugute komme. Die Aussprache war sehr rege. Die Paritätsnot bei der gegen­wärtigen Beamten-Stellenbesetzung wurde von einer Reihe anwesender Beamten bezüglich der Justiz, der Schulverwaltung und der Kommunaloerwaltung mit zahlreichen drastischen Fäl­len belegt. Die Weiterführung der Behandlung dieser Organi- fationsfrage wurde in die Hand des Vorstandes gelegt.

Gläubigerversammlung bei der Favag.

Eine vorläufige Quotenschätzung von nur 21 % %.

Frankfurt a. M., 15. Januar.

In der heutigen Gläubigerversamlung der Frankfurter All­gemeinen Versicherung AG., zu der annähernd 200 Gläubiger aus dem In- und Ausland erschienen waren, wurde von dem neuen Vorstand der Gesellschaft eine Quotenschätzung an Hand der noch nicht desinitiv ermittelten Abschlußziffern von Ende des vergangenen Jahres vorgelegt. Nach dieser Schätzung über­steigen die Passiven die Aktiven um nicht weniger als 57,9 Mill. Mark, und die Quote, stellt sich auf nur 21% %. Allerdings ist dabei der Kaufpreis der Allianz wegen der noch nicht er­folgten Einigung mit dieser nicht berücksichtigt. Immerhin ist eine Verschlechterung der Verhältnisse eingetreten, wie sie wohl von den größten Pessimisten kaum erwartet worden war. Es soll nun versucht werden, von dritter Seite Beihilfe zu einer Verbesserung der Quote zu erlangen, um den Gläubigern einen wenigstens einigermaßen annehmbaren Vergleich anbieten zu können. Wie erklärt wurde, haben jedoch die Derwaltungs- banken eine Entschließung dazu noch nicht gefaßt. In der Ver­sammlung kam es zwischen den, verschiedenen Eläubigervertre- tern zu einer recht lebhaften Debatte. Vor allem wurde kriti­siert, daß die Verwaltung erst etwa ein halbes Jahr nach dem Zusammenbruch des Konzerns daran gedacht hat, die Gläubiger über die Verhältnisse eingehender zu informieren und zur Mit­arbeit aufzufordern. In der Diskussion kam auch bei den Aus­führungen der Gläubigervertreter die lakrische Stellungnahme der Gläubiger zum Ausdruck, lediglich der Wahl eines Eläubi- gerkomitees zuzustimmen, das nur den Zweck hat, sich über die Verhältnisse bei der Gesellschaft zu informieren, nicht aber in die Abwicklung selbst einzugreifen. Damit wollen die Gläubiger der Gefahr aus dem Wege gehen, die von der Verwaltung bis jetzt getroffenen Maßnahmen gutzuheitzen. Die meisten Red­ner sprachen sich für ein Vergleichsverfahren aus, bei dem für die Gläubiger mehr zu erwarten fei als bei einem Konkurs. Nach mehrstündiger Dauer der Versammlung wurde schließlich einstimmig beschlossen, ein lököpfiges Gläubigerkomitee zu bil­den, bestehend aus je fünf Vertretern der Dersicherungsgläubi- ger, der inländischen Finanzgläubiger und der ausländischen Finanzgläubiger. Dieses Komitee hat die Verhältnisse bei der Favag zu prüfen, zu Verhandlungen über den Vergleichsvor­schlag oder zur Mitwirkung bei der Abwicklung ist es jedoch nicht befugt. Sein Mandat endet nach Vorlage des Dergleichs- vorfchlags, spätestens aber am 15. März, für welchen Tag eine neue Gläubigerversammlung einzuberusen ist.

Ein Forschungsinstitut für Kunstgeschichte in Marburg.

Eröffnung durch Kultusminister Becker.

Marburg, 15. Januar.

Im Jubiläums-Kunstinstitut der hiesigen Universität fand gestern vormittag die feierliche Eröffnung des ersten preußischen Forschungsinstituts für Kunstgeschichte durch den preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung Dr. Becker statt, das mit Hilfe vieler privater und städtischer Stiftungen in seiner Art ähnlich wie das Kaisdr-Wilhelm-Jnstitut zu­stande gekommen ist. Zwischen beiden besteht nur ein Unter­schied darin, daß das letztere mit geringen Abweichungen nur den Naturwissenschaften dient, während das neue Institut dem wichtigen Gebiete der Geisteswissenschaften zugewandt sein soll. Seine Hauptaufgabe besteht, wie gesagt wurde, in der Erfor­schung der mittelalterlichen Kunst in Deutschland und Frank­reich und ihren wechselseitigen Beziehungen. Man gedenkt, durch die neue Einrichtung dazu beitragen zu können, daß die durch den Krieg geschaffenen und noch nicht gefallenen Schranken zwischen den Wissenschaftlern der europäischen Länder zu besei­tigen und dadurch eine Stärkung des Bewußtseins der Einheit der europäischen Kultur herbeizusühren. Als weitere Aufgabe wendet sich das Institut gegen die Isolierung innerhalb der deutschen Kunstwissenschaft durch Schaffung eines Zentralar­chivs von Aufnahmen, Plänen und Zeichnungen zur Kunstge­schichte, da in Marburg gerade die besten Grundlagen hierfür wie nirgends sonst vorhanden sind. Zählt doch das weltbe­kannte Plattenarchiv des kunstgeschichtlichen Seminars der hie­sigen Universität rund 50 000 Aufnahmen (einschließlich 15 000 französischen). Dazu kommen noch die photographischen Labo­ratorien und ein Stab geschulter Kräfte nebst allen dazu gehö­rigen Einrichtungen. Besonders erwähnt sei, daß es sich nicht um ein Universitäts-, sondern in erster Linie um ein Lehrin­stitut handelt und alle Mittel und Kräfte der Forschung die­nen. Das Institut soll das Abbildungsmaterial zur deutschen und autzerdeutschen Kunstgeschichte zentral erfassen. Es ist ein Institut von internationaler Bedeutung.

Brand auf der ehemaligen Kaiserjachi.

Meteor" durch Explosion zerstört. Zwei Schwerverletzte.

Die im Hafen von Marseille liegende englische Schoncrjacht Minikois", die frühere kaiserliche J â chiM e l e o r", ist durch eine Explosion mit nachfolgendem Brande in der Motorcnanlagc zerstört worden. Zwei Mechaniker wurden schwer verletzt.

DerMeteor" wurde seinerzeit in den Listen der Kaiser­lichen Kriegsmarine geführt und mußte deshalb ausgeliefert werden. Das Schiff gehörte zuletzt einem reichen Inder und sollte zu einer Kreuzersahrt nach Südamerika scrliggcinacht werden