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Zul-aer ^n^cigcr

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Nr 9 1930

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- und Haunetal-Zul-aer Kreisblatt

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7. Jahrgang

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Bewegung im Kreise.

Das Haager Ringen.

Keine wesentliche Förderung.

Seit Tagen nun schon dreht sich das Suchen der tm Haag versammelten Mächte um einen Punkt, gleichsam im Kreise herum, ohne daß man einer Lösung wesentlich näberfommt. Freitag vormittag traten die deutschen Reichsminister Curtius und Wirth abermals mit den französischen Ministern Tardieu und Brr and zusammen, um die Behandlung der von Frankreich auf­geworfenen Frage, welcher Austand eintrcte, falls eine zukünftige deutsche Regierung das Haager Abkommen zerreiße, wciterzubringcn. Die Besprechungen, die längere Zeit andauerten, ergaben aber kaum ein wesentliches Er­gebnis. Die beiderseitigen Vertreter unterhielten sich längere Zeit. Ossensicktlich ist es nicht ganz klar, ob es sich mehr um eine politische oder um eine juriftifdjc An­gelegenheit handelt.

Die französische Seite weist immer wieder auf eine gewisse Propaganda in Deutschland hin, die im voraus gegen die etwaigen Haager Schlußabmachungen d,e öffentliche Meinung aufzubringen suche. Frankreich will rechtliche Festsetzungen für den Fall einer absichtlichen Vernichtung des jetzt zu beschließenden Young-Planes.

Die deutschen Vertreter halten demgegenüber daran fest, es sei dringend notwendig, eine erneute Bestätigung des Vertrages von Versailles in seinem schlimmsten Punkte, nämlich dem S a n k t i 0 n s r e ch t, zu ver­hindern. Sie könnten unmöglich jetzt zehn Jahre später nach Inkrafttreten des Young-Plans folchen Bestim­mungen noch zustimmen.

Französisches Entgegenkommen.

Ob es etwa ein französisches Entgegenkommen be­deutet, daß die Herren Tardieu und Briand sich mit einer schriftlichen Feststellung begnügen wollen, in der die Rechtsanffassnngen beider Teile für den von ihnen an- ywr**sateteH Fall in Übereinstimmung gebucht mürbes»

Chinesische Treibereien gegen Deutschland

Unwahre Behauptungen.

Die in Schanghai erscheinende revolutionär ein­gestellte ZeitungEvening News" veröffentlicht eine gegen Deutschland gerichtete Erklärung, deren Urheberschaft dem Führer der äußersten Linken, Wang Sching Wei, zuge- schrieben wird. Die Erklärung, die die Überschrift trägt: Eine Warnung an Deutschland", enthält folgende Stellen: Es ist eine Tatsache, daß zahlreiche deutsche militärische Sachverständige dem General Tschiangkaischek bei seinen verschiedenen Unterdrückungsfeldzügen zur Seite gestanden haben. Es wird angenommen, daß diese deutschen Offi­ziere von der deutschen Regierung für die Verwendung in China empfohlen worden sind, und zwar nicht als Rat­geber der nationalistischen Regierung, sondern als persön­liche Werkzeuge Tschiangkaischeks bei der systematischen Vernichtung der Kuomintang. Deutschland verschickt grße Mengen.Waffen, Munition und Tanks und verletzt da­durch den Versailler Vertrag. Jedes loyale Mitglied der Kuomintang und das gesamte chinesische Volk könnten nicht gleichgültig der schrecklichen Art und Weise, auf die Hun- dctte chinesischer Soldaten als Opfer deutscher Giftgas- angriffe bei Kanton gefallen sind, gegenüberstehen. Die deutschen Sachverständigen haben es gewagt, das, was das Völkerrecht zwischen zwei Nationen verbietet, gegen chine­sische Soldaten zur Anwendung zu bringen. General Tschiangkaischek stehen 26 deutsche militärische Berater zur Seite, darunter Oberst Kriebel, der Tschiangkaischek bei

dem letzten Feldzug ständig begleitet hat."

Es ist natürlich gänzlich erfunden, daß die deutsche Regierung irgendeiner chinesischen Stelle Offiziere und Waffen zur Verfügung gestellt habe. Ehemalige deutsche Offiziere sind zweifellos nach dem unruhigen China gegangen, sie standen dabei nicht in der geringsten Beziehung zur deutschen Regierung. Der genannte Oberst Kriebel kämpfte seinerzeit lange gegen die republika- eim Hitlerputsch in ort mit Gesinnungs-

irische deutsche Regierung, u. a. be... München, und wanderte von dort

genossen nach China aus.

Kriegsmaterial ist nach China sowohl von Dampfern anderer Länder als auch von deutschen Dampfern befördert worden. Es besteht für Deutschland keine Möglichkeit, das zu verhindern, nachdem das Gesetz über die Waffeneinfuhr nach China aufgehoben worden ist, ebenso wie in anderen Ländern entsprechende Verbote aufgehoben wurden. Es ist bekannt, daß dieses Kriegsmaterial, auch wenn es von deutschen Schiffen eingeführt wurde, nicht aus Deutschland stammt, sondern in anderen Ländern fabriziert wurde.

Aufhebung der Wohnungszwangs- wirtschast abgelehni.

Die Wohnungsämter noch nicht entbehrlich.

Der Wohnungsausschuß des Preußischen Landtages beriet am Freitag Anträge der Wirtschaftspartei auf Aufhebung der Gesetze über die Wohnungszwangswirt­schaft, nämlich des Wohnungsmangelgesetzes, des Reichs­mietengesetzes und des Mieterschntzgesetzes. Nach leb­hafter Aussprache bekundete ein Vertreter des Wohl- fahrtsministcriums die Auffassung, daß die Wohnungs­ämter noch nicht entbehrt werden könnten. Alle dahin­gehenden Anträge wurden schließlich abgelebnt

mutz dahingestellt bleiben. Schwierig erscheint von vorn­herein das Verlangen einer streng abgewogenen juri­stischen Formulierung, wenn auch anerkannt werden kann, daß der Standpunkt der Gegenseite hier wie dort mit Aufmerksamkeit angehört wird. Die Franzosen er­blicken schon ein Entgegenkommen ihrerseits darin, daß die Tätigkeit der Reparationskommission mit dem In­krafttreten des Young-Plans Deutschland gegenüber auf­höre, zumal in letzter Instanz ja das höchste Schieds­gericht, der Haager Gerichtshof, entscheiden solle.

Snowden.

Neuerdings erregte es einiges Aussehen, daß auch der englische Schatzkanzler Snowden sich dem französischen Verlangen gegenüber ziemlich willfährig zeigte. Er drückte seine Überraschung über den fortgesetzten deutschen Wider­stand aus. Für das glatte Arbeiten sei diese Hartnäckig­keit nicht sehr förderlich. Es müsse recht bald eine endgültige Antwort erteilt werden, wenn auch er, Snow­den, etwaige Sanktionsbestimmungen in keiner Form an­erkennen werde.

In der Frage der deutschen Zahlungstermine, die unter Umständen einen Verlust von 80 Millionen Mark Zinsen monatlich für Deutschland bedeuten, ist man eben­falls nicht sehr viel weitergekommen. Die Kommissions­verhandlungen über die Anpassung des Young-Planes an den deutsch-amerikanischen Vertrag wurden noch nicht ab­geschlossen und die Sachverständigen sollen zunächst noch­mals ihr Urteil abgeben.

Eurtius und Briend nach Genf.

Zur beginnenden Völkerbundkonferenz in Genf reifte der französische Außenminister bereits Freitag ab. Er will von dort zur Flottenkonferenz nach London gehen, so daß seine weitere Beteiligung im Haag in Frage steht. Voraussichtlich reift der deutsche Außenminister Doktor Curtius Sonnabend oder Sonntag nach Genf und Ä »VC» S«4 bem Sans ru-üL

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Letzter Hochzeitssesttaa in Rom.

Der Gratulationszug der Zivilbeamte w

Am Freitag fanden die Hochzeitsfeierlichkeiten in Rom mit einem Gratulationszug der Zivilbeamten ihren Ab­schluß. An 10 000 Männer marschierten an den vor dem Quirinal errichteten Tribünen vorüber. Vorangetragen wurde die Standarte des faschistischen Parteipräfekten T u r a t i, eskortiert von einer Abteilung der faschistischen Miliz. Vor dem Gouverneur von Rom wurde das Wahr­zeichen der Ewigen Stadt von betreßten Dienern getragen.

Das italienische Krvuprinzenpaar in der Petersrirche.

Das Kronprinzenpaar begab sich kurz nach der Trauung in die Peterskirche, um dort ein stummes Gebet zu ver­richten, ehe es vom Papst den Segen empfing.

Uniformierte Diener trugen die Banner der Provinz­hauptstädte. Dann folgten, nach Provinzen geordnet die Bürgermeister sämtlicher Kommunen Italiens. Vor Beginn des Gratulationszuges war dem Kronprinzenpaar von 30 000 Schulkindern

eine Huldigung dargebracht worden. Ein Chor von 6000 Kindern sang die Königshvmne, die Sardinische Hymne, die Hymne an die Stadt Rom, die Faschistenhymne und mehrere Volkslieder.

Die deutsch-polnischen Getreideverhandlungen.

G e m e i n s a m e R i ch t l i y i e n a u f g e st e l l 1.

Die Verhandlungen der Vertreter der deutschen und der polnischen Getreidewirtschaft haben zur Aufstellung gemein­samer Nichtliiiien für die zukünftige Organisation deS Noggenexports geführt. Die deutschen Unterhändler sind wie­der nach Berlin znrnckgekehrl, um den zuständigen Stellen Be­richt zu erstatten. Das Zustandekommen einer praktischen Eini­gung hängt jetzt von der Änderung der bisherigen polnischen Exportorganisation ab, mit der in den hiesigen landwirtschaft­lichen Kreisen und Konsumentenorganisationen immer stärkere Unzufriedenheit geäußert wird. Die deutsch polnischen Be^ sprechunaen in Warschau sotten Ende nächster Woche sortge- jetzt werden.

politische Rundschau

Deutsches Reich

Zündholzmonopol angenommen.Mieterschutz verlängert.

Der R e i ch s r a 1 erklärte in seiner Vollsitzung sich einverstanden mit dem Gesetz über das Zündholzmonopol, das eine langfristige Anleihe von 500 Millionen für das Reich von dem Schwedentrust in sich schließt. Der Reichs­rat gab ferner seine Zustimmung zur Verlängerung der Geltungsdauer des Reichsmietengesetzes und des Mieter­schutzgesetzes beide Gesetze würden am L April d. I. ablaufen um je 2K Jahre bis zum 30. Juni 1932.

Frauengruppen der Auslandsdeutfchen.

Der Bund der Ausländsdeutschen hat sich entschlossen, Frauengruppen ins Leben zu rufen. In München arbeitet seit Mitte des vorigen Jahres die erste Frauen­gruppe des Bundes. Am 16. November 1929 fand die Gründung einer Berliner Frauengruppe des Bundes statt. Sie verfolgt die gleichen Ziele und Aufgaben wie der Bund der Ausländsdeutschen. Die Frauengruppe hat ihre Arbeit damit begonnen, daß sie eine sehr er­giebige Sammlung von Kleidungsstücken an das Rote Kreuz für die Deutschen aus Rußland abliefern konnte.

Der Gutsverkauf des Prinzen Lippe.

Im Anschluß an die Ausführungen des preußischen Landwirtfchaftsministers Dr. Steiger im Hauptausschuß des Preußischen Landtages über den Verkauf von Teilen des Gutes Woynowo hat der Abgeordnete von Winter- f e l d t (Din.) dem Landwirtschaftsminister ein mit 1616 Unterschriften versehenes Gesuch deutschstämmiger Be­wohner des Restkreises Bomst und der anstoßenden Dörfer des Kreises Züllichau-Schwiebus überreicht, in dem sich diese gegen die fortschreitende Polonisierung des Grenzbezirkes wenden. Von Winterfeldt hat dem Land­wirtschaftsminister mitgeteilt, daß ihm dieses Gesuch ohne sein Zutun zugegangen sei. Hieraus ergebe sich, wie groß die Beunruhigung der deutschen Bevölkerung durch die Genehmigung des Verkaufs einiger Parzellen des Gutes Woynowo an Polen sei.

Aus Zu- und Ausland

N sd/â Der Reichs ausschuß für das deutsche

3 m e b r e n stellt in einer Erklärung zu dem Brief ^n.â^Askanzttrs Müller fest, daß die Reichsregierung für die Gntfibeibunfl über die Rechtslage nicht zuständig sei, und teilt

^B bk zu der in dem Schreiben des Reichskanzlers auS» nehmen Ctoerb^ $u gegebener Zeit weitere Stellung

^lin Aus Moskau wird die Absicht einer Säuberung K 0 mm UNistischeN Partei Deutschlands ae» melbet. Alle Angehörigen der Opposition gegen die Partetz lettung sollen angeblich entfernt werden.

Snrdjtiare Kältewelle in China.

Tausende von Menschen ums Leben gekommen.

London, 11. Jan.Daily Expreß" berichtet aus Peiping: Halb China vom Yangtseetal nordwärts wird von einer arkti­schen Kältewelle heimgesucht, der tausende von Menschen zum Opfer gefallen sind. Nach amtlicher Mitteilung sind insgesamt 208 Bettler in den Straßen Peipings seit dem 1. Januar erfroren.

15 000 Menschen, bk in Nord-Schansi Hungersnot litten, sind infolge der Entbehrungen umgekommen.

Hunderte von Dschunkenleuten und ihre Familien ertranken in Hankau, als 500 Dschunken durch das Eis des Hanflufies wie Papier zerdrückt wurden. Aus Hankau wird gemeldet, daß sich herzzerreißende Szenen abspielten, als die Leichen von 700 früheren Rikschakulis, die zum Kriegsdienst in Honan von der Regierung eingezogen waren und bei Schneestürmen ums Leben kamen, eintrafen. Es wurden Gongs geschlagen, und bewaff­nete Soldaten versuchten durch Herbeirufung der Verwandten, die Toten zu identifizieren, Ungefähr eine halbe Million Armer leben im Gebiet von Peiping, die Unterstützung brauchen, wenn sie den Winter überleben sollen.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Im Haag fanden abermalige Besprechungen zwischen den deutschen und den französischen Ministern über die Sanktions­frage statt. Ein besonderes Ergebnis wurde nicht erzielt.

* Der deutsch« Außenminister Dr. Curtius begibt sich Sonn­abend oder Sonntag nach Genf zu der dort beginnenden Völkerbundkonserenz. Mittwoch kehrt er nach dem Haag zurück.

* Anläßlich der 10. Wiederkehr des Tages der Abtrennung veranstaltete der Danziger Hei matdienst eine Kundgebung, an der weite Schichten der Bevölkerung ohne Rücksicht auf die Parteizugehörigkeit teilnahmen.

* Von chinesischer radikaler Seite werden scharfe Angriffe gegen Deutschland gerichtet, das angeblich Offiziere und Wassen nach China entsende. Diese Anwürfe find natürlich in jeder Beziehung erfunden.

* Halb China vom Yangtseetal nordwärts wird von einer Kältewelle heimgesucht, der bereits tausende von Menschen erlegen sind.

* In Ricdermöllerich bei Wabern erschoß ein Frankfurter Schutzpolizist aus Rache den Vater eines jungen Mannes, der vor zwei Jahren seinen, des Schutzpolizisten, Vater erschoßen hatte und dann im Kampfe mit der Kasseler Schutzpolizei durch Handgranaten getötet worden war.