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Zulöa / Statt L
Nr. 13 Donnerstag 16 Januar 1030
Wiedereröffnung des französischen Parlamente.
Die herkömmlichen Eröffnungsansprachen.
Kammer und Senat haben in Paris ihre Sitzungen begonnen. Dem Herkommen entsprechend leiteten die Alterspräsidenten die parlamentarischen Arbeiten mit Ansprachen ein.
In der Kammer befaßte sich der linksrepublikanische Abgeordnete Sibylle mit einer Anregung zur Abänderung der Abstimmungsgepflogenheilen in der Kammer. Danach soll die Vertrauensfrage im Namen der Regierung nur in« folge einer Interpellation über deren allgemeine Politik gestellt werden. Sodann wurde die Wahl des Bureaus vorgenommen. Einziger Kandidat für das Alters- Präsidium ist der bisherige Präsident, der sozialistische Abgeordnete B o u i s s o n. _ ,. „
Im Senat widmete der Alterspräsident Fleury Marschall 'Foch und Clemenceau warme Nachrufe. Hinsichtlich der Haager Konferenz erklärte er, die erste Tagung im Haag wäre ein sicherer Mißerfolg gewesen, wenn Frankreich nicht durch seinen entgegenkommenden Geist einen überzeugenden Beweis für seinen aufrichtigen Friedenswillen gegeben hätte, allerdings unter Aufrechterhaltung der unerläßlichen Garantien, die seine Sicherheit und die Wahrung feiner Grenzen erforderten. Sodann vertagte sich der Senat auf Donnerstag.
Weliagrarkrise und Kohlenkrise.
Der Bericht des Genfer Wirtschaftsausschusses.
Zu dem umfangreichen wirtschaftlichen Berichtsmaterial;'^ das der Völkerbundrat in Genf auf deutschen Vorschlag genehmigt hat, gehört der Tätigkeitsbericht des Wirtschaftsausschusses. Er befaßt sich mit der vorige Woche abgeschlossenen ersten internationalen Zusammenkunft landwirtschaftlicher Sachverständiger. Als wesentlich für die Behebung der W e l t a g r a r k r i s e sei die Notwendigkeit der genossenschaftlichen Organisierung von Produktion und
Verbrauch.
Außerdem wird die Erleichterung des landwirtschaftlichen Kreditwesens empfohlen. — In bezug auf die Welt- kohlenkrise wird aus die in verschiedenen Ländern ein- geleitete straffere Organisierung der Kohlenwirtschaft hingewiesen. Die Ansichten über eine internationale Kohlenverständigung gingen jedoch noch viel zu weit auseinander, als daß ihre Durchführung ins Auge gefaßt werden könnte. — In einem letzten Bericht wird die Auffassung zurückgewiesen, man stehe nach dem ergebnislosen Verlauf der vom Völkerbund nach Paris einberufenen Konferenz zur internationalen Regelung des Frembenrechts vor unüberwindlichen Schwierigkeiten.
Oberregierungsrat Tapolski
im Ektarek-Ausschuß.
Fragen, die Senfalton erregen.
^m Sklarek-Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages gab Untersuchungskommissar Oberregierungsrat Ta- p o l s k i einen ergänzenden Bericht über den Stand der gegen städtische Beamte und Ehrenbeamte eingeleitewn Disziplinarverfahren. Danach sind insgesamt
16 Disziplinarverfahren mit dem Ziele der Dienstentlassung
eingeleitet worden. Ein Verfahren ist durch Tod erledigt. Elf Verfahren sind vorläufig durch Einleitung etnes Strafverfahrens zurückgestellt. Im Gange sind Disziplinarverfahren gegen Oberbürgermeister Böß, Stadtkämmerer Dr. Lange, Stadtrat Busch, Bürgermeister Kohl und Oberbaurat Zangemeister.
Oberregierungsrat Tapolski führte weiter aus, daß eine Pensionierung keinen unmittelbaren Einfluß auf ein schwebendes Disziplinarverfahren habe. Lediglich eine mittelbare Folge würde ste insofern haben, als dann der Spruch des Disziplinargerichtes nicht mehr auf Dienstentlassung, sondern nur auf Aberkennung der Pension lauten könnte. Hieraus stellte der Abgeordnete Koch (Dtn.) eine Reihe von Fragen, die Aufsehen und Unruhe erregten. U. a. bat er um Auskunst darüber, ob den Oberbürgermeister
Bötz ein Verschulden an der Finanzgebarung der Stadt Berlin treffe und ob dem Untersuchungskommissar bekannt sei, daß Stiftungsgelber der Stadt Berlin, die nach den gesetzlichen Vorschriften unter keinen Umständen angegriffen werden dürfen, restlos von der Kämmereikasse verbraucht worden seien. Dem Abgeordneten Koch wurde hier zugerufen, er verstoße gegen die Ausschußbeschlusse, wonach diese An- gelegenhett erst später zur Erörterung kommen solle. Der Abgeordnete Riedel (Dem.) erklärte, daß der Abgeordnete Koch durch seine - Fragen Dinge zur Sprache bringe, die zunächst nur als Behauptungen in bte Welt gingen, ohne daß sie bewiesen seien. Qn ähnlicher Weise äußerten sich die der Deutschen Volkspartei angehörenden Abgeordneten Buchhorn und Hallensleben. Hierauf berichtete
Staatsanwaltschaftsrat Dr. Weißenberg
über den Stand der Strafverfahren. Die Voruntersuchung sei eingeleitet worden gegen die Brüder Sklarek, gegen den Buchhalter Lehmann und gegen die Stadtbamdtrektoren Sch m i d t Hoff in ann und Schröder, ferner gegen Burgermelster Schneider, Stadtrat Gäbet, Stadtrat Degener, Direktor Kahn, Stadtrat Schüntng und Stadtamtsrat Sokolowski. Gegen Bürgermeister Kohl durfte die Voruntersuchung in den nächsten Tagen eingeleitet werden, ebenso gegen Stadtrat Benecke. Auf eine Frage des Vertreters des Justizministeriums erklärt Staatsanwaltschafts- rat Dr. Weißenberg, er habe nicht das Gefühl, daß durch die Tätigkeit des Ausschusses die Aufgaben der Staatsanwalt- schaft beeinträchtigt würden.
Der Ausschuß vertagt darauf seine weiteren Verhandlungen auf den 6. Februar.
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Oberbürgermeister Böß geht.
Oberbürgermeister Böß wird, selbst wenn er aus dem gegen ihn eingeleiteten Disziplinarverfahren straffrei hervorgehen sollte, nicht mehr ins Berliner Rathaus zurückkehren. Eine Kürzung seiner Pension dürfte, wie behauptet wird, nicht in Frage kommen.
Schwere Zusammenstöße mit Arbeitslosen in Chemnitz
Chemnitz. In dem benachbarten Hartmannsdorf kam es vor dem Gebäude der Wirkwarenfabrik Rccenia zwischen einer etwa tausendköpfigen Arbeitermenge und einem Polizeiaufgebot von zwanzig Mann zu blutigen Zusammenstößen. Nach den bisherigen Feststellungen wurden vier Arbeiter ge« tötet und fünfzehn verletzt, darunter fünf schwer. Drei Polizisten wurden durch Stcinwürfe verwundet. Die Arbeiter waren aus Chemnitz und Umgegend nach Hartmannsdorf ge- rühmten, um gegen eine ArbeitSgerichtsverhandlung, die dort Üattfinde» sollte, aber abgesagt worden war, zu protestieren. Las Arbeitsgericht sollte gegen 180 Arbeiter der Firma « r’ti? wegen angeblichen Tnrifbrnchcs verhandeln. Bei dem Versuch der Demonstranten, das Fabrikgebäude zu demolieren, 'am es zu den erwähnten Zusammenstößen mit der Polizei.
Oie FlüchtlingStransporie nach Brasilien.
6 8 0 Deutschrussen reisebereit.
Wie aus Hamburg gemeldet wird, tritt ein Transport' von 380 deutschrussischen Bauernflüchtlingen aus dem Lager Möllen (Lauenburg) am Donnerstag nachmittag mit dem Motoreinheitsschiff „Monte Olivia" die Ausreise nach Brasilien an. Es handelt sich dabei um den ersten Transport über Hamburg, dem ein zweiter von 300 Bauern am 29. Januar an Bord des Hamburg-Süd- Dampfers „Kap Norte" folgen soll. Die Passage ist von der deutschen Regierung bezahlt worden. Die Transporte werden von deutschen Ärzten sowie von brasilianischen Auswanderunaskommissaren begleitet.
Verschärfung des amerikanischen Alkoholverbots.
Die Überwachungsmaßnahmen sollen verstärkt werden. r
Wie aus Washington gemeldet wird, ist rm Amerikanischen Kongreß die vom Präsidenten Hoover vorgeschlagene Erweiterung der Prohibitionsgesetze eingebracht worden. Auf Grund des neuen Gesetzentwurfes werden alle Staats- und Gemeindebeamten in den Dienst der Prohibition gestellt. Gleichzeitig wird die Zahl der Küstenschutz- und Grenz- zollschutzbeamten erheblich vermehrt.
Bergarbeiterstreik in Australien.
Sympathiebeteiligung des Bahnpersonals.
In den nördlichen Bergbaugebieten Australiens ist ehr großer Bergarbeilerstreik ausgebrochen. Die Notstands- arbeiten auf den vom Streik betroffenen Kohlengruben wurden eingestellt. Lokomotivführer und Heizer in den Kohlengruben sind in einen Sympathiestreik eingetreten. Die Grubenbesitzer haben beschlossen, die Zechen in den nördlichen Bergbaurevieren zu schließen.
Aeue Plane Hauptmann Köhls.
Berlin. Wie aus den dem Ozeanflieger Hermann Köhl nahestehenden Fliegerkreisen verlautet, trägt sich Köhl mit neuen größeren Plänen. Köhl, der Anfang Dezember nach Amerika gefahren ist, um auf hoher See neue für den Gebrauch im Flugzeug bestimmte optische und nautische Jnstrr^ mente deutscher Firmen auszuprobieren, wird voraussichtlich in dieser Woche mit der „Deutschland" in Hamburg wieder eintreffen. Die Versuche mit den neuen Instrumenten sollen vorzügliche Erfolge gezeitigt haben. Köhl, der ui Beglei- Mng eines ihm befreundeten Amerikaners zurückkehrt, wird voraussichtlich die Vorbereitung zu einem neuen Transozeanflug in Angriff nehmen. Infolge des Umfanges der Vorarbeiten wird voraussichtlich erst in einige Monaten der Start zu dem neuen Flug erfolgen können.
Ueberfeeflug Oestau— Bolivien.
Start zweier bolivianischer Hauptleute.
Die bolivianischen Fliegerhauptleuie L u i z a g a und Vazquez, die sich schon seit längerer Zeit in Deutschland aufhalten, um einen Flug nach Bolivien zu unternehmen, starten Mittwoch früh 8 Uhr zur ersten Etappe dieses Fluges *on Dessau nach Paris. Sie benutzen ein besonders von Junkers konstruiertes Flugzeug. Die Reise soll über Sevilla, Natal, Rio de Janeiro nach La Paz, der bolivianischen Hauptstadt. aeben.
Rah and $cm
O Die Reichspost bringt eine vor 20 Jahren geschriebene Postkarte und erhebt 15 Pfennig Strafporto. Der Fleischermeister Siring in Kolberg erhielt eine Postkarte, die am 5. März 1910 in Belgard aufgegeben und abgestempelt worden ist. Der Empfänger hat jetzt, nach 20 Jahren, nicht nur die durch die Karte aufgetragenen Grüße an seine Braut, jetzige Frau, prompt übermittelt, sondern auch noch die von der Post verlangten 15 Pfennig Strafporto be- zahlt. (Das Strafporto wurde erhoben, weil die Post inzwischen ja die Portogebühren erhöht hat. Aber was kann der Fleischermeister Siring dafür?)
O Raubüberfall auf eine oberschlesische Sparkasse. Fünf junge Leute betraten den Kassenraum der Stadtsparkasse in Roßberg in Oberschlesien und zwangen die beiden anwesenden Beamten mit vorgehaltenen Revolvern, sich auf den Boden zu legen. Die Burschen nahmen von einem Kassentisch einen Betrag von etwa 2000 Mark an sich und ergriffen dann die Flucht. Einer der Räuber konnte bei der sofort aufgenommenen Verfolgung von zwei Beamten gestellt werden. Als er erkannte, daß ein Entkommen unmöglich war, richtete er die Waffe gegen sich selbst und tötete sich durch einen Kopfschuß. Zwei andere Täter wurden in einem Hauseingang gestellt und warfen ihre Waffen weg, als sie sahen, daß die Beamten schußbereit waren. Die zwei Räuber, die das geraubte Geld bei sich haben, sind noch flüchtig, doch sind ihre Personalien bekannt.
O Die Eisenbahnanschläge bei Kiel. Im Zusammenhang mit den Eisenbahnanschlägen bei Kiel fahndet die Kriminalpolizei nach fünf jungen Leuten, die sich in den Tagen vor den Attentatsversuchen in der Nähe der Tatorte verdächtig gemacht haben. Es wird bekannt, daß es sich im ganzen um fünf Anschläge handelt, davon einer auf dem Gleis Kiel— Ascheberg, drei auf der Strecke Kiel — Altona, einer auf dem Verbindungsgleis Meimersdorf— Ascheberg.
O Verhängnisvoller Streit zwischen Jugendlichen. In Greiz kam es zwischen dem 18 Jahre alten Rudolf Zenker und dem noch nicht 15jährigen Erich Reinhold zu einem Wortwechsel, in dessen Verlauf Reinhold den Zenker durch einen Messerstich schwer verletzte. Zenker ist seiner Verletzung erlegen. Reinhold flüchtete, wurde aber in Plauen verhaftet.
O Gattenmord. Im Dickicht eines Waldes bei Kläham in Bayern fand man die von Füchsen angefressene Leiche der Hilfsarbcitcrfran Maria Oberndorfer. Es wurde sofort angenommen, daß die Frau ermordet und ihre Leiche in den Wald geschleppt worden sei. Der Verdacht der Täterschaft richtete sich gegen den Ehemann. Er wurde in das Landgerichtsgefängnis Landshut eingeliefert und hat bereits ein Geständnis abgelegt.
O Verhaftung eines D-Zugdiebes. Der Frankfurter Kriminalpolizei gelang es, einen seit langem gesuchten D-Zugdieb, der sich vornehmlich auf den Strecken Frankfurt— Mannheim—Karlsruhe und Frankfurt—Saarbrücken betätigte, zu verhaften. Allein zwischen dem 1. und 7. Januar wurden in Frankfurt sieben schwere Koffer- diebstähle angezeigt. Der D-Zugdieb legte ein umfassendes Geständnis ab. Es handelt sich um einen Mannheimer, der in seiner Wohnung mehr als 200 goldene und silberne Wertgegenstände, die aus D-Zugdiebstählen herrühren, untergebracht hatte. Der verhaftete D-Zugräuber dürfte mit einer Bahnräuberbande, die sich auf anderen deutschen Bahnlinien bemerkbar gemacht hat, in Verbindung stehen.
O Mord und Selbstmord. Der Fregattenkapitän a. D. Hildebrandt in Zittau hat seine Frau durch drei Schüsse in den Kopf getötet. Gerade in dem Augenblick, als sein 20jähriger Sohn aus bcm Geschäft nach Hause kam, schoß sich dann Hildebrandt eine Kugel in den Kops, die seinen sofortigen Tod herbeiführte. Die Ursache der Tragödie erblickt man in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Hildebrandt bezog als Offizier eine Pension, die aber für seinen Lebensunterhalt nicht ausreichtc.
O Eine Kieler Einbrecherbande unschädlich gemacht. Eine Verbrecherbande von neun Personen, die der Kieler Geschäftswelt in den letzten Wochen erheblichen Schaden zugefügt hat, ist von der Kieler Kriminalpolizei unschädlich gemacht worden. Die Bande hat u. a. Geldschrank- einbrüche in der Kieler Filiale der Barmer Ersatzkasse und im Finanzamt Kiel ausgeführt. Bisher konnten ibr 25 Einbrüche nachgewiesen werden. Der Führer der Bande hat nach seiner Verhaftung Selbstmord begangen.
O Raubmord bei Paris. Hinter dem Flugplatz von Le Lourget wurde ein Pariser Droschkenchauffeur von einem Manne, der das Auto des Chauffeurs zu einer Fahrt nach Straßburg gemietet hatte, erschossen. Der Mörder, ein geborener Straßburger, gab bei seiner Verhaftung an, daß er die Tat vorsätzlich ausgeführt habe, um sich in den Besitz des Autos zu setzen. In seiner Begleitung befand sich eine junge Dame, die gleichfalls festgenommen wurde.
O Eingeborenentumulte in Kapland. Infolge der Unzufriedenheit der Eingeborenen mit der städtischen Verwaltung kam es im Rathaus zu Carnarvon (Kapland) zu Kundgebungen und schweren Zusammenstößen, bei denen der Bürgermeister, mehrere Europäer und eine Anzahl von Eingeborenen verletzt wurden. Die Führer der Eingeborenen wurden verhaftet, doch gelang es dem Haupträdelsführer, zu entkommen.
0 Neue amerikanische Schnelldampfer für den Europadienst. Für den Europadienst wurde, wie aus Washington gemeldet wird, der Bau von vier neuen amerikanischen Schnelldampfern beschlossen; die Gesamtkosten sollen 75 Millionen Dollar betragen. Gebaut werden^sollen zwei Dampfer von je 45 000 Tonnen, Bremen-Typ, deren Mindestgeschwindigkeit 28 Knoten beträgt und dre den Ozean in fünf Tagen überqueren sollen, sowie zwei kleinere Dampfer, die die gleiche Geschwindigkeit wie der „Leviathan" haben sollen.
0 Geldtransport in die Luft gesprengt. Ein Eisenbahnwagen für Lohngeldtransporte der Pennsylvania-Eisenbahn wurde in der Nähe von Wilkesbarre von einem Banditen, der sich in der Nähe der Bahnlinie verbarrikadiert hatte, mit Dynamit in die Luft gesprengt, wobei drei Personen getötet und drei schwer verletzt wurden; von den Verletzten ist einer später gestorben. Dank dem energischen Eingreifen von Eisenbahnern und Polizei konnte das Geld, etwa 33 000 Dollar, auf das der Bandit es abgesehen hatte, gerettet werden.
0 Drahtlose Telephonverbindung mit einem Ozeandampfer. Der französische Überseedampfer „Olympsc" stellte in einer Entfernung von etwa 5500 Kilometern von der französischen Küste eine Telephonverbindung mit einem Pariser Blatt her, die gänzlich störungsfrei verlief. Der beim Empfänger benutzte Apparat war ein gewöhnlicher Telephonapparat. Bekanntlich liegt die Schwierigkeit der drahtlosen Telephonie vom fahrenden Schiff aus darin, daß das Schiff jeden Augenblick seine Position wechselt und nicht so starke Maschinen und so große Antennen mit sich führen kann, wie sie die Landstationen aufweisen.
0 Zwei Frauen unter Haustrümmern begraben. In einem Dorfe in der Nähe von Cannes wurde ein Haus vom Blitz getroffen und stürzte ein. Eine 80jährige Witwe und ihre 15jährige Nichte wurden unter den Trümmern begraben und konnten nur als Leichen geborgen werden.
0 Eisenbahnzusammenstoß in England. Bei Blaenavon in der englischen Grafschaft Monmouthshire stieß ein Eisenbahnzüg, mit dem zahlreiche Bergarbeiter von ihrer Arbeitsstätte heimkehrten, mit einer Rangierlokomotive zusammen. Ein Wagen, in dem sich 40 Arbeiter befanden, entgleiste. Tote sind nicht zu beklagen, doch wurden mehrere Arbeiter fchwer verletzt.
0 Kampf mit einem Adler. Im Wilnaer Bezirk wurde ein Bewohner des Dorfes Siemienczyki im Walde von einem Adler überfallen und durch Schnäbelt '"be verletzt. Dem Bauern gelang es, den Vogel mit einem Stockhieb zu töten. Die dortige Landbevölkerung erblickt in diesem Vorfall ein Vorzeichen für Zunahme dèr Sterblichkeit und für baldigen Krieg.
O Ein vermißtes Flugzeug aufgefunden — die Flieger tot. Wie aus Boston gemeldet wird, wurde das Flugzeug der Flieger Marra und Kirkpatrick, die einen Angriff auf den Höhenrekord unternommen hatten und seitdem verschollen waren, in Amston (Connecticut) aufgefunden. Beide Insassen waren tot, das Flugzeug verbrannt.
Bunte Tageschronil
Jünkerath (Eifel). Auf dem hiesigen Bahnhof stießen zwei Lokomotiven zusammen. Ein Lokomotivführer und ein Heizer wurden mit schweren Verletzungen in das Krankenhaus nach Euskirchen eingeliefert.
Böhmisch ■ Kamnitz. Den Flammentod fand hier der gelähmte und taubstumme Sohn einer Arbeiterin. Von einem eisernen Ofen waren Funken auf den Strohsack übergesprungen, auf dem der Krüppel schlief. Die Mutter setzte ihr Leben ein, um den Sohn zu retten, doch kam ihr Eingreifen zu spät.
Rom. In der Nähe von Belluno mußte eine Gemeinde geräumt werden, weil sie durch einen von einem nahe liegenden Berge drohenden Erdsturz stark gefährdet ist. In der Gemeinde sind bereits während des Krieges durch einen Erdsturz viele Menschen ums Leben gekommen.
Malvern (Arkansas). Bei dem Zusammenstoß zwischen einem Autobus und einem Kraftwagen wurden 22 Personen, darunter 13 Schulkinder, verletzt.
London. Wie amtlich mitgeteilt wurde, hat sich das Kriegsministerium entschlossen, bei den Truppen den Stahl- h e l m als Friedensausrüstungsbestandteil abzuschaffen.
Rom. In der Nähe von Neapel stürzte infolge starker Regengüsse eine Mauer ein, wobei vier Personen verschüttet wurden. Drei Personen waren auf der Stelle tot, die vierte wurde schwerverletzt geborgen.
Birmingham (Alabama). In einem etwa 60 Kilometer von hier entfernten Kohlenbergwerk erfolgte eine Explosion, bei der sechs Bergleute getötet und eine größere Anzahl verletzt wurden.
Wichita (Kansas). Auf dem hiesigen Flugfeld wurden das Verwaltungsgebäude der Fliegerschule und eine Halle mit elf Flugzeugen im Werte von 90 000 Dollar durch einen Brand zerstört.
Aus dem Genchissaat
§ Der Raubüberfall im Bahnhof Gerolstein vor Gericht. Der Raubüberfall im Bahnhofsgebäude Gerolstein in der Eisel, der sich am 30. Oktober abspielrc, kam jetzt vor dem Erweiterten Schöffengericht in Trier zur Aburteilung. Der Raub wurde damals vereitelt, weil sich der überfallene Beamte zur Wehr setzte, den Verbrecher festnahm und ihn dem Orispolizistcn Münkler übergab. Die späteren Ermittlungen ergaben, daß der vermummte Verbrecher der Gemüsehändler Mengelkoch war und daß der Ortspolizist der Hauptanstifter zu der Tat war und bei dieser Schmiere gestanden hat Außer diesen beiden wurden als Mittäter verhaftet der Krankenkassenrevisor Stark, der Gastwirt Krautz und der Reichsbahnassistent Gores. Letzterer hatte den anderen die Schlüssel zu den Bahnräumen ausgeliefert. Das Gericht verurteilte Mcngelloch zu dre» Jahren drei Monaten Zuchthaus, Stark zu drei Jahren Zuchthaus, Münkler zu vier Jahren zehn Monaten Zuchthaus, Kreutz zu zwei Jahren und Gores unter Zubilligung mildenr- der Umstände zu 15 Monaten Gefängnis.