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Abschiedsgesuch des Oberpräsidenten

Dr. Schmauder.

Kassel , 11. Zan.

Der Oberpräsident von Hessen­

Nassau, Exzellenz Dr. SchwanLer, hat zum 1. April ttus Gesundheitsrücksichten und mit Rücksicht aus sein Alter seinen Abschied erbeten.

Kundgebung des deutschen Geloerksschafts- brmdes.

Frankfurt a. M., 12. Januar.

Der Deutsche Eewerkschaftsbund, Landesverband Hessen und Hessen-Nassau, veranstaltete am Sonntagvormittag in der Aula der Universität eine Kundgebung zur Frage der deutschen So­zialpolitik, in deren Mittelpunkt ein Vortrag des Mitgliedes des ReichswirtfWftsrats Georg Brost-Berlin über das Thema: Stehen wir am Wendepunkt der deutschen Sozialpolitik?" stand.

Nach einer Eröffnungsansprache des Gauvorstehers Auer­bach-Frankfurt ging Brost zunächst auf die im vergangenen Jahre von Horneffer und Hartz erschienenen Schriften gegen die Sozialversicherung ein, die er bekämpfte und zu widerlegen versuchte. Er führte sodann u. a. aus, er gebe ohne weiteres Ar daß an eine gesunde Sozialversicherung nicht gedacht werden könne, bevor nicht die beiden Grundsätze, nämlich Erfüllung der Erfordernisse und Voraussetzungen einer gesunden Wirtschafts­politik sowie eine verständige Sozialpolitik zu betreiben, erfüllt ' seien. Die heutige Abneigung gegen die Sozialpolitik in weiten Kreisen der Bevölkerung sei größtenteils auf Verständnislosig- keit zurückzuführen. Die Sozialversicherung sei trotz aller An­feindungen zum Träger der Allgemeinverbundenheit der Massen der deutschen Arbeitnehmer als natürlicher Ausgleich gegen die Zusammenballungen des Kapitals geworden: deshalb müsse die Theorie von Horneffer aus einer Menge von Gründen abgelehnt werden. Man wolle unter keinen Umständen den Gedanken der Verbundenheit aufgeben, auch nicht gegenüber dem oft gepriese­nen Gedanken des Individualismus. Man wolle wohl die Ein- zelpervn nicht erdrücken; aber das Lebendighalten des Einzel­nen dürfe nicht auf Kosten des Gemeinschaftslebens, der Frei­heit der Arbeitnehmerschaft, vor sich gehen. Was den Ein­wand der wirtschaftlichen Untragbarkeit der Sozialversicherung betreffe, so stelle er fest, daß die Sozialpolitik nicht die Schuld trage an der verminderten Kapitalneubildung, wie dies viel­fach behauptet werde; die Schuld liege hier bei den Tribut­zahlungen, die ein Vielfaches der Kosten der Sozialversicherung ausmachten. Weiter sei festzustellen, daß sich die deutsche Wirt­schaft trotz wachsender Schwierigkeiten und trotz der Weiterent­wicklung der Sozialpolitik ebenfalls weiter günstig entwickelt habe. Brost sagte zum Schluß u. a.: Die Behauptungen der Unproduktivität der Sozialversicherung sind falsch. Auch die Gelder der Sozialversicherung fließen immer wieder in erster Linie der Wirtschaft zu. Als Hauptleistung der deutschen So­zialversicherung ist aber zu berücksichtigen, daß das deutsche Volk durch den Ausbau des Versicherungswesens in den letzten 70 Jahren körperlich und seelisch gesund geworden ist. Das ist ein sehr erhebliches Aktivum, das in erster Linie immer wieder der deutschen Wirtschaft zugute kam. Wir halten in der Gegen­wart und für alle Zukunft in unserem übervölkerten Industrie­land Deutschland eine gesunde Sozialpolitik für ganz unent­behrlich, wenn der Staat bestehen und sich weiterentwickeln soll. Wir sind bereit, mitzuarbeiten, um krankhafte Auswüchse und Mißbräuche in dieser Versicherung abzustellen. Aber wir war­nen vor einer Rückgangsbewegung, weil wir darin kein Glück, sondern ein Unglück für die Zukunft unseres Vaterlandes sehen.

Große Kundgebung des Landvolkes,

des mittlere» Fulda- und Werratals sowie der Rhön.

* Hersfeld, den 13. Januar 1930.

ung des Kreisbauernperews Hersfeld und des Reichslandbundes Hünfeld kam das Landvolk aus dem, mitt­leren Fulda- und Werratal sowie der Rhön in außergewöhnlich großer Zahl nach Hersfeld, um ein machtvolles Bekenntnis für die nationale Sache des Landvolkes abzulegen. In der von Landwirt Pieper-Niederaula geleiteten Versammlung erstattete einleitend der Geschäftsführer Heinrich Gotzmann-H wsftld den Geschäftsbericht für beide Vereine, die sich aus wirtschaftlichen Gründen zusammeygeschlossen haben. Der Bericht heg erken­nen daß die Landbundorganisation in dem betreuten Gebiet im ständigen Wachsen begriffen sei Lebhaft begrüßt führte dann der. Direktor des Reichslandbundes, Reichstagsabgeord­neter von Sybel-Berlin, näheres über das Thema aus:Wie kann die deutsche Landwirtschaft wieder rentabel gestaltet wer­den?" Von dem umfangreichen Agrarprogramm der Grünen Front sind dank der wachsenden Erkenntnis von der Notwen­digkeit der Landwirtschaft im vergangenen Jahr etwa 35 % der Forderungen durchgesetzt worden, die aber noch nicht ge­nügen, um die Rentabilität sicherzustellen. Es muß mit aller Kraft versucht werden, auch die andern Forderungen des Agrarprogramms durchzusetzen. Darüber hinaus muß eine Verminderung der Lasten eintreten. Die Grundlage der kom­menden Reichsfinanzreform muß eine Aenderung des Finanz­ausgleichs sein. Die Lasten, insbesondere Wegebau, Schulkoften usw. müssen auf breitere Schultern gelegt werden. Die Kraft­fahrzeugsteuer könnte noch um 50 % erhöht werden, um die Realsteüern einmal merklich zu senken. Unbedingt notwendig sei eine Stärkung des Binnenmarktes. Wenn die Landwirt­schaft rentabel sei, könne sie der Industrie mehr abkaufen, als diese gegenwärtig ausführt. Mit der Wiederherstellung der Rentabilität der Landwirtschaft hänge die Besserung der Lage aller anderen Berufsstände zusammen. So lange aber das Schicksal des deutschen Volkes von der Masse entscheidend be­einflußt werde, sei leider zu befürchten, daß der Aufstieg des deutschen Volkes nicht eintreten werde. Da es aber auf dem gegenwärtigen Wege nicht mehr lange weitergehen könne, müsse diè Entscheidung eines Tages fallen. Dann muß das Land­volk gerüstet sein. um die Entscheidung im nationalen Sinne zu beeinflussen. Im langanhaltenden stürmischen Beifall be­kannte sich die Versammlung zu den Ausführungen des Red­ners, dem neben dem Vorsitzenden in der Diskussion noch Land­wirt Eckstein-Großenmoor (Kr. Hünfeld) und Varon v. Sydow- Mansbach (Rhön) lebhafter Anerkennung zollten. Im Schluß­wort richtete Reichstagsabgeordneter von Sybel noch einen dringenden Appell an die Landleute für die nationale Sache des Landbundes zu arbeiten und auch auf dem Wege der Selbst­hilfe durch Regelung des Absatzes, Ausbau des Genossenschafts­wesens usw. nicht zu erlahmen.

Vermischte Nachrichten,

Ein Breslauer Kommerzienrat verhaftet.

reslau. Kommerzienrat Fritz Liebrecht, Inhaber der

.'Fritz Liebrecht, Dampfsäge- und Hobelwerke, gegen die ar kurzem das Konkursverfahren eröffnet worden ist, wurde rhaftet. Es besteht der Verdacht, daß er eine Großbank rch Vorlegung gefälschter Bilanzen um rund 200 000 Mark

Hädigi hat.

Ansschußsitzung des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Essen. Der Ausschuß des Deutschen Gewerkschaftsbundes tagte zum ersten Male unter seinem neuen Vorsitzenden, dem Reichstagsabgeordneien I m b u s ch. Unter den Erschienenen befand sich auch der frühere Vorsitzende, Reichsverkehrsminister S t e g e r w a l d. Der bisherige Geschäftsführer Dr. Brüning trat mit Rücksicht aus die Übernahme des Vorsitzes in der Zentrumssraktion des Reichstages von seinem Posten zurück, den er nahezu zehn Jahre bekleidete. Der Ausschuß erörterte sodann die Einzelheiten der geplanten Finanzreform und be­auftragte, die ihm nahestehenden Reichstagsabgeordneien, auf die Ausgestaltung des Programms im sozialen Sinne ein­zuwirken. Des weiteren wandte sich der Ausschuß gegen den Plan, zur Finanzierung der Arbeitslosenversicherung Mittel der übrigen Zweige der Sozialversicherung in Anspruch zu nehmen. __i

Aus Hessen-Nassau und Nach-argebèeien.

Merkblatt für den 14. Januar.

Sonnenaufgang 8.00 Uhr, Sonnenuntergang 16.19 Uhr. Mondaufgang 15.20 Uhr, Monduntergang 8.13 Uhr.

14. Januar: 1742: Der Astronom Edmund Halley in Greenwich gest. (geb. 1656). 1850: Der Schriftsteller Pierre Loti in Rochefort-sur-Mer geb. (gest. 1923). 1874: Philipp Reis, der Erfinder des Telefons, in Friedsrichdorf bei Hom­burg gest. (geb. 1834).

Vornehme Seelen sind die, welche auf das Hauptziel der gewöhnlichen Seelen, den eigensüchtigen Genuß des Lebens, grundsätzlich verzichten, um sich der Hebung des gesamten Ge­schlechtes um so wirksamer widmen zu können Hilty.

Wetterbericht.

Mit dem Durchzug des Regengebiets in der Nacht zum Sonntag hat sich bei uns die zyklonale Witterung durchgssetzt und den letzten Rest des Hochdruckgebiets beseitigt. Unter kräf­tigem Druckanstieg überströmt zur Zeit maritime Luft polaren Ursprungs unser Gebiet, die in den Niederungen Erwärmung, in der Höhe aber Abkühlung brachte. Vielfach kommt es dabei auch schon in tiefer gelegenen Orten zu Schneefällen. Be­ständigeres Wetter ist nicht zu erwarten, da neuer Druckfall an der Westküste von England das Herannahen der nächsten Störung ankündigt, die uns sehr bald erreichen wird. Vor­hersage bis Montag abend: Nach kalter Nacht erneut Bewöl­kungszunahme und Einsetzen von Niederschlägen, leichte Er­wärmung, nach Süd drehende Winde. Witterungsaussichten für Dienstag: Fortdauer der veränderlichen, zeitweise zu Nie­derschlägen neigenden Witterung.

Im überheizten Zimmer.

Eine der häufigsten Ursachen für die winterliche Erkäl­tung bilden überheizte Räume; denn nur zu oft ent­stehen durch das Offnen eines Fensters zum Zwecke des Tempe­raturausgleichs oder beim Hinaustreten aus dem überheizten Raum in das kalte Treppenhaus oder auf die Straße die verschiedenartigsten Erkältungen.

Der jetzige außergewöhnlich warme Winter steigert diese Gefahr noch mehr, da vielfach von den Heizern der Zentral­heizung sowohl als auch von Hausfrauen und Angestellten bei der Heizung weniger das Thermometer als vielmehr die Jahreszeit als maßgebend betrachtet wird. Vielfach herrscht, besonders in ländlichen Kreisen, die Sitte, ähnlich wie beim Badewasser, die Wärmenach dem Gefühl" zu be­urteilen. Einzig maßgebend aber für die richtige Beheizung eines Wohnraumes ist allein das Thermometer, das daher in keinem von Menschen bewohnten Raume fehlen sollte.

Natürlich muß man wissen, welche Temperatur den ein­zelnen Räumen angemessen ist. Ein Raum, in dem man sich bewegt, muß eine andere Temperatur haben als ein Raum, in dem man bei der Arbeit zu sitzen oder in dem man zu schlafen pflegt. Ein Erwachsener braucht im allgemeinen weniger Wärme als ein Kind, ein Gesunder weniger als ein Kranker. Für einen Wohnraum sind 17 bis 18 Grad Celsius als angemessen zu betrachten, in den Schlaf­räumen gesunder erwachsener Personen sollen nicht mehr als 13 bis 14 Grad Celsius herrschen. Die Wärme in den Ar­beitsräumen richtet sich nach der Art oer Beschäftigung. Für ein Krankenzimmer sind 17 bis 20 Grad Wärme zu fordern. Sehr wesentlich ist es, für die Erwärmung des Fuß­bodens zu sorgen, der, besonders wenn er über ungeheizten Räumen liegt, trotz an sich warmen Zimmers oft kalt bleibt und so leicht Gelegenheit zu kalten Füßen und damit wieder­um zu Erkältungen geben kann. Hier werden Teppiche, Fuß­matten oder eine über die Füße geschlagene Decke leicht ent­sprechende Abhilfe schaffen können.

Daß geheizte Räume einer ausreichenden Stiftung be­dürfen, ist selbstverständlich. Leider wird auch hierin häufig zum Schaden unserer, Gesundheit vielfach gesündigt. Häufi­geres kürzeres Lüften, am besten morgens und abends für je zehn Minuten, ist zweckmäßiger als einmaliges längeres Lüften.

Schließlich sei noch darauf hingewiesen, daß vom gesund­heitlichen Standpunkt aus das Schlafen bei offenem Fenster für gesunde erwachsene Personen besonders emp­fehlenswert ist.

Nentenbankscheine gelten noch. Um irrigen Auf­fassungen im Publikum zu begegnen, macht die Deutsche Rentenbank darauf aufmerksam, daß sowohl die Renten­bankscheine zu 1000, 500 und 100 Rentenmark mit Aus­stellungsdatum vom 1. November 1923 (ohne Kopfbilder) als auch die Rentenbankscheine zu 50 Rentenmark (mit Kopfbildnis eines Landmanns), zu 10 Rentenmark (mit Kopfbildnis einer Landfrau) und zu fünf Rentenmark (mit Kopfbildnis eines Landmädchens) nicht aufgerufen, also nach wie vor gesetzlich zugelassene Zahlungsmittel sind.

* Fulda, den 13. Januar 1930.

Die Jahreshauptversammlung des Hofmannschen Männerchors.

Am Samstag abend fand im Gemeindehaus die Jahres­hauptversammlung des Hofmannschen Männerchors statt. Der 1. Vorsitzende des Vereins, Herr Fabrikant Himmelreich, begrüßte' die Erschienenen und gedachte der im vergangenen Jahre verstorbenen aktiven und passiven Mitglieder, unter denen sich auch der verdienstvolle Gründer und langjährige Leiter des Chors. Rektor i. R. Hofmann, befand. Die Versammlung ehrte das Andenken der Verstorbenen in üblicher Weise. Aus dem vorgetragenen Jahresbericht ging hervor, daß der Chor in ge­sanglicher Hinsicht im vergangenen Jahre sehr erfreuliche Fort- schitte gemacht hat und in seinen Konzerten sehr beachtens­werte Erfolge erzielen konnte. Bei Veranstaltungen der evan- geliscben Gemeinde wirkte der Chor mit: bei der Einweihung des AltersheimsEmaus", bei der Christmette, beim Militär- gottesdienst am heii. Abend und beim Jahresschlußgottesdienst an Silvester. Die Veranstaltungen des Chors erfreuten sich sämtlich eines sehr guten Besuches. Herzliche Worte des Dan­kes fand der 1. Vorsitzende für die opferbereite Arbeit und sichere Stabführung des Chorleiters, Herrn Obermusikmeister Hewers. Die Mitgliederzahl des Vereins betrug am 1. Januar 310, darunter 87 aktive Sänger. Erfeulicherweise konnten im ver­gangenen Jahre eine recht stattliche Anzahl neuer aktiver Sän­ger .ausgenommen werden. Der Kassenbericht zeugte von spar­samer und vorbildlicher Kassenführung. Dem Kassierer würbe* Entlastung erteilt. Die Vereinsbeiträge bleiben in unverän­derter Höhe bestehen. Die Vorstandswahl ergab die Wieder­wahl des Herrn Max Himmelreich als 1. Vorsitzender. Weiter wurden in den Vorstand gewählt die Herren Werner Hafen­pflug, Balzer, Hugo Richter, Ehrhardt und Köbler. Als Ob­mann des Vergnügungsausschusses wurde Herr Hasenpflug ge­wählt. Die Satzungen wurden durch einen § 9a dahingehend ergänzt, daß aktive Sänger nach Lojähriger Mitgliedschaft die silberne und nach 30jähriger Mitgliedschaft die goldene Vereins­nadel verliehen erhalten können. Bei Vollendung des 60. Lebensjahres können sie zu Ehrenmitgliedern ernannt werden. An Veranstaltungen für die nächste Zeit wurden beschlossen: Am 19. Januar abends im Gemeindehaus eine Wiederholung des vor einiger Zeit mit großem Erfolg aufgeführten Sing­spielsWaldvögelein", am 2. März eine Fastnachtfeier im Bllr- gerverein, am 23. März ein Familienabend im Gemeindehaus, ân Ostern das übliche Osterkonzert. Die Weihnachtsfeier 1930 findet am 2. Weihnachtsfeiertage im Stadtsaal statt. Herr Kreispfarrer Weber machte beherzigenswerte Vorschläge zur würdigen Ausgestaltung der Weihnachtsfeiern evangelischer Vereine. An biete Vorschläge schloß sich eine Aussprache an, als deren Ergebnis der Vorstand ersucht wurde, diese Angelegenheit eingehend zu prüfen. In seinem Schlußwort dankte der 1. Vorsitzende für die sachliche Durchführung der Beratungen und bat um weitere tätige Mithilfe an den Zielen und Aufgaben des Vereins,

Dekorierungsfest des B.H.C., Zweigverein Fulda.

Eine recht stattliche Feftversammlung hatte sich am Samstag abend in der Harmonie zum üblichen Dekorierungsfest des Vo­gelsberger Höhenklubs eingefunden. In Vertretung des 1. Vorsitzenden rief VHC.-Bruder F e l d m a n n den Erschiene­nen ein Herzliches Willkommen zu. Er bat die Mitglieder, sich auch im Jahre 1930 recht eifrig an ben Wanderungen zu betei­ligen, damit die Zahl der Auszuzeichnenden stetig wachse. Der durch 4 Damen vorgetragene Prolog, der die 4 Jahreszeiten schilderte, fand großen Anklang. Bei der dann folgenden Aus­zeichnung konnten insgesamt 31 Personen dekoriert werden, und zwar erhielten die Auszeichnung zum ersten Male 3 Da­men und 3 Herren, zum zweiten Male 1 Dame, zum dritten Male 3 Damen und 1 Herr, zum vierten Male 2 Damen und 2 Herren, zum fünften Male 2 Herren, zum sechsten Male 2 Her­ren, zum siebten Male 1 Dame und 2 Herren, zum achten Male 1 Dame, zum neuten Male 1 Dame und 4 Herren, zum zehnten Male 1 Dame, zum zwölften Male 1 Dame und 1 Herr. Im weiteren Verlauf des Abends erfreuten Mitglieder der Ju­gendgruppe der Turngemeinde 1848 Fulda durch einige Kasperletheater-Aufführungen, die sehr großen Beifall fanden. Besonders gefielen die Rundfunkmeldungen über wichtige lokale und Auslandsereignisse. Mit einem Tanz endete die schön verlaufene Veranstaltung.

Weihnachtsfeier des Gardevereins.

Sehr zahlreich hatten sich die Mitglieder des Gardevereins am Samstag abend im Saale des Gesellenhauses zur Weih­nachtsfeier eingefundem Neben den Vereinsangehörigen konnte der 1. Vorsitzende auch eine stattliche Zahl von Angehörigen der verschiedenen, in der Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossenen Krieger- und Militärvereine und des WanderklubsSchwalbe" willkommen heißen. Nach dem gemeinsamen Gesang des Weih- nachtsliedes kam das stimmungsvolle WeihnachtsspielGroß­vaters Weihnachtskrippe" in guter Wiedergabe zur Aufführung. An die schöne Militärzeit erinnerte der SchwankHans Hucke­bern, der Unglücksrabe , der tosenden Beifall fand. Durchschla­genden Erfolg erzielten auch das köstliche DuettGroßpapa und Großmama". Die Pausen zwischen den einzelnen Aufführun­gen wurden durch flottgespielte Militärmärsche usw. ausgefüllt. Der Erlös der reichhaltigen Verlosung diente zur Unterstützung notleidender Kameraden. Als der Tanz begann, sah man man­chen ehemaligen altenFranzer",Elisabether" usw. noch flott, wie einst im Mai", das Tanzbein schwingen. Allzurasch gin­gen leider die schönen Stunden dahin, an die jede Besucherin und jeder Besucher sicher noch lange gerne zurückdenken wird.

Zusatzrentenempsänger.

Am Mittwoch, den 15. Januar wird von vormittags 912 Uhr die Zumbrcntt für Januar 1930 an sieche, erwerbs­unfähige Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene gezahlt. Gelbe Ausweise sind vorzulegen. Renten, die an diesem Tage nicht abgeholt sind, werden den Empfangsberechtigten auf ihre Kosten durch die Post übersandt.

Wem gehören die Sachen?

Beschlagnahmt und sichergestellt wurden ein Photoapparat MarkeVoigtländer", eine elektrische Fahrradlampe, ein Fahr­radlampendynamo, eine Autohupe und ein Krastradkennzeichen I. T. 27 583. Eigentumsansprüche sind bei der Kriminalpolizei in Fulda anzubringen.

Bom Konkursgericht.

In dem Vergleichsverfahren Blasius Farnung in Vachrain fand am 11. Januar im Amtsgericht Fulda ein neuer Termin statt, in dem von dem Gemeinschuldner ein Vergleichs- Vorschlag von 100 Prozent, zahlbar in 7 Raten, vorgeschlagen wurde. Je 10 Prozent sollen am 1. Mai, 1. Juni und 1. Juli 1930, je 15 Prozent am 1. Oktober 1930 und 1. Januar 1931, je 20 Prozent am 1. August 1931 und am 1. Juli 1932 gezahlt werden. Die Abstimmung über diesen Vorschlag ergab, daß von 98 Gläubigern mit insgesamt 29 225,30 Mark Forderungen 66 Gläubiger mit 23 109,82 Mark Forderungen dem neuen Der- gleichsvorschlag zuftimmten. Da damit die gesetzlich vorgeschrie­bene Dreiviertelmehrheit erreicht war, bestätigte das Gericht den Vergleich.

Erlaubte Haussammlungen.

Dem" Vorstand der Anstalt für Epileptische in Bethel bei Bielefeld ist für das Jahr 1930 die Veranstaltung einer ein­maligen Haussammlung freiwilliger Gaben bei den evangeli­schen Einwohnern bis zum 31. Dezember b. J. gestattet worden.

Bei Ausführung der Sammlung muß der Sammler mit Ausweispapieren und einem Sammelbuch versehen sein. Die Blätter des Sammelbuches müssen mit fortlaufenden Seiten­zahlen bezeichnet sein, auch muß der Sammler die Genehmi­gungsverfügung in amtlich beglaubigter Form jederzeit bei sich führen. Der Sammler soll darum bitten, daß alle Eintragun­gen der Geber mit Tinte oder Tintenstift geschehen.

Dem Zentralverband deutscher Kriegsbeschädigter unb Kriegshinterbliebener in Berlin ist die Erlaubnis zur Veran­staltung öffentlicher Eeldsammlungen in der Form der Wer­bung fördernder Mitglieder bis zum 31. Dezember 1930 ver­längert worden.

400 Jahre Augsburgische Konfession.

Augsburg rüstet sich, in feierlicher Weise des Tages zu ge­denken, da vor 400 Jahren in seinen Mauern die Augsburgische Konfession verlesen wurde. Umfassende Vorbereitungen für eine würdige Feier, zu der die evangelischen Kirchen der ganzen Welt Vertreter entsenden ^werden, sind im Gange. Eine Reihe kirchlicher Verbände umfassenden Charakters hat seine Tagungen für 1930 nach Augsburg angemeldet. In großen öffentlichen Kundgebungen werden namhafte Redner zu Worte kommen. Die, Stadt Augsburg wird ihren Besuchern eine Reformations- ausstellung und eine Renaissanceausstellung bieten. Ein Re­formationsfestspiel wird in edler, volkstümlicher Weise die gro­ßen Ereignisse des Jahres 1530 lebendig und anschaulich machen. Mehrere Festschriften, wissenschaftlicher und volkstümlicher Art, werden den Gegenstand der Jubelfeier herausstellen. Die Blicke der Kirchen aller Welt werden im Jahre 1930 auf Augsburg, dessen Name ja gerade durch die Augsburgifche Konfession welf­bekannt geworden ist, gerichtet sein.

Aus der Schwalmgegend. Ein im Juli v. I. vom Kalifyn- dikat in Obergrenzebach unter Beihilfe beinahe aller Ortsbe­wohner gedrehter Schwälmerfilm, der in seinem Verlauf Ge­legenheit bietet, u. a. einen Kirchgang, ein« Wirtshausszene, den Schwälmer Tanz, einen Hochzeitszug usw. vorzuführen, wurde nicht nur dort vor einem größeren Publikum gezeigt, sondern ging auch neuerdings in Allendorf a. L., Frielendorf, Nausis, Niedergrenzebach, Ottrau, Riebelsdorf, Weißenborn und Zella bei Vorttagsabenden der betreffenden Raiffeisen- veveine über die weiße Leinwand, lleberall fanden die herr­lichen Landschasts- und Trachtenaufnahmen ungeteilten Beifall.

Gießen, 11. Jan. (Kein Gießener Wohnungsbauprogramm für 1930.) Ebenso wie die Landeshauptstadt Darmstadt hat auch die Stadt Gießen für das Jahr 1930 mit ganz wesentlich geringeren Einnahmen aus der Hauszinssteuer zu rechnen. In­folgedessen besteht für Gießen im Jahre 1930 keine Möglichkeit, ein städtisches Wohnungsbauprogramm (stadteig-ene Wohnun­gen. Wohnungen von Baugenossenschaften und von Privaten) durchzuführen. Es kann im günstigsten Falle damit gerechnet werden, daß das rückständige Bauprogramm aus dem Jahre 1929 zur Abwicklung kommt.

Assenheim bei Friedberg, 11. Jan. (Ein Säugling ver­brannt.) Während die Mutter eines zehn Tage alten Kindes häusliche Arbeiten verrichtete, geriet ein Korb, in dem ein Säugling lag, und der in der Nähe des Herdes stand, in Brand. Als die Mutter zurückkehrte, stand der Korb in hellen Flammen. Das Kind erlitt furchtbare Brandwunden und ist nach seiner Einlieferung in das Friedberger Krankenhaus gestorben.