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Aus Hessen-Nassau und Nachbargebieten.

Merkblatt für den 15. Januar.

Sonnenaufgang 7.59, Sonnenuntergang 16.20 Uhr. Mond- aufgang 16.50, Monduntergang 9.0 Uhr. . . . 1858: Der italienische Maler Giovanni Segantini tn Aron geb.

Reine Liebe macht den Traum des Lebens zur Wahrheit.

L a v a t e r.

Wetterbericht.

Die Zufuhr milder Luftmassen vom Ozean her auf das Fest­land hält zunächst noch an. Infolgedessen bleibt auch die un­beständige und wechselnde Witterung bestehen, wenn auch Nie­derschläge nicht allzu häufig und auch nur vorübergehend auf­treten werden. Vorhersage bis Dienstag abend: Vorüber­gehend wieder Bewölkungszunahme und verstärkte Nieder­schlagsneigung, dann wieder vielfach aufheiternd, bei südwest­lichen Winden mild. Witterungsaussichten für Mittwoch: Fortdauer der milden, zeitweise zu Niederschlägen neigenden Witterung.

* Fulda, den 14. Januar 1930.

Oüerpräsident Dr. Schwander tritt in den Ruhestand.

Der verdienstvolle und in allen Bevölkerungskreisen gleicher­weise hochgeschätzte Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau, Exzellenz Dr. Rudolf Schwander, hat zum 1. April seinen Abschied aus dem Staatsdienst erbeten. Sein Abschiedsgesuch ist vom Minister bereits genehmigt worden.

In der Provinz Hessen-Nassau wird das Scheiden des ver­dienstvollen Mannes allgemein bedauert werden. Ueber den i Lebensgang Dr. Schwanders berichtet dieKasseler Post":

Dr. Schwander ist geborener Elsässer. Er wurde am 23. Dezember 1868 in Kolmar als Sohn einfacher Eltern geboren, besuchte die Volksschule und trat mit 15 Jahren als Schreiber beim Bürgermeisteramt in Kolmar ein, wo er es bis zum . Leiter des Armenamtes brachte. Daneben bildete er sich in sei­nen Musestunden wissenschaftlich mit solchem Erfolge fort, daß er sich mit 29 Jahren an der Universität Straßburg einer be­sonderen Prüfung für das Studium der Rechts- und Staats- : Wissenschaften unterwerfen konnte. 1901 bestand er die Doktor- Prüfung summa cum laude und trat dann als Eeneralsek- ; retär für das Ärmenwesen in den Dienst der Stadt Straßburg. Schon nach einem Jahr zum Beigeordneten gewählt, bewährte er sich, gestützt auf gründliche theoretische und praktische Kennt­nisse, auch im breiteren Rahmen kommunaler Verhältnisse so gut. daß er schon 1906 zum Nachfolger des langjährigen Bürger­meisters von Straßburg Dr. Back gewählt wurde. Diesen Posten hat er mit einer kurzen Unterbrechung über zwölf Jahre bekleidet und sich in dieser Zeit den Ruf eines außerordentlich * tüchtigen und weitblickenden Kommunalbeamten erworben.

Die,Universität Tübingen ernannte ihn für seine Verdienste auf diesem Gebiete zum Ehrendoktor. Eine kurze Unterbrechung erfuhr seine Straßburger Tätigkeit im Jahre 1917, als er am 5. August, dem Tage des großen Aemterwechsels im Reich und E in Preußen, als Unterstaatssekretär nach Berlin berufen wurde, um dort die Einrichtung des neuen Reichswirtschaftsamtes zu leiten. Kurz darauf wurde er zum Staatssekretär ernannt, ent- ' ichloß sich jedoch schon im November desselben Jahres zum Rücktritt, um wieder an die Stelle seiner früheren Tätigkeit, ? aufxben Bürgermeisterstuhl von Straßburg zurückzukehren.

Kurz vor der Revolution, im Oktober 1918, nahm Schwander das ihm angebotene undankbare Amt eines kaiserlichen Statt- - Halters der Reichslande an. Er war der letzte Statthalter und hat diesen Posten nur wenige Tage bekleiden können. Vor den einrllckenden Franzosen mußte er über den Rhein fliehen. Dr. Schwander wurde im Juni 1919 an die Spitze unserer Provinz berufen. in dem Jahr allgemeiner Not und Wirrnis. Was ihn stets auszeichnet,seine kluge, vermittelnde Art, Gegensätze auszugleichen, Schärfen zu mildern und Gegner immer wieder auf einigenden Boden zu führen, verhalfen ihm gerade in den ersten Jahren seiner hiesigen Amtstätigkeit zu segenbringenden Erfolgen. Noch litt man unter den Folgen und Unruhen des Umsturzes, und die Erregung weiter Volkskreise war groß. Die Persönlichkeit Dr. Schwanders die immer das Vertrauen aller für sich hatte, dämpfte die Erregung, lenkte in . ruhige É Bahnen, beherrschte die gegen einander stehenden Parteien mit : wundervoller Einsicht für jeden, stets des hohen Gedankens bewußt, daß es einen Aufbau, ein Vorwärts nur geben kann, wenn sich die Einzelglieder eines Volkes verständigen, verstehen und in dem Dienste für die Allgemeinheit finden Dazu ge­hörte eben die geistvolle Ueberlegenheit, das kluge Verstehen, die aus tiefstem Herzen kommende Liebe für sein Vaterland. Oberpräsident Dr. Schwander brachte diese hohen Tugenden in reichem Maße mit. Er ließ sie auswirken zum Segen für unsere Provinz.

i _ Sein Amt wies ihm große Aufgaben auf den verschiedensten Gebieten zu. Die Kommunalverwaltuna hat erst in letzter Zeit wiederum in ihm die vermittelnde Kraft gespürt, als es galt, den Haushaltsplan für den Bezirksverband festzusetzen und da­bei die widerstrebenden Parteimeinungen zu vereinigen. Das Pertrauen, das ihm von allen Seiten bekundet wurde, machte es ihm möglich, in allen Kreisen der Berufsvertretung, in Jn- lstrie, Handwerk und Landwirtschaft fördernd zu wirken, 'it welcher Umsicht setzte er sich für Milderung und Beseiti- ng der Nöte ein, als durch die Ueberschwemmungen in den ; Jahren 192527 der Landwirtschaft so großer Schaden zuge- f.gt wurde! Wie viel verdanken ihm Rhön und Westerwald, o mit staatlicher Hilfe eine intensive Wiesen- und Weidewirt- ' yaft in Grünland außerordentlich gefördert wurde. Er grün­dete im November 1923, um die Fortbildung der jungen Land­wirte in systemvolle Form zu leiten, den VereinSelbsthilfe . und Gemeinsinn auf dem Lande," Gesellschaft zur Förderung « Ji?5 Endlichen Bildungswesens. Welche Erfolge hatte der $ im Fortbildungsschulwesen, in der hauswirtschaftlichen Ausbildung der Landwirtstöchter, überhaupt auf jedem kul­turellen Gebiet erreicht!

. Aber damit erschöpfte sich die Arbeitskraft des Oberpräsi- venten bei weitem nicht. Das Verkehrswesen mit seinen von f zu ^ahr sich steigernden Entwicklungen, die Luftfahrt, der Bau von Flughäfen, die Arbeit der Segelflieger, der Kraft- I Wagenverkehr mit allen seinen Folgen, fanden in ihm einen be- fonnenen, weitblickenden Verwaltungsbeamten, der nie über I bas Erreichbare hinausqinq, aber stets für das Notwendige sich ; mit aller Tatkraft einsetzte.

* Seine Fürsorgetätigkeit galt nicht allein den Interessen der s fugend (Herbergswesèn), der Sorge um Kranke und Schwache. E l T,V< âlose-Bekämpfung, gemeinnützige Wohnungsfürsorgege- sel.schoften, Wohlfahrtsschule in Frankfurt a. M.. Polizeikur- anitalt rn Hann.-Münden), sie wirkte sich auch auf künstlerischem und wissenschaftlichem Gebiet segensreich aus. Wir brauchen uur an die Unterstützung zu denken, die Dr. Schwander unse­rer Landesuniversität Marburg, der Universität Frankfurt, : ""Cren Kunstsammlungen und unserer Kunstakademie gab, um zu begreifen, wie umfangreich das Arbeitsgebiet Dr. Schwan- brrs ist, und um zu wissen, wie selten reich seine Persönlich- wlt sich auswirkte."

Theatergemeinde Fulda.

Die beiden Opern, die die Berliner Kammeroper am 17. und Januar im Stadtsaal zur Aufführung bringt, gehören zu schönsten Koloraturopern der Welt und zu den Standart- werken jeder großen Opernbühne. Von allen Werken des genia- ren Rossini istDer Barbier von Sevilla" das bekannteste und meistgespiclte. ein köstlich heiteres Werk voll strömender Melo- Insulte.Cosi fair tutte" (So machens alle) ist unter den ^^ftrwIken Mozarts das graziöseste und humorvollste. Die Aürhl fällt einem schwer zwischen diesen beiden Perlen der Turnkunst. Am besten, man besucht sie beide. Die Pslichtvor- b^ung für die Mitglieder der Theatergen,einde ist am Sams- der,Freitagvorstellung erhalten die Mitglieder der Theatergemeinde jedoch ebenfalls ermäßigte Preise.

Vortragsvereinigung.

Bei dem großen Interesse, das heute dem Rundfunk, der drahtlosen Telefonie und Bildübertragung entgegen gebracht wird, ist es seit langem die Absicht der Vortragsvereinigung gewesen, einmal über diese moderne Wissenschaft sprechen zu lassen. Anderweitige Verpflichtungen in den früheren Jahren haben leider die Verwirklichung dieses Wunsches verschieben müs­sen. Nunmehr soll am 15. Januar in einem populär-wissen­schaftlichen Vortrag, zu dem Herr Professor Dr. Arthur Krause aus Leipzig gewonnen werden konnte, das Versäumte nachge­holt werden. In dem Themadie physikalischen Grundlagen der Radiotechnik, der drahtlosen Telefonie und der drahtlosen Bildübertragung" wird der Portragende an Hand von zahl­reichen Lichtbildern Aufklärung über dieses interessante Ge­biet geben.

Der Vortrag, zu dem alle Radiohörer besonders eingeladen werden, findet am 15. Januar, abends 8 Uhr, im Bürgerver­ein statt. Stammkarten zu 4 Mark, Einzelkarten zu 1.50 Mark und Schülerkarten zu 0,50 Mark sind in der Nehrkornschen Buchhandlung zu haben.

Sturmschäden.

Durch den am gestrigen Vormittag herrschenden starken Sturm wurde eine große Schaufensterscheibe des Warenhauses M. Bär u. Co. in der Mittelstraße zertrümmert. Auch an zahlreichen Dächern richtete der Sturm erheblichen Schaden an.

Vom Konkursgericht.

In dem Konkurs des Kaufmanns Robert Plack, Spezial- Strumpfhaus, Fulda, fand gestern im Amtsgericht Fulda die erste Gläubigerversammlung statt. Aus dem Bericht des Kon­kursverwalters ging hervor, daß der Gemeinschuldner vor eini­gen Jahren das Geschäft bereits stark verschuldet übernahm. Nach dem jetzigen Status ist höchstens mit einer Quote von 23 Prozent zu rechnen. Auf Antrag eines Gläubigers wurde der sofortige Ausverkauf des Warenlagers beschlossen.

Im Preußischen Landtag

hat der Abigeordnete Kube (Nat.-Soz.) eine kleine Anfrage an das Staatsministerium gerichtet, in der es heißt:

Unter dem 13. Dezember 1929 richtete ein Herr Kuchen von der Regierung in Kassel (Regierungsdirektor in der Abtei­lung für Kirchen und Schulwesen) an den Schulamtsbewerber Herrn Rudolf Jordan in Fulda ein Schreiben, in dem er dem Jordan mitteilt, er sei wegen politischer Betätigung von der Liste der Schulamtsbewerber gestrichen worden. Jordan habe als Lehrerin gastweisen" parteipolitischen Versammlun­gen den Staat und seine Vertreter beschimpft und verleumdet.

Das Staatsministerium wird nach der Persönlichkeit des Herrn Kuchen und danach gefragt, was unter einergastweisen Versammlung" zu verstehen sei. Ferner, ob Jordan rechtskräf­tig wegen Beschimpfungen und Verleumdungen verurteilt sei und wenn neirg ob dasSlaatsminifterium die Streichung Jor­dans von der Liste derSchulamtsbeweber billige. Schließlich will der Anfiagende noch darüber Bescheid haben, wie Dr. Friedensburg den Bescheid des Herrn Kuchen begründet.",

Lohne (bei Fritzlar). Der frühere Land- und Gastwirt Ben­jamin Siebert konnte am 13. in voller Rüstigkeit seinen 91. Ge­burtstag feiern.

Homberg. Bei den Zimmerarbeiten der im Bau befindlichen Drahtseilbahn des Hemberger Basallwerks ereignete sieb vori­gen Freitag am Werrberg ein Unglllcksfall, da der am Bauge­rüst beschäftigte 24jährige Zimmermann Jakob Iber aus Nie- derhülfa durch einen Fehltritt in Höhe von etwa 12 Metern herabstürzle und mit dem Kopf auf einen mit Eisen gefüllten Schwergewichtskasten auszchlug, wodurch er sich einen schweren Schädelbruch und eine Gehirnerschütterung zuzog. Nach An­legung eines Notverbandes wurde der Verunglückte in das Krankenhaus Hephata überführt, wo er am Sonnabend morgen feinen überaus schweren Verletzungen erlegen ist.

Allendorf (Eder). Von einem Auto erfaßt wurde das fünf­jährige Töchterchen des Metzgermeisters Henkel. Das Kind spielte auf der Straße und wollte diese noch schnell passieren. Zum Glück gelang es dem Wagenlenker noch rechtzeitig, das Auto herumzureißen, daß die Räder nicht über das Kind gin­gen!. Mit Kopf- und Armabschürfungen wurde das Kind nach Hause getragen. Die Verletzungen sind leichter Art. Der Fall dürfte wiederum Eltern und Autofahrern eine Mahnung fein.

Kassel, 13. Jan. (Gerichtliches Nachspiel zum Zusammen­bruch von Andre u. Herzog.) Noch im Laufe dieses Monats werden vor dem Großen Schöffengericht die ersten Perhandlun- gen in der Angelegenheit des Zusammenbruchs des Bankhauses Andre u. Herzog stattfinden, und zwar zunächst wegen dem Pro­kuristen Walter Feindt wegen Diebstahls. Feindt wird beschul­digt, sich die in dem Bankgeschäft herrschende Unordnung zu Nutze gemacht und Diebstähle von Wertpapieren ausgeführt zu haben. Auch hatte er fingierte Konten eingerichtet und mit diesen zahlreiche Spekulationen getätigt, die zumeist recht ver­lustreich waren. Außerdem unterhielt Feindt unter falschem Namen Konten bei andern Unternehmungen, bei deren Nach­prüfung sich ergab, daß die Werte, die aus diesen Konten stan­den, aus den Depots der Firma Andrä u. Herzog entwendet worden waren.

Aus der Schwalmgegend. Ein Bursche aus Asterode wollte ein junges Mädchen, das in Romrod bei Alsfeld in Stellung ist, nachts mit einem Motorrad dorthin bringen. Hinter Alsfeld prallte er so heftig gegen einen auf der Straße fahrenden Pferdewagen, daß er und seine Begleiterin auf dem Soziussitz erhebliche Verletzungen davontrugen. Beide mußten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Alsfeld, 12. Jan. (Beim Feueranmachen mit Benzol schwer verunglückt.) Ein junger Arbeiter aus Schadenbach war in dem Arbeiteraufenthaltsraum des Bergwerks Bleidenrod damit be­schäftigt, in dem Ofen Feuer anzumachen. Hierbei schlugen plötzlich die Flammen der Feuerung zurück und setzten die Ben­zolkanne, mit deren Hilfe das Feuer entfacht worden war, in Brand. Die Flammen ergriffen im Augenblick auch die Klei­der des Arbeiters, der im Nu lichterloh brannte. Nur dadurch, daß er sich geistesgegenwärtig auf den Boden wälzte, konnten die Flammen zum 'Erlöschen gebracht werden. Immerhin hat er erhebliche Brandwunden im Gesicht und an den Händen davon­getragen. Ferner wurde eine Anzahl Arbeiterkleider, die in dem Raume hingen, durch die Flammen beschädigt.

Gießen, 13. Jan. (Schwerer Unglücksfall in einer Braun- kohlengrube.) In der Braunkohlengvube der Gewerkschaft Friedrich in Trais-Horloff wurde der Bergarbeiter Wilhelm Eichenauer beim Abschleppen eines beladenen Kohlenwagens durch die Grubenlokomotive infolge plötzlichen Zerreißens des über eine eiferne Rolle laufenden Seils von der lasgefchleuder- ten Rolle so schwer an dem einen Unterschenkel verletzt, daß ihm das Bein in sehr komplizierter Weise gebrochen wurde. Der Verunglückte mußte der Chirurgischen Klinik in Gießen zuge­führt werden.

d. Hungen, 13. Jan. Ueber die kürzlich gemeldete Stille­gung der Gewerkschaft Friedrich in Trais-Horloff wird uns er­gänzend berichtet, daß vor vier Wochen ein Revisor aus Berlin dagewesen sei, und nun ist die Kündigung da. Staub und Dampf bezeichnet den Weg zum Werk. In einer Hütte richtet ein Mann die Schwellenhölzer. Gleich daneben steht man sin­nend amMillionengrab". Der Eindruck ist überwältigend und schauerlich zugleich; hier in diesem Loch ist die ruinöse Kohlen­säurequelle, die an allem schuld sein soll. Große und kleinere Bagger arbeiten hier, Dampfzüge mit Erde fahren, Drahtseil­bahnen schütten Schlacken in den Abgrund, und hier am einen Ende geht eine Kettenbahn mit Kohlenwagen aus einem Unter­tagbau in die Höhe, die einzige Ader, aus der das Gold fließen soll. Gasgeruch in der Nähe der Fabrik und auch im Dorf. Man ist dort der Meinung, daß die Grube sich nie rentiert hat sich nie rentieren konnte. Wasser war schon immer da, mußte auch im Tagebau vorkommen, denn das ganze Erubenfeld grenzt an ein umfangreiches Quellengebiet und wird von Wasser­läufen umzogen. Die landwirtschaftlichen Betriebe des Dor­fes sind infolge Eeländeverlust stärkt beschränkt; im Dorf wur­den im Lauf der Jahrzehnte Geschäfte aller Art eröffnet, die Verdienst fanden; die Zukunft stellt ihre Existenz in Frage. Eine große Beamten- und Arbeiterschaft, sowohl im Dorfe selbst als aus der näheren und weiteren Umgebung blickt hoffnungs­los in die Zukunft.

Bad Nauheim, 11. Jan. (Tödlicher Unglücksfall durch ein unbeleuchtetes Fuhrwerk.) Ende Oktober v. I. war der 23 Jahre alte Eeipannführer K. vom Hofgut in Beienheim auf seinem Einspänner morgens um 6 Uhr nach Bad Nauheim ge­fahren. Obwohl es noch dunkel ^war, hatte K. fein Fuhrwerk nicht beleuchtet. An der Einmündung in die Straße Friedberg- Hungen streifte ein in scharfem Tempo fahrendes, aber beleuch­tetes Motorrad den Wagen; der Motorradfahrer stürzte schwer u. starb kurz danach. K. hatt sich nun vor dem Gießener Gericht zu verantworten. Es wurde ihm vorgeworfen, sein Fuhrwerk nicht beleuchtet zu haben und im Augenblick des Zusammenstoßes zu scharf nach links gefahren zu sein. Die Strafe lautete auf sechs Wochen Gefängnis.

Bad Nauherm, 13. Jan. (Aufhebung des Amtsgerichtes in Bad Nauheim?) Gerüchten zufolge soll auch das hiesige Amts­gericht ein Opfer der Abbaumaßnahmen werden. Es wird da­von gesprochen, daß hier nur eine Nebenstelle des Amtsgerichtes Friedberg bestehen bleiben solle.

~ Gelnhausen, 10. Jan. (Eine jugendliche Mutter.) Das 12 Jahre alte Töchterchen einer in dem Dorfe Roth (Kreis Geln­hausen) wohnenden Familie ist in Marburg von einem Kinde entbunden worden. Der aus Langenselbold stammende Stief­vater war geflohen, ist jedoch inzwischen verhaftet worden.

Franffurt a. M., 13. Jan. (Arbeitslose Geschworene.) Am kommenden Montag soll hier das Schwurgericht tagen. Die Ge­schworenen sind ausgelost, aber es icbe'nt an Material zu feh­len. Bisher konnte noch kein ? .. ...gesetzt werden, so daß mit dem Ausfallen der Schwurgerichtsperiode gerechnet wird. Es wird also arbeitslose Geschworene geben. In diesem Falle ist allerdings die Arbeitslosigkeit zu begrüßen.

Frankfurt a. M., 13. Jan. (Eine teure Angelegenheit.) Im vergangenen Jahr verhandelte Frankfurt über die Aufnahme einer Amerika-Anleihe in Höhe von 60 Mill. Mark. Die Be­dingungen für die Anleihe waren außerordentlich günstig. Da aber die Beratungsstelle die Genehmigung nicht erteilte, kam Frankfurt um seine Anleihe. Zur Befriedigung seines Finanz- bedarfs mußte die Stadt in erheblichem Umfange kurzfristiges Geld zu hohem Zinssatz aufnehmen. Später wurden 30 Mill. Mark Schatzanweisungen ausgegeben, von denen erst jetzt die letzten 5 Mill. Mark aufgelegt worden sind. Die Bedingungen für das auf diese Weise beschaffte Geld waren ungleich günstiger als die der mißlungenen Amerikaanleihe. Für Frankfurt er­wächst daraus ein Mehraufwand an Zinsen von rund 1 Mill. Mark pro Jahr.

Frankfurt a. M., 13. Jan. (Ein D-Zug-Kofferdieb gefaßt. Ein ganzes Warenlager beschlagnahmt.) Dank der umsichtigen Arbeit der Reichsbahnpolizei des Direktionsbezirks Frankfurt gelang es dieser Tage, einem recht gefährlichen D-Zugdieb, der einschlägig bereits schwer vorbestraft ist, das Handwerk, zu legen. Allein in den Tagen vom 30. Dezember bis zum 7. Januar wurden nicht weniger als fünf Fälle der llnterfuchungs- Itelle gemeldet, in denen Reifenden auf dem Bahnhof oder während der Fahrt die Koffer aus dem D-Zug gestohlen wor­den waren, am 7. Januar mittags zwei weitere Fälle. An Hand der von den bestohlenen Reisenden gemachten Angaben gelang es noch am selben Tage durch konzentrisches Vorgehen der Bahnpolizei, den Dieb zu fassen. In seiner in einer' aus­wärtigen Stadt befindlichen Wohnung wurde ein ganzes Warenlager von gestohlenen Wertgegenständen. Uhren. Silber­lachen und andere Wertobjekte beschlagnahmt, weitere noch reichere Diebesbeute wurde anderweitig 'fichergestellt. Die ge­samte Deute konnte mit Ausnahme zweier Köfferchen, die der Dieb auf der Straßenbahn im Stich ließ, wieder beigeschafft werden Insgesamt stellt die Deute einen Wert von über 10 000 Mark dar.

Frankfurt a. M^ 13. Jan. (EinBund für Volksernäh- rung tn Frankfurt.) Eine in der heutigen Notzeit außeror­dentlich wichtige Gründung ist in Frankfurt a. M. erfolgt: Manner der Ernährungswissenschaft haben denBund für Volksernahrung" ins Leben gerufen, der eine Zufammenfaffung aller Kräfte, die sich vermöge ihrer Sachkenntnis und ihres guten Willens in den Dienst der Aufgabe stellen wollen, an der Verbesserung und Fortentwicklung der Ernährungsweise ge­sunder und arbeitsfähiger, wie auch kranker und hilfsbedürfti­ger Menschen mirzuarbeiten, erstrebt. Die Arbeit des Bun­des geht parallel mit derjenigen des vor einigen Jahren ins veben gerufenen Reichsvereins für Volksernährung, doch wird der Franffurter Bmrd die Mitarbeit eines wissenschaftlichen Beirats erhalten, hegen Rat die Arbeit des Bundes bestimmen soll.. Der Bund will u. a. dazu bei tragen, die Ernährung wirt- lchaftlick rationell zu gestalten, d. h mit einem Minimum von ökonomischer Aufwendung ein Höchstmaß von qualitativer Er- mihrung zu erzielen. Durch Vorträge und praktische Lehrkurse, die jeweils der Lebenshaltung der verschiedenen Bevölkerungs­schichten angepaßt werden, soll zunächst die unmittelbare An­teilnahme des einzelnen Menschen erweckt werden. Besonde­res Augenmerk soll auch den Fragen der Massenbeköstigung ge­widmet tverden. Mit einem öffentlichen Eröffnungsabend wird der Bund, an dessen Spitze Professor Dr. Grote steht, am Mitt­woch abend an die Oeffentlichkeit treten. Man will auch die Provinzialbehörden für den Bund interessieren, um eine Aus­dehnung über Frankfurt hinaus zu erreichen. Jedenfalls glaubt man, eine Institution geschaffen zu haben, welche ein wirk­sames Hilfsmittel ist gegen allzu laute und allzu einseitige Auf­klärung, die noch immer von manchen Kreisen ausgeht.

Darmstadt, 11. Jan. (Kein Abbau des Mainzer Pädagogi­schen Instituts.) In einem Mainzer Blatt war behauptet wor­den,daß das Mainzer Pädagogische Institut anscheinend zu­gunsten der Darmstädter Technischen Hochschule und der Gieße­ner Universität auf die Abbaufeite gelegt worden werden solle". Von zuständiger Seite erfahren wir, daß solche AWchten bei der Regierung niemals erwogen worden sind.

Rodheim v. d. H., 13. Jan. (Vom Pferde geschlagen.) Ein Landwirt wurde vor einigen Tagen von seinem Pferde in die Nierengegend geschlagen. Die hierdurch entstandene Verletzung machte eine Aufnahme in das Bürgerhospital in Friedberg er­forderlich.

Eich (Rheinh.), 12. Jan. (Handel mit Erbschaftsanspriichen.) Die Millionen des ehemaligen Einwohners Decker von Eich der vor 100 Jahren mit Philadelphia ein seltsames Geschäft machte, erregen immer weiter die Gemüter der Erbberechtigten Jeder möchte miterben, und so ist es verständlich, daß sich Leute bemühen, in den Besitz dieses Rechtes zu kommen. Es gibt aber auch Zweifler, denen der Sperling in der Hand lieber ist, als die Taube auf dem Dache. So dachte auch ein erbberechtigter Arbeiter von hier, als er seinen Erbapspruch auf die Millionen einem andern gegen bare 500 Mark verkaufte. Wenn die Dol­lars kommen; macht der Käufer zweiffellos ein Bombengeschäft. Aber das Wenn . . , , , 1